Kapitel 26 (Ende)

Das konnte doch wohl nicht war sein, dass er sie einfach so hier stehen ließ.

Völlig fassungslos blickte Hermine Snape hinterher, als er am unteren Treppenabsatz verschwand.

Auch Harry und Claire hatten auf Snapes Abgang mit ziemlicher Verblüffung reagiert.

Claire fasste sich als erste.

„Es scheint so, als hätte er wesentlich mehr Stil als ich", murmelte sie beifällig.

Hermine sah sie kritisch an.

„Hermine – hör zu...", sagte Claire, nachdem sie tief durchgeatmet hatte, „ich möchte diese Sache ein für alle mal aus der Welt schaffen. Ich weiß, dass du mich nicht besonders gut leiden kannst, und schon gar nicht, meine Art mich zu kleiden. Dass meine Angewohnheit, ungeniert mit Männern zu flirten, obwohl ich verlobt bin, dir schon aufgrund deiner Freundschaft zu Harry ein Dorn im Auge ist, kann ich auch verstehen. Ich gebe auch zu, dass ich Severus in dieser Hinsicht besonders reizvoll finde, unter anderem weil er ein so unnahbarer, verschlossener Mann ist, denn das ist natürlich eine Herausforderung. Außerdem sieht er unverschämt attraktiv aus – aber lassen wir das", fügte sie hinzu, als sie Hermines Mine immer düsterer werden sah.

„Ich versichere dir Hermine, ich hatte nicht vor, meine Fänge nach ihm auszuwerfen, wie du es so schön umschrieben hast", fuhr sie fort, „im Gegenteil – ich freue mich wirklich aufrichtig für euch beide. Aber Fakt ist – ich kann aus meiner Haut nicht raus – und Harry weiß das. Ich habe nicht vor, meinen Körper züchtig zu verhüllen - nicht ehe der Zahn der Zeit meine Kurven zum entgleisen bringt. Ich falle gerne auf – ich spiele gerne – ich umgarne gerne – und ich genieße die entrüsteten Blicke, die mir zugeworfen werden - vor allem von Frauen. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich Harry nicht treu bin, oder einer anderen Frau den Mann wegnehmen würde."

„Okay Claire", sagte Hermine ruhig, „das waren sehr offene Worte, und dafür danke ich dir – aber du musst auch verstehen, dass es verdammt schwer ist, nicht eifersüchtig auf dich zu reagieren. Und ehrlich gesagt, Harry - ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie du das aushältst."

„Kein Wunder – das kann ich selber nicht", murmelte Harry. „Ich weiß nur, dass ich Claire liebe, so wie sie ist - und unter diesem Gesichtspunkt wäre es ziemlich idiotisch, wenn ich versuchen würde sie umzukrempeln."

„Das hast du schön gesagt, mein Schatz", sagte Claire äußerst rauchig, legte ihm die Arme um den Hals und gab ihm einen langen, intensiven Kuss, während Hermine sich etwas verlegen abwandte.

„Ich geh' dann mal", sagte sie zögernd. „Wenn ich Glück habe, ist Severus noch irgendwo da unten."

„Bestimmt ist er noch da", sagte Harry, „und vielleicht wäre es ganz gut, wenn du ihn findest, bevor Ron ihm noch mal über den Weg läuft."

„Da ist was dran!", seufzte Hermine und machte sich auf den Weg die Treppe hinunter, während Harry sich wieder seiner Verlobten widmete.

Sie fand Snape an der Bar, neben Tonks, wo er mit gemäßigt finsterem Blick einige Eiswürfel in einem Glas mit bernsteinfarbenem Inhalt kreisen ließ. Dass Tonks munter und unverdrossen auf ihn einplauderte, schien ihn nicht weiter zu stören.

Hermine blieb an der Tür stehen und beobachtete die beiden.

Tonks erzählte, wie es schien eine äußerst aufregende Geschichte, denn sie fuchtelte nun wild mit einer aufgespießten Olive vor Severus' Gesicht herum, der er mit einem leicht vorwurfvollen Blick auszuweichen versuchte.

Schließlich nahm er ihr das gefährliche Spießchen lachend aus der Hand und steckte ihr die Olive in den Mund.

Dabei sah er Tonks, die nun verstummt war und grinsend kaute, mit einem eindeutig liebevollen Blick an – einem Blick, der eigentlich ihr, Hermine, gehörte.

Das schlug ja wohl dem Fass den Boden aus – da hatte sie gerade noch verhindert, dass er sich in den Fängen einer Femme fatale verstrickte, und schon zog er los, um seine Ex-Geliebte mit Oliven zu füttern, und ihr dabei solche Blicke zuzuwerfen. Und dass auch noch nach diesem unverschämten Abgang – vorhin, im Treppenhaus.

Hermine kochte!

Als sie auch noch mit ansehen musste, wie Tonks sich nach dieser Aktion lässig an Snape lehnte und grinsend auf ihr Glas zeigte, in dem noch mehrere Oliven herumschwammen, und er auch noch die Frechheit besaß, eine weitere aufzuspießen, um sie ihr zwischen die Lippen zu schieben, erreichte Hermines Wut ihren Siedpunkt.

