Schachmatt

By Naadi Moonfeather

Part II: Das Spiel

Kapitel 9

I love him too much

What if he saw my whole existence

Turning around a word, a smile, a touch?

"Heaven Help My Heart" von Chess by Benny Anderson, Tim Rice und Björn Ulvaeus

***

Als Draco nicht zum Frühstück erschien, begann Harry sich Sorgen zu machen. Er achtete kaum auf Seamus Versuche, ihn damit zu necken, wie spät er letzte Nacht in ihren Schlafsaal zurückgekommen sei. Das Einzige, woran er denken konnte, war die Sorge, dass er den Zauber falsch angewendet hatte oder dass er Draco in einen so tiefen Schlaf versetzt hatte, dass dieser noch nicht aufgewacht war. Sollte er sich in Dracos Zimmer schleichen, um nach ihm zu sehen? Gerade in dem Moment als er, Ron und Hermine aufstanden, um zum Zaubertränkeunterricht zu gehen und Harry verzweifelt nach einer Entschuldigung suchte, wie er von seinen Freunden weg kam, so dass er zu Dracos Zimmer rennen konnte, sah er Draco durch die Tür huschen. Draco nahm sich vom Ende des Slytherintisches ein paar Muffins und verschwand gleich wieder aus dem Saal. Er warf nicht mal einen Blick in Harrys Richtung. Harrys Sorge nahm ein wenig ab, wenigstens war die Magie, die er letzte Nacht angewendet hatte, nicht schief gegangen, aber trotzdem … Warum hat er nicht zu mir gesehen?

Der Unterricht verlief nicht besser. Als Harry eintrat, saß Draco mit dem Kopf über das Zaubertränkebuch gebeugt schon auf seinem Platz. Draco schaute nicht auf, schenkte ihm kein heimliches Lächeln oder zeigte auf irgendeine Weise, dass er Harrys Eintreten bemerkt hatte, obwohl Harry spürte, dass dem anderen Jungen dies bewusst war. Für jeden Anderen musste Draco so kalt und gelassen wie immer wirken, aber Harry konnte den Aufwand, den er für diese Fassade aufbringen musste, fühlen. Harry war tief betrübt. Was war passiert? Letzte Nacht waren die Dinge so gut gelaufen. Aber alles, was er machen konnte, war, sich hinzusetzen, zu versuchen, seine Sorgen zu verdrängen, und darauf zu warten, dass der Unterricht ein Ende fand. Dann müsste er einen Weg finden, Draco abzufangen und mit ihm zu reden.

Snape rauschte in den Unterrichtsraum, stand dann ernst und unheilsvoll vor der Klasse, seine Arme vor der Brust verschränkt, und studierte die Schüler mit offener Verachtung. Er durchbohrte Harry mit einem besonders intensiven und drohenden Blick. Dann wandte er sich ab und schaute direkt auf Draco, welcher noch immer resolut auf sein Buch nieder sah. „Kann mir jemand die Bedeutung des Zaubertrankes sagen, den sie letzte Nacht herausarbeiten sollten?", sagte Snape in seiner gewohnt herablassenden Stimmlage. Niemand bewegte sich. Alle wussten, dass Snape Draco fragte. Aber Draco antwortete nicht, um genau zu sein, schien er die Frage überhaupt nicht gehört zu haben, und Stille legte sich für einen langen, langen Moment über den Raum, bevor erste Flüstern aus den Ecken des Raumes kroch.

Was stimmt mit ihm nicht, dachte Harry. Er weiß das. Schließlich konnte Harry die Anspannung nicht länger ertragen. Er hob seine Hand, etwas, was er noch nie zuvor in diesem Unterrichtsfach gemacht hatte.

Snape runzelte über Dracos Verhalten die Stirn, wandte sich aber ab, als er die Bewegung von Harrys erhobener Hand aus dem Augenwinkel erfasste. Er war sprachlos. „Potter?!"

Harry wusste, dass Snape ihn nicht aufrief, sondern einfach nur aus Schock, seine gehobene Hand zu sehen, seinen Namen gesagt hatte. Dennoch antwortete Harry auf seine Frage. Wenigstens konnte er Snapes Interesse von Draco lenken und dem anderen Jungen zeigen, dass er etwas von ihrem Gespräch letzte Nacht gelernt hatte. Vorsichtig wiederholte er die vollständige Erklärung, die Draco ihm gestern gegeben hatte. Harry konnte nur eine Seite von Dracos Gesicht sehen, und die auch nur aus einem schlechten Winkel, also könnte er sich getäuscht haben, aber während er redete, glaubte er, einen schwachen Rosaton über die blasse Haut kriechen zu sehen. Harry konnte auch aus dem Augenwinkel sehen, dass Hermine und Ron ihn mit erstauntem Gesichtsausdruck beobachteten.

Als Harry seinen Vortrag beendete, starrte Snape ihn mit gesenkten Augenlidern an. Seine Überlippe kräuselte sich, als hätte er in etwas Widerliches gebissen. Seine Stimme klang als würde Säure aus seinem Mund tropfen als Snape sagte: „Sehr eindrucksvoll, Mr. Potter. Zehn Punkte für Gryffindor." Die Gryffindorseite im Raum brach sofort in Jubel und Applaus aus, welche fast sogleich wieder durch einen giften Blick des Professors gedämpft wurde.

Der Rest der Stunde zog sich in Harrys Sorge eine Ewigkeit hin. Selbst nach seiner Rezitation schaute Draco nicht einmal in seine Richtung. Während der ganzen Unterrichtsstunde beschränkte sich Draco darauf, zu Snape auf- und auf seine Aufzeichnungen niederzusehen, und Harrys Nerven begannen zu reißen als Snape die Klasse entließ. Er packte seine Sachen so schnell wie möglich zusammen. Wenn er jetzt nur schnell genug aus dem Raum kam und Draco im Gang vor der nächsten Stunde abfangen könnte… aber der Durchgang war von seinen Mitschülern blockiert. Er beobachtete hilflos über den Köpfen seiner Freunde, wie ein bekannter Blondschopf durch die Tür entschwand. Draco, dachte er, warum tust du das? Was kann in der Zeit von letzter Nacht zu heute Morgen schon verkehrt gelaufen sein?

„Potter!" Snapes harte Stimme schnitt durch Harrys Gedanken. „Sie werden noch einen Augenblick hier bleiben."

Harry fluchte innerlich. Er deutete Ron und Hermine an, ohne ihn weiter zu gehen, wartete, bis sich der Raum geleert hatte, ging dann zum vorderen Teil des Zimmers und stellte sich total genervt vor Snapes Tisch.

Snape schaute auf ihn mit glitzernden, schwarzen Augen nieder. „Sagen Sie mir, Potter", sagte er gedehnt und gehässig, „war es das Treten oder das Küssen, das Ihre einhundertachtzig Grad Drehung in diesem Fach verursacht hat?"

Harry war wuchsteufelswild. Er musste Draco finden und nicht hier stehen, um für diese lächerliche Stichelei zu dienen, „Keins von beiden", sagte er bestimmt, Snaper genau in die Augen schauend. „Ein besserer Lehrer sorgte dafür."

Snape zog zischend Luft durch seine Zähne.

Aber Harry war noch nicht fertig und er unterbrach Snape, bevor dieser etwas sagen konnte. „Sie haben mich seit dem ersten Tag, als ich diesen Raum betrat, schikaniert", sagte er. „Sie haben sich nie dafür interessiert, ob ich irgendetwas lerne. Ich glaube, Draco hat mir an einem Tag mehr beigebracht, als Sie jemals haben, und das Traurige ist, dass ich das Fach vielleicht gemocht hätte, wenn mir jemand geholfen hätte, es zu verstehen." Er wartete einen Augenblick, seine Augen wie grünes Eis. „Aber Sie", setzte er mit einem bitteren Beigeschmack in seiner Stimme fort, „alles, was Sie jemals getan haben, war, meine Zeit zu verschwenden."

Snape ließ sich in seinen Stuhl fallen und sagte nichts. Harry stand für einen Moment still, seine Hände an die Henkel seiner Buchtasche gekrallt, wandte sich dann ab und trat auf die Tür zu.

„Potter!"

Harry erstarrte auf halber Strecke zur Tür, drehte sich aber nicht um, sondern wartete mit dem Rücken in Snapes Richtung. Gott, er würde dafür auf jeden Fall Strafarbeit bekommen.

„Bedeutet er dir wirklich etwas?"

Das war so gar nicht das, was er erwartet hatte, dass er sich umdrehte und den Professor anstarrte.

Snape fixierte ihn mit einem ätzenden Blick. „Weil, wenn du nicht – Wenn du ihm weh tust – Ich schwöre dir, werde ich dein Leben zur Hölle machen. Nichts von dem, was ich dir bisher angetan habe, wird damit zu vergleichen sein, was ich tun werde, wenn du Draco Malfoy verletzt. Dieser Junge ist genug Leid zugetan wurden. Warum denkst du, habe ich mich immer für ihn eingesetzt, wenn es gegen dich und den Rest von euch selbstgerechten, gedankenlosen Gryffindors ging, die du Freunde nennst? Hast du überhaupt die geringste Ahnung, was er durchgemacht hat?"

Harrys Wut verschwand. Er schloss seine Augen für einen Moment. Dracos Meidung ihm gegenüber von heute Morgen wuchs zu einem tiefen Schmerz in seinem Herzen. Er wollte ihn verzweifelt finden und Snapes Worte trafen ihn bis ins Mark, aber Harry wusste, dass er den anderen Jungen jetzt niemals einholen würde. Er öffnete seine Augen und hielt Snapes wütenden Blick gleichgültig stand. „Ja", sagte er so ruhig, wie er konnte, „ich weiß, was er durchgemacht hat." Er legte seine Bücher auf einen der Tische und ging wieder zu Snapes Tisch. „Und ich würde eher meinen Arm abhacken als ihm wehzutun. Ich…" Himmelherrgott noch mal. Er war dabei gewesen, zu sagen, „Ich bin dabei, mich in ihn zu verlieben". Aber auf keinen Fall würde er das zu Snape sagen. „Ich sehe … die Sache ziemlich ernst", sagte er stattdessen. „Ich habe nicht vor, aufzuhören, ihn zu sehen – egal, was Sie sagen."

Für einige Zeit starrte Snape Harry nur an bevor schließlich wieder redete. „Ich heiße es nicht gut", sagte er kalt, „weil ich denke, dass Sie beide unglaublich dumm handeln. Sie wären besser dran, wenn Sie sich gegenseitig hassen würden. Diese idiotische Liaison bedeutet ein enormes Risiko für Sie beide." Der Professor stand auf und überkreuzte langsam seine Arme, dabei seinen Umhang um sich selber wickelnd. „Ich habe letzte Nacht versucht, Draco zur Vernunft zu bringen - ihm seine verrückte Fixiertheit, die er mit Ihnen hat, auszureden. Aber er hat das selber gesagt und sich geweigert, auf die Stimme der Vernunft zu hören. So seien Sie gewarnt. Ich werde Sie beobachten."

Harry, mehr erfreut über das, was Snape über Draco gesagt hatte, dass dieser ihn nicht aufgeben wollte als über Snapes Drohungen besorgt, schaute auf den Boden.

„Wenn er Ihnen wirklich was bedeutet", führte Snape mit leiser, bedrohlicher Stimme fort, „dann halten Sie ihn von seinem Vater fern. Haben Sie sich irgendeinen Gedanken darüber gemacht, was Lucius ihm antun würde, wenn er von dieser … dieser absurden Affäre erfährt?"

Harry blickte erschrocken auf und traf auf Snapes forschenden Blick. Er erinnerte sich an Dumbledores Warnung. Aber Draco ist hier in Hogwarts sicher, oder nicht? Und er wird nicht wieder heimkehren. „Was meinen Sie mit ‚ihm antun'?", sagte Harry sehr besorgt.

Snape beäugte ihn mit wütender Fassungslosigkeit als ob Harrys Versagen, die Ernsthaftigkeit der Situation zu erfassen, unfassbar wäre. „Ich meine", sagte er schneidend, „dass Lucius Malfoy alles zerstört, was er berührt. Er würde Draco wahrscheinlich benutzen, um an Sie ranzukommen und würde nicht zweimal darüber nachdenken, seinen eigenen Sohn zu zerstören, sollte Draco seine Erwartungen nicht erfüllen. Sind Sie wirklich so dämlich, dass Sie nicht realisieren, in welche Gefahr Sie Ihre beiden Leben bringen? Wenn er Ihnen wirklich was bedeutet, würden Sie verdammt noch mal von ihm fern bleiben, Potter!"

Harrys Gesicht färbte sich vor Beleidigung, Wut und Scham rot. Er hatte die Dinge so noch überhaupt nicht betrachtet. Dies war etwas, worüber er mit Draco reden müsste. Aber auf keinen Fall konnte er von dem anderen Jungen fern bleiben. Er sehnte sich danach, in diesem Moment bei ihm zu sein. Und trotz all der Hässlichkeiten war es für Harry eindeutig, dass Snape diese Dinge sagte, weil er sich wirklich um Draco sorgte und damit hatten sie unerwartenderweise eine Gemeinsamkeit. Harry schluckte eine Antwort runter. „Darf ich jetzt gehen, Sir?", sagte er mit eisern kontrollierter Stimme.

Snape lehnte sich mit seinen Händen flach auf den Tisch gedrückt nach vorne. „Behalten Sie bloß, was ich Ihnen gesagt habe", zischte er.

Harry schnappte sich seine Bücher und floh, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, aus dem Zaubertränkeraum. Traurig lief er in Binns Unterrichtszimmer. Seine geistige Beschäftigung mit Dracos Verhalten vom Morgen ließ keinen Platz für andere Dinge in seinem Kopf. Er war frustriert und besorgt. Jetzt musste er bis nach dem Mittagessen warten, um Draco abzufangen. Aber er würde den Slytherin nicht noch einmal entwichen lassen. Wenn man es genau nahm, wollte er ihn niemals wieder aus den Augen lassen. Er verstand nicht, was los war. Er war sich sicher, dass Draco nicht wütend war, aber…Snapes Worte kamen ihm in den Kopf: „Ich habe versucht, ihm seine verrückte Fixiertheit, die er mit Ihnen hat, auszureden." Das war gestern gewesen. Und gestern hatte Draco nicht zugehört. Aber was war, wenn Draco die Sache heute Morgen noch einmal überdacht hatte? Oder was war, wenn Harry letzte Nacht etwas gesagt hatte? Oh Gott. Was war…argh. Das ist sinnlos, erinnerte er sich selber. Es gibt nichts, was ich jetzt machen kann. Was auch immer es war, er würde einfach warten müssen bis er selber mit Draco reden könnte.

Nachdem Harry scheinbar stundenlange, schreckliche Folter verkleidet als Magische Mysterien im 17. Jahrhundert ertragen hatte, machte Harry sich endlich auf den Weg zum Mittagessen in der Großen Halle. Sie Augen wanderten sofort zum Slytherintisch und zu seiner Erleichterung saß Draco dort. Seine Erleichterung verweilte jedoch nur kurz, da Draco seinen Blick wieder gesenkt hielt, sein Gesichtsausdruck dabei ein vorsichtiges und bedachtes Bild geringschätziger Gleichgültigkeit. Er hielt die aktuelle Ausgabe des Tagespropheten in einer Hand und las während er aß. Als Harry ihn beobachtete, wurde es deutlich, für ihn zumindest, dass Draco nur so tat, als würde er die Zeitung lesen, und dass er das Essen nur hin und her schob. Das war zum Verrückt werden.

Harry ließ Draco lange genug aus den Augen, um sein Mittagessen aufzutragen und machte dann weiter, in dem er so schnell aß, wie er schlucken konnte. Wenn Draco aufstand, würde er bereit sein. Ron schenkte ihm aufgrund seiner Nahrungsaufnahme einen kurzen, verwunderten Blick und wandte sich dann wieder seiner Konversation mit Hermine zu. Harry schluckte den letzten Bissen seines Essens und schaute wieder zu Draco.

Als hätte er darauf gewartet, legte Draco langsam seine Gabel und dann die Zeitung nieder. Er stand auf und schaute zum ersten Mal an diesem Morgen zu Harry, wandte sich dann ab und ging zügig aus der Großen Halle. Es war nur ein Flackern eines Blinzelns, nichts mehr, seine Augen erreichten nicht mal Harrys Gesicht.

