A/N: Ich hatte grosse Lust, an dieser Geschichte noch etwas herumzubasteln. Hier ist die neue Version, von der ich hoffe, dass sie auch ankommt. Die Änderungen werden sich erst im dritten Kapitel bemerkbar machen :-))


Ein Jahr in der Schweiz

Kapitel 1 - Ein neues Zuhause

Harry

„NEEEIIIIIIN!"

Ich erwache schreiend aus dem Schlaf. Schon wieder musste ich im Traum Voldemorts Wiedergeburt mit ansehen. Und ich musste zum x-ten Male miterleben, wie das Leben meines Schulkameraden Cedric Diggory einfach ausgelöscht wurde. Ich sitze schwer atmend bolzengerade in meinem Bett. Ich bin sicher, dass ich meine Verwandten aufgeweckt habe, und auch wenn sich Dudley bestimmt nicht so schnell aus seinem Bett wälzen kann, wie meine Tante, so erwarte ich sie doch alle zusammen auf meiner Türschwelle.

Kaum einen Moment später sind sie auch schon da und nun sind sie's, die schreien. Ich versuche, mich unter meiner Decke zu verstecken, aber ihrem Geschrei kann ich nicht entgehen. Seit ich vor zwei Wochen nach Hause gekommen bin, habe ich Nacht für Nacht schwerste Alpträume gehabt, sehr zum Missvergnügen meiner Verwandten, die langsam ebenso unter dem Schlafmangel zu leiden beginnen wie ich. Mich anzurühren wagen sie allerdings nicht. Offenbar hatten sie Besuch von meinem Schulleiter, Albus Dumbledore, bevor ich aus der Schule zurückgekehrt bin. Er scheint ihnen sehr deutlich klar gemacht zu haben, welche Konsequenzen sie zu befürchten hätten, sollte mir auch nur ein Haar gekrümmt werden. Aber natürlich war Onkel Vernon verbal aggressiv und hat jedes Mal, wenn ich ihm seither unter die Augen gekommen bin, gemurmelt, was ich für ein unnützer und ekelhafter Eindringling in seine Familie bin. Und Onkel Vernon scheint jetzt auch eine Idee zu haben, denn er dreht sich noch mal zu mir um und brüllt:

„Das war's! Jetzt hast du uns genau einmal zu oft aus dem Schlaf gerissen, Junge! Der alte Knacker konnte uns vielleicht dazu zwingen, dich nicht so anzufassen, wie du's verdienst, aber er sagte nichts davon, dass wir dich nicht ganz loswerden können. Bis morgen Abend bist du hier raus, hast du verstanden?"

Damit dreht er sich wieder zur Tür und schiebt seine Familie hinaus. Ich atme immer noch schwer, als mir der Inhalt seiner Worte erst so richtig klar wird. Panik kommt als nächstes und mein Herz schlägt so wild, dass ich schon befürchte, dass es in einem Augenblick bricht. Dann höre ich ein leises ‚Schuhu' und Hedwig kommt zu mir geflogen. Die Tränen laufen mir über die Backen, während ich sanft über ihr weiches Gefieder streichle.

„Was mach ich jetzt bloss, Hedwig? Der Fuchsbau ist für mich nicht sicher genug und ich würde ausserdem nur die Weasleys in Gefahr bringen. Hogwarts ist sicher dicht, die sind doch wohl auch alle in den Ferien. Sirius ist immer noch auf der Flucht, zu dem kann ich auch nicht. Und Hermione... ihre Eltern kennen mich doch gar nicht, da kann ich sicher auch nicht hin."

Hedwig fliegt hinüber zu meinem Pult und hebt mit ihrem Schnabel eine Schreibfeder auf. Ich schaue sie an und frage:

„Du willst, dass ich einen Brief schreibe? Aber wem? Dumbledore? – Sirius?"

Erneutes Schuhu von Hedwig nach Sirius' Namen. Ich glaube, sie meint Sirius. Ich bin mir zwar nicht sicher, was mein Pate nun ausrichten kann, denn er ist ja noch immer auf der Flucht vor dem Ministerium, aber Hedwig ist weise, deshalb stehe ich auf und setze mich ans Pult. Ich fange an zu schreiben:

Lieber Sirius,

Ich habe ein ziemlich grosses Problem. Die Dursleys wollen, dass ich bis morgen Abend hier verschwinde, aber ich kann doch nirgends hin! Bitte hilf mir!"

Und dann kommt mir eine Idee:

Ich glaube, ich gehe zu Mrs Figg und frage sie, ob ich bei ihr warten kann. Sie wohnt zwei Strassen weiter am Wisterien-Weg. Früher hat sie manchmal auf mich aufgepasst, sie ist zwar ein bisschen irre, aber nett.

Harry"

Ich gebe Hedwig den Brief und streichle sie.

„Bring das so schnell wie möglich zu Sirius, Hedwig, und dann komm zu mir, ich werde wahrscheinlich bei Mrs Figg sein, ich denke, sie wird mir wohl erlauben, bei ihr zu bleiben bis jemand kommt."

Ich bleibe den ganzen nächsten Tag in meinem Zimmer und packe sorgfältig alles ein, was mir gehört. Zum Glück sind die Schul-Truhen so verzaubert, dass sie alles drin aufnehmen, was man reintut und trotzdem nicht schwerer werden. Sie sind aber so schon schwer genug. Ich trage die Truhe hinunter. Von meinen Verwandten ist nichts zu sehen. Ich seufze und warte auf Hedwigs Rückkehr, doch sie kommt nicht und ich muss gehen. Ich ziehe und trage meine Truhe bis zu Mrs Figg. Als ich an ihre Tür klopfe, dauert es einen Moment, bis sie aufmacht. Aber als sie mich sieht, ruft sie:

„Harry! Was ist denn mit dir passiert?"

„Mrs Figg, darf ich wohl bei Ihnen warten, bis mich jemand abholt? Die Dursleys haben mich rausgeschmissen..."

„Was? Wie konnten sie nur? Was ist denn geschehen? Komm nur herein, Harry! Stell deine Truhe hier neben der Tür ab, wenn's nötig ist, bringen wir sie nachher hinauf in dein Zimmer."

Sie führt mich ins Wohnzimmer, nachdem ich die Truhe abgestellt habe. Während sie Tee-Sachen herzitiert, ich erschrecke dabei ziemlich, denn dass sie eine Hexe ist, wusste ich ja natürlich nicht, fragt sie mich:

„Wen hast du informiert? Dumbledore?"

Ich schüttle meinen Kopf. Meine Augen weiten sich, als sie den Schulleiter erwähnt. Aber jetzt zähle ich rasch zwei und zwei zusammen und frage sie zurück:

„Sind Sie Arabella Figg, Mrs Figg?"

„Ja, die bin ich. Woher weisst du das?"

„Hat Sirius sich schon bei Ihnen gemeldet? Professor Dumbledore hat ihn geschickt, ‚die alte Crew' zusammenzurufen, und er erwähnte dabei Ihren Namen. Deshalb frage ich."

„Ja, er war bis gestern hier. Ist über Nacht hier gewesen. Jetzt ist er zu Remus Lupin unterwegs. Es hat ihm sehr leid getan, dass er nicht zu dir rüber kommen durfte."

„Ihm hab ich geschrieben. Hedwig ist noch nicht zurück."

„Oh je. Da wird sie ihn wohl ziemlich lange suchen müssen. Er ist unterwegs. Als Hund..."

„Oh, sie wird ihn schon finden, sie findet ihn immer."

Sirius

Ich trotte auf einem ungepflasterten Weg durch das letzte grosse Waldstück, das mich noch von Remus' Haus trennt. In einer bis zwei Stunden bin ich wohl da. Plötzlich kommt Hedwig durch die Bäume gestürzt und setzt sich vor mir auf den Weg. Ich schaue mich um und verwandle mich zurück.

„Hallo, mein Mädchen. Was hast du denn für mich?" frage ich und streichle ihr Gefieder.

Sie streckt ihr Bein aus und ich nehme den Brief, der daran hängt, ab. Er ist natürlich von Harry und als ich den Inhalt erfasse, könnte ich aus Frust schreien! Diese verdammten, elenden Dursleys! Was haben sie ihm nun angetan? Ich bin ausserstande, jetzt umzukehren und noch mal 36 Stunden ohne Unterbruch zu laufen, dafür bin ich viel zu erschöpft. Ich setze mich hin und schaue Hedwig an. Harry hat das Schlaueste getan, was er tun konnte, denn ich weiss, dass Arabella genau die richtige Person ist, zu der er laufen konnte. Also ist es besser, dass er dort bleibt, bis Remus oder ich etwas ausrichten können. Es ist ja nur noch ein kurzes Stück bis zu ihm. Ich drehe den Brief um, ziehe einen Bleistift aus der Tasche und schreibe eine kurze Antwort, die ich Hedwig übergebe.

„Hier, bring das zu Harry, ich bin sicher, er ist bei Mrs Figg, dort ist er gut aufgehoben. Mach dir keine Sorgen um deinen Meister, Liebes, wir kommen ihm zu Hilfe, so bald wir können, Remus und ich."

Hedwig schuhut und fliegt davon. Ich verwandle mich wieder in den Hund und folge dem Weg, der sich durch den Wald schlängelt. Zwei Stunden später erreiche ich Remus' Haus und er nimmt mich auf, der liebe Mann, heisst mich zuhause willkommen, als wäre ich nie weg gewesen. Wie sehr ich ihn immer noch liebe, darf ich nicht mal anklingen lassen. Er hat unsere Liebe bestimmt hinter sich gelassen, ein Gedanke, der schmerzt, aber ich würde ihn verstehen. Schliesslich hat er in all diesen Jahren ja ein richtiges Leben gelebt. Ich fühle mich wie ein unreifes Kind neben ihm. Schon nur, wie er die Situation vor einem Jahr in der Heulenden Hütte im Griff hatte! So selbstbewusst, so mächtig. Ich liebe ihn! Aber da ist Harry, der jetzt zuerst kommt, also erzähle ich Remus von seinem Brief und er macht sich durch den Kamin zu Arabella auf, um sich mit ihr zu besprechen. Er ist noch keine fünf Minuten weg, als Albus Dumbledore in sein Wohnzimmer appariert. Ich sage ihm, dass Remus bei Arabella ist, also folgt er ihm dahin. Mir bleibt nur, ihre Entscheidungen abzuwarten und zu hoffen, dass es Harry gut geht.

Arabella

Bei Merlin, der Junge sieht schlimm aus. Ich frage mich, was zum Teufel die Dursleys mit ihm angestellt haben. Doch da ist keine Zeit zum Nachdenken, alles was ich tun kann ist, ihn hereinzunehmen und etwas Tee für ihn zu machen. Dabei verschwende ich keinen Gedanken daran, dass er jetzt weiss, dass ich eine Hexe bin. Ich schenke ihm Tee ein und zitiere eine Platte mit Keksen für ihn her. Aber als ich höre, dass er den ganzen Tag nichts gegessen hat, stelle ich mich in die Küche und zaubere ihm etwas Warmes zum essen. Ich bin sicher, dass es ihm besser schmecken wird, als damals, als er meine Muggelküche hat ertragen müssen. Ich entschuldige mich im Nachhinein dafür:

„Es tut mir leid, dass ich dir immer so miserables Essen aufgestellt habe, aber mein Muggel-Essen ist genau das – miserabel. Ich konnte es noch nie, aber da ich dir ja nicht sagen durfte, dass ich eine Hexe bin, musste ich eben kochen. Konnte ja nicht gut zaubern..."

Harry lächelt. Er ist so ein süsser Junge. Immer so freundlich und vergebend.

„Ist schon okay. Hat mir nicht viel ausgemacht. Aber warum durften Sie es mir denn nicht sagen?"

„Einer der Gründe ist der, dass dein Haus nebst vielen anderen Dingen mit einem Fideliuszauber geschützt ist. Ich bin deine Geheimniswahrerin. Es gibt eine ganze Menge von Schutzzaubern, da ist der Blutzauber, der nur geht, weil du und deine Tante blutsverwandt seid. Dann gibt es Anti-Apparierungs-Zauber. Ich hatte aufzupassen, dass dir nichts gravierendes passieren konnte. Aber bei alledem durften die Dursleys natürlich nicht merken, dass ich zu deiner Sorte gehöre. Du weisst ja nur zu gut, wie sie auf die Magie zu sprechen sind."

„Viel zu gut..."

„Also kannst du dir in etwa ausrechnen, wie gross meine Chancen, deine Babysitterin zu werden, gewesen wären, hätten sie gewusst, dass ich eine Hexe bin. Hast du alle deine Sachen mit?"

