Spiel ohne Grenzen – Runde 2

Disclaimer: Wenigstens muss ich diese schmerzhaften Worte nur noch einmal über meine Lippen zwingen: Die Titans... gehören... (knirsch) nicht... ... ... mir!

Epilog: Gewinnen ist nicht alles

Als Starfire und Raven wieder im Tower erschienen, befanden sie sich an exakt denselben Plätzen, von denen der Meister sie weggeholt hatte. Starfire saß am Küchentisch auf genau demselben Stuhl, auf dem sie am vorherigen Tag besorgt auf eine Nachricht von den männlichen Titans gewartet hatte, und Raven landete auf der Couch, auf der sie ein Buch gelesen hatte. Daran gab es grundsätzlich nichts auszusetzen. Dumm war nur, dass diese Plätze in diesem Moment bereits besetzt waren.

Im ersten Moment konnte Robin vor Überraschung an überhaupt nichts denken, als Starfire plötzlich wie durch Zauberei auf seinem Schoß erschien. Nachdem sein Gehirn nach dieser Schrecksekunde die Maschinen neu gestartet hatte, spaltete sich sein Geist in zwei Lager. Der analytische Teil in ihm stufte dieses Ereignis als übernatürlich ein, stellte nebenbei fest, dass Starfire unverletzt war und riet ihm, sich dennoch nach ihrem Befinden zu erkunden. Der zweite Teil seines Denkens, der mit jedem Augenblick an Stärke gewann, wies ihn nur auf eines hin: die unsagbare Peinlichkeit dieser Situation.

Raven erging es nicht viel besser. Da sie zum Zeitpunkt der... „Einladung" des Meisters auf dem Sofa gesessen und gelesen hatte, erschien sie urplötzlich zwischen zwei johlenden Jungen, die begeistert auf ihre Gamestation-Controller einhämmerten. Cyborg hatte noch Glück, denn er erstarrte lediglich und glotzte Raven ziemlich dumm an. Beast Boy jedoch hatte gerade verloren und hatte seine Arme nach hinten geworfen, als sich plötzlich ein Mädchenkörper neben ihm materialisierte. Vor Schreck fiel sein Arm wieder nach unten – direkt auf die Schultern von Raven, die gerade dabei war, ihr Gefühle unter Kontrolle zu halten.

Einen Moment lang erstarrte das gesamte Zimmer in Reglosigkeit. Während Robins Gehirn ratterte, Starfires Gesicht immer röter und röter wurde, Raven mit ihren Emotionen rang und Beast Boy sich Tausende qualvolle Tode sterben sah, blickte Cyborg zwischen seinen vier Freunden hin und her. Die Bewegung war rein mechanisch, denn sein Geist weigerte sich noch immer, das Bild vor seinen Augen als wahr zu akzeptieren. Dennoch war schlussendlich er es, der das Schweigen brach.

„Das ist nicht fair!", heulte er auf. „Dad, wieso hast du mir keine Videokamera eingebaut?"

Gleich darauf passierte alles auf einmal: Starfire sprang im selben Moment auf die Beine und begann zu schweben, als Robin sie von sich stieß und mit dem Sessel zurück rutschte. Beide waren knallrot im Gesicht und stießen einen erschrockenen Schrei aus. Beast Boy kreischte, verwandelte sich in eine Eidechse und krabbelte erstaunlich schnell vom Sofa hinunter. Auch Cyborg selbst sprang plötzlich auf, als Ravens Augen aufglühten und der Fernseher explodierte. Cyborgs und Beast Boys Klagen mischten sich in Starfires und Robins abgehackte Fragen.

„Starfire! Woher...?"

„Freund Robin, ich bitte um Verzeihung. Ich wollte nicht..."

„Raven, das ist schon unser fünfter Fernseher dieses Jahr!"

„Und ich war gerade dabei, den Rekord zu brechen, Manno..."

„Ich meine, ich... du... nicht dass ich nicht gerne in deiner Nähe bin, aber..."

„BITTE reiß dich zusammen, Mädchen! Lass wenigstens die Gamestation ganz!"

„Robin, ich würde niemals... ich weiß, wie wichtig dir dein „Freiraum" ist..."

