Spiel ohne Grenzen – Runde 2

Tja, eigentlich wollte ich ja keine Teen-Titans-Fanfic mehr schreiben, aber irgendwie ist mir diese Geschichte nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Sie handelt vom Ende der Folge "Spiel ohne Grenzen", in der nach dem Wettstreit der Superhelden plötzlich Raven, Starfire und Terra zum Wettstreit der Heldinnen eingeladen wurden. Da wir nie erfahrne haben, wer gewonnen hat, hab ich meine Version in dieser Story verewigt. Viel Spaß.

Disclaimer: Nein, die Titans gehören mir nicht. Leider.

Kapitel 1: Die Herausforderung

Starfire blinzelte verwirrt. Nanu? Vor einem Moment war sie doch noch im Titans-Tower gewesen und hatte sehnlichst auf eine Nachricht von ihren Freunden gewartet. Dann war auf einmal alles weiß geworden und sie hatte sich hier wiedergefunden. Aber wo war „hier" überhaupt?

„Willkommen, junge Champions."

Die fremde Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Wie die anderen Personen im Raum – sie bemerkte erst jetzt, dass sie nicht allein hier war – drehte sie sich zu einer erhöhten Plattform um. Das Wesen, das sie dort stehen sah, war groß und muskulös, hatte weißes Fell an einigen Stellen seines Körpers und ansonsten eine graue Hautfarbe. Es trug außer einem goldenen Gürtel und ebenfalls goldenen Armschienen nur ein riesiges rotes Juwel an einer Halskette, das sehr hübsch funkelte. Die Augen wirkten irgendwie stechend, als sie die acht Figuren unter dem Wesen musterten. Dann sprach das Wesen weiter.

„Ihr seid hiermit eingeladen zum Wettstreit der Heldinnen!"

Als sich Starfire an die neben ihr stehende Raven wandte, nahm sie ihre Augen nicht von dem Wesen. Irgendwie kam es ihr bedrohlich vor.

„Raven?"

„Hmm?"

„Ich habe ein ungutes Gefühl bei dieser Sache", bekannte sie.

„Aber nicht doch, junge Heldin", mischte sich das Wesen ein. „Der Wettstreit der Heldinnen ist ein rein sportliches Kräftemessen zwischen den größten Heldinnen der Welt, völlig... nun, so gut wie ungefährlich." Er reckte den Kopf. „Ich bin der Meister der Spiele und habe euch hierher gebracht, um euer Können zu testen. Und die acht Teilnehmerinnen dieses Spiels sind..."

Das Juwel blitzte auf und plötzlich konnte man Starfire sehen, die einen riesigen Starbolt auf Cinderblock schoss, der schützend seine steinerne Hand vor das Gesicht hob. Ihre Augen glühten giftgrün vor Kampfeslust. „Starfire, die Kronprinzessin von Tamaran, die aber viel lieber mit ihren Freunden Monster und Superverbrecher jagt, als den Thron ihrer Heimatwelt zu besteigen. Sie mag euch hier etwas unsicher vorkommen, aber es wäre dennoch gefährlich, ihren Zorn zu wecken."

Als nächstes zeigte der Rubin Bilder einer Heldin mit lilafarbenem Haar und hautengem, ebenfalls in dunkelvioletten Tönen gehaltenem Anzug. Einige Gangster bedrohten sie mit Revolvern, aber auf ein Kopfnicken von ihr entschlüpften alle Waffen den Händen und richteten sich auf die überraschten Gangster. „Magenta", stellte der Meister der Spiele vor, „die anziehende junge Frau mit Magnetkräften. Reizt sie besser nicht, wenn sich Eisen in eurer Nähe befindet."

Nach einem weiteren Flackern erschien ein Bild von Terra, die auf einem riesigen Felsbrocken ritt und mehrere kleinere Steine als Schutzschild um sich herum levitieren ließ. „Terra. Sie sieht sehr zart aus, gebietet aber über Erde und Stein. Wer mit ihr kämpft, kann dem Boden unter sich nicht mehr trauen."

