Da ja bekanntlich aller guten Dinge drei sind, kommt hier nun meine dritte Geschichte in klassischem Schreibstil.

Sollte genügend Interesse bestehen, wird sie diesmal sogar mehrteilig werden.

Viel Spaß beim Lesen,

Kira Gmork


An den von mir verwendeten Personen und Handlungsorten des Harry Potter Universums besitze ich keinerlei Rechte.

Die Geschichte selbst ist jedoch mein Eigentum und darf ohne meine Zustimmung weder verwendet, kopiert, noch übersetzt werden!

Aus gegebenem Anlass weise ich ausdrücklich darauf hin, dass Zuwiderhandlung eine Straftat darstellt!


Once upon a time

1. Teil

Seit dem frühen Morgen währte nun schon ihr Marsch. Hermine sah ihn vorauseilen und spürte bei diesem Anblick noch deutlicher wie ihre Kräfte langsam schwanden.

"So haltet doch ein, Herr. Meine Beine vermögen mich nicht so schnell zu tragen, als dass ich Euch folgen könnte."

Der Angesprochene spie eine unflätige Verwünschung aus und blieb dann mit überkreuzten Armen auf einem Hügel stehen.

"Wohlan Fräulein - Ihr wart es, die darum gebeten hat mich zu begleiten. Auf Eure Gesellschaft hätte liebend gerne ich verzichtet, doch bin auch ich nur ein Diener an dieser Fakultät und den einfältigen Launen des Direktors ausgesetzt. Darum - und nur aus dem Grunde weil er es mir befahl, seid Ihr nun meine Weggefährtin. Kehrt um wenn Euch mein Schritt zu schnell ist, oder kommt endlich und haltet das Maul!"

Das Ende seiner Rede ließ ein Brennen in ihre Augen treten, doch wacker führte sie nun ihre Rede.

"Ich begleite Euch weil ich ebenso ein Anrecht auf meine Studien habe wie Ihr auf die Euren - so war es ausgemacht. Wenn Ihr vergessen haben solltet, was nur einen Tag zuvor besprochen wurde, so wäre es ratsam wenn Ihr die Heilerin aufsuchen würdet - wünscht Ihr dazu umzukehren?"

Ein gänzlich falsches Lächeln trat auf sein Gesicht und er spuckte vor ihr aus. "Glaubt Ihr ein Kind wie Ihr es seid, könnte sich mit mir messen? Euer Spott ist so mild, dass er nicht einmal den ärmlichsten Geist zu erschüttern vermag. Gebt auf mir imponieren zu wollen und besinnt Euch darauf Atem zu schöpfen. Der Weg ist noch weit und Eure Füße scheinen schon zu schmerzen."

Mit Häme blickte er auf ihre ausgetretenen Schuhe hinab.

Tatsächlich spürte sie die ein oder andere Wunde, die bereits unerträglich schmerzte. Doch sie erwiderte voller Bissigkeit: "Sorgt Euch lieber um Eure Füße - Ihr habt eine schwere Last mit ihnen zu tragen, sitzt doch ein solcher Dickkopf auf Eurem Halse."

Eh er sich versah hatte er ein Lachen ausgestoßen, das verblüfft, und zu seinem Unmut auch erheitert klang. Um diesen Fehler wieder zu bereinigen, drehte er sich ohne ein weiteres Wort um, und stieg so schnell den Berg hinab, dass seine Begleiterin den halben Weg mit dem Erdreich um die Wette rutschte.

Unten angelangt schlug er sich durch die dichtesten Büsche um ihr die Zweige scheinbar unachtsam entgegenschlagen zu lassen.

"Verdammter Hohlkopf", hörte er sie flüstern. Sofort wandte er sich zu ihr um: "Vorhin war ich noch ein Dickkopf..." die nächsten Worte ließ er unausgesprochen, da sie auf dem Weg zu seinem Munde ihm in der Kehle stecken blieben.

Die Äste hatten ihr das Gesicht zerkratzt und Blut lief über ihre Wangen, doch sie schien es mit Gleichmut hinzunehmen.