„Nur noch fünf Sekunden, dann hätt ich den Blechmann geschlagen..."

„RUHE!"

Obwohl diesmal nichts mehr explodierte, brachte Ravens Stimme die vier anderen Teenager zum Verstummen. Die Zauberin hatte noch nicht völlig die Kontrolle wiedererlangt, aber immerhin hatten ihre Augen aufgehört zu glühen.

„...Jungs", murmelte sie. „Da bin ich mal für ein paar Stunden nicht da, und schon verwandelt ihr den Tower in ein Irrenhaus."

Cyborg und Beast Boy warfen einen bedeutungsschweren Blick auf den rauchenden Fernseher, schwiegen aber. Schließlich räusperte sich Robin, dessen Gesicht inzwischen wieder die normale Farbe angenommen hatte.

„Also, euer... Auftritt war auch sehr abrupt, Raven", stellte er klar und warf einen nervösen Blick zu Starfire hinüber, die noch einmal errötete. „Wo wart ihr überhaupt? Wir hatten erwartet, euch hier vorzufinden, als wir wieder hier ankamen."

„Ja, wir haben was Ultra-Gigantisch-Cooles erlebt", unterbrach ihn Beast Boy mit glänzenden Augen. „Wir..." Er verstummte, als ihn Ravens warnender Blick traf.

„Ich denke, wir sollten lieber am Anfang beginnen", entschied Raven. „Erzählt mal, wo ihr gewesen seid, dann erfahrt ihr, wo Starfire und ich waren."

Sie benötigten fast eine Stunde, um ihre Erlebnisse auszutauschen. Robin hatte einige Mühe, den Wettkampf der Superhelden zu beschreiben, weil Cyborg und Beast Boy trotz Ravens schwindender Geduld immer wieder etwas einwarfen. Nebenbei musste er auch Starfires schmachtende Blicke ignorieren, als er den Finalkampf schilderte. Dass Raven ihn die ganze Zeit emotionslos beobachtete, machte die Sache nicht wirklich besser, aber irgendwie brachte er die Geschichte zu Ende. Die Erzählung der Mädchen war noch komplizierter, da Raven nicht reden wollte, Starfire aber nicht wirklich eine gute Erzählerin war. Schließlich fand sich die Zauberin damit ab, Kommentatorin für die Außerirdische zu spielen, damit sie nicht völlig vom Thema abwich.

„... und dann hat Raven uns alle wieder zurückgeschickt", beendete Starfire schließlich ihren Vortrag und schenkte ihrer Freundin ein strahlendes Lächeln, das diese natürlich nicht erwiderte.

„Boah!", rief Beast Boy verblüfft aus. „Du hast echt gewonnen, Star?"

Das Mädchen errötete und nickte. Dennoch war ihr Lächeln nicht ganz so breit wie sonst, weil sie wieder an Blackfire denken musste.

„Sag mal, diese anderen Heldinnen", hakte der Gestaltwandler grinsend nach. „Wie sahen die aus? Waren sie hübsch?"

Bevor Starfire eine Antwort geben konnte, rollte Raven die Augen und meinte: „Du solltest froh sein, dass Terra dich nicht hören kann, Beast Boy. Sie hat verloren und du denkst nur an andere Mädchen."

„Ach, die andere Heldin hat doch nur pures Glück gehabt", entgegnete der Junge geringschätzig. „Wahrscheinlich hatte sie einen Vorteil, sonst hätte Terra mit ihr den Boden gewischt."

„... so wie Wildebeest mit dir?"

Der Gestaltwandler verstummte, dafür fing Cyborg dröhnend zu lachen an und klopfte Raven vorsichtig auf die Schulter. „Gut gegeben, Raven", lobte er die Zauberin. „Jedenfalls hätten wir zwei mit Sicherheit gewonnen, wenn wir nicht so unfair aus dem Spiel geflogen wären, nicht wahr?"

„... Sicher."

Starfire war ganz in Gedanken versunken, als sie auf einmal eine Hand auf der ihren fühlte. Erschrocken sah sie auf, aber Robin lächelte sie beruhigend an.

„Ich bin stolz auf dich, Star", sagte er leise. „Wer hätte gedacht, dass du die stärkste Heldin der Welt bist?"