Die nächste Teilnehmerin war Starfire und Raven zwar bekannt, aber nicht unbedingt im positiven Sinn. Raven knirschte mit den Zähnen, als Jinx gezeigt wurde, die Hex-Wellen gegen Raven schleuderte, die daraufhin ausweichen musste. Die Hexe grinste anzüglich in die Kamera. „Jinx", verkündete der Meister der Spiele unbeirrt, „hat immer den passenden Fluch auf Lager, um ihren Feinden das Leben schwer zu machen. Vertraut besser nicht auf euer Glück, wenn ihr gegen sie antreten müsst."

Nachdem das Bild der Hexe zu Ravens sichtlicher Erleichterung verschwunden war, erschien nun eine schwarzhaarige junge Schönheit, deren anmutiger, aber offenbar gut trainierter Körper von einem hautengen roten Dress und schwarzen Stiefeln nur notdürftig verdeckt wurde. An ihrem goldenen Gürtel mit einer W-förmigen Schnalle hing ein Lasso. „Wonder Girl", stellte der Meister vor, „die kampfstarke Amazonenkriegerin, der kaum ein männlicher Superheld das Wasser reichen kann. Wer klug ist, vermeidet einen Nahkampf mit ihr."

Als nächstes erschien das Bild von Raven, die gerade ein Auto mittels Telekinese hochhob und auf Plasmus schleuderte. Ihre Augen glühten weiß und ihre Zähne waren zusammengepresst, als sie mit einem schwarz glühenden Schutzschild einen geschleuderten Schleimklumpen abwehrte. „Raven, das düstere Mädchen, das immer einen kühlen Kopf bewahrt. Wenn ihr euch mit ihr anlegt, dann haltet nach schweren Gegenständen Ausschau, die in eure Richtung fliegen."

Die vorletzte Heldin war den beiden Freundinnen wieder unbekannt. Sie hatte feuerrotes Haar und trug ein aufwändig gestaltetes Kostüm in hellen Farben, das wie aus facettenreich geschliffenen Kristallen zusammengesetzt wirkte. Sie wirkte nicht sehr selbstsicher, aber die gezeigten Bilder sprachen für sich selbst: Das Mädchen errichtete in Sekundenschnelle eine Kristallbarriere zwischen einigen hilflosen Menschen und einem einstürzenden Haus. „Kole", verkündete der Meister ihren Namen. „Kristalle mögen nicht so stabil sein wie Metall, aber wer einen Kristallweber unterschätzt, sollte aufpassen, dass er nicht unter einem Scherbenhaufen begraben wird."

Als die letzte Teilnehmerin erschien, war es an Starfire mit den Zähnen zu knirschen. Raven warf ihr kurz einen besorgten Blick zu, als die Augen der Tamarianerin grün aufflammten. Vor ihnen war Blackfire gerade dabei, eine Centauri-Patrouille mit Starbolts zu beschießen und anschließend im Nahkampf auseinander zu nehmen. Die ganze Zeit über trug Starfires ältere Schwester ein abfälliges Grinsen im Gesicht. „Blackfire, die ältere Schwester von Starfire. Sie hat die gleichen Kräfte wie ihre kleine Schwester, setzt sie aber skrupelloser ein. Erwartet im Kampf keinerlei Rücksicht von ihr."

Nachdem das Bild der Tamarianerin verschwunden war, konnten die acht Mädchen wieder den Meister der Spiele sehen. „Ihr alle habt das Potential zu einer Siegerin – aber nur eine kann dieses Spiel gewinnen!"

„Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?", hörte man im Hintergrund Jinx' betont gelangweilte Stimme. Die Hexe hatte die Arme verschränkt und musterte den Meister mit ausdruckslosem Gesicht. „Nicht dass ich was dagegen hätte, ein paar Brave-Mädchen-Hintern zu versohlen, aber was springt überhaupt für die Siegerin raus? Eine Medaille?"

Die Miene des Meisters blieb unbewegt. „Hier gibt es keine Medaillen, junger Champion. Aber sei versichert, dass die Siegerin am Ende für ihre Mühe fürstlich entlohnt werden wird. Ganz zu schweigen von der Gewissheit, die beste Kriegerin der Welt zu sein." Er grinste herausfordernd und sein Blick wanderte wie zufällig zu Starfire. „Sollte jedoch eine von euch nicht am Wettstreit teilnehmen wollen, werde ich sie sofort wieder zurückschicken."