Wortlos holte er ein Tuch aus seiner Tasche hervor um es ihr darzureichen. Mit einem Griff, der einem Schlage glich, riss sie es aus seiner Hand und betupfte ihre Wunden.

"Ihr solltet mehr Abstand halten", war das Einzige was er sagte, bevor er sich wieder zum Gehen wandte.

"Man sollte Euch in einer einsamen Wüste aussetzen, dann erst hat der Rest der Menschheit genug Abstand von Euch um Eure Boshaftigkeiten nicht mehr ertragen zu müssen - doch täte es mir leid um die Schlangen dort, deren giftige Zähne nicht das Gift Eurer Zunge übertreffen könnten."

Er blieb abrupt stehen und sah sie mit abschätzendem Blicke an.

"Habe ich diese Worte gerade richtig vernommen? Ihr klagt mich an, boshafter als eine Schlange zu sein?"

"Schlangen sind nicht boshaft, mein Herr. Sie jagen um zu überleben, ansonsten nutzen sie ihr Gift nur um sich zu schützen. Doch Ihr...Ihr...verabreicht es jedem - egal ob Freund oder Feind."

"Ihr seid wohl weder das eine noch das andere - Ihr seid ein...Nichts für mich."

"Ein Nichts? Seht Ihr, genau dies meine ich. Eine Schlange trägt kaltes Blut in sich, weil es ihre Natur ist. Ihr lasst Euer Blut erkalten um Euren Spott und Eure Böswilligkeiten besser erhalten zu können. Jede Wärme, jeder Hauch von Freundlichkeit verschwindet in Eurer Nähe wie das Feuer augenblicklich verschwindet, wenn man ihm den Sauerstoff nimmt."

Für einen Moment schien er verwirrt über den bitterlichen Klang ihrer Stimme.

Seine Augen wurden schmal, als er sie über ihren Körper wandern ließ und mit scheinbarer Freundlichkeit erwiderte: "Immer füllt Ihr Euren Kopf mit all dem Wissen an. Wenn Ihr nur einen ansehnlichen Eindruck macht, dann braucht Euch die Anatomie einer Schlange oder das Verhältnis zwischen Feuer und Sauerstoff nicht zu interessieren. Lasst Euch von einem Manne erobern, bekommt Kinder und erfüllt Eure Aufgabe als Weib, bevor Ihr auch noch den letzten Freier mit Eurer Besserwisserei in die Flucht schlagt."

Sie wusste auf was er damit anspielte. Die vergangenen Wochen über waren immer neue Männer im Schlosse erschienen, die um sie gefreit hatten. Es war ihr bewusst, dass sie diesen Umstand dem Direktor und ihrer ehemaligen Mentorin zu verdanken hatte. Beide waren zu der Erkenntnis gelangt, dass es bald an der Zeit für sie sei zu heiraten. Nach dem Tode ihrer Eltern durfte sie bis zum Abschluss ihres Studiums im Schlosse verweilen. Es war nun ihre einzige Heimat. Man hatte ihr zugestanden ihr Wissen durch eigene Studien eine Zeit lang über die eigentliche Schulzeit hinaus zu erweitern, doch so sollte es freilich nicht für immer bleiben. Sie wusste, dass sie das Schloss irgendwann verlassen und in einem Hause wohnen würde, dessen Haushalt zu führen ihre einzige Aufgabe sein würde - abgesehen von der Schar von Kindern, die sie nicht nur gebären würde, sondern die ihr von diesem Zeitpunkt an unweigerlich am Rockzipfel hängen würden - keine verlockende Vorstellung, wie ihr bald bewusst geworden war. Entsprechend wütend sah sie nun den Zaubertrankmeister an, der ihr diese Tatsache so wenig einfühlsam in Erinnerung brachte.

"Fahrt zur Hölle mit Eurem widerlichen Geschwätz. Ich werde keinen Mann nehmen, der meiner nicht ebenbürtig ist. Sie taugen alle nichts! Selbst die, die glauben gebildet zu sein, sind doch am Ende nur eingebildet. So wie Ihr!"

