Kapitel 19 - NEWTS

Harry

Wir kehren auf die Sunnegg zurück, um das nächste Quartal in Angriff zu nehmen.

Ein paar Tage nach Schulbeginn stöhne ich auf, als eine Eule mit einem Brief von Mrs Winter kommt, in dem sie Hermione und mich bittet, einem Interview mit einem Reporter von der ‚Hexenwoche' zuzustimmen. Immerhin hat Mrs Winter schon vorher bestimmt, dass keine Flotte Schreibefedern zugelassen werden, sondern nur ein Diktierzauber. Ausserdem muss uns das Interview vor dem Druck zum Gegenlesen gesandt werden. Und schliesslich verlangen wir beiden, dass das Interview in Frage/Antwortform daherkommen muss, wir wollen unsere Aussagen nicht in einem Text des Reporters – mit seinen eigenen Verdrehungen und Interpretationen – eingerahmt sehen. Bei Fragen und Antworten können sich die Leser ihre eigenen Interpretationen zusammenbasteln.

Ich kann es trotzdem nicht ab. Meine diesbezüglichen Erfahrungen waren so negativ, dass sie mich wohl für den Rest meines Lebens geprägt haben. Vielleicht lerne ich es eines Tages, mit den Medien umzugehen, aber ich möchte mich lieber in die Anonymität zurückziehen können. Hermione ist auch nicht begeistert, denn in der Wahl der ‚Hexenwoche' für ein ausgedehntes Interview hat Mrs Winter auch bedeutet, dass wir uns ein paar persönliche Fragen stellen lassen müssen. Immerhin, es wird nicht die Skeeter-Kuh sein, welche die Fragen stellt. Mum, Dad, Remus und Sirius haben ihr Okay für das Gespräch gegeben, wollen aber dabei sein. Wir nehmen den Journalisten in die Küche mit, wo wir uns zu Tee und Kuchen setzen, dann kommen die Fragen. Natürlich ist die allererste Frage die nach der Beziehung mit Grossbritanniens jüngster Business-Queen und dem ‚Jungen, der lebt'. Ob wir heiraten werden. Leider verraten unsere Ringe uns von weitem. Wir beantworten diese Frage mit einem Ja, sagen aber, dass wir noch kein Datum festgesetzt haben.

Es gibt eine Menge Fragen über unsere Zeit in Hogwarts, die Gründe für die Übersiedlung in die Schweiz und in ein sicheres Haus, natürlich nach unserer Ausbildung hier, er macht eine Bemerkung über die Tatsache, dass wir alle so bemerkenswert gut abgeschnitten haben bei unseren OWLS. Dann wendet er sich an Sirius. Dessen Name ist immer noch bekannt genug, dass die Leute sich für ihn interessieren.

„Seit Sie vom Ministerium freigesprochen worden sind, haben Sie noch nie jemandem Rede und Antwort gestanden, Mr. Black. Wollen Sie nicht mal allen in Ihren eigenen Worten erzählen, was da alles falsch gelaufen ist?"

„Wer sich dafür interessiert, kann sich an Madam Amelia Bones wenden und nach den Protokollen des Prozesses gegen Peter Pettigrew fragen, dort ist alles drin. Nein, ich habe keinen Bedarf nach öffentlichem Interesse. Auch wenn es den Krieg gegen Voldemort beeinflusst hat, so ist es doch meine Privatsache und die Tatsache, dass ich damals schuldlos zu einer Existenz in der Hölle verfrachtet worden bin, muss genügen."

„Darf ich Ihnen eine andere Frage stellen, Sir? Wie stehen Sie dazu, dass nach wie vor Gefangene in Azkaban unter der Aufsicht von Dementoren gehalten werden? Ist es so schlimm, dass Sie es nicht einmal Ihren ärgsten Feinden wünschen würden?"

Ich bin nicht der einzige unter uns, der einen Blick auf meinen Paten wirft. Ich merke, dass meine Eltern, Hermione und Remus sofort das selbe tun. Sirius' Kiefer bewegen sich einige Minuten lang, während denen er sich wahrscheinlich überlegt, ob und wie er die Fragen beantwortet. Dann holt er tief Luft, schaut auf seine Hände, die er auf dem Tisch gefaltet hat und gibt zu:

„Ich bin sehr zwiespältig. Zunächst würde ich sagen, dass es so schlimm ist, dass man es nicht mal seinen schlimmsten Feinden wünscht. Aber – und verstehen Sie mich nicht falsch, ich glaube nicht, dass es etwas mit Rachsucht zu tun hat – ich glaube, dass es einige Todesser gibt, die es sehr wohl verdient haben, diesen Monstern ausgesetzt zu sein. Vor allem, wenn es sich um Leute – ich weigere mich, sie Menschen zu nennen – handelt, die in der magischen Gesellschaft so hoch angesehen waren, aber dabei andauernd jegliche Achtung vor dem menschlichen Geschlecht mit Füssen getreten haben. Etliche Mitglieder meiner eigenen Familie mit eingeschlossen. Daher wäre mein Wunsch der nach einem komplett neuen Gefängnis, in das normale Kriminelle, sofern man die normal nennen kann, aber eben Straffällige, die sich irgend eines Vergehens schuldig gemacht haben und eine Gefängnisstrafe verdienen einsperren kann. Ich würde Azkaban beibehalten, bis die letzten zu lebenslanger Haft verurteilten Todesser dort gestorben sind und dann schleunigst sämtliche Dementoren vernichten."

Sirius schaut auf und begegnet dem Blick des Journalisten.

„Das war eine sehr ehrliche und meiner Meinung nach sehr vernünftige Antwort, Mr. Black. Darf ich sie zitieren? Ich meine, dass die Öffentlichkeit wissen sollte wie jemand, der diese Hölle so lange überlebt hat wie Sie darüber denkt."

„Bitte sehr..." sagt Sirius.

Der Journalist interessiert sich auch für die Beziehung zwischen Sirius und Remus. Es ist eine ziemlich bekannte Tatsache, dass Remus ein Werwolf ist, und dass die beiden zusammenleben.

„Wohin gehen Sie, wenn Vollmond ist, Mr. Lupin?"

„Nirgendwohin. Ich bleibe bei meiner Familie. Sie haben doch wohl Kenntnis vom Wolfsbanntrank, oder?"

Der Reporter schaut etwas dumm aus der Wäsche und verneint. Remus seufzt.

„Sehen Sie, genau durch solche Unkenntnis hält man die magische Welt nach wie vor im Glauben, dass es nichts gibt, womit man einen Werwolf in seiner Wolfsform unter Kontrolle halten kann. Der Wolfsbanntrank hilft mir, bei Vollmond meinen Verstand zu bewahren. Ich verwandle mich in den Wolf, der ist aber so wie ein Animagus, also absolut harmlos und kontrolliert. Ich befinde mich mitten im Kreis meiner Lieben..."

Jetzt ist der Typ sprachlos und schaut Remus mit offenem Mund an. Dann klappt er ihn doch noch zu und sagt:

„Ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas gibt..."

„Nun, ich persönlich habe noch eine weitere Möglichkeit, völlig ich selber zu bleiben, obwohl ich mich bei Vollmond verwandeln muss. Ich bin ein Animagus und kann mich so vor dem Mondaufgang selber verwandeln. Das geht völlig schmerzfrei. Die beiden Mittel zusammengenommen stellen sicher, dass ich keine Arbeitstage mehr versäume, abgesehen von langen Mondnächten im Winter, bei denen ich einfach etwas später erscheine. Ich weiss, dass ich ein sehr privilegierter Werwolf bin, aber das Ministerium könnte beide Hilfen propagieren, zieht es jedoch vor, die Bevölkerung in ihrer Abneigung gegen Werwölfe lieber zu unterstützen."

Schliesslich wendet sich das Gespräch wieder Hermione und mir zu.

„Wissen Sie beide schon, was Sie nach Ihrer Schulzeit machen werden?"

„Wir beabsichtigen, an die Avalon Academy zu gehen und Rechtswissenschaften und Geschichte zu studieren," sagt Hermione.

„Beide?"

„Beide. Wir interessieren uns für alles, was um uns vorgeht und wir denken, dass dies eine gute Möglichkeit ist, uns aktiv an der Gestaltung unserer Mitwelt zu beteiligen," erkläre ich.

„In anderen Worten, Sie werden danach in die Politik gehen?" will der Mann wissen.

„Wenn, dann sicher erst in etwa dreissig Jahren oder so..." weiche ich aus.

Endlich hat der Typ alle seine Fragen gestellt. Wir sind sehr froh, dass wir das letzte Wort haben und bekommen den Text am nächsten Tag zugesandt. Wir lesen ihn alle und überprüfen ihn, erst dann schicken wir ihn mit unserem Einverständnis an die ‚Hexenwoche' zurück.

Das Interview wird schon in der nächsten Ausgabe gedruckt und wir sind auf dem Titelblatt. Danach werden wir für einige Zeit mit einer ganzen Tonne von Briefen eingedeckt, aber die meisten davon sind Glückwünsche zu unserer Verlobung und nicht einer ist irgendwie negativ. Hermione und ich schreiben daher einen Brief, den wir für alle kopieren und unsere Eulen sind ein paar Tage lang unterwegs, um all die Briefe zuzustellen. Alle Briefschreiber, welche eine Adresse angegeben haben, bekommen so eine kurze Antwort.

Es ist aber sehr schwer, uns dabei auf unsere Schularbeiten zu konzentrieren. Aber wir müssen, also knirschen wir mit den Zähnen und bemühen uns. Das Animagustraining ist dadurch etwas in den Hintergrund getreten, aber wir haben eh alle das Gefühl, dass wir jetzt die Transformation und das Verhalten unserer Tiere ziemlich gut drin haben. Ich habe bemerkt, dass Ginny ab und zu mal entschlüpft, um zu fliegen. Da wir über ihren Verschleierungszauber Bescheid wissen, können wir sie natürlich als Adler sehen, wenn alle anderen in ihr nur einen gewöhnlichen Vogel erkennen. Sie ist einfach umwerfend! Sie hat diese unglaublich starken Schwingen, mit denen sie ein paar Mal flattert, dann ist sie schon einige Meter in der Höhe. Ron hat Fotos von ihr gemacht, die sie ihrer Mutter schickt.

Remus

Es ist ein unglaubliches Gefühl, Lily zu beobachten. Es geht ihr auch in dieser Schwangerschaft gut. Sie appariert einmal im Monat nach Hogwarts und besucht Poppy, die sie dann jeweilen untersucht. Sie sagt, mit den Kindern sei alles in Ordnung. Wir wollen nicht vor der Geburt wissen, was sie für ein Geschlecht haben. Jetzt ist schon mehr als die Hälfte der Zeit um. Siri und ich haben in der Zwischenzeit schon eine ganze Reihe Bücher über Schwangerschaft, Geburt und Babyzeit gelesen, um uns zumindest theoretisch etwas schlau zu machen.

Sirius arbeitet ziemlich viel an seiner Theorie. Er ist ein sehr guter Braumeister, und die Schüler finden, dass er sein Fach sehr gut unterrichtet, aber Sirius hat immer noch sehr grossen Respekt vor dem riesigen Pensum, das ein Hogwarts-Lehrer bewältigen muss. Jetzt baut er seinen eigenen Unterrichtsplan auf, wobei Lily ihm hilft. Sie ist sehr systematisch, etwas, was Sirius ein bisschen abgeht.

Sirius

Jedes Mal, wenn ich Lily dieser Tage sehe, wird mir mehr bewusst, was sie da in ihrem Bauch trägt. Sie erlaubt uns, die Kinder durch ihre Bauchdecke zu ertasten und zu streicheln. Und sie erzählt uns alles über ihre Entwicklung. Sie sind bestens drauf, sagt sie. Poppy weiss bereits, was die Kinder für ein Geschlecht haben, will es uns aber nur sagen, wenn wir's auch wissen wollen. Wir verzichten jedoch darauf, denn wenn es ein Pärchen ist, wissen wir ja immer noch nicht, welches Kind von wem von uns dreien ist, also warten wir lieber, bis sie geboren sind. Aber wir fangen schon an, die Tage zu zählen.

Das Unterrichten macht mir immer noch Spass. Eigentlich immer mehr, je mehr ich an Sicherheit gewinne. Ich fürchte, dass ich in Hogwarts vermissen werde, nicht mehr mehrere Fächer zu unterrichten. Ich werde mir möglichst viel Abwechslung bewahren und nicht immer die gleichen Dinge wiederholen.

Um Tests zu generieren, benutze ich Morags System. Natürlich bekomme ich auf diese Art weit mehr als ich brauche, aber ich muss diese endlosen Listen ja erst mal durchsehen und alles, was ich für geeignet erachte, nehme ich heraus. Auf diese Art habe ich etwas schon mal erledigt, das sind die Tests und mögliche Aufsatzthemen.

Ron und Justin räumen ihr Zimmer auf unserer Seite, damit Lizzie dort einziehen kann. Sie ziehen sich in Justins Zimmer auf der anderen Seite des Hauses zurück.

Und dann machen wir uns dran, das in Lizzies altem Zimmer das neue Babyzimmer einzurichten. Zum Glück ist es so gross. Dann muss auf unserer Seite das Bett umplatziert werden. Wir ziehen es erst in die Mitte des Zimmers, dann verschieben wir den Schreibtisch vor das Fenster und danach können die Schränke alle an die Seite. Unser Bett kommt gegenüber seinem alten Standplatz an die Wand. Dann kann ich die Tür zum Kinderzimmer einbauen. Das heisst, ich mache gar keine richtige Tür, die Öffnung wird nur durch einen dichten Vorhang verschlossen. Wenn wir uns lieben wollen, werden wir mit Einweg-Silenziumzaubern arbeiten. Dann dekorieren wir das Kinderzimmer mit einem Anstrich in zartem hellgrün. Auf den Boden kommt ein dunkelgrüner Teppich im selben Farbton wie die Wand. Die Vorhänge bekommen dieselbe dunkelgrüne Farbe. Zur bereits vorhandenen stellen wir zwei schöne Wiegen, die ich aus Messing mache. Die Bettchen sind an einem Rahmen aufgehängt. Sie bekommen einen hellgrünen Betthimmel, mit kleinen schwarzen Hunden und grauen Wölfchen, die über den Stoff laufen und miteinander spielen. Ausserdem stelle ich bequeme Schaukelstühle auf. An den Wänden entlang kommen die Wickelkommoden und Kleiderschränke, sowie ein kleines Regal. Es ist viel Platz in diesem Zimmer, also fühlt es sich immer noch nicht überladen an.

Woche um Woche rücken wir dem Termin näher und so langsam macht sich Nervosität breit. Wenn es so weit ist, wartet ein Portschlüssel, um uns vier für die Geburt nach Hogwarts zu bringen. Poppy will das Schloss während des Schuljahres so wenig wie möglich verlassen und meint, dass der Portschlüssel Lily nicht schaden würde, dass sie aber für die Geburt in Hogwarts besser aufgehoben wäre.

Parvati

In Zauberkunst sind wir jetzt mit all den Zaubern durch, die Remus uns dieses Jahr beizubringen hatte und nun bringt Remus zum Repetieren wieder die Übungstests an, die er wieder vom Ministerium angefordert hat. Das erinnert uns daran, dass es höchste Zeit ist, für die NEWTS zu repetieren. Es wird immer schwieriger, uns darauf zu konzentrieren, weil es so viel ist. Wir sitzen wieder oft draussen auf der Terrasse mit unseren Übungstests. Sie sind schwieriger als die OWLS, aber das Format ist praktisch das selbe. Wir korrigieren die Tests auch wieder gemeinsam, so dass weder Remus noch Sirius nach dem Unterricht mehr Arbeit haben. Mit dieser Methode lernen wir wieder viel aus unseren Fehlern. Es ist eine gute Art zu repetieren und ergänzt unsere eigenen Studien hervorragend. Auch hier merken wir, dass die wichtigsten Fragen immer wieder auftauchen und so wissen wir zu einem guten Teil, was in den NEWTS wohl alles kommen wird. So nach dem dritten Mal habe sogar ich das raus.

Aber wir haben eine Menge Fächer. In Hogwarts hätten wir normalerweise nur sechs, aber hier sind es acht. Das gibt schon ziemlich zu tun. Deshalb sitzen wir auch meistens in der Bibliothek und haben wenig Zeit für Dinge, die nichts mit der Schule zu tun haben.

