DISCLAIMER: Wenn ich YGO besitzen würde, wäre ich Kazuki Takahashi. Wenn ich Kazuki Takahashi wäre, wäre ich aber auch ein Mann und Mitte 40. So betrachtet vielleicht nicht schlecht, dass ich´s nicht bin.

WARNINGS: Shônen-Ai, Inzest, eine Prise PWP, Verführt!Seto und Überclever!Mokuba und...das war´s auch schon... Ich hoffe, dass ich keine Geschmacksbarrieren niedertrete...

A/N: Diese FF ist meiner Animexx-Schwester und geschätzten Dauer-Gesprächspartnerin KenxOmiLove aka Naomi aka Nadine gewidmet, die meine Ansichten über dieses Paar teilt und selber spannende Beiträge dazu bereithält...

Ken, die ist für dich! Hoffe, du magst sie...

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1.

Sichtblende

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„Bist du dir sicher...?" flüsterte der Ältere, während er die Wagentür aufhielt.

Der Kleinere lächelte nur. „Ganz sicher, „ sagte er, bevor die Tür hinter ihm zufiel.

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Es war wie mit diesem alten Spruch vom Sturz ins kalte Wasser. Natürlich war es viel besser, sich einfach hineinzustürzen, statt sich langsam vorzutasten. Und trotzdem: die Furcht vor dem Schock ließ einen doch wieder zurückschrecken.

Sie saßen schon eine ziemliche Weile in dem abgestellten Auto und schwiegen, während der Motor erkaltete und ihnen heiß wurde.

Mokuba hielt die Hände regungslos in seinem Schoss und wartete, dass etwas – irgendetwas! – passierte, als Seto sich neben ihm räusperte.

„Da...da wären wir," murmelte er. Es hörte sich ziemlich förmlich an, wenn man bedachte, was der Anlass war.

Aber Seto war fast immer förmlich, wenn es um Sachen ging, die ihm irgendwie nahegingen – das war nicht so ungewöhnlich. Ungewöhnlich war das andere – das Räuspern und das Murmeln.

Mokubas älterer Bruder senkte nie die Stimme, er schwankte nie, er gab sonst nie diese leisen, scheuen Töne von sich wie andere, wenn sie unsicher waren. Nein, Seto Kaiba schmiss mit schneidender Stimme Beleidigungen und böse Lebensweisheiten um sich, er bellte Befehle und fauchte Triumphreden...er flüsterte nicht, er stammelte nicht.

Aber das betraf nur den normalen, den täglichen Seto Kaiba.

Und an dieser Nacht – das wusste Mokuba Kaiba besser als irgendwer sonst – war absolut gar nichts normal. Nichts.

Unsicher, was er aus Setos Worten machen sollte, versuchte Mokuba das blasse, vom Mondlicht beschienene Gesicht neben sich zu lesen. Wenn es einer konnte, dann er...

Aber Seto schien ziemlich entschlossen zu sein, dem Augenkontakt mit seinem kleinen Bruder aus dem Weg zu gehen. Er blickte starr vor sich aus dem Fenster, auf die kahle Landschaft, das feingeschnittene Gesicht ein einziger Krampf.

Mokuba schluckte. Unhörbar – wie er hoffte. Ihm war ebenfalls nicht nach Sprechen zumute, aber einer von ihnen MUSSTE etwas sagen. Also...

Er sah sich um und befeuchtete seine austrocknenden Lippen.

„Wie meinst du das, Nii-s... – „ Er stutzte und würgte das Wort in seinen Hals zurück. Dieses Wort passte nicht. Nicht heute. Nicht mehr.

„Wie meinst du das, Seto? Hier ist doch nichts..."

Das stimmte. Seto hatte ihr edles Kaiba-Mobil (wie Mokuba den Ferrari seines Bruders heimlich getauft hatte) irgendwann von der Hauptstrasse runtergesteuert, und nun standen sie einsam im Schlamm in irgendeinem abgewrackten, verlassenen Industriegebiet.