Aber Harry verstand die Mitteilung. Er stand sofort auf seinen Füßen und mit einem gemurmelten „Ich gehe spazieren" in Rons und Hermines Richtung verließ er den Saal so schnell er konnte. Eine der Haupteingangstüren schloss sich gerade, als Harry in die Eingangshalle trat. Als er nach draußen hastete, konnte er Dracos blonde, schwarz bekleidete Figur, die ihren Weg in Richtung See eingeschlagen hatte, ausmachen. Harry folgte ihm.

Schließlich hielt Draco inmitten einer Ansammlung von Birken, die am Wegrand wuchsen, an. Er stand mit einer Hand an dem dünnen, weißen Baumstamm, seinen Rücken zum Weg gerichtet, scheinbar das kalte, stahlgraue Wasser beobachtend. Harry holte ihn dort ein wenig atemlos ein.

***

Hermine lächelte, als Harry etwas von spazieren gehen murmelte, und wandte sich wieder ihrem Essen zu. Dann fühlte sie, wie sich Ron neben ihr versteifte und hörte ihn zischend Luft einatmen.

„Verdammt! Ich wusste es!", rief Ron. Er läuft wieder Malfoy hinterher - genau wie letztens als sie den Streit in der Großen Halle hatten!" Ron stand auf. Er schaute auf Hermine hinab. „Dieses mal werde ich da sein, um heraus zu finden, was hier läuft."

Hermine griff nach seinem Arm. „Ron, warte." Sie hielt ihn zurück. „Setz dich. Worüber redest du überhaupt?"

Widerwillig setzte sich Ron wieder, Harry weiterhin hinterher schauend, wie dieser die Große Halle nur wenige Sekunden nach Draco verließ. „Es ist Harry", sagte er ungeduldig. „Irgendwas läuft da zwischen ihm und Malfoy. Ich habe gerade gesehen, wie diesen Schleimbeutel nach draußen folgte und ich will wissen wieso."

Hermine runzelte die Stirn. „Ron, ich kann mich deutlich erinnern, dass Harry gesagt hat, dass sie nicht streiten, und wenn er mit Draco reden will, dann denke ich, dass er das ohne deine Hilfe schafft."

„Mensch, Hermine, nenn ihn nicht so. Und was könnte Harry wohl mit ihm zu bereden haben?"

„Ich kann mir eigentlich eine Menge vorstellen."

„WAS?!"

„ Hast du nicht gemerkt, wie sie sich gestern Morgen vor dem Zaubertränkezimmer angeschaut haben. Sie haben sich angegrinst – als teilten sie einen Witz – etwas, was sie beide wussten, aber wir nicht. Ich glaube, sie haben ihren persönlichen Krieg beendet." Sie schüttelte den Kopf über Rons entsetztes Gesicht. „Ich meine, Draco hat sich wirklich verändert, und wenn er sich bei Harry für die ganzen Probleme, die er verursacht hat, entschuldigen will, denke ich, dass sie sehr viel zu bereden haben. Und wenn es das ist, was vorgeht, dann musst du dich raushalten und nicht dazwischen kommen."

„Bist du verrückt?", keuchte Ron. „Das ist wirklich geisteskrank, Hermine." Er duckte sich plötzlich, als ihre aufblitzenden Augen ihn verstehen ließen, was er gerade zu ihr gesagt hatte. „Oh, Süße, es tut mir leid", beeilte er sich zu sagen. „Aber dieser Mistkerl wird sich nicht ändern. Seine ganze Familie ist widerlich. Ich bin mir sicher, dass er etwas vor hat – irgendeine Verschwörung, um Harry in Schwierigkeiten zu bringen."

„Sieh mal, Ron", sagte Hermine mit ihrer Schülersprecherstimme, „er hat sich geändert, egal ob du das magst oder nicht. Ich weiß das, weil ich selber mit ihm gesprochen habe. Er war sehr...hilfreich." Sie hätte beinah so was wie freundlich oder nett gesagt, aber diese Wörter hätten nicht gepasst. Sie waren zu warm für Draco Malfoy. Er war ... naja, vielleicht war zivil das richtige Wort, immer kühl und distanziert, aber jetzt auch unübersehbar höflich. Er war so anders aber irgendwie immer noch der selbe. Er war auf jeden Fall helfend. Um genau zu sein hatte Hermine bemerkt, dass sie begann sich zu wünschen, dass Draco Schülersprecher geworden wäre, anstelle dieses Idioten von Ravenclaw, der die ganze Zeit mit angeschwollener Brust durch die Gegend rannte, aber seine Verantwortung und Aufgaben nicht wahr nahm. Hermine war eine der wenigen, die wusste, dass Draco von vornherein diese Ehre gegeben hätte werden sollen, die wusste, dass er es verdiente.

Draco hatte einen sehr logischen und kreativen Kopf und Hermine begann sich auf seine Ratschläge ein klein wenig zu verlassen. Zum Beispiel war sie gestern Spätnachmittags mit einem Problem zu ihm gekommen und er hatte sich Bereit erklärt, mit ihr einige Zeit lang darüber zu reden und ihr geholfen einige mögliche Lösungswege durchzugehen. Er hatte auch einen sehr schön Raum. Es war still im Gegensatz zum Rest von Hogwarts – es war ein Ort, wo eine Person tatsächlich sitzen und denken konnte. Und er hatte ein schönes Schachbrett auf dem Tisch vor dem Kamin ausgelegt – hm ... Schach ... Jemand hatte kürzlich ihr gegenüber Schach erwähnt. Oh ja, es war Ron gewesen, als über Harry gesprochen hat – Plötzlich keuchte Hermine. Ihre Hand kam nach oben und bedeckte ihren Mund für einen Augenblick. Oh Gott!

Rons Gesichtsausdruck änderte sich von missmutig zu erschrocken in einem Sekundenbruchteil. „Was? Was ist los?"

"Ich ... um, es ist nichts", sagte Hermine während sie angestrengt nachdachte. „ich hab mich nur was gefragt. Hat dir Harry schon gesagt, wen er trifft?"

„Nein, hat er nicht", sagte Ron schnaubend. „Und das verstehe ich auch nicht."

Hermine griff nach ihrer Gabel und stocherte abwesend in ihrem Essen rum. Könnte es sein, dass Harry und Draco ... Dracos?! ... mehr als nur einen Waffenstillstand geschlossen haben? „Ron", sagte sie zögernd, „erzähl mir noch mal, was Harry gesagt hat, was er getan hat ... an diesem ersten Abend, als er so spät zurück gekommen ist?"

Ron rollte seine Augen. „Er hat mit jemand aus einem anderen Haus Schach gespielt. Dann hat Seamus darauf hingewiesen, dass er offensichtlich jemanden geküsst hat und da hat er es endlich zugegeben."

„Du bist dir sicher ... dass sie sich ... äh ... oh Gott ... geküsst haben?"

„Oh ja", sagte Ron grinsend. „Ganz sicher." Ron lachte. „Ha, du hättest ihn sehen müssen – sein Hemd war aufgeknöpft und er war ganz rot im Gesicht. Außerdem habe ich ihn deswegen letzte Nacht gefragt. Als ‚spektakulär' hat es Harry beschrieben. Warum? Worüber denkst du nach, Hermine?"

„Naja", sagte Hermine langsam. „Gestern habe ich ein bisschen nachgeforscht, diskret natürlich, aber niemand der Vertrauensschüler in Hufflepuff oder Ravenclaw hat Harry letzte Nacht in ihrem Gemeinschaftsraum oder mit einem ihrer Mitschüler gesehen."

„Ach du große Neune, Hermine! Willst du mir sagen, dass er sich mit jemand aus Slytherin trifft?"

„Ich will dir gar nichts sagen, außer, dass, wenn ich richtig liege, Harry einen sehr guten Grund hat, diese Beziehung geheim zu halten, und dass du ihn damit nicht belästigen musst. Lass es ihn erzählen, wenn er dazu bereit ist."

Ron betrachtete Hermine verdächtig. „Du weißt es, nicht? Du weißt, wer es ist!"

„Ja, ich denke, das tue ich."

„Ach komm schon, Hermine. Sag es mir. Warum sollte ich es nicht auch wissen? Ich will bloß nicht, dass Harry wieder verletzt wird."

Hermine seufzte und legte ihre Hand liebevoll auf Rons Arm. „Ron, ich weiß, dein Herz liegt an der richtigen Stelle aber nur weil ich es heraus bekommen habe, heißt das nicht, dass ich dir etwas erzählen sollte, das Harry geheim halten will. Es tut mir leid, aber das musst du wirklich von ihm selber erfahren." Hermine schaute nachdenklich drein, als sie sich an all das Zeug erinnerte, dass Harry heute Morgen in Zaubertränke von sich gegeben hatte, und begann dann langsam zu grinsen. „Weißt du, eigentlich ist es eher offensichtlich, nun, da ich weiß, wer es ist."

Ron runzelte die Stirn. „Nun, du musst deswegen nicht so selbstgefällig aussehen. Okay, ich werde warten und es mir von ihm sagen lassen, aber diese Sache mit Malfoy ist eine ganz andere Geschichte. Er ist lange genug weg." Ron stand auf. „Ich gehe da jetzt raus."

"Ron, nicht! Warte!" Hermine versuchte wieder nach seinem Arm zu greifen, doch diesmal war er zu schnell. Sie schüttelte ihren Kopf als sie ihn zielstrebig aus dem Großen Saal schritt. Ich hoffe nur, dass du nicht in etwas rein rennst, was du lieber nicht getan hättest. Dann begann sie über sich selber zu lachen als sie an die gestrige Szene im Gang dachte. Kein Wunder, dass sie sich so angesehen haben, dachte sie. ‚Meine Absichten entsprechen nicht annähernd Streitigkeiten' – das ist so lustig. Dann wurde sie nüchtern und schüttelte den Kopf. Himmel, Harry, ich hoffe, du weißt, was du tust.

* * *

Harry kam zum Stehen als er das kleine Wäldchen aus silbernen Birken betrat, für einen Moment gefesselt von der beeindruckend einfachen Schönheit der Szenerie. Draco stand mit dem Rücken zu ihm, sein blasses Haar und sein schwarzer Umhang passten perfekt zu den schmalen, weißen Baumstämmen und den schwarzen Ästen, die über sie hinweg reichten und sich mit dem grauen Himmel zu Silhouetten verflochten. Harry zögerte für wenige Sekunden, sein Entschlossenheit mit Angst kämpfend, aber für ihn gab es keine andere Option. Er musste es wissen. Seine Entschlossenheit und seinen Mut zusammenkratzend trat er vor und blieb genau links hinter dem blonden Slytherin stehen. Er konnte jetzt sehen, dass Draco, obwohl es so schien, als würde er auf den See blicken, mit geschlossenen Augen da stand. Als Draco sich nicht umdrehte, um ihn zu begrüßen, schmerzte Harrys Herz. Er wollte den anderen Jungen berühren, doch das traute er sich nicht. „Draco?", fragte er leise.

Draco schluckte und drehte sein Gesicht leicht weg. „Harry." Die Antwort war spannungsgeladen und kaum mehr als ein Flüstern.

Harry konnte die Spannung in Draco spüren, als würde ein falsches Wort ihn wie Glass zerbrechen lassen. Der kühle Seewind bewegte sein Haar aber das war die einzige Bewegung von ihm. Er schien kaum zu atmen, wartete auf das Wort, das ihn zerbrechen würde, verspürte panische Angst davor und war doch wie erstarrt durch sein Näherkommen. „Ich habe dich beim Frühstück vermisst", sagte Harry schließlich leise. „Ich habe dich den ganzen Morgen lang vermisst. Ich habe mir Sorgen gemacht."

„Du solltest zufrieden sein", sagte Draco leise. „Snape hat Gryffendor Punkte gegeben. Das passiert nicht alle Tage."

„Das ist mir egal", sagte Harry und trat näher. „Diese Punkte hätten dir gehören sollen." Er stoppte für einen Moment, um tief Luft zu holen, und fragte dann die Frage, die er stellen musste. „Draco, was ist los? Bereust du, was gestern passiert ist?"

Der blonde Schopf sackte ein wenig nach unten, aber dann schüttelte Draco den Kopf. Die Hand, die er auf den Baumstamm gelegt hatte, fiel leblos zu seiner Seite bevor er seine Arme vor seiner Brust verkreuzte, eine schützende Geste. „Nur, dass ich einen vollkommenen Narr aus mir gemacht habe", murmelte er.

„Ist es das, was du denkst?"

„Du nicht?"

„Nein", sagte Harry sacht aber bestimmend. „Das ist es nicht, was ich denke. Und wenn du mich heute Morgen wenigstens einmal angesehen hättest, würdest du das wissen."

„Aber du bist gestern Abend einfach ohne ein Wort gegangen, nicht mal ein ‚Gute Nacht' ... oder etwas anderes."

Harry seufzte vor Erleichterung. Gott, ich hätte wissen sollen, dass es ihm peinlich wäre bei dem, was letzte Nacht passiert war, dachte er. Seine Fantasie hatte sich sehr viel ernsthaftere Gründe für Dracos Verhalten ausgemalt. „Ich wollte dich nicht wecken", erklärte er. „Du hattest Schlaf nötig." Harry legte seine Hand ganz sacht auf Dracos Schulter. „Und ich bin nicht einfach gegangen." Sein Daumen begann kleine Kreise zu ziehen, die angespannten Muskeln auf Dracos Schulterblatt knetend. „Ich bin lange da geblieben. Ich wollte überhaupt nicht gehen."

Draco lehnte sich leicht in die beruhigenden Liebkosungen der Hände. „Ich wachte heute Morgen auf und fühlte mich so ... seltsam und durcheinander und ... schrecklich verlegen. Ich weine nicht, Harry. Ich kann mich nicht erinnern, es jemals getan zu haben. Und ich schlafe auch nicht so einfach ein, wie gestern."

Harry konnte spüren, wie sich Dracos Körper langsam zu entspannen begann und seine Anspannung verlor. Er senkte seinen Kopf und küsste Dracos Nacken. „Das waren dann also siebzehn aufgestaute Jahr mit einem Mal", sagte er während er sich vorlehnte, um Dracos Ohrmuschel zu küssen, und den Slytherin widerstandslos zu sich zog. „Kein Wunder, dass es so eine Wasserflut war." Harry schlang seine Arme um Draco und umarmte ihn fest. Er fühlte Dracos Hände seine Handgelenke sanft umfassen und küsste den süßen Punkt genau hinter Dracos Ohr. „Und ich habe dich zum Schlafen gebracht", sagte er sehr leise, seine Augen schließend während der Wind sein Gesicht mit Dracos seidenfeinen Haar kitzelte. „Hast du eine Ahnung, wie süß du bist, wenn du schläfst?"

Draco lehnte sich in Harrys Umarmung, drehte dann sein Gesicht zu Seite und ruhte seinen Kopf an Harrys. Er errötete leicht. „Nein", sagte er barsch. „Woher sollte ich so was wissen?" Einen Moment später fragte er: „Und was meinst du mit ‚du hast mich zum Schlafen gebracht'?"

Harry öffnete seine Augen und schaute an Draco vorbei auf den See. Das Wasser war aufgrund der Kälte grau und der Wind ergriff kleine Wellen eisigen Schaums. Die Wasserspiegelung des Schlosses schimmerte als die Wasseroberfläche das Bild in kleine Teile zersplitterte und wieder zu einem großen Ganzen zusammensetzte. Harry festigte seinen Griff um Draco. „Ich bin ein Medihexer der siebten Klasse", versuchte er beiläufig zu klingen aber er wusste schon vorher, dass seine Stimme unter der Ernsthaftigkeit der Aussage zittern würde. „Niemand außer Dumbledore und Madam Pompfrey weiß davon", erzählte er leise weiter. „Ich bin noch in der Ausbildung-."

Draco riss sich abrupt aus der Umarmung und drehte sich zu Harry. Seine Augen waren von Emotionen getrübt, stürmisches Grau, die Farbe des Himmels über dem See. „Du hast ohne mich zu frage Magie an mir angewendet?", verlangte er zu wissen. Blitze schlugen aus den grauen Augen.

