Fortsetzung von „Ein Jahr in der Schweiz" – folgt dem Leben von Sirius, Remus, ihren Familien und Freunden. Wie sieht das ‚zauberhafte' Leben in Friedenszeiten aus? Lest und seht es selbst in der...

Familienchronik

Kapitel 1 – Hochzeitsglocken

Samstag, 25.7.1998 / Harry

Also, das war's dann, Leute, unsere Schulzeit ist offiziell vorüber, die NEWTS sind durch! Wir haben's überstanden und geschafft. Die Resultate sind bereits da und wir haben alle gut abgeschnitten. Draco hat Hermione schon ein paar Tage vor deren Eintreffen eine Eule geschickt und ihr zu ihrer Leistung als Jahresbeste gratuliert. Sie hat den Brief zwar böse angeguckt, aber alle anderen fanden es total komisch. Und natürlich haben die Resultate Dracos Behauptung bestätigt. Hermione und ich sind bereits auf der Akademie eingeschrieben. Wir werden am 1. September anfangen zu studieren. Und bis dahin werden wir nichts tun!

Hab ich gesagt, dass wir nichts tun werden? Wir haben eine Hochzeit vor und das gibt doch eine Menge zu planen und zu organisieren. Wie kann ich da nur denken, dass wir nichts zu tun haben werden? Die Vorbereitungen gehen uns schon beiden langsam an die Nieren und wir schnappen uns gegenseitig ab und zu mal an, was uns zu schaffen macht. Doch nicht nur meine, sondern auch ihre Eltern, Sirius und Remus beruhigen uns, dass das völlig normal sei. Sirius behauptet, wir seien geradezu ein Muster an Ruhe und Besonnenheit, wenn er da an James und Lily zurückdenke... Dad hat ihn gehörig verhext!

Die wichtigsten Dinge stehen allerdings schon eine Weile lang fest. Wir haben den Austragungsort, Hogwarts. Wir haben die Person, welche die Hochzeit leiten wird, oder, weil wir uns für keinen von beiden entscheiden konnten, die Personen: Sirius und Remus. Wir haben unsere Brautführer, Ron und Ginny. Wir haben die Antworten auf unsere Einladungen und damit die Gästeliste, die nicht übermässig lang ist, aber alle Eingeladenen werden auch dabei sein. Wir wollen die Aussenwelt auch draussen behalten, daher wird ein Fideliuszauber über die ganze Hochzeitsgesellschaft gesprochen werden, mit Professor McGonagall als Geheimniswahrerin.

Wir apparieren nach Hogsmeade und treffen uns in Hogwarts mit Professor McGonagall, um über alles zu sprechen, was noch zu tun bleibt. Der Innenhof hinter der Grossen Halle wird der Schauplatz unserer Hochzeit sein. Er ist gross genug, um die ganze Gesellschaft zu fassen. Hermione und McGonagall diskutieren alle Dekorationen, ein Thema, bei denen ich den Damen gerne die Entscheidungen überlasse, denn mit denen kann ich mich auf etwas Geschmackvolles verlassen.

Da wir grade von den Damen sprechen: sämtliche weibliche Angehörigen unserer Familie scheinen in einer Art Hochzeitsfieber zu erglühen: Mum, Hermione, Ginny, Molly, selbst Professor McGonagall! Sie quasseln über tausend kleine Details, von denen ich keine Ahnung habe, was sie bedeuten. Zuerst versuchten sie, mich einzuschliessen, aber ich habe schon ziemlich bald abgewinkt und ihnen erklärt, dass ich einfach bei allem mitspiele, es wird schon recht sein. Alle Männer, die sich da grade noch in der Nähe befanden, haben gekichert, vor allem die, welche schon verheiratet sind, Arthur und Dad. Muss sich hier um etwas handeln, was wirklich nur Frauen verstehen. Frage mich allerdings, woher McGonagall so viel darüber weiss, ich dachte, die war gar nie verheiratet?

Aber wir sprechen auch rundherum mit vielen erwachsenen Zauberern und Hexen über die Hochzeitsriten in der magischen Welt, da weder Hermione noch ich je ein solches Fest besucht und daher keine Ahnung haben, wie das so zu und hergeht. Wir sammeln also Ideen über die Traditionen und suchen uns dann das aus, was uns für uns als passend erscheint. Noch mehr Entscheidungen, die zu fällen sind. Wie es scheint, ist eine magische Hochzeit kein religiöses Ereignis, alles dreht sich um die Beziehung zwischen dem sich vermählenden Paar. Die Riten vereinen das Paar mit einem magischen Band. Es gibt etwa zwanzig spezielle Zauber, um dieses Band herzustellen. Wir müssen die aussuchen, die bei unserer Hochzeit über uns gesprochen werden sollen. Wir setzen uns also mit Mum, Dad, Sirius und Remus zusammen und fragen sie um Rat.

„Also, welche sollen wir auswählen?" fragt Hermione.

„Nehmt auf alle Fälle Abstand von allen denen, die euch gegenseitig Schmerzen zufügen, solltet ihr mal auseinander gehen wollen," sagt Remus sofort.

Das macht Sinn. Sechs davon fallen also schon mal weg. Die übrigbleibenden sind ziemlich unterschiedlich. Einige sind mehr auf Treue ausgerichtet, während andere die Gesundheit stärken und wieder andere die Fruchtbarkeit fördern sollen. Sirius erklärt uns, dass die meisten drei bis vier dieser Zauber auswählen und eine gute Mischung herstellen.

„Wahrscheinlich ist euch auch schon aufgefallen, dass es kaum Scheidungen in unserer magischen Welt gibt. Vieles davon ist auf die Treuezauber zurückzuführen. Die meisten dieser Zauber, abgesehen von denen, die ihr eben gestrichen habt, führen zu einer erhöhten Wahrnehmung der Bedürfnisse des Partners. Und zwar beider Partner, nicht nur, dass die Frauen mehr Rücksicht auf die Männer nehmen, sondern auch umgekehrt. Männer lernen damit, besser auf das zu hören, was ihre Frauen brauchen. Der Zeremonienmeister wird diese Zauber mit Hilfe von einem Team aus vier Leuten über euch sprechen. Ihr müsst die Zauber auswählen, aber wenn ihr wollt, könnt ihr uns überlassen, mit wem wir die Zauber sprechen. Üblich ist, dass sich die Brautführer beteiligen, und meistens ein Elternteil von jeder Seite. Weil in eurem Fall nur James und Lily die Zauber sprechen könnten, könnten sie beide dabei sein, oder Hermione könnte jemanden auswählen, der ihr besonders nahe steht."

„Tut, was euch am sympathischsten vorkommt, solange ihr die Finger von diesen sechs Zaubersprüchen lasst. Die wurden so ziemlich auf alle reinblütigen Bräute der letzten tausend Jahre geworfen, damit sie auch ja bei der Stange blieben. Sie hätten unter dem Einfluss dieser permanenten Zauber nie auch nur einen anderen Mann angeschaut," gibt Lily zu bedenken.

„Lily hat recht. Diese Loyalitätszauber sind gefährlich. Wenn die Männer noch einigermassen nett waren, haben sie die Zauber entfernt, sobald sie die zumindest verlangten Erben hatten. Da meine Mutter zwei Erben geliefert hatte, durfte sie sich ihre Bettgefährten suchen. Immer mit der nötigen Diskretion natürlich, aber ich habe keine Ahnung, ob sie je einen geangelt hat, sie war nämlich abgrundhässlich," erzählt Sirius.

Entscheidungen! Entscheidungen! Es scheint nicht aufzuhören damit. Wir scheinen noch jede Nacht im Bett über Angelegenheiten zu sprechen, welche die verflixte Hochzeit betreffen. Die Küche ist dabei noch das kleinste Problem. Wir haben uns mit den Hogwarts Hauselfen unterhalten und die wären wirklich beleidigt, wenn sie nicht für uns das Essen zubereiten dürften. Alles, was wir tun müssen ist, ihnen eine Liste unserer bevorzugten Gerichte zu geben. Hermione hat sich natürlich Sorgen gemacht, dass wir die Ruhezeit für die Hauselfen stören, aber nicht nur einer von ihnen teilt ihr mit, dass sie aufhören soll, sich um so was zu sorgen, und dass wir uns einfach am guten Essen erfreuen sollen. Ausserdem wären sie alle höchst geehrt, für Mr. und Mrs Potter das Hochzeitsessen kochen zu dürfen und überhaupt würden sämtliche bediensteten Geister der magischen Welt sich danach die Finger schlecken. Also verspricht Hermione allen Hauselfen eine Prämie von zehn Galleonen und droht ihnen, jemand von aussen zu engagieren, sollten sie diese Prämie nicht annehmen.

Trotz dieser Vorbereitungen haben wir wundervolle Ferien. Draco hat die Zwillinge und Blaise zu einem mehrwöchigen Ferienaufenthalt in Frankreich eingeladen. Sie werden rechtzeitig zur Hochzeit wieder da sein. Wir bleiben zu Hause, apparieren aber ab und zu an eine Küste, um zwischendurch mal im Mittelmeer zu baden.

Als der 1. August schliesslich näherrückt, werden wir beide ein bisschen launisch und nur die letzte Anprobe von Hermiones Festrobe, der ich natürlich nicht beiwohnen darf, beruhigt meine zukünftige Frau.

Und inmitten all dieser Aufregungen sind meine Eltern, Sirius und Remus, die sich um ihre Kleinen zu kümmern haben. Ich liebe meinen kleinen Bruder, genauso wie ich Lizzie liebe. Andy ist echt cool, meistens ganz ruhig und hat schon nach wenigen Wochen gelächelt. Seraina und Denny sind so unglaublich süss, dass sogar ich fast in Sirup zergehe. Denny scheint mir der etwas quirligere der beiden zu sein, aber das wundert keinen, denn schliesslich ist er ja seines Vaters Sohn. Wir haben so entschieden, dass Ginny und ich Serainas Paten werden und Hermione und Dad sind Paten für Denny. Ich liebe aber beide dieser kleinen Knöpfe, sie sind so niedlich und knuddlig und ich glaube nicht, dass mir etwas schöneres in den Sinn kommt, als ein Baby auf dem Arm zu haben, abgesehen vom Zusammensein mit meiner Liebsten. Seraina ist so winzig, aber sie wächst genau so kräftig wie ihre Brüder. Ich werde diese Kleinen aber so was von verwöhnen! Sollen Sirius und Remus das durch ihre Erziehung wieder wettmachen, ich werde mir die Freiheit nehmen, sie zu verwöhnen. Als ich ihnen das sage, grinsen sie nur, und Sirius warnt mich:

„Dafür haben Kinder Paten und Grosseltern, Harry, weisst du! Wir wissen, dass wir die unangenehmen Burschen sein werden, die dauernd das Wörtchen ‚Nein' im Mund haben werden. Ihr dürft auf ihrer Seite bleiben. Aber lass mich dich warnen, denn wenn ihr mal welche habt, dann ist dieses Recht unseres!"

Er ist so erwachsen geworden. Wir hüten die Kleinen öfter mal, damit die vier Eltern ein paar Stunden Schlaf extra bekommen oder ausgehen können. Sie haben in den vergangenen Jahren nie Zeit für sich geniessen können, ausser diesem einen Wochenende in Montreux für Sirius und Remus und ihren Ferien in Frankreich letztes Jahr. Immer waren sie für uns da, ich meine, dass wir ihnen jetzt auch mal etwas Ausgang gewähren können. Sie sind dankbar dafür. Unsere Lektionen in Babypflege haben wir bei Lizzie schon erhalten.

Lizzie manövriert sich jetzt in alles hinein. Sie ist ein sorgloses kleines Mädchen, das aussieht wie Dad mit Mums grünen Augen und wenn ich sie ansehe ist mir, als ob ich in einen Spiegel sähe, ohne die Narbe natürlich. Sie ist grade zwei geworden und ich habe Mum über die „schrecklichen Zwei" stöhnen hören. Ich glaube nicht, dass sie Sirius' und Remus' beide Kinder damit gemeint hat, aber nachdem uns Lizzie ein paar ziemlich üble Trotzanfälle beschert hat, wird mir klar, was sie meint. Zweijährige scheinen eine besonders üble Zeit zu erleben und versuchen, sich über die Grenzen hinweg zu bewegen.

Um eine klare Abgrenzung zu machen, sprechen wir im Allgemeinen nicht von den Drillingen als Drillinge. Meistens benutzen wir die Formel Andy und die Zwillinge. Die Kinder müssen ja die verschiedenen Erwachsenen in ihrem Leben von Anfang an in deren richtigen Stellung kennen lernen. Wie gesagt, ich liebe meinen kleinen Bruder. Lizzie war schon ein eher gutmütiges Baby, Andy ist ein richtiges Faultier. Er schläft fürs Leben gern, wann immer er kann und wenn er gähnt, möchte man meinen, dass er die ganze Welt verschlucken will. Mum lässt mich mit ihm kuscheln, wann immer ich Lust dazu habe.