"Ich?" entfuhr es ihm ungläubig. Offenbar hatte er sich nie als einen Mann gesehen, über den sie in dieser Form nachsinnen würde.

Sie wedelte mit der Hand in der Luft umher. "Ja Ihr! Seit wann hört Ihr schlecht? All das Wissen in Euch führt doch nur dazu, dass Ihr Euch für etwas Besseres haltet. Jeden lasst Ihr spüren, dass er Eurer nicht würdig ist. Wart Ihr je anders, frage ich mich - habt Ihr je eine Schwäche gezeigt - gar geliebt?"

Ein boshaftes Grinsen breitete sich um seinen Mund aus: "So...das habt Ihr Euch also gefragt."

Sie schalt sich selbst eine Närrin. Warum hatte sie das nur gesagt?

"Nein - ich habe nicht...will es nicht wirklich wissen...vergesst es wieder."

"Die Zunge eines Weibes ist manchmal schneller als ihr Geist - nicht wahr?" das Grinsen wurde breiter.

"Elender Bastard", entfuhr es ihr und sie stieß mit beiden Händen kraftvoll gegen ihn.

Für einen Moment schien er das Gleichgewicht zu verlieren, doch blitzschnell griff er nach ihr um sich festzuhalten. Sie wollte sich ihm gleichzeitig entwinden und brachte sie so beide zu Fall. Ein spitzer Schrei entrang sich ihrer Kehle, als er mit dem Gewicht seines Körpers auf ihr zu liegen kam.

Nach dem ersten Schrecken stützte er sich auf beide Hände ab, doch er erhob sich nicht, sondern ließ sie unter seinem Körper wie eine Gefangene verharren.

Sein Gesicht war dem ihren so nah, dass sie seinen heißen Atem spüren konnte. Als seine Augen die ihren trafen wand sie schnell den Kopf zur Seite und ihre Hand begann nach ihm zu schlagen. Mit beiden Händen hielt er sie schließlich fest und stand mühsam auf, wobei er sie mit sich zog.

"Was glaubt Ihr wogegen Ihr Euch wehren müsstet? Ich sagte Euch, dass Ihr in meinen Augen nichts weiter als ein Kind seid. Und verzogen noch dazu."

Seine Worte schienen den Schmerz in ihrem Körper noch bei Weitem zu übertreffen. Sie war nicht in der Lage das verräterische Schimmern in ihren Augen zu verbergen. Und als er sie nun ungläubig ansah hielt sie seinem Blick tapfer Stand.

"So wie Ihr in mir ein Kind seht, so sehe ich Euch als alten Mann. Wenn ich unter einem alten Manne zu liegen komme, so werdet Ihr wohl verstehen, dass ich in Panik gerate." Ihr Blick war kämpferisch und spöttisch gleichermaßen.

"Nun denn, so folgt dem alten Manne, oder wollt Ihr hier Wurzeln schlagen?"

Sie konnte erkennen, dass sie ihn hart getroffen hatte mit ihrer Rede, denn er blieb eine verletzende Erwiderung schuldig.

Sein Schritt war langsamer nun und sie erkannte, dass er auf dem einen Beine kaum merklich hinkte. Ihr selbst ließ das Tempo keine Zeit zu ruhen, doch sie musste nicht mehr ganz so hasten wie zuvor.

Als er endlich auf einem Berge einhielt, erstreckte sich ein Tal zu ihren Füßen so weit das Auge reichte. Nur wenige Meter entfernt toste ein Wasserfall in die Tiefe, dessen sprühende Tropfen im Sonnenlicht mehrere Regenbögen zauberte.

Durch die Schönheit dieses Schauspiels in den Bann gezogen, hatte sie nicht bemerkt wie er sich auf einen schmalen Felsvorsprung begeben hatte und nun mit einem Beine über dem Abgrund schwebte, um behutsam erneut Halt zu suchen.