Harry begegnete Dracos intensiven Blick zerknirscht. „Es tut mir leid", sagte er. „Du hattest gesagt, du wärst erschöpft. Dass du nicht geschlafen hättest. Ich wollte nur, dass du dich besser fühlst."

Draco schloss seine Augen und gab für eine sehr lange Zeit kein Geräusch von sich, damit seine verschwindende Wut Platz machen konnte für die Erinnerung an Harrys gemurmelte Wort und wie tief er von ihnen berührt wurden war. Er erinnerte sich an den Schauer, an intensive Zärtlichkeit und Wohlgefühl als Harrys Hände seine nackte Haut sanft gestreichelt hatte und die unglaublich beruhigende Kraft, mit der diese Liebkosungen seinen tiefsten Schmerz gefunden und verschwinden lassen hat, die ihn beruhigt und mit Frieden gefüllt hat. „Du hast dafür gesorgt, dass ich mich besser fühle", sagte er schließlich als er seine Augen öffnete, um wieder Harrys grünen Augen zu begegnen, seine grauen Augen mit Bewunderung scheinend. „Es hat sich ... unglaublich angefühlt." Er streckte seine Hand aus und als Harry sie nahm, drehte er Harrys Hand mit der Handinnenseite nach oben. „Ist es das, was du gesagt hattest, worüber du nicht reden möchtest? Dass du durch Berührung, ohne Zauberstab, heilen kannst?" Er legte seine Hand sacht über Harrys, langsam vom Handgelenk bis zu Harrys Fingerspitzen streichelnd. „Gott, Harry. Weißt du, wie selten das ist?"

Harry spürte, wie seine Ohren rot vor Hitze wurden. „Ja", sagte er leise. „Das wurde mir gesagt." Her zog seine Hand aus Dracos Griff und trat vor, um die Lücke, die Draco durch sein Zurücktreten verursacht hat, wieder zu schließen. „Draco", sagte er während seine Arme sich um Dracos Hüfte schlangen, seine Augen dabei aber nie Draco aus dem Blick lassend, „vor ein paar Tagen hätte ich uns beide so zusammen nicht vorstellen können aber heute Morgen, als du mich nicht angesehen hast ... das hat wirklich weh getan." Er ließ seine Hände über Dracos Rücken gleiten und verstärkte seine Umarmung sacht. „Ich kann mich mit dir jetzt nicht streiten", sagte er. „Ich kann nicht wieder dahin zurückgehen, wie die Dinge zuvor gewesen waren."

„Harry", sagte Draco ernst und schlang seine Arme um Harrys Hals. „Ich bin schon lange nicht mehr in der Lage, dahin zurückzugehen." Er schmiss seinen Kopf licht zu Seite, als der Wind ihm Haare in die Augen blies. „Ich habe mir uns beide so zusammen tausend Mal vorgestellt. Ich bloß nie daran geglaubt, dass es wirklich passieren könnte." Er legte seinen Kopf auf seinen Oberarm, drehte sein Gesicht in Harrys Nacken und war für einen Moment still. Dann redete er ganz leise weiter. „Und ich habe Angst", murmelte er, „dass ich aufwachen werde ... wie heute Morgen ... und du wirst nicht mehr da sein und ich habe nichts weiter als einen erbärmlichen Traum." Er holte tief Luft und stieß einen langen Seufzer aus. „Heute Morgen habe ich mich so ... einsam gefühlt. Ich dachte, du hättest deine Meinung geändert."

„Oh Draco, nicht doch", sagte Harry verletzt von seiner eigenen, unbeabsichtigten Grausamkeit.

„Ich denke nicht, dass ich jemals solche Angst vor etwas hatte, wie ich davor hatte und ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn du mir hier nicht raus gefolgt wärst. Ich weiß, ich verdiene dich nicht, Harry. Ich weiß nicht, wie du mir nach all dem, was ich getan habe, vertrauen kannst. Ich verdiene deine Vergebung nicht. Nicht so einfach." Draco hob seinen Kopf und zog sich zurück, ein feierlicher Ausdruck in seinen Augen. „Aber das, was du letzte Nacht gesagt hast, über uns ... dass wir zusammen gehören ... dass bedeutet mir ... alles. Vorher habe ich mir nie zu hoffen gewagt, dass du so fühlen würdest."

Harrys Blick bohrte sich tief in Dracos Augen. „Ich habe nicht viel darüber nachgedacht, ob ich dir vertrauen sollte oder nicht", sagte er ernst, „und das tue ich jetzt. Von wegen, ob du meine Vergebung verdienst ... ich wollte nie mit dir streiten oder dich hassen. Ich habe es nur nie verstanden und nun, da ich es tue, zählen diese Dinge nicht mehr. Es geht nicht so sehr um Vergebung sondern mehr darum, dass wir die Vergangenheit nicht das ruinieren lassen, was wir jetzt beginnen." Harry hob eine Hand und strich Dracos Haar aus seinen Augen. „ Was ich mehr will als alles andere, ist, dass wir zusammen sind. Wirst du mir genug vertrauen, um das zu glauben?"

Draco schloss seine Augen als Harry ihn leicht im Gesicht berührte und nickte. „Ich möchte das, Harry", sagte er leise. „Ich bin es nur nicht gewöhnt ... vergeben zu sein." Er schaute wieder auf und traf Harrys smaragdfarbige Augen.

„Ich habe alles gemeint, was ich letzte Nacht gesagt habe", sagte Harry mit sanfter aber ernster Stimme. „Nichts hat sich heute Morgen geändert." Er wartete und fügte dann hinzu: „Glaubst du wirklich, ich könnte so eine Person sein, die so mit dir letzte Nacht sein konnte, und dann am Morgen bedeutet es gar nichts?"

„Nein", sagte Draco mit einem zum Teil peinlich berührten, zum Teil entschuldigenden Lächeln.

Dann sah Harry einen schüchternen Ausdruck in Dracos Augen schleichen. Es war ein Ausdruck, den er extrem reizend empfand.

„Das liegt nicht an dir", sagte Draco leise. „Es liegt mehr daran, dass ich Schwierigkeiten habe, daran zu glauben, dass ich eine Person bin, die solches Glück haben kann – dass ich dich auf diese Weise letzte Nacht haben konnte und dich auch noch am Morgen um mich zu haben."

„Oh", murmelte Harry und lehnte sich vor, um einen sanften Kuss auf die lieblichen Mundwinkel von Dracos Mund zu drücken. „Heute Morgen gehöre ich dir auf jeden fall voll und ganz", atmete er die Worte über Dracos Wange.

Draco lächelte und Harry küsste ihn auf die Lippen.

Harry nahm sich Zeit mit diesen Kuss, um die Sicherheit von dem, was er zu fühlen begann, Ausdruck zu verleihen, um die Richtigkeit, die er mit dieser Person in so vielen Facetten, in seinem Körper, in seinem Kopf und in seinem Herz fühlte, zu erkunden, um sein Verlangen, zu dieser Person zu gehören, zu zeigen. Er spürte, wie sich Draco ihm hingab, zitterte, sich schließlich entspann, in ihn schmolz, wie Dracos beschleunigter Atem sich mit seinem vermischte, wie Atemzüge voller Wärmer über sein Gesicht federten, wie Finger sich sanft in sein Haar flochten, wie mit der selben Sicherheit von Emotionen, mit dem selben Verlangen, zu ihm zu gehören, sein zu sein, geantwortet wurde. Da war eine neue Tiefe in diesem Kuss, eine Tiefe, die Brücken überquerte und Fundamente verstärkte, die Versprechungen machte und Verstehen sicherte. Sie waren zusammen, gehörten zusammen, in diesem Moment. Und es fühlte sich so gut an. Harry unterbrach den Kuss, da er nicht anders konnte als lächeln.

Draco lehnte sich ein bisschen zurück, so dass er Harry in die Augen sehen konnte und fiel in schallendes Gelächter. Harrys Brille war ganz beschlagen.

Harry lachte ebenfalls und nahm sie ab.

Dracos Augen leuchteten, die Sonne hinter dem Regen hervor scheinend. „Aber versprich mir etwas, Harry", sagte er wieder lächelnd.

„Und was?", fragte Harry während sein Herz einen Purzelbaum bei diesem Lächeln machte.

„Wenn du jemals wieder diesen Zauber anwendest, um mich zum Schlafen zu bringen, lass mich erst meine Zähne putzen. Mein Mund schmeckte wie der Eulereiboden als ich aufwachte."

Harry grinste ihn und lehnte sich dann vor, um ihn wieder zu küssen. „Jetzt aber nicht mehr", murmelte er.

„Bist du dir sicher", fragte Draco ebenfalls grinsend und küsste zurück.

„Ganz sicher", sagte Harry lachend.

„Gut", sagte Draco und vertiefte den Kuss.

Draco hielt sich bei Harry fest als wenn er niemals wieder loslassen wollte und Harry fühlte das körperliche Verlangen zwischen ihnen wachsen, mit einem Schauer durch seinen Körper rasen und nach mehr als einen Kuss sehnen. Ihre ersten Küsse, selbst nur einfaches Berühren, waren so intensiv gewesen, so neu, dass das gereicht hat. Aber jetzt ... Die Intensität dieses Kusses wuchs zu einem Drängen, dass sie beide spürten. Harry klammerte an Draco als könnten sie ineinander verschmelzen, die Welt um sie herum vergessen; seine Welt fiel für diesen Moment, für diesen Kuss, für dieses Verlangen, dass all sein rationales Denken ausschaltete, zusammen.

Und dann ergoss die Erinnerung einen Eimer eiskalten Wassers über seinen Kopf. Oh Gott. Die Lüge, die Harry erzählt hatte, erschien, um ihn zu verfolgen. Er spürte sie, wie einen kalten Knoten in seinem Magen. Draco war immer ehrlich ihm gegenüber gewesen und er wollte, dass nicht zwischen ihnen stand, dass kein kalter, anklagender Geist der Vergangenheit sich über sie erhob. Und vielleicht er jetzt auch zum ersten Mal bereit mit jemanden darüber zu reden, was passiert war. Er musste Draco die Wahrheit sagen. Harry beendete den Kuss so zärtlich wie möglich. „Draco", flüsterte er. „Da gibt es etwas, das ich dir sagen muss-."

„Ausgerechnet jetzt?", kam die geflüsterte Antwort an Harrys Mund als Dracos Lippen sich weigerten sich von den seinen zu trennen.

„Ja. Mhmm." Harry ergab sich einen weiteren Kuss und versuchte es dann noch mal. „Draco, es ist wichtig."

Draco zog sich nur so weit zurück, dass er in Harrys Augen blicken konnte und leichter Sorge äußern konnte.

„Ist es etwas Schlimmes?"

„Nein, nein", sagte Harry. „Nicht dergleichen – da gibt es nur etwas, das ich dir schon vorher hätte sagen sollen, aber ich wollte nicht und jetzt -."

Draco nickte und beobachte Harry mit ernsten, erwartungsvollen Blick. „Red weiter..."

„Na ja, es geht darum, was ich dir letztens im Gang gesagt habe, als du mich gefragt hast, ob ich ein -."

„HAR-RY!" Der Ruf kam aus einer kurzen Entfernung.

Harry und Draco drehten sich beide erschrocken um. Harry hantierte einen Moment bis er seine Brille wieder aufgesetzt hatte. Ron kam in einem schnellen Tempo zielstrebig auf sie zu und war nun fast um den ganzen See herum aber noch nicht nah genug, um zu sehen, wo sie zwischen den Bäumen standen. Widerwillig traten sie auseinander.

„Verdammte", fluchte Harry lautlos.

„Hm", sagte Draco während er Rons schnell herannahende Figur mit gesenkten Augenlidern beobachtete. „Es scheint, dass dein ergebner Schatten dich schließlich gefunden hat."

Harry schaute zu Draco. „Tut mir leid", sagte er.

„Musste ja früher oder später passieren", antworte Draco als er seinen Umhang richtete und seine Haare zurück strich. Seine Erscheinung wandelte sich in einen Ausdruck gelassener Verachtung. Er verschränkte seine Arme vor der Brust, die alt bekannte, nervig coole, Draco-Malfoy-ist-ein-schrecklicher-Widerling Person wieder an die Oberfläche tretend.

Harry beobachtete die Verwandlung mit Bestürzung und plötzlich verspürte er einen panischen Moment des Zweifels. Hatte er sich geirrt, dass Draco sich verändert hatte? Hatte sich nur Dracos Bündnis zu seinem Vater verändert und hatte Draco damit berechnende Veränderungen in seinem Verhalten gezeigt, um in seinen neuen Interessen und Prioritäten voran zu kommen? Hatte er Harry und Dumbledore erlaubt einen anderen Draco zu sehen, weil er das so wollte beziehungsweise musste? Hatte er sich vielleicht gar nicht geändert?

Draco schaute kurz von Ron weg, um Harry anzusehen und ihre Augen trafen sich.

Harrys Atem stockte bei dem, was er in Dracos Augen sah. Oh, der Gesichtsausdruck und die Haltung und das Verhalten mögen dem alten Draco entsprechen aber die Augen taten es nicht. Harry spürte sein Herz vor Begeisterung springen – die Augen, die ihn aus diesem Gesicht angesehen hatten, waren immer ausdruckslos, wütend oder verletzt. Jetzt waren sie warm, zuversichtlich und weit entfernt von unbewegt. Die Erkenntnis traf ihn. Das war die echte und einzige Veränderung – der Schmerz und der Zorn waren verschwunden. Der alte Draco war noch immer vorhanden, genau wie der Junge, den Harry zu lieben begonnen hatte, schon immer da gewesen war, verborgen hinter dieser kühlen Teilnahmslosigkeit, eine Seite von ihm, die Draco kaum jemand sehen ließ, einen Teil, den er als sehr privat ansah. Draco hatte einen Versuch unternommen und Harry erlaubt, tiefer in ihn sehen zu lassen, die Seiten von ihm sehen zu lassen, die unsicher und verletzlich waren. Aber für alle anderen würde diese private Seite wahrscheinlich mehr oder weniger verborgen bleiben. Harry bezweifelte, dass Draco es jemals Ron sehen lassen würde. Draco Malfoy, Meister der Illusion, dachte er. Ich hoffe, dass ich weiß, was dein wahres Ich ist.

„Da ist etwas, was ich dir sagen muss, Harry", sagte Draco. „Jetzt, bevor er hier ankommt. Erinnerst du dich an diese Mädchen, die mit uns zum Winterball gehen wollten?" Er wartete einen Moment und nahm den abwesenden Ausdruck in Harrys Gesicht wahr. „Harry, hörst du mir zu?"

„Ja", sagte Harry grinsend, amüsiert darüber, dass er sich darauf freute, zu sehen, wie Draco sich Ron gegenüber verhalten würde.

„Beim Frühstück", fuhr Draco weiter, „hörte ich, wie eine der beiden, die blonde, sagte, dass sie vor hat, dich heute Nachmittag nach deinem Quidditch – Training abzufangen. Ich denke, sie sind es leid, mit mir zu reden. Wie auch immer, ich wollte dich nur warnen, dich von ihr fern zu halten –."

„Harry!" Ron trat zwischen den Bäumen hervor und konfrontierte Harry und Draco. „Da bist du ja." Bei Dracos Anblick runzelte er die Stirn. „Malfoy", sagte er. „Was geht hier vor? Was planst du?"

Draco hob eine Augenbraue aufgrund der angedeuteten Unterstellung und schaute dann bewusst zu Harry. „Ich genieße nur die Aussicht", sagte er und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als Harry leicht errötete. „Was machst du hier?"

„Nach Harry suchen. Und versuch ja nicht, so unschuldig zu tun", reagierte Ron. „Ich habe gehört, was du gesagt hast. Vor wen hast du Harry gewarnt?"

Draco schmiss sein Haar mit einer kleinen, eleganten Kopfbewegung nach hinten. „Nur vor einem Mädchen, das mit ihm ausgehen möchte."

„Und was geht es dich an, ob Harry mit ihr ausgeht oder nicht?", fragte Ron mürrisch.