Doch es kommt die Zeit, in der wir wieder einen Verhütungstrank brauen müssen. Wir vier Mädchen treffen uns deshalb an einem Wochenende im Klassenzimmer und sortieren die per Eulenorder bestellten und gelieferten Ingredienzien. Wir machen uns auf einem der Brautische an die Arbeit. Da wir schon oft und oft zusammen gearbeitet haben, geht es ziemlich flott voran. Sobald der Zaubertrank fertig ist, lassen wir ihn vorschriftgemäss kühlen und kehren zu unseren Schularbeiten zurück. Hermione und Padma sind wieder ausgesprochen kratzbürstig und treiben uns zum Lernen an. Draco und ich sinken jede Nacht praktisch bewegungslos aufs Bett und können nur noch ein paar Stunden lang schlafen und sonst gar nichts. Sex verschieben wir aufs Wochenende, wir brauchen den Schlaf!

Justin

Wir sind langsam alle erschöpft. Hermione ist wieder mal unerbittlich und zieht uns mit sich in ihrem Repetitionsprogramm. Remus und Sirius fügen ihren Teil zum Berg an Arbeit bei, indem sie uns all diese Übungstests schreiben lassen. Die einzige Abwechslung bietet noch Remus' kurzer Spaziergang in die Zauberei ohne Zauberstab. Er testet die unter uns, die allenfalls eine Begabung dafür zeigen.

Jenny hat mir regelmässig über ihre Abenteuer in Hogwarts berichtet. Wie es scheint, hat sie viel Spass und hat auch einige Freunde gefunden. Ich bin glücklich für sie. Sie wird sich gut durchschlagen. Auch ihre Noten sind offenbar gut.

In der Zwischenzeit nähern wir uns der Geburt von Remus' und Sirius' Zwillingen. Nach Madam Pomfreys Berechnungen müssten sie am 26. April geboren werden. Aber sie hat Lily gewarnt, dass die Geburt bis zu zehn Tage vor oder nach dem errechneten Termin beginnen kann. Es zeigt sich, dass die Kinder es gut meinen – sie kommen zwei Tage früher.

Remus

Lily sitzt am Küchentisch und lernt, als sie die ersten Zeichen des Geburtsbeginns spürt. Sie ruft James und mich her und gemeinsam checken wir die Abstände zwischen den Wehen um herauszufinden, ob es nicht nur wieder eine Warnung ist. Es scheint aber loszugehen. Wir können noch ein paar Stunden warten, bevor wir nach Hogwarts gehen, ich rufe aber Poppy über den Commumirror an und warne sie, dass wir bald kommen.

„Alles ist schon vorbereitet, Remus, seid vorsichtig."

„Wir werden auf Lily aufpassen, Poppy. Bis später."

Wir warten, bis Sirius seine letzte Lektion beendet hat. Als er in die Küche kommt und Lily sieht, wie sie regelmässig und bestimmt atmet, fragt er besorgt:

„Ist was nicht in Ordnung?"

„Alles ist in Ordnung, Liebster, aber unsere Kinder wollen raus!"

„Oh!"

Der Anblick seiner Augen, die weit aufgehen, ist zu niedlich. Wir informieren die Schüler und aktivieren dann den Portschlüssel, nachdem wir die vorbereitete Tasche mit Babysachen und allem geholt haben. Poppy bringt uns gleich in das Zimmer, das Remus immer nach seinen Transformationen benutzt hatte. Nach ein paar weiteren Stunden ist Lily langsam zu müde, um noch herumzugehen und lässt sich auf dem Bett nieder. Ich glaube, zu der Zeit sind Sirius und ich beide schon totale Nervenbündel. Poppy hält uns aber auf Trab, damit wir gar keine Zeit haben, allzu sehr zu zittern. Wir helfen alle drei Lily so gut wie wir können. Poppy gibt uns die entsprechenden Instruktionen.

Endlich, kurz nach Mitternacht am 25. April kommt das erste Baby. Wir sind beide völlig hin, als wir sehen, wie es sich seinen Weg aus Lilys Körper bahnt. Sie presst hart und folgt Poppys Befehlen aufs Wort und so kommt ein Kopf hervor, der eindeutig zu gross aussieht, als dass er durch diese Öffnung passen könnte. Und dennoch geht es. Lily hat nur ein paar Sekunden, um tief durchzuatmen, bevor die nächste Wehe den Körper des Babys herauspresst. Wir halten beide den Atem an und ich kaue an meiner Unterlippe. Es ist ein kleiner Junge, und wie der aussieht, könnte er entweder Siris oder James' Sohn sein. Ein Bad ist bereits vorbereitet und sobald Poppy es mir erlaubt, hebe ich das winzige Menschlein zum ersten Mal hoch und bringe es gleich hinüber, um es zu baden. Es bedeutet allerdings, dass ich die Geburt der beiden anderen Babys nicht direkt mitbekomme. Ich trage den Winzling in seiner Decke auf den Wickeltisch, den Poppy aufgestellt hat. Vorsichtig nehme ich die Decke weg und hebe das Baby wieder auf. Er schreit los, aber dann halte ich ihn zärtlich ins warme Wasser und sofort verstummt er. Ich wasche ihn behutsam vom Kopf bis zu den Füsschen. Dabei massiere ich den kleinen Körper etwas, um den Blutkreislauf anzuregen. Schliesslich öffnen sich die winzigen, zu kleinen Fäustchen geballten Händchen und die Augen schliessen sich. Also nehme ich ihn wieder aus dem Wasser und bringe ihn sofort zum Wickeltisch, wo ich ihn in ein weiches Tuch lege. Es ist mit einem Wärmezauber versehen und als ich das Tuch um den Kleinen wickle, beruhigt er sich wieder. Ich trockne ihn ganz vorsichtig ab. Dann reinige ich die Babydecke von all dem Blut und der Käseschmiere und den Resten des Fruchtwassers. Ich wickle das Baby hinein und halte ihn fest an mich gepresst, so wie Poppy es mir gezeigt hat. Ich bin fast fertig, als Siri kommt und das zweite Baby bringt.

„Es ist ein Mädchen, Moony, und eindeutig deine Tochter, und schau, wie hübsch sie ist!" sagt er ganz sanft.

Ich hebe den kleinen Jungen auf und drehe mich um, dabei deute ich mit dem Zauberstab auf das Babybad und wechsle das Wasser. Dann schaue ich mir unsere kleine Tochter an und wirklich, Sirius hat recht, sie ist wirklich ein niedliches kleines Mädchen. Sirius badet unser Baby. Er macht es wie ich, ganz langsam, bis sich das Kleine erholt hat. Derweilen halte ich unseren oder James' Sohn auf den Armen. Ich kann noch immer kaum ein Wort sprechen, so aufgewühlt bin ich. Sirius hat grade unsere Tochter vom Wickeltisch aufgehoben, als James mit dem dritten Drilling dazukommt.

„Hey, ihr Lieben! Schaut mal, wer da kommt – ein kleiner Padfoot, da gehe ich jede Wette ein!"

„Oder ein kleiner Prongs. Dies hier könnte nämlich ein kleiner Padfoot sein," gebe ich zu bedenken.

James schaut von dem einen kleinen Jungen zum anderen und findet:

„Sehen beide ziemlich gleich aus, findet ihr nicht?"

Wir lachen alle. Lily meldet sich von drüben und protestiert:

„Wo zum Geier bleiben meine Kinder?"

„Konsultieren wir Lily, Leute," schlägt Sirius lachend vor, während er zärtlich mein Töchterchen halt.

„Gute Idee! Wascht ihr mal, ich bringe dieses liebe kleine Kerlchen zu seiner Mummy."

Ich übergebe ihr das Baby auf meinem Arm und schaue hinüber zu Sirius. Lily strahlt ihn an und als sie mich anschaut, grinst sie.

„Dies hier ist eindeutig James' Sohn! Schaut euch bloss diese Haare an, nur ein Potter kann solche Haare auf dem Kopf haben!"

Sie hat recht, dieser schwarze kleine Wuschelkopf kann nur einem Potter gehören. Wir lachen wieder alle, sogar Poppy. Die schaut sich die Babys der Reihe nach gut an und meint:

„Alle sehr klein, aber auch sehr gesund. Du hast sehr gut zu ihnen geschaut, Lily! Wie heissen sie denn nun?"

Sirius und ich haben uns noch nicht ganz entschieden, ob Kevin oder Dennis. Ich schaue auf meinen Sohn, den James mir jetzt auf die Arme legt. Er ist eindeutig Sirius' Sohn, also frage ich:

„Was willst du denn nun lieber, Kevin oder Dennis?"

„Ich glaube, Dennis... wir können ihm ja Kevin als zweiten Namen geben..."

„Dennis Kevin Black. Das klingt doch sehr hübsch!" findet Poppy.

„Er ist so niedlich, Siri..."

Poppy checkt Denny und findet alles an ihm in bester Ordnung. Sie schaut zu uns auf und meint:

„Er ist in bester Verfassung. Jetzt machen wir ihnen je eine Flasche und ihr könnt sie füttern. Ja, kleiner Dennis, dir geht's prima! Und dieses niedliche kleine Bäuchlein wird auch schon bald lecker gefüllt werden. Weisst du, wie du ihn anziehen musst, Remus?"

„Ich würde sagen ja, wir haben ja mit Lizzie ziemlich oft geübt. Da wird sich nicht sehr viel geändert haben."

Wir haben die ersten Kleidchen für unsere Kinder in einer grossen Tasche mitgebracht. Die Windeln habe ich auch schon da drin. Ich hole eine davon aus der Tasche und ziehe sie Dennis an, was sogar ohne Probleme geht. Dann kann ich ohne allzu grosse Mühe das winzige Baby anziehen. In der Zwischenzeit kümmert Poppy sich um unsere Tochter. Nach langen Diskussionen und Blättern in einer ganzen Reihe von Büchern sind wir schliesslich auf die romanische Version von Serena gestossen, Seraina, und haben uns für unser Töchterchen für diesen Namen entschieden. Poppy gefällt der Name ausgezeichnet.

Ich halte Denny wieder an meine Brust gedrückt. Er kann meinen Herzschlag spüren und scheint total zufrieden zu sein. Obwohl ich erwarte, dass das kleine Bäuchlein demnächst mal zwickt und er hungrig wird. Als das der Fall ist, fängt er wieder an zu schreien. Poppy rät mir, mit ihm herumzugehen, was ihn wieder für eine Weile beruhigt. Ich küsse ihn auf sein Köpfchen, während ich ihn ganz leicht schaukle.

James

Es ist wieder umwerfend. Ich geselle mich zu Lily, die unserem Sohn seine erste Milchration zukommen lässt. Andrew Mark Potter. Harry hat nun einen kleinen Bruder zu seiner kleinen Schwester. Von mir aus können wir weiterhin abwechseln. Ich gebe Lily einen zarten Kuss und sage leise:

„Danke, meine Liebste! Wie geht's dir?"

„Müde, aber sonst okay. War harte Arbeit. Aber schau dir die beiden da drüben an, James! Ich glaube, wir haben sie wirklich glücklich gemacht."

Wir schauen beide hinüber zu Sirius und Remus, die sich nun auf einem zum Sofa transfigurierten Bett niederlassen und mit ihren Kindern Bekanntschaft schliessen. Sie strahlen übers ganze Gesicht. Ich weiss, wie es sich anfühlt beim ersten Kind. Ich hab's nie vergessen und ich freue mich, dass Remus und Sirius nun auch in den Genuss dieses Gefühls kommen. Es war eine gute Idee! Schliesslich braucht die britische Zauberergemeinschaft noch einen ganzen Haufen Potters, Blacks und Lupins, um alle die wieder auszugleichen, die dem Terror zum Opfer gefallen sind.

Sirius

Es ist vorbei! Remus und ich halten unsere Kinder auf den Armen. Remus ist hinreissend schön mit unserem Sohn auf seinen Armen. Der Kleine beruhigt sich wieder und als Poppy fertig ist und auch Seraina für gesund erklärt, geht sie in ihr Büro, wo sie rasch unsere mitgebrachten Babyflaschen vorbereitet und für die beiden Futter macht. Wir werden es noch lernen müssen, dieses Futter herzustellen, Lily kann nicht drei Kinder voll stillen. Poppy meint allerdings, dass das kein Problem sei. Während wir ein Sofa transfigurieren und uns darauf niederlassen, um unsere Babys zu füttern, bekommen wir Besuch, denn Albus und Minerva kommen hereinspaziert. Als sie die drei Kleinen sehen, fangen sie an zu lächeln.

Seraina nuckelt hungrig an ihrer Flasche. Ich habe schon Angst, dass sie sich dabei irgendwie weh tut, aber als sie genug hat, spuckt sie den Nuckel der Flasche aus.

„War's das, meine Süsse? Nicht mehr hungrig? Bist du sicher?" frage ich sie zärtlich.

Ich offeriere ihr die Flasche von Neuem, aber sie scheint sich sicher zu sein. Poppy checkt und meint:

„Das ist okay, Sirius, sie muss nicht alles trinken. Sie wird es schon anmelden, wenn sie wieder Hunger hat."

„Gut."

Ich hebe Seraina auf und halte sie an meine Brust. Poppy gibt mir ein Gazetuch, um ihr Mäulchen zu putzen, wenn sie aufstösst. Was kurz danach auch passiert.

„Wenn sie nuckelt, schluckt sie auch Luft, die muss jetzt wieder raus."

„Ich bin sehr froh, dass wir solches jetzt von Lizzie her alles wissen, das wird die Babypflege sehr erleichtern."

Und einen Moment später schläft mein Töchterchen ein. Ich halte sie auf meinem Arm und kann einfach nicht aufhören, sie anzustaunen. Dann endlich kann ich aufblicken und entdecke Albus' und Minervas strahlende Gesichter.

„Das ist Seraina, meine Lieben," flüstere ich.

„Sie ist wirklich hübsch, Sirius," sagt Minerva ebenso leise.

„Und sie ist Remus' Tochter. Nur, dass er sie bisher noch nicht einmal hat halten können."

„Dasselbe gilt für dich und deinen Sohn, Siri. Wir wechseln, wenn wir sie das nächste Mal aufnehmen müssen..."

Er wendet sich an die beiden Professoren:

„Und das ist Dennis Kevin Black."

Dennys Augen sind noch offen, aber bestimmt nicht mehr lange. Remus gibt ihn an Minerva. Sie schaut auf das Baby und lächelt. Dann sagt sie:

„Hogwarts, nimm dich in Acht – eine neue Generation Rumtreiber wächst heran... drei davon zur selben Zeit!"

„Wir wollen doch sehr hoffen, dass sie eine Menge Unsinn anstellen, Minerva, wir wollen, dass sie eine so richtig unbeschwerte Kindheit haben."

„Ihr werdet selber darunter zu leiden haben, lass mich dich warnen, Sirius," sagt sie völlig unbeeindruckt.

„Ich will nur, dass sie glückliche kleine Kerlchen werden. Es ist ein unglaubliches Gefühl," gebe ich zurück.

„Ja, so sagt man. Ich freue mich für euch beide und gratuliere euch!"

Albus hat noch kein Wort gesagt. Er beschwört zwei Sessel herauf, setzt sich und ich gebe ihm Seraina. Sollte sie davon aufwachen, was soll's – er braucht die Kleine jetzt für einen Moment. Er schaut auf den Säugling auf seinem Arm, dann auf Remus und mich.

„Ihr seid gesegnet, ihr zwei, das wisst ihr, nicht wahr? Ihr werdet mit diesen beiden Babys so viel Glück mit heim nehmen. Und eure Fürsorge für die Kinder wird mit noch mehr Freude belohnt werden. Das ist das wertvollste Geschenk für jeden Menschen."

„Das fühle ich jetzt schon, Albus. Es war schon total beglückend, ihre Entwicklung im Bauch ihrer Mutter zu verfolgen, aber das war schon rein gar nichts verglichen mit dem Gefühl, sie jetzt auf meinem Arm zu halten," bemerke ich.

„Ihr solltet sie jetzt schlafen legen, ihr Lieben. Sie brauchen eine Menge Schlaf und ich rate euch, sorgt dafür, dass sie nachts mehr schlafen als am Tag..." erinnert Poppy uns. Sie bleibt eben immer auf dem Boden.

Dazu müssen wir heimkehren, also heben wir beide ein Baby auf und ich erkundige mich vor dem Apparieren noch nach Lily.