Starfire wurde etwas rot, als sie hinter sich amüsiertes Schnauben hörte. Es war nicht weiter schwierig zu erraten, von wem es stammte. Raven hatte Mitleid mit ihrer Freundin, warf einen prüfenden Blick in die Runde und wandte sich mit lauter Stimme an den Meister, um von Starfire abzulenken.

„Wir sind dabei. ALLE."

Der Meister nickte zufrieden. „Dann ist es beschlossen. Der Wettstreit möge beginnen!" In einem Blitz aus Licht verschwand das Wesen.

„Soooo", hörte Starfire eine nur zu vertraute Stimme hinter sich. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten. „Das Baby hat also Angst, sich mit den großen Mädchen zu messen. Na ja, eigentlich verständlich. Du hättest gehen sollen, als du die Gelegenheit dazu hattest, Koriand'r."

„Erinnere dich lieber daran, wer gewonnen hat, als wir letztes Mal gekämpft haben, Schwester", zischte Starfire mühsam beherrscht und drehte sich langsam um. Ihre Wut steigerte sich, als sie das hämische Grinsen ihrer großen Schwester sehen musste.

Blackfire zuckte lediglich mit den Schultern und verschränkte die Arme. „Du", gab sie zu. „Aber nur mit Hilfe zweier Centauri-Polizisten. Hältst du das wirklich für einen Sieg, kleine Schwester?" Ihre dunklen Augen funkelten und ihr Grinsen verschwand. „Hier hast du niemanden, der dir hilft. Nicht einmal deine Grusel-Freundin hier wird dir helfen können."

„Man merkt, dass du Raven kein bisschen kennst", mischte sich plötzlich Terra in das Gespräch der beiden ein. Die Steinmagierin bedachte Blackfire mit einem kühlen Blick. „Sonst würdest du dich hüten, solche Dinge in ihrer Gegenwart zu sagen."

„Wie rührend", spottete Blackfire. „Kennst du diese beiden Verliererinnen etwa?"

Terras Mundwinkel zuckten, aber sie blieb ruhig. „Wir hatten schon das Vergnügen, ja." Sie lächelte Starfire kurz zu und das rothaarige Mädchen lächelte dankbar zurück. „Möglicherweise werde ich den Teen Titans einmal beitreten. Obwohl, wenn ich dich dann öfter sehen muss, überlege ich es mir lieber noch mal." Sie wandte sich an Starfire. „Du hast doch hoffentlich vor, sie öfter in den Tower einzuladen, oder?"

Das zauberte wieder ein kurzes Lächeln auf Starfires Gesicht. „Nein, eigentlich nicht", meinte sie. „Mir ist ihr letzter Besuch noch viel zu gut in Erinnerung."

„Ach, trägst du mir meinen kleinen Streich etwa immer noch nach?", fragte Blackfire in gespielt verletztem Ton. „Wie grausam."

„Wegen dir wäre ich beinahe in einem Centauri-Gefängnis gelandet, Schwester!", entgegnete Starfire empört. Ihre Augen begannen grünlich zu glühen. „Du mochtest mich ja schon früher nicht, aber ich hätte nie für möglich gehalten, dass du deine eigene Schwester gegen deine Freiheit eintauschen würdest!"

„Mir kommen gleich die Tränen", höhnte Blackfire, was ihre Schwester noch mehr in Rage brachte. Ihre Hände erglühten in grünem Feuer, was die ältere Tamarianerin jedoch nicht zu beunruhigen schien. „Du hast deine Naivität also noch immer nicht überwunden. Deine Gegner in diesem Turnier werden es leicht mit dir haben."

„Lass dich nicht provozieren", meinte die Amazonenkriegerin Wonder Girl, die an Starfire herangetreten war und eine Hand auf ihre Schulter gelegt hatte. Ihr Blick taxierte Blackfire. Sie schien wachsam, aber kein bisschen wütend, dass eine Mitspielerin derartig schlechte Manieren zeigte. Sie würde nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen sein wie Starfire. „Sie will nur, dass du nicht klar denken kannst und dass du aus dem Wettbewerb ausscheidest. Wenn du auf sie hörst, dann schadest du dir nur selbst."