„Nun", sagte Draco gedehnt, „sagen wir mal, ich würde es nicht besonders mögen. Eigentlich würde ich es überhaupt nicht mögen. Um genau zu sein, wäre ich vollkommen aufgelöst und wütend. Und dann könnte Dinge sehr schmutzig werden – besonders unter dem Astronomieturm."

Harry konnte es nicht unterdrücken. Er begann zu lachen.

Ron war zu wütend, um es zu bemerken. „Das ist zu dumm, Malfoy! Ich kann nicht sehen, wie du das beeinflussen willst. Harry kann ausgehen mit wem er möchte!"

„So?", sagte Draco schelmisch. „Ist das so?" Er versuchte nicht auch zu lachen. „Ich versuche, daran zu denken, was du gerade gesagt hast, Weasley, da ich weiß, mit wem sich Harry trifft, und ich mir sicher bin, dass du das nicht mögen wirst."

Ron wendete sich verärgert an Harry. „Harry? Wie kommt es, dass er erfahren hat, wen du siehst, wenn du es nicht mal deinen Freunden erzählst?"

Harry versuchte krampfhaft mit dem Lachen aufzuhören. Er wollte Ron wirklich nicht ärgern. Obwohl, vielleicht ein bisschen ... „Weil er da war?", sagte er.

Ron schaute erst zu Harry und dann mit einem mürrischen Gesicht zu Draco. Dann verschmälerten sich seine Augen. „Oh, ich verstehe", sagte er. „Ich sehe, was hier abläuft."

Draco und Harry tauschten erschrockene Blicke aus und warteten in einer amüsanten, erwartungsvollen Stille, dass Ron fortsetzte.

„Ihr zwei streitet euch um ein Mädchen!", betonte Ron schließlich während sein Gesicht rot anlief. „Harry, ich kann nicht glauben, dass du dich mit einem Mädchen aus dem Harem dieses Mistkerls eingelassen hast!"

„Meines was?!" Draco starrte Ron für einen Moment ungläubig an, wendete sich dann aber an Harry. „Gut gütiger! Glaubt die ganze Schule, dass ich mit allem, das einen Rock trägt, schlafe?"

Harry musste jetzt über Draco lachen – er gab ein Musterbild für Wut und Ekel ab. „Nun ja", sagte Harry mit einem entschuldigenden Grinsen als er endlich wieder reden konnte, „es ist eher so, dass jedermann weiß, dass alle, die einen Rock tragen, mit dir Sex wollen und niemand kann sich vorstellen, dass du sie abweist."

Draco schien für einen Moment darüber nachzudenken und gab dann Harry ein verschmitztes Lächeln. „Gott, werden die überrascht sein", sagte er so, dass nur Harry ihn hören konnte.

„Harry, du weißt, welchen Ruf er hat", redete Ron hitzig weiter, wobei er Draco ignorierte obwohl es ihn störte, dass er nicht hören konnte, was dieser zu Harry sagte. „Bist du vollkommen verrückt geworden, dich mit ihm über ein Mädchen zu streiten, mit dem er wahrscheinlich schon geschlafen hat?"

Harry und Draco funkelten beide Ron böse an. Dann schüttelte Harry seinen Kopf und zwang sich für einen Moment für seinen Zimmergenossen ernst zu sein. „Ron, ehrlich. Wir streiten uns um überhaupt nichts. Wir haben uns nur ... unterhalten. Und ich will nicht, dass du das falsch verstehst ... ich meine, ich bin dir wirklich dafür dankbar, dass du hier raus gekommen bist, um nach mir zu sehen und so, aber ich kann mit Draco viel besser umgehen, wenn du nicht in der Nähe bist."

Daraufhin folgte ein schlecht unterdrücktes Kichern von Seiten des Slytherins.

Ron drehte sich mit herausfordernder Wut in den Augen zu Draco. „So, du denkst also, das ist witzig? Nun, Harry könnte dich jederzeit fertig machen ... mit ... mit einer Hand hinter seinen Rücken gebunden!"

„Ach, wirklich, Weasley?", konterte Draco problemlos. „Und wo wäre da der Spaß bei der Sache?" Er wandte sich mit einem teuflischen Grinsen an Harry. „Mir würde es viel besser gefallen, wenn er beide Hände benutzen würde."

Harry verschluckte sich und wurde feuerrot. „Okay, das reicht!", sagte er. „Hört auf, ihr beide!" Harry schaute zu Draco und seufzte. „Ich denke ... ich muss es ihm sagen."

Draco hob eine Augenbraue und musterte Harry einen Moment lang. Dann gab er Harry mit einen kleinen Nicken sein Einverständnis. „Willst du, dass ich bleibe?", fragte er leise.

Harry schüttelte leicht seinen Kopf und sendete ein entschuldigendes Danke mit seinen Augen.

„Was musst du mir sagen", verlangte Ron zu wissen.

Draco ignorierte ihn und trat sehr nah an Harry heran. „Die Unterhaltung von vorhin ist noch nicht beendet", sagte er leise.

„Ich weiß das", sagte Harry.

Graue Augen tragen auf grüne in einer unausgesprochenen Einigung über das Wann und Wo. „Viel Glück, sagte Draco lautlos und drehte seinen Kopf ein bisschen in Richtung Ron.

Harry nickte. Er wollte Draco küssen, oder wenn schon das nicht, dann wenigsten zum Abschied berühren und für einen Moment war das Verlangen nach Kontakt fast überwältigend. Allerdings war das keine Option während Ron sie beobachtete. Aber Draco schien es auch zu spüren und schaffte es, seine Finger versteckt durch ihre Umhänge kurz in Harrys Hand zu schieben. Harry gab den Fingern einen kurzen Druck bevor sie verschwanden.

Draco wandte sich mit einem höhnischen Grinsen an Ron. „Ich hoffe, dass es in deiner Familie keine Geschichte von Herzinfarkten gibt, Weasley", sagte er kühl. „Und", sagte er mit leiser, ernster Stimme, der Ansatz einer Drohung ausmachend, „jetzt werden wir erfahren, ob du es wirklich gemeint hast, was du vorhin gesagt hast – dass Harry ausgehen kann, mit wem er will." Er drehte sich um und schenkte Harry einen letzt unterstützenden Blick bevor er davon ging.

Ron starrte ihn eine Zeit lang hinterher und dreht sich dann zu Harry. „Gott, Harry, dieser Kerl gibt mir eine Gänsehaut. Hast du gesehen, wie er dich angesehen hat? Ich denke nicht, dass du mit ihm alleine sein solltest. Es ist offensichtlich, dass er etwas plant." Er unterbrach sich als er schließlich Harry gekränkten Ausdruck sah. „Was?"

Harry hatte keine Ahnung, wie er anfangen sollte, das zu erklären. Aber er musste es versuchen. „Ich wünschte mir wirklich, dass du nicht so über ihn reden würdest, Ron. Die Dinge ... haben sich geändert." Harry dachte an die gesprochenen Worte zurück, die die drei gerade ausgetauscht hatten. Draco hatte Ron nur geärgert, ein bisschen extrem, aber es waren nur Neckereien gewesen, keine zornigen Beleidigungen waren verwendet wurden, sogar nicht, als Ron ihn beleidigt hatte. „Er ist jetzt anders", sagte Harry entschieden.

„Oh, Harry", stöhnte Ron. „Nicht du auch noch. Hermine sagt genau das selber. Aber das glaube ich nicht. Ich sehe keine Veränderung und ich traue ihm kein Stück."

Harry seufzte. „Ron, hör auf und überleg mal für eine Minute. Kannst du irgendetwas nennen, dass er gemacht hat dieses Jahr, um uns zu ärgern?"

Ron schüttelte den Kopf. „Das hat nichts zu sagen. So wie ich ihn kenne, spart er sich das nur für etwas Größeres auf. Ich kann ihm nicht trauen. Und du solltest das auch nicht."

„Aber das tue ich jetzt", sagte Harry ehrlich. „Seit dem Tag, als ich mit ihm zu Dumbledores Büro gehen musste, unterhalte ich mich mit ihm – um genau zu sein, habe ich viel Zeit mit ihm verbracht." Harry stockte und holte tief Lust. „Ich mag ihn jetzt wirklich. Ich mag ihn sehr."

Das war zu viel für Ron. „Gah, Harry, wie kannst du das nur sagen? Das ist Malfoy, über den wir hier reden! Hast du vergessen, was für ein gemeiner, verachtender, Muggle-hassender, arroganter Mistkerl er ist? Hast du all die hinterhältigen Dinge vergessen, die er uns angetan hat?"

„Ja!", verlor Harry seine Geduld. „Ich versuche sehr angestrengt all diese Dinge zu vergessen – weil da viel ist, das ich jetzt verstehe, das ich vorher nicht verstanden habe und ich kann ihm nicht vorwerfen, wie er sich verhalten hat. Er hat mich nach einer zweiten Chance gefragt und die habe ich vor, ihm zu geben."

„Nun, ich aber nicht!"

„Du hast nicht mal mit ihm geredet!"

„Und das werde ich auch nicht!" Sie funkelten sich an, beide wütend, als Ron fortfuhr. „Harry, ich versteh das alles nicht. Am meisten verstehe ich nicht, warum du mir nicht sagen willst, mit wem du dich triffst aber dieser schleimige Mistkerl weiß es!"

„Ich sag es dir die ganze Zeit, Ron!", sagte Harry vollkommen aufgebracht über seinen sturen, besten Freund. „Du hörst mir nur nicht zu! Und ich habe es dir bisher nicht gesagt, weil Ron Recht hat. Du wirst nicht begeistert sein!"

„Draco! Gott, Harry, ich mag das nicht. Und von wegen, dass ich nicht begeistert bin, wen du triffst – das ist verrückt! Wenn du es so ernst mit jemanden meinst, dann muss ich denjenigen einfach mögen."

„Ron, das ist ... Schwachsinn! Hörst du dir überhaupt selber zu? Ich habe dir gerade gesagt, dass ich Draco wirklich mag und du hast eindeutig nicht vor ihn zu mögen – du hast ihn gerade einen schleimigen Mistkerl genannt!"

„Das ist etwas anderes – das ist Malfoy - ."

„Nein, es ist nicht etwas anderes! Verstehst du es nicht? Es ist genau dasselbe! Und wenn du nicht akzeptieren kannst, dass ich mit Draco befreundet sein möchte, dann macht es überhaupt keinen Sinn, dir zu sagen, mit wem ich mich treffe!"

Harry und Ron starrten sich mehrere Sekunden lang an. Sie hatten sich gewissermaßen angeschrieen. Das lief überhaupt nicht gut. Harry merkte, dass er es besser für jetzt sein ließ. Außerdem war es ziemlich kalt hier draußen und nun nicht mehr mit Draco kuscheln konnte, verursachte der kalte Seewind Schauer über Schauer. „Komm", sagte er mit resignierter Stimme. „Ich will mit dir darüber nicht streiten. Wir sollten sowieso besser zurückgehen. Der Unterricht geht bald los."

Sie waren schweigsam als sie um den See zurück liefen, beide in ihren eigenen Gedanken versunken und beiden tat es leid, dass sie so wütend aufeinander gewesen waren. Schließlich, als sie die Treppen zum Tor hinaufstiegen, brach Ron die Stille. „Harry, warte. Sag mir nur ein was. Hermine denkt, dass du mit jemanden aus Slytherin ausgehst."

Harry seufzte. „Wann hat sich Hermine jemals geirrt?"

„Dann ist es die Wahrheit."

„Ja."

„Gott, Harry."

Harry blieb genau vor den Toren stehen und wandte sein Gesicht seinem Zimmerkameraden zu. „Ich bin dabei mich zu verlieben, Ron", sagte er leise, „und ich freue mich darüber. Ich wünschte mir, du würdest versuchen, für mich glücklich zu sein."

Ron sah getroffen aus und ließ seinen Kopf hängen. „Es tut mir leid, Harry. Ich kann mir dich mit keinen von ihnen vorstellen." Er schaute auf und begegnete Harrys Augen mit Entschuldigung und Entschlossenheit in seinen blauen Iriden. „Aber ich werde es versuchen." Er stockte und fügte dann hinzu: „Sagst du mir jetzt, wer es ist?"

„Es gibt nur eine Person, mit der ich Zeit verbracht habe, Ron", sagte Harry hinweisend. „Ich habe dir schon gesagt, wer es ist."

„Aber", sagte Ron offensichtlich verwirrt, „wann?"

Harry schüttelte nur seinen Kopf. „Das ist jetzt egal", sagte er, öffnete eines der Tore und trat ein. „Wir müssen zum Unterricht gehen. Ich bin mir sicher, dass es dir einfallen wird." Wie ein Bludger an der Kopf, dachte er genervt, dass das so kompliziert sein musste. Warum konnte ich mich nicht auf ein nettes, stilles Hufflepuff Mädchen einlassen? Oh Gott. Das habe ich jetzt nicht wirklich gerade gedacht!

* * *

Am Spätnachmittag saß Draco am Fenster und beobachtete das Gryffendorteam beim Training. Er hatte jetzt schon mehrere Male seine Augenbrauen vor Überraschung gehoben. Harry ließ seine Mannschaft einige neue Manöver fliegen, die es in sich hatten. Diese Flugbewegungen würden die gegnerische Mannschaft ganz schön verblüffen. Er grinste. Schade, dass er nicht mehr für Slytherin spielte. Schade, dass ihnen niemand über die Flugmanöver berichten würde.

Ein Schatten verdunkelte plötzlich das Fenster. Draco sprang vom Fenster, um einer der scheinbar unzähligen und nicht unterscheidbaren Malfoy-Euelen auszuweichen, die in sein Zimmer flog und ein kleines Packet mit sich trug. Ah, dachte er, das ist entweder zu unbedeutend, um Luzifer damit zu belästigen ... oder zu wichtig, um mit der Verwendung von Vaters Eule Aufmerksamkeit zu erregen. Er nahm das Packet in die Hand, scheuchte die Eule wieder aus dem Fenster und schloss es. Es war ein seltsam klumpiges Päckchen. Draco drehte und wendete es in seinen Händen und trug es dann zu seinem Schreibtisch. Plötzlich beschleunigte sich sein Herzschlag. Vielleicht war das endlich ...

Vorsichtig öffnete er eine Seite des Packetpapiers und hielt es kopfüber auf seine Hand. Ein kleines, silbernes Objekt fiel heraus und blieb glitzernd auf seiner Handinnenfläche liegen. Smaragdfarbene Augen leuchteten ihm entgegen, schimmerten grün-gold im Lampenlicht. Draco schaute in das Packet, sah aber nichts weiter. Er war ein bisschen überrascht, dass keine Nachricht beigefügt wurde. Er öffnete das Packet ganz und schaute auf die Innenseite des Packetpapiers. Nicht. Er zuckte kurz mit den Schultern, schmiss das Papier zur Seite, nahm den Ring, denn das war es, was es war, und setzte sich in den Sessel beim Kamin.

Draco drehte den Ring langsam um seine Achse, wobei sich ein kleines, betörendes und doch berechnendes Lächeln auf seine Lippen schlich während er die durch die reflektierten Flammen auf dem polierten Metall entstandenen bernsteinfarbigen und roten Highlights beobachtete. Er war schon immer von der eleganten Kunstfertigkeit des Designs des Ringes fasziniert gewesen. Er war fast zerbrechlich, so ganz detailliert, ein perfekt geformter silberner Drachen, der sich in einen Kreis bog und seine Schwanzspitze zwischen seinen Zähnen hatte. Feingliedrige Flügel ergossen sich längs seines Rückens, jede Schuppe und jede Kralle seines Körpers und seiner Pfoten meisterhaft definiert, und seine Augen waren mit Smaragden besetzt. Dieser Ring war einer seiner wertvollsten Besitztümer. Bald würde es Harry gehören.

Bei dem Gedanken lief ein aufgeregter Schauer über ihn. Er sah auf und blickte in das Feuer während er sich an die Ereignisse am Morgen erinnerte. Heute Morgen war er sich so sicher gewesen, dass er alles ruiniert hatte, dass er sich kaum dazu aufraffen hatte können, zum Frühstück oder zum Unterricht zu gehen. Er wäre beinah an Harrys Erklärungen in Zaubertränke zugrunde gegangen, als er versuchte, den äffenden Unterton heraus zu hören, bei dem er sich sicher war, dass er hätte das sein müssen. Und als er das nicht war und Harry stattdessen mit unterschwelligem Stolz erzählt hatte, was Draco ihm erklärt hatte, war Draco den Tränen wieder schrecklich nah gewesen. Aber es hatte Draco auch ein bisschen Hoffnung und Mut wiedergegeben und zur Mittagszeit hatte er sich schließlich soweit zusammengerissen, dass er sich Harry stellen konnte.

