A/N: Also das... -sprachlos- Eure Reviews sind wunderbar! Danke! -schnappt sich alle Reviewer und knuddelt sie- Ich habe ein gutes Stück von meinem Herzen in diese Geschichte hineingeschrieben, und war doch etwas nervös, wie sie ankommt... Ich kann nur sagen, dass es mir ebensoviel Freude bereitet hat, eure Reviews zu lesen, wie euch, meine Geschichte zu lesen!
Hier ist der zweite Teil, ich hoffe, er gefällt euch und ihr sagt mir, was ihr denkt! Er ist noch etwas... emotionaler... als der erste Teil, also falls jemand Taschentücher braucht – holt sie euch vorher! -lächelt geheimnisvoll- Und ich arbeite bereits an einer weiteren Geschichte... die etwas länger wird, also noch etwas Geduld...


Eine Nacht in Lothlórien

Teil 2

o-o-o-o

Er fröstelte, und diesmal war er es, der den Blick abwandte. Er fühlte, wie die Trauer in ihm emporstieg wie eine große, dunkle Woge. Er löste seinen Arm sanft aus Aragorns Griff, ging ein paar Schritte auf die Lichtung hinaus und ließ sich auf die Knie sinken.

Nach einen kurzem Zögern folgte ihm Aragorn, und er spürte den besorgten Blick des Mannes auf sich ruhen. Eine Hand berührte leicht seinen Arm.

„Legolas?"

Legolas widerstand dem Drang, die Augen zu schließen. Stattdessen hob er den Kopf und sah Aragorn an. Er wusste, dass sein Freund mühelos in seinem Blick zu lesen vermochte. Die leise Sorge in Aragorns Gesicht wich ein wenig und wurde durch tiefes Verständnis ersetzt. Der Waldläufer legte die Hände fest auf die Schultern seines Freundes.

„Du hättest um meinetwillen nicht an diesem alten Schmerz rühren sollen, mein Freund," sagte er sanft.

Ein feines Lächeln spielte für einen Moment um Legolas' Lippen. „Meine Trauer ist für Mithrandir, nicht für die, die vor langer Zeit gefallen sind," erwiderte er leise. „Sein Tod war es, der die Erinnerung geweckt hat, nicht der Versuch, einen sturen Waldläufer zur Vernunft zu bringen."

Ein leises Lachen des Mannes war seine Belohnung. Aragorn drückte die Schultern seines Freundes kurz und voller Zuneigung, dann zog er seine Hände zurück.

Eine Weile saßen sie einfach nur schweigend beieinander, lauschten auf die Geräusche der Nacht und hingen ihren eigenen Gedanken nach. Legolas blickte zu den Kronen der Bäume und den funkelnden Sternen empor, während Aragorns Blick auf die zarten Blüten gerichtet war, die zwischen den Grashalmen schimmerten. Dann, zögernd, begann der Elb zu singen. Zuerst war sein Gesang leise, und immer wieder brach seine Stimme, und er verstummte für einen Moment, bevor er von neuem begann. Er sang von Mithrandir, einige der Lieder, die er heute gehört hatte, und mehr von dem, was in seinem Herzen war. Die Trauer wallte in ihm auf und flutete über ihn hinweg, schnürte ihm manchmal die Kehle zu, dass er glaubte, zu ersticken, und ließ dann Melodien und Worte aus ihm hervorströmen, die sich mit den Lauten des Windes und dem Gesang der Sterne zu einem Teppich aus Tönen und Licht verwob. Sie schlug über ihm zusammen und begrub ihn unter sich, und er ließ es geschehen. Mit der Zeit wurde seine Stimme fester, und sein Gesang klarer, doch der Schmerz und das Leid darin zeugte von der dunklen, schweren Last auf seinem Herzen.

Aragorn lauschte gebannt, und sein staunender Blick ruhte auf dem Gesicht seines Freundes. Ein fast überirdischer Glanz lag auf den Zügen des Elben und leuchtete aus seinen Augen. Legolas hielt sein Gesicht nach oben gerichtet, zu den Sternen. Die Melodie war wunderschön, doch voller Wehmut und so traurig, dass ein Herz über ihr zerbrechen mochte. Aragorn bemerkte, dass die Bäume sich ihnen zuneigten, als ob sie dem Elb näher sein wollten, und selbst die Luft um sie her schien den Atem anzuhalten. Legolas' ganzes Leben, sein ganzes Herz lag in diesem Lied, und Aragorn fühlte, wie etwas in seinem tiefsten Innersten vibrierte und Antwort gab.