Die Zwillinge sind auch niedlich. Beide lieben es, gebadet zu werden. Seraina liebt es, wenn man ihr was vorsingt. Jetzt, Ende Juli, schaut sie mich schon richtig an und lächelt, wenn ich für sie summe, und ihr ist es egal, wenn ich nicht alle Töne richtig treffe. Sie schaut mir gerade in die Augen und lächelt. Es ist ein tolles Gefühl, zu merken, dass sie mich jetzt erkennt. Wenn man sie hinlegt, kann sie sich schon vom Rücken auf die Seite und auf ihren Bauch rollen. Sie schaut auf und grabscht nach Dingen. Siri meint, das käme, weil sich ihre Augen erst jetzt stabilisieren. Man merkt, dass sie täglich ein bisschen besser sieht. Serainas Augen sind samtbraun, fast so wie Hermiones. Sie hat ganz helle braune Haare. Was mich am meisten rührt, sind ihre winzigen Händchen und Füsschen. Als ich mitbekam, dass die einen Zauber angewandt haben, damit die Kinder wie ihre Väter aussehen, wollte ich es zunächst nicht glauben, dass das überhaupt möglich ist, aber nun ich sie so anschaue, merke ich, dass es genauso gekommen ist. Ich finde es unwahrscheinlich. Besonders bei Seraina, die wirklich niedlich wie ihr Papa aussieht.

An einem Nachmittag sitzen wir draussen und ich gebe Seraina ihr Fläschchen, als Hermione herbeikommt und sich neben mich setzt. Ich schaue zu ihr hinüber und bemerke:

„Das erwartet uns auch bald mal, Liebste."

„Bin aber froh für diese kleinen Kerlchen, Harry, die helfen uns, noch etwas Geduld zu haben, bis wir unser Studium hinter uns haben..."

„Wäre es nicht sehr spassig, wenn unsere gleichzeitig nach Hogwarts gingen wie die beiden hier? Stell dir McGonagall vor, wenn sie wieder einen Black, Potter und Lupin, und dann noch einen Potter, zur gleichen Zeit in der Schule hätte?"

Sie lacht.

„Das stimmt. Aber wer weiss, ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass Remus und Sirius in ein paar Jahren noch eine zweite Auflage basteln... dann wird's immer noch spassig sein."

Ich muss auch lachen, aber... oh, Hermione, du hast ja keine Ahnung, wie sehr ich mich nach einem eigenen Kind sehne. Wenn das Gefühl, mein Patenkind auf dem Arm zu haben schon so gut ist, wie gut wird es dann erst sein, wenn wir unser eigenes Baby haben? Jedes Mal, wenn ich meine Eltern, Siri oder Remy sehe, wenn sie eines ihrer Kinder auf den Arm nehmen, entdecke ich so viel Liebe in ihrem Blick, so viel Zärtlichkeit, dass ich fast weinen möchte. Ich weiss, es ist Gefühlsduselei, aber ich schäme mich überhaupt nicht dafür, so fühle ich eben.

Zurück zur Hochzeit. Die Pläne stehen und die Vorbereitungen sind so gut wie beendet. Ron und Ginny tun sehr geheimnisvoll. Bestimmt wälzen sie ein paar gefährliche Ideen. Wahrscheinlich sind es Ideen, die Hermione und mich böse in Verlegenheit bringen werden, aber was soll's, es wird bestimmt Spass machen. Ich habe Momente, in denen ich diese Hochzeit fast verfluche, aber die Momente, in denen ich sie kaum erwarten kann, überwiegen eindeutig, also werde ich nicht verzweifeln. Ich glaube, dabei zählt nicht einmal so sehr, dass der Knoten geknüpft wird. Selbst mit diesen Zaubern wird kein Band geknüpft werden können, das nicht schon da ist. Ich bin sicher, dass sie aber die vorhandene Beziehung verfestigen können. Ich freue mich auf die ganze Sache und werde einfach alles in mich hineinziehen.


Freitag, 31.7.1998 / Harry

Endlich ein ruhiger Geburtstag, keine Party, nur friedliches Zusammensitzen und tratschen und Spass haben. Die Zwillinge, Draco und Blaise sind wieder zurück und erzählen von ihren Ferien. Wir leeren einige Flaschen Rotwein und verspeisen leckere Dinge von einer Käse- und Fleischplatte. Hermione war in der Bäckerei in Lützelflüh und hat eine ganze Menge Stangenbrote mit zurückgebracht. Das knusprige Brot, mit etwas Olivenöl und gepresstem Knoblauch, der Käse, der Wein und die gute Gesellschaft sorgen für die richtige Einstimmung auf das Fest morgen. Ich kann locker sagen, dass das der schönste Geburtstag ist, den ich bisher erlebt habe. Ich habe den anderen mitgeteilt, dass ich keine Geschenke will, das Geschenk ihrer Freundschaft und ihrer Gesellschaft reicht mir vollauf. Neben der Sunneggbande sind auch die Weasley-Zwillinge, Angelina, Alicia, Katie, Oliver Wood, Seamus, Dean und Lavender da.

Ich schaue mich am Tisch um. Mandy ist wieder zuhause! Sie hat ihr Elternhaus für immer hinter sich gelassen. Sie ist wieder in ihr Zimmer eingezogen und wird von hier aus zur Arbeit, die sie am 3. August antreten wird, apparieren. Sie hat sich an Amos Diggory gewandt, und der hat ihr prompt das Werwolf-Registrierungs- und Unterstützungsamt gegeben. Blaise und Padma werden beide mit uns an die Akademie gehen, Blaise will Zauberkunst, Padma Transfiguration weiterstudieren. Parvati geht nach St. Mungos und wird eine Ausbildung als Heilerin machen! Draco brütet mit Fred und George an Plänen herum. Eigenartig, dass Draco sich ausgerechnet mit den beiden zusammentut, aber seit wir damals zusammen im Aquamare gewesen sind, haben sie Ideen gewälzt. Jetzt will Draco nicht nur finanziell, sondern auch mit seiner Arbeitskraft an der Verwirklichung dieser Pläne mitmachen, obwohl er eigentlich sein Leben lang nie was zu arbeiten braucht. Ich finde, das ist das deutlichste Zeichen für seine Kursänderung, dass er überhaupt nicht mehr blasiert ist, sondern frei und ungekünstelt lachen und Spass haben kann. Morag hat sich hier auch wieder eingefunden. Ihre Eltern verstehen, dass sie gern unter uns bleiben will, ihnen passt die Unterkunft und sie brauchen sich um ihre Tochter hier nicht zu sorgen, sie können ja auch jederzeit zu Besuch kommen. Morag wird per Fernkurs die Matura machen, so heisst hier der Schulabschluss zur Hochschulreife der Muggel. Sie will vielleicht danach Lehrerin in der Primarschule in Hogsmeade werden. Sie hat damit schon angefangen und findet es interessant. Ernie und Ginny kommen beide mit an die Akademie. Beide studieren zusammen mit Blaise Zauberkunst. Justin und Ron haben sich erfolgreich für die Ausbildung zum Auroren beworben. Sie werden weiterhin hier wohnen, aber nur an den Wochenenden da sein. Neville schliesslich hat eine Stelle als Herbologe gefunden, in einer magischen Gärtnerei in Hogsmeade. Auch er wird von hier aus apparieren.

Nebst dem Spass herrschen heute also viele Unterhaltungen zu unseren Zukunftsplänen vor. Wir haben alle Pläne, und Remus ermuntert uns konstant, uns neue Ziele zu setzen. Er behauptet, dass die Welt nicht untergeht, wenn wir unterwegs die Richtung ändern sollten, je nachdem, wie die Situationen oder Umstände uns dazu zwingen oder fordern, aber dass wir immer voraus schauen und immer wieder neue Pläne formen sollen. Auch Hermione und ich werden viel zu lernen haben in den nächsten drei Jahren. Wahrscheinlich wird es ein grosser Haufen schwer verständliches Zeug sein, aber ich freue mich eigentlich darauf, mich in diese Texte zu stürzen. Vielleicht schaffen Hermione und ich es ja, mit diesem Wissen einige der verqueren Dinge in dieser magischen Welt zu verändern.

Morgen werden wir beiden nach Hogsmeade apparieren und entweder auf unseren Besen nach Hogwarts fliegen oder zu Fuss gehen. Sirius' und Remus' neue Wohnung ist jetzt fertig eingerichtet, ich werde mich in ihrem Schlafzimmer umziehen, für Hermione wird das Gästezimmer zur Verfügung stehen. Während Sirius und Remus mit der Zeremonie beschäftigt sind, wird Winky auf die Kleinen aufpassen. Wir sind beide schrecklich nervös. Aber wir haben alles gut durchgesprochen. Ich will keine vorherige Übung, denn das ist etwas, was ich ganz direkt erleben will, nicht bis zur letzten Sekunde durchgeplant. Wen kümmert es, wenn die Hochzeitsgesellschaft nicht auf die Minute pünktlich um eins bereitsteht oder der Kuchen zehn Minuten zu spät serviert wird? Niemanden, uns beide schon gar nicht. Hermione und ich wollen einen Tag, der uns beiden wichtig ist, keine perfekt organisierte steife Angelegenheit. Wir wollen von unserer Familie und unseren Freunden in unser neues Leben als verheiratetes Paar begleitet werden, sie sollen uns den Start geben, den wir uns wünschen: aufgebaut auf Liebe, Freundschaft, Spass und Glücklichsein.

Im Laufe des Abends klinke ich mich immer mal wieder aus den Gesprächen aus, um einfach nur zu beobachten. Ich wende mich zu Hermione:

„Willst du morgen lieber zum Schloss hinauf gehen oder nehmen wir die Besen?"

„Wir könnten sie mitnehmen, aber das Wetter soll gut sein, also warum nicht laufen?" fragt sie zurück.

„Zu Fuss dann. Aber für nachher könnten wir die Besen doch mitnehmen, dann kommen wir schneller weg."

Wir haben im Sinn, gleich nach dem Fest hier wieder vorbei zu kommen, um unser Gepäck für unsere Flitterwochen abzuholen. Wir werden dann in Etappen bis zu den Fidschi-Inseln apparieren, wo wir in einem kleinen magischen Urlaubsort ein Apartment gemietet haben und drei Wochen verbringen werden. Drei Wochen faulenzen am Meer!

Aber soweit sind wir noch nicht und ich muss mich streng daran erinnern. Kurz vor Mitternacht bin ich reif für die Falle.

„Ich gehe schlafen. Kommst du auch, Schatz?"

„Ja, scheint mir eine gute Idee zu sein."

Wir nehmen uns bei der Hand, wünschen den anderen eine gute Nacht und gehen hinauf. Wir haben einen Moment daran gedacht, diese letzte Nacht getrennt zu verbringen, aber ich habe diese Idee gleich wieder verworfen, denn ich habe nicht die geringste Lust, mich in der Nacht vor meiner Hochzeit mit Schlafmitteln voll zu pumpen. Aus diesem Grund habe ich auch zugunsten dieses Geburtstagszusammenseins auf einen Polterabend verzichtet, denn nichts bringt mich dazu, mich vor der Hochzeit vollaufen zu lassen. Also ist diese Nacht heute nicht anders als alle anderen. Wir haben keine Mühe, einzuschlafen, was mich wundert. Unsere Hochzeitsroben sind bereits in Hogwarts, Remus und Sirius sind auch schon da und werden auf uns warten, wenn wir ankommen. Die anderen apparieren kurz vor dem Beginn des Festes und werden wohl mit den Besen kommen.

Es wird eine komplett magische Hochzeit. Helen und George, Housi und Barb werden die einzigen Muggel sein, die dabei sind. Und sie haben uns gebeten, sie in Roben einzukleiden, damit sie sich nicht von den anderen Gästen abheben. Deshalb sind Barb und Housi auch schon vor ein paar Tagen nach England gereist, wo Sirius und Remus sie abgeholt haben und mit ihnen in Hogsmeade bei Gladrags Zaubererkonfektion einkaufen gegangen sind. Mit diesen Gedanken schlafe ich ein.

James

Was für ein Gefühl! Mein ältester Sohn wird heute achtzehn und morgen heiraten. Heute feiern wir, was eigentlich sein Polterabend hätte sein sollen, aber einen solchen hat er nicht gewollt. Daher geniessen wir eine ruhige Geburtstagsfeier mit allen seinen Freunden. Da es heute schönstes Wetter ist, haben wir die Tafel draussen auf der langen Terrasse gedeckt, wo diese Zahl an Besuchern auch Platz hat.

Seit die Sunnegg aus dem Status geschütztes Haus entlassen worden ist, haben sich immer mehr von Harrys Schulfreunden aus Hogwarts hier vorgestellt und eingefunden. Zuvorderst sind da Rons ältere Zwillingsbrüder Fred und George zu nennen, die sehr stolz darauf sind, nun drei Rumtreiber zu ihren Freunden zählen zu dürfen. Mich freut es, diese beiden hoch begabten Jungen zu sehen, die sich bereits ein Geschäft aufgebaut haben und damit ihr Leben meistern. Dabei war ihre Mutter so in Sorge, dass die beiden irgendwo im Strassengraben enden würden, wenn sie keine Stelle im Ministerium antreten. Ich wusste von Anfang an, dass das blanker Unsinn war. Fred und George sind beide ausgezeichnete Erfinder und zu sehr Freigeister, um sich in einem Bürojob zu verheizen. Sie sind sehr gut in dem, was sie machen und nach zwei Jahren müsste das auch Molly so langsam einsehen.

Rons ältester Bruder Bill. Was für ein wunderbarer junger Mann er geworden ist. Er hat sich in seinen ersten drei Schuljahren ziemlich uns Rumtreibern angeschlossen. Als wir ihn in Hogwarts zurückliessen, war er auf dem besten Weg, ein brillanter Schüler und Nachfolger der Rumtreiber, aber auch ein sehr guter Schulsprecher zu werden. Heute ist er mit Sicherheit der coolste der jungen Männer im Kreis um Harry.

