Die Geschichte hatte ich, vor einer Weile, schon mal unter einen anderem Account gepostet, da habe ich aber leider irgendwie die Zugriffsdaten vergessen Deswegen probiere ich es nun noch einmal. Hauptsächlich geht es um Remus und seine Gedanken. Im dritten Kapitel jedoch wechsle ich den POV auf Sirius. Spielt zu den Zeiten der Rumtreiber.

Disclaimer: Alle Figuren gehören JKR und ich verdiene kein Geld hiermit. Das Lied ist von Subway to Sally und auch das gehört mir nicht.

Note: Diese Geschichte behandelt das Thema SVV, also es wird eindeutig beschrieben.. Für wen das nichts ist, der soll bitte erst gar nicht weiter lesen und auch Menschen die getriggert werden können, lassen lieber die Augen woanders. Ich interpretiere den Charakter von Remus nun auf eine andere Weise.

Gewidmet dem wohl krassesten Rudel der Welt. Ihr seid die Besten.

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Das Blut so rot, das Blut so rein ...

Stetig wiederhole ich die Zeilen, summe in meinen Gedanken die Melodie des Liedes und wiege mich in ihr. Wir sind eins die Worte und ich. Sie sprechen zu mir.

Tränen auf meinen Wangen fließen hinab auf meinen Hals und schmecken salzig als sie meinen Lippen berühren. Meine Brust schnürt sich zusammen und der innere Druck scheint mich in den Wahnsinn zu treiben. Die Leere breitet sich aus, immer weiter und nimmt jeden Zentimeter meiner Gestalt in Anspruch.

Nicht länger vermag ich zu widerstehen. Diese Öde will erfüllt werden von irgendwas und sei es auch Schmerz.

Draußen wartet der Mond vor meinem Fenster. Mit seiner ewigen Blässe leuchtet er mir in dieser Nacht und zeigt mir die Umrisse in der Dunkelheit.

So unbewegt er dort in den Gestirnen auch wirkt, glaube ich fast seine Rufe zu hören, welche nach mir verlangen. Er spricht von fernen Ländern, jenseits den Grenzen der Welt und lockt mit Versprechungen nach denen es mich dürstet. So schön. So perfekt erscheint er mir. Unberührt vom Licht und ewig gefangen in der Düsternis der Nacht, bewacht er mich seit der schicksalhaften Nacht vor vielen Jahren.

Ich kann ihn nicht hassen. Ich kann es einfach nicht, denn auch Liebe bindet mich an dieses seelenlose Gestein. Ein Liebe welche seltsamer nicht sein kann. Warum sollte ich etwas lieben was mich einmal im Monat zu dem Monster aus unzähligen kindlichen Alpträumen verwandelt?

Vielleicht ist es die Schönheit der Melodien welche er in meinem Gemüt weckt. Ich lasse mich von ihnen hinfort tragen, von dem Schmerz des Lebens, von der Müdigkeit und führen in die Leere.

Oder es ist nur eine perverse Attraktion zu dem was mich das Grauen lehrte?

Er ist meine größte Angst und meine größte Leidenschaft zugleich. Es ist unerklärlich, aber die Tatsachen leugne ich nicht. Nicht vor mir selbst.

Ich höre den Atem meiner Mitbewohner, das leise Rascheln ihrer Decken und Kissen, im Schlaf gemurmelte Worte. Doch ich vermag nicht zu schlafen, denn etwas anderes befällt meinen Geist und umklammert ihn bereits seit vielen Nächten in starrem Griff.

Sie blitzt auf trotz des fehlenden Lichtes. Der kalte Stahl in all seiner Schönheit liegt zwischen meinen Fingern und wartet darauf von meinem Fleisch zu kosten. In meinem verseuchten Blut zu baden und sich am Schmerz zu ergötzen.

Ist sie nicht wunderschön wie sie dort liegt. So still und unscheinbar. Nochmals sehe ich mich um.

Nein, sie schlafen alle. Wer von ihnen würde wohl glauben, dass ich zu etwas fähig bin. Niemand, bin ich doch stets freundlich, nett und zu allen liebenswert. Doch in mir schlagen zwei Herzen, Freunde. Zwei Seelen sind gefangen in meiner Brust und ich hoffe, dass ihr niemals die jene erblicken werdet der es nach Blut dürstet. Jene die mich tiefer und weiter in die Dunkelheit des Geistes treibt. Die mich diesen Zustand kaum mehr ertragen lässt und welche mir süße Versprechungen macht vom Ende allen Leidens.

Das Blut so rot, das Blut so rein.
Die Zeit heilt meine Wunden nicht.
Mein Blut zu sehn, ist Wunderschön,
mein Blut zu sehen, tröstet mich.

Ich rolle die Ärmel meines Schlafanzuges hinauf, betrachte für einige Sekunden die Narben. Manche noch so frisch gerahmt in roter und blauer Haut, andere lange verheilt. Sanft fahre ich mit den Fingerkuppen über die Erhebungen der Haut und suche dabei einen Platz für den nächsten Schritt.

Es ist fast keiner mehr vorhanden an meinen Unterarmen. Ich werde alte Narben nochmals treffen, sie öffnen und dem abscheulich schönen Gebilde noch weitere Kunstwerke hinzufügen. Das ist wonach sich mein Geist verzerrt. Der Schmerz scheint eine Sucht, soviel stärker als jedes andere Gefühl. So rein und simpel wird er mich treffen, mich läutern und das Biest ergötzen. Jeder Faser ist gespannt und mein Herz schlägt im langsamen Takt, als wusste es bereits um das Kommende.

