The Price of Love

Kapitel 08


Als sie die Tür erreichte, die sie von den Leuten trennte, die in der Küche auf sie warteten, erstarrte Hermione. Ron spürte, dass ihre Hand aus der seinen rutschte und er beobachtete sie, als sie sie auf die Türklinke legte. Er wartete geduldig, als er ihr weiterhin zusah, wie sie Luft holte, aber nicht die Klinke hinunterdrückte. Seine Augen fielen wieder auf ihre Hand hinab und er bemerkte, dass sie zitterte. Ohne nachzudenken streckte er seine Hand aus und legte sie auf ihre.

„Es wird alles gut", lehnte Ron sich vor und flüsterte in ihr Ohr. Seine Hand lag immer noch auf ihrer, als er die Klinke hinunterdrückte und die Tür für sie aufhielt.

Hermione nahm ein paar zögerliche Schritte vorwärts und zwinkerte ein paar Mal, um sich an das ungewohnt helle Licht in der Küche zu gewöhnen. Ihre Augen fielen sofort auf die Weasleys, die gemeinsam am Küchentisch saßen. Molly sah aus, als ob sie geweint hätte. Ihre Augen waren blutunterlaufen. Hermione bemerkte, dass Arthur neben seiner Frau saß und eine Hand auf der Hand seiner Frau lag, auf ziemlich derselben Art, wie Rons Hand noch vor wenigen Augenblicken auf ihrer gelegen hatte. Bill saß auf der anderen Seite seiner Mutter. Er sah müde aus. Und... da war noch etwas Anderes. Etwas in seinen Augen, wenn er zu ihr hoch sah. Etwas, das sie an ihr noch nie wahrgenommen hatte, aber was sie schon bei vielen Gelegenheiten an Harry gerichtet gesehen hatte. Mitleid, dachte sie und rümpfte vor Ekel ihre Nase. Ich will nicht, dass ich euch Leid tue, rief sie in Gedanken. Das macht es nur noch schlimmer.

Unfähig den Schmerz in ihren Augen noch länger mit anzusehen, sah Hermione von den Weasleys weg und ließ ihren Blick auf Mad-Eye Moody und Remus Lupin fallen, die ihnen direkt gegenüber saßen. Nicht ihr auch noch, dachte Hermione, als sie denselben schmerzlichen Ausdruck auf Lupins Gesicht sah. Ihre Augen flogen sofort zu Moody und sie war erleichtert zu sehen, dass er zumindest ohne zusammenzuzucken zurückstarrte. Sein Gesicht war neutral, als ob es aus Stein gemeißelt wäre. Sein Gesichtsausdruck enthüllte nichts darüber, was er dachte, und sie bevorzugte seine Art.

„Wie geht es Harry mit all dem?", fragte sich Hermione. Dann traf es sie wie ein Blitz. Sie war ebenfalls dieses abscheulichen Verbrechens schuldig. Sie hatte Harry so angesehen. Sie hatte sich für ihn schlecht gefühlt. Sie wollte für ihn da sein. Sie wollte ihn trösten, nachdem Sirius umgebracht worden war. Sie wollte, dass er darüber redet und dachte, dass es ihn sich besser fühlen lassen würde, nur... Ron hatte sie davon abgehalten. Er wusste es, dachte Hermione. Ich hab es nicht verstanden, aber Ron schon. Er wusste, dass es Harry dadurch nur schlechter gehen würde. Ich hab ihn dafür nicht gescholten, oder? Sie brauchte einen Augenblick, um sich zurückzuerinnern. OH NEIN! stöhnte sie innerlich. Ich hasse es, wenn er Recht hat. Jetzt muss ich mich bei ihm entschuldigen.

Hermione wurde von dem Geräusch von etwas, das auf den Tisch vor ihr fiel, aus ihren Gedanken gerissen. Sie sah hoch und bemerkte, dass Professor Dumbledore vor ihr stand. Woher er gekommen war, darüber war sie sich nicht sicher. Bis jetzt hatte sie nicht bemerkt, dass er im Zimmer war.

„Bitte setzen Sie sich, Miss Granger", sagte Dumbledore, als er einen Sessel hervorzog und ihr deutete vorwärts zu treten.

Ihre Augen wanderten zu dem Sessel, aber sie bewegte sich nicht darauf zu. Es war keine bewusste Entscheidung, dass sie ihn ignorierte, sowie sie sich plötzlich nicht mehr daran erinnern konnte, wie man geht.