Charlie Weasley ist mit Tonks zusammen gekommen. Hey, da fällt mir auf, dass die näher zusammensitzen, als Freunde das tun. Könnte es sein, dass da was zwischen den beiden läuft oder sich anbahnt? Ich stupse Lily an und flüstere ihr zu:

„Schau mal Tonks und Charlie an, glaubst du, da läuft was?"

Sie wirft einen diskreten Blick und antwortet:

„Wenn was läuft, dann sollte sie sich vor seinen Drachen in Acht nehmen... wäre aber gut für Tonks, nicht wahr?"

„Sehr gut! Sie braucht endlich mal eine anständige Liebesaffäre, jetzt ist sie was? 27? Jedenfalls zu alt, um schon zur Jungfer zu werden."

„Als Metamorphmagus hat sie's nicht grade leicht, könnte ich mir vorstellen. Stell dir vor, nicht mal ihr Mann würde ihr richtiges, ureigenstes Gesicht kennen..."

„Ja, das verlangt wohl etwas mehr Vertrauen vom Partner."

Angelina Johnson, Katie Bell, Alicia Spinnet, Oliver Wood und Lee Jordan kennt Harry vom Quidditch-Team. Lee hat zwar nicht selber gespielt, aber er hat alle als Kommentator der Spiele in Hogwarts unterhalten und damit McGonagall fast nach St. Mungo gesandt. Jetzt erzählen sie grade einige Anekdoten von ihren Spielen, bei denen Draco ein säuerliches Gesicht macht, aber er scheint auch des Öfteren keine so gute Figur gemacht zu haben. Immerhin tätscheln sie ihm jetzt tröstend die Schulter.

Oliver Wood kommt und holt mich nach meiner Zeit als Captain des Gryffindor Quidditch-Teams aus. Er ist jetzt erster Reserve-Hüter für Puddlemere United und spielt in etwa der Hälfte aller Spiele. Wir unterhalten uns eine Weile, dabei fragt er nach meiner Karriere.

„Nichts, worauf ich zurückblicken könnte, Oliver. Ich nehme an, dass ich mit etwas Training wieder versuchen könnte, bei einem Team zu landen, aber ich bin mit nicht sicher, ob ich da auch ankommen könnte," sage ich unsicher.

„Versuch's doch! Du bist jetzt was? 23? Ich kann dir verschiedene Daten für Auswahltrainings einiger Teams angeben. Die von Puddlemere sind am nächsten Freitag. Die von Pride of Portree sind in der vierten Augustwoche, ebenso die von den Montrose Magpies. Alles, was du tun musst, ist denen eine Eule schicken, dass du teilnehmen möchtest. Die Teams senden zwar des öfteren Scouts nach Hogwarts, nehmen aber zu den Auswahltrainings auch andere an, die es versuchen wollen."

Warum eigentlich nicht? Ich vermisse Quidditch. Nur mit den Schülern ein bisschen zu spielen hat kaum gereicht. Ich werfe einen Blick auf Lily. Ich glaube nicht, dass sie sich darüber lange aufhalten würde. Und es ist ja noch lange nicht gesagt, dass ich dann angenommen werde, und wenn aufgenommen, dann habe ich noch lange keinen Startplatz auf sicher. Auf der anderen Seite hat Oliver natürlich recht, ich stecke im Körper eines 24-jährigen, also bin ich auf der ersten Höhe meiner physischen Kraft. Ich hätte gute fünfzehn bis zwanzig Jahre, mich meinem liebsten Hobby berufsmässig zu widmen. Und würde dafür noch bezahlt. Jäger halten sich normalerweise ziemlich lange.

„Ich überleg's mir."

Angelina und Alicia sind beide bereits ins Profilager gewechselt, seit sie Hogwarts verlassen haben. Angelina hat bereits einen Startplatz als Jägerin, Alicia ist noch auf der Reservebank, aber dafür haben sie sich Jobs bei den Holyhead Harpies geangelt. Das ist Sirius' liebstes Team.

Und grade jetzt steht Harry auf und fragt in die Runde:

„Wie wär's mit einem kleinen Spielchen? Wir sind mehr als genug Leute, um zwei volle Teams zu bilden..."

Die meisten Gesichter leuchten auf. Wir stellen zwei Teams auf. In einem kommen Angelina und Ginny als Jägerinnen zu mir, dazu Fred und Justin als Treiber, Harry als Sucher und Ron als Hüter. Das andere Team besteht aus Oliver als Hüter, Bill, Angelina und Padma als Jäger, Charlie als Sucher und George und Ernie als Treiber. Wir gehen hinüber auf das Feld und stellen die Torstangen auf. Das Feld haben Sirius, Remus und ich bereits vor gut zwei Jahren für die Kids verzaubert.

Hermione macht die Schiedsrichterin. Die anderen sind die Zuschauer, wobei sie sich Sitze in die Bäume der Umgebung zaubern. Als der Quaffel frei ist, fliegt Ginny los und holt sich ihn als erste. Sie passt ihn sofort zu Angelina und diese wiederum zu mir. Alle Jäger haben noch nie zusammen gespielt, also müssen wir erst eine Weile einander fühlen, um schliesslich die ersten Standardspielzüge ausprobieren zu können. Schon bald sind alle tief ins Spiel versunken. Ich fühle mich glücklich, denn es ist immer zu lange her, seit ich zum letzten Mal Quidditch gespielt habe. Mehr als zwei Stunden spielen wir schon, als Harry den Snitch erwischt. Wir gewinnen das Spiel mit 120 Punkten Vorsprung. Auf dem Weg zurück zum Tisch unterhalten wir uns kreuz und quer durch die Teams über die Spielzüge und Aktionen.

Hauptsache, es hat Spass gemacht.


Samstag, 1.8.1998 / Hermione

Mum und Dad haben einen Portschlüssel nach Hogwarts. Remus und Sirius haben sich schon um Housi und Barb gekümmert. Harry und ich gehen nach dem Aufstehen zusammen unter die Dusche. Wir sind beide total aufgeregt und auch ziemlich nervös. Aber laut Mum ist das normal und nötig. Mum sagte mir gestern am Commumirror auch, dass sie sehr gespannt auf diese Hochzeit ist und ich antwortete, dass ich das selber auch bin. Weder Harry noch ich haben ja jemals an so einem magischen Fest teilgenommen. Von all den Traditionen, von denen uns andere Zauberer und Hexen erzählt haben, suchten wir uns die aus, welche für uns am passendsten schienen und am meisten Spass versprachen. Harry will an seiner Hochzeit Spass haben, sagte er, keine choreographierte steife Angelegenheit. Ich muss sagen, dass ich ihm da sehr beipflichte. Eine Hochzeit einzuüben nimmt ihr doch jegliche Überraschungen! Natürlich habe ich als kleines Mädchen auch vom weissen Brautkleid und dem Schleier geträumt, aber davon habe ich mich längstens verabschiedet. Ich freue mich darauf, mich anzuziehen. Ginny und Ron werden beide schon mit uns nach Hogwarts apparieren, dann wird Ginny mir beistehen, während Ron Harrys flatternde Nerven beruhigen soll.

James und Lily haben uns von ihrer eigenen Hochzeit erzählt, wie viel Spass alle trotz der dunklen Zeiten hatten. Dass dieses Fest für sie wie eine Auszeit vom Krieg war. Wie sie aber deswegen nur eine kleine Feier veranstalten konnten, nur sie, ihre engsten Freunde und Familienmitglieder. Wie Remus die vom Polterabend total verkaterten James und Sirius ausnüchtern musste. Und wie nervös sie damals waren. Das hat meinen eigenen Nerven ziemlich gut getan. Motto geteiltes Leid ist halbes Leid.

Wir essen ein kleines Frühstück, dann apparieren wir gemeinsam nach Hogsmeade. Es ist ein wunderschöner Tag, kühl und klar, aber sonnig. Ich war gestern schon hier, um mir die Vorbereitungen anzusehen. Da der Wetterbericht eine unsichere Wetterlage versprach, haben wir im grossen Innenhof vor der Grossen Halle einen Regenabstosszauber vorbereitet, der jetzt zum Glück nicht nötig werden wird. Die Zahl der geladenen Gäste ist nicht sehr hoch. Natürlich werden eine ganze Reihe unserer Freunde aus Gryffindor kommen, das gesamte Quidditch-Team um Harry, der ganze Weasley-Clan, einige Freunde vom Orden des Phönix, einige der Auroren, die wir etwas näher kennen gelernt haben, als sie uns auf der Sunnegg beschützten. Wir erreichen den Eingang zu Hogwarts. Ich nehme Harry bei der Hand. Er schaut mich an und lächelt.

„Wir tun das jetzt wirklich, Liebste," sagt er.

„Ja, Liebster, wir tun's wirklich. Wir werden einen schönen Tag verleben, Harry, inmitten unserer Familie und Freunde. Hättest du dir so etwas ausgemalt, als du damals das erste Mal im Hogwarts-Express gesessen bist?"

„Nie! Ich war noch immer so sehr gefangen in all der Abneigung, welche die Dursleys mir entgegenbrachten, das Einzige, was mir in den Sinn kam, war, dass es da, wo ich hinging besser sein müsste, als da, wo ich herkam. Ist das wirklich erst sieben Jahre her?"

„Mhm..."

„Hättest du so was erwartet?"

„Nein. Aber wir sind jetzt so glücklich!"

„Das sind wir."

„Ich kann's gar nicht erwarten..." sage ich.

Lily

James und ich begleiten die beiden nach Hogwarts. Wir gehen ein Stück hinter ihnen, während wir alle durch das sonnenüberflutete Gelände spazieren. Es fühlt sich wirklich komisch an, einen Sohn zu haben, der alt genug zum Heiraten ist. Aber da vor uns geht er. Und ist sich über diese Ehe so sicher wie er weiss, dass er Harry heisst. Er ist überzeugt davon, dass er das Richtige tut, Hermione ist es auch, uns bleibt nur, ihnen zu wünschen, dass es das Richtige ist.

Ich habe Andy auf dem Arm. James hat Lizzie, die sich wieder rapide einem ihrer Trotzanfälle nähert. Sie will runter, aber dann will sie nicht laufen, schreit nach Daddy, der sie wieder tragen soll, doch Daddy sagt jetzt nein und da ist sie schon. Sie hat noch ihre Spielhöschen an, daher ist es mir eigentlich egal, wenn sie schmutzig wird. Aber damit sie mir das nicht während der Trauung auch noch bringt, wird sie ihren Mittagsschlaf heute etwas gezielter halten. Da sie ihn eh nötig haben wird, werde ich ihn etwas gezwungen in Gang setzen.

Es ist so schwierig, sicher zu wissen, wann man streng bleiben sollte und wann man etwas durchlassen kann. Ständig habe ich das Gefühl, wenn ich etwas durchlasse, dann bekommt sie das falsche Signal und wiederholt alles, was sie nicht soll. Sie versucht jetzt auch ständig, uns herauszufordern und ihre Grenzen zu überschreiten. Wir müssen aufpassen, dass wir das richtige Mass an Strenge und Nachsicht behalten, denn wir wollen ja keinen bleibenden Schaden anrichten. Ich tendiere zu mehr Strenge, James seiner Natur nach zu mehr Nachsicht, denn er lässt sich des öfteren von ihr um den Finger wickeln. Aber auch er lernt.

Hermione

Wir erreichen das Schloss, schauen uns nach James und Lily um und treten durch das grosse, offen stehende Eichenportal ein, als sie aufgeschlossen haben. Sirius wartet in der Grossen Halle auf uns. Neben ihm sitzen die Professoren McGonagall und Flitwick am Lehrertisch. Sie begrüssen uns alle mit einem grossen Hallo. Sirius umarmt uns beide zuerst und sagt:

„Kommt, setzt euch, ihr habt ja noch mindestens eine Stunde, bevor ihr euch umziehen müsst."

„Du hast keine Ahnung!" protestiere ich, „es wird zwei Stunden dauern, bis meine Haare gezähmt sind."

Er lacht nur.

„Du bist doch eine Hexe, um Merlins Willen! Hast du vergessen, dass du zaubern kannst?"

„Ich weiss nicht, aber aus irgend einem komischen Grund vertragen sich meine Haare und die Zauberei ganz schlecht. Ich habe noch jedes Mal sehr eigenartige Unfälle damit angerichtet," verrate ich ihm.

„Wie James!" sagt er lachend. „Der kann auch machen, was er will, da geht gar nichts mit Magie. Und bei Harry geht auch nichts! Eure Kinder tun mir ja jetzt schon leid. Und Lizzie erst! Die hat auch ein hübsches Durcheinander auf ihrem Köpfchen. Ist ein Potter Ding, glaub mir, die geben das auch noch treulich immer schön weiter an ihren Nachwuchs"

James boxt ihn in den Arm. Wir wissen längst, dass es ein ewiges Thema zwischen den beiden ist, dass Sirius sich über James' Haare lustig macht. Aber wir setzen uns doch noch eine Weile hin. Dann zeigt uns Sirius den Weg zu seiner Unterkunft, wo Remus auf die Kinder aufpasst.

„Wir haben eine hübsche Wohnung, mit drei Schlafzimmern, Wohnzimmer, grossem Badezimmer und einer offenen Küche. Sie ist hier auf dem Erdgeschoss, kommt!"