„Wir sind kaum fünf Minuten hier und schon muss dir jemand helfen", bemerkte Blackfire hämisch, schien aber etwas angespannt zu sein. Immerhin stand sie nun drei Heldinnen gegenüber, und Wonder Girl schien ihre Tricks mühelos zu durchschauen. „Arme kleine Koriand'r. Ich wette, du würdest dich jetzt gerne hinter Galfore verstecken, oder?"

Starfires Hände zitterten, aber Wonder Girl verstärkte ihren warnenden Griff um ihre Schulter und hielt sie zurück. Die dunkelhaarige Kämpferin warf Blackfire einen verächtlichen Blick zu. „Ich frage mich wirklich, wie zwei Schwestern nur so verschieden sein können", sagte sie kühl. „Geschwister sollten einander beistehen und sich beschützen. Du scheinst ein ziemlich sorgenfreies Leben gehabt zu haben, wenn du schon Streit mit deiner Schwester suchst."

Blackfires Gesicht verdunkelte sich. „Du hast keine Ahnung von meinem Leben!", spie sie aus. „Du weißt NICHTS von uns beiden!"

„Genug jedenfalls um zu wissen, wer in dieses Turnier gehört und wer nicht!"

Währenddessen war Jinx etwas näher an Raven herangetreten, die sie mit Argusaugen musterte. Die Hexe ließ aber genug Abstand, um keinen Angriff zu provozieren.

„Na, Raven, willst du deiner Freundin nicht auch noch helfen?", stichelte sie. „Sieht so aus, als könnte sie jede Hilfe brauchen, die sie kriegen kann."

„Sei vorsichtig, Jinx", warnte Raven mit düsterer Stimme. Ihr Cape geriet in Wallung, als sie ihr Gesicht der Hexe zuwandte. „Sonst beginnt dieser ,freundschaftliche Wettkampf' früher als du denkst!"

Jinx grinste anzüglich. „Falls es denn tatsächlich einer sein soll. Für einen Wettstreit der Heldinnen sind ganz schön viele Finsterlinge anwesend, findest du nicht? Blackfire dort, ich, du..."

Ravens Augen weiteten sich. „Ich BIN eine Heldin!", knurrte sie.

„Bist du das?" Jinx' Augen funkelten. „Ich bin mir da manchmal nicht so sicher."

„Jetzt fangen die beiden auch noch an", seufzte die Kristallweberin Kole, die an Magenta, die letzte andere Heldin herangetreten war. „Ich dachte, das sollte nur ein sportlicher Wettkampf werden, aber anscheinend werden hier einige alte Feindschaften erneuert."

„Was geht's dich an?", knurrte die in Violett gekleidete Heldin abweisend. „In einem sportlichen Wettkampf zählen auch Freundschaften nicht. Du brauchst dich gar nicht so an mich ranzumachen, ich verrate dir nichts über meine Kampftechnik!"

Kole trat verblüfft einen Schritt zurück und starrte das andere Mädchen an. Diese warf ihr noch einen Moment lang einen bösen Blick zu, aber dann trat plötzlich ein bestürzter Ausdruck auf ihr Gesicht und sie schüttelte den Kopf.

„Verdammt", murmelte sie. Sie sah Kole entschuldigend an. „Tut mir Leid", entschuldigte sie sich. „Das war nicht so gemeint. Manchmal... wirken meine Kräfte auf meine Psyche ein, dann habe ich ziemlich starke Stimmungsschwankungen."

„Oh... OK", murmelte Kole noch immer etwas nervös. Sie wies auf die Streitenden. „Was hältst du von den anderen?"

Magenta seufzte. „Schwierig zu sagen. Wenn sie gegeneinander antreten, wird's vermutlich ziemlich heftig werden. Bin froh, dass niemand hier ist, den ich kenne."

„Ich auch", stimmte Kole zu. „Aber findest du's nicht seltsam, dass Blackfire und Jinx teilnehmen dürfen? Die beiden scheinen mir keine Heldinnen zu sein."

Magenta konnte nicht mehr antworten, denn in diesem Augenblick erscholl wieder die Stimme des Meisters der Spiele.

„Champions! Runde eins! Stellt euch euren Gegnern!"

Nach einem grellen Lichtblitz war die große Halle leer. Und der Wettstreit begann.