„Sie kann auch mit nach Hause kommen, aber Albus gibt ihr einen Portschlüssel," teilt Poppy mir mit.

„Gut. Wie können wir dir danken, Poppy? Du hast uns so sehr geholfen," sagt Remus und küsst sie auf die Wange.

„Remus, das war mir ein wahres Vergnügen. Ich konnte mein Wissen in diesen Dingen wieder mal aufpolieren, und es war ausserdem wirklich ein Privileg, eure Kinder mit euch zur Welt kommen zu sehen. Ich werde morgen bei euch hereinschauen und nach ihnen sehen."

„Vielen Dank, Poppy," sage auch ich und gebe ihr ebenfalls einen Kuss.

Wir sagen leise auf Wiedersehen zu Albus und Minerva und verlassen das Schloss, um unsere Kleinchen nach Hause zu apparieren. Dafür müssen wir noch ein Stück bis zu den Toren laufen. Als wir heimkommen, sind sie daher beide wieder wach und am Schreien, aber wir beruhigen sie wieder, so gut wir können. Remus schiebt Seraina seinen kleinen Finger in den Mund. Sie nuckelt dran und beruhigt sich fast sofort. Also versuche ich den selben Trick bei Denny, der meinen Finger ohne Probleme als Nuckel akzeptiert. Hey, das ist ja erstaunlich, wie der zieht! Ich weiss, dass es ein Reflex ist, aber es ist eindeutig ein sehr starker Reflex.

Gleich darauf stehen James und Lily mit Andy im Raum. James stützt Lily, während er Andy festhält. Sie lässt sich auf einem der Schaukelstühle nieder und schliesst die Augen.

„Geht's dir noch gut, Lily?" erkundigt Remus sich.

„Ja, nur hundemüde!" gibt sie beruhigend zurück. „Ihr könnt euch mal um die Kleinen kümmern, ich will schlafen!"

Immerhin haben die Kinder laut genug geschrieen, um Harry und Hermione in ihrer Dachkammer zu wecken. Beide stehen auch gleich auf der Türschwelle. Und grinsen breit, als sie uns mit den Kindern sehen.

„Hey!" flüstert Harry, vom Schlafen noch etwas heiser, „Schau mal, wer da ist!"

„Hallo, ihr beiden. Kommt, schaut sie euch an!" sagt James leise.

Ich setze mich auf einen anderen Schaukelstuhl und lege Denny auf meine Brust. Er nuckelt immer noch an meinem Finger.

„Oh, sind die niedlich, Dad! Gratuliere euch allen!" sagt Harry. „Wer ist denn nun wer?"

„Das hier ist dein Bruder Andrew, Remus hat Seraina und Sirius hat Dennis. Sie sind jetzt... Andy knapp zwei, Seraina nicht ganz zwei und Denny etwa anderthalb Stunden alt," erklärt James.

Harry kniet sich neben Lily und umarmt sie. Sie erwidert die Umarmung, bittet ihn aber:

„Du könntest mir ins Bett helfen, mein Lieber, dein Dad ist im Moment mit anderem beschäftigt..."

„Mach' ich doch glatt, Mum! Komm..."

Harry hilft seiner Mutter aufzustehen und führt sie in ihr Schlafzimmer. Schon drei Minuten später ist er zurück und sagt leise:

„Schläft schon."

Remus steht auf und sagt:

„Hier, Harry, du wolltest doch ein Mädchen als Patenkind. Das ist Seraina..."

Harry nimmt das winzige Baby auf den Arm und schaut sie an.

„Sie ist so was von hübsch, Remus. – Na ja, sie sind alle hübsch, aber sie ist so niedlich..."

„Erinnerst du dich an die Babyfotos von Remus, Harry?" Ist mein einziger Kommentar. „Remus war so ziemlich das niedlichste Kind, das man sich vorstellen kann."

„Stimmt," sagt Harry und haucht einen zarten Kuss auf Serainas Stirn.

Ich reiche Hermione den kleinen Denny. Sie wird seine Patin. Eine Weile lang schauen wir den Teenagern zu, wie sie ihre Patenkinder kennen lernen. Doch dann geben sie uns beide Kinder wieder zurück.

„Wir lassen euch wohl besser die Kleinen in ihre Wiegen legen... Gute Nacht!"

„Gute Nacht, ihr Lieben. Und setzt vielleicht Silenziumzauber über euer Zimmer, dann wecken sie euch nicht mehr. Bei dreien können wir ein anständiges Hauskonzert erwarten..." sagt James.

Nachdem Harry und Hermione in ihr Zimmer zurückgekehrt sind, legen James, Remus und ich endlich unsere Kinder in ihre neuen Wiegen. Wir wählen sie eher zufällig aus, aber entscheiden sofort, dass es dabei für die drei bleibt. Sie tun uns den Gefallen, auch gleich wieder einzuschlafen. Danach stehen wir beide einfach vor den Wiegen und schauen sie an. Ich schlinge meinen Arm um Remus' Schulter und lehne mich an ihn. Er dreht seinen Kopf etwas und legt ihn an meinen, dann meint er:

„Ich kann's immer noch kaum fassen. Sie sind ein Wunder, Siri..."

„Das sind sie. Sie sind wundervoll..."

James kommt her und umarmt uns beide. Wir sind ihm und Lily so dankbar für das, was sie da für uns getan haben. Wir umarmen ihn auch und bedanken uns noch einmal.

„Ist schon gut, ich weiss es jetzt! Versprecht nur, dass ihr euer Bestes mit ihnen tun werdet. Ich staune ja selber immer noch über Lily, dass sie es getan hat..."

„Sie ist die Beste!" kommentiere ich. „Und ich finde, dass unsere Kinder aufwachsen und lernen sollten, sie Mum zu nennen, wenn du nichts dagegen hast, James. Ich möchte schon, dass unsere Kinder wissen, wer sie geboren hat.

James schaut sich die drei Kinder an und strahlt. Wir haben gemeinsam mit Mrs Winter einen Vertrag über die Leihmutterschaft gemacht und so haben unsere beiden bereits unsere Nachnamen, aber bestimmt wird James ihnen näher stehen als ein Onkel. Auf der anderen Seite stehen wir seinen Kindern eigentlich auch näher als ein Onkel.

„Wenn Lily damit einverstanden ist, dann bin ich es auch. Ich bleibe James für sie, und wie wollt ihr euer „Dad"-Problem lösen?"

„Ich nehme an, dass ich einfach Papa für sie sein werde, und Sirius Daddy," meint Remus.

„Problem schon gelöst. Sie werden zwar rechtlich unsere Kinder sein, aber Teil deiner Familie bleiben, James. Was kann sich ein Kind mehr wünschen als einen ganzen Haufen liebevolle Eltern?"

„Ich gehe mal die Flaschen vorzubereiten, damit wir sie nur warm zu machen brauchen, wenn sie hungrig werden, Liebster," sagt Remus und löst sich von mir.

Ich verharre, wo ich bin und schaue alle drei Kinder noch eine Weile an. Mir ist es völlig egal, welches Kind ich gezeugt habe, ich liebe unsere beiden bereits über alles und finde beide äusserst hübsch. Da wir diesen Zauber über Lily gesprochen haben, der die dominanten Erbteile der Mutter ausradiert, sieht Seraina wie eine Kopie von Remus aus. Sie hat noch ganz wenige Haare, aber die sind hellbraun, und die kleine Nase, obwohl noch rund wie ein Knopf, scheint mir auch schon ein wenig von der Form der Nase ihres Papas zu haben. Ich sehne mich danach, sie schon wieder auf meinen Arm zu nehmen, aber ich wage es nicht, ihren Schlummer zu stören. Unsere Tochter! Was für ein grossartiges Gefühl. Eine ganze Welle völlig neuartiger Glücksgefühle schwappt seit zwei Stunden über mich hinweg, während ich ihr beim Schlafen zusehe. Die winzigen Fäustchen stecken in Stofffäustlingen, damit sie sich mit ihren Nägeln nicht kratzt. Wir haben sie in hellgelbe Strampelhöschen gekleidet, die Molly uns gestrickt hat. Sie hat uns natürlich erwartungsgemäss erst in die Pfanne gehauen, als sie davon erfahren hat und dann hat sie geheult, weil sie endlich wieder mal ein Baby verwöhnen kann und schliesslich hat sie sich ans Werk gemacht und uns mit niedlichen Babykleidchen überschwemmt, nicht nur für unsere beiden, sondern auch für Andy. Und die sehen so niedlich aus. Muss morgen ein Bildchen machen und es an Molly schicken. Über dem Strampelhöschen trägt Seraina ein Babyjäckchen, das hinten geschlossen wird. Es ist aus dem selben hellgelb und steht ihr super. Die kleinen Füsschen stecken in Finkchen, die auch zu dem Set Kleidchen gehören. Ich glaube, wir haben etwa ein Dutzend solcher Sets bekommen. Zu den meisten gehört auch noch ein Mützchen, aber ich glaube nicht, dass das hier drinnen nötig ist.

Dann wende ich mich zu Dennis. Mein Sohn. Ich ziehe die Luft scharf ein und seufze. Du bist so hübsch wie deine Schwester, Denny. Schwarze Haare. Das war wirklich keine Überraschung, denn die schwarzen Haare und grauen Augen haben fast alle in unserer Familie. Vielleicht haben sie Narcissa deshalb keinen Stern-Namen gegeben, weil sie blond ist! Ich kann es kaum erwarten, zum ersten Mal die Augen unserer Zwillinge zu sehen, aber ich vermute, dass da noch nicht viel zu erkennen ist, denn die Augenfarbe zeigt sich ja nicht gleich von Anfang an. Denny hat eine gerade winzige Nase. Remus hat ihn auch in eine von Mollys Garnituren gekleidet, hellgrün. Wir liessen ihr freie Hand, haben bloss rosa abgelehnt, das wir für keines unserer Kinder wollen. Auch Denny hat kleine Fäustlinge an. Poppy hat sie beiden übergezogen, als sie gesehen hat, dass ihre kleinen Nägel ziemlich scharf sind. Die Händchen liegen neben seinem Köpfchen, das er zur Seite gedreht hat. Poppy hat uns versichert, dass beide völlig gesund sind und wir sie nur gut zu füttern brauchen. Ihr werdet uns einiges an Arbeit bescheren, ihr kleinen Lauser, aber ich freue mich darauf. Wir können uns ja gegenseitig immer eine oder zwei Nächte frei geben und dann den Nachtdienst wieder übernehmen. Tagsüber kommt ihr mit ins Büro oder ins Wohnzimmer.

Heute ist euer Geburtstag, meine Kleinen. Also wünsche ich euch von ganzem Herzen alles Gute zum Geburtstag und ein schönes, glückliches Leben voller Liebe und Sonnenschein und eine wunderbare Kindheit. Was immer in meiner Macht stehen wird, werde ich tun, um euch das zu geben. Ich weiss, dass eine Reihe von Leuten an meiner Seite sind, die das Ihre dazu beitragen werden.

Remus

Ich muss mich zusammennehmen, um die Milch richtig zu kochen. Ein kleines Knacken hinter mir teilt mir mit, dass eine der Hauselfen aufgetaucht ist. Hat wahrscheinlich das Licht im Haus gesehen und ist neugierig geworden. Es ist Dobby und er schaut mich so fragend an, dass ich grinsen muss.

„Hallo, Dobby. Alles ist gut gegangen und wir sind stolze Väter zweier Söhne und einer Tochter. Sie heissen Andrew, Dennis und Seraina. Beide sind gesund und wahrscheinlich bald schon wieder hungrig, also muss ich jetzt wirklich ihre Milch kochen..."

„Dobby hat sich gewundert, Meister Lupin. Das ist eine wunderbare Nachricht und Dobby ist ganz glücklich für Sie und Meister Black! Lassen Sie Dobby die Milch kochen, Dobby weiss ganz genau wie man das macht."

Ich räume ihm das Feld und er hat die Sache innert weniger Minuten erledigt. Alle Flaschen stehen eisgekühlt in einem Korb direkt neben den Kühlschränken. Dort können wir sie immer wieder abholen.

„Danke, Dobby. Geh jetzt wieder schlafen, morgen könnt ihr beiden sie dann auch sehen."

„Dobby wird da sein, und Winky auch!"

Ich nehme zwei der Flaschen mit hinauf und stelle sie auf einer der Kommoden ab. Sie sind magisch eisgekühlt und wir werden sie magisch wieder erwärmen, wenn wir sie benötigen. Als ich das Zimmer betrete, wünscht James mir gute Nacht. Sirius steht immer noch zwischen den beiden Wiegen, offensichtlich vollkommen in Gedanken verloren, während er den Zwillingen beim Schlafen zusieht. Ich habe noch gar nicht richtig Zeit zum Nachdenken bekommen, hab einfach gemacht, was gemacht werden musste und bin auf dem Adrenalin gelaufen, das ich heute Abend in Überfluss ausgeschüttet habe. Jetzt endlich bekomme ich eine erste Gelegenheit, ganz ruhig die kleinen Wesen zu betrachten, die wir kreiert haben. Sie sind beide so hübsch. Ich glaube nicht, dass ich in der Lage bin, überhaupt auszudrücken, was ich wirklich bei ihrem Anblick empfinde. Wir haben so lange drauf gewartet und nun ist alles so schnell gegangen. Ich stelle mich wieder dicht neben Sirius. Er schaut auf und nimmt wahr, dass ich wieder da bin. Ich nicke nach unserem Schlafzimmer und er nickt zurück. Wir gehen hinüber, ziehen den Vorhang und ziehen uns aus. Wir schlüpfen unter die Decke und kuscheln uns dicht aneinander, nur noch fähig zu einem Gutenachtkuss.

„Ich bin so glücklich..." sagt er seufzend.

„Ich weiss, was du empfindest... es geht mir genauso, Liebster."

Wir werden ziemlich brutal vom hungrigen Geschrei unserer drei Kleinen geweckt. Als ich einen verschlafenen Blick auf den Wecker werfe, stelle ich fest, dass erst drei Stunden vergangen sind, seit wir ins Bett gekrochen sind, denn die Uhr zeigt sechs Uhr früh. Mit einem Satz sind wir beide aus dem Bett. Es ist Samstag und die Rasselbande wird nicht begeistert sein, so früh am Morgen aufgeweckt zu werden. Deshalb dampfen wir nackt wie wir sind ins Kinderzimmer und nehmen unsere beiden aus ihren Wiegen, während James verschlafen von der anderen Seite kommt und Andy aus der Wiege holt. Sirius hat Seraina auf den Arm genommen, ich Denny. Wir wickeln sie zärtlich in ihre Babydecken. Ich zitiere das Fläschchen her und wärme es mit einem Zauber. Dann teste ich, ob die Temperatur passt. Poppy hat uns gezeigt, wie warm die Milch in etwa sein sollte. Sobald ich das Baby auf den Arm genommen habe, hat es sein Schreien eingestellt, das gibt mir ein paar Minuten Zeit, um alles richtig zu machen. Jetzt stupse ich mit dem Sauger an der Flasche zart an Dennys Mund und er lässt ihn ein. Fast sofort beginnt er zu saugen und ich seufze erleichtert auf. Auf dem anderen Schaukelstuhl scheint Sirius den gleichen Erfolg mit Seraina zu haben, obwohl sie zuerst ein bisschen Mühe zu bekunden scheint.

„Ja, das ist Daddys braves kleines Mädchen. Du musst essen, Liebstes, damit du gross und stark wirst. Dein Daddy hat dieses Bild von einer waghalsigen kleinen Lady auf einem Besen im Kopf, weisst du. Und dein Papa wird jetzt schnauben, wenn er das hört, aber auf seinem Schoss wirst du dich auch wohlfühlen und er wird dein kleines Köpfchen mit endlosen Geschichten füllen von all den vielen Sachen, die er weiss..."

Sirius bringt mich zum Lächeln und meine Augen füllen sich mit Tränen des Glücks. Es ist so typisch für ihn, sie sich schon auf einem Besen vorzustellen. Ich lächle und schaue auf Denny hinunter. Es ist auch typisch für Sirius, nicht die geringsten Hemmungen zu haben, mit seinem Baby so zu sprechen. Er kann seine Gefühle manchmal sehr gut ausdrücken.

„Hast du gehört, wie dein Daddy mit deiner Schwester flirtet? Ist er nicht schamlos? – Es ist schön, dass du so brav nuckelst, Liebster, das machst du gut, weisst du..."