Mokuba betrachtete die Einöde, die sie umgab. Verdammt, er hätte Seto nicht die Wahl des Ortes überlassen sollen. Er hätte wissen müssen, dass sein großer Bruder keinen blassen Schimmer von romantischer Atmo hatte.

Mokuba Kaiba hatte sich zwar nie erträumt oder vorgestellt, dass er seine Unschuld auf einem seidenen Bett voller Rosenblätter verlieren würde, während im Hintergrund die Mondscheinsonate lief – dazu war er selbst nicht romantisch genug veranlagt.

Aber er war trotzdem etwas enttäuscht. Er hatte irgendwie nicht damit gerechnet, dass sein Liebhaber ihn auf ein ruinöses Fabrikgelände karren würde, um ihn zu vernaschen.

Bei diesem Gedanken flatterte sein Herz plötzlich auf, und in seinem Bauch spielten sich unbeschreibliche Dinge ab.

Er schalt sich selbst. Was spielte es für eine Rolle, wo sie waren...? Hauptsache, er WURDE endlich vernascht. Von dem einzigen Mann, von dem er es sich wünschte.

Seto lachte, leise und nervös. Mokuba fuhr zusammen. Seto lachen zu hören – und zwar nicht sein irres Erobererlachen, sondern diese verletzliche, unsichere Variante – war selbst für ihn ungewohnt. Sie hatten sich zwar schon immer vertraut, aber so nahe kamen sie sich normalerweise nicht. Und das hatte Gründe.

Aber – „normal" stand seit einiger Zeit nicht mehr auf dem Programm.

Ein eigentümlicher Blitz erhellte Setos eisblaue Augen, während er die verödete Gegend musterte. Offenbar war er zufrieden mit seiner Entscheidung, hierher zu kommen.

„Eben," sagte er. Seine Stimme zitterte leicht. „Hier ist nichts. Es ist perfekt."

Er wandte sich – endlich! – Mokuba zu und grinste durchtrieben, und eine Sekunde war es wie früher, als wären sie nur zwei Brüder, die zusammen irgendeinen boshaften Mist ausgetüftelt hatten.

Und nicht zwei Brüder, die in die Einsamkeit rausgefahren waren, um in Ruhe zu fummeln.

Sie waren verdammt. Beide. Soviel war mal sicher.

Als wollte er es bestätigen, streckte Seto im nächsten Moment die Hand aus und betätigte einen Schalter an der Armatur. Und der letzte Rest fahlen Mondlichts verschwand aus dem Inneren des Autos. Sie saßen in vollkommener Schwärze.

Mokuba sah still zu, wie die Sichtblenden sich vor die Fensterscheiben schoben, und endlich begriff er Setos Plan.

Der kleine Kaiba lächelte in der Dunkelheit. Seto hatte recht: es WAR der perfekte Ort. Ein unzugänglicher Wagen in einer Gegend, die sogar von den Ratten ignoriert wurde, mit Sichtschutz vor den Fenster, in allerschwärzester Nacht. Sie waren nicht mehr existent. Sie waren für den Rest der Welt unsichtbar.

Und außerdem, war dieses Auto nicht ihre zweite Heimat...? Sie hatte hier drin die wildesten Reisen übernommen, die rasantesten Fluchten gestemmt. Ein schöneres Sinnbild für Setos Stärke und Mokubas Treue gab es kaum. Der Wagen war ein Teil von Seto...so wie Mokuba.

Es gab keinen besseren Ort als diesen.

Seto konnte Mokubas Lächeln nicht sehen, denn einen Augenblick später fragte er in die Dunkelheit: „Hab ich...hab ich dir Angst gemacht...?"

Mokuba brachte ein kleines, atemloses Lächeln zustande. „Bisschen," gestand er. „Aber...um ehrlich zu sein...es gefällt mir."

Um seine Worte zu unterstützen, legte er seine Hand auf Setos Bein. Er spürte, wie die sachte Berührung einen Stromstoss durch den Körper des Älteren schickte. Er glaubte, ein leises Keuchen zu hören.