Sie hatte nicht bemerkt, dass ihre Hände zittern, bis sie spürte, dass jemand eine Hand nahm und sie beruhigte. Völlig überrumpelt wollte sie schon herumwirbeln und sehen, wer das war, als die Antwort zu ihr kam. Natürlich ist das Ron, sagte sie sich selbst. Er weiß immer, was ich brauche. Sogar bevor ich es selber weiß.

Hermione fühlte sich wohl durch seine Nähe, sah wieder hoch und traf Dumbledores Blick. „Ich bedaure, dass das notwendig ist", sagte Dumbledore mitleidsvoll. „Ich weiß, dass du nichts lieber tun würdest, als die vergangenen paar Stunden aus deinen Gedanken zu verbannen, aber ich fürchte, ich muss wirklich genau wissen, was dir heute passiert ist."

Immer noch unfähig zu sprechen, nickte Hermione einfach. Die Luft um ihn herum vermittelte Geduld. Hermione wusste, dass er ihr die Dinge nach ihrem eigenen Tempo angehen lassen würde. Sie sah wieder auf den Sessel, aber sie wollte sich nicht niedersetzen. Sie spürte, dass sie mehr Kontrolle haben würde, wenn sie stehen blieb. Dumbledore verstand das anscheinend und drängte sie nicht weiter. Etwas auf dem Tisch erregte ihre Aufmerksamkeit. Etwas... Schimmerndes. Sie suchte sofort die Quelle dessen und ihre Augen weiteten sich, als sie auf die dunkle Schale aus Stein fielen.

„Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie wissen, was das ist?", fragte Dumbledore und tauchte mit dem Zauberstab in die silbernen Fäden in dem Becken, die daraufhin herumzuwirbeln begannen.

„J-ja", antwortete Hermione. „Das ist... ein Denkarium."

„Und Sie wissen, wie es funktioniert?", forschte er weiter.

„Ja", antwortete sie leise.

„Abgefahren", sagte Ron hinter ihr, als er vorwärts trat, um einen besseren Blick auf den schimmernden Inhalt zu bekommen, die sich in der Schale am Tisch heftig bewegten. „Sind das Gedanken, Professor?", fragte er Dumbledore.

„Erinnerungen, Mr. Weasley", korrigierte Dumbledore Ron mit einem Lächeln. „Und ja, abgefahren." Dumbledores durchdringende Augen musterten Ron einen Augenblick lang, ehe er ihn mit einem Wink seiner Hand nach vorne bat. „Kommen Sie, ich zeige sie Ihnen."

Ron sah einen Augenblick lang zu Hermione hinüber und dann gewann seine Neugier die Überhand. Ohne ihre Hand loszulassen, näherte Ron sich dem Tisch und zog sie hinter sich her. Sie sahen zusammen zu, wie Dumbledore die Spitze seines Zauberstabes an seine Schläfe legte und ihn dann zurückzog, wobei er eine schimmernde Substanz mit sich zog. Der silberne Faden wurde dünner und dünner, je weiter Dumbledores Zauberstab sich von seiner Schläfe entfernte, und dann brach die Verbindung zu seiner Schläfe und er fiel in das Denkarium.

„Das tut doch nicht etwa weh, oder?", fragte Ron, als er Hermiones Hand losließ und unbewusst an seine vor kurzem erhaltenen Narben auf seinem Arm griff. Obwohl sie geheilt waren und langsam verblassten, hatte er nicht vergessen, wie er sie bekommen hatte.

„Überhaupt nicht", antwortete Dumbledore. „Es ist ziemlich sicher", versicherte er Ron und deutete auf das Denkarium. „Kommen Sie. Sehen Sie hinein."

Ron sah hinunter in das steinerne Gefäß und war überrascht zu sehen, dass die silbrigen Fäden verschwunden waren und von einem Bild ersetzt wurden. Er lehnte sich weiter vor, um besser hineinzusehen, und realisierte, dass er in eine Art Zimmer blickte. Ein Zimmer voller Zauberer, und alle trugen identische pflaumenfarbene Roben. Ein Stuhl stand in der Mitte des Raumes. Die Armlehnen waren mit Ketten umschlungen. Jemand saß auf diesem Stuhl. Und zwar am äußersten Rand des Stuhles, als ob er versuchte, überhaupt nicht darauf zu sitzen. Der Raum wurde nur von dem dämmrigen Licht einiger Fackeln erleuchtet, was es schwierig machte, die Gesichtszüge der Person auf dem Stuhl zu erkennen.