Muss nur anfangen und reden. Ist doch egal, wer zuhört. Es ist leichter, als ich dachte, meine diesbezüglichen Hemmungen hinter mir zu lassen. Ich werde es müssen und es muss natürlich daherkommen, wenn ich will, dass meine Kinder wissen, wie sehr ich sie liebe. Aber all diese überwältigenden Gefühle bringen mich im Moment noch zum Verstummen, was mich völlig nervt! Ich halte dieses winzige Wesen auf meinem Arm und schaue zu, wie die Milch in der Flasche langsam in seinem Mäulchen verschwindet und sein Bäuchlein füllt. Ich lächle ihn an. Es ist ein so bewegendes Gefühl. Denny bewegt sich ein bisschen. Nachdem er jetzt seinen Hunger gestillt hat, verweigert er die Flasche. Also nehme ich sie weg und spediere sie auf die Kommode zurück. Ich halte ihn hoch und schaukle ihn zart bis er aufstösst. Gleich danach schläft er wieder ein und ich frage mich, ob ich ihn nicht trockenlegen sollte, bevor ich ihn in die Wiege zurück lege. Doch das würde ihn ja wecken, also entscheide ich schliesslich, dass ich ihn besser in die Wiege zurück lege. Das ist besser als ihn nachts wach zu halten. Ich drehe mich um und schaue nach, wie es Sirius ergeht. Er lächelt. Seraina nuckelt immer noch, aber sie scheint müde zu werden. Ihr Fläschchen findet den selben Weg wie das ihres Bruders, dann hält Sirius sie hoch, damit sie aufstossen kann. Ein bisschen Milch kommt dabei wieder aus ihrem Mund. Ich putze es ihr mit einem kleinen Gazetuch weg. Sirius drückt einen kleinen Kuss auf die Stirn unserer Tochter. Du meine Güte, sieht das süss aus.

„Ich sehe, dass du Dennis wieder schlafen gelegt hast, meinst du nicht, wir sollten sie erst noch frisch wickeln?" fragt Sirius.

„Schlaf ist wichtiger. Ich glaube nicht, dass da schon viel in diesen Windeln ist, Siri," behaupte ich, „ausserdem werden sie uns bestimmt wieder wecken, wenn sie sich nicht mehr wohlfühlen."

„Auch wieder wahr. Also, möchtest du auch wieder ins Bettchen zurück, kleine Lady?"

Sirius schaukelt noch eine Weile, aber nach ein paar Minuten schläft die Kleine wieder tief und fest. Er legt sie wieder in ihre Wiege. Wir bekommen auch noch ein bisschen Schlaf. Und erwachen zwei Stunden später zum nächsten Konzert unserer Zwillinge. Diesmal wickeln wir sie erst mal frisch. Ich ziehe Serainas Jäckchen und Strampelhöschen aus, mache dann den Kombi darunter an und öffne die Windel. Yuck! Nicht schön und meine sehr empfindliche Nase rümpft sich, als der üble Geruch sie kitzelt.

„Oh je, mein Kleines, das wird aber hart werden. Ich werde etwas gegen diesen Gestank tun müssen, ja das werde ich! Jetzt lass mich mal einen Waschlappen herzitieren..."

Ich wasche und trockne sie vorsichtig. Sie gähnt. Dann quäkt sie ein bisschen, wohl, weil sie schon wieder Hunger hat. Als ich sie wieder angezogen habe, drehe ich mich zu Sirius.

Sirius

Ups! Ich mache die Windel auf, versuche, sie wegzuziehen und in dem Moment pinkelt er! Denny! Reichlich stinkig, die ganze Sache. Ich höre, wie Remus einen Waschlappen aus dem Bad zitiert und tue es ihm nach. Gute Idee! Dann reinige ich meinen Sohn gründlich und trockne ihn mit einem kleinen Zauber. Ich schicke den Waschlappen ins Bad zurück und mache ihn sauber. Hey, mein kleiner Mann! Du bist so niedlich. Ich bekomme natürlich noch nicht viel von ihm zurück, aber man hat mich schon gewarnt, dass es Wochen dauern kann, bis sie zum ersten mal richtig lächeln. Als ich ihn fertig angezogen habe, hebe ich ihn hoch. Er ist bestimmt schon wieder hungrig.

„Kannst du sie kurz beide halten, damit ich mich anziehen kann, Siri?" fragt Remus.

„Klar."

Remus zieht sich Boxershorts und seinen Schlafrock an, dann nimmt er mir beide Kinder ab, damit ich mich kurz in ein Minimum an Kleidern stürzen kann. Ich nehme ihm Denny wieder ab und wir gehen beide hinunter in die Küche. Dobby und Winky sind schon da und machen das Frühstück. Wir füttern zunächst die Babys und trinken dabei unseren Kaffee und Tee. Dann halten wir die Kleinen einfach auf unseren Armen, bis sie wieder einschlafen. James und Lily kommen auch herunter, aber Lily trinkt nur eine Tasse Kräutertee und bittet Winky, ihr später davon eine ganze Kanne voll heraufzubringen.

„Wir bieten bestimmt ein total witziges Bild," sagt Remus grinsend.

„Und was für eins," kommt es von der Treppe her.

Harry und Hermione kommen gerade herunter. Wir stellen sie den jungen Leuten vor, die nach und nach alle in der Küche erscheinen und die Drillinge anstaunen. Natürlich machen die Kleinen dabei die Runde auf den verschiedenen Armen.

„Die bekommen wir nie wieder zurück," mault Remus.

James grinst.

„Hey, ihr seid kleine Glückspilze, schaut nur, was ihr für einen Haufen Tanten und Onkel ihr abbekommt!" sagt Hermione zu Dennis, den sie grade fest auf ihrem Arm hält.

Eine Stunde später taucht Poppy auf. Sie lächelt, als sie die ganze ‚Familie' so um den Tisch versammelt antrifft. Die Babys werden immer noch zärtlich gehätschelt.

„Wie geht's?" fragt sie.

„Es geht. Wir haben sogar ein bisschen geschlafen," erzählt Remus ihr.

„Gut. Ihr könnt ihnen nachts ein bisschen dickeren Schleim füttern. Versucht, sie alle vier Stunden regelmässig zu füttern, dann habt ihr's einfacher. Wann seid ihr denn aufgestanden?"

„Sie wollten um sechs Futter. Dann wieder um acht. Da sind wir dann aufgestanden. Was meinst du, hätten wir sie wickeln sollen? Sie sind uns um sechs nach dem Füttern gleich wieder eingeschlafen, also haben wir's bleiben lassen," erkundigt sich Remus.

„Nicht unbedingt. Wahrscheinlich werden sie euch ein bisschen eher wecken, wenn ihr sie nicht wickelt, oder die Windeln halten durchgehend, das kann auch gut sein, vor allem jetzt, wo sie noch ziemlich wenig reinmachen."

„Gut. Sie haben uns um acht geweckt und da haben wir sie dann gewickelt und erst dann gefüttert."

Poppy gibt uns weitere Tips und zeigt uns, worauf wir speziell achten sollten. Dann checkt sie die Babys und ist zufrieden:

„Alles in Ordnung. Ihre Nabel sind in Ordnung. Im Gegensatz zu den Muggeln können wir neugeborenen Babys die Nabelschnur gleich behandeln. Deshalb könnt ihr sie jederzeit baden."

„Gibt's eine Möglichkeit, den Geruch zu eliminieren? Ich bin vorhin fast weggetreten..." frage ich.

Sie lacht.

„Wenn's eine gibt, so kenne ich sie nicht, Sirius, sorry..."

„Ich sehe im Kompendium nach, Siri, das hatte ich eh geplant, denn mir ging's ebenso."

„Das war ihr erster Stuhl und der riecht immer besonders streng. Ihr werdet sehen, dass es jetzt weit weniger schlimm wird," erklärt Poppy ausserdem.

Wir sind beide ziemlich erleichtert, das zu hören.

„Ich habe hier noch die Geburtsscheine für eure Kinder. Da ihr einen Vertrag mit der Mutter hattet, haben sie gleich ihre Familiennamen bekommen. Da Seraina deine Tochter ist, Remus, bekommt sie deinen Familiennamen und Denny bekommt deinen, Sirius. Und das, obwohl sie Zwillinge sind. Ihr müsst selber wissen, wie ihr die Geburt hier bei den Behörden anmelden müsst..."

„Kein Problem. Wir werden den Vertrag der Anmeldung beifügen und hoffen, dass der Name der Mutter nicht speziell erwähnt werden muss. Wir werden sehen."

Remus nimmt die Dokumente mit ins Büro und kommt mit dem Kompendium zurück.

„Also, dann lasst mich mal sehen... üble Gerüche unterdrücken... üble Gerüche unter... ah, hier ist es!"

Ich schaue Remus über die Schulter. Es gibt eine ganze Reihe an Möglichkeiten, aber Remus checkt sie zuerst auf gefährliche Nebeneffekte. Wir finden zwei einfache Zauber, die trotzdem harmlos zu sein scheinen. Wir werden sie sicher nur einsetzen, wenn es schlimm für unsere Nasen sein sollte, aber da zu erwarten ist, dass sie sich auch ab und zu mal übergeben und wir beide mit diesem Geruch Mühe haben, wird es hilfreich sein.

Während wir nach dem Zauberspruch suchen, geht Poppy hinauf zu Lily. Sie kommt ziemlich zufrieden wieder zurück.

„Gut. Behalte sie für ein, zwei Tage im Bett, James, aber lass sie zwischendurch auch aufstehen, wenn sie will. Sie ist etwas erschöpfter als nach Lizzie, aber das ist kein Wunder, schliesslich hat sie gestern drei Kinder rausgedrückt. Eine Wiederholung ist in der nächsten Zeit nicht zu empfehlen."

Das Wochenende gibt uns ein bisschen Zeit, uns an einen Rhythmus zu gewöhnen. Sonntag Nacht lasse ich Remus schlafen und übernehme die Kinder alleine. Ich lege einen Silenziumzauber übers Bett, nachdem ich aufgestanden bin, als ich die Zwillinge höre. Eins von den beiden muss warten und macht dementsprechend viel Lärm. Ich hoffe, dass sich die beiden daran gewöhnen werden. Dann kann einer von uns schlafen, während der andere die ‚Nachtwache' übernimmt. Winky taucht auf und hilft mit. Das ist natürlich noch besser, denn dann werden immer beide Babys gleich gefüttert. Winky kommt mit Denny erstklassig zurecht, füttert ihn und bringt ihn wieder in die Wiege. Sobald auch Seraina wieder in ihrer Wiege ist, kann ich ebenfalls ins Bett zurückkehren.

So wie sie in unser Leben getreten sind, haben die Zwillinge die Herrschaft über alles genommen, was uns betrifft. Aber ich lächle darüber, denn ich weiss jetzt, was James damals gefühlt hat, als Harry geboren wurde. Obwohl ich damals überzeugt war, dass sie es taten, lange bevor es notwendig war, war ich so glücklich, Harrys Pate zu sein, dass ich jede Gelegenheit, ihn zu hüten, wahrgenommen habe. Und jetzt schaue ich auf meine eigenen Kinder, die neben mir im Wohnzimmer auf einer dicken Wolldecke liegen, mit einer leichten Babydecke zugedeckt und schlafen. Ich kann nicht aufhören, zu strahlen. Ich versuche, mich trotzdem auf Transfigurationstests meiner Schüler zu konzentrieren, die ich gerade korrigiere. Die meisten korrigieren wir gleich in der Klasse, nachdem sie die Fragebogen ausgefüllt haben. Alle die, welche ich für den Klassenbericht verwende, korrigiere ich selber. Die Tests in der Klasse zu korrigieren, hat nur Vorteile. Die Schüler lernen aus ihren Fehlern, sie wissen gleich, wo sie stehen und ich habe viel weniger zu tun mit Korrigieren.

Remus

Gleich nach dem Ende der letzten Stunde wollen so ziemlich alle nach den Zwillingen sehen. Die Bande ist fast so süss wie die Kinder. Es ist kurz vor vier und ich nehme im Vorbeigehen zwei Fläschchen aus dem Korb, den Dobby und Winky stets gefüllt halten. Damit wir immer richtig liegen, schieben Dobby und Winky die Flaschen so, dass wir immer die vordersten nehmen und sie füllen hinten nach. Seraina und Denny werden garantiert nie Hunger haben, solange sie Fläschchen bekommen. Ginny kommt ins Büro und fragt:

„Darf ich Seraina ihr Fläschchen geben?"

Ich grinse, reiche ihr eine der Flaschen und sage ihr, mit welchem Zauber sie den Inhalt erwärmen muss. Ginny ist vernünftig genug, mit dem Wärmzauber zu warten, bis Seraina aufwacht. Wir finden Sirius und die Kinder im Wohnzimmer. Dort haben wir eine dicke Lage Wolldecken auf den Teppich gelegt, mit einem Leintuch darüber, auf denen die Babys schlafen. Da sie noch am Schlafen sind, stellen wir die Fläschchen auf den Tisch, setzen uns und plaudern. Ginny setzt sich im Schneidersitz auf den Teppich vor den Babys hin und schaut sie an. Sie ist vor zwei Monaten siebzehn Jahre alt geworden und hat uns natürlich so lange bestürmt, bis sie ihren Apparierungstest machen konnte. Auch das Baby unserer Klasse ist jetzt also volljährig. Ernie kommt herein und setzt sich hinter ihr auf den Teppich. Er zieht sie an sich. Ich höre, wie er sie flüsternd fragt, ob sie selber auch so einen kleinen Käfer möchte. Sie verpasst ihm einen Klaps und sagt:

„Spinnst du, Ernie? Frühestens in vier oder fünf Jahren. Ich will erst einen Job, bevor ich an eine Familie denke."

„Hab's ja nur angeboten, Liebste."

„Ich weiss, Liebster, aber ich muss sanft, aber bestimmt ablehnen, denn das wäre ziemlich dumm von uns. In der Zwischenzeit können wir uns ja ausgiebig an diesen Rangen hier erfreuen, nicht wahr?"

„Natürlich."

Ich bin froh, ist Ginny immer so vernünftig. Obwohl sie gut sein wird, egal, für welchen Beruf sie sich entscheiden wird. Aber sie wird Zeit brauchen, um ihre Zukunft zu sichern, vielleicht noch weiter zu lernen. Sie sollte eigentlich auf der Avalon Academy studieren und wenn ich irgendwelchen Einfluss auf sie habe, dann wird sie das auch tun. Und damit wird sie dann wohl eine der ersten in ihrer Familie sein, die eine solche weitere Ausbildung nach Hogwarts macht.

Die Babys regen sich und als sie aufwachen, werfe ich Sirius einen Blick zu. Seiner sagt mir, dass er es mir überlässt. Ich habe sie fast den ganzen Tag nicht gesehen! Ich nicke Ginny zu, sie nimmt ihre Flasche und wärmt sie auf. Dann nimmt sie Seraina auf den Arm und füttert sie. Während ich mich um Denny kümmere, sagt Sirius grinsend:

„Wir hoffen, dass dein Enthusiasmus anhält, Ginny. Das verspricht Hilfe für uns!"

„Sie ist mein Patenkind! Hast du für Harry nicht dasselbe getan?"

„Na ja, erst, nachdem Lily mit Stillen aufgehört hat. Sie hat sich Zeit dafür genommen, er war etwa acht oder neun Monate alt, als er zum ersten Mal etwas anderes als Muttermilch bekommen hat. Wir haben dann aber das Füttern des öfteren übernommen. Mit dem Löffel. Frag mich nicht, wie oft ich mit Bananen- oder Apfelmus bekleckert war! Sie hat ihn bis zu ihrem Tod morgens und abends noch gestillt."

Es ist niedlich, Ginny beim Füttern meiner Tochter zuzusehen. Sie schaut das Baby an, wie nur junge Mädchen ein Kind anschauen. Dann sagt sie plötzlich:

„Sie ist so unglaublich! So winzig und doch so perfekt komplett. Und schon eine ganz eigene kleine Person. So abhängig sie noch ist, ist sie doch eine ganz eigene Persönlichkeit..."

„Und wie. Und bestimmt wird sie ihrem Daddy ziemlich gleichen..." sagt Sirius neben mir.

