Gedicht eines toten Jungen

Ich wurde aus dem Schweigen geboren. Es gab nichts in meinem Leben. Nichts als Schweigen. Und Schmerz. Das Schweigen war erfüllt davon.

Dann kam die Musik. Sie war das einzige, das ich jemals liebte. Ein perfektes Konzert mein bester, mein einziger Freund.

Sie war alles, was ich jemals hatte. Es gab nichts in meinem Leben, nur die Musik, die das Schweigen erobert hatte. Musik war meine Gesellschafterin. Sie tröstete meine Seele. Sie war alles, was ich je wollte, alles, was ich brauchte. So viel, für das man leben konnte; so viel, für das man sterben konnte. Ja, ich wäre für meine Musik gestorben. Wen nur mein Herz ein Zuhause hatte ...

Die Musik heilte meine Welt. Ich sang, was ich nicht sagen konnte. Ich vergaß, was ich nicht spielen konnte. Ich erschuf Welten, meine Welten, in denen es nichts gab als Frieden und Schönheit. Und Liebe. In meinem Königreich der Musik wurde ich immer geliebt. So verzehrte ich mich denn danach, zurückzukehren, wann immer ich es verlassen musste. Es drängte mich, in diesen wunderschönen Augen zu versinken, die aus den Noten zu mir heraufschauten.

Ich wandelte in meiner Dichtung, meiner sterbenden Musik. Denn es gab kein Lied, keine Melodie, die ich je zweimal gespielt hätte. Jedes Stück war eine eigene Kreatur, geboren im Anfang, wachsend im Lied, sterbend im Ende, begraben in einem Winkel meiner Seele.

All meine Musik spricht von meiner Liebe zu ihr – sie ist mein Liebesbrief an niemanden, denn kein menschliches Wesen könnte meiner Musik würdig sein.

Seufze nie nach einer besseren Welt. Es gibt sie bereits. Sie ist da; komponiert, gespielt und erzählt. Jeder Gedanke, den ich hatte, wurde zu der Musik, die ich schrieb. Alles ein Wunsch, die Nacht möge zur Ewigkeit werden.

Ich schrieb für die Finsternis, und sie antwortete mir mit Stille, die meine Musik verschluckte und sie von mir nahm.
Ich schrieb für die Jungfrau, die mit des Engels Stimme. Ich liebte nicht sie, obwohl ich es glaubte, sondern meine Musik, die durch sie zum Leben erwachte. Ich wäre für ihre Schönheit gestorben.

Ich erschuf ein Königreich, ich griff nach der Weisheit. Und doch war es mir versagt, zum Gott zu werden.
Mein Königreich brannte nieder. Ich wurde im Schweigen zurückgelassen.
Die Musik starb, und ich mit ihr. Einst schrieb das süße Klavier mein Leben nieder.

Lehre mich Leidenschaft, denn ich fürchte, dass sie mich verließ, als die Musik starb.
Zeige mir Liebe, halte den Verlorenen, denn meine Liebe verbrannte.

Es gab noch so viel, das ich meiner Liebe, meiner Musil geben wollte.

Es tut mit leid.

Einst wird die Zeit von diesem bitteren Abschied erzählen, denn ich werde nicht mehr leben, dich oder mich zu beschämen, meine einzige Liebe.

Und du ... ich wünschte, ich würde nicht mehr für dich empfinden, meine Liebe ... meine einsame Seele verliert sich einmal mehr im Schweigen.