Wir folgen ihm durch einen grossen Wandteppich, der vom Boden bis zur Decke reicht. Dann geht's mit einem Passwort durch eine Mauer und in einen langen Korridor. Schliesslich gibt Sirius dem Porträt einer alten Hexe ein Passwort und die Tür öffnet sich. Wir betreten ein grosses Wohnzimmer mit mehreren Fenstern. Eins ist eine Glastür, die in den Innenhof führt, zwei Fenster sind Erker mit Fensterbänken zum Sitzen. Der Raum ist bereits vollständig möbliert. Wie üblich bei Remus sind natürlich einige Bücherregale im Zimmer. Sirius deutet darauf und sagt:

„Remus hat sich über Dumbledores Kopierzauber gefreut und ihn gründlich angewendet. Viele Bücher haben wir auch oben in unserem Büro."

„Das sieht hier sehr hübsch aus, Sirius!"

„Ja, alle Lehrer haben schöne Unterkünfte. Viele leben ja hier das ganze Jahr über. Also, da drüben ist unser Schlafzimmer, Harry, Ron, rein mit euch! Dies hier ist das Kinderzimmer und hier ist vorläufig noch das Gästezimmer, Hermione, das ist dein Revier und deines, Ginny. Ich werde mich selber anziehen und dafür sorgen, dass Harry an Ort und Stelle steht, ohne dich vorher beäugt zu haben, Hermione. Deine Mum und Dad haben ihren Portschlüssel, der sie direkt hier ins Wohnzimmer abliefert. Sie sollten kurz vor eins ankommen," sagt Remus, nachdem er uns alle begrüsst hat.

„Sehr gut. Ich habe mich schon ein bisschen gesorgt."

„Sie sind völlig in Ordnung, ich habe heute Morgen noch mit deiner Mum gesprochen. Ich gewöhne mich immer mehr an deinen Commumirror, weisst du das?"

„Gut, das ist das, was ich auch erreichen wollte," antworte ich grinsend.

„James, Lily, ihr müsst mit dem Badezimmer vorlieb nehmen, aber es ist ein sehr hübsches Badezimmer..." sagt Sirius bedauernd.

„Das wird reichen," gibt Lily zurück.

Ginny und ich betreten das Gästezimmer, das zur Zeit von Housi und Barb bewohnt wird. Sirius hat einen hübschen Spiegeltisch für mich hineingestellt. Ginny fordert mich auf, mich hinzusetzen und dann macht sie sich mit meinen Haaren an die Arbeit. Sie bürstet sie gründlich aus und flicht es zu einem schlichten Zopf, der über meinen Rücken fällt. Sie flicht dazu einen Strang von blauen Windenblüten hinein, verzaubert, so dass sie nicht verwelken, bevor ich sie wieder aus den Haaren entferne. Sie macht es so geschickt, dass alle Blätter und Blüten obenauf sind. Nachdem meine Haare gemacht sind, ziehe ich mich vorsichtig aus. Meine Festrobe hängt auf einem Bügel, perfekt gebügelt und ich muss sie nur noch über meine spitzenbesetzte Unterwäsche ziehen. Ginny hilft mir dabei, um meine Frisur zu schonen. Die Festrobe ist aus feinster Seide gemacht, sie besteht aus einem bodenlangen blauen Unterkleid in der selben Farbe wie die Winden. Darüber kommt eine gleich lange Tunika im selben blauviolett wie auf den Winden, leicht zwischen diesen Farben wechselnd. Ich trage Ballerinas dazu, die aus der gleichen Seide wie mein Unterkleid gefertigt sind.

Harry und ich haben nur die Farben und die Stoffe gemeinsam ausgesucht, er weiss nicht, was ich eigentlich tragen werde, aber wir wollten natürlich, dass wir zusammen passen. Seine Festrobe wird in dem Violett sein, das in meiner Tunika vorherrscht, nur einen Ton dunkler. Der Schnitt meines Kleides ist ganz einfach. Es ist so gemacht, wie ich mir die Kleider der edlen Damen des Mittelalters vorstelle, weit fliessend, mit Ärmeln, welche bis zum Ellbogen anliegen und dann in einer spitz zulaufenden Schärpe enden. Es ist also lang, weit fliessend und wird über der Tunika mit einem mit Gold bestickten Gürtel zusammengehalten. Der Halsausschnitt ist rund und vorne etwas tiefer ausgeschnitten. Dazu hat Harry mich mit einer wunderschön gearbeiteten schweren Goldkette überrascht, ohne einen einzigen Edelstein, aber so kostbar gearbeitet, dass Edelsteine darin gestört hätten. Da mir auffiel, dass die Kette alt aussah, hat er mir erklärt, dass James sie aus dem Gringotts-Verlies geholt hat, es ist ein Familienerbstück der Potters. Jetzt schmücken mich die Kette und die Blüten im Haar völlig ausreichend. Ginny legt mir rasch noch ein ganz leichtes Make-up auf. Ich wende mich ihr zu.

„Es gefällt mir," sage ich.

„So soll es auch sein, Hermione, das bedeutet, dass du dich magst. Kann es eine bessere Einstellung geben, als diese, um eine Ehe einzugehen? Wenn du dich selber hassen würdest, wie könnte dich dann jemand anderes lieben?"

„Weisst du, ich habe mich lange genug selber verabscheut. Du erinnerst dich – die Biberzähne und dieses fürchterlich buschige Haar. Jetzt sind die Zähne völlig okay und ich habe gemerkt, dass mich die Haare nicht mehr stören. Ich könnte sie ja kurz schneiden, aber Harry gefallen sie, also lasse ich sie genau so bleiben. Harry hat ja keine Augen für überkandidelte Schönheit."

„Das kann man wohl sagen. Er mag's lieber natürlich."

Ginny lächelt. Sie zieht sich jetzt auch noch um, ziemlich hastig, finde ich, aber sie sieht trotzdem sehr hübsch aus. Sie trägt eine nachtblaue Festrobe, die Harry und ich ihr geschenkt haben. Die Robe ist an vielen Stellen mit Gold besetzt und am Kragen, auf der Brust und den Ärmeln mit Gold bestickt. Der Gürtel, der sie in der Taille zusammenhält ist aus Golddraht, auf eine ähnliche Art wie meiner gemacht. Sie trägt ihr kupferfarbenes Haar offen, ausser einigen Strähnen, die sie an ihrem Hinterkopf mit einer wunderschönen goldenen Spange zusammenhält. Ernie hat sie ihr geschenkt. Ein wunderbares Schmuckstück. Bisher hat sie mir erst davon erzählt, ich habe es noch nie zu sehen bekommen.

„Oh, Ginny, diese Spange ist wunderschön! Und sind das Saphire, da oben drauf?"

„Ja, deshalb passt die Spange doch so gut zu dieser Festrobe. Weisst du, du wirst die strahlende Braut sein, aber ich bin die ziemlich schneidige Brautführerin!" antwortet sie und kichert.

Das bringt auch mich zum kichern. Doch dann bemerke ich:

„Weisst du, das ist überhaupt kein Problem, ich bin ja jetzt gleich in festen Händen, daher brauche ich gar nicht mehr die Schönste auf dem Fest zu sein, schliesslich bin ich ja jetzt weg vom Heiratsmarkt. Du kannst also so schneidig aussehen wie du willst, Liebste!"

Darauf brechen wir beide in Gelächter aus. Auch Ginny kann damit kaum ein Problem haben, denn sie scheint mit Ernie wirklich immer noch sehr glücklich zu sein. Ich glaube nicht, dass die beiden sich irgendwann in der nächsten Zeit trennen werden. Ich bin überhaupt erstaunt, wie gut die Pärchen gehalten haben, die sich schon im Laufe unseres fünften Jahres gefunden haben. Wahrscheinlich ist es so, weil Sirius und Remus uns eben nicht nur verstanden, sondern auch gut unterstützt haben. Sie beide und meine Schwiegereltern haben uns behütet, so dass wir kaum Gründe hätten finden können, uns zu entzweien. Ich schaue auf die Uhr und merke, dass es bald Zeit ist. Dann höre ich draussen vor der Tür einen Lärm und dann neue Stimmen. Ginny schaut auch auf und sagt:

„Ich gehe nachsehen. Sind bestimmt deine Eltern. Ich schicke dir deinen Dad rein, denn es ist eh bald Zeit für dich, rauszukommen, okay?"

„In Ordnung. Bis gleich!"

Sie lässt mich alleine und die Minuten ticken nun endlos langsam dahin. Dann klopft jemand an die Türe und Dad steckt den Kopf ins Zimmer.

„Hallo, Spatz! Bist du bereit? – Wow!"

„Hallo, Dad! Seid ihr gut hier angekommen? – Oh, du siehst grossartig aus in der Robe!"

„Echt? Kommt mir immer noch ziemlich komisch vor, aber ich bin sicher, dass ich mich so unter all diesen anderen Roben wohler fühlen werde. Und du siehst umwerfend aus! Wie übrigens auch Ginny. Dieses kupferfarbene Haar mit diesem dunkelblauen Kleid! Wirklich schmuck!" sagt er in der selben hastigen Art, die meine eigene Art zu sprechen des öfteren kennzeichnet.

„Ja, das ist sie wirklich. Sie ist eine Schönheit, findest du nicht?"

„Und hat das Hirn und das Herz, das sie zu einer vollkommenen Schönheit macht, so wie du, Kleines."

„Danke, Dad..."

Normalerweise hätte ich dagegen protestiert, aber ich habe mir fest vorgenommen, heute alle Komplimente einzuheimsen und mich einfach dafür zu bedanken. Bescheiden kann ich morgen wieder sein.

„Bereit?" fragt er mich leise.

„Bereit!" antworte ich bestimmt.

„Ich habe Harry gekreuzt, als er grade rausging. Er wartet da, wo immer sich das abspielen wird."

„Im grossen Innenhof – einiges grösser als der hier."

Ich deute aus dem Fenster, das auf einen kleinen, mit Rasen bepflanzten Innenhof geht. Er ist wie ein mittelalterlicher Kreuzgang in einem Kloster gestaltet, mit einer von Säulen getragenen Wandelhalle rundherum. Ein Platz, der mir gut gefällt.

Wir schauen beide auf die Uhr. Ginny kommt wieder herein.

„Okay, lasst uns gehen! Ron wartet bei der Tür zum Innenhof auf uns. Harry steht schon an seinem Platz vor dem Publikum, äh, den Gästen, und kaut an seinen Fingernägeln."

„Du bist ein ganz schlimmes Mädchen, Liebste, jetzt werde ich an meinen zu knabbern beginnen!"

„Das wirst du nicht tun, ich habe heute Morgen eine Stunde gebraucht, bis sie waren, wie sie sein sollen. Gehen wir!"

Ginny geht voraus. Daddy bietet mir seinen Arm an, den ich gerne nehme. Er lächelt mir zu und sagt erfreut:

„Ich stelle sehr zu meinem Vergnügen fest, dass offenbar auch Zauberer ihre Töchter ihren Schwiegersöhnen übergeben. Eine hübsche alte Sitte. Eigentlich hätte ich dich ja nicht so früh hergegeben, wenn ich nicht genau wüsste, dass du sehr gut imstande bist, auf dich selber aufzupassen, und dass der junge Mann, der nägelkauend da draussen auf dich wartet, ein so wundervoller junger Mann ist. Ihr passt beide gut zusammen und werdet ein gutes Ehepaar werden, Hermione."

„Danke, Dad. Du weisst, dass ich dich und Mum deswegen ja nicht weniger gern hab, nicht wahr?"

„Ja, Hermione, das wissen wir beide und das ist ein weiterer Grund, dass wir dich so ohne Sorge gehen lassen. Normalerweise hätte ich dir ja geraten, zuzuwarten, vielleicht erst etwas von der Welt zu sehen, das Erwachsensein zu proben. Aber ihr passt nicht nur zusammen, ihr beiden seid euch ebenbürtig. Ihr seid intelligent, mächtig und finanziell unabhängig. Das wird gut gehen!"

Während er spricht, haben wir die bereits menschenleere Wohnung verlassen und sind auf dem Korridor. Ich führe Dad zur Mauer. Als er sieht, dass ich da direkt darauf zugehe, wird ihm wohl etwas mulmig. Ich grinse und sage der Mauer das Passwort. Sie verschwindet lautlos und ich ziehe Dad durch den Wandteppich. Ich glaube, er erwartet ein weiteres Passwort und staunt, als wir direkt durchgehen. Er dreht sich um und schaut den Teppich noch mal an, dann murmelt er:

„So was wie die Barriere am Bahnhof King's Cross?"

„Yep! Obwohl dieser Teppich hier noch ein bisschen schlauer ist, denn er lässt keine Schüler durch. Sonst kann jeder durch, aber dann kommt die Mauer, zu der man das Passwort wissen muss."

„Ach so, das soll wohl die Privatsphäre der Lehrer schützen, was?"

„Genau. Die Wohnung ist Sirius' und Remus' neue Lehrerwohnung. Das Zimmer wird wohl bald Seraina gehören."

„Ah."

Wir gehen fast lautlos durch die Gänge und es ist fast ein bisschen unheimlich, weil es scheint, als wären wir in einem unbewohnten Schloss. Wir erreichen die Grosse Halle und als wir dort eintreten, erinnere ich Dad daran, sich die verzauberte Decke gut anzusehen. Heute ist sie so blau wie der Himmel oben drüber.

„Eindrücklich!" sagt Dad.

„Das ist sie, nicht wahr? Ich war immer wieder völlig erstaunt. Ich habe dieses Schloss wirklich geliebt. Es ist wie ein Zuhause."

„Das hier ist der Speisesaal, nicht wahr?"