Starfire lächelte nervös. „Ich glaube nicht, dass ich gewonnen hätte, wenn meine Schwester nicht teilgenommen hätte", gestand sie. Sie wich Robins Blick aus. „Blackfire hat... irgendetwas in mir geweckt, das..." Sie suchte nach Worten.

„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, Starfire", erwiderte Robin und drückte ihre Hand sanft. Das Lächeln verschwand von seinem Gesicht. „Ich weiß, wie du dich fühlst. Mir ging es genauso... mit Slade. Oft sind es die schlimmsten Feinde, die einen Helden zu Höchstleistungen antreiben."

Starfire wollte etwas entgegnen, sie wollte sagen, dass Blackfire nicht ihr schlimmster Feind war, aber irgendwie war ihr Mund plötzlich ganz trocken. Zum Glück musste sie nicht darauf antworten, da in diesem Moment Cyborg die beiden Sieger bemerkte.

„Nun seht euch das an", wandte er sich an Raven und Beast Boy. „Unsere beiden Sieger tauschen anscheinend ihre Taktiken aus." Er und Beast Boy begannen schallend zu lachen, als sich Starfires und Robins Hand blitzschnell voneinander lösten und ihre Gesichter sich abermals zu verfärben begannen. „Und, Robin, hast du heute noch eine private Siegesfeier geplant?"

Der Junge grollte und erhob sich. Demonstrativ ergriff er Starfires Hand und zog das überraschte Mädchen auf die Füße. „Das hat die Verlierer nicht zu interessieren", entgegnete er mit würdevoller Stimme. „Und da DU ein Verlierer bist, wirst du mit Raven und Beast Boy in die Stadt gehen und einen neuen Fernseher kaufen."

„Hey, das ist unfair", empörte sich Beast Boy und zeigte auf Raven. „SIE hat ihn kaputt gemacht."

„Und du willst wirklich riskieren, dass SIE den Fernseher kauft, auf dem IHR eure Spiele spielen werdet?", fragte Robin grinsend. Während Beast Boy und Cyborg erschauderten und Raven ihm einen mörderischen Blick zuwarf, wandten er und Starfire sich um und schlenderten aus dem Raum.

„Dude", brachte Beast Boy hervor. „Langsam verstehe ich, wieso er immer auf's Gewinnen aus ist."

„Starfire, was ist los?", fragte Robin, sobald sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte. Er hatte die Hand des Mädchens losgelassen, falls sie etwas Abstand brauchte und sah sie besorgt an.

Die Tamaranianerin wich seinem Blick aus. Sie umfasste ihre Schultern und drehte sich von ihm weg. „Es ist nichts, Freund Robin", versuchte sie ihn zu beruhigen. „Ich bin nur... etwas erschöpft."

„Erschöpfung hat dich bis jetzt noch nie davon abgehalten, ein fröhliches Gesicht zu machen", entgegnete Robin trocken, kam jedoch nicht näher. Er wollte sie nicht verschrecken. „Irgendetwas bedrückt dich, Starfire."

Einen Augenblick lang erwog sie, erneut zu leugnen und in ihr Zimmer zu flüchten, aber welchen Zweck hätte das? Robin wusste, dass mit ihr etwas nicht in Ordnung war, und er würde nicht ruhen, bis er es herausgefunden und etwas dagegen unternommen hatte. Er sorgte sich viel zu sehr um sie. Irgendwie war dieser Gedanke beruhigend.

„... Es ist wegen Komand'r", bekannte sie mit leiser Stimme.

„Blackfire?"

Sie nickte unglücklich und schluckte. „Ich verstehe es nicht... wieso hasst sie mich so? Ich meine, ich bin natürlich wütend auf sie, weil sie mich ständig provoziert, aber sie ist trotzdem meine Schwester. Wieso hasst sie mich?"

„Starfire, das hat nichts mit dir zu tun", wandte Robin ein, machte einen Schritt vorwärts und zwang sie, ihm ins Gesicht zu sehen. „Ich kenne Blackfire nicht so gut wie du, aber ich glaube, sie ist jemand, der immer der Beste sein muss. Als ihr noch klein wart, war das einfach, weil sie größer und stärker war als du. Aber inzwischen seid ihr beide fast erwachsen, und je erwachsener und stärker du wirst, desto mehr sieht sie ihre Position in Gefahr. Ich glaube, sie hat Angst vor dir."