Er tupft mit einem Finger an das Händchen unseres Sohnes und ich sehe zu, wie sich die winzigen Fingerchen des Babys um den grossen Finger seines Vaters wickeln. Ein Lächeln breitet sich auf Sirius' Gesicht aus, eins, das ihn so schön macht, dass ich ihn am liebsten küssen möchte. Er bestätigt Ginnys Gedanken:

„Diese winzigen Fingerchen und Zehen, das finde ich am süssesten an ihnen. Ich finde sie wunderbar, so fragil und süss, und zugleich sind sie doch erstaunlich solide. Er hält sich schon gut fest."

Ernie streckt Seraina seinen Finger hin. Auch sie greift danach. Er grinst und meint:

„Sie sind wirklich niedlich. Es ist so rührend, sie anzusehen."

Aber sobald Seraina ihr Fläschchen geleert hat, gibt Ginny sie an Sirius weiter. Sie steht auf und erklärt:

„Muss gehen! Repetieren. Unser Sklaventreiber da oben wird sich schon wundern, wo wir stecken."

Sirius nimmt das Baby mit einem Lächeln in Empfang und schickt die Kinder hinüber in die Bibliothek.

„Ihr hört besser auf sie. Sie sorgt sich um euch und für euch und auch wenn ihr jetzt stöhnt, so werdet ihr am Ende doch froh drum sein. Dann nämlich, wenn ihr eure NEWTS Resultate bekommt."

Ginny grinst.

„Ja, ich weiss. Und ich will gut abschneiden! Es kommt schliesslich nicht oft vor, dass jemand einfach so eine Klasse überspringen kann. Ich will beweisen, dass ich es verdient habe!"

„Na ja, das hast du schon bei den OWLS getan. Du warst schliesslich Zweitbeste im Jahrgang. Das hinter Hermione zu erreichen, ist so gut wie den Jahrgang angeführt..." erinnere ich sie.

Die beiden schieben ab und lassen uns mit zwei zufriedenen Babys zurück, die jetzt mit ihren Daddys kuscheln dürfen.

Sirius wendet sich zu Seraina und sagt:

„Siehst du den Burschen da nebenan, der so aussieht wie du? Das ist dein Papa, Seraina. So ist es, du hast einen Papa und einen Daddy. Das ist praktisch... klingt doch auch ganz nett, oder nicht?"

Sie scheint nicht sehr beeindruckt zu sein. Aber das macht auch nichts, sie wird von Anfang an Papa und Daddy hören und uns auf diese Art auseinanderhalten. Seraina gähnt und ihr Köpfchen fällt auf Daddys Schulter, dann schläft sie schon tief. Dennis ist nicht sehr viel länger wach.

In den nächsten paar Wochen haben wir für nichts Zeit ausser der Schule und den Babys. Es ist sehr ermüdend und wir fangen an, darunter zu leiden. Lily und James übernehmen einige der Lektionen zwischendurch, so dass alle ein bisschen Ruhe bekommen. Zum Glück haben wir wenige Tests zu korrigieren und geben auch schon gar keine Aufsätze mehr auf. An einem Morgen fragt Sirius, ob jemand unter den Schülern Auto fahren lernen will. Alle sind inzwischen achtzehn, ausser Harry und Ginny. Alle ausser den beiden machen sich also auf, um die Theorie zu lernen und einen Vorkurs zu besuchen, der vorgeschrieben ist. Den Schülern scheint die Abwechslung vom Lernen zu gefallen. Am Tag, bevor wir nach Hogwarts gehen, bekommen sie ihre Lernführerscheine.

Nach Hogwarts können wir apparieren. Wir haben alle unser Gepäck so verkleinert, dass wir's in die Tasche stecken können. Sirius und ich haben die Babys und einen Teil unserer benötigten Peripherie. Wir werden zehn Tage hier bleiben. Und die Babys brauchen ihre Windeln, Kleidchen, Fläschchen und Decken und Badezeug. Dobby kommt mit uns, um auf die Kleinen aufzupassen, wenn wir nicht da sein können. Er wäre entsetzt darüber, dass jemand anderes ausser ihm und Winky die Kinder in die Hände bekommen könnte. Sirius und ich grinsen darüber, denn der Kleine ist wirklich unseren Zwillingen ergeben. Wir apparieren direkt an die Eingangspforte und spazieren gemütlich hinauf zum Schloss. Auf dem Weg zum Büro des Schulleiters werden wir von einer Menge Leute angehalten. Aber schliesslich kommen wir dort an, er lässt uns ein und heisst uns willkommen.

„Ah, da ist ja unser Schweizer Kontingent! Willkommen zu Hause, meine Lieben. Ihr werdet euch darüber freuen, dass wir für euch zwei Schlafsäle in der Nähe des Gryffindor-Turms bereit gemacht haben. Ihr könnt eure Freizeit im Gemeinschaftsraum der Gryffindors verbringen, oder auch wahlweise in euren eigenen Häusern. Eure Klassenkameraden werden euch bestimmt die Passwörter mitteilen. Wie steht es mit Ihnen beiden, Mr. Zabini, Mr. Malfoy? Wünschen Sie, in Ihrem alten Schlafsaal zu übernachten? Dann können Sie das gerne tun, ansonsten bleiben Sie mit Ihren Freunden zusammen. – James, Lily, Sirius, Remus, für euch haben wir zur Zeit noch Gästeunterkünfte, die ein Extrazimmer für eure Kleinen haben. Ich wäre froh, wenn du dein neues Klassenzimmer aussuchen wolltest, Sirius, und dein Büro. Du wirst sicher etwas finden, es gibt in diesem Schloss ja nun wirklich genügend Möglichkeiten und ich wage zu behaupten, dass ihr beiden sie zu finden wisst. Sucht aber bitte etwas aus, was dann auch die Schüler finden können."

Wir grinsen. Oh ja! Hogwarts ist grossartig.

„Das wird gemacht, Chef."

„Dann lasst mich euch eure Unterkünfte zeigen," sagt Dumbledore und geleitet uns aus seinem Büro.

Dabei schaut er auf die Babys, die wir in Schlingen tragen.

„Eure Kinder wachsen aber zünftig."

„Es ist unglaublich! Manchmal denke ich, dass wir ihnen dabei zuschauen können wie sie wachsen," sagt Sirius.

Zuerst laden wir mal die Schüler in ihren Räumen ab, wo sie erst mal ihre Sachen abstellen und uns dann helfen, unsere mit zu unserer Unterkunft zu bringen. Die ist im Lehrerflügel, im zweiten Stock. Es ist eine kleine Wohnung, Wohnzimmer, zwei Schlafzimmer und ein Bad. Im kleineren Zimmer ist liebevoll in ein Kinderzimmer verwandelt worden. James und Lily bekommen die gleiche Unterkunft.

„Minerva hat ein bisschen von ihrer Magie entfaltet," sagt Albus lächelnd.

„Das ist so süss, Albus! Sie ist so lieb!" flüstere ich.

„Das ist sie. Die meisten merken es nur nicht gleich. Also, das hier ist der übliche Lehrerflügel. Wir werden euch eine Wohnung im alten Familienflügel zur Verfügung stellen, aber die wird erst noch renoviert. Früher gab's eigentlich immer Lehrer hier, die eine Familie hatten, aber in den letzten hundert Jahren ist kaum mehr eine solche Wohnung benötigt worden. Deshalb ist dieser Flügel ein bisschen vernachlässigt worden. Er befindet sich auf der anderen Seite des grossen Lehrerzimmers, Remus. Die Treppe da hinten geht hinunter und führt in den Korridor des Lehrerzimmers."

Ich erinnere mich. Die Wohnung, die wir jetzt bekommen, befindet sich nur ein Stockwerk über der Unterkunft, die ich vor vier Jahren hatte. Sirius lernt diesen Teil des Schlosses erst jetzt kennen. Ich schaukle Seraina auf meinem Arm. So langsam macht es mich müde, mein schlafendes Baby auf dem Arm zu halten. Wir kehren ins Wohnzimmer zurück, wo ich den Kinderwagen auf seine ursprüngliche Grösse zurückbringe und Seraina ablegen kann. Sirius bringt Denny und legt ihn daneben.

„Wir lieben sie bereits über alles. Normalerweise sind sie kein Problem, nur manchmal schreien sie ohne offensichtlichen Grund. Dann wandern wir mit ihnen herum. Tagsüber machen wir's nicht so konsequent, aber wenn es nachts passiert, dann tragen wir sie herum, bis sie wieder schlafen. Wir wollen ja, dass sie sich daran gewöhnen, nachts zu schlafen. Die Schaukelstühle helfen nicht immer," erzählt Sirius Albus.

Albus schaut auf die Kinder hinunter. Natürlich ist ihm klar, dass Denny der Erbe der Blutlinie der Blacks ist. Er bemerkt:

„Du hast einen Sohn, Sirius. Ohne dieses kleine Kerlchen würde deine Familie aussterben. Ich nehme an, dass du besonders vorsichtig mit ihm umgehst."

„Das tue ich. Aber nicht, weil er der Erbe der Blutlinie ist, Albus. Wenn's darum ginge – mir wäre es völlig egal, wenn die Familie aussterben würde, aber jetzt habe ich die Möglichkeit, ihr eine neue Richtung zu geben. Freundlich, grosszügig, verständnisvoll und offen. Und mit Spass an der Freude. Nichts von diesem blabla über Reinheit des Blutes und all den Quatsch. Mutter würde ausrasten, wenn sie wüsste, dass die Mutter des nächsten Erben der Blacks eine Muggel-geborene Hexe ist."

„Aber ihr habt doch den Zauber verwendet, der die dominanten Eigenschaften der Mutter unterdrückt, oder nicht?"

„Haben wir. Aber der Zauber berührt nur äusserliche Merkmale, Gesicht, Haar- und Augenfarbe, die Form der Ohren und so weiter. Wir haben es mehr getan, weil wir gern wollten, dass die beiden uns gleichen," sage ich, „genau genommen hat Lily ihn sogar vorgeschlagen."

Albus nickt. Dann zieht er seine Uhr aus der Tasche und erklärt:

„Nun, ich muss weiter. Die Examinatoren kommen nächstens an, ich muss sie empfangen. Möchtet ihr lieber bei den Schülern am Tisch sitzen oder am Lehrertisch?"

„Ich glaube, wir halten uns noch an unsere Schüler," meint Sirius.

„Gut, das ist in Ordnung. Nur, damit ich weiss, ob wir für euch Plätze reservieren sollen."

Albus verlässt uns und wir gehen mit den Kindern auf einen Spaziergang über die Ländereien, als sie wieder erwachen und gefüttert sind. Wir gehen um den See und hinunter zu Hagrids Häuschen. Er ist in seinem grossen Gemüsegarten und als er uns kommen sieht, strahlt er. Er hat schon immer eine grosse Schwäche für Babys gehabt.

„Hey, Hagrid!" ruft Sirius.

"Hallo, die Herren Professoren! Hab gehört, dass ihr nach den Ferien wieder nach Hogwarts kommt und beide unterrichten werdet?"

„Ja, werden wir."

„Das ist grossartig. Eure Schüler überschlagen sich ja fast vor Lob. Und nu habt ihr auch noch Kinder? Grossartig!"

„Das hier ist Dennis und Sirius trägt Seraina, Hagrid," stelle ich ihm die beiden vor.

„Mann, sind die niedliche kleine Käfer. Die hier gehört bestimmt dir, nicht wahr Remus?" fragt Hagrid.

„Das war ja nicht allzu schwer zu erraten, Hagrid. Sie bekommt braune Augen. Die selben braunen Augen, die ich hätte, wenn der Werwolf nicht dazwischen geraten wäre. Hier, möchtest du Denny für eine Weile halten?"

„Schmutzige Pfoten," sagt Hagrid mit Bedauern.

Ich reinige seine Hände rasch mit einem Zauber und gebe ihm dann das Baby auf den Arm. Es hat fast in einer Hand von Hagrid Platz! Er schaut auf Denny hinunter und strahlt, aber der Kleine erschrickt und fängt an zu weinen. Ich bin aber da und beruhige ihn.

„Aber Schätzchen, dass ist doch bloss Hagrid! Der sieht bloss ein bisschen wild aus, aber der liebt dich schon, weisst du! Kein Grund, so zu weinen. – Hier, halte ihn ein bisschen hoch, dann wird er sich rasch beruhigen."

Ich bin froh, dass Denny das auch wirklich tut. Ich möchte nicht, dass eines meiner Kinder sich vor Hagrid fürchtet. Hagrid begrüsst auch James und Lily und bekommt Andy vorgestellt. Er nimmt die kleine Lizzie hoch und gibt ihr einen Schmatz. Dann sagt Sirius:

„Hagrid, möchtest du mal den Wolf sehen, in den Remus sich verwandelt?"

„Ehm... vielleicht besser nicht, Sirius, das wäre doch keine so gute Idee, oder?"

Ich grinse.

„Nicht mal mehr bei Vollmond ein Problem, Hagrid, aber Sirius meinte es anders. Schau mal!"

Ich verwandle mich für Hagrid, tanze um ihn herum und er lässt vor Schreck beinahe Denny fallen. Zum Glück nur beinahe.

„Remus! Das ist ja... wow, ich weiss gar nicht, was ich dazu sagen soll! Das ist unglaublich!"

Ich verwandle mich wieder zurück und grinse ihn an. Er gibt mir meinen Sohn zurück und ich erkläre:

„Ist es für mich auch noch immer. Aber es macht mein Leben so viel leichter, Hagrid. Ich brauche nicht mehr durch die schmerzhafte Transformation zu gehen, ich kann mich einfach vor dem Mondaufgang verwandeln und nach dem Monduntergang schaffe ich es meistens, die Wolfsform zu halten, so dass ich mich danach einfach wieder zurückverwandeln kann. Meine Gelenke danken es mir, glaub mir! Ich habe immer mehr Mühe gehabt, mich von den Transformationen zu erholen. Der Animagus gibt mir ein mindestens zwanzig Jahre längeres Leben."

„Das freut mich für dich, Remus!"

Wir plaudern noch eine Weile, dann spazieren wir weiter, damit Hagrid sich fürs Abendessen waschen kann. Wir kehren zum Schloss zurück und holen uns bei Dobby zwei Flaschen für die Kinder, dann stecken wir sie in den Kinderwagen und gehen damit in die Grosse Halle. Die Bande macht sich grade bereit, sich am Gryffindor-Tisch hinzusetzen. Wir gesellen uns zu ihnen, aber weil der Kinderwagen im Weg ist, wechseln wir die Plätze und setzen uns am Tischende in der Nähe der Tür hin. Die Kinderwagen können wir so am Kopfende des Tisches abstellen. Einige der Schüler kommen vorbei, um unsere Bande zu begrüssen. Natürlich wecken auch die Zwillinge einiges Interesse. Andere ältere Schüler erinnern sich noch an mich und begrüssen auch mich. Unter ihnen ist Hannah Abbott, eine Hufflepuff, die gerade in die Halle kommt und uns sieht. Sie lächelt, als sie herüber kommt.

„Hallo, Professor Lupin, wie schön, Sie wiederzusehen!"

„Hallo, Hannah! Es ist auch schön, Sie wiederzusehen!"

„Werden Sie wieder unterrichten?"

„Ja, aber erst nach den Sommerferien. Zur Zeit befinden Professor Black und ich uns immer noch in der Schweiz und begleiten nur unsere Schüler hierher für die NEWTS. Ausserdem suchen wir ein Klassenzimmer für Professor Black und ein neues Büro für uns beide. Ich glaube, Sie kennen ihn bereits, nicht wahr? Obwohl zwei Jahre seit unserem letzten Besuch vergangen sind."

„Doch, ich erinnere mich an Sie, Sir. Nett, Sie kennen zu lernen, Professor."

„Gleichfalls, Hannah, werden Sie nächstes Jahr noch hier sein?"

„Nein, leider darf ich ab morgen diese Examinatoren da treffen. Dann ist die Schule für mich vorbei."

Sie schaut neugierig in den Kinderwagen. Sie ist normalerweise ein eher zurückhaltendes Mädchen, doch die Frage brennt ihr offensichtlich auf der Zunge.

„Die beiden sind ja niedlich! Hüten Sie sie, Professor?"

„Kann man so sagen... sie gehören uns beiden. Das Mädchen ist meine Tochter Seraina, der Bub ist Sirius' Sohn Denny."

„Oh, tut mir leid! Wie schön für Sie! Sie sind wirklich niedlich. Gratuliere!"

„Danke!"

Hannah begibt sich wieder an ihren Tisch hinüber und setzt sich.

