Epilog

"Severus - kann ich dich bitte sprechen!" Die Frage klang eher wie ein Befehl.

Der Zaubertrankmeister hielt ein entnervtes Stöhnen nur mühsam zurück. "Minerva - was kann ich für dich tun?"

Sie sah ihn mit zusammengepressten Lippen an und ließ dann ein langes Seufzen hören.

"Marlin hat schon wieder meinen Unterricht geschwänzt. Das geht so nicht weiter, Severus. Der Junge scheint zu glauben, dass Verwandlungen nicht halb so wichtig sei wie die anderen Schulfächer. Oder wie sonst soll ich mir erklären, dass er nun schon zum dritten mal diese Woche meinem Unterricht fern bleibt? Dabei hat er große Fortschritte in der letzten Zeit gemacht. Er muss nur mehr üben und natürlich dem Unterricht folgen."

Severus seufzte nun ebenfalls und murmelte dann: "Ich werde mit ihm reden. Wenn ich ihn finde..." fügte er dann noch leiser an und wandte sich zum gehen.

"Severus", hielt Minerva ihn auf. Er drehte sich fragend zu ihr um. Ein Lächeln lag auf dem Gesicht der alten Lehrerin: "Maya ist ein Naturtalent was Verwandlungen angeht. Deine Tochter hat großes Potenzial auf diesem Gebiet - obwohl sie noch keinerlei Unterricht hatte, ist sie schon in der Lage, einige komplizierte Verwandlungen durchzuführen. Sie hat heute, als sie bei mir war, eine meiner Vasen in eine Puppe verwandelt. Sie hat wirklich Talent - du solltest das fördern."

Er nickte ernst: "Das tue ich. Sie hat schon von jeher alles verzaubert - sobald sie die ersten Worte sprechen konnte."

"Genauso hat sie dich von Anfang an verzaubert", sagte Minerva sanft. Er ließ ein Lächeln über sein Gesicht huschen, bevor er sich kommentarlos zum Gehen wandte.

Sie sah dem großen Mann hinterher, der sie nun mit eiligen Schritten verließ, um sich auf die Suche nach seinem Sohn zu begeben.

Er fand ihn an seinem Lieblingsplatz am See.

Als Marlin seinen Vater kommen sah, stand ihm das schlechte Gewissen ins Gesicht geschrieben.

"Dad", sagte er so, als sei seine Kehle zugeschnürt.

"Ich komme gerade von einer Unterredung mit Professor McGonagall - sie teilte mir mit, dass du es vorziehst ihren Unterricht zu schwänzen. Dürfte ich wohl erfahren warum du mich bei meiner Kollegin derart in Verlegenheit bringst? Davon abgesehen, dass es Slytherin vermutlich eine ganz beträchtliche Anzahl Hauspunkte kosten wird."

Marlin senkte den Kopf zur Erde und nuschelte eine Erwiderung. Sein zehnjähriger Sohn unterhielt sich offensichtlich lieber mit dem Boden.

"Sieh mich an, wenn ich mit dir rede!" entfuhr es Severus. Marlin hob den Kopf: "Ja, Sir", erwiderte er ernst. Severus atmete tief durch. "Gut, und jetzt noch einmal - ich habe kein Wort verstanden."

Abwartend sah er seinen Sohn an.

"Ich...ich habe Angst vor ihr", stieß Marlin hervor.

Severus glaubte seinen Ohren nicht trauen zu können. "Angst?" wiederholte er matt.

Sein Sohn nickte lediglich und senkte den Kopf wieder zu Boden.

"Aber du kennst sie schon dein ganzes Leben lang. Manchmal besuchst du sie sogar."

Marlin sah ihm nun in die Augen: "Dann ist es anders. Im Unterricht ist sie unglaublich streng."

Severus sah ihn immer noch ungläubig an. Schließlich legte er einen Arm um seinen Sohn und zog ihn an sich heran.

"Ein strenger Lehrer möchte seinen Schülern doch nur gerne etwas beibringen. Wenn du dem Unterricht fern bleibst, dann wirst du Minerva nicht nur verärgern, sondern du wirst auch nichts lernen. Glaub mir, sie ist nicht strenger als jeder andere Lehrer - aber sie hat ihre Prinzipien, an die du dich halten solltest."