„Ja. Normalerweise stehen hier vier lange Tische, einen für jedes Haus. Da drüben ist der Lehrertisch. Der ist da, weil viele Lehrer auch in den schulfreien Zeiten hier wohnen. Da drüben steht der Gryffindor-Tisch, dann derjenige der Hufflepuffs, der Ravenclaw- und der Slytherin-Tisch."

„Kein Wunder, dass es dir in diesem Internat gefallen hat, Hermione. Nicht, dass wir dich in eines gesteckt hätten, wenn du nicht eine Hexe wärst."

„Ich weiss. Ich werde euch für euer Verständnis bis zu meinem letzten Atemzug danken, Dad."

„Psst! Das ist hoffentlich noch viel zu lange hin!"

Ich lache. Er hat immer diesen Sinn fürs Praktische. Doch dann erreichen wir die Tür nach draussen. Ron, in eine Festrobe von gleicher Farbe wie die von Ginny gekleidet, wartet da auf uns und sagt:

„Hallo! Du siehst ja echt super aus, Hermione! Sie sind alle draussen, sitzen aber noch nicht alle, daher müssen wir noch einen Moment warten."

„Okay."

Wir warten. Ron geht hinaus und kommt wieder herein. Ich schaue durch das Glas der Tür. Harry steht da vorne den Gästen zugewandt. Mum, James und Lily werden dort sitzen. Unsere Stühle stehen ein Stück vorne dran. Ich kann Sirius und Remus in ihren neuesten Festroben sehen. Siri trägt Silber, Remus Gold. Sie stehen neben Harry. Sie scheinen sich alle mit den Leuten in der ersten Reihe zu unterhalten. Harry sieht in seiner blauvioletten Robe einfach traumhaft aus. Aber selbst als er über etwas lacht, das Sirius gesagt hat, sieht er ernsthaft aus. Ron spricht ein paar Worte mit ihnen, als er sie erreicht und alle drei brechen ihr Gespräch ab und stellen sich an ihre Positionen. Harry steht aufrecht vor seinem Stuhl.

Der Bereich, in dem wir stehen, ist mit einem ganz feinen weissen Baldachin bedeckt, der von hohen Pfosten getragen wird. Baldachin und Pfosten sind mit den selben Winden und dem Schleierkraut geschmückt, die ich zusammen mit weissen Rosen in meinem Brautbouquet habe. Vom Baldachin scheinen schimmernde kleine Punkte herabzuschweben, fast wie Konfetti. Ron kommt jetzt zu uns zurück und sagt:

„Okay. Ihr beiden vorneweg, Ginny und ich hinterher."

Dad reicht mir seinen Arm wieder und Ron öffnet die Tür mit einem Alohomora. Ich bekomme eben noch mit, wie Ron Ginny seinen Arm leiht, dann treten wir in den Hof und gehen langsam zu der Gasse, die zwischen den Stuhlreihen freigehalten worden ist. Musik wird jetzt hörbar, ein langsamer, jazziger Marsch, den Harry und ich uns ausgesucht haben. Ich glaube, ich habe ein Grinsen fest auf meinem Gesicht geparkt. Mein Herz klopft so laut, dass Dad es bestimmt hören kann.

Ich weiss, dass im selben Moment, als hinter uns die Tür wieder zugeht, Professor McGonagall den Fideliuszauber spricht. Jetzt kann uns niemand stören und die Presse muss draussen bleiben.

Hinter uns gehen Ron und Ginny. Wir erreichen die hinterste Stuhlreihe und damit die ersten unserer Gäste, dann die nächste Stuhlreihe und die nächste... und es scheint, als wäre ich innert Sekunden vorne angekommen. Harry schaut mich an und hat das selbe Grinsen auf dem Gesicht, das wohl auch auf meinem prangt. Er langt nach meiner Hand, als Daddy sie loslässt. Dad zwinkert mir zu und setzt sich dann neben Mum in der ersten Reihe hin. Ich hole tief Luft.

Lily

Wir sehen Hermione nach, die mit Ginny im einen Zimmer verschwindet, um sich anzuziehen. James und ich benutzen das Badezimmer und sind sehr rasch umgezogen. Dann schnappen wir uns Lizzie, um sie ebenfalls in ihre schönen Sachen zu kleiden. Wir warten auf die Ankunft der Grangers, die pünktlich im Wohnzimmer erscheinen. Ich heisse sie willkommen und Helen fragt mich sofort besorgt, ob sie die Roben auch richtig angelegt haben.

Sie sehen perfekt aus. Beide tragen Roben aus dunkelblauer Seide, welche schwer und elegant bis zum Boden fällt.

„Ich hatte keine Ahnung, was man hier drunter anzieht, daher habe ich einfach eine schwarze Hose und ein weisses Hemd angezogen," sagt George.

„Das ist perfekt. Ihr dürft auch drunter ganz ohne erscheinen," sagt James grinsend.

„Oh, das ist gut! Es ist doch ziemlich warm, eventuell werde ich froh sein, wenn ich das Zeug unten dran ausziehen kann."

Als es Zeit wird, in den Innenhof hinüber zu gehen, nehmen James, Sirius, Remus und ich unsere Kleinen auf. Winky und Dobby sind da und werden auf die vier aufpassen, bis die Trauung vorbei ist und wann immer jemand von uns vielleicht grade Lust auf Tanzen hat.

Die Babys sehen süss aus in ihren leichten Sommerkleidchen. Alle drei haben die selben Strampelhöschen und Jäckchen an. Lizzie präsentiert sich stolz in ihrer winzigen Festrobe in Gold. Ihr schwarzes Haar steht zwar in alle Richtungen, aber es passt gut zu dem Gold. Sie will selber laufen.

„Mummy, Lizzie selber!" beteuert sie.

„Das ist in Ordnung, Liebes, aber gib Mummy die Hand, bitte!"

Das lässt sie zu und so gehen wir gemeinsam durch die langen Korridore und die Grosse Halle bis zur Glastür, durch die wir in den Innenhof gelangen. Ich habe ihn gestern bereits dekoriert gesehen und höchst persönlich die Zauber gesprochen, welche verhindern, dass die Winden, weissen Rosen und das Schleierkraut verwelken können. Für mich ist es also keine Überraschung, aber James, der weder weiss, was wir hier getan haben, noch was Harry und Hermione für Kleider tragen werden, strahlt auf, als er den Hof betritt.

„Oh, das sieht Spitze aus!"

Wir mengen uns unter die bereits anwesenden Gäste. Ich nehme die Kinder mit zu Winky und Dobby, die in einer Ecke einen kleinen Kindergarten eingerichtet haben und spreche einen Schlafzauber, der sie alle vier ruhig schlafen lässt. In zwei Stunden werde ich sie wecken.

„Danke, Winky! Du kannst gerne die Trauung bei uns vorne mitverfolgen, die Kleinen werden schlafen," lade ich sie ein.

„Vielen Dank, Meisterin Lily."

Helen, James und ich folgen Harry, Remus und Sirius zur vordersten Sitzreihe, wo Albus und Minerva bereits Platz genommen haben. Wir finden unsere Plätze neben ihnen und halten einen für George frei.

Harry sieht sehr gut aus. Sie haben gut gewählt! Das dunkle Violett passt gut zu seinem dunklen Teint und seine grünen Augen leuchten. Die Farbe wird auch sehr gut zu Hermiones hellbraunen Haare passen.

„James, Hermione hat mich eingeladen, dem Zauberteam an Stelle ihrer Eltern anzugehören, ist das in Ordnung mit euch beiden?" fragt Albus.

„Aber natürlich ist das in Ordnung. Lily wird uns beide repräsentieren. Sie ist eh besser im Sprechen von Zaubern als ich," antwortet James auf der Stelle.

„Dann bin ich sehr erleichtert. Es ist lange her, seit ich das zum letzten Mal tun durfte. Ich bin sehr stolz auf euren Sohn, James, er ist aus ausgezeichnetem Holz geschnitzt. Und ich bin überzeugt, dass dies eine sehr passende Verbindung sein wird."

„Ja, es ist typisch für dich, so zu denken, Albus. Wir sind einfach nur froh, dass sie glücklich miteinander sind," sage ich.

„Ich kann eben nicht über diesen meinen Schatten springen, Lily. Ich denke daran, was sie in ihren Genen haben. Ich nehme doch stark an, dass Hogwarts sich für einige Zeit über den Zugang eines hübschen Haufens Kinder aus euren Familien freuen kann."

„Oh, sag nichts weiter, Albus, du wirst ja dann wohl nicht mehr da sein, ich werde mich mit ihnen herumschlagen müssen," wirft Minerva ein.

Wir lachen alle, wohl wissend, dass sie sich schon vor all dem Unfug, den unsere Kinder in Hogwarts wohl anrichten werden, fürchtet.

„Werden die denn so schlimm sein?" fragt Helen etwas erstaunt.

Harry, der vor uns steht, lacht noch lauter, Remus, Sirius und James grinsen und ich stöhne ein bisschen.

„Das ist der Vorname. Minerva zittert schon jetzt über die Ankunft der vier Kinder da hinten. Sie sind schliesslich Kinder der Rumtreiber."

„Oh, aber du und Hermione verdünnt deren Blut doch wenigstens ein bisschen," tröstet Helen.

Ich schnaube.

„Wir sind auch beide Gryffindors, Helen, das heisst, dass wir mindestens einige der typischen Gryffindor-Eigenschaften haben, darunter ein grosses Herz und Loyalität, aber auch eine gewisse Unbesonnenheit und jede Menge Mutterwitz. Und ganz bestimmt die Bereitschaft, gesetzte Grenzen zu überwinden. Obwohl Hermione und ich beide sehr fleissig studierten, konnten wir diese Eigenschaften doch nicht ganz abstreiten. Grade deine Tochter. Du weisst, was sie in ihren ersten Jahren in Hogwarts so alles angestellt hat."

„Das weiss ich, aber ehrlich gesagt, habe ich mich über die erste Eule, welche über einen ihrer Streiche berichtete, sehr erfreut. Vor allem, dass Hermione gute Freunde gefunden hatte, mit denen sie solche Dinge tun konnte, hat uns beide eher beruhigt als aufgeregt," versichert Helen uns. „Wir machten uns grosse Sorgen, dass sie vielleicht auch in Hogwarts Mühe haben könnte, mit ihrer Art Freundschaften zu schliessen."

Jetzt kommt Ron zu uns und bittet uns:

„Wir sind bereit, wenn ihr euch schon mal auf eure Plätze begeben könntet, kann's anfangen..."

Wir fangen in der vordersten Reihe an, und weil die Gäste sehen, dass auch Sirius, Remus und Harry ihre Plätze einnehmen, setzen sie sich auch hin. Es wird still und Musik setzt ein. Ron begibt sich zurück zur Braut. Als sie hereinkommen, drehen sich natürlich alle zu ihr um. Sie sieht wirklich reizend aus und die Festrobe ihres Vaters passt glänzend zu Hermiones Robe.

Hermione

Die Musik klingt langsam aus und Sirius, der direkt vor uns steht, fragt leise:

„Bereit?"

Wir nicken beide.

„Gut. Nur einen Augenblick."

Als die Musik ganz aufhört, stellen sich Sirius und Remus in der Mitte unter dem Baldachin auf. Sirius macht den Anfang:

„Im Namen der Braut und des Bräutigams heisse ich euch alle herzlich Willkommen zu diesem Fest. Ihr kennt alle den üblichen Blabla, also mache ich nicht sehr viele Worte, nur diese: als mein Patensohn und seine Braut mich und meinen Lebenspartner gebeten haben, die Leitung dieser Zeremonie zu übernehmen, war ich zutiefst geehrt. Weder Remus noch ich selber haben je eine solche Zeremonie geleitet, aber wir werden das Kind wohl schaukeln. Remus wird Hermiones Führer sein, ich derjenige von Harry. Gemeinsam werden wir die beiden durch die Riten, welche sie binden werden, geleiten. Da ja nie etwas völlig sicher ist, kann ich nur hoffen, dass die Riten bei ihrem Bund fürs Leben helfen."

Jetzt übernimmt Remus.

„Es ist altes geschriebenes Gesetz, dass ich die folgende Frage stellen muss: sollte unter uns jemand sein, der sich gegen die Verbindung dieser beiden jungen Menschen stellt, so spreche er jetzt oder schweige für immer."

Remus gibt dieser Frage eine volle Minute. Natürlich sagt niemand etwas, also sagt er lächelnd:

„Dann lasst uns mit den Riten beginnen. Obwohl es für die meisten von euch vielleicht etwas langweilig sein wird, werden wir ab und zu eine kleine Erklärung über die Zauber geben müssen, denn wir haben vier Gäste unter uns, welche Muggel sind und deshalb unsere Gebräuche nicht kennen."

Sirius löst Remus wieder ab.