„Ja, alles."

„Gut. So, nachdem du dich nun auch ein bisschen beruhigt hast, werden wir nun Albus benachrichtigen, okay?"

Ich gehe zum Kamin und werfe etwas grünes Floo-Pulver ins Feuer, das ich soeben heraufbeschworen habe. Dabei bemerkt Harry wohl, dass ich bisher für meine Zaubereien keinen Zauberstab benutzt habe. Ich habe mir in dieser Muggelwelt seit Jahren dessen Gebrauch abgewöhnt, denn er fällt einfach zu sehr auf. Dumbledore taucht im Feuer auf.

„Guten Abend, Arabella! Ist etwas passiert?"

„Guten Abend, Albus. Das kann man wohl sagen. Dein Besuch bei den Dursleys hat nicht ganz den beabsichtigten Erfolg gehabt, Albus; du hast sie zwar erfolgreich davon abgehalten, Harry schlecht zu behandeln, statt dessen haben sie ihn jetzt aber gleich ganz auf die Strasse gestellt."

„Oh nein! Wo ist er jetzt?"

„Er hatte die gute Idee, zu mir zu kommen. Aber er hat auch Schnuffel davon in Kenntnis gesetzt. Allerdings hat er Schnuffel auch mitgeteilt, dass er zu mir kommt."

„Das bedeutet, dass du wohl Schnuffel bald wieder bei dir begrüssen wirst, nehme ich an. Behalte Harry ein paar Tage da, während ich an einer Lösung bastle, bitte."

„Sehr gern, Albus."

„Gut, dann lasse ich euch zwei. Harry, verlasse bitte Arabellas Haus auf keinen Fall, bis Schnuffel dort eintrifft, ja?"

„Ja, Herr Professor!" bestätigt Harry.

„Sehr gut. Gute Nacht!"

Ich verwöhne Harry den ganzen Abend lang, dann mache ich ihm das Gästezimmer bereit, das jetzt noch schön sauber und glücklicherweise völlig frei von Katzenhaaren ist. Ich weiss, dass er das nicht sehr gern mag. Aber es ist noch sauber, weil ich es für Sirius sauber gemacht habe, denn der kann die Katzenhaare nicht nur nicht leiden, er ist sogar schrecklich allergisch, der arme Junge. Erträgt Katzen nur draussen.

Grade, als wir uns zur Treppe begeben wollen, klopft Hedwig ans Fenster. Ich lasse sie ein.

„Da ist ja dein Mädchen, Harry. – Oh, und sie hat eine Antwort für dich..."

Ich nehme den Brief entgegen und wir lesen ihn gemeinsam:

Harry,

Bleibe bitte bei Mrs Figg, ich komme, so bald ich kann. Beweg dich keinen Schritt von da weg!

Mit Liebe

Sirius"

Harry lächelt. Da er jetzt weiss, dass ich eine Hexe bin, macht der Brief richtig Sinn. Er lässt ihn auf den Küchentisch fallen und wünscht mir eine gute Nacht.

„Danke, Mrs Figg. Ich gehe dann jetzt schlafen."

„Warte noch, Harry. Du hattest sicher üble Alpträume seit der dritten Aufgabe deines Turniers, nicht wahr? Über das, was danach passiert ist..."

Harry seufzt.

„Ja. Deswegen haben sie mich auch rausgeworfen. Ich hab geschrieen und sie aufgeweckt."

„Mach dir keine Gedanken, mich aufzuwecken, Harry. Möchtest du einen Traumlos-Trank?"

„Macht der nicht süchtig?"

„Nur, wenn man ihn über einen längeren Zeitraum nimmt und in zu hohen Dosen. Du siehst im Moment so aus, als ob du ungestörten Schlaf bitter nötig hättest."

„Ich mag solche Zaubertränke im Allgemeinen gar nicht, aber ich glaube, im Moment brauche ich ihn wirklich."

„Gut. Komm her, dann mache ich dir eine Dosis bereit."

Harry macht eine Bewegung, den Zaubertrank an Ort und Stelle zu trinken, aber ich halte ihn auf:

„Nimm ihn mit hinauf und trinke ihn erst im Bett, Harry, sonst muss ich dich hinauf in dein Bett levitieren," erkläre ich ihm und grinse.

„Oh! Okay, natürlich. Gute Nacht! Und danke noch einmal für alles!"

„Sehr gern geschehen, Harry!"

Nachdem Harry verschwunden ist, warte ich auf Sirius. Statt dessen ruft Remus mich durch den Kamin an.

„Arabella?"

„Hallo, Remus!"

„Schnuffel ist eben hereingekommen und sagte, dass Harry ihn braucht..."

„Ich habe in der Zwischenzeit Albus kontaktiert. Kannst du herkommen, damit wir drüber reden können?"

„Bin gleich da!"

Remus

Ich appariere in Arabellas Wohnzimmer und setze mich aufs Sofa.

„Harry schläft. Ich habe ihm eine Dosis Traumlos-Trank gegeben," erzählt sie mir als erstes.

„Gut. Ich nehme an, den wird er brauchen."

„Aber wie. Er sah aus, als hätte er seit Wochen nicht geschlafen. Albus hat mich gebeten, ihn hier zu behalten, bis er eine Lösung gefunden hat."

„Sirius ist natürlich ausser sich," bemerke ich.

„Das kann ich irgendwie auch verstehen. Harry scheint jetzt bei ihm erste Priorität zu besitzen," antwortet Arabella.

„Und er setzt seine Prioritäten genau richtig, Arabella," sage ich, aber ich spüre, wie ich rot werde.

„Immer noch in ihn verliebt?" fragt sie verschmitzt.

Auf diese direkte Frage ziehe ich die Luft etwas lauter ein, aber ich halte den Mund.

„Dann wäre ich an deiner Stelle nicht beunruhigt, Herzchen, er denkt immer noch an dich. Als er hier war, war er ganz aufgeregt, weil er wusste, dass er als nächstes zu dir kommen würde," sagt die alte Hexe mit einem gütigen Lächeln.

Sie hat keine Ahnung, was sie damit bei mir auslöst, selbst, wenn ich es nicht so ganz glauben kann. Wie kann ich denn erwarten, dass er mir einfach so verzeiht? Dadurch, dass ich an seine Schuld geglaubt habe, habe ich ihn ja so gut wie betrogen! Wir werden noch eine Menge zu klären haben und fast jedes kleine Problem lässt mich vor Furcht erzittern. Aber wir haben uns zunächst um Harry zu kümmern. Er ist wichtiger.

Albus appariert zu uns und lächelt:

„Sirius sagte mir, dass du hier bist, Remus. Wir müssen uns darüber unterhalten, was wir mit unserem jungen Schützling machen wollen, der braucht offenbar einen neuen Unterschlupf. Ich war eben bei den Dursleys und sie wollen ihn auf keinen Fall mehr zu sich nehmen, egal in welcher Gefahr sie auch schweben, sie finden, dass er sie bestimmt anziehen würde."

„Ja, das braucht er. Ich wollte, er könnte ihn bei uns finden," sage ich mit einem Seufzer.

„Eigentlich dachte ich an dich und Sirius, Remus. Hast du immer noch Verbindungen mit der Schweiz?"

„Ja, sicher, ich habe noch immer Verwandte im ganzen Land verteilt. Warum?"

„Da ich von dir verlange, einen gesuchten Verbrecher und ein gefährdetes Waisenkind zu beherbergen, dachte ich, es wäre vielleicht eine gute Idee, wenn ihr in der Schweiz untertaucht. Im Ausland seid ihr alle drei sicherer."

„Ja! Das ist sogar eine ausgezeichnete Idee, Albus! Aber ich werde ein paar Tage brauchen, um etwas für uns aufzutun..."

„Nein, reist so bald wie möglich ab, alle drei. Ihr könnt unterwegs in Herbergen absteigen, entweder in einer grossen Stadt oder draussen auf dem Land, und dann sucht ihr in aller Ruhe nach einer Unterkunft. Bitte benutzt nicht Hedwig als Briefträger, sondern deinen Racer, der ist viel unauffälliger. Schleiereulen sind hier ziemlich gewöhnlich und fallen weit weniger ins Auge."

„Das machen wir. Gut. Ich habe schon eine Idee, wo ich suchen werde. Wir werden Harry morgen abholen und sofort abreisen. Hat er einen Pass? Ausserdem werde ich mit Schnuffel zum Tierarzt müssen, denn wir können ihn nur als Hund über die Grenzen schmuggeln, wenn wir wie die Muggel reisen wollen. Dann braucht er aber die nötigen Impfungen. Der arme Junge wird ein paar Spritzen über sich ergehen lassen müssen."

Albus und Arabella grinsen, aber sie wissen beide, dass es die einzige Möglichkeit für Sirius ist, ohne Pass unauffällig aus dem Land zu verschwinden.

„Er wird sich nicht weigern, denn er wird bei Harry bleiben wollen. Ich denke sogar, dass er zur Zeit alles akzeptieren wird, solange er mit dir und Harry zusammen bleiben kann."

„Gut, dann gehe ich jetzt nach Hause und packe alles Nötige zusammen und bringe den Köter her. Kennst du einen Tierarzt in der Nähe, bei dem wir auch ohne Anmeldung auftauchen können, Arabella?"

„Klar, meine Tierärztin. Die bekommt so viel mit meinen Kneazles zu tun, dass sie bestimmt zugänglich ist. Ich werde das übernehmen und sie rasch anrufen."

„Sehr gut. Ich werde inzwischen dafür sorgen, dass ihr mit dem nötigen Geld ausgestattet werdet. Ich werde euch auch regelmässig unterstützen, während ihr weg seid, du wirst mir nur ein Konto angeben müssen, Remus."

„Das werden wir tun. Allerdings werden wir uns wohl auch ein Auto anschaffen müssen, Albus, in der Schweiz leben so gut wie alle Zauberer wie die Muggel. Sehen auch wie Muggel aus."

„Kein Problem. Du wirst wohl auch auf Sirius' Verlies zugreifen können, Gringotts hat in der Schweiz eine Zweigstelle, wenn ich mich nicht irre, nicht wahr?" fragt Albus.

„Ja, in Bern. Ich werde mich auch erst wieder zurechtfinden müssen, aber das wird kein Problem sein. Wir hatten nicht viel mit der Zauberergemeinschaft zu tun, als wir da lebten, aber es wird nicht schwierig sein, sich wieder zurechtzufinden. Um auf dein Verlies zugreifen zu können, werde ich allerdings von dir eine Beglaubigung benötigen."

„Bereits vorbereitet... hier! Sirius scheint ein geheimes Passwort zu benutzen."

„Ja, das tut er. Vielen Dank! Wir werden dich kontaktieren, sobald wir eine Unterkunft haben. Bis dahin wäre der Treffpunkt der Zouberbär, das ist die schweizerische Antwort auf den Tropfenden Kessel."

„Kannst du das bitte aufschreiben?" fragt Albus mit einem Lächeln.

Ich schreibe es ihm rasch auf einen Zettel. Dann verlasse ich die beiden Alten und appariere in mein Haus. Sirius schläft auf dem Sofa. Ich gehe neben ihm in die Hocke und wecke meinen Freund auf, den ich noch nicht wieder als meinen Geliebten anzusehen wage. Sirius schaut auf, noch etwas durcheinander und fragt durch sein Gähnen:

„Oh, da bist du ja wieder."

„Hallo. Hast du was zum Essen gefunden?" erkundige ich mich.

„Ja, danke. Hast du mit Arabella und Albus gesprochen?"

„Ja, habe ich. Wir haben uns entschlossen, dich und Harry aus dem Land zu bringen. Zumindest für den Rest des Sommers."

„Oh, das ist aber eine gute Idee. Und wohin?"

„In die Schweiz."

„Oh, noch bessere Idee! Wie kommen wir dahin?"

„Mietwagen, Fähre, Zug und wieder Mietwagen. Du wirst ein Hundchen sein müssen, fürchte ich. Und das bedeutet, dass du dir morgen vom Tierarzt ein paar Spritzen setzen lassen musst, damit wir das tierärztliche Attest bekommen können. Sorry. Aber es ist die einzige Art, wie wir dich ohne Pass aus dem Land bekommen. So auf die Schnelle jedenfalls."

„Das kann nicht dein Ernst sein!" protestiert er und sein Gesicht verzieht sich zur Grimasse.

„Tut mir leid, Liebster, aber es muss sein..."

