Ü/N + Disclaimer: Nix hier ist meins. Die Charaktere gehören J.K. Rowling, die Story gehört Epiphanies. Vielen Dank hiermit auch an meine Betaleserin Helenna. Fühl dich ganz doll geknuddelt!

Warnung: Diese Shortstory ist sehr, sehr traurig. Wem also nicht nach was traurigem zumute ist, der sollte lieber gleich wieder auf den Zurück-Button klicken. Aber ich habe diese Story ausgewählt, weil sie wunderbar zum Nachdenken anregt. Viel Spaß!


Finsternis


Sie war alleine. Sie war immer schon alleine gewesen, seitdem sie die Erstgeborene war. Nicht einmal einen Bruder oder eine Schwester hatte sie, mit denen sie an den Abenden spielen konnte, wenn sie nicht einschlafen konnte, und sie fürchtete sich vor dem Mond.

Und was noch beunruhigender war, sie war ein Kind davon, ein Kind, das lernen würde, den Mond zu lieben und durch den Mond gestärkt zu werden, weil er ihr gerade genug Licht spendete, um aus ihrem Schlafsaal zu schleichen und Ron zu besuchen, ohne das Licht anzumachen.

Normalerweise saß sie da und beobachtete seinen Schlaf. Sie fand sich selbst gruselig, aber sie erzählte es ihm und er sagte, dass er sie gerne beim Schlafen beobachten würde, wenn da nur nicht diese magische Barriere gewesen wäre, die ihm verweigerte, die Treppe zu den Mädchenschlafsälen zu betreten. Seitdem fand sie nicht mehr, dass sie gruselig war, nur verliebt.

Er flüsterte ihr Worte ins Ohr, die sie nicht verstehen konnte, aber sie wusste, dass ihre Bedeutung so süß wie Schokolade war. Sie ließ es zu, dass er ihr Haar berührte und ihre Haut einatmete und ihre jungfräulichen Lippen küsste und sie sagte ihm, dass seine Augen wie der Mond waren, etwas, vor dem sie sich einmal gefürchtet hatte, aber das sie mittlerweile liebte.

Und sie waren für eine Weile glücklich.

Sie gingen immer Hand in Hand durch Hogsmeade und er kaufte ihr eine heiße Schokolade und sie blies Bläschen hinein, weil ihre Eltern ihr das immer verboten hatten. Sie aß Zimtherzen und küsste ihn und immer, wenn er den Zimt schmeckte, lächelte er.

Als sie älter wurden, verließen sie die Schule, die sie als ihr Zuhause betrachtet hatten, und gingen gemeinsam zu Aufführungen, wo sie beobachteten, wie sich die Klassik vor ihren Augen entfaltete. In den Nächten blieben sie jede Minute zusammen, in jeder Hinsicht. Tagsüber töteten sie böse Zauberer. All das an jedem Tag.

Das Blutbad kam an zweiter Stelle, an erster Stelle war ihre Liebe zu einander. Was für ein Leben war das, was für eine Zeit, in der sie lebten, und was für eine Welt? Das fragten sie sich.

Und sie waren für eine Weile glücklich.

Und an einem samtenen Abend, der mit mystischem Nebel bedeckt war, schimmerte der Mond hindurch und erlaubte ihr zu sehen, was diese Welt ihrem Geliebten angetan hatte.

Sie beobachtete ihn in seinem Schlaf, blutverkrustet und gebrochen in dieser Gasse in London, und sie fand sich selbst gruselig. Sie weinte und verfluchte den Mond, aber der Mond war nicht mehr länger da. Ein bodenloses Loch starrte sie vom blutenden Himmel aus an.

Und sie war wieder allein.

The End.