„Weder mein Lebenspartner noch ich sind sehr gut im langen Predigen, daher wollen wir unsere Ansprache auf einige Worte zum Zusammenleben beschränken. Hermione und Harry, ihr werdet von heute an in der Ehe verbunden sein und ihr werdet sofort merken, dass von heute an das Zusammenleben nicht mehr dasselbe ist, wie es für euch bis gestern war. Ihr habt zwar damit schon etwas an Erfahrungen gesammelt, aber den Unterschied werdet ihr sicher bald bemerken. Bisher wart ihr zwei einzelne Menschen, miteinander in Liebe verbunden. Doch jetzt werden euch Zauber zusätzlich verbinden, für den Rest eures Lebens. Sicher werdet ihr zunächst auf den Wolken eures jungen Glücks schweben, doch dann wird das Alltagsleben das Steuer übernehmen. Dann werdet ihr daran arbeiten müssen, dass eure Verbindung hält. Wenn ihr euch abgeschlagen und müde fühlt, wenn euch das Geringste hässig macht, dann werdet ihr auch merken, dass die Bindung euch hilft und rettet. Aber obwohl wir euch jetzt magisch verbinden werden, so wird doch das Leben jeden Tag so profan sein, dass auch die Magie nicht weiterhilft. Die Liebe, die ihr für einander empfindet, ist dann das Wichtigste. Kurz gesagt, ihr müsst jeden Tag an eurer Beziehung arbeiten, jeden Tag und jede Nacht eures Lebens. Denn die Liebe ist etwas so Kostbares, dass man sie nicht genügend pflegen und schätzen kann, dass man immer daran denken sollte, dass sie das Zerbrechlichste Ding in eurem Leben ist.

Aber fürchtet euch nicht davor. Auch wenn die Liebe zerbrechlich ist, sie ist ja zugleich das stärkste Band, das wir kennen. Man sagt, dass die Liebe Berge versetzen kann. Wenn ihr das vielleicht auch nicht grade benötigt, so wird sie euch trotzdem darin beistehen, die Berge jedes gewöhnlichen Tages zu versetzen. Remus und ich wissen – spätestens, seit dem Tag, an dem unsere Zwillinge zur Welt kamen."

Hinter uns lachen etliche Leute. Das müssen wohl die diversen Eltern in der Schar sein.

„Ich merke, dass andere diese Entdeckung auch gemacht haben. Aber ich lasse Remus fortfahren."

Remus schaut uns an.

„Während Sirius die Pflicht hatte, euch von den schwierigen Alltagsgefahren zu erzählen, habe ich das Vergnügen, euch von der Wonne dieser wunderbaren Tage zu berichten, an denen ihr den Himmel eurer Liebe ungestört auskosten könnt. Ja, manchmal kann es etwas schwierig werden, sich vom Alltag zu lösen, wirklich füreinander Zeit zu finden. Aber wenn ihr dazu Gelegenheit habt, dann lasst sie euch nicht entgegen und legt euch keine Zügel an. Lebt und feiert diese Liebe mit jeder Faser eures Körpers, jedem Fusselchen eurer Seele und jeder Zelle in eurem Hirn. Diese Augenblicke werden mit der Zeit Meilensteine in eurem Leben werden, ob ihr sie jeden Tag oder nur sehr selten finden werdet. Denn es wird Zeiten geben, zu denen ihr nicht die Spur davon finden werdet. Ich weiss aus Erfahrung, wie frustrierend das ist. Und ich weiss auch aus Erfahrung, dass es dann immer sehr schwierig ist, sich von den Alltagssorgen zu lösen, um die Zeit zu geniessen, wenn man sie dann einmal hat. Also lasst mich euch ein paar Dinge in Erinnerung rufen, die einem dabei helfen können.

Ein heisses, duftendes Bad. Ein Glas Wein. Kerzenlicht. Fünf Minuten abkühlen und meditieren, bevor man zusammenkommt, um sich füreinander zu öffnen. Eine Platte mit ein paar Kleinigkeiten zu essen.

Und natürlich dürft ihr nie die heilende Wirkung von Schokolade vergessen!"

Jetzt lacht ein ganzer Haufen von Leuten. Das müssen alle die sein, die um die einzige Schwäche unseres geliebten Werwolfs wissen, der Schokolade. Remus lächelt, dass mir das Herz aufgeht. Er kann immer noch witzig und schelmisch sein wie der Junge, von dem Sirius uns immer wieder erzählt. Ihre Ansprache hat die Atmosphäre aufgehellt und uns gelockert. Sirius spricht jetzt wieder.

„Nun werden wir die Zauber sprechen, durch welche Harry und Hermione miteinander verbunden werden. Es gibt drei davon und sie sind wohl so ziemlich die üblichen. Für unsere Muggelfreunde werde ich kurz erklären, was jetzt passiert. Zunächst sprechen wir einen Zauber, der ihre Gesundheit erhöht. Den zweiten Zauber, den sie ausgewählt haben, soll ihren gemeinsamen Sinn für Humor und Spass verstärken. Und als drittes haben sie sich einen Zauber gewünscht, der ihnen hilft, Gefahren in ihrer Beziehung und in ihrer Umgebung besser wahrzunehmen und zu bekämpfen. Keiner dieser Zauber kann etwas schaffen, was in ihnen nicht schon vorhanden ist, aber sie können sehr wohl die vorhandenen Neigungen um ein Mehrfaches verstärken.

Diese Zauber werden von sechs Leuten gesprochen. Lily Potter für Harrys Familie, Ron und Ginny Weasley als die gewählten Trauzeugen, sowie Albus Dumbledore, der Hermiones Eltern vertritt, welche wie ihr alle wisst, Muggel sind, haben sich zur Verfügung gestellt, Remus und mich dabei zu unterstützen.

Hermione und Harry, bitte steht auf und kommt zu uns in die Mitte."

Harry und ich stehen auf und stellen uns auf den Punkt, auf den Remus deutet. Ich bemerke, dass Lily, Ron, Ginny, Remus, Sirius und Professor Dumbledore sich in einem Hexagon um uns versammeln. Sie sprechen gemeinsam einen Zauber nach dem anderen. Wir werden mit roten und goldenen Funken besprüht. Bis diese Funken verschwunden sind, bewegen wir uns nicht von der Stelle. Dann treten Ron und Ginny wieder zurück, während Lily und Dumbledore sich wieder auf ihre Plätze in der ersten Reihe setzen. Sirius und Remus bewegen sich so, dass Remus jetzt hinter mir, Sirius hinter Harry steht. Sie drehen uns so, dass wir einander gegenüber stehen. Remus legt seine Hände auf meine Schultern und Sirius legt seine auf Harrys. Es ist Zeit für unsere Trauworte. Wir haben uns einige einfache Zeilen dafür ausgesucht.

„Nehmt euch bei den Händen," sagt Remus sanft.

Wir halten uns an beiden Händen und sehen uns in die Augen, während wir unser Eheversprechen zugleich ablegen. Remus und Sirius' rechte Hände lösen sich von unseren Schultern und weitere Zauber werden über uns gesprochen. Sirius und Remus tun dies gleichzeitig, was die Wirkung wohl noch verstärken wird, denn normalerweise ist ja nur ein Zeremonienmeister da. Als wir durch die Trauworte durch sind, fordert Remus Ron auf:

„Ron, bitte reiche ihnen die Ringe."

Sie liegen auf einem kleinen dunkelblauen Kissen. Ron steht in meiner Nähe und lässt das Kissen zu Harry schweben. Harry nimmt den Ring und steckt ihn an meinen Finger, dabei schaut er mir immer noch tief in die Augen. Ron bietet mir den zweiten Ring an. Ich nehme ihn auf und streife ihn über Harrys Finger. Wir warten gar nicht darauf, dass uns jemand dazu auffordert, Harry nimmt mich in die Arme und wir küssen uns. Danach drehen Remus und Sirius uns zu unseren Gästen um.

„Lasst uns euch Mr. und Mrs Granger-Potter vorstellen. Sie wurden durch die traditionellen Riten vor ihren Familien und Freunden, sowie vor ihren gewählten Zeugen in der Ehe verbunden. Möge euch beiden ein langes, glückliches Leben geschenkt werden. Diese Ehe wird nun im Familienbuch des Ministeriums eingetragen werden. Wir bitten das frisch verheiratete Paar und die Zeugen der Vermählung, gemeinsam mit uns und dem Beamten des Ministeriums ins Haus zurückzukehren, um die nötigen Dokumente zu unterschreiben, welche die Ehe rechtskräftig werden lassen," sagen Sirius und Remus gemeinsam.

Langsam komme ich wieder zu Atem. Musik setzt wieder ein und von hinten werden wir leise gebeten, uns durch die Stuhlreihen durch wieder in die Grosse Halle zu begeben. Ron und Ginny folgen uns, dann Sirius und Remus und langsam erreichen wir das hintere Ende der Sitzreihen. Wir betreten die Grosse Halle, wo Sirius uns zu der kleinen Kammer hinter dem Lehrertisch geleitet. Aus der Gästeschar ist uns ein kleiner Ministerialbeamter gefolgt, der nun auf einem Schreibtisch in der Kammer die Dokumentrollen ausbreitet, die wir zu unterschreiben haben. Remus beschwört eine Feder herauf und reicht sie mir.

„Sie müssen hier unterschreiben, Mrs Potter," sagt der Beamte fröhlich.

Oh, wie aufregend das ist, zum ersten Mal mit meinem neuen Namen angesprochen zu werden. Ich nehme die Feder und unterschreibe mit meinem vollen Namen, Hermione Jane Granger-Potter, dann reiche ich die Feder an Harry weiter. Der unterschreibt ebenfalls und gibt die Feder an Ginny, die ihren Namen ebenfalls unter das Dokument setzt. Sie übergibt die Feder an Ron, der sie dann an Sirius und Remus weiterreicht, die als Zeremonienmeister ebenfalls unterschreiben.

Ich bin zu Tränen gerührt. Damit sind die Riten vorbei und wir können zum unterhaltsamen Teil übergehen. Doch das war auf jeden Fall das Berührendste, was ich je erlebt habe. Ich küsse Harry erneut und er zieht mich in seine Arme.

„Lass uns unsere Gäste begrüssen, Mrs Potter," sagt er grinsend.

„Aber mit dem allergrössten Vergnügen, Mr. Potter," gebe ich zurück.

Er küsst mich und gibt zu:

„Das musste ich jetzt einfach zu dir sagen können, um sicher zu sein, dass es auch wirklich wahr ist..."

Ich nicke. Das verstehe ich vollkommen. Wir sind verheiratet. Wir haben uns natürlich schon lange gefunden, aber jetzt verstehe ich, was Sirius vorhin damit gemeint hat, dass wir jetzt doch noch eine Ecke anders empfinden würden. Wir sind jetzt Erwachsene, verantwortlich für unser eigenes Leben, und was wir daraus machen werden. Wir wenden uns zu Remus und Sirius um, die uns beobachten und ich bin sicher, dass ich da die Spur einer Träne oder zwei in ihren Augen blinken sehe. Das ist so süss! Beide ziehen uns in ihre Arme und Remus flüstert mir zu:

„Alles Beste für dich, mein Mädchen. Du weisst, dass du mir nun schon seit einiger Zeit eine Tochter geworden bist, nicht wahr?"

„Ja, Remus, das Gefühl habe ich schon ziemlich lange. Und jetzt bist du sozusagen einer meiner Schwiegerpapas, hast du auch nur eine Ahnung davon, wie glücklich das diese Wölfin hier macht?"

Er lacht. Zwinkert und meint:

„Lust darauf, durch den Verbotenen Wald zu laufen?"

„Und wie!"

„Ein anderes Mal, fürchte ich. Aber an einem der nächsten Vollmonde..."

„Einer der nächsten Vollmonde dann – abgemacht!"

Er umarmt mich noch einmal ganz fest und küsst meine Wangen. Ich halte ihn auch ganz fest. Ich weiss, dass ich ihn schon geliebt habe, seit er zum ersten Mal unser Lehrer war. Jetzt kann ich es auch freimütig sagen:

„Ich liebe dich, Remus! Sieh zu, dass du noch recht lange bei uns bleibst, ja?"

„Das werde ich, Kleines."

Danach reicht er mich an Sirius weiter. Der hält mich ebenso fest und sagt:

„Es ist gut, eine neue Mrs Potter zu haben, Miss Granger! Ich könnte fast platzen vor Glück deswegen. Es ist unglaublich, dass ihr's jetzt schon tut, aber lass mich dir sagen, dass ich finde, dass es bei euch beiden noch viel mehr stimmt als damals bei James und Lily. Ihr seid schon so lange beste Freunde und kennt euch schon in- und auswendig. Euch wird der Alltag nicht schrecken."

„Danke, Siri! Ich liebe dich ebenso sehr wie Remus, ihr seid beide wunderbar, und wie ich eben schon Remus gesagt habe, bleibt beide noch recht lange für uns da, bitte! So wie wir auch für euch da sein wollen. Ihr seid so wichtig für uns wie Lily und James. Euch kennen wir schon ein bisschen länger."

„Du hast meine Seele gerettet, Hermione, von meinem Arsch nicht zu sprechen, denn ohne dich und deinen Zeitumkehrer wäre ich vermutlich schlimmer als tot seit damals. Dich zu treffen war wohl der grösste Glückstreffer in meinem Leben nach dem, Remus kennen zu lernen und mich in ihn zu verlieben."

„Gern geschehen, Padfoot! Du bist zu gut, um für diese Welt schon verloren zu sein," sage ich lächelnd.

Danach warten Ron und Ginny darauf, dass sie uns umarmen können und dann kehren wir langsam wieder zu unseren Gästen zurück. Ich höre einen Seufzer von Harry, so verletzlich, aber so süss. Ich nehme ihn erneut bei der Hand, als wir uns wieder dem Innenhof zuwenden und aus dem Augenwinkel sehe ich noch, wie der Mann aus dem Ministerium sich verabschiedet und die Grosse Halle verlässt.

