Weiße, einfache Wände.

Der Geruch von Desinfektionsmittel.

Balu hasste Krankenhäuser. Die Tatsache, dass Kit vielleicht ernsthaft krank war, machte ihn wahnsinnig. Über eine Stunde saß er nun schon auf einer kleinen Bank vor der Intensivstation.

Die Untersuchung konnte doch nicht so lange dauern!

Balu fuhr sich mit den Händen über das Gesicht und sprang auf. Er musste sich nun bewegens, sonst würder er noch durchdrehen vor Sorge.

Als der Krankenwagen mit Sirene und Blaulicht zum Krankenhaus gefahren war, tauchte in Balus Kopf das Bild auf von einem Leben ohne Kit.

Es war ein schreckliches Bild und es verfolgte ihn.

Als die Sanitäter mit Kit auf der Trage zur Notaufnahme geeilt waren, und Balu sagten, er solle hier warten, war ihm plöztlich klar geworden, dass er ohne Kit nicht mehr leben konnte.

Der Pilot ging den Gang rauf und runter. Es war furchtbar, so machtlos zu sein. Er wollte da hinein gehen und Kit helfen, aber er wusste nicht wie.

Plötzlich tauchte eine Krankenschwester, ein blondes Eichhörnchen, neben ihm auf. Sie lächelte. „Möchten Sie vielleicht jemanden anrufen? Am Ende des Ganges ist ein Telefon."

„Anrufen…", murmelte Balu verwirrt, als er bemerkte, dass Rebecca noch immer nicht wusste, was passiert war. „Oh… ja. Ja, vielen Dank! Ich… ich muss Becky anrufen!" Er eilte den Gang runter und stoppte bei dem Münztelefon an der Wand.

Er war ein wenig überrascht, als er Kleingeld für den Anruf in seiner Tasche fand.

„Hallo?"

„Becky… Becky, ich bin's." Er versuchte sich zu beruhigen.

„Balu?", fragte Rebecca überrascht. „Um diese Uhrzeit? Was ist los?"

„Kit… Kit ist zusammengebrochen", sagte Balu und fühlte Tränen in seinen Augen aufsteigen.

Rebeccas Stimme wurde besorgt. „Was? Was meinst du mit zusammengebrochen?"

„Ich weiß nicht! Er wurde bewusstlos… und…" Der Pilot bemerkte, dass er vor Sorge zitterte. Er schluckte hart und versuchte, die Tränen zurückzuhalten.

„Oh mein Gott… Welches Krankenhaus?"

„Suzette Memorial."

„Okay, ich bin sofort da." Mit diesen Worten legte sie auf.

Balu lehnte sich gegen die Wand und seufzte. Sobald Rebecca hier auftauchen würde, würde er nicht mehr ganz alleine warten müssen.

-

Rebecca eilte den Gang entlang und sah Balu nervös auf und ab gehen.

„Balu!"

Der große, graue Bär drehte sich um. „Ich bin so froh, dass du da bist", sagte er.

Rebecca ging zu ihm rüber und umarmte ihn. „Hey, es wird alles gut werden. Du wirst sehen."

Egal wie wütend oder genervt er manchmal von Rebecca war – in diesem Moment liebte er sie und dankte ihr im Stillen, dass sie an seiner Seite stand.

„Was ist mit Molly?", wollte Balu wissen.

„Ich habe Wildkatz gebeten, sich um sie zu kümmern." Rebecca setzte sich mit Balu auf die kleine Bank und nahm seine Hand. „Wie geht es ihm?"

„Ich weiß es nicht! Das ist es ja eben, was mich wahnsinnig macht! Kit ist dort drinnen und ich weiß nicht, was mit ihm los ist! Ich…" Er vergrub sein Gesicht in seinen Händen.

Rebecca legte ihren Arm um seine massiven Schultern. „Du musst dich beruhigen Balu. Mit deiner Panik wirst du ihm nicht helfen."

Balu nahm einen tiefen Atemzug. „Okay… du hast recht, Becky. Aber sag mir, wieso mir keiner erzählt, was los ist?"