Draco schloss seine Augen und lehnte sich lächelnd in seinem Sessel zurück. Oh Gott. Harry. Draco wäre beinah in Scherben zerbrochen, als er am See darauf gewartet hatte, dass Harry ihn einholte, gewartet hatte als wenn sich seine ganze Welt um die Worte drehen würde, die Harry sagen würde. Aber anstelle von der von Draco erwarteten Verachtung hatte Harry seine Ängste weggewischt, ihn berührt, ihn gehalten und ihn geküsst, hatte er sein ängstliches Herz mit Selbstvertrauen und Zuversicht gefüllt, hatte er seine innere Zerbrechlichkeit so geschickt und mühelos vollkommen geheilt, dass es atemberaubend und beängstigend zugleich war. Harry hatte gesagt: „Heute Morgen gehöre ich dir auf jeden fall voll und ganz" , und Draco hatte mit einer Sicherheit, die er kaum kannte, wenn es um das Vertrauen und Glauben an die Worte Anderer ging, gewusst, dass es die Wahrheit war. Dann hatte Harry ihn geküsst, ihm mit Augen und Lippen und Armen und Atem ‚Ich gehöre dir' gesagt und von diesem Moment an wusste Draco ohne Zögern, ohne Vergangenheit, ohne Zweifel, dass er vollkommen zu Harry gehörte und Harry zu ihm. Und dann, oh Gott, der zweite Kuss ... Draco schlang seine Arme um sich selbst. Er wollte alles von Harry und ihm alles von sich geben. Heute Nacht, dachte er mit zitternder Aufregung, heute Nacht werde ich genau das tun."

Er erinnerte sich daran, dass Harry ihm etwas sagen wollte - er würde auch das heute Abend erfahren – und seine Gedanken wanderten kurz zu Ron Weasley als er sich fragte, wie Harrys Gespräch mit dem allgegenwärtigen Rothaarigen wohl gelaufen war. Er wünschte sich fast, dass Harry ihn darum gebeten hätte, zu bleiben. Weasleys Gesichtsausdruck, als er es erfahren hatte, muss unbezahlbar gewesen sein. Aber es interessierte ihn nicht wirklich, was Weasley dachte, so lange man ihm vertrauen konnte, dass er ihr Geheimnis bei sich behielt und diskret blieb. Was zählte, war Harry. Und Dracos Pläne.

Ja, er plante Harry alles zu geben. Er brachte seine Aufmerksamkeit wieder auf den Ring, den er noch immer hielt. Alles, was er besaß, sein Leben und all die Dinge, die für ihn von größter Bedeutung waren, würde er ihm geben zusammen mit dem Ring. Aber nicht, lächelte er, wie der Ring jetzt war. Die smaragdfarbenen Augen erinnerten ihn natürlich an Harrys Augen aber irgendwie passten sie nicht richtig, wenn der Ring Harry gehören sollte. Sie wären höchstens schlechte Imitate und würden die Schönheit des Ringes verblassen lassen. Und Grün und Silber waren Slytherinfarben, für Harry vollkommen unakzeptabel. Also musste er die Augen ändern. Eine helle Augenbraue wanderte nach oben. Rubinrote Augen? Ja. Perfekt. Rot für Gryffindor. Alles, was er brauchte, war ein Verwandlungszauber – Smaragdgrün zu Rubinrot. Als er aufstand, steckte er den Ring in seine Tasche und lief dann in Richtung Bibliothek. Ein solcher Zauber sollte nicht allzu schwer zu finden sein.

* * *

Das Quidditschtraining war an diesem Nachmittag sehr gut verlaufen. Harry war sehr stolz auf das diesjährige Qudditchteam. Sie hatten mehrere neue, geheime Flugmanöver ausprobiert, mit denen er sich sicher war, dieses Jahr den Hauspokal zu gewinnen. Er lief gerade sich mit Seamus angeregt über ihre Chancen unterhaltend zur Umkleide zurück, als ein zierliches Mädchen mit langen, dunkelblonden Haaren in den Weg trat. Sie trug Schuluniform mit dem Slytherinzeichen drauf. Oh, verdammt. Er hatte Dracos Warnung vollkommen vergessen.

„Hallo, Harry", sagte das Mädchen und lächelte ihn an. „Kann ich für einen Moment mit dir reden? Alleine?"

Harry hielt mitten auf dem Weg an. „Ähm", sagte er während er beetrot anlief. Er drehte sich zu Seamus, um sicher zu gehen, dass der andere Junge nicht wegging aber Seamus war mit einem großen Grinsen schon auf dem Rückzug.

„Keine Sorge, Harry", sagte er neckend. „Ich weiß, wann ich unbeliebt bin." Dann drehte er sich um und rannte zurück zum Quidditchfeld.

Harry wandte sich wieder dem Slytherin zu, bereit sich eine Ausrede einfallen zu lassen und dann zu versuchen, in die entgegen gesetzte Richtung davon zu laufen, aber sie legte eine Hand auf seinen Arm und er war zu höflich, um seinen Plan durchzuführen. „Okay", sagte er. „Ich höre."

* * *

Ron kam gerade die Tribüne runter gelaufen, als Seamus zurück auf das Quidditchfeld geschossen kam und wie verrückt winkte. Ron war erst gar nicht mit Harry und Seamus zurückgegangen, weil schlecht auf Harry zu sprechen weil Hermine schlecht zu sprechen war auf ihn. Er hatte ihr von seinem Gespräch mit Harry am Nachmittag am See erzählt und sie hatte ihn einen ... nun ... Ron zuckte zusammen ... es war einfach nicht zu ertragen, zu wiederholen, was sie ihn genannt hatte. Er verstand das überhaupt nicht. Er war sich auch nicht sicher, ob er mit Seamus jetzt reden wollte. Aber Seamus drängte ihn, sich zu beeilen und seine Neugierde ließ ihn schließlich einen Zahn zulegen.

„Ron!", sagte Seamus atemlos als sie in Hörweite waren. „Komm schon! Du musst das sehen! Es ist Harry – er redet mit einem Mädchen. Ich denke, es könnte das Mädchen sein."

Ron beobachtete ihn skeptisch. „Ist sie eine Slytherin?"

Seamus Augen wurden größer. „Ja! Woher wusstest du das?" Er schnappte sich Rons Arm und begann ihn zu den Umkleideräumen zu zerren. „Komm schon! Du hättest ihn sehen müssen als sie kam. Er wurde rot wie eine Tomate."

Ron grinste nun nicht mehr genervt. Ha!, dachte er als er Seamus hinterher lief. Jetzt haben wir dich, Harry!

Die zwei Jungs hetzten den Weg entlang und kamen schlitternd an einer Stelle zu stehen, wo sie Harry mit dem Mädchen stehen sehen konnte, aber nicht nah genug waren, um Harrys Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ron konnte eindeutig sehen, dass Harry mit einem hübschen Slytherinmädchen aus dem sechsten Jahrgang sprach. Aha! Harry hatte gesagt, dass sie hübsch ist.

Sie hatte ihre Hand auf seinem Arm und er hatte sich zu ihr gebeugt, um zu verstehen, was sie sagte, da sie sehr sanft sprach. Ron konnte nicht mal ihre Stimme ausmachen aber Harry lächelte über das, was sie sagte, nickte erst und lachte dann. Und er hatte gesagt, dass sie witzig ist. Harry antworte leise und sie lächelte.

Seamus und Ron tauschten verschwörerische Blicke aus und nickten. Sie beobachteten, wie noch wenige weitere Sätze ausgetauscht wurden bevor sie sich trennten und das Mädchen zum Schloss und Harry zu den Umkleideräumen ging. Sie hörten Harry nochmals auflachen als er lief.

„Ich gehe mich besser auch umziehen", flüsterte Seamus, „aber ich werde noch nichts sagen. Zum Abendbrot ist er fällig."

„Genau", flüsterte Ron. Er schlug Seamus auf den Rücken. „Oh, gut gemacht. Er wird diesmal nicht in der Lage, sich da raus zu winden."

* * *

Draco lief zügig mit einem kleinen, verstaubten Bibliotheksbuch zurück zu seinem Zimmer. Es hatte viel länger gedauert etwas über Verwandlung von Edelsteinen zu finden, als erhofft. Und der Zauber selber war viel komplizierter als erwartet. Jetzt hatte er keine Zeit etwas anderes vor dem Abendbrot zu machen als das Buch und den Ring in der Schreibtischschublade zu verstecken. Er würde morgen Zeit für sich alleine brauchen damit er den Zauber durchführen konnte. Einen Moment lang stand er still und schaute sich immer Zimmer um. Alles war an seinem Platz. Er schielte zum Schachbrett und grinste. Oh, er hatte so viele Pläne für heute Nacht! Ein Plan beinhaltete eine bestimmte Box in seiner Garderobe ... und der andere ... nun, Harry hatte ihm heute Morgen gesagt, dass er letzte Nacht nicht hatte gehen wollen und Draco hoffte fieberhaft, dass er diesmal die ganze Nacht bleiben würde. Sein zweiter Plan hing davon ab.

Er ging zur Tür und wollte sie gerade öffnen als er plötzlich einen schrecklichen Gedanken hatte. Er rannte in das Badezimmer, öffnete den Medizinschrank und nahm ein Gefäß gefüllt mit einem blauen Zaubertrank heraus. Wenn Harry die Nacht hier verbringen würde, würde er vielleicht das Schränkchen öffnen und Draco konnte Harry das hier nicht sehen lassen. Er nahm das Gefäß mit dem Trank und versteckte es weit hinten auf dem obersten Fach seines Kleiderschrankes, atmete dann tief ein und ging mit einem letzten Blick durch das Zimmer zum Abendbrot.

* * *

In der Umkleide duschte sich Harry und zog sich an, so dass er nach dem Abendbrot direkt zu Dracos Zimmer gehen konnte. Er hatte sogar eine Sachen, schön praktisch zusammengeschrumpft und verdeckt, für Übernacht mitgebracht, nur für den Fall, dass er heute Nacht nicht zurück zu seinem Schlafsaal gehen würde. Es war endlich Freitagnacht, also mussten sie keine Hausaufgaben machen und konnten den ganzen Abend zusammen verbringen – oder vielleicht, so hoffte er, auch die ganze Nacht. Er lief gutgelaunt mit Seamus zurück zum Schloss, ignorierte dabei die schelmischen, wissenden Blicke des anderen Jungen. Harry hatte eine ziemlich genaue Vorstellung, was Seamus dachte zu wissen, und war extrem amüsiert darüber, hatte aber nicht die Absicht, Seamus davon in Kenntnis zu setzten.

Als sie die Große Halle betraten, sah Harry zu seiner Überraschung, dass sie spät dran waren und das Abendbrot fast vorbei war. Anscheinend hatte er länger gebraucht, um zu duschen und sich fertig zu machen, als er gedacht hatte. Die meisten Schüler waren schon wieder gegangen und waren gerade im Aufbruch. Seamus und er nahmen ihre Plätze gegenüber von Hermine und Ron an dem fast verlassenen Gryffindortisch ein. Ron hat einen Arm um Hermine gelegt und flüsterte ihr gerade etwas zu als sie sich setzten.

Hermine schenkte Ron einen kurzen, verärgerten Blick und schüttelte dann den Kopf. „Es ist nicht einmal warm", sagte sie. Dann wandte sie sich ab und lächelte Harry, der ihr direkt gegenüber saß, wissend zu. „Harry", sagte sie während sie mit dem Kopf in Richtung Seamus und Ron nickte, „diese zwei fleißigen Bienchen denken, dass sie dein Geheimnis gelüftet haben obwohl einer von ihnen mir extra versprochen hatte, dich deswegen nicht zu bedrängen."

„Aber ich kann nichts dafür, dass wir ihn gesehen haben, Hermine", protestierte Ron.

„Wobei habt ihr mich gesehen?", fragt Harry unbesorgt während er sich Essen auf seinen Teller lud. Er erlaubte sich einen kurzen Blick zum Slytherintisch. Er war froh, dass Draco noch dort saß und dass der andere Junge diesmal tatsächlich aß.

„Wir haben dich mit diesem Slytherinmädchen reden sehen", sagte Seamus. „Draußen bei den Umkleideräumen. Komm schon, Harry, gib es auf. Ist sie nicht diejenige, mit der du was hast?"

Harry lachte. „Oh, du meinst Natalia? Nein, sie ist nur mein Date für den Weihnachtsball. Ich bin an ihr nicht interessiert."

„Hab ich dir doch gesagt", sagte Hermine selbstzufrieden an Ron angewandt.

Ron und Seamus tauschten überraschte, dümmliche Blicke aus. „Dein ... Date?", quiekte Seamus. „Aber wenn sie nicht die ist, die du triffst ... Harry, bist zu verrückt?"

Harry zuckte nur die Schultern.

„Das ist geisteskrank!", sagte Ron als er sich aus den kurzzeitigen Schock gelöst hatte. „Nachdem du mir all das heute Nachmittag erzählt hast – gehst du mit jemand anderen zum Ball?"

„Na ja", sagte Harry mit einem Hauch vorgetäuschter Unschuld, „eigentlich hoffe ich ja, mit beiden hinzugehen."

Ron und Seamus starrten ihn sprachlos an.

„Harry", sagte Ron schließlich als würde er das Offensichtlichste der Welt zu einem kleinen Kind erklären, „du kannst deine Freundin nicht zusammen mit einem anderen Mädchen zum Winterball ausführen."

Harry biss von einem Hühnerbein ab. „Ich habe keine ‚Freundin'", sagte er.

„Wovon redest du?", spie Ron. „Du hast mit gesagt, dass du ernsthaft dabei bist, dich zu verlieben!"

„Und das tue ich auch. Ich habe nur ein Problem mit dem Begriff ‚Freundin'. Du ziehst Schlüsse, die nicht ... ähm ... ganz richtig sind."

Seamus rollte mit den Augen. „Okay, du kennst sie also noch nicht lange genug, um sie als deine Freundin zu bezeichnen – trotzdem kannst du nicht mit zwei Mädchen auf den Winterball gehen! Denkst du nicht, das sie wütend sein wird, wenn sie heraus bekommt, dass du sie erst küsst und dann jemand anderen zum Ball ausfragst. Du wirst alle vermasseln bevor du überhaupt die Gelegenheit haben wirst, sie als deine Freundin zu bezeichnen."

Eigentlich, dachte Harry, wird Draco wahrscheinlich wirklich wütend sein. Aber Harry hoffte, dass er Draco davon überzeugen können würde. Immerhin hatte Draco sich den Plan der zwei Mädchen gar nicht angehört und sogar Harry musste zugeben, dass der Plan perfekt war. Überlass es Slytherin, sich so etwas einfallen zu lassen – bestimmt wäre Draco davon angetan, wenn er davon erfuhr. „Nun, zuerst ein mal", sagte Harry grinsend zu Seamus, „hat Natalia mich gefragt. Und wegen der anderen Sachen – ich werde sehen was passiert."

Harry griff nach seinem Glas mit Kürbissaft und war gerade dabei einen Schluck zu trinken als seinen Augen über seinen Brillenrand auf denen von Hermine traf. Sie hatte diesen Ich-weiß-die-Antwort-Blick in ihren Augen. Harry hob eine Augenbraue und senkte das Glas. ‚Draco', formte sie mit ihrem Mund. Harry prustete beinah den Saft in seinem Mund über den Tisch.

Genau in dem Moment grinste Seamus, der von dem Austausch nichts mitbekommen hatte, plötzlich und sagte: „Oder, es ist vielleicht das Wort FREUNDIN, das dich stört, Harry. Vielleicht hast du ja einen FREUND."

Harry, der noch immer mit dem Saft in seiner Mundhöhle kämpfte, schnappte nach Luft, verschluckte sich prompt und begann zu husten.