„Das ist das Zaubergamot", sagte Ron und besah sich die Zauberer genau, die auf den Bänken saßen, die vor dem Mann auf dem hölzernen Stuhl in die Höhe ragten. „Ist das eine der Verhandlungen, die Harry sah, als er...", begann Ron. „VERFLUCHTE HÖLLE!" Er lehnte sich näher vor. „Schau, Hermione. Das ist Fudge hier in der Mitte und schau, wer neben ihm sitzt, das ist..."

„Umbridge", beendete sie mit angeekelter Stimme. „Ron", sagte Hermione, als sie vor Abscheu ihre Nase rümpfte. „Sie dir die erste Reihe an,, ganz am Ende, ist das nicht..."

„Percy!" Ron spuckte seinen Namen aus, als ob das Wort allein Gift für ihn wäre.

„Das... das ist Harrys Verhandlung", sagte Hermione und starrte mit Unglauben hinab.

„Würden Sie es gerne von innen mit ansehen?", fragte Dumbledore.

„Nein", sagte Hermione, wandte ihren Blick vom Denkarium ab und stellte sich aufrechter hin. „Ich denke, wir haben genug gesehen."

Ron sah das Denkarium nur eine Sekunde länger an und richtete sich ebenfalls auf.

„Mr. Weasley, würden Sie gerne einen genaueren Blick darauf werfen?", fragte Dumbledore mit einem Funkeln in seinen Augen. Offensichtlich war ihm die Tatsache, dass Hermione für sie beide geantwortet hatte, nicht unbemerkt geblieben.

Ron spähte kurz zu Hermione hinüber, bevor er antwortete. „Nein... äh... danke, aber ich nehm an, ich weiß bereits, wie alles ausgeht."

„Nun gut", sagte Dumbledore und streckte seinen Arm aus, um das Bild mit der Spitze seines Zauberstabes zu berühren.

Im selben Moment verschwand der Raum wieder in der silbrig-weißen Substanz, die daraufhin wieder begann, sich in dem steinernen Becken zu bewegen.

„Sie werden das mit mir machen, nicht wahr?", fragte Hermione, als sie Dumbledores durchdringenden Blick begegnete.

„Ja", antwortete er. Seine Stimme war ruhig und überraschenderweise beruhigend.

„Werde ich mich noch an irgendetwas davon erinnern können, sobald die Erinnerung von mir genommen wurde?", fragte sie.

„Ja und nein", antwortete Dumbledore. „Sie werden sich daran erinnern, dass Sie entführt worden waren. Sie werden sich an alle starken Emotionen erinnern können, wie etwa die Angst. Aber Sie werden sich nicht mehr an die Details erinnern können."

„So wie bei einem Traum?", fragte Ron.

„Ja, das ist es genau, wie es sich anfühlt", erklärte Dumbledore. „Es ist, als wären Sie von einem Traum erwacht. Sie können sich vage daran erinnern, was passiert ist und wie Sie sich gefühlt haben, aber innerhalb von Sekunden gehen Ihnen die Details verloren und bald haben Sie das alles vergessen."

„Ich will es nicht vergessen", bekräftigte Hermione und erstaunte damit fast alle, die in der Küche anwesend waren. Alle, außer Dumbledore. Er musterte sie sorgfältig. Seine intensiv azurblauen Augen schienen sich in ihre Seele zu bohren, ließen sie unangenehm zittern, aber sie sah nicht weg. Dumbledore war es, der die Verbindung mit einem Lächeln brach.

„Ich habe schon vermutet, dass Sie so fühlen würden", gab Dumbledore zu. „Wenn es das ist, was Sie wirklich begehren, werde ich Ihnen die Erinnerung zurückgeben, wenn wir durch sind", versicherte er ihr.

Hermione schien das akzeptabel zu finden. Sie nickte still.

„Miss Granger?", fragte Professor Dumbledore. „Sie haben nicht zufällig von Mr. Potter Unterricht in Okklumentik erhalten, oder?"

„Nein, Sir", antwortete Hermione. Sie hatte diese eine Frage ganz sicher nicht erwartet. „Warum?"