Eine zweite, tiefere Stimme fiel ein und griff die Melodie auf, so mühelos und harmonisch, wie sich ein Bach mit einem anderen vereinte. Legolas' Bewusstsein war weit fort, doch die Stimme, die sich mit der seinen verwob, war wie eine warme Berührung in der Dunkelheit, verband ihn mit einem Herzen, das sein Leid teilte. Er schloss die Augen und fühlte, wie Tränen über seinen Wangen rannen. Eine lange Zeit sangen sie gemeinsam, dann, irgendwann, brach Aragorns Stimme ab.

Der Waldläufer sank vornüber, vergrub das Gesicht in den Händen und weinte. Nach einem Moment spürte er eine warme Hand auf seinem Rücken. Legolas Gesang war leiser geworden, doch er war nicht verstummt. Aragorn hörte ein Echo seiner eigenen Gefühle, seiner eigenen Tränen in der sanften Melodie.

Irgendwann hatte er keine Tränen mehr. Der Schmerz in seinem Inneren war zu einem dumpfen Pochen geworden. Er fühlte sich hohl und erschöpft. Seine Augen brannten. Langsam richtete er sich auf. Die Hand lag immer noch auf seinem Rücken, und Legolas Blick begegnete dem seinen, als er den Kopf hob. Ihrer beider Gesichter waren tränennass, und ihre Augen müde von Tränen und Schmerz. Legolas' Lied verstummte. Aragorn seufzte, brach aber die Stille nicht.

Einen lange Zeit saßen sie einfach nur beisammen und fanden Trost in der Gesellschaft des anderen. Ein Echo ihres Gesangs schien noch um sie her in der Luft zu liegen und erfüllte den Wald mit einem sanften Zauber.

„Es ist nicht wahr," flüsterte Aragorn schließlich, seine Worte nicht mehr als ein leichtes Kräuseln in der Stille. Auf seinem Gesicht zeigte sich ein mattes Lächeln, doch in seinen Augen stand Schmerz.

Legolas wandte sich ihm zu. „Was?" fragte er leise und leicht verwirrt.

„Dass Tränen den Schmerz lindern," erwiderte Aragorn schlicht.

Legolas schwieg einen langen Moment. „Es kommt darauf an," sagte er dann beinahe zögernd. „Es kommt darauf an ob es Tränen der Verzweiflung oder der Hoffnung sind." Der Blick des Elben war auf den Boden vor ihm gerichtet, doch er nahm das Gras und die Blumen nicht wirklich wahr. „Mithrandir ist nicht tot."

Diesmal war es an Aragorn, verwirrt zu sein. Er sah Legolas an, blieb aber stumm.

Der Elb hob den Kopf, und sein Blick schien in eine unbestimmbare Ferne zu gehen. „Das, was er war, ist nicht verloren," fuhr er leise fort. „Er ist nur weit entfernt, an einem anderen Ort." Er blinzelte, und seine Augen wurden klar. Auf seinem Gesicht lag ein sehr nachdenklicher Ausdruck. Er begegnete Aragorns Blick. „Du hast mich das damals gelehrt," sagte er mit einem leicht wehmütigen Lächeln, „aber ich hatte es vergessen."

Aragorn musterte den Elben mit verwunderter Zuneigung. „Du bist weise geworden, mellon-nîn," sagte er ernst.

Das zauberte ein weiteres Lächeln auf Legolas' Gesicht. „Ich war schon weise lange bevor du geboren wurdest, Mensch!" erwiderte er mit einem Anflug von Leichtigkeit, der Aragorn wohl tat.

Der Waldläufer lachte leise und schüttelte den Kopf. „Gib dir keine Mühe," empfahl er dem Elben an seiner Seite. „Das werde ich dir niemals glauben."

„Es gibt noch etwas, das nicht wahr ist," sagte Legolas und beobachtete seinen Freund. Der Mann sah den Ernst in seinen Augen und blickte ihn fragend an. „Es ist ein Mythos, dass ein Mensch nicht an Trauer zu sterben vermag. Der Körper mag leben, doch die Seele geht zugrunde. Die Erstgeborenen unterscheiden sich nicht so sehr von den Menschen."

Aragorn blickte ihn an und versuchte zu verstehen, was in seinem Freund vor sich ging. „Ich habe nicht vor, zu sterben," sagte er sanft. Sein Herz fühlte, dass Legolas diese Zusicherung brauchte.

„Ich wäre dir gefolgt," fügte Legolas schließlich so leise hinzu, dass Aragorn ihn kaum verstand.