Liebster?' denke ich und spüre Panik aufkommen. Oh Merlin, ich habe mich nicht zusammengenommen, und jetzt traue ich mich kaum, Sirius anzusehen, aber als er mich ansieht, ist nur Wärme in seinen grauen Augen. Er reagiert nicht weiter darauf, sondern seufzt.

„Dann halt..."

„Wir sollen alles einpacken, was wir mitnehmen können, und morgen abreisen. In der Schweiz wirst du dir dann auch einen neuen Zauberstab kaufen können. Ich werde unser Gepäck dann schön reduzieren, damit wir uns nicht abzuschleppen haben."

„Wie werden wir das finanzieren?"

„Ich habe die Erlaubnis, auf Albus' Gringotts-Konto zuzugreifen. Wir sollen ein neues Konto eröffnen, auf das er uns dann Unterstützung von Hogwarts schickt."

„Du kannst auch auf unser Verlies zugreifen. Ich habe das geheime Codewort... die Kobolde werden es wohl akzeptieren," sagt Sirius.

„Aber erst, wenn wir in der Schweiz sind, Sirius. Ich werde mich hüten, grade jetzt bei Gringotts einzumarschieren und in dein Verlies zu gehen."

„Ja, das verstehe ich. Dann lass uns packen."

Wir arbeiten fast durch die ganze Nacht. Zunächst suche ich alle benötigten Papiere zusammen, meinen Pass, und jetzt bin ich sehr froh darüber, dass ich ihn in all den Jahren beibehalten und immer wieder erneuert habe. Ich habe alle Sachen zusammen, die wir benötigen werden, um uns in der Schweiz niederzulassen. Dann kommen alle Kleider, alle meine persönlichen Effekten. Ausserdem hole ich die Schachteln vom Dachboden, in denen ich alle Sachen von Sirius aufbewahrt habe und die Schachtel mit meinen Fotoalben. Sirius zieht sich erst mal frische Jeans und ein T-Shirt an, aber alles ist ihm einige Zentimeter zu weit. Ausserdem verpacke ich alle meine Bücher, denn ich verlasse mein Heim nicht auf Monate hinaus, ohne meine geliebten Bücher mitzunehmen. Ich sende sie in eine grosse Schachtel, auf dem Weg dahin werden sie auf Streichholzschachtelgrösse zusammengeschrumpft.

„Alles andere kann ich hier lassen. Jetzt schrumpfen wir das alles zusammen, damit es in einem Koffer Platz hat," sage ich leise.

Als das erledigt ist, suche ich noch das Halsband und die Leine, die immer noch in Sirius' Sachen sind. Er hasst das Ding, weil es rosafarben ist. Und als er die beiden ungeliebten Teile sieht, knurrt er. Aber es ist ihm klar, dass die Leine sein muss, wenn wir den richtigen Anschein erwecken wollen.

Am Morgen gehen wir durch den Kamin zu Arabella. Harry erdrückt Sirius fast, als er ihn begrüsst. Dann wendet er sich zu mir, um mir die Hand zu schütteln und sagt:

„Hallo, Professor Lupin, es ist schön, Sie wiederzusehen..."

„Hallo, Harry. Es wäre mir lieber, wenn du mich duzt und mich Remus oder Moony nennst, machst du das? Es ist schön, dich wiederzusehen."

„Oh, das mache ich gerne, Remus!"

Was für ein höfliches Kind Harry ist! Von wem hat er das bloss, frage ich mich. Wahrscheinlich eher von Lily. James war in seinem Alter ziemlich unflätig.

Kurz nach unserem Eintreffen kommt Albus an. Er bringt uns ziemlich viel Geld mit, Muggel- ebenso wie Zauberergeld. Ausserdem hat er eine grosse Flasche mit Wolfsbanntrank, genug für die nächsten drei Monate. Ich mache das Glas mit einem Zauber unzerbrechlich und lege die Flasche in meinen Koffer. Danach mache ich mich auf den Weg, um ein Auto zu mieten, während Arabella sich darum kümmert, dass Sirius zum Tierarzt kommt. Wir treffen uns zwei Stunden später wieder. Ich parkiere einen mittelgrossen Wagen am Strassenrand und packe unseren Koffer und Harrys Truhe hinein, sowie die beiden Vogelkäfige für unsere zwei Eulen. Arabella war so schlau, Hedwig und Racer mit zur Tierärztin zu nehmen, doch die hat ihr versichert, dass die Vögel kein Zertifikat benötigen. Das beruhigt mich, denn ich hatte es komplett vergessen. Natürlich hätten die beiden uns einfach in der Luft folgen können.

Dann muss ich noch an den Ligusterweg, um Harrys Pass und seine Papiere zu holen. Albus hat mir gesagt, dass er darauf bestanden hat, dass Harry eine Identitätskarte hat, und das erst vor kurzer Zeit. Also stapfe ich hinüber, klingle an der Tür und warte darauf, dass Petunia aufmacht. Ich komme gleich zur Sache:

„Guten Morgen, Petunia. Ich brauche Harrys Papiere."

Sie will mir sofort die Tür vor der Nase zuschlagen, doch mein Fuss sitzt ebenso schnell zwischen der Schwelle und der Tür. Zur gleichen Zeit habe ich meinen Zauberstab gezogen und als ich ihr den unter die Nase halte, gibt sie rasch nach.

„Wer sind Sie?" kreischt sie. Noch einmal bedrohe ich sie mit dem Zauberstab und darauf lässt sie mich ein.

„I.. Ich hole sie," sagt sie. Ich folge ihr in ein kleines Büro neben der Küche. Sie kramt in einer Schublade, dann gibt sie mir Harrys Geburtsschein und einen fast neuen Pass. Der ist erst drei Jahre alt. Wunderbar.

„Gut. – Ich sollte dich bis ins nächste Jahrhundert verhexen, Petunia, dafür, wie du Harry all die Jahre behandelt hast, aber ich will keinen Ärger mit dem Ministerium, weil ich vor einer Muggel gezaubert habe. Daher wirst du wohl vorläufig nichts mehr von uns hören. Aber vergessen werden wir es nicht!"

Auf Antwort warte ich nicht, sondern marschiere aus dem Haus und zurück zum Glyzinien-Weg. Ich höre noch, wie Petunia die Türe zuknallt.

Schnuffel, Harry und ich besteigen das Auto, verabschieden uns herzlich von Arabella, dann fahren wir nach Dover, wo wir glücklicherweise schon drei Stunden später Platz auf einer Fähre finden. Das Auto geben wir allerdings zurück und betreten das Schiff als Fusspassagiere. Da wir von einem EU-Land in ein anderes fahren ist der Zoll auch weiter kein Hindernis. Als wir Calais erreichen, checke ich die Züge nach Paris. Ich bekomme sogar noch Fahrkarten im nächsten Hochgeschwindigkeitszug. In Paris werden wir dann wieder ein Auto mieten.

Auf den Zug müssen wir allerdings einige Stunden warten. Ich erinnere mich aber daran, dass ich ein paar meiner Spiele eingepackt habe und hole sie etwas verstohlen hervor. Ich grüble das Schachspiel hervor, bringe meine sonst sehr gesprächigen Schachfiguren zum Schweigen und setze mich mit Harry so, dass wir Muggel-Schach spielen können. Schliesslich kommt der Zug. Wir besteigen ihn, finden unsere Plätze in der Mitte eines Wagens, wo es sogar noch einen Tisch zwischen unseren Bänken hat, so dass wir uns die ganze Zeit bis Paris weiterhin mit Schach vertreiben können.

Sirius ist noch immer etwas benommen von all den Impfungen, die er am Morgen bekommen hat. Harry streichelt ihn die ganze Zeit zwischen und hinter den Ohren. Ich weiss, wie sehr Sirius das liebt, wenn er in seiner Hundeform ist und die Szene bringt mich zum Grinsen. Die meiste Zeit sitzt Sirius dicht neben Harry, mit seinem Kopf auf Harrys Schoss. Manchmal wechselt er auch zu mir, aber nur für jeweils kurze Zeit. Mir kommt in den Sinn, dass es das erste Mal ist, dass die beiden richtig Zeit miteinander verbringen können.

Als wir endlich Paris erreichen, fragt Harry mich:

„Bist du so müde wie ich, Remus?"

„Ja. Wir werden hier übernachten. Ich bin zu müde zum Fahren. In jedem Bahnhof gibt's hier Hotel-Informationen, wir finden sicher bald eins und dann leisten wir uns ein Taxi dahin. Ich muss eins finden, das auch unsere Tiere akzeptiert. Du bist jetzt offiziell angestellt, auf den Hund aufzupassen, okay?"

„Klar!"

Ich transfiguriere Harrys Truhe zu einer Baseball-Mütze, die ich Harry auf den Kopf setze. Er grinst.

„Hey, du bist echt gut, weisst du das?"

„Danke!" antworte ich und lächle ihn an.

Wir setzen den Koffer und die beiden Vogelkäfige auf einen Gepäckkarren. Als wir ein Hotel haben, rollen wir das Gepäck zum Taxistand. Zwei Stunden später können wir uns in einem recht angenehm grossen Zimmer auf einem angenehm grossen Doppelbett ausruhen. Sirius schläft als Hund auf einem weichen Teppich. Ich habe bei der Rezeptionistin den Auftrag hinterlassen, uns am Morgen zu wecken und uns einen Mietwagen ins Ausland zu besorgen.

Wir verbringen eine sehr ruhige Nacht. Harry hat eine kleine Dosis Traumlos-Trank genommen, damit er nicht in Gefahr kommt, das halbe Hotel aufzuwecken. Arabella hat ihm eine kleine Menge davon mitgegeben. Nun schläft er ruhig durch die ganze Nacht und ich finde ebenfalls Ruhe. Sirius und ich lassen ihn am Morgen ausschlafen. Er erwacht erst kurz bevor wir das Zimmer verlassen müssen. Wir nehmen noch das Frühstück ein, wobei wir eine gute Menge für Sirius einpacken, das er dann später im Auto verzehren kann. Harry erkundigt sich:

„Und wohin gehen wir jetzt?"

„Jetzt fahren wir zu einem meiner Cousins. Der wohnt in der Nähe von Bern. Ging nach Beauxbatons. Er ist ein ziemlich patenter Bursche und ich nehme an, dass er bestimmt ein paar Tips für eine gute Unterkunft für uns hat. Wir werden bestimmt nicht mehr im Hotel übernachten müssen."

„Wie lange werden wir dahin unterwegs sein?"

„Nur ein paar Stunden. Es ist nicht so weit weg."

„Super. Es muss schön sein da..."

„Oh, die Schweiz wird dir gefallen. Es ist sehr grün, fast wie in England und dann sind da natürlich die ganzen Berge... wir werden sicher einiges davon zu sehen bekommen, wenn wir uns mal eingerichtet haben. Es gibt eine Menge zu sehen."

Ich bezahle die Hotelrechnung und das vom Hotel vorgeschossene Pfand für den Mietwagen, wir beladen das Auto und können einsteigen. Harry betrachtet es etwas kritisch und ist zufrieden. Es ist ein mittelgrosser Peugeot-Stationswagen. So lange wir uns noch in der Stadt bewegen, sitzt Sirius als Hund auf den hinteren Sitzen. Als wir aufs Land kommen, verwandelt er sich allerdings mit einem glücklichen Seufzer zurück.

„Dir ist aber klar, dass du dich rechtzeitig vor der Grenze wieder zurückverwandeln musst, Sirius, oder?" frage ich und grinse.

„Ja, ich weiss, mach dir bloss nicht in die Hose. Sag mir einfach, wann. Wenigstens brauche ich hier drin nicht auch noch das verflixte Halsband zu tragen."

Harry und ich lachen. Harry dreht das Radio an und sucht nach Musik und ich sage ihm, wie laut er es aufdrehen darf.

„Tut mir leid, Harry, aber zu laut darf es nicht werden, das können meine empfindlicheren Werwolfohren nicht ab. Obwohl ich in meiner Schulzeit in Hogwarts auf ziemlich viel Lärm konditioniert worden bin. Sirius sei Dank, denn der hat den Schlafsaal und den Gemeinschaftsraum immer mit ziemlich lauter Rockmusik beglückt."

„Ach ja? Wie hast du denn das gemacht, Sirius? Wir haben nur den Zauberersender im Gemeinschaftsraum," fragt Harry und dreht sich nach Sirius um.

Der grinst.

„Wir haben einen Plattenspieler verzaubert. Ich kann dir den Zauber beibringen, mit dem kannst du Elektrogeräte in Hogwarts benutzen. Einfache kleine Elektrogeräte allerdings nur. Muggel-Radio würde wohl ziemlich durcheinander geraten. Aber was immer ihr heute benutzt, müsste wohl gehen. Ich habe gemerkt, dass Langspielplatten wohl nicht mehr benutzt werden..."