"Wartet hier", war seine knappe Botschaft, bevor er sich langsam an den steinigen Felsen voran schob.

Mit angehaltenem Atem sah sie ihm zu, wie er bis zu einem breiteren Vorsprung gelangte, auf dem er nun in die Hocke ging. Scheinbar mit angehaltenem Atem spähte er in eine Höhle, die sich von dort zu erstrecken schien.

"Das Glück ist uns hold. Das Nest ist unbewacht. Haltet Ausschau, währenddessen werde ich das Ei holen, damit wir uns auf den Rückweg begeben können."

Hermine spähte in den wolkenlosen Himmel und konnte nichts erblicken als das unendliche Blau. Binnen weniger Minuten kehrte der stets mürrische Mann mit einem leisen Lächeln auf dem Gesichte aus der Höhle zurück. In seinen Händen hielt er ein Ei in der Größe eines Kohlkopfes. Kaum hatte er ihren Blick bemerkt, da rief er schon: "Fangt auf!" und warf den kostbaren Schatz so eilig zu ihr, dass sie in letzter Sekunde nur in der Lage war ihn aufzufangen.

Während er den beschwerlichen Weg zurück kletterte, schimpfte sie wütend auf ihn ein.

"Was wenn ich es hätte zu Boden fallen lassen? Unser Bestreben wäre gescheitert, nur weil Ihr mir keine Sekunde gönnen wolltet mich vorzubereiten auf Euer Tun. Könnt Ihr nicht einmal im Sinne der Gemeinschaftlichkeit handeln? Müsst Ihr immer beweisen, dass Ihr es am liebsten seht, wenn ein anderer kläglich scheitert?"
Als er wieder auf festem Grund und Boden stand, klopfte er mit übertriebenem Eifer seinen Umhang ab und blickte sie voller Desinteresse an.

"Wenn Ihr es hättet fallen lassen, so hätte ich eines der anderen genommen - es waren drei an der Zahl - und nun hört auf Euch aufzuführen wie eine Gans die in den Suppentopf soll."

"Vielleicht liegt es daran, dass ich mich in Eurer Gegenwart wie eine Gans fühle, die bereits im kochenden Wasser sitzt. Ihr seid unerträglich. Wie konnte ich nur so töricht sein, und Euch begleiten wollen?"

"Nun, ich dachte den Grund dafür würdet Ihr nun in den Händen halten. Also was nun? Wollt Ihr das Ei einer genauen Prüfung unterziehen?"
Hermine sah auf den Schatz in ihren Händen. Dann schüttelte sie eilig mit dem Kopfe.

"Nein - nicht jetzt und an diesem Orte. Lasst uns lieber von hier entschwinden."

Kaum hatte sie das gesagt, da erklang ein gewaltiges Fauchen über ihren Häuptern. Beider Blicke richteten sich zum Himmel empor, der nun durch eine fliegende Kreatur verdunkelt wurde. Der Zaubertrankmeister deutete augenblicklich mit der Hand auf den Waldesrand.

"Sucht Schutz! Der Drache - er ist zurückgekehrt."

Hermine sah, wie er sich schützend vor sie stellte, als das geflügelte Tier im Sturzflug auf ihn herniederging.

"Nein! Kommt mit - flieht mit mir gemeinsam!" schrie sie aus Leibeskräften.

Als er sich zu ihr umwandte schien sein Gesicht fast freundlich: "Wenn einer von uns sterben muss, dann lieber der alte Mann als das Kind." Im gleichen Moment bohrten sich die Krallen des Drachen durch ihn hindurch und Hermine sah, wie sie an seiner Brust wieder austraten, bevor der Drache ihn in die Lüfte hob und mit sich trug.

Hermine umklammerte das Ei vor Entsetzen so fest, dass es zerbrach, der Inhalt sich über ihre Hände ergoss und auf den Boden tropfte. Dann versank die Welt um sie herum in dumpfen Nebel, bis sie schließlich niedersank und ihr zutiefst erschütterter Geist von wohltuendem Nichts umhüllt wurde.

tbc (?) Sagt es mir!