Er brauchte einen Augenblick, bis ihm klar wurde, wovon Legolas sprach. Er dachte an den Moment in den Minen von Khazad-dûm zurück, an den Moment der Entscheidung. Er hatte niemals darüber nachgedacht, was geschehen wäre, wenn er sich entschlossen hätte, Gandalfs Befehl zu missachten. Legolas wäre ihm gefolgt... und vermutlich nicht nur er. Er fragte sich, wie viele von ihnen den Pfeilhagel überlebt hätten, den die Orks zu diesem Zeitpunkt auf sie herabregnen ließen, und schauderte. Er hätte sie alle in den Tod führen können. In diesem Augenblick wusste er plötzlich, dass seine Entscheidung – und Gandalfs Befehl - richtig gewesen waren. Er fand keine Worte, die dem angemessen gewesen wären, was er in diesem Moment empfand. Stattdessen legte er eine Hand auf Legolas Schulter und drückte fest zu. Er sah in Legolas Augen, dass der Elb verstand.

„Würdest du mir etwas erzählen?" fragte Legolas leise. „Etwas von deinen Reisen... mit Mithrandir?"

Aragorn blickte ihn erstaunt an. Er dachte einen Moment ernsthaft über die Frage nach, nicht sicher, dass er bereits wieder in der Lage war, über Gandalf zu sprechen. Zu seiner Überraschung stellte er fest, dass er es sogar wollte. Trotz des Schmerzes, der es noch immer zerriss, hatte sein Herz ein wenig Frieden gefunden. Er wollte sich an das erinnern, was vorher gewesen war. An die guten Zeiten. An seinen Freund. Er erkannte, dass Legolas es ebenso wollte. Dass er es brauchte. „Einverstanden," sagte er mit einem feinen Lächeln. „Wenn du mir danach von Gandalfs Besuchen im Düsterwald erzählst."

Legolas nickte und erwiderte sein Lächeln.

Keiner von beiden wusste, wie lange sie dort saßen und sich gegenseitig Geschichten von ihrem Freund erzählten. Es gab viel zu erzählen, aber weniger, was sie nicht schon zu irgendeinem Zeitpunkt miteinander geteilt hatten. Als sie dieses Mal zu einem Ende kamen, waren ihre Herzen leichter, und der Schatten über ihren Seelen war ein wenig gewichen.

Legolas sah sich um wie jemand, der aus einem langen Schlaf erwacht und stellte überrascht fest, wie viel Zeit bereits verstrichen war. „Es ist spät," sagte er, zu Aragorn gewandt. „Wir sollten zurückgehen. Wir sind nicht die einzigen, die heute Nacht des Trostes bedürfen."

„Ich weiß." Aragorn seufzte erneut. „Ich konnte ihnen nicht gegenübertreten. Nicht bevor..." Er brach ab und verstummte.

Legolas maß ihn mit einem verständnisvollen Blick. „Nicht bevor du dir selbst gegenübergetreten warst," beendete er den Satz sanft.

Aragorn nickte, einmal mehr darüber erstaunt wie leicht Legolas in ihm zu lesen vermochte. Er blickte dem Elben in die Augen.

„Hannon le, mellon-nîn," sagte er ernst. Und fügte hinzu: „Danke, dass du gekommen bist."

Legolas neigte den Kopf leicht zur Seite. „Ich habe dir nicht mehr geholfen als du mir," erwiderte er ruhig.

Aragorn schüttelte den Kopf, konnte ein Lächeln aber nicht ganz unterdrücken. Wieso konnte der Elb seinen Dank nicht ein einziges Mal einfach akzeptieren? „Du bist unverbesserlich, mein Freund," murmelte er, während er sich erhob und Legolas eine Hand entgegenstreckte.

Legolas ergriff sie und ließ sich von ihm auf die Füße helfen. Er hielt Aragorns Hand noch einen Moment länger fest und sah ihm in die Augen. „Wenn du anfängst, dich bei der Sonne dafür zu bedanken, dass sie scheint," sagte er, „dann bedanke dich bei mir dafür, dass ich dein Freund bin."

- Ende -


Ein dickes Dankeschön an: Nyella ( -reicht Taschentücher und knuddelt- Du hörst dich sehr an wie ich...), Melethil (Es bleiben noch Fragen offen, nicht wahr? -lächelt unschuldig- Ich schreibe daran!), SO4 (hier ist das Kapitel, ich hoffe, du magst es!), Isildwen ( -lächelt- Ich schreibe weiter, hier ist der Beweis!), Sarah ( -rotwerd- Ich kenne ManuKu und will immer noch wissen, wie es weitergeht... -grummel- ), Feael ( -überreicht Fortsetzung auf einem Tablett- Ich hoffe, du hast Freude daran!), MysticofGermany ( -läuft rot an und überreicht das Kapitel in Geschenkpapier- Danke!)