Ron funkelte Seamus böse an. „Oh, um Himmels Willen, Seamus, wie mies, so was zu sagen. Schau nur, was du ihm angetan hast."

Seamus schlug Harry mehrfach auf den Rücken. „Alles okay bei dir, Harry?"

Harry nickte schweigend, als sein Husten nachließ. Er schaute wieder zu Hermine. Wie, zur Hölle noch mal, hatte sie das wieder herausgefunden? Sie hatte ihre Hand über ihren Mund und beobachtete ihn teils besorgt und teils amüsiert. Er war sich sicher, dass sie nur versuchte das Lachen zu verkneifen, weil sie Angst hatte, er könnte tatsächlich ersticken. Er schlunzte rüber zum Slytherintisch und musste zu seinem Entsetzen feststellen, dass es so aussah, als würde jeden Moment aufspringen und zu ihm eilen. Er schüttelte schnell seinen Kopf und sah zu seiner Erleichterung, dass sich Draco entspannte.

In der Zwischenzeit war ein Streit zwischen Ron und Seamus entbrannt wegen dessen Kommentar darüber, dass Harry einen Freund haben könnte. „Ich habe ihn nur aufziehen wollen, weil er uns geärgert hat!", sagte Seamus hitzig. „Und ich verstehe nicht, was daran so schrecklich schlimm wäre. Da gibt es nicht gegen zu sagen, wenn ein Junge einen Junge mag."

„Nun, Harry ist aber nicht so", protestierte Ron.

„Und warum ausgerechnet Harry nicht?", konterte Ron. „Vorhin habe ich nur Witze gemacht, aber jetzt, wenn ich so darüber nachdenke, hat er diese Person nie als eine ‚sie' bezeichnet. Und noch etwas – wenn es wirklich ein Mädchen ist, muss sie ganz schön aggressiv sein, so wie ich es noch nie gesehen habe. Ich meine, Harry kam mit einem ganz aufgeknöpften Hemd zurück – am ersten Abend, an dem sie zusammen gewesen sind! Wenn du mich fragst, klingt das mehr nach einem Jungen!"

Harry ließ seinen Kopf nach vorne in seine Hände fallen, hauptsächlich, um nicht anzufangen zu lachen aufgrund Seamus treffsicheren Wahrnehmungsvermögens, aber auch, weil er sich ein bisschen schuldig fühlte. Es hatte Spaß gemacht, sie zu ärgern, aber einen Streit hatte er nicht anfangen wollen. Und er musste feststellen, dass er es wirklich nicht mochte, Geheimnisse vor seinen Freunden zu haben. Er holte ein paar Mal tief Luft. Vielleicht sollte ich es ihnen jetzt einfach sagen, dachte er. Er hört sich den Schlagabtausch mit „Ist es nicht!" – „Und warum nicht?" an und dachte: Ich muss es ihnen jetzt sagen. Er holte ein weiteres Mal tief Luft. Genau, ich werde es ihnen direkt sagen.

„Okay, es reicht!", durchbrach Hermines Stimme die Auseinandersetzung. „Ihr werdet ihn in Ruhe lassen, verstanden? Warum ist es für euch beide so schwer zu verstehen, wenn er zur Abwechslung mal ein bisschen Privatsphäre haben möchte?"

Harry hob in der darauf eintretenden Stille seinen Kopf und schaute Hermine dankbar an.

„Entschuldigung, Harry", murmelten Ron und Seamus. Sie blickten sich immer noch Stirn runzelnd an.

Ein zögerlicher, schweigsamer Waffenstillstand wurde hergestellt als die Gruppe ihre Mahlzeit fortsetzte. Harry beobachtete, wie Draco aufstand und die Große Halle verließ, hinderte aber seine Augen daran, ihm zu folgen. Er beendete sein Abendbrot so schnell wie möglich ohne gehetzt zu wirken. Es würde sicherer sein, dachte er, ein bisschen zu warten, bevor er selber ging. Die Große Halle war jetzt fast vollkommen verlassen und das bedeutete, dass er auf dem Weg zu Dracos Zimmer auf weniger Schüler in den Gängen stoßen würde.

Harry schielte rüber zu Ron und Seamus und grinste leicht. Sie sahen sich noch immer so an, als würde der Streit wieder losgehen würde – nur, dass Hermines Anwesenheit das verhinderte. Harry schaute zu Hermine. Sie sah zurück, noch immer mit diesem wissenden Blick in ihren Augen. Er kam fast um vor Neugierde, zu erfahren, wie sie von Draco wissen konnte. Aber natürlich würde er sie nicht jetzt fragen.

Genau in dem Moment kam Dean und Neville rein und setzten sich zu der Gruppe. Dean verschränkte seine Arme vor seiner Brust und starrte Seamus an. „Und wo bist du bitte schön gewesen, wenn ich fragen darf?", sagte er ziemlich angefressen. „Wir hätten beinah das Abendbrot vergessen, weil wir auf dich gewartet haben."

Neville lehnte sich an Dean vorbei über den Tisch und fügte klagend hinzu: „Wir haben den ganzen Nachmittag an unserem Heilkräuterkundeprojekt gearbeitet. Du hast gesagt, du würdest gleich nach dem Qudditchtraining kommen und uns helfen."

Seamus schlug seine Hände auf beide Seiten seines Gesichtes und sein Mund klappte auf. „Oh zur Hölle noch mal", rief er, „ich habe das vollkommen vergessen, Jungs! Okay, ich verspreche euch, ich mache das wieder gut. Ich werde morgen den ganzen Tag daran arbeiten." Dann glitten seine Augen zu Harry und er grinste verschlagen. „Aber", sagte er mit leiser, verschwörersicher Stimme während er sich zu Dean und Neville lehnte, „wartet nur, bis ihr hört, warum ich es vergessen habe!"

Harry entschied, dass er sich jetzt besser davon machte. Sofort. Er stand vom Tisch auf und begann zur Tür zu laufen. „Ich muss los", gab er bekannt und unterbrach Seamus damit ohne jemanden anzusehen. „Wartet nicht auf mich!", fügte er grinsend hinzu und ging.

* * *

Harry war nur ein kleines Stücke den Gang hinunter gelaufen und gratulierte sich gerade für das knappe Entkommen, als er seinen Namen hörte.

„Harry?", rief eine sanfte Stimme nach ihm. Hermine. Harry kam zum Stehen und drehte sich herum, damit sie ihn einholen konnte.

„Ich schätze, ich kann von deiner Reaktion dort drin vermuten, dass ich richtig darüber gelegen haben, wen du triffst", sagte sie als sie vor ihm stehen blieb.

„Du hattest Recht", sagte Harry. „Aber wie? Wie hast du es herausgefunden?"

„Ganz einfach, mein Lieber", sagte sie mit einem selbst zufriedenen Grinsen. „Ich habe das Schachbrett in Dracos Zimmer gesehen, als ich gestern Nachmittag dort war. Du hast Ron erzählt, dass du mit jemanden aus einem anderen Haus Schach spielst, aber niemand in Hufflepuff oder Ravenclaw hat dich gesehen. Und gestern Morgen vor dem Zaubertränkezimmer ich habe bemerkt, dass du und Draco euch im Umgang mit einander anders benehmt." Sie stoppte und fügte dann plötzlich ganz ernst hinzu: „Da dachte ich noch, dass ihr euch endlich vertragen habt, aber ... hast du das wirklich gemeint, was gesagt hast – was du Ron am Nachmittag erzählt hast – darüber, dass du dabei bist, dich zu verlieben?"

„Ja", sagte Harry während er sich für eine Szene wie er sie vorher mit Ron gehabt hatte wappnete. „Ich meinte es."

„Aber Harry. In Draco? Wie?" Sie sah zu ihm hinauf, ihre braunen Augen gefüllt mit Besorgnis und Unverständnis. „Ihr zwei habt euch seit dem ersten Jahr an gehasst und bis gestern dachte ich, dass ihr das immer noch tut. Wie konnte sich das so schnell ändern?"

„Wir haben uns nicht gehasst, Hermine", sagte Harry aufrichtig. „Nicht wirklich."

Sie sah ihn weiterhin zweifelnd an. „Es sah auf jeden Fall so aus, Harry."

„Ich weiß", sagte er Schulter zuckend. „Sogar ich habe es geglaubt. Aber ... letzte Woche haben wir für Stunden geredet, über alles, und ... Gott, Hermine, es wird so dumm klingen, aber na ja ... es scheint, als wäre er immer wütend auf mich gewesen, weil ich ihn schrecklich verletzt habe, da ich ihn nicht mochte und er mich mochte. Und ich war immer wütend auf ihn weil er sich so sehr wie ein Vollidiot aufgeführt hat, dass ich ihn nicht mögen konnte aber es wollte. Und die ganze Zeit war da diese intensive Anziehung zwischen uns gewesen, die wir nicht verstehen konnten, die dann wie Öl im Feuer war." Harry unterbrach sich kurz und setzte dann zögernd fort. „Er hat sich geändert, Hermine. Letzte Nacht hat er viele Dinge erklärt und ich kann es ihm ... nicht mehr vorwerfen ... das ganze Zeug in der Vergangenheit ... es spielt für mich jetzt einfach keine Rolle mehr."

Hermine nickte bedächtig und lächelte Harry dann an. „Ich schätze, das macht auf irgendeine Weise Sinn. Das erklärt, warum ihr so zornig aufeinander sein konntet, aber euch nicht in Ruhe lassen konntet. Aber was ist passiert, Harry?", fragte sie. „Wie seid ihr zwei überhaupt erst zusammen gekommen?"

„Er hat mit geküsst", sagte Harry leise mit einen leicht peinlich berührten Grinsen. „Und nachdem ich gemerkt habe, dass er es ernst meint und nicht irgendeinen Trick versuchte, um mich zu demütigen, konnte ich ... nun, ich konnte nicht mehr aufhören, ihn küssen zu wollen ... und so tat ich es."

„Wow", sagte Hermine. „Er ist einfach auf dich zu gekommen und hat dich geküsst?! Das ist ... wow ... einfach so unglaublich."

Harry schüttelte seinen Kopf vor Verwunderung. „Das ist alles, was du zu sagen hast?", sagte er erstaunt. „Ich hatte erwartet, dass geschockt wärst – und wütend. Ich meine, es war ein ziemlich Schock für mich!"

Hermine lachte. „Nun", sagte sie, „Ich bin mir nicht sicher, ob ich es jetzt schon glaube. Ich habe euch zwei noch nicht wirklich zusammen ... gesehen. Und ich bin nicht wütend weil ich, seit die Schule dieses Jahr begonnen hat, viel von Draco gesehen habe und ich selber mit ihm gesprochen habe. Ich habe die Veränderung in ihm gesehen. Ich habe darüber nichts zu dir oder Ron gesagt, weil ich dachte, ihr Jungs würdet euch aufregen. Eigentlich scheute ich mich davor, mit ihm zu reden, als ich hörte, dass er als Vertrauensschüler ernannt wurde, aber es war von Anfang an klar, dass etwas anders war. Dir ist bewusst, dass er dieses Jahr Schülersprecher hätte werden sollen, oder?"

„Ja, ich weiß", sagte Harry unglücklich als er daran dachte, dass er teilweise Schuld daran war, dass es nicht so war.

„Ich wünschte, er wäre es geworden. Er ist so klug, Harry. Er hat mich geholfen, mehrere schwere Probleme zu lösen, und war sehr höflich zu mir gewesen. Aber selbst, wenn er sich verändert hat, Harry, ich ...ich hoffe, dich stört es nicht, wenn ich das sage ... ich frage mich bloß, ob er wirklich der Richtige für dich ist. Ich meine, ich denke, du brauchst jemanden, der ... liebevoller ist. Er wirkt immer so distanziert und ... na ja ... kühl. In letzter Zeit wirkte er manchmal einfach nur traurig. Ich denke nicht, dass ich ihn jemals lächeln sehen habe. Um genau zu sein, gestern Morgen, als ich euch vor dem Zaubertränkezimmer angegrinst habt, das war das Naheste an einem Lächeln, was ich je gesehen habe." Sie stoppte, sah dann sehr nachdenklich aus und legte ihre Hand auf Harrys Arm. „Eigentlich ist es Naheste an einem Lächeln, das ich bei dir seit einer langen Zeit gesehen habe", sagte sie mit einem zärtlichen Leuchten in ihren Augen. „Ron hat Recht. Du hast in den letzten zwei Tagen wirklich glücklicher gewirkt."

„Das bin ich", sagte Harry lächelnd. „Und du liegst richtig mit Draco. Er ist traurig gewesen ... und das war teilweise meine Schuld. Aber Hermine, er kann lächeln. Mein Herz bleibt beinah stehen, wenn er es tut. Ich habe noch nie so viel gelacht, oder bin so ernst gewesen, oder habe mich so ..." Er errötete leicht bevor er mit leiser Stimme fortfuhr: „ ... tief berührt gefühlt ... von niemanden ... wie ich es die letzten zwei Tage mit ihm gemacht habe. Ich möchte wirklich, dass das funktioniert."

„Aber Harry, bist du dir sicher, dass wir ihm jetzt vertrauen können? Was ist mit seinem Vater?"

„Ich weiß nicht, was mit seinem Vater passieren wird", sagte Harry leise. „Aber ja, ich vertraue Draco jetzt."

„Nun denn", sagte Hermine als wenn Hermine hier und jetzt eine schwere Entscheidung treffen würde, „ich hätte nie gedacht, dass ich das über Draco Malfoy sagen würde, aber Harry, wenn du dir sicher darüber bist, dann hast du meine Unterstützung."

Harry trat vor und zwang seine Freundin in eine gigantische Bärenumarmung. „Gott, Hermine", sagte er. „Du hast keine Ahnung, wie froh ich bin, dich das sagen zu hören."

„Hm", sagte Hermine während sie seinen Rücken streichelte. „Ich fürchte, mit Ron wird es nicht so einfach."

Harry löste seine Umklammerung und seufzte. "Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich habe es heute Nachmittag wirklich versucht, ihm zu sagen. Um genau zu sein, habe ich es ihm sogar gesagt – zumindest sagte ich, dass ich Draco wirklich mag. Aber er wollte das einfach nicht hören."

„Du wirst ihm direkt sagen müssen, Harry", sagte sie nachdrücklich. „Er wird es nicht durch irgendwelche Hinweise heraus bekommen – egal wie offensichtlich sie sind. Er kann das nicht."

Harry strich eine Hand durch sein zerzaustet Haar. „Ich hatte nur gehofft, ich könnte ihn daran gewöhnen – dass er Draco erst als einen Freund von mir akzeptiert aber er weigerte sich, es ernst zu nehmen. Er hat immer nur Zeug wie ‚Das ist geisteskrank, Harry' gesagt."

Hermine runzelte die Stirn. „Ja, und wenn er das noch ein einziges Mal zu mir sagt, werde ich seinen Mund für den Rest des Tages mit einem Zauber zum Schweigen bringen."

Harry lachte.

Hermine sah ihn an und lächelte. „Es ist schön dich wieder lachen zu sehen", sagte sie. „Und mach dir nicht so viele Gedanken. Ihm werden die Sicherungen durchbrennen, er wird einen Wutanfall bekommen und sich für ein paar Tage wie ein dummer Mistkerl benehmen, aber irgendwann wird er darüber hinweg kommen. Er wird es müssen. Er liebt dich, Harry, obwohl er es nie so sagen würde. Wenn du glücklich bist, wird er nicht lange Widerstand geben."

Harry zog sie in eine weitere Umarmung. „Danke", sagte er aus tiefsten Herzen. „Ich fühle mich, nun da ich weiß, dass du nicht wütend bist, so viel besser. Ich werde morgen noch mal versuchen, es ihm zu sagen." Er umarmte sie für einen langen Moment, seine Augen geschlossen als er bemerkte, wie anders sie sich anfühlte als Draco. Sie war fast ein Kopf kleiner als er und fühlte sich in seinen Armen fast zerbrechlich an. Draco und er waren mehr oder weniger gleich groß und gleich gebaut. Harry registrierte, wie sehr es mochte, direkt in Dracos Augen sehen zu können und Draco war in seinen Armen, oh Gott, alles andere als zerbrechlich. Er liebte es, wie ihre Körper exakt aufeinander passten, wie es sich so perfekt - .