Sirius

Ich schaue mich um. Alle diese Kinder ausser den Siebtklässlern werde ich in knapp drei Monaten wiedersehen und unterrichten. So viele von ihnen. Ich wende mich an Remus:

„Konntest du dir wirklich alle ihre Namen merken, Liebster?"

„Ja. Du wirst es auch schaffen, keine Bange. Ich habe einige von ihnen zu Anfang verwechselt, aber mit der Zeit lernst du's. Klassenweise geht am einfachsten. Wenn du die Gesichter jeder Klasse behältst, behältst du auch die Namen. Checke die Klassenliste jedes Mal in den ersten Wochen. Ausserdem ist es nur im ersten Jahr hart, danach brauchen wir ja nur immer die Erstklässler neu kennen zu lernen."

„Binns hat das gemacht und ich hab's gehasst... aber die erste Zeit wird's wohl nötig sein. Und du hast recht, dass es dann einfacher werden sollte."

Die Fünft- und Siebtklässler sehen allesamt ziemlich grün im Gesicht aus. Ich empfinde tiefstes Mitleid mit ihnen, ich bin sehr froh, dass sie es sind und nicht ich.

Ich habe grade fertig gegessen, als Denny anfängt zu schreien. Ich nehme ihn sofort auf und wärme sein Fläschchen. Es ist auch Zeit für sein Abendessen. Er nuckelt bald zufrieden am Sauger seiner Flasche. Ich glaube nicht, dass ich es je müde werde, dem zuzuschauen. Seine winzige Hand hält einen der Finger meiner Hand fest, welche die Flasche hält. Er schaut zu mir auf und jetzt merke ich, dass er mich dabei auch wirklich sieht. Es ist eine der ersten richtigen Reaktionen meines Babys und sie rührt mich zutiefst. Hermione sitzt neben mir, wirft einen Blick auf uns und ein Lächeln breitet sich auf ihrem Gesicht aus.

„Dein Essen hört sich aber schmackhaft an, Denny," sagt sie und fragt: „Schmeckt's?"

„Sieht so aus, was?"

Remus hat sein Mahl ebenfalls beendet und kümmert sich um Seraina. Wir müssen ein ziemlich komisches Bild darstellen, denn von überall schauen uns neugierige Schüler zu. Nicht, dass uns das irgendwie stört. Als Denny genug hat, stelle ich die Flasche auf den Tisch und hebe ihn an meine Schulter. Ein paar kreisende Bewegungen auf seinem Rücken bringen ihn zum Aufstossen. Ich halte ihn jetzt ein bisschen tiefer und drücke einen Kuss auf sein Köpfchen.

„Gut gemacht, Denny."

Nicht lange danach verziehen wir uns in unsere Unterkunft.

Am nächsten Tag beginnen die Prüfungen. Wie schon vor den OWLS haben wir unsere Schüler davon abgehalten, in der letzten Woche ausserhalb der Schulstunden noch zu büffeln. Sie sind daher alle ausgeruht und bereit für die Examen. Wir brauchen jetzt auch nicht mehr auf sie aufzupassen, es gibt keine Gefahr mehr für sie. Statt dessen übergeben wir Dobby die Zwillinge für eine Weile und machen uns auf die Socken, um das Schloss nach einem geeigneten Klassenzimmer für mich und einem Büro für uns beide abzuklappern. Dabei stossen wir auf zwei kleinere Klassenzimmer, die man in eines verwandeln könnte, die mir gefallen. Wir merken sie uns als eine Möglichkeit, falls wir kein grösseres finden, das mir passt. Auf einmal hören wir Minervas Stimme hinter uns.

„Ach, da seid ihr ja. Ich hab euch gesucht!"

„Wir suchen nach einem geeigneten Klassenzimmer für Zaubertränke," erkläre ich.

„Genau deshalb wollte ich euch sprechen. Ich wollte euch ein paar Vorschläge machen. Zufälligerweise seid ihr genau bei den Räumen, von denen Albus meint, sie könnten passen. Man kann die Wand entfernen und dann sollte die Grösse mehr als reichen. Severus' Kerker sind kleiner. Vielleicht sollten wir noch besser die Zwischenwand einfach verschieben, dann hättest du auch noch gleich den Vorratsraum für die Ingredienzien. Oder dann gibt's gleich über diesen hier ein grosses Zimmer, das auch grade nicht benutzt wird. Dieses hier wäre allerdings gleich neben dem neuen Klassenzimmer für Verteidigung. Dann könntet ihr das Zimmer oben als Büro nutzen. Albus sagte mir, dass ihr eures gern teilen möchtet."

„Wir haben uns diese zwei Räume grade angeschaut und uns schon gedacht, dass sie passend wären. Gute Idee, einfach die Wand zu verschieben. Wir können etwa ein Drittel des Raumes abteilen."

„Ein neues Klassenzimmer für Verteidigung? Was ist falsch am alten?" fragt Remus.

„Na ja, du weisst ja... Hogwarts ist manchmal komisch. Es hat entschieden, dass wieder mal ein Wechsel sein muss. Hat wahrscheinlich gedacht, dass mit dem Tod von Voldemort jetzt auch der Fluch über dem Posten verschwinden kann. Deshalb hast du jetzt ein neues da drüben. Du kannst es dir auch noch gleich ansehen. Dann nehmen wir dieses für dich, Sirius. Was meinst du, verschieben wir die Wand nach hinten oder ziehen wir sie nach vorne?"

Ich checke rasch die Lage der Türme und überlege mir, woher mehr Sonne kommt.

„Da drüben. Hier hat's mehr Sonne. Die Sonne ist gut für mich, der Schatten besser für die Zutaten."

„Dann lasst uns das doch gleich erledigen. Wir müssen eine Tür entfernen, die Wand zwischen die hinterste und zweithinterste Fensterreihe verschieben und eine neue Tür einbauen."

Minerva rollt ihre Ärmel zurück und hebt den Zauberstab. Eine halbe Stunde später ist mein Klassenzimmer komplett. Der Boden hat Keramikfliesen, leider ohne die wunderbare Bodenheizung der Sunnegg. Ich werde auch die Halogenlampen schrecklich vermissen. Ich muss was finden, damit ich solche hier zum Laufen bringe... dann erinnere ich mich an Ginnys Zauber. Gut, lass mich doch gleich mal sehen, ob ich sie nicht hinkriege! Ich konzentriere mich einen Moment lang, dann deute ich mit meinem Zauberstab auf verschiedene Punkte an der Decke, um die Drähte zu spannen. Daran hänge ich die Lämpchen. Minerva schaut sie etwas befremdet an.

„Was ist das denn?"

„Das sind die Drähte für meine Lampen. Erinnerst du dich, dass Ginny, Draco, Parvati und Ernie diese Zauber erfunden haben, damit Muggelgeräte auch in magischen Häusern funktionieren. Das kann ich jetzt gleich mal testen."

Ich schaffe es, die kleinen Lämpchen heraufzubeschwören und schicke sie sofort hinauf an die Drähte. Dann verzaubere ich sie mit Ginnys Formeln und schliesslich braucht es nur noch einen kleinen Flick mit dem Zauberstab und die Lämpchen gehen an.

„Da sind wir schon."

Ich bin ziemlich zufrieden mit mir selber. Auch hier habe ich wieder Tische mit Granitabdeckungen hingestellt, welche leicht sauber zu halten sind und auf denen Unfälle leichter wieder gutzumachen sind. Es hat auch für grössere Klassen genügend Platz. Ich habe mein Klassenzimmer von der Sunnegg beinahe kopiert.

„Fertig! Das ist ein hübsches Klassenzimmer geworden," finde ich.

„Das ist es. Albus hatte recht, du hast wirklich grosses Talent im Einrichten," meint Minerva.

„Kann mir trotzdem passieren, dass ich Heimweh nach der Sunnegg bekomme, dann ist es gut möglich, dass ich mit einer Klasse mal kurz dahin Portschlüssle..."

Minerva lacht nur.

„Das würde ich dir glatt zutrauen."

Wir verlassen das Zimmer, nur um beim nächsten gleich wieder einzutreten. Es ist ein Klassenzimmer wie hundert andere auch in Hogwarts. Aber das werde ich für Remus jetzt noch ein bisschen aufmöbeln.

„Hast du einen speziellen Wunsch für das Zimmer, Remy?" frage ich.

„Wie wär's mit einem hübschen Teppich?"

„Gemach, mein Liebster!"

Augenblicke später stehen wir auf einem schönen, hellbraunen Spannteppich. Aus den vorhandenen Pulten mache ich Tische, die ich so im U aufstelle wie auf der Sunnegg. Auch den Stühlen gebe ich ein neues Aussehen. Der Lehrertisch wird zu einem schönen, modernen Schreibtisch, mit einem passenden Drehstuhl auf Rollen. Und zur Krönung bekommt auch Remus eine ganze Menge kleiner Halogenlämpchen. Minerva dreht sich zu mir und fragt:

„Könntest du solche auch beim mir unten hineinbauen?"

„Natürlich! Ich komme in den nächsten Tagen vorbei, wenn es dir recht ist."

Zusammen gehen wir die Treppe hoch und zu dem unbenutzten Klassenzimmer, das Minerva uns als unser Büro anbietet. Es ist perfekt! Ein grosses, lichtes Klassenzimmer, mit Südlage, ich frage mich, wie um Himmels Willen dieser schöne Raum ungenutzt geblieben ist. Die Tür ist im vorderen Drittel es Raumes. An der Wand hinten hat es einen grossen Kamin wie in den meisten Klassenzimmern. Sechs Fenster lassen viel Sonnenlicht herein. Zuerst machen wir sauber, dann lege ich den Teppich auf den Boden. Die Wand rechts vor der Tür versehe ich mit einer Regal- und Schrankwand. Gegenüber der Tür stelle ich zwei grosse Schreibtische auf. Die lange Wand links von der Tür versehe ich mit weiteren Regalen, Sideboards und einer Wohnwand hinten, die auch um die Ecke bis zum Kamin geht. Vor dem Kamin kommt eine grosszügige Sitzgruppe hin mit einem Ecksofa, Couchtisch und mehreren Sesseln. Das Sofa stelle ich so auf, dass man gegen die Wohnwand und den Kamin schaut, wenn man drauf sitzt. Die freie Fläche in der Mitte des Raums lasse ich noch offen. Falls nötig, können wir hier später einen kleinen Besprechungstisch mit Stühlen aufstellen. Die Fensterwand bekommt ein paar kleinere Sideboards. Dann versehe ich die Fenster allesamt mit Gardinen und schweren, bodenlangen roten Samtvorhängen.

„Genug Platz für deine gerahmten Fotos, Moony?" frage ich.

„Mehr als genug, Liebster, danke! Noch ein paar Lampen und dann ist es schon fast gemütlich..."

„Spätestens, wenn du all deine Nippsachen, Bücher und sonst so Kram überall verteilt hast, Spatz," ziehe ich ihn auf.

Aber er lächelt nur. Was wäre meine Umgebung ohne Remus' Kram? Ich liebe es, wenn er einem Zimmer Leben und Familiarität einhaucht. Er wird eine Menge Bücher in die Regale stellen, ein paar Fotoalben dazu und gerahmte Bilder an die freien Wände hängen. Er wird seine kleinen Nippsachen und jede Menge kleiner Dinge aufstellen und dann wird es sich hier wie in einem Wohnzimmer arbeiten lassen.

„Ich werde ein paar der neueren Bilder einrahmen..." sinniert er laut.

Wir haben ein paar Familienbilder gemacht. Es gibt Fotos mit der Bande, die wir vergrössern können. Ich sehe sie schon an der Wand hängen, mit neuen Fotos von James und Lily und den Kindern. Und zwischen den alten und neuen Bildern wird eine Lücke von vierzehn Jahren bleiben, doch wir geben es jetzt auf, darüber zu viel nachzudenken.

Minerva kommentiert, wie ihr der Raum gefällt und verlässt uns dann. Wir schliessen das Büro ab. Wir benutzen ein Passwort und versiegeln es mit unserer magischen Signatur. Ausser den Geistern und Hauselfen kann hier niemand hinein. Wir holen unsere Kinder wieder ab, es ist kurz vor dem Mittagessen. Da wir erst nach dem Frühstück aufgestanden sind, haben wir beide einen ganz schön leeren Magen. Die Kinder kommen in den Babywagen, den schieben wir wieder zur Grossen Halle. Sie ist schon offen, also setzten wir uns zu unseren Schülern. Sie sehen ein bisschen besser aus als gestern Abend. Ein Vormittag ist bereits vorüber. Es war Transfigurationstheorie, am Nachmittag kommt jetzt die Praxis dran. Von uns muss sich keines vor dieser Prüfung allzu sehr fürchten, selbst Harry hat den Knopf darin endlich aufgetan. Er ist aber in der Praxis weit besser als in der Theorie. Ich nehme nicht an, dass er eine Note über E schafft.

Doch zur Zeit sind sie einfach froh, dass eine der Prüfungen durch ist. Ginny sieht ziemlich zufrieden aus, Hermione fürchtet sich wie immer davor, eine Frage nicht ausführlich genug beantwortet zu haben, Parvati ist sich sicher, dass sie eine ganze Menge der Fragen verbockt hat. Ernie glaubt gar, dass er durchfällt. Ich fühle wirklich mit ihnen, als wir nach dem Essen die Halle wieder verlassen. Wir gehen mit den Kindern zurück in unsere Unterkunft, wo sie in ihren Wiegen schlafen können.

Und so verbringen wir unsere nächsten Tage. Remus kehrt zur Sunnegg zurück, um eine Kopie der Bücher in unserem Büro zu machen. Er erträgt es nicht, dass unser Büro noch so leer ist. Ein Ausflug nach Hogsmeade führt zu Scrivenshaft, wo Lily mithilft, alles Büromaterial einzukaufen und zu Dervish & Banges, wo wir uns mit allerlei Dingen eindecken. Ein schönes Marmorschachbrett und Figuren zieren nun unseren Salontisch. Ich habe für eine gute Beleuchtung der einzelnen Ecken gesorgt.

Mit jeder Prüfung, die sie abhaken, werden unsere jungen Freunde lockerer. Ich bin sicher, dass sie am Ende viel besser abschneiden, als sie jetzt noch fürchten. Wenn sie auch vielleicht nicht in allen Fächern einen NEWT schaffen werden, so werden sie doch sicher zufrieden mit ihren Leistungen sein können.

Mandy kommt meistens vom Ravenclaw-Tisch zu uns herüber. Sie ist wie Morag nicht unglücklich, nach Hogwarts zurückgekommen zu sein, aber wie Morag hat auch sie bisher keinen Freund gefunden. Dafür erzählt sie uns, dass sie bereits auf Arbeitssuche ist und auch schon fündig geworden ist.

„Könnte ich wohl bei euch wieder einziehen, bis ich was Eigenes gefunden habe? Ich hab' Taschengeld gespart, so dass ich es für ein oder zwei Monate aushalten würde und nicht zu meinen Eltern zurückgehen muss. Ich kann ja zur Arbeit apparieren..." fragt sie schüchtern.

„Mandy, dein Zimmer auf der Sunnegg ist unberührt geblieben, du brauchst nur deine Sachen hineinzubringen," sagt Remus lächelnd. „Es soll dir und den anderen immer ein Zuhause bleiben."

„Vielen Dank! Die letzten Sommerferien waren einfach scheusslich. Meine Mutter war ständig hinter mir her, dass sie mich nie hätten unter eure Obhut geben sollen, und dass sie wütend auf Dumbledore ist, weil sie ihnen empfohlen hat, mich bei euch in Sicherheit zu bringen. Selbst meine älteren Geschwister haben die Augen verdreht! Und dann ihre ständigen Bemerkungen über Werwölfe! Man könnte glattweg meinen, die Welt wäre voll von ihnen. Dabei kennt sie ausser dir nicht mal einen einzigen mit Namen! Bis vor drei Jahren hatte ich keine Ahnung, wie bigott meine Eltern sind, Remus, und es war eine ganz üble Erkenntnis. Ständig hatte ich das Gefühl, mich für sie entschuldigen zu müssen, weil sie so rückständig sind. Dabei sind sie alle Ravenclaws! Warum können die nicht sehen, dass ihre Vorurteile fast alle unbegründet sind? Warum können die nicht verstehen, dass es unter Werwölfen genauso wie bei allen anderen Menschen miese Typen gibt, die keiner ausstehen kann und eine Menge echt netter Leute, die jeder mag? Ist es denn so schwer, einen Unterschied zu machen zwischen Menschen mit Verantwortungsbewusstsein und solchen ohne?"