„Weiss nicht mal mehr, was das ist..." gibt Harry mit einem Grinsen zu.

„Du bist zu jung, Kleiner," antworte ich.

„Wir haben jetzt CDs," sagt Harry dann.

„Und was sind das für Dinger?" fragt Sirius.

„Compact Discs. Das sind Laserdiscs, die mit einem speziellen Gerät gelesen werden, das die digitalisierte Information darauf umsetzen kann."

„Oh..."

Dann müssen Siri und ich Harry erzählen, was wir für Musik mochten. Bei den meisten Muggel-Bands nickt er mit dem Kopf, denn von denen kennt er zumindest die Namen. Obwohl ich mich auf den Verkehr konzentrieren muss, beteilige ich mich mit grossem Vergnügen an dem Gespräch, denn es lenkt uns wunderbar von den üblen Dingen ab, die uns ansonsten im Moment beschäftigen.

Harry

Die lange Fahrt macht mir richtig Spass! Das ist nämlich das erste Mal, dass ich mit Sirius länger zusammen sein kann, seit ich ihn kenne. Keine direkte Gefahr, die uns im Augenblick bedroht, daher können wir frei über alles sprechen, was uns einfällt. Ich bin froh, dass keiner von beiden sich mit mir über das Trimagische Turnier unterhalten will. Dafür sind beide geneigt, meine Fragen über meine Eltern zu beantworten. Sie erzählen mir auch eine Menge Geschichten. Ich weiss, dass es für sie gar nicht so leicht ist, darüber zu sprechen, aber sie wollen mir so viel wie möglich über meine Eltern erzählen. Es sind fröhliche, lustige, aber auch traurige Geschichten dabei.

„Ich habe extra meine ganzen Fotoalben für dich eingepackt, Harry. Ich bin extra auf den Estrich gegangen, um Siris Schachteln herunterzuholen und da waren sie mit drin. Als damals Sirius nämlich in Azkaban eingesperrt wurde, habe ich alles, was mich an ihn erinnert hat, einfach zusammengepackt und da rauf spediert. Ich konnte seine Sachen nicht mehr in meiner Nähe ertragen, aber wegwerfen mochte ich sie auch nicht..."

„Er ist ein Sammler, Harry! Der schlimmste Sammler, der mir im Leben je begegnet ist. Ausserdem ist er der grösste Romantiker, den du auf diesem Planeten finden kannst. Ich bin todsicher, dass auch noch alle seine Schulsachen auf diesem Estrich zu finden sind. Er hatte nämlich eine ganze Truhe voller Schulsachen, als wir in dieses Haus gezogen sind..." unterbricht Sirius.

Remus wird rot. Nimmt mich wunder, warum. Waren sie mehr als nur Freunde? Und wenn sie das waren, werden sie es wieder sein wollen? Ich frage vorsichtig:

„Habt ihr denn zusammen gewohnt?"

„Ja, im ersten Jahr nachdem wir Hogwarts verlassen hatten, wohnten wir in einer Wohnung mitten im London der Muggel. Das war etwas mühsam, weil wir dann immer nach ausserhalb apparieren mussten, wenn Vollmond war. Also suchten wir dann nach einem Haus, das etwas verborgen lag und so weit weg von Nachbarn wie möglich. Wir apparierten dann jeweils zu unserer Arbeit," erklärt Remus.

„Und dann wart ihr auch in dem Haus zusammen?"

Remus wirft einen schnellen Blick in den Rückspiegel und nickt. Ich bemerke, dass er sich jetzt nicht mehr wohl fühlt. Sirius lehnt sich auf dem Rücksitz an die Türe der Beifahrerseite und streckt seine langen Beine aus.

„Ja, waren wir," gibt Remus schliesslich zu.

Drei Stunden später nähern wir uns der Grenze und Remus fordert Sirius auf, sich wieder in den Hund zu verwandeln. Er erklärt uns, dass wir uns jetzt abseits der Hauptstrassen befinden und dass wir damit rechnen müssen, durchsucht zu werden. Der Zöllner hält uns auch an und Remus kurbelt die Fensterscheibe herunter. Er sagt zu mir:

„Gibst du mir bitte die Pässe, Harry?"

Remus

Als Harry mir die beiden Pässe, seinen britischen und meinen schweizerischen, herüber reicht, wird der Zöllner schon freundlicher und als ich seine Fragen in bestem Französisch beantworte, wird er nett.

"Bonjour. Avez-vous quelque chose à déclarer?" (Guten Tag, haben Sie etwas zu verzollen?)

"Bonjour, monsieur. Non, mon neveu ici viens nous visiter à Berne. On n'a que des effets personnels et nos animaux. Nous avons choisi un chemin un peu plus scénique que l'autoroute." (Nein, mein Neffe kommt zu einem Besuch zu mir nach Bern. Wir haben nur persönliche Effekten und unsere Tiere. Wir haben eine etwas schönere Strasse der Autobahn vorgezogen, daher kommen wir hier vorbei.)

"Est-ce que vous avez les certificats de santé pour votre chien?" (Haben Sie ein tierärztliches Attest für Ihren Hund?)

"Bien sur. – Harry, kannst du mir auch noch Schnuffels Attest geben?" (Aber sicher.)

Ich zeige es dem Beamten, der sich das Datum anschaut und es mir zufrieden wieder in den Wagen reicht.

"Ah, très bien ! Alors, je vous souhaite le bon voyage!" (Ah, sehr gut. Ich wünsche Ihnen eine gute Weiterfahrt.)

Danach werden wir nicht weiter untersucht und können unsere Fahrt fortsetzen. Ich gebe Harry die Papiere zurück und sage im Weiterfahren:

„Willkommen in der Schweiz, Harry."

„Das ist das erste Mal, dass ich überhaupt je aus Grossbritannien weg komme," sagt Harry.

„Gut! Es wird dir gefallen. Ich habe schon eine Idee, wo wir wohnen könnten. Dann machen wir für dich einen Polyglott-Trank, damit wirst du innerhalb von einer Woche die Sprache hier lernen."

„Wow! Das klingt echt klasse!"

Harry

Wir fahren durch ein langes Tal. Die Strasse schlängelt sich dem Fluss, den Remus Doubs nennt, entlang. Wir halten in einem Dorf an, um ein frühes Abendessen einzunehmen. Sirius verwandelt sich wieder zurück, aber weil er immer noch ziemlich gefährlich aussieht, verpasst Remus ihm einen Zauber, mit dem er sein Aussehen völlig verändert. Sirius ist jetzt immer noch gross und schlank, aber seine Haare sind kurz und blond. Ausserdem trägt er eine Brille.

Das Essen ist herrlich. Es gibt frische Forelle aus dem Fluss, in viel Butter und frischen Kräutern gebraten. Sirius und Remus schaffen beide zwei ganze Forellen, ich nur eine, aber sie ist ziemlich gross. Nach dem Essen geht Remus ans Telefonieren und kommt wenig später zufrieden grinsend zurück.

„Wir fahren jetzt weiter nach Bern und etwas darüber hinaus. Mein Cousin Roland hat genügend Platz für uns, er hat mir den Weg genau beschrieben, hoffen wir, dass wir ihn finden."

Wir müssen immer noch fast zwei Stunden fahren, dann erreichen wir unser Ziel. Remus hat nach Bern die Richtung ins Emmental gefunden und folgt den Angaben seines Cousins nach Lützelflüh, einer sehr romantisch wirkenden kleinen Stadt im Emmental. Sirius und ich schauen uns entzückt um. Es sieht nach einem sehr hübschen, sehr alten Ort aus, mit vielen alten Häusern, die wie Bauernhäuser anmuten. Fast alles sind Fachwerkhäuser mit tief hängenden Dächern und vielen kleinen Fenstern.

„Das ist echt schön hier," rufe ich aus.

„Ja, es ist eine hübsche Gegend, vor allem im Sommer," erzählt Remus und parkiert das Auto.

Wir klettern alle heraus und eine junge Frau, die uns wohl gehört hat, kommt durch eine seitliche Türe aus dem Haus. Ich verstehe kein Wort von dem, was sie sagt, und die Sprache, die sie spricht, klingt in meinen Ohren schrecklich hart und guttural. Remus trifft sie und streckt seine Hand aus, die sie kräftig schüttelt.

Remus

„Hallo, du musst Remus sein!" ruft sie auf Berndeutsch.

„Der bin ich. Dann bist du Klara, nicht?" antworte ich.

„Die bin ich! Roland hat mir gesagt, dass ihr kommt. Er macht grade eure Zimmer parat."

„Wir schulden euch vielen Dank dafür, dass ihr uns so kurzfristig einfach einlasst! Wir sind aber in einer ziemlichen Klemme, daher konnten wir nicht früher anrufen. Dies hier ist Sirius Black und das ist Harry Potter."

„Das ist okay, wir haben viel Platz. Ihr seid also alles Zauberer?" fragt sie.

„Alle drei."

„Gut! Kommt mit, wir sind draussen gesessen..."

Sie spricht jetzt englisch, und sogar ein ziemlich gutes Englisch. Ich bin froh, denn damit können sich Sirius und Harry an der folgenden Unterhaltung auch beteiligen.

Wir folgen Klara zur südlichen Front des Hauses. Zwischen dem Garten und dem Haus befindet sich eine Steinterrasse, auf der ein langer Tisch, Stühle und Bänke stehen. Es ist ein typischer Emmentaler Bauerngarten, von einem Holzzaun umfasst, wie man ihn hier immer noch oft antrifft.

„Seid ihr hungrig?" fragt Klara.

„Nein, wir hatten ein frühes Abendessen im Jura. Aber auf etwas zu trinken freuen wir uns jetzt."

„Kommt auch gleich. Was möchtet ihr denn haben? Kalte Drinks, Bier? Oder nehmt ihr ein Glas weissen Wein?"

„Also zu einem kühlen Bier würde ich nicht nein sagen," sagt Sirius.

Klara zitiert Gläser aus der Küche, Getränke aus dem Kühlschrank. Sirius bekommt sein Bier, Harry ein grosses Glas Cola und für mich gibt's Eistee. Dann kommt Roland aus dem Haus und begrüsst uns. Er ist ein paar Jahre älter als ich, aber wir sind immer Freunde gewesen. Vorurteil ist ein Fremdwort für ihn und wie die meisten meiner Schweizer Verwandten hat er nie ein Problem damit gehabt, dass ich ein Werwolf bin. Inzwischen ist er etwas untersetzt, etwas kleiner als ich, hat aber noch immer die gleichen hellbraunen Haare, die in der Familie meiner Mutter üblich sind. Seine Augen haben das Braun, das in meinen zu sehen wäre, wenn nicht der Werwolf zugeschlagen und eine Menge Gold hinzugefügt hätte. Er trägt eine Brille mit goldfarbenem Rahmen. Sein Zauberstab lugt aus der Gesässtasche seiner Jeans. Wie in der Schweiz auch unter Männern innerhalb von engen Verwandten und Freunden üblich, begrüssen wir uns mit einer Umarmung und drei Küsschen auf die Wangen.

„Hey, es ist grossartig, dich mal wiederzusehen, Remus, es ist viel zu lange her seit dem letzten Mal."

„Hallo Roland. Es ist grossartig, wieder mal hier zu sein. Wir werden wohl einige Zeit bleiben und suchen eine Dauerunterkunft. Harry und Sirius sind beide verfolgt und in Gefahr, deshalb sollten sie so rasch wie möglich untertauchen können. Du hättest nicht in etwa einen Tip für uns?" komme ich gleich zur Sache.

„Direkt und unverblümt wie immer! Du glaubst es nicht, aber ihr kommt wie gerufen für zwei Freunde von uns. Sie sind ein Ehepaar, schon etwas betagter, die ihre Bauernwirtschaft aufgegeben haben, aber nicht in eine Alterswohnung ziehen können, wenn sie nicht jemanden finden, der ihr Bauernhaus entweder kauft oder mietet. Von der staatlichen Altersversorgung alleine können sie nicht leben, wenn sie auch noch Miete zahlen müssen. Wenn euch ihr Haus gefallen würde, könnten sie sich ein geruhsameres Leben leisten. Sie leben zur Zeit von der AHV und der Pacht, die sie für ihr Land bekommen. Sie sind zwar Muggel, aber sehr nette Muggel. Die Viehwirtschaft haben sie bereits aufgegeben, da sind nur noch ein paar Katzen und ein Hund. Das Haus ist ziemlich gross, ausserdem gibt's einen Mittelteil und den Stall, die man ausbauen könnte, wenn ihr noch mehr Platz wollt. Während das Haus ziemlich alt, aber gut im Schuss ist, haben sie die Küche und die Bäder vor drei Jahren völlig neu renoviert. War nötig, weil die sanitären und Elektro-Anlagen im Haus völlig marode waren und unbedingt repariert werden mussten. Das hat aber ihr Erspartes fast aufgefressen, daher wären sie jetzt bestimmt froh um Mieter."