Sie ging langsam, äußerlich gefasst, aber innerlich zornbebend, auf die beiden zu.

„Es tut mir leid, wenn ich euer nostalgisches Zwischenspiel störe", sagte sie kühl, „aber könnte ich dich vielleicht einen kurzen Moment sprechen, Severus? Natürlich nur, wenn's dir nicht zu blöd ist!"

Snape sah sie mit fragend hochgezogenen Augenbrauen, und – zu ihrem Ärger – absolut nicht schuldbewusst, sondern ziemlich amüsiert an.

„Hey, bleib cool, Hermine - Baby!", sagte Tonks grinsend. „Ich leg mich schon nicht zwischen euch ins Bett!"

Sie streckt verschwörerisch den Kopf ein wenig nach vorne.

„Es sei denn, ich werde eingeladen", flüsterte sie feixend, und zwinkerte Hermine mit einem Auge zu, um gleich darauf, Snape anzüglich anzugrinsen.

„Dir darauf jetzt eine Antwort zu geben, könnte für mich sehr gefährlich werden", sagte Snape lächelnd mit Blick auf Hermine, die ihn - die Augen zu wütend funkelnden, engen Schlitzen zusammengekniffen – fixierte.

„Du entschuldigst uns, Tonks...?", sagte er dann höflich, und machte, Hermine zugewandt, eine einladende Handbewegung Richtung Tür. „Nach dir, mein Schatz!"

Zähneknirschend drehte Hermine sich um und ging voraus.

Sie marschierte zielstrebig durch den Flur und hinaus auf die Terrasse, ohne sich auch nur einmal zu versichern, ob er ihr überhaupt folgte.

Aber er war da, als sie sich schwungvoll umdrehte und an die steinerne Brüstung lehnte, und sah sie ruhig und abwartend an.

„Du wolltest mich sprechen...?", sagte er nach einer Weile, als sie ihn, immer noch schweigend, nur böse anstarrte.

„Warum tust du das?", sagte Hermine wütend.

„Warum tue ich was?", fragte Snape.

„Du weißt genau was ich meine – mit Claire alleine im Haus herumlaufen, Tonks mit Oliven füttern", sagte Hermine giftig.

„Ist das verboten?", sagte Snape erschrocken.

„Hör' auf, dich über mich lustig zu machen!", fauchte Hermine. „Du flirtest schamlos mit den beiden – gib's doch zu!"

„Ja – warum auch nicht...?", sagte Snape. „Mit irgend etwas muss ich mir doch die Zeit vertreiben, während du das Wiedersehen mit deinen lieben Schulkameraden feierst."

„Und das findest du völlig in Ordnung?", keifte Hermine.

„Willst du mich etwa an die Leine legen, wie deinen Hund?", knurrte Snape.

„Nein – natürlich nicht!", zischte Hermine. „Aber ich hätte gerne das Gefühl, dass ich dir vertrauen kann!"

„Wenn allein die Tatsache, dass ich mit einer anderen Frau ein paar Minuten alleine bin, oder noch schlimmer – eine andere Frau mit Oliven füttere – einen Vertrauensbruch für dich darstellt, könnte das ein schwieriges Unterfangen werden", sagte Snape spöttisch.

„Du hast sie nicht nur gefüttert – sie hat sich auch an dich gelehnt – und du hast das nicht verhindert", sagte Hermine anklagend.

„Was hätte ich denn deiner Meinung nach dagegen tun sollen – aufspringen und davonlaufen", sagte Snape gereizt.

„Du hast es genossen!", warf Hermine ihm vor.

„Das ist richtig", sagte Snape knapp.

„Und außerdem hast du sie so angeschaut...", sagte Hermine belegt.

„Wie denn?", fragte Snape kopfschüttelnd.

„So wie du nur mich anschauen solltest...", flüsterte Hermine.

„Unsinn!" sagte Snape beschwichtigend, und legte die Arme um sie, was jedoch umgehend ihre Wut reaktivierte.

„Ich hab's doch selbst gesehen!", zischte sie wütend und machte sich von ihm los.

„Langsam, aber sicher, fängst du an, mir gewaltig auf die Nerven zu gehen, Hermine", sagte Snape grob, „jeder von den Typen aus deinem Freundeskreis hat dich mindestens einmal abgeknutscht, seit wir hier sind – hab ich dir deswegen in irgendeiner Form Vorwürfe gemacht? Nein! Weasley, diese wandelnde Hormonbombe, ist seit Jahren in dich verliebt, und benimmt sich hier, wie ein völlig Bekloppter – habe ich dir deshalb etwa eine Szene gemacht? Nein! Potter hat vorhin auf der Treppe den Arm um dich gelegt, und du hast den Kopf an seine Schulter gelehnt – bin ich deshalb gleich ausgerastet?"

Snape starrte sie zornig an.