„Wenn ich eine Antwort auf diese Frage hätte, dann wäre das Leben für die meisten meiner Art nicht so schwierig, Mandy. Wenn wir uns sofort outen, drehen sich die meisten gleich weg und wenn wir es verheimlichen und es auskommt, dann verdammen sie uns als gemeingefährliche Lügner, die nur darauf warten, jemanden umzubringen oder zu verfluchen. Was auch immer wir tun, hat für uns zumeist negative Folgen. Ich hatte das Glück, eine hervorragende Ausbildung zu bekommen und Eltern und Freunde zu haben, die durch dick und dünn zu mir gehalten haben, aber das haben die wenigsten Werwölfe. Ohne mein soziales Netz wäre ich vielleicht genauso auf der Strasse wie die meisten anderen Werwölfe. In der Zeit, in der ich allein war, habe ich viel Armut gekannt, Mandy. Ohne meine Familie und meine Freunde bin ich mehr schlecht als recht durchgekommen."

„Und warum? Du hast alles, was es braucht, um in jeder Firma ein hervorragender Mitarbeiter zu sein, bist bestens qualifiziert, eine ganze Menge zu tun aber die verdammten Vorurteile haben dich an den Rand der Gesellschaft gedrängt, obwohl du mit einer Arbeit nicht das geringste Problem gehabt hättest, auf eigenen Füssen zu stehen. Nur weil sich ein paar Idioten in die Hose scheissen, bekommst du nirgends Arbeit und kannst dich nicht selber unterhalten. Na ja, bis vor drei Jahren..."

„Dagegen ist nicht viel zu machen, Liebes. Zumindest war Voldemort diesmal schnell genug erledigt, dass er gar nicht erst Zeit hatte, sich zur Verstärkung seiner Truppe an die Dunklen Kreaturen zu machen. Also wird es wohl diesmal auch keine Versuche geben, die Werwölfe auszurotten, weil sie sich mit Voldemort verbunden hatten. Hat ja auch nicht mehr sehr viele von uns. Ich könnte schon bald einer der letzten in Grossbritannien sein."

„Nun, ich gedenke jedenfalls jetzt, dagegen etwas zu unternehmen. Ich habe nämlich Mr. Diggory angeschrieben und ihn gefragt, ob ich das Werwolfregister und das Unterstützungsamt übernehmen darf. Zwei Wochen danach hatte ich schon den Job. Ich werde also in Zukunft für dich zuständig sein, Remus!"

„Wow!" fällt uns da nur ein.

„Woohoo, das ist grossartig, Mandy! Du wirst dort einen guten Job machen. Wissen es deine Eltern schon?" fragt James mit tanzenden Augen.

„Nee. Das sage ich denen, wenn sie mich von King's Cross abholen wollen und ich statt dessen zu euch appariere," gibt sie trotzig zurück. „Mum wollte immer schon, dass ich ins Ministerium gehe, und das tue ich jetzt auch."

Wir brechen alle in Gelächter aus. Die kleine, schüchterne Musterschülerin hat sich zur aufmüpfigen, hoch intelligenten jungen Frau gemausert, auf deren Zehen keiner ungestraft treten wird. Gut so!

Auch die anderen Schüler am Tisch mischen sich jetzt ins Gespräch. Es ist schön, zu hören, dass sie sich für das politische Tagesgeschehen zu interessieren beginnen. Und es ist schön, dass nicht nur unsere Bande, sondern auch die anderen Gryffindors mit dabei sind. Unsere Schüler verstecken sich also nicht hinter einander, sie interagieren auch mit den in Hogwarts verbliebenen Hausgenossen wie damals während der OWLS. Ausserdem lernen sie die jüngeren Gryffindors kennen und scheinen im Gemeinschaftsraum ihre Plätze wieder eingenommen zu haben. Aber das Beste ist, zu sehen wie sie auch an den anderen Haustischen auftauchen und über ihre Hufflepuff und Ravenclaw-Klassenkameraden mehr Leute in den anderen Häusern kennen lernen.

Remus

Die Kinder spannen uns immer noch sehr ein. Sie sind so winzig, man glaubt es kaum, dass man mit ihnen zu viel Arbeit hat. Wir teilen sie uns, ebenso, wie wir uns die Kinder teilen. Wir kümmern uns nicht einfach nur um unser eigenes Kind. Wir wollen, dass sie wie volle Geschwister aufwachsen. Und ihnen Eltern sein, nicht einfach nur zwei Väter. Die Bande reisst natürlich immer noch Witze über die Frage, welcher von uns beiden eigentlich die Mutter und welcher der Vater ist. James unterstützt sie kräftig dabei.

Wir machen uns auch schlau darüber, ob es unter magischem Recht eine Möglichkeit gibt, unseren Bund auch legal zu siegeln. Wir hatten damals einen kleinen Ritus, bei dem wir uns einander verbunden haben, der ist aber nicht rechtlich gültig, hat also keine Folgen für die Erbfolge. Wir wissen natürlich, dass bisher nur in wenigen europäischen Ländern homosexuelle Paare eine Ehe eingehen können, und dass England nicht dazu gehört. Sirius schickt eine Eule an Amelia Bones und fragt um ein Rendezvous mit ihr. Schon einen Tag später bekommen wir Antwort und ein Datum eine Woche später.

„Das ist der Freitag nach den NEWTS-Prüfungen und das Abschiedsfest ist am Abend. Das heisst, wir sind schon auf der Sunnegg zurück. Wir können die Kinder vom Nachmittag an Dobby und Winky überlassen, falls wir sie nicht mitnehmen wollen. Nach dem Treffen mit Amelia können wir direkt nach Hogwarts gehen," sage ich.

„Ja, ich denke, das passt sehr gut."

Ich werde es nie satt haben, Sirius zuzuschauen, wie er auf dem Sofa fläzt, mit einem unserer schlafenden Babys auf der Brust. Ich habe schon ein paar Bildchen von ihm gemacht und sie sind allesamt so süss, dass man Kariesalarm auslösen müsste. Das war Rons Kommentar.

Sirius muss etwas in sich haben, was ihn befähigt, besonders gut mit Babys umgehen zu können. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass er es bei Harry auch schon in diesem Mass hatte, noch nicht mal mit Lizzie. Allerdings gibt es einen bedeutenden Unterschied, Denny und Seraina sind unsere eigenen Kinder und wir haben keine übervorsichtige Lily um uns. Sie hatte immer Angst, dass jemand aus Versehen Harry weh tun könnte. Da scheinen wir weniger ängstlich zu sein. Wir haben den Schülern gezeigt, worauf sie achten müssen und von da an müssen sie sich selber helfen, wenn sie die Zwillinge aufnehmen und halten, sie füttern, wickeln, baden oder mit ihnen spielen wollen. Und natürlich ist noch keines von ihnen darauf gekommen, sie mit auf einen Besenritt zu nehmen. Sirius schon. Sehr zum Amüsement von James und zum absoluten Horror von Lily.

Harry beschäftigt sich oft mit Seraina. Er schaut sie auch öfters mal sehnsüchtig an und ich habe den leisen Verdacht, dass Sirius recht hatte, als er die Ansicht äusserte, dass Harry und Hermione wohl selber ein Baby haben wollen. Aber die stets vernünftige Hermione hat ihn an der kurzen Leine. Sie streiten sich nicht deswegen, beide wissen, dass sie noch eine ganze Weile studieren werden. Andererseits wäre es auch nicht anders als bei anderen Paaren, bei denen beide Partner arbeiten. Ich bin sicher, dass James und Lily sie jederzeit unterstützen werden, wenn sie schon ein Baby haben wollen. Ich werde einfach mal sehen, was sie machen. In der Zwischenzeit macht es mich glücklich zu sehen, dass sie sich mit den Zwillingen beschäftigen.

Selbst jetzt, zwei Monate nach ihrer Geburt, überfliesst mein Herz immer noch vor Glück, wenn ich nur an meine Kinder denke. Sicher, wir stöhnen jedes Mal, wenn sie uns aus dem Tiefschlaf holen, aber dann schaue ich in ihre winzigen Gesichter, wenn sie am Fläschchen nuckeln und denke, dass dieser Anblick verpassten Schlaf mehr als aufwiegt. Wer braucht schon Schlaf, wenn er zwei wunderbare, neue kleine Menschlein anschauen kann? Nun ja, wir werden ihn brauchen, vor allem, wenn wir wieder in Hogwarts sein werden, aber ich hoffe sehr, dass sie bis dahin nachts sechs Stunden schlafen. Wir haben vorsichtig angefangen, ihren Schleim für die Spätabendfläschchen etwas dicker und nahrhafter zu machen. Allerdings wollen wir ja kein Bauchgrimmen verursachen, daher erhöhen wir die Menge nur sehr vorsichtig, denn wenn sie statt einer zusätzlichen Flasche jede Nacht Bauchweh haben, wäre das sehr kontraproduktiv.

Hermione

Letzter Tag der NEWTS! Ich kann es kaum glauben, dass heute Abend unsere Schulzeit vorüber ist! Ich glaube, ich rufe Mum an, sobald ich heute Nachmittag vom letzten Examen in Zauberkunst komme. Ein Gebiet, auf dem ich nun wirklich nicht die geringsten Probleme habe. Ich freue mich direkt auf die praktische Prüfung, das müsste die einfachste Aufgabe von allen Fächern sein.

Obwohl ich sagen muss, dass wir entweder riesenmässiges Schwein hatten oder extrem gut vorbereitet waren, denn ich hatte nicht den Eindruck, dass die Prüfungen zu schwer waren. Ich habe Schlimmeres erwartet. Aber nicht mal Neville hat viel gestöhnt. Also, dann mal... wir verlassen die Grosse Halle nach dem Frühstück und warten darauf, wieder hereingerufen zu werden. Sie rufen uns wieder klassenweise herein, wir sind die letzten. Wir setzen uns an die Einzeltische und die Examinatoren fordern uns auf, die Prüfungsbogen umzudrehen.

Ich lese rasch über die Fragen und beantworte gleich die, welche am einfachsten sind. Jetzt gehe ich langsamer über die verbleibenden. Schliesslich überarbeite ich alles noch ein bisschen detaillierter. Das war's. Wie spät ist es? Bald Mittag. Ich glaube, ich gebe meine Arbeit ab. Ich stehe auf, gehe nach vorne und übergebe meinen Test der Aufsichtsperson. Sie lächelt mich an und nickt nach der Tür. Ich lasse mich nicht zweimal bitten und gehe hinaus, die grosse Tür so leise, wie ich kann hinter mir schliessend. In der Eingangshalle wende ich mich gleich zur Tür nach draussen. Sie steht weit offen. Als ich auf die Treppe komme, sehe ich in der Nähe Sirius und Remus mit den Zwillingen. Sie sitzen im Gras unter der grossen Buche, nicht weit vom Eingang entfernt mit James und Lily zusammen. Ich geselle mich zu ihnen. Schon ein paar Minuten später kommen Harry und Ron aus dem Schloss. Sie scheinen kurz über den Test zu gehen, aber als sie uns sehen, strahlen sie und kommen herbei.

„Hermione! Ich brauche dich wohl nicht zu fragen, wie es gelaufen ist, oder?" fragt Remus.

„Nee, wirklich nicht. Das war leicht! Na ja, wahrscheinlich waren die Fragen schwierig genug, aber ich fand es leicht, sie zu beantworten. Der einfachste Test von allen Fächern. Heute Nachmittag ist reine Spielerei."

„Na ja, für dein Niveau... ich bin froh, bist du glücklich. Ein gutes Gefühl nach einem Test zu haben ist meistens ein gutes Zeichen."

Harry und Ron plumpsen neben uns aufs Gras. Ron schnappt sich Denny und erklärt ihm:

„Warte nur, bis du da drin sitzt, Denny! Du wirst es genauso verabscheuen wie wir!"

Dem Baby scheint diese Bemerkung jedoch völlig egal zu sein. Sirius lacht zwar, schimpft aber mit Ron:

„Ron! Wie kannst du ihn jetzt schon damit bedrohen? Er wird durch seine ganze Schulzeit traumatisiert sein!" jammert Sirius.

„Meine es ja nicht wirklich. Ausserdem wird er euch beide als Lehrer bekommen, was kann da schief gehen?"

„Danke für die Blumen," sagt Remus lachend.

„Ihr erwartet doch, hier drin alt und grau zu werden, oder? Lebendes Inventar, wie Professor Flitwick und Professor McGonagall..." fragt Ron.

„Manchmal frage ich mich... aber es ist wie ein Nachhausekommen. Ich meine, das war schliesslich der erste und für lange Zeit einzige Ort, der nicht mit den ekelhaften Ansichten meiner Eltern behaftet war. Daher hat es für mich ziemlich viel Bedeutung, jetzt hierher zurückzukommen."

Sirius schaut hinauf zum Schloss, während er uns das erzählt. Sein Gesicht ist verdüstert, aber das ist es immer, wenn er sich irgendwie an sein Elternhaus erinnert, fast ebenso wie wenn Azkaban erwähnt wird.

Es ist erstaunlich warm auf dem Boden. Heute ist wirklich schönstes Frühlingswetter. Harry fragt Sirius plötzlich, ob er sich an seine Auswahl erinnert. Sirius lacht. Es klingt wie das tiefe Bellen eines grossen Hundes.

„Erinnere ich mich an meine Auswahl? Ich kann dir wörtlich wiederholen, was der Sortierhut gesagt hat, Harry. Ich hatte James schon im Bahnhof getroffen und wir sassen natürlich zusammen, wir waren ja schon in der Primarschule Freunde gewesen, aber ich hatte total Schiss davor, in Slytherin zu landen. Wie hätte es auch anders kommen können, wo doch meine ganze Familie in Slytherin war. Die Primarschule ist übrigens in Hogsmeade, dort hat's Kinder aus Halbblutfamilien, aber natürlich keine Muggel-geborenen, in so eine Schule hätten meine Eltern mich nie geschickt! James wusste das natürlich auch mit dem Stammhaus meiner Familie. Und ich wollte da nicht hin, ich kannte zu viele Kinder, die dort auf jeden Fall landen würden. Aber als ich drankam, gleich nach meiner Cousine Bellatrix, dachte ich den Hut an, dass er mich schon ins Schlangenhaus stecken solle, wenn's denn schon sein müsse."

Wir grinsen ein bisschen, das klingt wie typisch Sirius. Er grinst auch und fährt weiter:

„Und der Hut sagte in meinem Kopf: ‚Also, warum sollte ich das tun? Etwa nur, weil du ein Black bist?' Ich dachte: ‚Genau. Obwohl ich nicht ein Allerwelts-Black bin.' Das schien den Kerl zu amüsieren, denn er kicherte und erklärte: ‚Das scheint mir auch so. Wenn du selber wählen könntest, in welches Haus möchtest du gehen? Denn da ist ein bisschen von allem in deinem Kopf, weisst du. Du bist äusserst intelligent, du scheinst einen ausgesprochenen Hang zum Unfugtreiben zu haben, gepaart mit einer unglaublichen Dosis Mut und dann ist da deine grenzenlose Loyalität. Und ich finde sogar eine gute Spur Gerissenheit in dir. Also, wo möchtest du hin, wenn du nicht nach Slytherin gehen möchtest? – Ich denke, du gehörst nach Gryffindor!' Ihr habt keine Ahnung, wie erstaunt ich war, glaubt mir, denn der Hut hatte mir damit gesagt, dass ich mich in irgend einem der Häuser entfalten könnte. Aber ich landete in dem Haus, von dem ich im Geheimen geträumt hatte, schon nur, weil ich wusste, dass James dort landen würde. Aber den Heuler, den ich schon am nächsten Morgen von meiner Mutter bekam, den könnt ihr euch nicht mal in euren schlimmsten Alpträumen ausmalen. Der Leiter von Haus Slytherin hatte nicht gezögert, ihr sofort zu berichten, dass ich nicht nach Slytherin, sondern nach Gryffindor gekommen war."

„Ich kann mir vorstellen, wie der geklungen hat..."