„Klingt, als hätten die direkt auf uns gewartet, was?"

Ich fasse unser Glück kaum. Wir müssen dieses Haus so bald wie möglich sehen!

„Ja, sieht so aus, was? – Also, du gehst nach Hogwarts, Harry? Wie gefällt's dir da?"

„Super! Es ist eine tolle Schule!"

„Bestimmt ist sie das. Remus hat sie jedenfalls geliebt. Leider wollten sie ihn in Beauxbatons nicht, weil sie nicht über ihre Vorurteile hinwegsehen können, die Idioten, aber zum Glück kam er in Hogwarts unter. So viel ich weiss, sind dann nach ihm noch zwei Cousins nach Hogwarts gegangen, weil es ihm dort so gut gefiel."

„War das beste, was mir passieren konnte..." sage ich und schenke Sirius ein Lächeln. Ich nehme an, dass er sehr genau weiss, worauf ich anspiele.

„Habt ihr denn keine eigene Schule hier?" fragt Harry.

„Es gibt eine ganz kleine Schule im Schwarzwald, die Ausbildung dort ist aber nicht so gut wie in Beauxbatons oder Hogwarts. Üblicherweise können magische Eltern und Kinder hier auswählen und in die eine oder die andere gehen."

„Ach so."

„Fliegst du denn auch, Harry?" erkundigt sich nun Roland.

„Und ob ich fliege! Ich bin der Sucher meines Hausteams in Hogwarts. Sirius hat mir zu Weihnachten vor einem Jahr einen Feuerblitz geschenkt und der ist einfach Spitze!"

„Wow, von denen habe ich nur gehört, bisher habe ich noch keinen gesehen. Du musst ihn mir unbedingt zeigen! Falls ihr in das Haus zieht, von dem ich eben gesprochen habe, kannst du dort nach Herzenslust fliegen. Normalerweise müssen wir hier zwar mit Verschleierungszaubern von hier bis Timbuktu um uns werfen, weil wir hier so wenig freien Raum haben. Aber da oben seid ihr auf über 900 Meter über Meer und habt keine direkten Nachbarn für mindestens einige Kilometer. Das ist ein weiterer Grund, warum Housi und Barb Leuenberger wegziehen wollen. Sie lieben es zwar, da oben zu sein, aber sie müssen für jedes Bisschen Einkauf mit dem Auto hier herunter kommen, das wird ihnen langsam zu viel. Sie sind beide über siebzig Jahre alt."

„Dann sollten wir sie so bald wie möglich treffen, Roland," schlage ich vor.

„Wir können morgen Abend hinfahren. Keine Anmeldung nötig."

„Also. Wir müssen uns morgen nach einem eigenen Auto umsehen und einige Sachen in der Stadt erledigen, dann können wir hin. Ich muss ausserdem mit Sirius zum Zauberstabmacher gehen, er braucht unbedingt einen neuen."

„In Bern hat's einen. Eine vielmehr. Kannst du dich an den Eingang zur Chatzegass erinnern? Du findest sie im Zouberbär in der Grächtere."

„Ja, daran erinnere ich mich noch sehr genau. Kein Problem, dahin zu kommen. Im Zouberbär kann uns sicher jemand das weitere Vorgehen erklären."

„Oh, noch einfacher als im Tropfenden Kessel. Ihr geht rein und zur anderen Seite wieder zur Hintertür raus. Es ist das einzige Haus in der Gasse da unten mit einer Hintertür und nur Hexen und Zauberer können die öffnen. Dann siehst du die Gasse gleich. Nicht sehr gross, aber die Zauberstabmacherin dort ist ausgezeichnet."

„Gut. Sirius braucht wirklich dringend einen neuen."

„Gringotts ist übrigens auch vertreten, wenn ihr Kohle braucht."

„Werden wir. Wir müssen auch ein neues Konto eröffnen."

Roland und ich haben unser kurzes Gespräch auf berndeutsch geführt. Jetzt wechseln wir wieder zu englisch. Wir tratschen noch eine ganze Weile, bis es Zeit zum Schlafengehen ist. Roland zeigt uns die Zimmer und entschuldigt sich:

„Tut mir leid, zwei von euch müssen teilen, wir haben nur zwei Gästezimmer."

„Das ist absolut kein Problem. Harry kann eines haben, wir teilen das andere," entscheide ich.

„Mir macht's im Fall nichts aus zu teilen," bemerkt Harry.

„Ist schon okay, Harry, Sirius und ich haben früher auch schon geteilt. Ausserdem will ich ihm endlich einen anständigen Haarschnitt verpassen und er möchte bestimmt noch ein Bad nehmen. Hat einiges an Schmutz angesammelt, auf den staubigen Strassen..."

Harry bekommt sein Zimmer und darf nochmals eine Dosis vom Traumlos-Trank einnehmen. Ich nehme Sirius mit ins Badezimmer und nachdem er sich erst mal gewaschen hat, schneide ich seine Haare. Danach lässt er sich noch einmal Wasser in die Wanne und geniesst ein ausgiebiges Bad.

Sirius

Oh, dieses Bad war wundervoll! Während so langer Zeit war das einzige Wasser, das ich zu fühlen bekam, eisiges Wasser in einem kleinen Bach und das Wort Seife ist inzwischen schon beinahe ein Fremdwort, denn in Azkaban gab es wenig Wasser genug, das reichte gerade knapp zum Trinken, von Waschen keine Spur. Vielleicht bin ich deshalb seither fast penibel scharf darauf, mich regelmässig reinigen zu können. Remus hat meine Haare perfekt geschnitten. Ich musste mich nicht von der ganzen Länge trennen und sie werden bald nachwachsen. Ich vermisse meine langen Haare, aber natürlich nicht die verfilzte Scheusslichkeit, die Azkaban mir eingetragen hat. Während ich mich ein letztes Mal wasche, überlege ich, was mir der nächste Tag wohl bringen wird. Ich kann es kaum erwarten, wieder einen Zauberstab zu tragen! Dann erst werde ich mich wieder als vollwertigen Zauberer fühlen.

Es ist ein eigenartiges Gefühl, mich neben Remus in ein gemeinsames Bett zu legen. Nicht, dass es mir das Geringste ausmacht, dass Remus entschieden hat, dass wir uns das Zimmer teilen. Himmel, nein, wir haben schliesslich lange genug zusammengelebt, das ist wirklich kein Problem, aber ich weiss nicht, wie ich mich Remus wieder annähern kann. Ich weiss, dass ich ihn immer noch genauso liebe wie damals, aber Remus ist so schwer zu lesen, er gibt mir nicht das geringste Zeichen, ob Annäherungsversuche meinerseits überhaupt willkommen wären. Ausser der Anrede vor zwei Tagen. Ich habe zur Sicherheit eine Pyjamahose angezogen, weil Remus auch eine trägt. Es ist aber sehr warm, also lassen wir beide Fenster im Zimmer weit offen stehen. Die Decken werden auch kaum benötigt. Remus hat sich auf den Rücken gelegt, aber deutlich auf seiner Seite des Bettes.

„Gute Nacht, Sirius," sagt er leise.

„Gute Nacht, Remus, schlaf gut!" antworte ich.

Ich drehe mich auf die Seite, ziehe das Kissen unter meinen Kopf und schliesse meine Augen. Aber mein inneres Auge lässt mich nicht einschlafen. Nachdem ich mich jetzt immer mehr von Azkaban entfernt habe, kommen immer mehr alte Erinnerungen wieder zum Vorschein, die ich gänzlich verloren glaubte. Meistens kommen sie im falschesten Moment wieder zurück. Manchmal sind sie erschreckend. Immer haben sie mit der Nähe zu Remus zu tun. Im Dunkeln schaue ich hinüber zu Remus und erinnere mich daran, wie wir in unserer Jugend zusammengelebt haben. Damals hätten wir uns nicht mit irgendwelcher Kleidung abgegeben, damals wären wir übereinander hergefallen im selben Moment, in dem wir die Matratze berührt hätten. Ich sehne mich danach, wieder berührt zu werden. Im selben Atemzug fürchte ich mich entsetzlich davor, aber mir ist klar, dass ich es auch wieder brauche. Ich kann Remus neben mir riechen, fühle seine Körperwärme und das erinnert mich an das, was seine cleveren Hände auf meiner Haut so alles anstellten und die Lust, die er in mir entfachte. Ich schliesse meine Augen wieder, doch der Schlaf will sich nicht einstellen.

Remus

Ich getraue mich nicht, näher an Sirius heranzurücken. Ich weiss, wenn ich auch nur ein weniges näher rücken würde, könnte ich mich nicht beherrschen. Ich glaube, er möchte unsere Beziehung nicht wieder aufnehmen. Obwohl er nicht protestiert hat, als ich vorgeschlagen habe, dass wir das Zimmer teilen. Aber wir haben nicht miteinander gesprochen. Ich brauche ein Gespräch, unbedingt. Ich muss wissen, wie es in seinem Herzen aussieht. Ich versuche, meine Atemzüge so regelmässig zu gestalten, dass er denkt, ich wäre eingeschlafen.

Das wird eine endlos lange Nacht. Ich nehme an, wenn wir erst wieder eigene Zimmer haben, wird es einfacher werden. Aber eigentlich will ich gar kein Zimmer für mich alleine. Zum ersten Mal seit Sirius in Azkaban eingesperrt wurde, sind die Schmerzen in Kopf und Brust weg. Ich weiss, wie es in meinem eigenen Herzen aussieht und weiss, wie ich fühle. Das Herz wird mir schwer und schliesslich finde ich den Schlaf doch noch, nachdem ich schon eine ganze Weile lang Sirius' regelmässigen Atemzügen gelauscht habe.

Sirius

Beim Erwachen finde ich Remus, dessen Körper sich fest an mich angeschmiegt hat immer noch schlafend. Ich schaue in das geliebte Gesicht, das auf meiner Schulter ruht und frage mich, ob Remus das bewusst oder einfach im Schlaf getan hat. Da es immer noch sehr warm ist, haben wir beide die Decke weggeschoben. Ich kann mich an dem Werwolf, der da neben mir schläft, nicht satt sehen. Er sieht im Schlaf so friedlich aus. In meinen Augen ist er das schönste Geschöpf, das mir je begegnet ist.

Ich denke über die Signale nach, die ich Remus möglicherweise geben könnte, damit er errät, was ich für ihn empfinde. Ich fürchte nichts so sehr, wie das, Remus' Freundschaft wieder zu verlieren, wenn ich es ihm einfach so sage. Ich war in meinem Leben noch nie so unsicher. Zum jetzigen Zeitpunkt möchte ich nicht, dass er weiss, wie er geschlafen hat, daher löse ich mich ganz vorsichtig von ihm und stehe auf. Ich gehe ins Bad und als ich voll bekleidet ins Schlafzimmer zurückkehre, finde ich ihn immer noch schlafend. Er hat sich wieder auf den Rücken gedreht. Ich lasse ihn noch schlafen und bürste meine Haare zu einer schimmernden schwarzen Masse. Ich habe das Bedürfnis noch eine Weile alleine zu sein, also gehe ich hinunter und mache mich auf, in meiner Hundeform für eine Zeitlang durch den angrenzenden Wald zu laufen. Padfoot zu sein, hilft mir oft, wenn ich Fragen im Kopf herumwälze, zu denen ich keine Antwort finden kann. In der Küche schaue ich auf die Uhr und stelle fest, dass es noch nicht einmal sieben Uhr ist. Ich verlasse das Haus, transformiere und verschwinde im Wald. Ich bin wohl fast eine Stunde lang unterwegs. Als ich zurückkomme, finde ich Remus, Harry und Roland dabei, den Tisch draussen fürs Frühstück zu decken. Sie schauen sich nach mir um, als ich um die Ecke des Hauses laufe.

„Da bist du ja endlich, Padfoot! Weisst du, wie sehr ich erschrocken bin, als ich aufwachte und du nirgends zu finden warst? Schlimmer Hund, so was machst du mir nicht noch mal, verstanden? Wenn du nochmals rausgehst, dann hinterlässt du mir bitte eine Nachricht! Stell dir doch mal vor, was alles hätte passieren können und wir hätten keine Ahnung!" schilt mich Remus.

