Es war so vorhersehbar. Die beiden reagierten genauso, wie sie es erwartet hatte.

Der Junge flehte um das Leben seiner Geliebten, das Mädchen fiel vor Angst fast in Ohnmacht.

Er amüsierte sich offenbar köstlich, trotz des Fehlens seiner Maske, welches normalerweise verursachte, dass er sich unwohl fühlte, auch wenn er allein war.

Plötzlich schmolz sein amüsiertes Lächeln zu einer Maske schrecklicher Wut zusammen. „Deine Hand muss in Augenhöhe sein!" Er sprang den Jungen an und band ihn mit einem Stück Seil, das er aus dem Wasser gezogen hatte, ans Gittertor, seine Augen schienen in Flammen zu stehen.

Er schien gerade erst bemerkt zu haben, dass der Junge sein Gesicht angestarrt hatte. Jetzt wandte er sich dem Mädchen zu. „Es liegt bei dir. Lebe mit mir, und er ist frei. Verlass mich, und er stirbt. Jetzt gibt es kein Zurück."

Sie verdrehte entnervt die Augen, als die beiden versuchten, sich gegenseitig zum Gehen zu bewegen. Die Bestätigung aller jemals existierenden Clichés.

Er legte dem Jungen ein Seil um den Hals und zog die Schlinge langsam zu, um die Entscheidung des Mädchens ein wenig zu beschleunigen. Als das Mädchen schließlich in Tränen ausbrach und versprach, alles zu tun, beschloss sie, ihren Auftritt zu machen.

„Also wirklich. Habe ich dir denn gar nichts beigebracht?" sie sprach mit anklagender Stimme, während sie aus dem Schatten trat und auf das schluchzende Häuflein Elend am Boden zuging. „Du musst dich immer im Griff haben. Eine Ballerina lächelt auch dann noch, wenn das Blut aus den Spitzenschuhen tropft. Aber ich sehe, du warst nie eine gute Tänzerin. Ich bin sehr enttäuscht von dir."

Als das Mädchen sie bemerkt hatte, war ein Schatten der Hoffnung in ihr Gesicht geschlichen. Er war sehr schnell verschwunden, als sie ihren stählernen Gesichtsausdruck sah.

„Wie konnten Sie nur?", schluchzte das Mädchen. „Sie wussten es die ganze Zeit! Wie konnten sie mir das antun?"

Sie lachte. „Wie ich das tun konnte? Meine Liebe, du überschätzt deine eigene Bedeutung. Hier geht es nicht um dich. Oder um ihn.", fügte sie mit einem verächtlichen Blick auf den Jungen hinzu. Das schien mehr zu sein, als er verkraften konnte, denn er schrie ungläubig auf. „Ich habe Ihnen vertraut! Hören Sie mich? Ich habe Ihnen vertraut! Und Sie haben uns verraten!"

Sie lächelte ein luftiges Lächeln. „Warum habe ich Euch verraten, Monsieur? Ich habe Euch versprochen, dass ich Euch zu ihm bringen würde, und hier seid Ihr."

Währenddessen hatte er das Seil das Seil um den Hals des Jungen losgelassen und kam auf sie zu. Seine Miene war schelmisch. „Da wir das jetzt geklärt hätten, was denkst du, was wir mit ihnen tun sollen, Mademoiselle la danseuse?"

Sie tat, als würde sie nachdenken. „Ich kann mich wirklich nicht entscheiden. Wir könnten ihnen natürlich alles über unseren bösen, hinterhältigen Plan erzählen und sie dann beseitigen. Aber das wäre so clichéhaft. Wir könnten ihnen auch alles über unseren bösen, hinterhältigen Plan erzählen und sie dann blind in die Kellergewölbe schicken." Während sie sprach, wurde ihr Lächeln zu einem verächtlichen Grinsen. Das Ganze erwies sich als wesentlich amüsanter als sie erwartet hatte, denn die beiden zitterten vor Furcht bei dem Gedanken, in die endlose Dunkelheit der Operngewölbe geschickt zu werden.

„Eine hervorragende Idee. Also, der Plan ... wo fange ich an? Wisst ihr, das Leben hier unten mag ja ruhig und ungestört sein. Aber irgendwie muss man ja auch leben. Und das erfordert gewisse finanzielle Mittel. Diese können praktischerweise durch die Operndirektion zur Verfügung gestellt werden. Aber wie überzeugt man die Herren davon, diese Zahlungen auch tatsächlich zu leisten?" Er lächelte sie an wie ein Tiger, der eine Ziege betrachtete. „Und an dieser Stelle kommt ihr beide ins Spiel. Der junge Mäzen, der beim Aufbringen des Geldes eine helfende Hand darreicht. Die begabte junge Sängerin, ein Werkzeug, um zu beweisen, dass der Geist ernstgenommen werden sollte. Nicht weniger, nicht mehr.

Wieder einmal sehen wir, dass Geld die Welt regiert.", fügte er mit einem bösen Lächeln hinzu.

Die beiden sahen aus wie vom Donner gerührt. „Du meinst du hast mich benutzt?", wisperte das Mädchen.

Anstelle einer Antwort ging er zu einer dunklen Ecke seiner Grotte, suchte einen Moment und kam mit zwei Stücken Seil und zwei Augenbinden zurück.

Sein Gesicht war nun ernst, in seinen Augen lag ein seltsamer Glanz.

Er suchte für einen Moment ihren Blick und sah sie eindringlich an. Als sie nicht reagierte, glaubte sie einen Hauch von Enttäuschung in seinen Augen zu erkennen, aber als sie noch einmal hinsah, war er verschwunden.

Er näherte sich dem zitternden Pärchen mit Entschlossenheit.

„Diese Situation verliert zusehends an Dramatik. Ich denke, wir sollten zum Ende kommen.

Würdest du mir zur Hand gehen, Mademoiselle la danseuse ?", rief er ihr über die Schulter zu.

Sie ging auf sie zu, in Gedanken immer noch bei dem seltsamen Blick, den er ihr zugeworfen hatte.

Während er sorgfältig die Hände fesselte, verband sie dem verängstigten Paar die Augen.

Als sie fertig waren, trat sie einen Schritt zurück. Er grinste, offenbar höchst zufrieden mit sich. „Ich werde die Zwei auf dem ersten Teil ihres Weges begleiten. Ich wäre auf das Höchste geehrt, wenn du auf meine Rückkehr warten würdest. Fühl dich bitte wie zu Hause."

Er wandte sich um und führte die beiden zum Boot. Als sie aus ihrem Blickfeld verschwunden waren, drehte sie sich um und setzte sich auf ihren Lieblingsplatz neben der Orgel.

Während sie wartete, begann sie wieder, nachzudenken. Warum hatte er sie nicht in seine Pläne eingeweiht? Vertraut er ihr nicht mehr?

Aber warum hatte er ihr dann so bereitwillig alles erzählt? Es machte einfach keinen Sinn. Und warum, warum hatte er sie die ganze Zeit so angesehen mit diesem Lachen in den Augen, das nichts mit ihrem kleinen Spielchen zu tun zu haben schien?

Sie kam schließlich zu dem Schluss, dass sie sich über diese Sache nicht den Kopf zerbrechen wollte und beschloss, ihn ganz einfach zu fragen. Nachdem sie diese Entscheidung getroffen hatte, fühlte sie sich wesentlich besser, und sie lehnte in ihrem Sitz zurück, um seine Rückkehr abzuwarten.