„Ich hab keine Angst. Mach weiter," bat Mokuba. „Bitte, Seto."

Er konnte erkennen, wie Seto im Dunkeln die Hand hob. Mokuba hielt den Atem an. Eine Sekunde hoffte er...aber nein, Setos Hand wanderte ans Lenkrad.

„Wir..." Der ältere Kaiba musste irgendwas Schweres runterschlucken, bevor er weitersprechen konnte. „Wir können diese ganze Sache auch noch abblasen, das weißt du." beteuerte er. Seine Stimme war ernst, aber sie hörte sich seltsam an, rau, heiser und noch tiefer als sonst.

Mokuba wusste, dass es seine Hand auf Setos Bein war, die diesen Effekt ausmachte. Er bewegte sie sanft und lauschte auf die immer rascher werdenden Atemzüge des anderen. Er fühlte die warme Haut unter dem Stoff pulsieren und bemerkte die Hitze, die aus seines Bruders Schoss aufstieg.

Netter Versuch, Seto, schoss es ihm durch den Kopf. Als ob. Als ob wir tatsächlich zurück könnten.

Nein. Es gab kein zurück. Es gab Geständnisse, bei denen war ein Rückzieher einfach keine Option.

Mokuba holte tief Luft. Er würde ein letztes Mal versuchen zu erklären, wie er darüber dachte.

„Nein. Das können wir nicht. Das haben wir zu oft gemacht. Wir wussten es beide. Wir wussten, was wir wollen. Und dann haben wir es doch immer sein lassen. Aber...aber...das muss ein Ende haben! Wir werden beide verrückt..."

„Wir SIND verrückt," unterbrach Seto Mokubas abgehackten Vortrag in seinem Großer-Bruder-Ton. Aber er war nähergerückt. „Sieh uns an!"

Er stieß ein heiseres, verzweifeltes Lachen aus, das einen herben Stich in Mokubas Herz trieb. Er wollte das hier...er wollte es so sehr...aber nicht um den Preis, dass es Seto endgültig in den Wahnsinn trieb...

„Sieh uns an," wiederholte Seto. Er war noch näher gekommen. Mokuba spürte die Bewegungen seiner Lippen an seinem Ohr, und Gänsehaut rieselte langsam seinen Rücken herunter. Aber die Worte, die von diesen Lippen kamen, war alles andere als süss.

„Ich fahr meinen kleinen Bruder in die Steppe, um mich an ihm zu vergreifen...ich sitze hier und werde hart, nur weil du mich anfasst...ich sitze hier und habe die abartigsten Vorstellungen, was ich mit dieser Hand da auf meinem Bein machen will...nichts davon ist richtig...!"

„Seto – „ Mokuba schloss die Augen. Sie waren an diesem Punkt schon gewesen. Es wurde Zeit, die Grenze zu überschreiten. „Hör. Auf. Damit."

Es war SEIN erstes Mal, verdammt, und er wollte verwöhnt und verzärtelt werden, er wollte auf Händen getragen werden – und er wollte sich einfach KEINE Sorgen mehr darüber machen, dass der Liebhaber seiner Wahl sein Bruder war. Die Würfel waren gefallen, sie wussten, dass sie beide das selbe wollten, sie waren sowieso am Arsch – es spielte keine Rolle mehr.

Mit geschlossenen Augen sprach Mokuba weiter. Die Worte kamen schnell und hastig, denn Setos Lippen kitzelten sein Ohr, Setos Atem flatterte gegen seinen Hals, und das alles half seiner Konzentration nicht besonders auf die Sprünge.

„Seit wann fragst du dich nach richtig? Oder nach falsch? Hast du mich nicht gelehrt, dass Regeln nur für die da sind, die dumm genug sind, sie zu befolgen? Ich bin keine 12 mehr. Ich bin 17. Ich laufe dir nicht mehr nach, weil ich´s nicht besser weiß...ich laufe dir nach, weil ich es will. Wir beide sind nicht normal. Wir werden´s auch nicht mehr. Und wenn wir schon zur Hölle fahren, dann..." er schluckte. Denn Setos Lippen hatten offenbar Gefallen an seinem zarten Ohr gefunden, und er knabberte probeweise daran.