Ich setze mich auf meine Hinterläufe, stelle den Kopf schief und zeige ihm meinen traurigsten Hundeblick. Dann winsle ich ein wenig, tapse Remus mit meiner Pfote an, aber Remus ist davon natürlich erwartungsgemäss völlig unbeeindruckt.

„Nein, Hundeblick nützt gar nichts, Sirius! Wenn du das noch mal machst, schreibst du einen Zettel, klar?"

Harry und Roland grinsen neben dran und schauen zu, wie sich der Hund blitzschnell zum Menschen zurück verwandelt. Ich drücke Remus einen raschen Kuss auf die Wange und murmle:

„Sorry! Ich..."

„... habe nicht nachgedacht, ich weiss... es ist deine ewige Krankheit, Sirius!" vervollständigt Remus meinen Satz.

„Kann ich was helfen?" Ich versuche, das Thema zu wechseln.

„Nein, wir haben's schon alles zusammen, setz dich an den Tisch!" fordert Roland mich auf.

„Danke!"

„Ich habe noch nie einen Animagus gesehen und schon gar nicht eine Transformation! Das ist eindrücklich, Sirius," sagt Roland dann.

„Ich habe keine Ahnung, wie es aussieht! Aber wenn ich es mache, dann geht es blitzartig und ich fühle gar nichts mehr dabei," gebe ich schulterzuckend zur Antwort.

Wir geniessen ein ausgedehntes Frühstück, während dessen wir unsere Pläne für den Tag besprechen. Remus schlägt vor, zunächst mal die Finanzen in Ordnung zu bringen, dann meinen neuen Zauberstab zu kaufen und die übrigen Einkäufe zu erledigen, dann wollen wir uns um ein neues Auto kümmern.

„Und dann können wir Dumbledore gleich mitteilen, wo wir sind. Wir schicken Racer, der ist um einiges weniger auffällig als Hedwig, auch wenn er schon ein bisschen betagt ist," sagt Remus.

Betagt? Der Vogel ist eindeutig schon eine Antiquität, Remy!" rufe ich aus, „ich erinnere mich noch genau, als du ihn in unserem fünften Jahr bekamst."

„Na ja, er mag ja uralt sein, aber er liefert meine Post immer noch erstklassig aus. Beleidige ihn nicht, Sirius!"

„Tu ich gar nicht. Er ist wie ein Verbindungsglied zu unserer Vergangenheit..." murmle ich. „Ausserdem ist es ein Wunder, dass er noch lebt. Zeichen dafür, wie gut du zu ihm schaust."

Harry

Ich höre die leise Bemerkung und als ich mich nach Sirius umschaue, macht er ein ziemlich düsteres Gesicht. Remus scheint die Bemerkung auch gehört zu haben, reagiert aber nicht darauf. Er schaut über den hübschen Garten hinaus, dessen bunte Blumenpracht in den schönsten Farben des Sommers blüht.

Bald brechen wir auf und fahren nach Bern, wo Remus das Auto bei der Vermietung abgibt und bezahlt. Dann begeben wir uns zum verborgenen magischen Stadtteil von Bern. Wir finden den Zouberbär und treten in eine Taverne, die uns sofort an den Tropfenden Kessel erinnert. Remus beginnt ein kurzes Gespräch mit der Frau, die hinter der Theke steht und lässt sich Tips für unsere Einkäufe geben. Danach betreten wir die magische Gasse durch die Hintertür der Taverne. Sirius ist zunächst noch sehr geneigt, sich in seinen Hund zu verwandeln, aber niemand schaut uns auch nur an, daher wird er nach kurzer Zeit viel ruhiger. Zunächst begeben wir uns zu Gringotts und eröffnen ein neues Konto. Dann verschieben Sirius und Remus eine Menge Geld von Sirius' Konto auf das neue Konto. Sirius verschafft sich Zugang auf sein altes durch sein geheimes Passwort. Remus und Sirius nehmen beide neue Schlüssel zu dem neuen Verlies in Empfang. Wir wissen, dass wir uns auf die Diskretion der Kobolde verlassen können, denen Geschäft und Bankgeheimnis über alles geht. Jedenfalls haben sie noch keine Informationen über Sirius' bisherigen Zugriffe auf sein Geld weitergegeben. In den letzten zwei Jahren hat er mehrfach Geld abgehoben. Am Schluss übergibt Remus seine Beglaubigung von Professor Dumbledore und bezieht von Sirius' und Dumbledores Konti eine grosse Summe Bargeld, von dem ein grosser Teil in Muggelgeld ausbezahlt wird.

„Wir werden für ein neues Auto eine grosse Anzahlung machen und dann den Rest von der Bank überweisen lassen. Und falls wir das Haus mieten wollen, werden wir wohl auch eine Kaution leisten müssen, daher habe ich jetzt ziemlich viel auf mir," erklärt Remus beim Hinausgehen und fährt fröhlich fort: „Dann lasst uns jetzt mal sehen, was Sirius für einen neuen Zauberstab bekommt!"

„Oh ja! Ich kann es kaum erwarten, endlich einen neuen zu bekommen. Ich habe ziemlich genug davon, dass es mir jedes Mal die Socken von den Füssen reisst, wenn ich deinen benutze."

Dieses Bild bringt mich zum lachen. Ich frage: „Ist das echt passiert?"

„Aber ja! Nachdem es etwa viermal vorgekommen ist, habe ich es aufgegeben. Ich glaube, Remus' Zauberstab hasst mich auch heute noch, er hat ja immer noch denselben! Zwar haben die Zauber immer geklappt, aber die Socken waren jedes Mal weg," gibt Sirius zu und grinst ziemlich verlegen.

Remus lacht auch. Muss ja wirklich witzig ausgesehen haben.

Dann betreten wir ein Geschäft, das sehr ähnlich aussieht, wie das von Ollivander. Die Besitzerin und Zauberstabmacherin hier ist eine alte Frau namens Therese Vatter. Ich schaffe es gerade noch, einen kleinen Aufschrei zu unterdrücken und schlage mir die Hand auf den Mund. Dann wispere ich zu Sirius hinüber:

„Oh Mann! Diese Frau könnt ja Ollivanders Zwillingsschwester sein!"

„Das könnte sie allerdings! Sie hat die selben Augen wie er, nur sind ihre noch eulenhafter..." tuschelt Sirius zurück.

Sie sieht aber sehr freundlich aus, als sie uns begrüsst.

Remus

„Guten Morgen, meine Herren," begrüsst uns die alte Frau.

„Guten Tag, Madame. Wir benötigen einen neuen Zauberstab für meinen Freund hier," erkläre ich.

„Da werden wir bestimmt etwas finden. – Darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen?" wendet sie sich sofort an Sirius.

„Leider versteht er nur englisch, Madame, aber ich werde gerne für ihn übersetzen. Er hat seinen letzte Woche unrettbar zerbrochen, aber wir hatten keine Zeit, bei Mr. Ollivander vorbeizugehen."

„Auch gut. Also, welches ist denn sein bevorzugter Zauberstabarm?"

„Der rechte."

„Gut. Und was waren die Bestandteile seines bisherigen Zauberstabes?"

„Ebenholz und Drachenherzfaser, nicht wahr, Sirius?" frage ich zur Sicherheit.

„Richtig."

Ich wiederhole die Angaben für Frau Vatter.

„Das ist eine sehr machtvolle Kombination, sehr mächtig," nuschelt sie.

Dann beginnt sie, Sirius zu vermessen. Derweilen fängt sie schon an, in ihren Schachteln herumzukramen. Während sie wieder zu uns zurückkehrt, erklärt sie:

„Ich kenne Ihren Mr. Ollivander persönlich. Ausgezeichneter Handwerker. Ich weiss, dass er nur Phönixfedern, Einhornhaare und Drachenherzfasern verwendet. Bei uns hier gibt's seit Jahrhunderten keine Drachen mehr, daher haben wir uns von diesem Zauberstabmaterial völlig verabschiedet. Unsere Materialien schliessen die üblichen Phönixfedern und Einhornhaare auch mit ein, aber wir haben auch sehr gute Erfahrungen mit Haaren von Werwölfen."

„Werwolfhaar?" fragt Harry verblüfft und ich bin mindestens ebenso erstaunt. Ausserdem fühle ich ein leichtes Prickeln in meinem Skalp.

„Ja, Werwölfe. Sind natürlich nicht für jedermann geeignet, aber das ist ein sehr mächtiger Bestandteil für einen Zauberstab, sehr mächtig, glauben Sie mir. Dann benutze ich auch Haare von Kentauren. Ich habe einen in meiner Bekanntschaft oben im Nationalpark, der sich herablässt, mir gelegentlich einige Haare zu überlassen. Der Kerl ist so eitel, dass er sich alle weissen Haare ausreisst, damit keiner rät, dass er schon über vierzig ist. Die gibt er mir dann immer. Auch gutes Material. Dann gibt's hier in den Alpen – und nur da – ein magisches Geschöpf, das wir Gluntschi nennen. Es lebt in den eisigen Alpenseen und ähnelt den Meermenschen. Praktisch alles an ihnen ist so magisch, dass man es in einen Zauberstab einarbeiten kann. Und schliesslich erhalte ich manchmal Federn des Turul-Vogels aus Osteuropa. Die bekomme ich nicht sehr oft, denn der Turul ist sehr selten. Auch ziemlich teuer, aber er ist es wert. – Also, dann lassen Sie uns mal ausprobieren. Werwolfhaar entspricht am ehesten der Drachenherzfaser."

Sirius muss eine ganze Reihe von Zauberstäben ausprobieren, bevor er auf einen anspricht. Ausgerechnet er erwischt einen mit einer Turulfeder. Ich bin völlig baff, weil ich weiss, wie selten Turuls sind. Auf meinen Reisen in Osteuropa bin ich dem Vogel aber hin und wieder begegnet und kenne seine magischen Eigenschaften genau. Als wir von dem Laden weggehen, erkläre ich es Sirius und Harry:

„Da hast du einen unwahrscheinlich seltenen Zauberstab, Siri. Der Turul ist nicht ein magisches Geschöpf, das du oft antreffen wirst. Selbst die Muggel kennen ihn in Ungarn. Für sie ist er ein Götterbote, heilig, weil er himmlische Botschaften zur Erde trägt, ein Mythos, weil der Vogel magisch ist und die Muggel ihn daher gar nie sehen können. Die Legende stammt aus der Zeit, in der Muggel und magische Menschen noch in Einklang lebten. Die Zaubererwelt in Ungarn und Rumänien betrachtet den Turul auch als einen Boten, nämlich einen, der gute Nachrichten bringt. Er taucht nur dann auf, wenn es ein grosses Fest zu feiern gibt, aber dann hat er auch eine ganz üble Seite, denn er kann für alle die, welche ihm zu nahe kommen, tödlich sein. Vor allem Kinder verfallen ihm, die trägt er dann hoch in die Lüfte und lässt sie fallen, so dass sie zu Tode stürzen."

„Oh," macht Harry.

„Ich vermute, dass dieser Zauberstab ein sehr mächtiges Werkzeug ist, Sirius."

„Bin gespannt, wie er reagiert. Ich werde ein paar Transfigurationen ausprobieren, dann weiss ich sofort, wie er auf meine Fähigkeiten anspricht. Obwohl – im Laden hat's ziemlich danach ausgesehen, als ob er gut ist, nicht wahr?" antwortet Sirius und schaut sich den Zauberstab noch einmal an.

Er ist aus schimmerndem Eichenholz gemacht. Blank poliert strahlt er eine dunkle Kraft aus. In der Hand eines Zauberers des Lichts wird er jedoch Gutes ausrichten, dessen bin ich mir sicher.

Wir gehen weiter zum Kräuterladen. Dort erkundige ich mich nach vorgefertigtem Polyglott-Trank, doch der Verkäufer sagt, dass der nur auf Anfrage gemacht wird.

„Ach, dann können wir ihn ja auch selber brauen. Wir nehmen dann die Ingredienzien," sage ich.

„Ich schaue rasch die Liste durch, nur einen Augenblick, bitte!"

„Vielen Dank."

Harry

Während wir warten, schaue ich mich um und auch auf die Strasse hinaus. Und als mein Blick dabei auf die gegenüberliegende Strassenseite fällt, entfährt mir beinahe wieder ein kleiner Schrei. Ein vertrauter Schopf silberblonden Haares fällt mir ins Auge und als der Besitzer sich kurz umschaut, wende ich mich sofort ab. Es ist Lucius Malfoy. Mein Herz plumpst fast in meine Hose. Ich kann nur annehmen, dass wir wohl bereits verraten worden sind.