„Ich war nur neugierig. Sie waren gerade eben meiner Gegenwart gewahr, nicht wahr?"

„Sie meinen, ob ich Sie fühlen konnte?", fragte Hermione. „Nein, nicht genau."

„Und doch haben Sie Ihre Gedanken unterteilt", sagte Dumbledore und sah sie abschätzend an.

„Wie noch mal?", sagte Ron. „Sie hat was getan?"

„Sie hat ihre Gedanken geteilt", erklärte Dumbledore. „Genau genommen bedeutet das, dass sie, anstatt mich aus ihren Gedanken hinauszuwerfen, einfach eine Barriere um die Gedanken und Erinnerungen gezogen hat, die sie nicht mit mir teilen wollte. Das ist das exakte Gegenstück zu einer mentalen Ziegelwand. Nur in diesem Fall wurde die Wand durch schiere Willenskraft erbaut. Sie sind eine sehr... willensstarke junge Frau", sagte Dumbledore, als sein Blick einmal mehr auf Hermione fiel.

„Sie haben keine Ahnung", kicherte Ron.

„Es hätte einen immensen Aufwand bedeutet, durch diese Barriere zu brechen", fuhr Dumbledore fort. „Ich bin neugierig. Haben Sie das mit Absicht gemacht oder kam das instinktiv?"

„Beides", antwortete Hermione. „Ich wusste, Sie waren in meinem Kopf, obwohl ich Sie nicht richtig spüren konnte. Und ich wollte nicht, dass Sie bestimmte Dinge sahen, also habe ich einfach... na ja, ich weiß nicht wirklich, wie ich das erklären soll. Ich habe sie einfach zur Seite geschoben und weggeblockt. Ich dachte, wenn ich sie nicht sehen konnte, würden Sie das auch nicht können."

„Haben Sie das vorher schon einmal gemacht?"

„Sicher, ich mache das immer mit..." Sie unterbrach sich mitten in ihrem Satz und erstarrte. „Ähm... das heißt..."

„Mit wem?", fragte Dumbledore nach.

„Na ja... mit... Professor Snape", gab sie zu.

„Verdammter Hund", hörte Hermione Ron ganz leise fluchen.

„Das ist verständlich", kicherte Dumbledore. „Das muss er ziemlich... ärgerlich finden. Was ich sagen wollte, war, haben Sie das auch heute gemacht, als die Todesser Sie befragt haben?"

„J-ja, ich denke schon", sagte Hermione und dachte zurück. „Ja, da gab es definitiv Sachen, von denen ich nicht wollte, dass sie sie sehen."

„Ist es ihnen gelungen, durch Ihre Barriere zu brechen?"

„Ich... ich weiß es nicht. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob einer von ihnen in meinen Gedanken war und es versucht hat."

„Sie würden es mit Sicherheit sagen können, wenn es so gewesen wäre", versicherte Dumbledore ihr. „Wenn sie versucht hätten, sich durch Ihre Barriere hindurchzuzwängen. Wie ich gesagt habe, Sie sind sehr... entschlossen. Obwohl Sie nicht geübt sind, vermute ich, dass es ihnen eine große mentale Anstrengung gekostet hätte, um etwas zu sehen, das Sie mit Absicht von ihnen abgeschirmt haben. Es wäre... schmerzhaft geworden."

„Nein, dann haben sie es nicht versucht. Doch sie haben ein paar Unverzeihliche benutzt."

„Den Cruciatus-Fluch?", fragte Dumbledore traurig.

„J-ja", sagte Hermione und versuchte sehr, nicht in die mitgenommenen Gesichter der Erwachsenen zu blicken, die um den Tisch herum saßen.

„Hatten Sie zu diesem Zeitpunkt bereits Ihre Gedanken getrennt und abgeteilt?", fragte Dumbledore.

„Ich schätze schon."

„Was spielt das für eine Rolle?", fragte Ron, während sein Gesicht die ganze Farbe verlor. „Verdammte Bastarde!"

„RON!", sagte Hermione und piekste ihm mit ihrem Ellenbogen in die Seite.

„Sie haben nicht versucht, durch irgendwelche Barrieren zu brechen, sondern wollten dir nur weh tun", wetterte Ron.