Jemand räusperte sich direkt neben Harrys Ohr. „Ich frage mich", sagte eine leise Stimme als Harry und Hermine sich trennten, „ob Weasley über das hier Bescheid weiß, Granger?"

Harry blickte direkte in verschmälerte, graue Augen. „Gott, Draco", keuchte er. „Musst du dich an Leute so anschleichen?"

„Ich bin nicht derjenige, der hier rum schleicht." Draco sah Hermine nachtragend an.

Hermine runzelte die Stirn. „Wir haben gerade über dich gesprochen", sagte sie.

Harry lachte. „Und ich habe die ganze Zeit an dich gedacht."

Draco schaute wieder zu Harry und seine Augen wurden ein ganzes Stück weicher.

„Sie weiß es", sagte Harry. „Das mit uns."

„Das überrascht mich nicht, da du es ja am Nachmittag Weasley gesagt hast."

„Nun ja", sagte Harry eine Grimasse ziehend. „Eigentlich habe ich das nicht. Hermine hat es selbst herausgefunden."

„Hm", sagte Draco und richtete seinen Blick auf Hermine. „Das ist auch nicht überraschend. Was überraschend ist, dass kein Geschrei zu hören ist."

„Das ist der Grund, warum ich sie umarmt habe", sagte Harry. „Sie hat gerade gesagt, dass wir ihre Unterstützung haben."

Draco verschränkte seine Arme vor seiner Brust und hob eine Augenbraue. „Ich muss sie nicht auch umarmen, oder?", fragte er als wäre es etwas ekeliges aber die Wärme in seinen Augen und das schiefe Grinsen, dass sich in seine Mundwinkel schlich, verriet die Lüge.

* * *

Hermine schaute zu Draco und war überrascht über die Wärme, die plötzlich in dessen Augen floss. Sein Auftreten entsprach noch immer der natürlichen Kreuzung aus kühler, ruhiger Selbstbeherrschung und unnahbarer Distanziertheit aber das leichte Lächeln und der Ausdruck in seinen Augen waren etwas, was sie an ihm noch nie gesehen hatte. Sie hatte das plötzliche, fast unwiderstehliche Verlangen wegen diesem Kerl dümmlich zu grinsen. Sie war ein wenig enttäuscht, als er sich wegdrehte, um Harry anzusehen. Gott, Draco Malfoy hatte Ausstrahlung. Das musste sie ihm zugestehen. Genau wie Harry. Sie ähnelten sich dahingehend. Sie waren beide in der Lage mit einem Blick oder einem Wort, die volle Aufmerksamkeit zu haben.

Sie beobachtete sie, wie sie sich gegenüber standen, und wo früher so oft Wut und Abscheu in ihren Augen sprühten, musste sie bei dem, was sie jetzt sah, den Atem anhalten. Oh, Funken sprühten, keine Frage. Der Augenkontakt zwischen ihnen war elektrisierend. Draco sah nicht länger ruhig und gefasst aus und Harry errötete als er seine Aufmerksamkeit ganz auf den Slytherin richtete. Sie bewegten sich näher auf einander zu, ihre Hände in einander verschlungen.

Hermine wusste, dass sie für die beiden Jungs, die nur einen Schritt von ihr entfernt standen, einfach aufgehört hatte, zu existieren. Und sie wusste noch eine weitere Sache. Fast jedes Mädchen in Hogwarts wird bodenlos enttäuscht sein. Die zwei begehrtesten Jungs der Schule hatten sich in einander verliebt. Es würde eine überraschende und bittere Enttäuschung sein.

„Ich hab nach dir gesucht", sagte Draco sanft während er mit seiner freien Hand zärtlich Harrys Brille richtete, „um dir zu sagen, dass du nicht auf mein Zimmer kommen kannst. Außer du hast deinen Tarnumhang dabei."

„Den habe ich mit", sagte Harry und suchte einhändig in seinen Taschen. „Irgendwo. Ich habe ihn schrumpfen lassen." Schließlich zog er den Umhang, der momentan die Größe eines kleinen Taschentuchs hatte, hervor. Er ließ Dracos Hand los, um seinen Zauberstab zu fassen. „Engorgio", sagte er und der Umhang erhielt seine normale Größe zurück. „So, warum brauche ich ihn?", fragte er.

Draco machte ein verärgertes Gesicht. „Weil Vincent Greg aus ihrem Zimmer ausgesperrt hat. Ich habe keine Ahnung, warum. Aber jetzt Greg draußen auf der Treppe und Pansy sitzt bei ihm und tut so, als wäre sie seine lang verloren gewesene beste Freundin."

Harry kicherte. „Er könnte später immer noch den Astronomieturm nutzen."

„Er ist zu dumm, um das zu wissen", sagte Draco grinsend. „Ich denke, dass er Pansy wirklich mag."

Harry rollte mit seinen Augen. „Oh Gott", sagte er und platzierte dann den Umhang über seinem Kopf.

Als Harry unter dem Umhang verschwand, wendete Draco sein Gesicht Hermine zu. „Danke", sagte er nur. „Ich habe das nicht erwartet."

Hermine wollte gerade antworten, als Harry plötzlich für eine Millisekunde direkt hinter Draco auftauchte. Sie konnte nur einen flüchtigen Blick auf Dracos überraschtes Gesicht werfen und schon waren beide Jungs verschwunden, als Harry Draco unter den Umhang zog. Sie hörte ein Raufen und Rascheln, dann ein liebevolles Flüstern. Es klang wie. „Hab dich, S.-P." War das Harry? Und ein leises, raues Lachen. Draco?! Danach war es lange Zeit still und dann hörte sie etwas, das wie eine Mischung aus einem leisen, zufriedenen Seufzen und einem behaglichen Brummen klang. Hermine konnte nicht feststellen, ob eine Stimme dieses Geräusch erzeugt hat, oder zwei. Es folgte ein weiteres Geräusch und Hermines Gesicht fühlte sich plötzlich heiß an. Es gab keinen Zweifel an dem Geräusch eines endenden Kusses.

„Geht es dir jetzt besser?", fragte Dracos Stimme zärtlich neckend. „Du hast dich nicht an irgendwelchen lebenswichtigen Organen, Gehirnen, oder anderen unersetzlichen Körperteilen verschluckt, oder H.-B.?"

Hermine klappte vor Erstaunen der Unterkiefer runter. Es war offensichtlich, dass sie sich bei Draco geirrt hatte. Er gab sich überhaupt nicht cool und gefühllos, oder zumindest nicht Harry gegenüber. Sie hörte Harrys leises Lachen.

„Nein, mir geht es gut", sagte er. „Der Saft war bloß in die falsche Röhre gerutscht."

Das Geräusch eines weiteren Kusses entflammte ihre Wangen. Einen Moment war es still, dann hörte sie beide Jungs lachen.

„Oh, du müsstest dein Gesicht sehen, Hermine", sagte Harry lachend.

„Ja, du solltest wirklich deinen Mund schließen, Granger", fügte Draco mit seiner typisch nervig gedehnten Sprechweise hinzu, „bevor Fledermäuse sich entschließen, dort zu leben."

Hermines Mund schnappte zu aber ehe sie etwas sagen konnte, hört sie ein scharfes Lufteinziehen und ein geflüsterter Ausruf.

„Au! Harry, das war mein Fuß!"

„Oh, war es das?", sagte Harry lachend.

Sie hörte als Antwort Draco leise lachen. „Du weißt verdammt genau, dass es das war", sagte er eher amüsiert als genervt. Man hört noch mehr Raufen und gedämpftes Lachen, dann ein dringliches „Shhhh", gefolgt von einer abrupten Stille.

In der plötzlichen Ruhe vernahm Hermine Schritte. Sie drehte gerade um, als Ron zu ihr kam. „Hermine?", sagte er zögerlich. „Warum stehst du hier alleine rum?"

Hermine wollte schon ansetzen zu sagen, dass sie nicht alleine war, als sie bemerkte, dass es natürlich von Außen so aussah. Und sie konnte ihm wirklich nicht sagen, wer mit ihr war, ohne jede Menge Probleme zu verursachen. „Ich habe bloß … mit Harry gesprochen", sagte sie Stirn runzelnd. „Ich habe versucht, ihn zu unterstützen, anstatt ihn zu bedrängen, wie du und Seamus es getan haben."

„Oh", sagte Ron mit einem entschuldigenden Ausdruck auf seinem sommersprossigen Gesicht. „Bitte sei nicht böse mit mir, Hermine. Ich weiß, du hast gesagt, dass ich Harry in Ruhe lassen sollte, aber … es geht einfach nicht. Da ist irgendwas komisch mit ihm und das Mädchen, mit der er ausgeht – ich denke, Malfoy hat mit ihr auch irgendwas zu tun und es macht mir Sorgen. Ich möchte bloß nicht, dass er verletzt wird … und … Süße, bitte sei mir nicht böse. Ich ertrag das nicht."

Hermine sah in die bettelnden, blauen Augen und gab nach. Sie konnte einfach nicht lange böse mit ihm sein. Seine uneingeschränkte Loyalität zu den Menschen, die ihm wichtig waren, obwohl sie manchmal unabsichtlich fehlgeleitet war, war eines der Dinge, die sie am meisten an ihm liebte. „Ich bin nicht sauer", sagte sie sanft. „Und niemand will, dass Harry verletzt wird, aber wir können uns in seine Entscheidungen auch nicht einmischen." Sie ignorierte Rons Bemerkung über das Mädchen – sie würde nicht diejenige sein, die ihm sagte, dass es kein Mädchen gab. „Du musst daran denken, dass du derjenige bist, der ihm weh tut", führte sie fort, „wenn du dich weigerst, ihn in dieser Sache zu unterstützen. Und in Wirklichkeit kannst du jetzt nichts machen, außer zu versuchen, es zu akzeptieren. Harry ist schon zu stark beteiligt … um genau zu sein, es scheint, dass die beide schon zu tief drin stecken."

Ron seufzte. „Also hast du sie zusammen gesehen? Hattest du Recht damit, wer es ist?"

„Ja", sagte sie. „Und ja, ich hatte Recht."

„Es ist schlimm, nicht wahr? Harry sagte, ich würde es nicht mögen."

Hermine verschränkte ihre Arme und versuchte ernst zu schauen, was ihr nicht ganz geland. Das verblüffende und irgendwie extrem bezaubernde Bild von Harry und Draco, wie sie Händchen halten und sich gegenseitig ansehen, als wenn niemand weiter auf der Welt existieren würde, erschien immer wieder vor ihrem geistigen Auge. „Es ist nicht schlimm", sagte sie mit plötzlicher Überzeugung. „Um genau zu sein denke ich, dass das hier sehr gut enden könnte – für beide." Sobald wir alle den Schock überwunden haben, fügte sie in Gedanken hinzu. „Es ist nur, dass es … so überraschend … ich meine … es ist unglaublich …" Gott, sie waren so … so … zärtlich … miteinander! Ja, dachte sie, es gibt kein anderes Wort dafür. Es existierte noch immer diese erstaunlich Intensität zwischen ihnen – das hat sich nicht geändert. Die hatte es immer gegeben, bemerkte sie plötzlich, immer. Aber sie regierte und drückte es jetzt in einer Art und Weise aus, die keiner sich vorher hätte vorstellen können. Es war atemberaubend. „Oh Ron", sagte sie während sie anfing zu lächeln als sie sich dem Wunder endlich ergab, „du hättest sie sehen sollen … es war fantastisch und schockierend gleichzeitig. Weil das ist wahrscheinlich die letzte Person, mit der wir erwartet haben, dass sie mit Harry zusammen kommt."

Hermine hörte ein leises aber eindeutiges und zutiefst beleidigtes Nasenrümpfen direkt hinter ihr.

Oh mein Gott! Hermines Wangen verfärbten sich rosa. Sie hatte für eine Sekunde vergessen, dass Harry und Draco noch hier standen.

Ron schaute auf aber schien das unerklärliche Geräusch zu ignorieren. „Nun, wer auch immer es ist, Harry sieht wirklich glücklich aus", sagte er. „Das ist auf jeden Fall gut." Dann trat er näher an Hermine heran und schlang seine Arme um sie. „Und ich bin sehr glücklich, dass ich bei dir bin", sagte er während er sie für einen Moment anlächelte und sie dann runter beugte, um sie zu küssen.

„Ron", flüsterte sie gestresst und hielt ihn damit zurück. „Nicht hier!"

Er grinste sie bloß an. „Warum nicht? Niemand wird uns sehen. Hier ist niemand in der Näher im Moment."

Und Hermine fand sich in einem süßen Kuss verwickelt, der sich nach einigen Sekunden in etwas intensiveres vertiefte.

Plötzlich, mitten aus dem Raum, waren Ron und Hermine von einem schrecklichen, heulenden, stöhnenden Geräusch umgeben. Und irgendwo unter diesem fürchterlich Schauer erregenden Geräusch hörte man ein … Kichern?

Die zwei sprangen auseinander.

„Was zu Hölle?!", sagte Ron entsetzt als der Lärm abrupt endete.

„Äh … Geister", sagte Hermine schnell. „Komm!" Sie griff nach Rons Arm. „Lass uns verschwinden. Wir könnten auf mein Zimmer gehen."

Ron ließ sich wegziehen, aber starrte für einen Moment länger in den jetzt leisen, leeren Flur hinter ihm.

***

Als sie vollständig außer Sichtweite waren, wand sich Draco unter dem Umhang hervor. „Oh. Mein. Gott.", murmelte er. „Ich musste das echt nicht sehen!" Er hörte Harry direkt neben sich lachen und grinste. Er hielt seine Hand aus, die von einer unsichtbaren Hand ergriffen wurde. „Bereit, die Treppen zu erklimmen?", fragte er die Luft an seiner Seite.

„Bereit, wenn du es bist", war die geflüsterte Antwort und der Griff an seiner Hand wurde festern.

„Na dann", sagte Draco. „Bleib in meiner Nähe." Er lief mit Harry im Schlepptau zum Slytherin-Turm. Sie erklommen zwei Etagen der engen, gewundenen Treppe ohne Zwischenfall. In der dritten Etage hielt Draco, drückte Harrys Hand und ließ sie los. Gregory Goyle saß auf der untersten Stufe zur nächsten Treppe, sein Kopf in seine Hände gestützt und Pansy auf ihm drauf. Zusammen blockierten sie vollständig den Treppenaufgang. Draco spürte, wie sich Harry an ihn drängte, ein warmer, leichter Druck an seinem Rücken, und ein warmer Atem streifte sein Ohr, als wenn Harry über seine Schulter schaute. Dann spürte er, wie Harry weg, aus dem Weg, trat und eine mit Stoff bedeckte Hand sanft seinen Arm entlang wanderte. Draco unterdrückte ein Zittern und wendete seine Aufmerksamkeit der Behinderung in Form von den zwei Slytherin zu. He fixierte Greg mit schmalen Augen. „Warum hat dich Vin aus deinem Zimmer gesperrt?", fragte er mit einem deutlichen Anzeichen von Ungeduld in der Stimme.

Als Greg nicht antwortete, zuckte Pansy mit den Schultern und gab stattdessen Auskunft. „Ich habe ihn das die letzte halbe Stunde lang gefragt, aber er will es nicht sagen."

Draco verschränkt seine Arme vor seiner Brust und beobachtete die beiden mit einem kleinen Todesblick. „Dann bewegt euch", kommandierte er leise. „Ich will hoch auf mein Zimmer."

Greg stöhnte ergeben und versuchte sich näher an die Wand zu quetschen, welches nicht den geringsten Effekt auf den Durchgang der Treppe hatte.

Draco rollte mit seinen Augen als Pansy Gregs Schulter streichelte. Er musste Greg Zugeständnisse machen. Der Kerl schöpfte die Situation bis zum Möglichsten aus. „Pansy", sagte er ernst. „Steh auf. Lass mich einfach nur vorbei, dann kannst du zurück zu deinem kleinen Liebesfest gehen."

Pansy schaute auf und schenkte Draco einen vernichtenden Blick. „Ich versuche nur ein Freund zu sein, was viel mehr ist, als was du tust. Du bist unser Vertrauensschüler. Warum tust du nicht etwas. Du könntest wenigstens versuchen mit Vin zu reden."