Harry

Ich hole tief Luft und schaue die Frau an, die jetzt meine Gattin ist. Ich bin mein ganzes Leben lang noch nicht so glücklich gewesen. Mir scheint, dass die qualvollen Jahre bei den Dursleys immer mehr verblassen. Und auch die schlimmste meiner Lasten, Voldemort, ist vom Tisch. Ich habe schon nahezu drei Jahre mit diesem bezaubernden Wesen neben mir verbracht und es waren drei Jahre des höchsten Glücks. Ich werde nie sagen können, was Hermione alles für mich bedeutet. Dafür weiss ich ein paar der Dinge, die ich für sie bin. An ihrer Seite Neues zu entdecken wird mein Leben bereichern. Wie zum Beispiel, bald mit ihr an der Avalon Academy zu studieren. Ich war nur halb erstaunt, dass die mich so mit offenen Armen empfangen haben. Natürlich war das kein Wunder bei Hermione, schliesslich ist sie seit Jahren die beste Schülerin von Hogwarts gewesen. Auch die von der Akademie wissen natürlich ganz genau, dass sie die Erfinderin der Commumirrors ist, daher hat Hermione bei den Professoren, die wir bereits kennen gelernt haben, schon einen sehr guten Eindruck hinterlassen.

Wir kehren in den Innenhof zurück und gehen direkt zu unseren beiden Elternpaaren, die schon auf uns warten, um uns umarmen zu können. Mum ist als Erste da.

„Mum, ich wusste gar nicht, dass man so glücklich sein kann! Dir und Dad danke ich für euer Vertrauen und eure Unterstützung, für euer Verständnis und die Liebe, die ihr uns beiden entgegenbringt."

Mum hat auch ein paar kleine Tränchen in den Augen.

„Keine Ursache, Harry! Ich könnte mir keine bessere Schwiegertochter wünschen! Bleibt so glücklich wie ihr jetzt seid, ihr beiden, das ist es, was ich euch wünsche. Und ein paar kleine Potters!"

Die nächste Stunde verbringen wir damit, alle unsere Gäste einzeln zu begrüssen und einige Worte mit ihnen zu wechseln. Die Hauselfen haben bereits einen langen Tisch mit Erfrischungen aufgestellt. Sie sind jetzt daran, die Stuhlreihen aufzulösen, die Sitze anders hinzustellen und in einem langen Oval die Tische für das Essen bereitzumachen. Ich denke daran, etwas Kleines zu essen, bevor ich mich in den Champagner stürze. Wir werden mit dem Alkohol bestimmt heute ein bisschen über die Stränge schlagen, aber wenn nicht an einer Hochzeit, wann dann? Wir haben uns ja fast den ganzen Nachmittag gegeben, um viel Zeit für unsere Lieben zu haben, mit allen anzustossen und zu plaudern. Die Zeit soll dazu dienen, dass alle mit allen plaudern können, denn nachher sitzt man am Tisch doch zwischen seinen Tischnachbarn fest. Es gibt viel zu reden und zu lachen. Manchmal gibt's auch seriösere Gespräche.

Kaum sind wir durch die Begrüssung, dürfen die Kleinen wieder aus der Kinderecke hervorkommen, denn die wachen jetzt von ihrem Schläfchen auf. Winky hat in einem etwas ruhigeren Winkel des Hofs auf die Kleinsten aufgepasst. Remus und Sirius kommen mit ihren Babys und ihren Fläschchen hervor.

Mum sitzt schon auf einem Stuhl und stillt Andrew. Lizzie zeigt allen, die sie bewundern wollen, ihre elegante Festrobe. Dann tanzt sie so lange um Dad herum, bis der sie aufhebt und mit ihr zum Buffet get.

Helen steht neben Sirius und Remus, als sie sich mit den Kindern hinsetzen und sieht sich die Babys an.

„Sind die niedlich! Die habt ihr gut gemacht, ihr beiden," lobt sie.

„Danke, Helen. Sie tun uns sehr gut, obwohl wir ihretwegen von einer Schlafkrise in die nächste taumeln. Aber sie machen uns so viel Freude und auch Spass!" sagt Sirius mit einem Grinsen, während er Seraina so auf seinen Arm nimmt, dass sie über seine Schulter schauen kann. Er zitiert ihre Flasche her und wärmt sie rasch mit einem gemurmelten Zauber.

Helen bestaunt die Heizmethode für die Fläschchen.

„Also, das ist ja praktisch! Unsereiner, die nicht stillen können, müssen sich mit schreienden Kleinchens herumschlagen... eure brauchen nicht zu warten."

„Nein, und da sind wir auch sehr froh drüber, denn ihre nächtlichen Konzerte sind alles andere als angenehm. Dass wir sie jeweils gleich füttern können ist schon praktisch."

Er setzt sich auf einen der Stühle und bietet Seraina die Flasche an. Sie nuckelt auch gleich los und er strahlt sie an.

„Meine süsse kleine Hexe! Wie niedlich du bist und wie gut du das schon machst. Was, du willst die Flasche gleich selber halten? Na, dann halt mal schön fest! Aber ich helfe dir wohl besser noch dabei, was? Mm, schmeckt's?"

Ich schaue ihm über die Schulter zu und beobachte seine Interaktion mit dem Baby. Seraina ist ein quicklebendiges kleines Mädchen, wenn Siri sie auf dem Arm hat. Wenn Remus sie hat, dann ist sie eine wunderbare süsse kleine Puppe. Offensichtlich hat keines der Kinder Mühe mit den unterschiedlichen Temperamenten ihrer Väter. Sie nehmen einfach wahr, dass Remus seine Sachen so macht und Sirius macht sie anders. Vielleicht erkennen die beiden ihre Väter auch daran. Aber es scheint ihnen auch nichts auszumachen, dass da ein paar Tanten und Onkel sind, die es nochmals anders machen. Das Witzigste finde ich aber, dass sie ein unterschiedliches Verhalten an den Tag legen, wenn sie bei einem ihrer beiden Väter auf den Armen sind. Wenn Remus sie hat, sind beide Kinder fragend, nachdenklich und interessiert. Wenn Sirius sie hat, dann sind sie viel lebendiger, neugierig und sogar ein bisschen schelmisch. Ich stupse Hermione an.

„Ist dir schon mal aufgefallen, dass Seraina und Denny sich anders verhalten, je nach dem ob sie bei Sirius oder Remus auf dem Arm sind? Und Andy ist noch mal anders..."

„Ja, das ist mir aufgefallen. Es ist süss, nicht wahr? Es scheint ihnen dabei vollkommen wohl zu sein."

„Ja, es ist wirklich niedlich."

Den ganzen Nachmittag bekommen Hermione und ich nicht viel Zeit zusammen, obwohl wir immer beieinander stehen. Es ist das erste Mal, dass ich mich nicht unbehaglich fühle, das Zentrum aller Aufmerksamkeiten zu sein. Entweder spüre ich Hermiones Hand in meiner oder ich fühle meinen Ring. Die Band spielt im Hintergrund leise Unterhaltungsmusik und die Weasley-Zwillinge tragen zum allgemeinen Amüsement bei, indem sie überall den Gästen kleine Unannehmlichkeiten bereiten. Ich weiss, dass sie für den Abend ein grosses Feuerwerk geplant haben, aber das ist nicht alles. Auch Draco hat dieses Grinsen der Katze, die den Rahm erwischt hat im Gesicht, das macht die Sache doppelt gefährlich. Vor allem Mrs Weasley und Professor McGonagall werfen reichlich ängstliche Blicke in die Richtung der Zwillinge. Wenn die nur wüssten, dass die Zwillinge neuerdings recht erfolgreich Draco einsetzen, während sie die Aufmerksamkeit auf sich ziehen!

Daher bin ich überhaupt nicht überrascht, dass wir den ganzen Nachmittag schon Leute sich in die komischsten Dinge verwandeln sehen! Es ist auf alle Fälle einer der Tricks von Fred und George, aber weder Hermione noch ich kommen darauf, wie sie's anstellen! Zunächst jedenfalls. Bis etwas Kleines auf mich zugeflogen kommt und da meine Sucherreflexe immer noch intakt sind, schnappe ich mir den winzigen Ball. Und werde prompt für eine gute Minute lang in einen Staubwedel verwandelt! Nachdem sie ihren kurzen Schreck überwunden hat – kann nicht länger als ein paar Sekunden gedauert haben! – lacht sich Hermione schier halbtot. Sobald ich wieder intakt vor ihr stehe, schaue ich sie ziemlich beleidigt an. Aber sie grinst nur und küsst mich. Dann ordnet sie meine Robe mit einem kleinen Wink ihres Zauberstabes und macht sie sauber. Fred und George haben sich längst aus dem Staub gemacht. Sind wohl schon auf der Jagd nach ihrem nächsten Opfer. Und ich gehe jede Wette ein, dass sie bereits Dad und Sirius mit eingespannt haben.

Um fünf werden die Tische gedeckt. Das eine Ende des Ovals ist unter dem Baldachin – dort werden Hermione und ich sitzen. Am anderen Ende lassen die Hauselfen eine kleine Gasse, damit auch auf der Innenseite des ovalen Tisches Gäste sitzen können. Uns gegenüber sitzen meine Eltern, meine Schwiegereltern, Remus und Sirius, neben Hermione sitzen Ron und Justin und auf meiner Seite sind Ginny und Ernie. Und rund um den Tisch herum sind unsere anderen Freunde verteilt.

Der Tisch ist wunderbar gedeckt. Das Tischtuch ist derselbe blauviolette Seidenstoff wie Hermiones Unterkleid, geschmückt mit dem Schleierkraut, den Winden und weissen Rosen wie ihr Brautstrauss. Auf dem Tisch glitzert das goldene Hogwartsgeschirr und selbst das Besteck ist heute aus Gold. Dazu gibt es keine Kelche, sondern Kristallgläser mit goldenem Rand.

Das Menu haben wir geheimgehalten. Nur Hermione und ich wissen, was es zu essen geben wird, die anderen werden davon überrascht werden. Und wahrscheinlich wird der Geschmack der Speisen ausser meinen Schwiegereltern auch nur der Sunneggbande schon einigermassen bekannt sein, denn wir haben unsere Essgewohnheiten schon ein bisschen geändert in den letzten Jahren. Das Menü spiegelt diese Änderung denn auch wieder, denn es ist durchweg mediterran. Vor einer Woche beim Testessen haben Hermione und ich die Talente der kleinen Hauselfen von Hogwarts schon bewundern können, denn wir sind mit einer Menge Mittelmeerköstlichkeiten eingedeckt worden. Es war genau das, was wir uns vorgestellt hatten, daher freuen wir uns beide schon den ganzen Tag aufs Essen. Ich bin auch wirklich hungrig, denn ich habe mich wohlweislich von den Snacks ferngehalten. Nur eine Kleinigkeit fand den Weg in meinen Magen, so dass ich nicht völlig nüchtern Alkohol trank.

Während unserer Zeit auf der Sunnegg haben meine Eltern, Remus und Sirius uns vorsichtig am Alkohol nippen lassen. Sie sind beide der Meinung, uns lieber begrenzt eine kleine Menge zu erlauben, damit wir frühzeitig lernen, mit dem Zeug umzugehen. Sie glauben, dass diese Methode besser ist, als es strikte zu verbieten und dann zuzusehen wie wir, kaum volljährig, uns in Exzessen vollaufen lassen. Ich glaube, das hat funktioniert. Es gibt unter uns Leute, die kaum einen Tropfen anrühren und die anderen sind einigermassen moderat geblieben. Ausserdem, wenn uns alkoholische Getränke gestattet wurden, konnten wir uns drauf verlassen, dass es nur erstklassiger Stoff war. Nach der Devise, lieber weniger, dafür Klasse. Auf dem Tisch stehen Krüge mit eisgekühltem Wasser oder Kürbissaft, von denen sich alle ziemlich oft bedienen. Es wundert nicht mal mehr Barb und Housi, dass sich diese Krüge von selber wieder füllen und das Wasser darin nie warm wird.

Hermione und ich sprechen dem Wasser ebenso häufig zu wie die meisten unserer Gäste. Ich bin mit ihr einer Meinung, dass der Wein nicht zum Durstlöschen da ist.

Das Dinner beginnt mit italienischen Pasta – Spaghetti mit einer Sauce mit kleinen Herzmuscheln, Vongole genannt. Wir brauchen uns nicht zu beeilen, denn nach guter mediterraner Art gibt es zwischen jedem Gang eine gute Viertelstunde Pause, so dass alle immer noch eine Menge Platz für den nächsten haben. Es wird eine ganze Reihe von Gängen geben, denn wir machen eine kleine kulinarische Reise ums Mittelmeer! Nach der Vorspeise geht sie für eine zweite Vorspeise nach Griechenland, denn es kommt ein leckerer griechischer Salat auf den Tisch und dazu ein kaltes Püree aus Kartoffeln, Knoblauch, Zitronensaft und sehr salzigem Fischrogen. Das streichen wir auf ein knuspriges Weissbrot. Dazu gibt es einen kräftigen griechischen Weisswein. Für die erste Hauptspeise geht's in die Türkei, mit viel Gemüse und Lammfleisch. Noch mehr Lammfleisch gibt's nach libanesischer Art, mit Bulghur serviert, wieder mit Salat. Dann machen wir einen grösseren Sprung und landen im Maghreb, denn es kommt ein Couscous, diesmal mit Hühnerfleisch. Meine Schwiegereltern sind begeistert und Helen freut sich besonders, denn sie erhält eine fleischlose Variante des Menüs. Wir haben auch Vaidyanathan und Shannah eingeladen und auch Vaidyanathan freut sich, denn auch er ist ja ein Vegetarier.

„Das Essen ist absolute Spitzenklasse. Habt ihr das ausgewählt?" fragt George.