„Ja", stimmte Dumbledore zu. „Aber der Cruciatus-Fluch ist dazu bestimmt, mehr zu tun als nur Schmerzen zu verursachen. Er ist auch dafür bestimmt, die Seele seines Opfers zu brechen. In extremen Fällen bricht er sogar seinen Geist", erklärte Dumbledore Ron.

So wie es Nevilles Eltern passiert ist, dachte Ron. In seinem Kopf tauchte das Bild von Hermione ein, die mit Lockhart und den Longbottoms in St. Mungos eingesperrt waren. Es war fast mehr, als er ertragen konnte, also zwang er diese Vorstellung schnell wieder zu verschwinden.

„Ihre Gedanken zu teilen ist eine effektive Maßnahme, so einer Tortur zu widerstehen. Wenn jemand sein Herzstück finden und es wegsperren kann, macht es das einfacher, die Erniedrigung des Gequält-werdens zu überstehen. Und das macht es auch möglich, Ihre Angreifer zu trügen. Wenn es gut gemacht wird, glauben sie fälschlicherweise, dass sie Sie gebrochen und Ihren Willen zu kämpfen zerschmettert hätten. Sie denken, Sie wären besiegt, aber in Wahrheit warten Sie einfach Ihre Zeit ab, warten auf die richtige Gelegenheit, Ihr Herzstück wieder zu befreien und ihnen zu widerstehen", erklärte Dumbledore.

„Du hast all das geschafft?", fragte Ron Hermione und starrte sie voll Anerkennung an.

„Nein", antwortete sie und errötete unter seinem prüfenden Blick.

„Aber Sie haben Ihre Gedanken geteilt?", fragte Mad-Eye Moody.

Hermione zuckte aufgrund seiner grimmigen Stimme zusammen. Sie hatte beinahe vergessen, dass die anderen immer noch da waren.

„Lassen Sie es uns sehen", sagte Dumbledore, der seinen Zauberstab vor sich hoch hielt und Hermione anblickte. „Wenn Sie bereit sind, Miss Granger, werde ich die Erinnerung aus Ihnen herausziehen."

„Warten Sie", rief Hermione, nahm einen Schritt zurück und kollidierte mit Ron, der hinter ihr gestanden war. „Wie viel genau werden Sie davon nehmen?", fragte sie. „Ich... ich... will nicht, dass Sie... ähm... na ja, ich... ich habe früher heute einige Sachen gesagt, auf die ich nicht gerade stolz bin, und die sind... eher privat und ich will nicht, dass jeder", sie merkte, wie ihr Gesicht rot wurde, als sie zu der Gruppe von Erwachsenen hinüberblickte, die um den Tisch herum saß, „sie hören kann."

„Beziehen Sie sich da auf heute Nachmittag und Ihren Streit mit Mr. Weasley?", fragte Dumbledore.

„J-ja", gab Hermione zu und sah auf ihre Füße hinab. Die ganze Unterhaltung war ihr sichtlich peinlich.

„Wir brauche nicht so weit zurückzugehen", versicherte Dumbledore ihr. „Wir werden einfach danach beginnen, in Ordnung? Denken Sie an den Moment, an dem Sie den Portschlüssel berührt haben", sagte Dumbledore. „Der Moment, an dem Sie ihn berührt haben und an alles, was gleich darauf geschehen ist. Stellen Sie diese Erinnerung in den Vordergrund Ihrer Gedanken. Sehen Sie. Hören Sie. Fühlen Sie. Konzentrieren Sie sich auf diese Erinnerung", wies Dumbledore sie an. „Können Sie sie in Ihren Gedanken sehen?", fragte er. „Können Sie sie fühlen?"

Als er sie beobachtete, bemerkte Ron, dass Hermione ihre Augen geschlossen und zu zittern begonnen hatte. Er war kurz davor, die Hand nach ihr auszustrecken, als Dumbledore ihn aufhielt, indem er still seinen Kopf schüttelte. Ron sah sie besorgt an, trat aber einen Schritt zurück und wartete.

„Können Sie sie sehen, Miss Granger?", fragte Dumbledore.

„Ja", sagte sie. Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern.

„Wo sind Sie?", fragte Dumbledore, als er sich ihr still näherte und den Zauberstab zu ihrem Kopf führte.