"Ja, Dad. Ich werde den Unterricht nicht wieder schwänzen, das schwöre ich - auch wenn ich noch so viel Angst vor ihr habe."

Severus bemühte sich, nicht zuviel seiner Verblüffung zu offenbaren. Mit ernster Stimme fuhr er fort: "Warum triffst du dich nicht öfter mit Freunden, Marlin? Wieso bist du ganz alleine hier?"

Die Miene seines Sohnes verschloss sich grimmig. "Die anderen sind doof. Ich will lieber alleine sein."

Für einen Moment sah Severus sich selbst in seinem Sohn, und es fiel ihm schwer, sich von den Erinnerungen an seine eigene Kindheit zu lösen.

"Es ist nicht gut, so viel alleine zu sein. Glaub mir, Marlin - man braucht im Leben Freunde - dann kann man auch schlimme Zeiten durchstehen - da man weiß, dass es Menschen gibt, die einem helfen werden."

Severus wusste, dass sein Sohn den tieferen Sinn noch nicht wirklich verstehen konnte, doch er würde es eines Tages begreifen. Genauso wie er selbst begriffen hatte, dass man sich nur belog wenn man vorgab, ohne andere Menschen leben zu können. Marlin unterbrach seine Gedankengänge: "Wann kommt Mum zurück?"

Severus fuhr sich nun mit der Hand durch das Haar.

"In drei Tagen", erwiderte er ohne zu zögern. Er zählte inzwischen sogar schon die Stunden, bis sie von ihrer Recherchereise aus Ägypten zurückkehren würde. Ihr zweites Buch würde sicher ein ebenso großer Erfolg werden wie das erste. Er wusste, dass sie die nächste Zeit mit Schreiben verbringen würde, doch wenigstens war sie dann wieder bei ihm. Sicher würde es ihm auch diesmal gelingen, sie wenigstens ab und zu davon zu überzeugen, dass sie die Feder aus der Hand legte und sich damit beschäftigte was er ihr zu bieten hatte. Auch nach all diesen Jahren ihrer Ehe, hatte ihre Leidenschaft kaum etwas von ihrem Feuer eingebüßt.

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Als Severus an diesem Abend seine Kinder zu Bett brachte, nahm er Marlin noch einmal das Versprechen ab, den Unterricht nicht mehr zu schwänzen. Und er gab ihm seinerseits das Versprechen, dass sein Sohn an seinem nächsten privaten Zaubertrankprojekt teilnehmen dürfe. Die dunklen Augen Marlins leuchteten begeistert und er schien mit der Welt versöhnt. Severus wandte sich zu seiner Tochter.

Als er an Mayas Bett saß, hielt die Fünfjährige ihm ihre Puppe hin.

"Sagst du Angel auch gute Nacht?" fragte sie mit einem Augenklimpern.

Severus strich seiner Tochter die braunen Locken aus der Stirn, und küsste sie dann sachte darauf.

Dann sagte er: "Gute Nacht Maya - gute Nacht, Angel. Morgen wirst du Angel aber wieder in die Vase zurückverwandeln und sie Minerva wiedergeben. Und jetzt Licht aus und schlaft gut", damit lehnte er die Tür des Kinderzimmers an und ließ sich auf die Couch fallen.

Sobald die Kinder eingeschlafen wären, würde er ebenfalls zu Bett gehen. Die Abende schienen ihm so still wenn Hermine nicht da war und die Kinder bereits schliefen. Dass er es früher ohne eine Menschenseele ausgehalten hatte, kam ihm heute vor als sei es in einem gänzlich anderen Leben gewesen. Ein Leben, das er sich nun nicht mehr vorstellen konnte - und über diese Tatsache war er mehr als glücklich.

So, jetzt ist aber wirklich Schluss!

Ich möchte mich noch einmal bei meinen Lesern und Reviewern bedanken!

Es war mir eine große Freude, dass Ihr mich durch diese Story begleitet habt.

Eure Kira