Ü/N + Disclaimer: Diese Geschichte gehört ursprünglich Epiphanies. Die Charaktere gehören wie immer Joanne K. Rowling. Richtig, eine neue Übersetzung von mir. Hiermit auch ein dickes Bussi an Michaela, meine Beta!

Bitte alle, die Buch 6 noch nicht gelesen haben, schnell wieder zurückklicken. Allen anderen wünsche ich viel Spaß beim Lesen. Hier habt ihr etwas zum Nachdenken!


Leer sein


Es liegt eine Schönheit im Tod. Eine Schönheit, die ich nie vergessen habe, zu schätzen. Sie ist das, was meine Fähigkeiten begünstigt hat, was meine Schaffungen genährt hat, was mich gewärmt hat, wenn ich jedem Feind gegenübergestanden bin. Alle Verbindungen, die ich genutzt habe, alle Verluste, die ich erlitten habe, alle Sünden und jede Reue – alles nur für die eine Schönheit, die ich im zarten Alter von vier Jahren kennen gelernt habe.

Es gibt einen Moment, wenn ein Leben verloren ist, in dem sie die Augen weiten, ob man nun wach ist oder schläft. Es gibt einen finalen Aufprall und einen verkrampften Versuch, nach Luft zu schnappen. Auf dem Gesicht liegt oft ein Ausdruck der Überraschung und weniger oft auch ein Ausdruck der Erleichterung. In den Augen der Verfluchten.

Um diese wahre Schönheit zu erkennen, ist der Tod etwas, das nicht verfälscht werden kann. Der wahre Tod kann nie eine Lüge sein oder vorgetäuscht werden. Der wahre Tod ist etwas, das nur die Sterbenden erfahren und das nur die dabei Zusehenden respektieren. Die dabei Zusehenden, ich, sowie wenige andere. Ich, der diese Tortur und Grausamkeit nicht so sehr genießt wie den Reichtum dieser Schönheit, die langsam einen kalten und dunklen Horizont emporklettert. Die Schönheit wächst, wird stärker, klarer, je näher der Tod kommt, und der klarste Schein ist der unverzeihliche Tod. Der leidenschaftliche Tod. Der gehorsame, rechtschaffene, lobenswerte Tod.

Der Tod eines alten Mannes.

Schönheit. Die Schönheit im Tod, sie war immer das Erleuchtendste und Zufriedenstellendste für meinen persönlichen Lohn. Sie ist etwas, das ich seit meinem Herzenswandel, sozusagen, nicht oft erlebt habe. Der Tod des alten Mannes war keine Quelle der Schuld in mir, aber eine Quelle, die einen fruchtbaren und gerechtfertigten Groll entlohnte. Sein Tod war etwas gewesen, das mir schon lange als eine Darstellung der zögernden Schönheit bekannt war. Seit Jahren hatte ich das gewusst, und in einem kleinen, flüchtigen Moment war er vergangen. Vergangen, so wie meine größte Illusion der Freude. Vergangen, das war die strahlendste Schönheit, die ich mit meinen Sinnen je erlebt hatte. Vergangen war der müde, alte Mann, der einmal der größte Zauberer der Erde gewesen war. Vergangen war die Schönheit, auf die ich seit fünfzehn Jahren und mehr geduldig gewartet habe.

Ich werde nie die Schönheit wiederfinden, die vergleichbar mit dem Licht ist, das in den Augen dieses Mannes ausgegangen war. Es ist, als hätte ich einen Teil meiner selbst verloren – den Willen, die Vorfreude.

Der wahre Tod ist eine Erfahrung, die nur die Sterbenden machen und die nur die dabei Zusehenden respektieren. Ich habe diesen einen Moment der wahren, lebenserfüllenden Ekstase hoch oben auf einem Turm erlebt, der meinem Preis Einhalt gebot, der auf den Boden weit unten hinunterstürzte. Einfach weg, wie die Ruhe nach dem Sturm. Weg aus meinem Leben, wie eine Kerze, die vom rauen und pfeifenden Wind ausgeblasen wurde.

Der ferne Klang des Phönix verkündet meine Sorgen und wühlt tiefer in meinen Wunden. Der Tod des alten Mannes hatte mich nicht komplett gemacht, so wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Er hatte mich leer gemacht.

The End.