„In... in einer... einer... Zelle", antwortete Hermione. „Eine Zelle... in einem dunklen Raum. In einem Keller oder einem Kerker. Ich bin mir nicht ganz sicher. Der einzige Weg nach draußen ist ein gebrechliches, altes Stiegenhaus. Am oberen Ende befindet sich eine Tür, aber ich kann nicht sehen, was dahinter liegt. Es ist kalt und zugig und es riecht nach Moder... und noch irgendetwas. Ich kann nicht sagen, was es ist."

„Sehr gut", sagte Dumbledore, legte die Spitze seines Zauberstabes gegen Hermiones Schläfe und zog einen hauchdünnen Faden der Erinnerung aus ihren Gedanken. Als der Faden losbrach und in das Denkarium fiel, schwirrte sein Inhalt wild umher und dann begann sich ein Bild zu formen.

Hermione öffnete ihre Augen und sah hinunter in das Becken. Sie fand diese ganze Erfahrung ein wenig beunruhigend. Zuerst erkannte sie den dunklen Raum aus Steinen nicht wieder. Aber dann, als sie genauer hinsah, kam ihr das starke Gefühl eines Déjà-vus. Es war beinahe so, als würden sich die Bilder in ihrem Kopf ein oder zwei Sekunden vorher formieren, bevor sie sie im Denkarium sah. Eine einzelne Fackel, die ein gedämmtes, hüpfendes Licht von sich gab. Sie sah sie in ihren Gedanken einen Augenblick, bevor sie in dem Bild vor ihr lebendig wurde. Der große Käfig in der Mitte des Raumes. Das war auch irgendwie vage vertraut.

Sie wandte ihre Augen von den eisernen Stäben der Zelle ab und sah hoch zu Dumbledore. „Was jetzt?", fragte sie.

„Wir sehen zu", antwortete Dumbledore.

„Alle?", fragte Hermione.

„Wenn es Ihnen lieber ist, werde ich es mir alleine ansehen", sagte Dumbledore, lehnte sich nach vorne und machte sich bereit, mit dem Kopf in das Denkarium einzutauchen.

„Nein, sie sollten es sehen", sagte Hermione und sah die Gruppe Leute an, die um den Tisch herum versammelt waren. „Ron auch", sagte sie und sah hoch in Dumbledores Augen. „Ich will, dass er es sieht. Er muss es sehen."

Mrs. Weasley wollte Einspruch erheben, doch dann stoppte sie sich selbst. Es war vergebens, Ron davon abzuschirmen zu versuchen. Hermione würde es ihm später sowieso erzählen. Besser, er sah es mit eigenen Augen. Mit etwas Glück würde ihm das sogar einige seiner leichtsinnigen Impulse austreiben, die ihn anscheinend schon so oft fast in den Tod geführt hätten.

Dumbledore sah hinüber zu den Weasleys. Als Molly ihre Zustimmung nickte, drehte er sich zurück zum Denkarium und steckte seinen Kopf hinein.

„Das geht doch nie, dass wir alle unsere Köpfe in dieses Ding da reinstecken", sagte Ron, als er die anderen beobachtete, wie sie sich von ihren Plätzen erhoben und zum Denkarium herüber gingen.

„Alles, was du tun musst, ist ihn zu berühren, während er hineinschaut", flüsterte Hermione mit verdrehten Augen. „Ehrlich, Ron, hast du Harry nicht zugehört, als er erklärte, wie es funktioniert?"

„Natürlich hab ich zugehört. Aber das hat er nie gesagt."

„Doch, hat er."

„Nein, hat er nicht."

„Doch, hat er schon", bestand sie. „Er hat uns gesagt, dass Professor Dumbledore und Snape beide die Erinnerung mit angesehen hatten, indem sie seinen Arm berührt hatten."

„Nein, sie zogen ihn raus, indem sie seinen Arm berührten", stritt Ron weiter.

„Aber sie haben die Erinnerung betreten, bevor sie ihn raus zogen, oder?"

„Ihr zwei seid schlimmer als Mum und Dad", kicherte Bill, als er die Hand ausstreckte, um Dumbledore zu berühren. „Ihr müsst den armen Harry in den Wahnsinn treiben."

„Tun wir nicht", protestierte Ron.

„Eigentlich hat er schon mal gesagt, dass..."

„Hermione! Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür!", unterbrach Ron.

„Okay, du hast Recht", gab sie zu. „Komm schon, die anderen sehen sich bereits die Erinnerung an. Berühr ihn einfach", sagte sie, als sie die Hand in Richtung Dumbledores Schulter ausstreckte.