Mein Körper wird endlich wieder singen von fernen Hoffnungen und Träumen. Singen wird er getaucht in reine Bäche von dem roten Blut meiner Arme und dann gibt es nur noch Erlösung. Trost. All das was mir vergönnt ist im realen Leben.

Ich setze die Klinge an. Erst vorsichtig, dann fordernd, streichelt sich über meine Haut. Das Fleisch zerreißt und gibt die Sicht frei auf alles was darunter liegt. Mein Körper entspannt sich und langsam fließt der Lebenssaft aus dem kleinen Schnitt. Ich spüre keinen Schmerz mehr, nur die Erlösung von den Qualen des Lebens. Die Stimmen in meinem Kopf verstummen und ich lausche der fernen Melodie des Mondes.

Noch ein Schnitt. Einer ist nicht genug, niemals genug. Das Blut rinnt hinab am Arm und nimmt mir die Last von den Schultern. Es ist nicht besonders schmerzvoll, noch tiefer muss ich schneiden, noch stärker drücken.

Es fließt weiter, immer weiter….

Ich setze erneut an. Gleich an meinem Handgelenk, nahe der Vene, aber es ist noch tief genug. Doch der Schmerz ist nun stärker und beweist mir endlich, dass ich noch lebe und fähig bin zu fühlen. Dumpfe Freude breitet sich aus in mir.

Nach zehn weiteren Schnitten schließe ich die Augen. Konzentriere mich einzig auf die Wärme welche hinab rinnt auf meiner Haut. Die Dunkelheit umgarnt mich wie ein alter Freund und ich begrüße sie freudig. Verspricht sie doch Vergessen.

Der Schmerz nimmt mir die Last.

So süß.

Ich möchte frohlocken und ihn weiter willkommen heißen.

Immer weiter soll er mich befallen. Nie wieder will ich mich von ihm trennen.

Süße Erlösung.

Glück durchströmt den ganzen Körper.
Schmerz treibt jeden Schmerz heraus.
Um auf diese Art zu fühlen,
nehm ich all das Leid in Kauf.

Wo ist er jetzt?

Euer perfekter kleiner Mann, euer Vertrauensschüler, euer Begabter mit dem finsteren Geheimnis? Wohin ist nun mein falsches Lächeln verschwunden und all die leeren Phrasen? Wann endete die Lust am Leben? Wann verlernte ich den Spass? Wer ist dieses egoistische Geschöpf welches dort langsam an eigener Gram erstickt?

Verschwunden und das alles durch wenige Schnitte, durch meine Klinge. Der Schmerz ist so rein, als das ich ihn jemals in Worte zu kleiden vermochte. So pur und schön. Ich fühle, das Blut wird dicker, es gerinnt in der Beuge meines rechten Armes und beendet dort seinen Fluss. Doch immernoch spendet es mir unendlich süße Wärme.

Das Blut so rot, das Blut so rein ...

Es raschelt im Bett neben mir. Es ist aber nicht genug.

Verdammt niemals ist es genug. Erst wenn Agonie mich umklammert wird es genügen.

Schnell spreche ich einen Reinigungszauber, rolle den Ärmel hinab und stelle mich schlafend.

Eine Stimme in der Dunkelheit.

„Remus?".

"Sei ruhig Sirius. Ich schlafe.".

„Hm, okay.".

Er dreht sich um und vergräbt tief seinen Haupt in den Kissen. Ich glaube kaum, dass er wirklich wach gewesen war. Viel mehr schien er nur kurz aus seinen Träumen gerissen.

Meine Klinge verwahre ich sicher an einem Ort, welchen nur ich kenne, welchen nur ich öffnen kann.

Ich verletze nur die Hülle.
Alles was darunter liegt,
hab ich so tief eingeschlossen,
dass es sich mir selbst entzieht.

Ich verstecke es vor ihnen. Schon lange Monate. Manchmal fällt es mir schwer.

Besonders an heißen Tagen und den Nächten des Vollmondes. Noch bevor sie mich sehen muss ich einen Spruch finden, welcher die Narben an den Armen versteckt und nur jene offentbahrt welche ich mir in der Gestalt des Wolfes zufügte. Doch in Zauberkunst war ich bereit immer bewandert gewesen.

Ich lege meinen Kopf auf die Arme und spüre das Brennen meiner Haut. Lächelnd schließe ich die Lider und falle in den entbehrten Schlaf.

„Remus? Aufwachen du Schlafmütze!".

Ich blinze und öffne die Augen nur, um in das Gesicht meines Mitbewohners zu schauen und bald gesellen sich auch die anderen zwei dazu. Bereits angezogen, die Schulbücher in den Händen balancierend. Sonnenlicht strahlt durch die Fenster und vergangen ist die Schönheit der Nacht.

„Sonst bist du immer der erste von uns auf den Beinen.", sagt Peter im gespielt ernsthaften Ton und stößt mir mit einem Finger in die Seite.

„Wenn man die ganze Nacht wach mit offenen Augen an die Wand starrt.", fügt Sirius weniger belustigt hinzu und dreht sich dann um.

„Beeil dich Moony das Frühstück wartet nicht.".

„Ja.".

Eigentlich ist es mir egal. Ich spürte keinen Hunger mehr seit langen Tagen und Nächten. Essen ist mir zuwider. Es birgt keinen Geschmack mehr und wirkt fad.

Ich ertappe mich beim Gedanken an meine Klinge und ihre perfekte Pracht.

Sie würde mir helfen. Immer dann wenn ich sie brauchte.

Die Woche konnte kommen.

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Wobei ich mich über Kritik und Anregungen freuen würde, wenn es dann konstruktiv bleibt.

tbc