„Er war scheusslich!" erinnert sich Remus. „Sie hat ihren Sohn in einer Art und Weise niedergemacht, das könnt ihr euch wirklich kaum vorstellen. Uns gab es eine erste kleine Kostprobe über sein Leben zuhause. Und viermal ist er danach noch zu Sommerferien heimgekehrt. Keine zehn Pferde hätten ihn jedoch zu den Weihnachtsferien aus Hogwarts weggebracht. Ich weiss noch, in unserem vierten Jahr, da verlangten die Blacks, dass er heimkommt, aber Sirius weigerte sich strikte und McGonagall schrieb ihnen, dass sie ihren Schüler nicht zwingen könne, in die Weihnachtsferien nach Hause zu gehen, da Hogwarts traditionell über Weihnachten offen ist. Er blieb und sie haben ihm nicht einmal ein Geschenk geschickt. Das ist ziemlich hart, wenn man vierzehn ist. Ich war auch da und habe mitbekommen, dass nur sein Onkel Alphard und seine Cousine Andromeda an ihn gedacht hatten. Dafür schickten ihm die Potters, Peters und meine Eltern Geschenke. Und er bekam meistens eine Menge von den vielen Freunden, die er in Gryffindor, Ravenclaw und Hufflepuff hatte."

„Aber es kann kein Spass gewesen sein, zu den ersten Sommerferien nach Hause zu kommen, was?" fragt Ginny, die sich nur wenige Minuten nach Harry und Ron zu uns gesetzt hat.

„Acht Wochen absoluter Terror! Ich durfte allein das Haus nicht verlassen, aber keiner kam mit mir. Verbrachte also den ganzen Sommer drinnen und konnte grade mal den Hogwarts Express erreichen. Gleich nach den OWLS entfloh ich meinem Elternhaus, weil die mich dazu zwingen wollten, ein Todesser zu werden! Verbrachte die Ferien dann bei James und sogar auch ein bisschen bei Remus. In den Weihnachtsferien in meinem sechsten Jahr bekam ich von Andromeda Post, dass unser Onkel Alphard gestorben war. Ich hatte ihn in den Sommerferien noch einigermassen gesund gesehen. Da hatte er noch den guten Gedanken, sein Testament zu verfassen und alles, was er besass, Andy und mir zu hinterlassen," erzählt Sirius.

„Das klingt ja scheusslich! Kein Wunder, dass Hogwarts dir da ein Zuhause war..." kommentiert Parvati.

„Ja, es war wirklich wie ein Schutzmantel für mich. Und ich muss sagen, dass Albus Dumbledore nie den Glauben an mich verloren hatte, trotz all der Klemmen, in die ich mich manövriert hatte. Er half mir immer, wenn ich mich meinen Eltern entgegenstellen musste. Die waren ständig da und haben über irgendwas gemeckert. Aber Albus hat sie mir immer ferngehalten. Ich hatte eine Menge Unterstützung von ihm."

„Er sah das Potential in dir, Padfoot," sagt Remus sanft.

Sirius schaut ihn mit einem dieser anbetenden Blicke an. Doch dann ist es schon Zeit, wieder ins Schloss zurückzukehren. Er nimmt Ron Denny wieder ab und wir gehen alle hinauf zum Schlosseingang. Ich habe keine Mühe, mich mit dem leckeren Essen anzufüllen. Anderen scheint es da nicht so gut zu gehen. Susan Bones am Hufflepuff-Tisch sieht definitiv ziemlich grün im Gesicht aus. Wie es scheint, ist praktische Zauberkunst nicht ihr Bier.

Mein Test ist in einer halben Stunde vorbei. Ich werde aufgefordert, eine Reihe von Zaubern zu demonstrieren, dann kann ich mit ein paar komplexen Formeln nach meiner Wahl angeben und verzaubere einen Commumirror. Da bitte ich jedoch den Examinator, dass er den genauen Inhalt für sich behält. Er darf den kleinen Spiegel austesten, aber er verzichtet darauf, indem er seinen eigenen aus der Tasche zieht.

„Ich denke, dies ist Beweis genug, Miss Granger. Gratuliere! Das war ein hochklassiger Beweis für Ihre Fähigkeiten. Wir kommen ohne dieses Ding ja schon beinahe nicht mehr aus. Ich frage mich sogar, wie wir es je geschafft haben, ohne die Commumirrors zu leben. Sie werden mit Ihrer Note gewiss zufrieden sein."

„Vielen Dank, Sir!"

Damit bin ich entlassen. Ich treffe mich draussen wieder mit den anderen und wir entschliessen uns, über Hagrid herzufallen und bei ihm das Ende unserer Prüfungen zu feiern.

„Hurra! Hagrid, wir haben's geschafft, wir haben's hinter uns! Die Schule ist vorüber!" johlen wir alle.

Er grinst nur und offeriert Tee, den wir gerne akzeptieren. Wir beschwören einen Tisch und Stühle herauf und sitzen zusammen dran, bis es längst dunkel ist. Die Tests haben wir kurz angesprochen, doch dann wechseln wir gleich zu netteren Themen.

Justin

Also... das war ja erstaunlich erträglich. Nicht wirklich leicht, aber doch auch nicht ganz so schlimm wie erwartet. Haben die vom Ministerium es einfach nicht geschafft, die Tests wirklich so schrecklich erschöpfend zu machen, oder waren wir so gut? Jedenfalls haben wir alle das Gefühl, gut abgeschnitten zu haben.

Wir kehren auf die Sunnegg zurück, aber diesmal werden wir zum Abschiedsfest nach Hogwarts gehen. Es ist das letzte Mal und wir finden, dass wir da eigentlich nicht fehlen sollten. Aber wir sind jetzt wirklich frei und das zählt eine Menge für uns alle. Wir werden jetzt erst mal eine Weile viel Spass haben. Wir haben zwei Monate für uns alleine und wir planen, die Zeit für allerhand schöne Sachen zu nutzen. Natürlich werden wir einen Stop bei meiner Familie einlegen und einen im Fuchsbau. Mrs Weasley scheint jetzt doch ihren schlimmsten Groll gegen Ron und mich hinter sich gelassen haben. Ron ist bis zu unserem Eintritt ins Ministerium als Auroren im Training noch immer auf einem sehr begrenzten Budget, aber meine Eltern sind für den Sommer ziemlich grosszügig mit uns, also können wir schon auch mal ausgehen und brauchen nicht dauernd daheim zu sitzen.

Wir haben uns bei den Auroren schon vorgestellt. Man hat uns die ganze Abteilung gezeigt, die Trainingsräume und Unterkünfte. Wir werden von Montag bis Freitag nachmittag dort sein müssen und dürfen fürs Wochenende heimgehen. Start der Ausbildung ist am 1. September. Das Training wird zwei Jahre dauern. Aber als Auszubildende bekommen wir immerhin schon ein gutes Anfangsgehalt. Darüber ist vor allem Ron sehr froh, denn das entlässt ihn aus der Abhängigkeit von seinen Eltern. Er ist auch deshalb sehr froh darüber, dass er den Eltern nicht mehr auf der Tasche liegt, weil die es sich daher leisten können, Ginny zur Akademie zu schicken. Sie wird während vier Jahren vor allem Zauberkunst und Zaubertränke studieren.

Ginny

So, das war's. Wir haben die Examen hinter uns und damit auch die Schule. In praktischer Transfiguration konnte man eine Transfiguration eigener Wahl vorführen und ich habe, wie die meisten in meiner Klasse, die Animagustransformation gewählt. Es war total heiss, all die erstaunten Gesichter zu sehen, als ich eine Runde durch die Grosse Halle geflogen bin. Den Examinatoren sind fast die Augen aus den Köpfen gekullert. Als meiner hörte, dass ich das schon seit einem Jahr kann, konnte er es fast nicht glauben. Offenbar war keiner meiner Klassenkameraden bei dem drangekommen.

Jetzt geht's weiter an die Uni. Ich freue mich drauf, weil ich das weiterhin von der Sunnegg aus machen kann. Aber wenn's mir stinkt, so weit zu apparieren, kann ich auch zum Fuchsbau gehen. Mum hat mein Zimmer völlig aufgemotzt. Ernie hat auch Zauberkunst als Hauptfach. Wir haben noch einen Dritten im Bunde, nämlich Blaise, der ebenfalls Zauberkunst studieren wird. Es sollen noch etwa sieben oder acht Studenten dabei sein. Ich freue mich darauf und bin schon neugierig, wie das wird, wenn's im September losgeht. Für den Moment bin ich einfach nur froh, dass die Schule vorbei ist und freue mich auf die Ferien. Ich bin eine jetzt voll ausgebildete Hexe und geniesse alle Freiheiten, die mir das eröffnet.

Harry

Jetzt, da die Schule vorbei ist, können wir uns auf unser nächstes wichtiges Ereignis freuen: unsere Hochzeit! Es wird auf alle Fälle ein Tag mit viel Spass.

Ich habe null Angst, was die NEWTS angeht. Ich habe meinen Platz an der Uni bereits und im September werden Hermione und ich ein völlig neues Leben beginnen. Ich bin gespannt, ob ich die Uni meistern werde. Ich meine, es ist ein ziemlich grosses Ding und wenn man Sirius glauben darf, dann haben in meiner Familie nicht sehr viele die Uni besucht. Also fühle ich mich richtig gut, dass ich es tue. Magisches Recht wird intensives Auseinandersetzen und Auswendiglernen von endlosen, kompliziert formulierten Gesetzestexten bedeuten. Das wird bestimmt des öfteren ziemlich langweilig. Aber wir brauchen das Wissen, wenn wir erfolgreich nach unserem Studio darangehen wollen, vieles in dieser Welt zu reformieren. Und ich bin ebenso entschlossen wie Hermione, einige dieser Ungerechtigkeiten und Ungereimtheiten in dieser magischen Welt zu korrigieren. Deshalb haben wir Geschichte als zweites Fach belegt. Für die Erreichung unserer Ziele brauchen wir auch dieses Wissen.

Sirius

Winky und Dobby übernehmen die Zwillinge kurz, nachdem wir sie am Mittag in ihre Wiegen gelegt haben. Wir haben abgemacht, dass wir die Bande direkt in Hogwarts treffen. Sie wollen die Kinder mitbringen. Um zwei treffen wir Madam Bones im Ministerium. Sie hat einen der Juristen in der Abteilung mitgebracht und stellt ihn uns vor. Wir besprechen uns dann mit Mr. Sumner, der sich mit dem Familien- und Erbrecht im Ministerium am besten auskennt. Er sagt uns, dass es zwar keine Möglichkeit der Eheschliessung gib, aber wir können einen Eheähnlichen Kontrakt abschliessen und damit die Erbfolge regeln.

„Und es gibt ja keinen Grund, weshalb Sie nicht im privaten Rahmen auch eine Feier haben können," meint er.

„Das wissen wir. Wir haben auch eine gehabt, wir wollten nur wissen, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt. Immerhin würde ein Ehevertrag auch die das Erbe regeln und zusammen mit dem Testament wäre das dann wohl auch nicht anfechtbar."

Mr. Sumner gibt uns eine Liste von Punkten, die in einem solchen Vertrag eingeschlossen werden sollten und wir gehen sie gemeinsam durch, damit wir es genau verstehen und damit es dann auch wirklich nicht angefochten werden könnte. Er empfiehlt uns ausserdem die Kanzlei von Mr. Lynton, um einen solchen lupenreinen Vertrag aufzusetzen. Ich erinnere mich an den Namen, denn das war die Kanzlei, der Onkel Alphard seine Aufträge jeweils erteilte. Ich kenne ihn persönlich.

„Oh ja, danke, das ist ein guter Hinweis, ich kenne Mr. Lynton. Er hatte das Vertrauen meines Onkels."

„Ah ja, ich glaube, ich erinnere mich an Ihren Onkel – Alphard Black, nicht wahr?"

„Ja, stimmt."

„Daran hatte ich nicht mehr gedacht. Aber ich erinnere mich gut an Ihren Onkel, Mr. Black, das war ein sehr interessanter Herr. Wir trafen uns ab und zu mal im Tropfenden Kessel an der Bar. Er war in Ihrer Familie aber nicht allgemein beliebt, nicht wahr?"

„Nein, könnte man nicht behaupten. Er war wie meine Cousine und ich der Familie mehr als entfremdet. Da war es fast natürlich, dass er den grossen Rest der Familie vom Erbe ausschloss. Sie bekamen alle nur einen Knut. Er nannte sie ein Rudel Hyänen."

„Das tat er allerdings. Er wusste sehr viel über die Tierwelt, die magische wie die der Muggel, nicht wahr? – Nun, wir haben ja wohl alle Ihre Fragen besprochen, oder fällt Ihnen noch etwas ein?"

„Nein, sonst nichts mehr. Vielen Dank, dass Sie uns Ihre Zeit zur Verfügung gestellt haben, Mr. Sumner. Es war nett, Sie kennen gelernt zu haben."

„Oh, gleichfalls! Und das war sehr gern geschehen. Darf ich Sie hinaus begleiten?"

Wir verlassen den kleinen Konferenzraum und gehen zu den Aufzügen, dann verlassen wir das Ministerium und apparieren direkt nach Hogsmeade. Es ist noch früh, daher gehen wir auf ein Butterbier zu Madam Rosmerta in die Drei Besen. Draco und Parvati sind bereits da. George und Fred Weasley sitzen bei ihnen, also werden sie sich wohl über ihre geschäftlichen Pläne, die langsam konkreter werden, unterhalten haben. Als Fred uns sieht, winkt er uns herüber. Wir setzen uns an ihren Tisch und begrüssen die Runde und die Zwillinge erkundigen sich nach den Zwillingen. Wir haben gute zwei Stunden, bis wir zum Schloss aufbrechen müssen. Als es Zeit wird, zeigen Draco und Parvati uns ihre Besen. Wir sind zu Fuss und brechen daher auf. Aber wir nehmen uns Zeit, den Weg zurückzulegen. Wir sind immer noch mehr als pünktlich und treffen die anderen Schüler. Die Kleinsten bleiben heute mal ausnahmsweise unter James und Lilys Aufsicht zuhause.

Remus

Nun haben wir also unsere Klasse durch die NEWTS gebracht. Beim Festessen blicke ich zurück auf drei höchst interessante Jahre. Sirius und ich sitzen heute am Lehrertisch. Ich erfreue mich an dem Anblick unserer völlig entspannten Bande am Tisch der Gryffindors. Parvati und Lavender sitzen nebeneinander und tratschen.

Ich sitze neben Poppy. Sie berichtet mir das Neueste aus ihrer grossen Familie. Sie hat drei Kinder, alle älter als ich, alle verheiratet und alle mit einer hübschen Reihe von Kindern. Sie klingt sehr zufrieden und hat noch nicht die geringste Lust, sich vom Posten der Hogwarts Medihexe zurückzuziehen.

Wir teilen so viele schöne Erinnerungen miteinander. Sie hat mich vom Tag, an dem wir uns kennen gelernt haben, gern gehabt und mir nie ein schlechtes Gefühl gegeben, ein Werwolf zu sein. Schon bevor ich nach Hogwarts kam, hat sie mit meiner Mutter Kontakt aufgenommen und daraus ist eine sehr schöne Freundschaft zwischen den beiden Heilerinnen entstanden. Sie fand so heraus, was meine Mum jeweils unternahm, um mich nach meinen Transformationen zu heilen. Sie hat sich an alle Ratschläge meiner Mutter gehalten. Ich hatte immer mein eigenes kleines Zimmer, denn es wäre ja nicht angegangen, dass mich jemand jeden Monat dort gesehen hätte. In diesem Zimmer waren immer einige Dinge, die mir besonders am Herzen lagen, vor allem, als ich noch sehr klein war. Da war der Teddy, ein Quilt, an dem ich besonders hing und mein Lieblingspyjama. Poppy verwöhnte mich in etwa so wie meine Mutter es tat. Als meine Freunde dann wussten, dass ich ein Werwolf war, belagerten sie Poppy immer so lange, bis sie die drei in mein Zimmer liess. Deshalb haben wir heute eine Menge „Weisst du noch?" Erinnerungen auszutauschen. Und natürlich ist es mir alles andere als eine lästige Pflicht zu hören, wie es ihrer Familie geht.

Wir geniessen die Wärme und Vertrautheit eines Festessens in der Grossen Halle. Sirius sieht heute grossartig aus, entspannt und sein Gesicht zeigt den glücklichsten Ausdruck, seit wir wieder vereint sind, während er mit Minerva plaudert. Unser Zuhause ist zwar jetzt die Sunnegg, aber das Schloss kommt dicht dahinter, denn es hat für uns beide eine sehr grosse Bedeutung. Wenn wir im September hierher zurückkehren, werden wir ein völlig neues Leben beginnen.