„Yep! War ein nettes Probeessen letztes Wochenende, nicht wahr, Hermione? Da haben wir mit den Hauselfen auch die Tischdekoration besprochen. Die lieben kleinen Helferlein haben wirklich grossartig aufgewartet, und waren total begeistert. Wir kamen kaum aus dem Küchentrakt raus."

„Das stimmt! Ich war drei Tage lang proppenvoll und pappsatt!"

George lacht und sagt:

„Ich staune, was du hier so wegputzt, Töchterchen. Zuhause hast du immer nur am Essen genippt..."

„Das lag wohl an der Küche..." gibt Hermione trocken zurück.

„Stimmt was nicht mit meiner Küche?" fragt Helen etwas spitz.

„Sagen wir mal... ja!" gibt Hermione Antwort.

Ich grinse. Ich kann mich gut erinnern, dass die kleine Hermione schon ziemlich bald nach ihrer Ankunft in Hogwarts zu einem recht rundlichen Mädchen wurde, bis sich ihre Energiezufuhr mit dem Energieverbrauch wieder ausglich. Sie hat seither immer genügend Fleisch auf ihren Knochen gehabt.

Remus und Sirius und auch sonst alle in unserer näheren Umgebung prusten los.

„Und was stimmte nun nicht an Helens Küche?" will Sirius verschmitzt von etwas weiter drüben her wissen.

„Oh... so ziemlich alles. Sagen wir mal, dass die angebotene Kalorienzahl meinem Energieverbrauch nie ganz entsprach," antwortet Hermione mit demselben verschmitzten Gesichtsausdruck.

„Wir haben unser Kind mangelernährt, Helen!" sagt George betrübt.

„Wir haben es gesund ernährt, George! Hogwarts hat sie gründlich korrumpiert, das ist alles," verteidigt sich Helen.

Hermione lacht.

„Zum Glück! Ich esse heute ausgewogen, aber ich gebe gerne zu, dass ich gerne gut esse. Und so was wie das hier... mm!"

„Na ja. Solange du dabei auch gesund bleibst, geht's mich nichts an. Jeder muss ja nach seiner Fasson di... äh, glücklich werden," neckt Helen und grinst ihrerseits. „Aber ich gebe dir recht, das hier schmeckt wirklich gut."

Ich esse jedenfalls von allem etwas. Es gibt noch ein spanisches Gericht und dann macht Frankreich den Abschluss mit dem Dessert, einer Crêpe Suzette. Und nach gut drei Stunden sind wir wirklich alle pappsatt. Es wird noch eine Hochzeitstorte geben, aber wir haben den Kaffee und die Torte bewusst auf eine spätere Stunde verschoben, beides wird erst um halb elf serviert. Den Hauselfen sprechen alle ein dickes Lob aus, nachdem Professor Dumbledore sie aus der Küche hergerufen hat. Alle spenden den Kleinen grossen Applaus, was sie alle ganz verlegen macht. Ich habe in der ganzen Zeit in Hogwarts nur bei den Festen im vierten Jahr während des Trimagischen Turniers erlebt, dass sie auch internationale Küche hinkriegen. Damals hatte ich viele andere Sorgen und konnte es gar nicht richtig geniessen, aber heute haben sie bewiesen, dass es wohl nichts gibt, was ihnen Schwierigkeiten bereitet. Sie hätten uns wohl auch Thailändische Küche vorgesetzt, wenn wir sie verlangt hätten.

Gleich nach dem Essen darf Colin Creevey, den ich ebenso wie seinen kleinen Bruder Dennis eingeladen habe, die offiziellen Fotos machen. Colin ist mir oft auf die Nerven gegangen, aber ich weiss, dass er wirklich einen hervorragenden Blick für seine Fotografie hat und habe ihm deshalb das ‚Amt' ganz offiziell angeboten, mit Bezahlung. Er hat schon den ganzen Nachmittag und auch während des Essens fleissig Bildchen von allen Gästen und uns gemacht. Es wird bestimmt viel Spass machen, uns die Bilder anzusehen. Jetzt machen wir die offiziellen Gruppenbilder und auch ein paar mit Hermione und mir alleine. Aber wir posieren mit der ganzen Gesellschaft, mit vielen Leuten alleine, mit der Familie, es dauert fast eine Stunde, bis alle irgendwo drauf sind. Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass ich jetzt eine so zahlreiche Familie habe.

Danach beginnt die Band von der Unterhaltungs- zur Tanzmusik zu wechseln, denn ich ziehe Hermione auf die Tanzfläche und sofort stimmen sie einen Walzer an. Während der Tisch abgedeckt und das Dessert aufgetragen wird, fangen wir an zu tanzen und winken auch die anderen zur Tanzfläche herüber. Dabei sehe ich, wie Molly und Arthur Weasley Sirius und Remus die Babys abnehmen und sie zum Tanzen schicken. Ron und Justin, Ernie und Ginny, und dann alle anderen, die Lust zum Tanzen haben, folgen schon bald nach. Es ist toll und süss und ich hoffe, dass dieser Abend nie zu Ende geht! Wie es aussieht, wechseln Mum und Dad sich beim Hüten der Kleinen mit Remus und Sirius ab, damit sie alle zum Tanzen kommen.

Nach einiger Zeit sind die Kleinsten so müde, dass sie ihre stille Ecke und Winky wiederfinden. Meine Eltern und Paten sind jetzt frei, für eine Weile ihrem eigenen Vergnügen nachzugehen.

Da ich ein gut erzogener Junge bin, gehe ich, um auch andere zum Tanzen zu holen, nachdem ich ein paar Runden mit Hermione gedreht habe. Sirius schnappt sich erfolgreich Hermione für einen Tanz, dann übergibt er sie an Remus und der an George und Dad, nachdem alle drei erfolgreich ihren altersbedingten Anspruch angemeldet haben. Doch auch Ron und unsere Klassenkameraden bekommen noch eine Gelegenheit. Ich kenne meinen Benimm und fordere zunächst Helen auf. Dann Mum. Dann Molly Weasley, die mich nun endlich auch auffordert, sie beim Vornamen und mit du anzusprechen. Das wurde eigentlich auch langsam Zeit, wie lange kennen wir uns nun schon? Anschliessend hole ich Professor McGonagall aufs Parkett. Sie schenkt mir ein Lächeln, was sie nur selten tut und wir tanzen einen ganz ansprechenden Slowfox zusammen.

„Ich weiss gar nicht, wie ich Ihnen und Professor Dumbledore für alles danken soll, Professor, dafür, dass wir hier unsere Hochzeit feiern dürfen und..."

„Das war für uns ein ganz besonderes Vergnügen, Potter, mal ganz abgesehen davon, dass Hogwarts fast jedes Jahr ein oder zweimal dafür zur Verfügung steht. Wenn auch nicht immer mit unserer Beteilung. Sie sollten wissen, dass weder Professor Dumbledore noch ich Sie jemals ganz aus den Augen verloren haben. Und wir mögen Sie und Ihre reizende Braut beide ganz besonders gern."

„Hermione hat auch immer ganz grosse Stücke auf Sie gehalten, Professor."

„Ich sehe einige Parallelen zwischen Hermione und mir, Potter. Ich war eine ebenso begeisterte Schülerin, allerdings hatte ich auch ein gewisses Interesse am Quidditch. Ich habe selber gespielt, als Jägerin, wissen Sie. Aber auch ich habe sehr früh geheiratet. Obwohl ich doch sehr hoffe, dass die Ähnlichkeiten damit aufhören, denn ich war kaum zwei Jahre verheiratet, als mein Mann eines der ersten Opfer eines gewissen Tom Riddle wurde – der sich damals im Dienst von Grindelwald befand. Danach habe ich nie wieder jemanden kennen gelernt, den ich ebenso hätte lieben können und dann berief Albus mich nach Hogwarts. Die Kinder von Hogwarts sind heute meine Kinder und sie machen mich im Allgemeinen sehr glücklich... trotzdem kann ich nicht umhin, zu wünschen, auch Duncans Seele hätte aus diesem schrecklichen Zauberstab befreit werden können."

Ich bin völlig baff. Noch nie hat meine ehemalige Transfigurationslehrerin mit mir über etwas gesprochen, was nicht mit der Schule oder Quidditch zu tun hatte. Nimmt mich wunder, wie viele Leute diese Geschichte kennen – und ob sie sie aus ihrem eigenen Mund kennen oder nur von anderen. Aber trotz meines Erstaunens über ihre Mitteilsamkeit denke ich einen Moment darüber nach, wie das wäre, Hermione zu verlieren. Ich will lieber gar nicht dran denken. Ich bin sicher, ich könnte danach auch nie wieder jemanden so lieben wie sie.

Was sie mir erzählt hat, geht mir den ganzen Abend nicht aus dem Kopf. Ich werde Kingsley fragen, was eigentlich mit den Zauberstäben von Voldemort und den Todessern geschehen ist. Ich hoffe, dass sie nicht zerstört worden sind. Ich wäre bereit, einen erneuten Prior Incantatem mit Voldemorts Zauberstab zu generieren, nur um all die Seelen draus zu befreien. Und wer weiss – mit Mr. Ollivanders Hilfe könnten wir doch Bruderzauberstäbe für die anderen zu finden versuchen und auch die auf diese Weise behandeln... welch ein kühner Gedanke!

Nachdem es dunkel geworden ist, kommt zunächst der Kaffee und die Torte, danach locken Fred und George uns auf das Gelände vor der Schule, um ihr Feuerwerk abzulassen. Mit einem Schwenker seines Zauberstabes zündet Fred die Lunte und dann geht ein viertelstündiges Feuerwerk los, das seinen Namen wirklich verdient. Sie haben es geschafft, ein Abbild von Hermione und mir hinzukriegen, in einem Bild transformieren wir beide und spielen wie zwei Hunde über den nächtlichen Himmel von Hogwarts, bevor uns das nächste Bild wieder in unserer menschlichen Gestalt hervorbringt, Hand in Hand. Zum Schluss gibt's noch einen Text mit einem Glückwunsch:

„Weasleys Zauberhafte Zauberscherze gratulieren Hermione und Harry und wünscht ihnen ein langes, glückliches Leben zu zweit."

Alle spenden den Zwillingen den wohlverdienten Applaus. Das war schon fast ernsthaft für die beiden, aber George erklärt mir mit einem Zwinkern in den Augen:

„Wir wollen diese Art von Feuerwerk vermarkten. Individuell für jedes Brautpaar oder zu sonst welchen Festlichkeiten."

Wir kehren in den Innenhof zurück, wo wir uns weitere drei Stunden mit Zusammensitzen oder -stehen und tanzen vergnügen. Dann verlassen die älteren Gäste so langsam die Szene. Barb und Housi werden von Sirius in ihre Unterkunft zurückgeleitet, dabei nimmt er auch die Zwillinge mit, damit sie in ihren Wiegen ruhiger schlafen können. Hermione und ich wollen uns auch schon bald auf den Weg machen, doch zuvor versammeln wir zuerst die unverheirateten Damen in der Gästeschar und Hermione schmeisst ihren Brautstrauss in die Luft. Parvati fängt ihn auf! Und dann gibt's auch etwas für die unverheirateten Jungs, denn Hermione klettert auf einen Stuhl, dreht uns den Rücken zu und zieht mit einem sexy Schwenken ihres Hinterteils ihre Robe hoch, dann zieht sie ein Strumpfband herunter, das sie extra für diesen Zweck heute angelegt hat. Sie lässt es einen Moment über ihren Kopf kreisen, dann wirft sie es über ihre Schulter in die versammelte Schar der Herren.

„Das selbe wie bei den Mädels gilt auch hier: der erste, der das Ding auffängt, wird als nächster heiraten!" erkläre ich.

Ron und Justin grinsen und ziehen sich sofort in den Hintergrund zurück. Fred ist der glückliche Gewinner. Er grinst breit und schmeisst das Strumpfband zu Angelina, die es lachend auffängt.

Wir verabschieden uns bei allen und betreten die Grosse Halle wieder. Während wir sie durchqueren, fragt Hermione:

„Sollen wir uns gleich umziehen?"

„Wir können unsere Klamotten auch nur einfach aufnehmen und uns zuhause umziehen..." schlage ich vor.

„Auch gut. Komm!"

Ich kann es kaum erwarten. Wir schnappen uns in Sirius' Wohnung unsere Sachen. Meine sind noch in seinem Schlafzimmer, aber Housi und Barb haben Hermiones Tasche im Wohnzimmer auf ein Sofa gelegt. Dann schnappen wir uns unsere Besen und fliegen bis zur Anti-Apparierungsgrenze, von wo wir nach Hause apparieren.

Wir sind beide noch nicht bereit, dieses Nest zu verlassen, denn es gefällt uns hier noch zu gut, und ich nehme an, dass das frühestens diskutiert wird, wenn wir uns mal vermehren sollten. Heute ziehen wir nur unsere schönen Roben aus und hängen sie auf Bügeln hinter der Tür auf, dann ziehen wir uns etwas bequemes an und stecken unser verkleinertes Gepäck in die Hosentaschen. Zauberstab ebenfalls in die Tasche und dann geht's los, wir apparieren uns durch die diversen Zwischenstopps bis zur Ostküste von Australien und von dort mit einem letzten Hüpfer nach Fidschi. Wir haben dort ein hübsches kleines Rundhaus am Strand für drei Wochen, das mit allem Komfort eingerichtet ist. Wenn wir ankommen, wird es dort Mittag sein, perfekt, um das Häuschen auch gleich zu beziehen.