„Remus," rufe ich leise, „komm mal rüber, aber so, dass du von draussen nicht gesehen werden kannst."

„Was gibt's denn?" fragt er zurück und kommt näher.

„Lucius Malfoy gibt's. Da drüben..." sage ich und deute mit dem Finger.

„Scheisse..."

Es sieht aber nicht so aus, als ob Malfoy uns gesehen hat. Da der Kräuterladen nicht so aussieht, als ob darin seltene und verbotene Materialien zu finden wären, interessiert er sich nicht dafür. Wir beobachten ihn, bis er weg ist, aber als wir unseren Einkauf beenden, fragt Remus, der sich nicht unnötig in Gefahr begeben will, ob es einen anderen Ausgang als nach vorne gibt.

„Durch den Keller wäre möglich... warum?"

„Da draussen ist jemand, dem wir lieber nicht begegnen möchten, würden Sie uns erlauben, Ihren anderen Ausgang zu benutzen?"

Der Verkäufer schaut uns ein bisschen unsicher an, aber dann sagt er:

„Sicher, kommen Sie, ich führe Sie!"

Wir sind froh, alle unsere magischen Einkäufe bereits getätigt zu haben und gehen hinter dem Verkäufer her. Ein paar Minuten später stehen wir wieder in der Muggelstadt und gehen unserer Wege, sicher, dass Malfoy in diese Gegend kaum kommen wird.

„Was kann der hier nur wollen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer von denen schon weiss, dass wir hier sind..." sagt Sirius besorgt.

„Nein, das kann ich mir auch nicht vorstellen. Das war sicher ein Zufall. Aber in unnötige Gefahr begeben wir uns nicht. Und wir werden uns gut umsehen, wenn wir wegfahren. Jetzt aber zunächst ein Auto!"

Remus führt uns zu einer Garage im Norden der Stadt. Dort ist auch eine riesige Auswahl an Gebrauchtwagen. Wir finden einen zwei Jahre alten hellblauen Mercedes-Bus mit mehreren Sitzplätzen und viel Stauraum, den Remus auf der Stelle kauft. Der Wagen hat Vierradantrieb und der Preis stimmt Remus ziemlich zufrieden. Er macht eine Anzahlung in bar, die mehr als die Hälfte des Kaufpreises deckt und macht mit dem Händler ab, den Rest innerhalb von wenigen Tagen von der Bank überweisen zu lassen. Unsere vorübergehende Adresse und Telefonnummer werden notiert, dann brauchen wir nur zu warten, dass temporäre Autonummern angebracht werden und das Auto aufgetankt wird. Dann fassen Sirius und Remus je einen Satz Schlüssel, wir steigen ein und fahren nach Lützelflüh zurück.

„Wow! So einfach kann's gehen..."

An unserem Ziel angelangt, schickt Remus gleich eine Nachricht mit Racer an Dumbledore, um ihm mitzuteilen, wo wir im Moment zu finden sind.

„Hier, Racer, bring das bitte zu Professor Dumbledore so schnell, wie du kannst, aber nicht umkippen, ja? Du brauchst nicht auf Antwort zu warten," sagt Remus zu seiner Eule und streichelt sie zärtlich.

Racer schuhut und fliegt davon. Als nächste fliegt Hedwig mit dem Auftrag zu Gringotts, damit der Rest des Kaufpreises für das Auto überwiesen wird. Es ist jetzt früher Nachmittag und wir warten auf Roland, um dessen Freunde zu besuchen. Als er auftaucht, zeigen wir ihm unser neues Auto.

„Wow, der sieht gut aus."

„Und fährt sich toll. Das beste war natürlich, dass wir nur drauf warten mussten, dass sie ihn auftankten und die Nummernschilder anbrachten. Ist natürlich noch eine Garagen-Nummer, aber sobald wir unsere permanente Adresse angeben können, gibt's richtige und die hier werden zurückgeschickt."

„Gut. Und es ist ausserdem ein grosser Van. Das ist praktisch."

„Und mit Vierradantrieb."

„Sehr gut! Dann lasst uns gleich zu Barb und Housi losfahren. Falls ihr das Haus da nehmt, könnt ihr den Vierradantrieb sehr gut brauchen. Sehr vorausschauend eingekauft, Remus!"

„Ich dachte daran, dass es da wohl noch ein Stück raufgeht," sagt Remus grinsend.

Wir fahren ungefähr zwanzig Minuten durch den Wald, alles bergauf. Auf der anderen Seite ist dann alles offen, immer noch ziemlich steil, aber alles grüne Wiesen. Roland deutet nach oben und sagt:

„Das Haus liegt gleich über dem Kamm auf einem grösseren Flachstück. Immer noch ein paar Minuten hin."

Remus

Das Haus steht völlig isoliert und besteht aus dem Bauernhaus, einer grossen zusätzlichen Scheune und einem ebenfalls solitär stehenden Stöckli. Das Bauernhaus ist ein Fachwerkbau, wie er in der Gegend üblich ist. Ein Mehrzweckgebäude mit Wohnteil, dem Tenn genannten mittleren Teil, in dem die Heubühne liegt und in dessen Erdgeschoss Geräte und Maschinen aufbewahrt werden und dem Stall im hinteren Bereich. Etwas abseits ist eine grosse Scheune. Quer über einem kleinen Vorplatz vom Haupthaus etwas entfernt liegt das Stöckli, ein hübsches kleines Fachwerkhäuschen. Auch sehr üblich ist die Lage. Wir befinden uns auf der Nordseite des Berges, daher hat das Haus Südlage. Die vordere Schmalfront des Hauses liegt gegen Süden, damit der Wohnteil die Sonnenseite hat. Beide Häuser sind mit Sicherheit schon ziemlich alt, aber beide sehen gepflegt aus.

Roland parkt den Wagen auf dem Vorplatz neben einem Stationswagen. Wir steigen aus und gehen zur Haustür auf der Seite des Hauses. Roland klopft an die Küchentüre, macht sie auf und ruft:

„Barb? Housi? Seid ihr da?"

„Wir sind im Wohnzimmer, Roland, komm nur rein!" ruft eine fröhliche Stimme aus dem Innern.

Wir treten ein und folgen der Stimme. In einem hübschen, erstaunlich geräumigen Wohnzimmer begegnen wir den Bauersleuten. Sie merken, dass Roland Gäste bei sich hat und stehen auf. Roland stellt uns vor, wir schütteln die Hände, dann erkundigt sich mein Cousin:

„Habt ihr immer noch Interesse daran, die Sunnegg zu vermieten, Housi? Remus wäre sehr daran interessiert, sich hier einzumieten."

„Ja, natürlich. Es wird einfach zu gross für uns alleine und wie du weisst, hat unsere Tochter kein Interesse daran. Sie lebt ja jetzt in Bern," sagt Housi.

„Wir suchen so bald wie möglich eine Unterkunft und wären sehr interessiert. Allerdings wissen wir nicht, wie lange wir bleiben. Wahrscheinlich aber längere Zeit," erkläre ich.

„Das wäre gut. Wir können vorerst ins Stöckli ziehen, das steht leer. Später wäre es uns aber lieber, wenn wir ganz nach Lützelflüh hinunter ziehen könnten, damit wir nicht mehr so viel Auto fahren müssen."

„Bis dahin können wir Ihnen gerne einige der Fahrten abnehmen, Herr Leuenberger, wenn es Ihnen in Ihrem Stöckli wohler sein sollte. Wir müssen ja dann auch einkaufen fahren, also können wir gerne einiges für Sie mit einkaufen," biete ich sofort an.

„Das ist aber nett von Ihnen! Möchten Sie sich das Haus also gern ansehen?" fragt er.

„Sehr gern, vielen Dank."

Wir gehen auf einen Rundgang durch das Haus, dabei erklärt Housi:

„Das Vieh ist bereits seit ein paar Monaten weg. Das meiste an Land haben wir umliegenden Bauern verpachtet. Sie benutzen es fast ausschliesslich als Weiden, Viehwirtschaft ist die wichtigste Landwirtschaft, die hier betrieben wird. Ich hoffe, dass Sie sich durch Kuhglocken nicht gestört fühlen, denn die gibt's hier noch in rauen Mengen."

„Im Gegenteil," sage ich mit einem Lächeln und erinnere mich an Ferien in einer anderen Gegend der Schweiz, in der dieses Geräusch noch zum Alltag gehört. Ich hatte es nachts immer gern gehört, weil ich es so heimelig und beruhigend fand.

„Also, dies hier ist das Wohnzimmer, dann schliessen sich noch zwei Räume an. Das letzte Zimmer benutzen Barb und ich zur Zeit als Schlafzimmer, das mittlere ist ebenfalls ein Wohnzimmer. Alle drei Räume sind gleich gross. Hier ist die Küche. Vor drei Jahren hat unsere Tochter uns befohlen, sie endlich renovieren und ausbauen zu lassen, daher hat sie jetzt so ziemlich jede moderne Schikane, aber Barb ist ganz glücklich darüber und liebt die neuen Geräte. Da die Küche früher den gesamten Raum zwischen den Aussenwänden eingenommen hat, haben wir auf einen Teil verzichtet, zugunsten eines neuen Badezimmers, das jetzt da drüben eingerichtet worden ist. Es gibt einen Zugang hier von der Küche und einen von unserem Schlafzimmer aus. Gehen wir mal hinauf..."

In der Küche befindet sich eine Treppe, etwas steil und nicht sehr breit, aber solide.

„Bereits vor Jahren haben wir hier die Treppe hinauf- und hinunter in den Keller gezogen. Natürlich haben wir die alte Treppe draussen immer noch, aber wir mochten nicht mehr den Weg aussen herum gehen, als unsere Tochter ihr eigenes Zimmer im oberen Stock bekam," erzählt Barb.

Wir gehen hinauf und Barb zeigt uns die nächsten Zimmer.

„Hier sind drei weitere Zimmer und ein Bad. Auch das Bad hier oben ist neu. Und im nächsten Stock haben wir nochmals zwei Dachzimmer."

Wir sehen uns alle Räume an. Sie liegen alle auf die Frontseite hinaus, ein Badezimmer am einen Ende des Ganges. Das andere ist frei geblieben und gross genug, dass ein weiteres Zimmer eingefügt werden könnte. Die Aussicht von hier oben ist schlicht atemberaubend. Das Wetter ist heute klar und schön, daher bekommen Sirius und Harry den ersten Ausblick auf die Schweizer Alpen.

„Wow, ist das schön hier," flüstert Harry.

„Das ist es. Ich würde gern hier wohnen," bestätige ich und schaue mich nach Sirius um. „Was meinst du?"

„Ich meine, lass uns die Sache so rasch wie möglich abmachen. Das ist hier schlicht sensationell!" sagt er nur.

Nachdem wir das Innere gesehen haben, spazieren wir rund um das Haus. Zur Küche hinaus geht es wieder auf den kleinen Vorplatz, unter dem Aufgang zur Heubühne durch. Dieser Aufgang ist überdacht, mit einer grossen Scheunentür versehen. Er führt direkt in den oberen Stock des Tenns. Der Anfang dieser Auffahrt geht in einer grösseren Linkskurve zum Tor. Darunter befindet sich eine kleine Kammer, mit zwei grossen Brunnen bestückt. In diesen Brunnen wurde die Milch kurzzeitig heruntergekühlt und aufbewahrt, bis sie abgeholt worden ist. Links und rechts von der Tür ist ein kleines Fenster, Geranienkisten stehen auf beiden Simsen. Ich wende mich an Barb:

„Geranien bleiben die beliebtesten Blumen hier im Emmental, nicht wahr?"

„Ja, ich denke schon. Sie sind aber auch so schön, und vor allem hat man Blüten vom Mai bis in den Oktober. Das Rot wird mir nie verleiden."

Das Erdgeschoss dieses Teils ist auf beiden Seiten mit grossen hölzernen Türen bestückt, die aber offen stehen. Die Landwirtschaftsgeräte und Maschinen sind auch schon alle weg. Der Raum ist sehr gross und sehr leer. Wir gehen daran vorbei, nachdem wir hineingeschaut haben. Schliesslich kommen wir zum leeren Stall, der das hintere Drittel des Hauses ausfüllt. Er hat Stalltüren auf beiden Seiten. Eine mit Fliesen bestückte Kammer für die Melkmaschine, die auch bereits abgebaut ist, befindet sich gleich neben dem Eingang.