„Wenn wir schon zur Hölle fahren, dann sollten wir alles mitnehmen, was uns auf dem Weg dahin begegnet." schloss Mokuba mit zittriger Stimme seinen Satz. Er fühlte ein vertrautes Pochen zwischen seinen eigenen Beinen und wusste, dass der Weg zurück nun endlich endgültig verschlossen war. Er stöhnte leise gegen Setos Wange. Zum Teufel damit.

Sein Bruder unterbrach die Erforschung seines Ohrs und nahm sich die Zeit, Mokuba in die Augen zu blicken. In dem blauen Augenpaar stand nun kein Selbsthass mehr, keine Scham...nur ein abgründiges, wildes Vergnügen, das Mokuba erschreckte...und gefiel.

„Toller Satz," raunte Seto anerkennend. Seine Stimme glich eher einem Knurren, sein Atem war tief und heftig. „Scheiße, ich mag es, wenn du clever bist."

Ein letztes Luftholen, und ihre selten geküssten Münder fanden sich.

Es war nicht nur ein Kuss...es war ein Zerren aneinander, ein Saugen aneinander, ein Verschlingen, besitzergreifend, kompromisslos.

Es war das Genießen einer verlockenden Speise, die viel zu lange unberührt dagestanden hatte, ohne dass man es wagte, sie anzurühren.

Sie gehörten nur einander. Niemandem sonst.

Eine Weile – es konnte sich um Sekunden, Minuten, Stunden handeln, es war vollkommen gleichgültig – beschäftigten sie sich nur mit ihren Lippen, ihren Mündern, ihren Zungen. Ihre Körper berührten sich kaum, obwohl sie unter den Kleidern heftig brannten.

Sie waren beide keine erfahrenen Küsser – Mokuba hatte etwas mehr Ahnung als Seto, wie sich herausstellte – aber sie waren beide mehr als alles andere bereit, endlich alles darüber zu lernen, was es zu lernen gab.

Mokuba erspürte die Wärme mit geschlossenen Augen. Ab und zu biss er zu, um die Vereinigung irgendwie noch stärker, tiefer zu machen. Und hin und wieder biss sein Bruder zurück. Etwas Blut trat aus – wessen, war unklar – und gab ihren Küssen einen metallischen Beigeschmack. Keiner von ihnen störte sich daran.

Als Seto seine Lippen schließlich zurückzog – Warum! schrie es in Mokuba – zitterten sie beide so sehr, als stünde die Temperatur des Autos bei unter null. Aber im Gegenteil – die Fenster waren beschlagen, zwischen ihnen herrschte eine Hitze, als wären sie bereits in der Hölle angekommen.

Seto musterte seinen Bruder, der in seinem Sitz bebte, mit einem festen, aber unleserlichen Ausdruck im schmalen Gesicht. Blass war er nun nicht mehr. Seine Wangen glühten, und seine sonst so fahlen Lippen waren rot und geschwollen. Es war ein wunderbarer Anblick.

Sein Atem streichelte Mokubas Haut, und der kleine Kaiba zuckte zusammen. Er wusste nichts mit diesem plötzlichen Abbruch anzufangen. Sein Herz raste, seine Muskeln summten, seine Cargo-Hose war ihm mehrere Nummern zu eng, und er hätte ewig so weitermachen können. Sein großer Bruder würde nicht...er konnte nicht so grausam sein...er würde nicht alles hinschmeißen...so kurz vor dem Ziel...?

„S – Seto?" krächzte er zögernd. Er war überrascht, dass seine Stimme überhaupt noch ging. Dem pochenden Schmerz zwischen seinen Beinen nach zu urteilen, konnte kein anderer Teil seines Körpers noch durchblutet sein...

Aber der Ältere lächelte nur verschwörerisch und fragte heiser: „...Rückbank?"

Und Mokuba hörte sich selbst keuchen: „...ok."