Draco schwang sein Haar zurück. „Und warum das? Das sind beide große Jungs. Ich muss mich nicht in jeden einzelnen ihrer blöden Streitereien einmischen." Er trat einen Schritt vor und hielt ihr eine Hand hin. „Pansy, komm schon. Ich habe mit ihnen sechs Jahre zusammen gelebt. Glaub mir, das ist wahrscheinlich was total Lächerliches."

„Es ist nicht lächerlich", sagte Goyle und sprach damit zum ersten Mal.

„Ha! Siehst du", sagte Pansy. Sie überkreuzte ihr Arme und gab Draco einen Blick, der ihn herausforderte, sie zu bewegen.

„Als wenn er wüsste, was nicht lächerlich ist", murmelte Draco unhörbar während er jedes bisschen Geduld, das er am Anfang noch hatte, verlor. „Also gut", sagte er laut. Er ging zur Tür und schlug dagegen. „Vin", schrie er. „Öffne sofort diese Tür!"

Eine gedämpfte Stimme von der anderen Seite fragte: „Wer ist das?"

„Ich bin es, Draco, du verdammter Idiot! Mach auf!" Die Tür öffnete sich einen Spalt. Draco schubste die Tür weiter auf, griff sich einen sehr überraschten Vincent am T-Shirt und zerrte ihn auf die Treppe. „Du", sagte Draco mit dieser leisen ‚Ich-werde-keinen-Unsinn-tolerieren'-Stimme, „wirst mir sagen, was hier zur Hölle los ist, damit ich zurück auf mein Zimmer kann."

Crabbe drehte sich um und zeigte mit einem wütenden und anklagenden Stirnrunzeln auf Goyle. „Er hat Snooky versteckt und verrät mir nicht, wo er ist. Also habe ich ihn rausgesperrt und habe ihm gesagt, dass er nicht eher wieder rein kann, bevor er ihn nicht wieder hergibt."

Dracos Augen rollten hoch zur Decke bevor sich ungläubig auf Goyle richteten. „Du hast seinen Snooky genommen!", zischte er. „Bist du verrückt?" Er funkelte Greg noch einen Moment an, wandte sich dann wieder Crabbe zu und legte einen Arm um den größeren Jungen. „Na, na, mach dir keine Sorgen", sagte er mit leiser, beruhigender Stimme während er Crabbe zu seiner Tür dirigierte. „Du gehst da jetzt einfach wieder rein und entspannst dich. Ich werde dafür sorgen, dass Greg dir deinen Snooky wieder gibt."

Nachdem Crabbe in seinem Zimmer verschwunden war, wandte sich Draco sich wieder Goyle zu und schaute ihn verachtend an. „Das war wirklich mies", sagte er, „sogar für einen Slytherin. Was geht es dich an, wenn er dieses dumme Plüschding hat."

„Och, Draco", jammerte Goyle. „Es ist widerlich geworden. Es ist schmutzig und er … ihhh…. küsst es, wenn er ins Bett geht. Das macht mich fertig."

Draco schaute ihn böse an. „Na gut", sagte er mit gesenkter Stimme, „ich wollte das nicht machen, aber ich schätze, dass ich euch die Wahrheit über dieses Spielzeug sagen muss. Aber zuerst müsst ihr schwören, dass ihr es ihm nie wissen lasst, dass ihr es wisst." Er blickte Pansy und Greg ernst an und beide nickten. „Ich weiß das nur, weil ich mal seine und meine Mutter belauscht hatte, als wir kleine Kinder waren. Diese Plüsch - …was auch immer es ist … enthält einen Anti-Umwandlungszauber. Wenn er nicht jede Nacht damit schläft, könnte es sein, dass er wieder Animagus-Anfälle bekommt. Seine Mutter sagte, dass er anfing, diese Anfälle zu haben, als er noch ein Kind war, dass er sich in ein schreckliches Monster verwandelt, wenn er schläft. Dieses Plüschding mag widerlich sein, aber ich behaupte mal, es ist besser, als mit Tentakeln um deinem Hals aufzuwachen." Draco lehnte sich näher zu Greg und flüsterte: „Ich habe gehört, dass er so aus Versehen einen Hauselfen getötet hat – und da war er gerade mal fünf Jahre alt gewesen."

Greg schluckte schwer und wurde etwas grün um die Nase. Er stand auf und zwang sich an Draco vorbei. „Ich … äh … denke, ich gebe es ihm einfach jetzt gleich zurück", sagte er und verschwand in seinem Zimmer, die Tür lauthals zuschlagend.

Draco rollte seine Augen. „Endlich", sagte er. Dann wandte er sich Pansy zu und hob eine Augenbraue. „Da, ich hab was getan. Darf ich jetzt hoch gehen?"

Pansy sprang auf und eilte zu Draco mit einem erwartungsvollen Blick. „Wird mit Greg alles in Ordnung sein – ich meine, alleine da drin mit Vin?" Dann runzelte sie die Stirn als Draco anfing zu lachen. „Die Geschichte hast du dir nur ausgedacht, Draco, nicht wahr?"

„Ja", sagte Draco während er mit kühler Erheiterung auf sie nieder blickte, „natürlich. Es war allerdings äußerst geschickt. Es hat Greg zurück in sein Zimmer befördert, dich von der Treppe entfernt und Vin bekommt seinen Snooky zurück." Er zuckte lässig die Schultern. „Ich hab dir doch gesagt, dass es etwas Sinnloses sein würde."

Sie grinste listig. „Ha, ich wusste die ganze Zeit, dass es nicht wahr war. Und du hattest Recht. Wie immer."

„Wie immer", sagte er als er um sie herum trat. Er wusste nicht, wo Harry war, aber sicherlich würde Harry ihm folgen, nun da Pansy von der Treppe weg war.

Aber Pansy trat schnell zur Seite und blockierte wieder seinen Weg. Sie kicherte neckisch. „Ich lasse dich noch nicht durch", sagte sie mit honigsüßer Stimme. „Nicht, bevor du nicht zugestimmt hast, mit mir zum Winterball zu gehen."

Draco erstarrte und erschauderte als er dieses abschreckende Kichern hörte. Oh Gott, dachte er, nicht das schon wieder. Warum kann ich nicht einfach in Ruhe hoch auf mein Zimmer gehen? Er trat einen Schritt zurück und verkreuzte seine Arme vor der Brust. „Nein", sagte er entschieden. „Ich habe dir schon gesagt, dass ich nicht mit dir gehe." Er trat noch weiter zurück als sie einen Schritt auf sie zu machte. „Ich meine es ernst, Pansy. Ich werde nicht mit dir gehen." Er trat noch einen Schritt zurück. „Fang nicht damit an", sagte er mit einem Hauch Panik in seiner Stimme als sie noch näher trat. „Du weißt, dass ich es hasse."

„Ich weiß, dass du das nicht wirklich so meinst", gurrte sie. Dann sprang sie vorwärts und schmiss ihre Arme um Dracos Nacken.

„Oh, hey", rief Draco. Er griff nach ihren Armen und versucht sie von sich zu schälen, aber sie klebte an ihm wie eine Kletterpflanze.

Allerdings einen Sekundenbruchteil später ließ Pansy ohne Warnung ein ohrenbetäubendes Kreischen von sich und klammerte sich noch fester an Draco. „Draco!", keuchte sie während sie sich mit aller Kraft an ihn klammerte, „was ist das?!"

„Hör auf mich anzutatschen!", sagte Draco. „Du ruinierst mein Shirt! Ich habe keine Ahnung, wovon du redest."

„Da! Schau! Auf dem Fußboden!" Ihre Stimme begann schrill zu werden. „Siehst du es nicht?"

„Wie soll ich etwas sehen, wenn du so an mir klebst?", forderte er zu wissen, während er mit jeder Minute verzweifelter und beschämter wurde. Oh verdammt noch mal, dachte er. Was wird Harry nur denken? Aber dann schaute Draco zum Fußboden und musste sich sehr zusammen nehmen, um nicht auf der Stelle los zu lachen. Genau in der Mitte des Ganges, auf zwei Fingern balancierend, war … oh Gott ….eine Hand! Er senkte seinen Kopf, um sein Grinsen zu verstecken, aber Pansys Blick war voll und ganz auf die Hand gerichtet und er war sich sicher, dass sie seine Reaktion nicht gesehen hatte. Er brauchte nur eine Sekunde, um seinen Ausdruck unter Kontrolle zu bekommen, und schaute dann mit perfekt geschauspielerten Desinteresse zu Pansy und schüttelten seinen Kopf, um seine Haare aus dem Gesicht zu bekommen. „Nein", sagte er mit flacher Stimme und versuchte gelangweilt zu klingen. „Ich sehe nichts. Wie sieht es denn aus?"

„Es ist eine Hand!", kreischte sie. „Eine körperlose Hand! Sie steht einfach so da!"

„Oh Scheiße! Komm schon, Pansy", sagte er während er sich immer genervter von ihr fühlte. „Reiß dich zusammen, ok? Da ist nichts!"

Auf einmal bewegte sich die Hand. Sie krabbelte flink mit ihren spinnenähnlichen Fingerbeinen über den Boden zu Pansy.

Pansy schrie und versuchte an Draco hochzuklettern. „Oh Gott, Draco, mach was!", heulte sie. „Tritt drauf! Töte es! Es darf mich nicht berühren!"

„Gaaaah!" Für einen Moment dachte Draco, dass sie ihn erwürgen würde. „Geh von mir runter!", schrie er während er an ihren Armen zerrte und versuchte, ihren Griff zu lockern, so dass er atmen konnte. „Bist du verrückt geworden?"

Die Hand stoppte kurz vor Pansys Schuhen. Da stand sie, vor und zurück schwingend als wenn sie sich zum Sprung bereit machte.

Draco schaffte es endlich, Pansys zitternde Schultern zu fassen und sie endlich von sich zu schieben. Dann schüttelte er sie leicht. Sie schien vor Angst ertaubt zu sein. „Pansy!", sagte er laut. „Hör mir zu! Es ist nicht real! Was auch immer du siehst – es ist nicht wirklich hier."

Sie riskierte einen kurzen Blick in seine Richtung, blickte dann aber sofort wieder auf den Fußboden. „Aber ich kann es sehen", wimmerte sie. „Genau dort."

„Und ich sage dir, dass da nichts ist", sagte Draco.

„Bist du sicher?", fragte sie unsicher.

„Natürlich", antwortete er gelassen. „Habe ich nicht immer Recht? Ich wette, wenn du versuchen würdest es zu treten, würde dein Fuß hindurch gehen."

Pansy sah sehr skeptisch aus. „Oh nein. Du trittst sie zuerst."

Draco seufzte übertrieben. „Ich kann es nicht mal sehen. Wie zur Hölle soll ich es dann treten?"

Pansy sah wieder runter. Die Spitze ihres Schuhs bewegte sich ganze leicht in Richtung der Hand.

Die Hand sprang sie an! Pansy schrie als kalte Finger ihren Fußknöchel umfassten. Sie waren sehr kalt, ziemlich fest und ohne Fragen sehr real. Sie kämpfte verzweifelt, um von Draco los zu kommen, aber für ein paar Sekunden hielt er sie fest. „Lass mich los", heulte sie auf. Er ließ sie gehen, genau wie die Hand. Pansy fiel fast nach hinten um, die Arme wie eine Windmühle rudernd, dann drehte sie sich um und rann die Treppe hinauf. Einen Moment später hörten sie ein lautes Zuschlagen einer Tür.

„Komm", sagte Draco und griff nach der Hand, die jetzt mitten im Raum schwebte. Die Jungs rannten die Treppe zu Dracos Zimmer hinauf, als wären Höllenhunde hinter ihnen her und verschlossen die Tür hinter ihnen. Draco ließ sich gegen die verschlossene Tür fallen und spürte, wie eine unsichtbare Gestalt neben ihm das selbe tat. Sie keuchten beide, außer Atem vom Hochrennen der drei Etagen. Dann zog Harry den Unsichtbarkeitsumhang runter und Draco wandte sich ihm zu und ließ sich in die wartenden Arme fallen. „Gott, Harry", sagte er mit einem Schauder, „das war schrecklich. Ich fühle mich misshandelt."

* * *

„Du bist in Ordnung", sagte Harry während er über Dracos Rücken streichelte. „Ich habe dich jetzt." Nach einer Weile hob er seine Hand und glättete Dracos Haare im Nacken. Er fühlte, wie der andere Junge erzitterte.

Draco lehnte sich leicht zurück und begann zu lachen. „Deine Hände sind eiskalt", sagte er. „Kein Wunder, dass Pansy geschrieen hat."

Ihre Augen trafen sich und die zwei Jungs begannen zu lachen. Draco ließ seine Stirn auf Harrys Schulter fallen und so standen sie dann da, sich gegenseitig haltend und hilflos kichernd.

„Das war genial", sagte Draco schließlich als er wieder reden konnte. „So lustig." Er hob seinen Kopf, schüttelte sein Haar aus dem Gesicht und grinste Harry an. „Die körperlose Hand!", lachte er. „Und, oh Gott, ihr Gesicht! Das war fast besser als Snape." Immer noch lachend strich er über den Rand des Umhangs, der auf Harrys Schulter lag. „Weißt du, hiermit können wir viel Ärger bekommen", sagte er mit einem Grinsen und einem schelmischen Leuchten in den Augen.

„Ja, das könnten wir", sagte Harry ebenfalls grinsend.

Wieder lachte Draco, drückte dann Harry gegen die Tür und küsste ihn tief. „Du überraschst mich immer wieder, Harry", sagte er zwischen den Küssen. „Als ich mir vorgestellt hatte, mit dir zusammen zu sein –." Kuss. „Hatte ich mir nie vorgestellt -." Kuss. „Dass es -." Langer Kuss. „So vie -:" Kuss. „Spaß machen würde."

„Wusstest du nicht -," murmelte Harry ein bisschen desorientiert als die Küsse zu seinem Hals wanderten, „- dass meine Initialen für Handy Prankster steht?" Er lehnte seinen Kopf an die Tür, schloss seine Augen und lächelte dann über Dracos tiefes Lachen.

„Und hier, all die Jahre", sagte Draco zuckersüß während er seinen Kopf hob und Harry ansah, „dachte ich, dass sie für Humongous Prick stehen."

Harry machte ein leicht ersticktes Geräusch und riss seine Augen auf, als ihm bewusst wurde, wie Draco sich an ihn presste.

Draco sah ihn mit dem unschuldigsten, engelhaftesten, ‚hab-ich-das-gesagt?'-Ausdruck an. „Dummkopf", sagte Draco sanft lächelnd. „Ich wollte Dummkopf sagen."

Harrys Augen trafen auf Dracos und er spürte, wie sein Gesicht errötete bei diesem Lächeln und der tiefen Zuneigung in diesen oh-so-wunderbaren grauen Augen. Er lächelte zurück. „Ich bin mir ziemlich sicher, du meintest genau das, was du gesagt hast, mein Lieber", neckte er während er Draco sanft fester zu sich zog und war eine Sekunde später zufrieden als Draco errötete. Oh mein Gott. So hübsch. Ein kleiner Schauer des Verlangens durchlief ihn. „Du überraschst mich auch immer wieder", sagte Harry und holte sich einen weiteren sanften Kuss. „Es ist unglaublich – dass wir so viel Spaß mit einander haben können."

Draco lachte. „Warte es nur ab", sagte er grinsend, „ich habe etwas noch spaßigeres geplant." Er wandte sich aus Harrys Umarmung und ging zum Schachbrett. „Bauer auf D4", sagte er als er eine der weißen Elfen bewegte. Dann lächelte er Harry an.

Harry schaute zurück und staunte. Das war ein ganz anderer Draco als der, der heute Morgen so angespannt und zurück gezogen am See gestanden hatte. Dieser Draco sah glücklich und selbstsicher aus, um genau zu sein, strahlte er praktisch vor Vorfreude. Etwas noch spaßiger? Oh Gott. Harry spürte seine Knie weich werden.

„Komm, setz dich hier drüben hin", sagte Draco, „auf den Boden vor dem Feuer. Ich muss nur ein paar Dinge holen – ich bin sofort wieder da und dann sage ich dir, was wir machen werden."

Ende Kapitel 9