„Ich weiß es nicht", musste Rebecca zugeben. „Aber ich bin mir sicher, sie werden es dir sagen, sobald sie wissen, was ihm fehlt."

„Und was, wenn sie nicht wissen, was ihm fehlt?" Balu sah sie an.

Rebecca war erleichtert, als genau in diesem Moment die Tür zur Intensivstation aufflog und ein dünner Polarbär in den Gang trat.

„Guten Abend. Ich bin Dr. Frank", stellte er sich vor.

Balu sprang auf. „Ich bin Balu. Wie geht's Kit?"

Rebecca stand ebenfalls auf und nahm die Hand des Piloten.

„Nun, der Junge ist zusammengebrochen aufgrund des Burn-Out-Syndroms", erklärte der Doktor.

„Was? Was heißt das?" Balus Herz raste vor Angst.

„Bitte setzen Sie sich, Herr Balu", sagte Dr. Frank und wartete bis Balu und Rebecca sich wieder hingesetzt hatten. „Das Burn-Out-Syndrom ist normalerweise die Folge von zuviel Stress. Der Körper kann einfach nicht mehr und… bricht einfach zusammen. Zu wenig Schlaf can ebenfalls eine Ursache dafür sein."

„Oh nein…", gab Rebecca von sich.

Balu schluckte. „Und… wie geht es ihm jetzt?"

Dr. Frank schaute auf sein Klemmbrett. „Er ist jetzt in einem Tiefschlaf. Wir wissen noch nicht, wann er wieder aufwacht."

„Tiefschlaf? Sie meinen wie… Koma?" Balus Herz sank.

„Ja, aber mit der kleinen Ausnahme, dass es nicht länger als zwei Wochen dauern wird." Als er den besorgten Blick des Piloten bemerkte, fügte er hinzu: „Aber machen Sie sich keine Sorgen. Es kann genauso gut sein, dass er bereits morgen aufwacht. Sein Körper muss sich einfach wieder erholen und die Kraft zurückerlangen. Außerdem hat er viel Schlaf nachzuholen."

„Das ist alles meine Schuld", murmelte Balu und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht.

„Nein, sag so was nicht!", protestierte Rebecca.

„Becky, ich wusste, wie gestresst und erledigt er war! Ich wusste es und ich habe nichts unternommen! Es ist meine Schuld, dass er im Krankenhaus ist!", rief er.

„Bitte, beruhigen Sie sich, Herr Balu", sagte Dr. Frank. „Es ist ganz bestimmt nicht Ihre Schuld. Hat der Junge irgendetwas über Stress zu Ihnen gesagt?"

Rebecca schüttelte ihren Kopf. „Ich habe bemerkt, dass er Probleme hat, aber als ich ihn danach fragte, sagte er, es sei nichts."

„Genau das ist der Punkt", sagte Balu. „Er erzählt es uns nie, wenn ihn etwas bedrückt. Wieso? Vertraut er mir nicht?"

Rebecca wusste nicht, was sie darauf antworten sollte. Stattdessen sah sie Dr. Frank an. „Können wir zu ihm?"

„Natürlich." Der Doktor nickte. „Folgen Sie mir."

Balu und Rebecca folgten Dr. Frank in die Intensivstation. Sie gingen einen weiteren Gang entlang und Dr. Frank öffnete schließlich eine Tür an der linken Seite.

Kit lag in einem Bett in der Mitte des Zimmers – eine Injektion in seiner linken Hand und ein Atmungsschlauch in seinem Mund. Ein regelmäßiges Piepen von einem Gerät neben dem Bett, zeigte seine Herztöne.

Balu nahm sich einen Stuhl von der Wand und setzte sich neben Kit. Rebecca nahm auf der anderen Seite des Betts Platz.

Der Pilot nahm Kits Hand und flüsterte: „Kleiner Purzelbär… ich weiß nicht, ob du mich hören kannst, aber… du bist nicht allein. Ich bei dir… und das werde ich immer sein…"

(Fortsetzung folgt…)