„Platz für gut dreissig Stück Vieh," sagt Housi etwas wehmütig.

„Es ist wohl schwer gefallen, von den Kühen Abschied zu nehmen, nicht wahr?" frage ich.

„Sehr. Aber ich habe im letzten Jahr immer mehr Mühe mit meiner Gesundheit bekommen, daher musste es jetzt sein. Wenigstens bekommen wir gute Pacht für unser Land und die Kühe kamen zu mehreren Nachbarn, die gut für sie sorgen. Das hat es etwas leichter gemacht."

Wir kehren zur Vorderseite des Hauses zurück. Barb serviert selber gemachte Limonade und wir setzen uns auf der Terrasse auf eine lange Holzbank an einem langen Tisch.

„Können wir den Vertrag so bald wie möglich abschliessen? Wir möchten so rasch einziehen, wie möglich."

„Sobald wir ins Stöckli gezogen sind, können Sie das Haus gerne haben. Der Umzug wird uns sicher ein paar Tage beschäftigen. Zum Glück haben wir auch dort die Küche und das Bad renoviert. Wir müssen es nur ein bisschen reinigen," sagt Barb.

„Dabei werden wir Ihnen gerne helfen!" verspreche ich. „Aber zunächst wollen wir Ihnen doch noch einiges über uns berichten, damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben. – Wissen Sie über Rolands spezielle Fähigkeiten Bescheid?"

„Spezielle Fähigkeiten? Was hast du denn für spezielle Fähigkeiten, Roli?" fragt Housi sofort.

„Remus..." Roland ist nicht sicher, dass es eine gute Idee ist, den Muggeln von uns zu erzählen.

„Es muss sein, Roli. Wir können nicht neben ihnen leben, ohne, dass sie es irgendwann eh merken. – Ja, Roli hat spezielle Fähigkeiten. Er ist ein Zauberer. Wir drei sind ebenfalls Zauberer."

„Ihr seid Zauberer? So wie im Zirkus?" fragt Barb vergnügt. Offensichtlich interessiert sie das.

„Nicht ganz. Diese Zauberer sind Illusionisten, sie tun nur so. Wir dagegen sind magisch," fange ich an zu erklären.

Barb und ihr Mann schauen uns etwas verwirrt an. Roland grinst und sagt:

„Remus ist genau der richtige, euch das zu erklären, er ist nämlich ein Zauberlehrer."

„Wenn Sie sagen, dass Sie magisch sind, soll das bedeuten, dass Sie tatsächlich aus dem Nichts etwas herzaubern können? Oder aus etwas Vorhandenem etwas ganz anderes machen können?" fragt Barb weiter.

Sie macht mir den Eindruck einer sehr intelligenten Frau mit einer erstaunlich raschen Auffassungsgabe.

„Das ist eine ziemlich gute Beschreibung von zwei magischen Disziplinen," bestätige ich lächelnd.

„Können Sie uns das zeigen?" fragt Housi, der offensichtlich Nägel mit Köpfen sehen will.

„Aber gerne," antworte ich, „Sirius, du wolltest doch deinen neuen Zauberstab ausprobieren. Wie wär's?"

„Oh ja! Was soll ich tun?" will er wissen.

Ich wende mich erneut an Barb und schlage vor:

„Zeigen Sie meinem Freund hier irgend einen Gegenstand in diesem Raum und sagen Sie mir, in was Sie diesen Gegenstand verwandelt haben möchten. Der Gegenstand oder das erwünschte Resultat können belebt oder unbelebt sein."

Barb schaut sich einen Moment um, dann steht sie auf und holt ein altes Körbchen.

„Wie wär's damit, dieses Körbchen in einen Koffer zu verwandeln?" fragt sie.

„Sirius, sie möchte einen Koffer aus diesem Körbchen gemacht haben. Mach ihn schön!"

Dann lehne ich mich zurück, während Sirius seine Magie entfaltet. Er zieht seinen Zauberstab, berührt das Körbchen und murmelt ein paar Formeln. Wir schauen alle zu, wie sich das kleine Körbchen verändert, vergrössert und schliesslich auf dem Tisch ein perfekt schöner, grosser, moderner Koffer, komplett mit ausziehbarem Griff und Rädern versehen zu stehen kommt. Barb und Housi haben dem Geschehen mit immer grösser werdenden Augen zugeschaut, jetzt starren sie Sirius an wie ein Mondkalb.

„Das ist ja unglaublich," flüstert Housi.

„Was ist der Trick dabei?" fragt Barb, völlig erstaunt.

„Es gibt keinen Trick. Kein Illusionist könnte dies, denn Sirius' Zauberformeln haben das Körbchen nicht entfernt und einen Koffer hingestellt, sondern er hat aus dem Material des Körbchens diesen Koffer gemacht. Die Disziplin nennt sich Transfiguration. Das war Sirius' bestes Fach in der Schule. Um diese Transfiguration möglich zu machen, braucht es eine Reihe von Zauberformeln. Wo möchten Sie Ihren neuen Koffer aufbewahren?"

„Äh... vielleicht in einer Ecke in der Küche?" fragt Barb, immer noch baff.

Sie deutet auf eine Stelle und ich schicke den Koffer mit dem Spedierzauber in die gewünschte Ecke. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich einem Muggel mein Können zeige und ich stelle fest, dass es mir einen Heidenspass macht. Der Koffer landet sanft in der Ecke.

„Das, was ich eben gemacht habe, nennen wir einen Spedierzauber. Ich kann mit dem Gegenteil des Spedierzaubers, dem Zitierzauber auch irgend einen Gegenstand herbeirufen. Für uns magische Menschen gibt es eine ganze Reihe von Dingen zu lernen, daher haben wir eigene Schulen dafür. Genau genommen gibt es inmitten eines jeden Landes auch eine magische Gemeinde, von der die Muggel, das sind alle nicht magischen Menschen, nie auch nur etwas ahnen. Sobald einer versehentlich etwas merkt, sind die Obliviatoren zur Stelle, welche mit Vergesszaubern dafür sorgen, dass die Erinnerung an ungewöhnliche Dinge ausgelöscht wird. Harry hier ist fünfzehn und beginnt Anfangs September das fünfte von sieben Jahren Zaubererausbildung. Ausser Transfiguration lernt er auch Zauberkunst, Zaubertränke, magische Kräuterkunde, Wahrsagung und andere Dinge wie Verteidigung gegen die dunklen Künste."

Während ich noch spreche, kommt eine kleine Eule angeflattert. Sie setzt sich vor Sirius und mich hin und streckt ein Bein aus. Es ist nicht Racer, sondern eine hübsche kleine Waldohreule. Ich nehme den Brief und frage:

„Darf ich den rasch lesen? Es könnte wichtig sein."

„Aber natürlich," sagt Barb.

Sie wendet sich wieder Roland zu und fragt ihn aus. Sirius und ich beugen uns über den Brief:

Lieber Remus,

Ich bin sehr erleichtert, schon über Euren Aufenthaltsort Bescheid zu wissen. Die Eule, welche diesen Brief trägt, heisst Anana. Sie ist eine von zwei Eulen, die wir für Euch zur Verfügung stellen. Sie ist so verzaubert, dass sie für alle ausser Dir, Sirius, Harry, mich selbst neben einigen Mitgliedern des Hogwarts Lehrkörpers, Hermione Granger und deren Eltern und die Familie Weasley aussehen wie eine gewöhnliche Saatkrähe. Bitte benutzt für wichtige Post ausschliesslich diese zwei Eulen. Die andere heisst Benana. Im Idealfall sollte immer eine Eule hier und eine bei Euch sein.

Hier ist eine neue Situation aufgetaucht. Gestern Abend wurden gleichzeitig zwei Attacken lanciert; eine auf den Fuchsbau und eine auf das Haus der Familie Granger. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Wir haben aber zu fürchten, dass diese Angriffe wiederholt werden, sobald die Familien zurückkehren, daher wäre es gut, wenn wir Hermione, Ronald und Ginevra ebenfalls bei Euch unterbringen könnten. Wäre das möglich? Dann würden sich die drei Euch in den nächsten Tagen anschliessen. Zur Zeit sind sie alle hier in Hogwarts.

Des weiteren halte ich es für eine gute Idee, wenn Du und Sirius die vier Schüler zuhause unterrichtet. Damit wären sie mit Sicherheit ausser Gefahr. Wärt Ihr bereit, diese Aufgabe zu übernehmen? Wenn dem so ist, kann ich Euch beiden auch ein Gehalt zahlen, denn dann wärt Ihr offiziell Angestellte von Hogwarts.

Es ist auch durchaus möglich, dass wir dann noch weitere Fünftklässler bei Euch unterbringen müssten, denn die Attacken haben offensichtlich jetzt begonnen.

Für eine rasche Antwort mit Anana wäre ich Euch verbunden.

In Freundschaft

AD"

Wir schauen von dem Brief auf und ich frage Sirius:

„Was meinst du?"

„Das würde die Situation ziemlich verändern, dann müssten wir hier auch noch ein bisschen umbauen..."

„Wärst du bereit, mitzumachen?"

„Aber ja! Könnte eine Menge Spass machen!"

„Sirius, sei ernsthaft! Wir müssen die für ihre OWLS vorbereiten! Ausserdem ist Ginny erst eine Viertklässlerin."

„Wir könnten ihr ja helfen, aufzuholen, oder? Die Kids können ihr beibringen, was sie für die vierte Klasse lernen muss und wir haben sie alle zusammen in der fünften."

„Liegt drin. Sie ist eine sehr gute Schülerin. Gut, dann antworten wir Albus, dass wir den Job übernehmen. Er soll sie herbringen."

„Hey, was ist passiert?" fragt Harry. „Ihr sprecht von Ginny, was ist mit ihr?"

Als Antwort gebe ich Harry den Brief zu lesen. Ich bitte Barb um etwas Papier und etwas zum Schreiben, dann verfasse ich rasch die Antwort an Albus. Ich sende sie mit Anana weg. Der Vogel ist wie der Blitz verschwunden.

„Unsere Postboten sind Eulen," erkläre ich.

„Dieser Vogel war aber eindeutig eine Krähe," sagt Housi.

„Nicht wirklich," antworte ich grinsend. Ananas ‚Verkleidung' haut also hin, "Für alle ausser einer ausgewählten Gruppe von Leuten sieht sie aus wie eine Krähe, weil sie mit einem Verschleierungszauber verhext ist. Wir wollen sichergehen, dass die Korrespondenz zwischen dem Schulleiter von Harrys Schule und uns nicht in falsche Hände gerät. Es werden noch drei weitere Schüler dazukommen. Zwei davon sind bereits mit Harry in der selben Klasse, die dritte Schülerin ist zwar ein Jahr jünger, wird aber wohl auch mitkommen, wenn Sirius und ich sie nächstes Jahr unterrichten. Wir werden also länger bleiben. Was wäre Ihnen lieber, wenn wir das Haus mieten oder kaufen?"

„Am besten wäre wohl zunächst mieten, denn dann können Sie am raschesten einziehen. Wir müssen uns auch noch mit unserer Tochter besprechen."

„Sehr gut. Aber da wir Platz brauchen werden, möchten wir gerne das Haus ausbauen, wenn Sie nichts dagegen haben. Dies sollte dann im Vertrag berücksichtigt werden. Wenn wir Ihnen mit dem Umzug helfen, ist die Sache in ein paar Stunden erledigt."

„Selbstverständlich dürfen Sie das Haus umbauen. Und natürlich wird das im Vertrag festgehalten. Es ist schön, dass dieses alte Haus wieder mit neuem Leben gefüllt werden wird."

Wir beginnen gleich am nächsten Tag, den Leuenbergers mit dem Umzug zu helfen. Barb entscheidet, was sie mit in die neue Wohnung nehmen will. Dann reduzieren Harry und ich den Gegenstand in der Grösse und deponieren ihn in einer grossen Schachtel. Die Schachtel wird dann hinüber zum Stöckli levitiert, wo Barb Harry dann mitteilt, wo sie die Sachen haben will und ihm zusieht, wie er mit viel Vergnügen ihre Möbel wieder zur originalen Grösse zurück verwandelt und sie platziert. Nur ein einziges schüchternes Mal hat er mich an den Erlass zur vernunftgemässen Beschränkung der Zauberei Minderjähriger erinnert, aber ich versichere ihm rasch, dass das britische Ministerium mit Sicherheit keine Berechtigung hat, sich um Zauberei Minderjähriger in einem fremden Land zu kümmern.