„Aber wieso?", fragte Starfire. Tränen traten in ihre Augen. „Ich will ihr doch nichts wegnehmen."

Robin seufzte. „Für Blackfire zählt aber nur, dass du es KANNST, Star", sagte er mit sanfter Stimme. „Du hast sie inzwischen zweimal besiegt, und das kann sie nicht ertragen. Sie muss immer die Beliebteste, die Stärkste, die Wichtigste sein, weil sie beachtet werden will. Sie fühlt sich von dir gedemütigt, und deshalb ist sie böse auf dich."

„Robin, glaubst du, wenn ich gegen sie verloren hätte..."

„Nein, Star", unterbrach er sie und verschränkte die Hände. Er sah sie ernst an. „Wenn du verloren hättest, dann wärst du für sie wieder ein kleines Kind gewesen, und dann hätte sie dir ihre Überlegenheit jedes Mal deutlich gemacht, wenn ihr euch getroffen hättet. Sie würde zwar vielleicht keinen Hass auf dich empfinden, aber sie hätte dir immer wieder grausame Streiche wie den mit dem Centauri-Mond-Diamanten gespielt." Als Starfire traurig den Kopf senkte, seufzte er. „Ich weiß, es ist nicht schön, wenn man von jemandem gehasst wird, den man selbst nicht hassen will. Aber du kannst nicht für immer die kleine Schwester bleiben, die sich von Blackfire herumschubsen lässt." Er legte seine Hand unter ihr Kinn und hob es an. „Du kannst wahrscheinlich nicht ändern, dass Blackfire dich hasst", sagte er leise, aber bestimmt. „Aber immerhin hat sie jetzt Respekt vor dir und deiner Kraft. Sie weiß, dass sie dich nicht unterschätzen darf. Und vielleicht, wenn du sie nicht aufgibst und ihr zeigst, dass du immer noch ihre Schwester bist, dann wird aus diesem Respekt eines Tages wieder eine tiefere Bindung werden."

Einen Moment lang sah Starfire Robin noch zweifelnd an, aber dann schlich sich wieder ein Lächeln auf ihre Lippen. Ihre Miene wurde weich. „Danke, Robin", flüsterte sie und drückte die Hand des jungen Mannes sanft. „Du hast Recht, ich muss weiterhin an das Gute in Komand'r glauben."

„So gefällst du mir schon viel besser", sagte Robin nickend. Dann plötzlich trat er einen Schritt und räusperte sich, als wäre ihm plötzlich aufgefallen, wie nahe er dem Mädchen gekommen war. Er kratzte sich nervös am Kopf. „So... jetzt, da die anderen weg sind... was würde die Siegerin des Wettstreits der Superheldinnen zu einem Eis sagen?"

Starfires Lächeln wurde breiter und sie nickte dankbar. „Aber nur, wenn ihr der Sieger des Wettstreits der Superhelden Gesellschaft leistet", stellte sie klar.

„Natürlich nur, um unseren Sieg zu feiern", warf Robin noch rasch ein. Er war plötzlich so nervös, dass Starfire lachen musste. Sie ergriff die Hand ihres Teamgefährten und ließ sich von ihm in den Gemeinschaftsraum führen. Als Cyborg, Beast Boy und Raven sie bei ihrer Rückkehr ungezwungen lachend und Eis essend vorfanden, waren sie einen Moment so baff, dass Cyborg beinahe den neuen Fernseher fallen gelassen hätte. Dann begannen die beiden Jungen ein großes Geschrei, dass sie ihnen kein Eis übrig gelassen hatten.

Schließlich war es Starfire, die den beiden erklärte, dass Gewinnen nicht alles war... aber wenn es um Eiscreme ging, war Gewinnen das einzige, das zählte.

Nachtrag: Ich mag den letzten Satz... aber passt so eine neckisch-weise Bemerkung eigentlich zu Starfires Charakter? Wie findet ihr dieses Ende?