„NEIN!", bellte er. „Weil es keinen Grund dafür gibt! Aber du bist eifersüchtig, wegen nichts, führst dich auf wie eine Furie – wegen NICHTS!"

Hermine konnte sich gerade noch zurückhalten, unwillkürlich einen Schritt zurückzuweichen.

Wenn er so aufdrehte wie jetzt gerade, empfand sie das trotz aller Vertrautheit noch fast genauso erschreckend, wie früher, als sie noch seine Schülerin gewesen war.

„Was, in aller Welt, erwartest du eigentlich von mir?", fuhr er etwas leiser, doch unverändert bedrohlich fort. „Soll ich den ganzen Abend hinter dir herlaufen? Dann hättest du doch lieber deinen Hund mitnehmen sollen!"

„Fühlst du dich mir eigentlich auch nur im geringsten verpflichtet?", sagte Hermine vorwurfsvoll mit zitternder Stimme.

„Ob ich mich dir verpflichtet fühle?", fauchte Snape. „Was meinst du eigentlich, warum ich hier bin?"

„Das hatte ich ja fast vergessen!", sagte Hermine bitter. „Du hast dich ja nur geopfert! Dann kann man dir selbstverständlich keinen Vorwurf machen, dass du dich - um die Zeit in dieser langweiligen Umgebung ein wenig totzuschlagen - an andere Weiber ranschmeißt. Verzeih mir bitte – unter diesem Gesichtspunkt sind meine Einwände natürlich völlig unangebracht. Und jetzt gehe ich – ich möchte nicht noch einmal riskieren, dass mein blödes Geschwätz dein Niveau unterschreitet", fügte sie hinzu.

Sie machte einen Schritt zur Seite und wollte sich an im vorbei drücken, um ins Haus zurück gehen, was ihr jedoch nicht einmal ansatzweise gelang.

Snape packte sie an den Schultern und hielt sie fest, während er ihren Blick mit seinen wütend blitzenden schwarzen Augen festnagelte.

„Was glaubst du eigentlich, wie du mit mir reden kannst?", zischte er wütend.

„Ich habe keine Angst vor dir!", zischte Hermine zurück.

„Wie's aussieht hast du auch absolut kein Vertrauen zu mir!", sagte Snape kalt. „Aber wahrscheinlich hast du solche Gefühle für die guten Jungs reserviert, und nicht für ehemalige Verbrecher!"

„Das ist so unfair...!", keuchte Hermine. „Du warst schließlich der jenige, der sich danebenbenommen hat, und jetzt versuchst du, mir die Schuld zuzuschieben."

„Das sehe ich anders", sagte Snape, und sah sie ernst an. „Die Schuld ist eine gute, alte Bekannte von mir, aber in diesem Fall trage ich sie nicht mit mir herum. Du hast vorhin gesagt, dass du gerne das Gefühl hättest, mir vertrauen zu können – dann stell dir doch mal die Frage, warum du es nicht kannst."

„Weil du Dinge tust, die...", begann Hermine.

„Was habe ich denn tatsächlich getan, Hermine?", unterbrach Snape sie rüde. „Überleg doch mal! Das einzig Schlimme daran, ist doch die Motivation, die du mir dabei unterstellst. Stell dir vor, ich wäre nur deshalb allein mit Claire nach oben gegangen, weil mir der Trubel unten gehörig auf die Nerven gegangen wäre. Stell dir weiter vor, Tonks wäre lediglich eine gute Freundin, die ich einfach nur gerne mag - vielleicht so, wie du Potter, oder diesen Idioten Weasley magst – wäre es so unmoralisch, wenn sie sich bei mir anlehnt, und ich ihr ein paar Oliven in den Mund stecke. Unter diesen Gesichtspunkten ist das Ganze völlig harmlos – nicht war?"

Snape machte eine Pause und sah Hermine eindringlich an.

„Wie es aussieht, hältst du mich jedoch für ziemlich skrupellos, und traust mir alle möglichen Schweinereien zu", fuhr er fort, „und deshalb fühlst du dich hintergangen. Du vertraust mir nicht - aufgrund deiner Einschätzung meines Charakters – was ich dir irgendwie auch nicht verdenken kann."

Hermine sah ihn mit großen Augen an.

„Vielleicht hätte ich dich einfach um einen Vorschuss an Vertrauen bitten sollen", sagte Snape leise. „Vielleicht hätte ich mich auch, entgegen meiner eigenen Bedürfnisse, mehr zurückhalten sollen – mag sein. Wer weiß schon immer, was falsch und was richtig ist, und welche Folgen die unterschiedlichen Handlungsweisen nach sich ziehen. Aber eines weiß ich ganz sicher, Hermine...", Snapes Stimme wurde nun eindringlicher und um einiges schärfer, „...die Idee, dass du mich kontrollieren könntest, und dass ich mir das womöglich auch noch gefallen lassen würde, kannst du dir so schnell wieder abschminken, wie sie dir eingefallen ist."

Hermines Augen füllten sich mit Tränen.

„Ich war viel zu lange ein Gefangener, als das ich mir nach wenigen Jahren der Freiheit, erneut Ketten anlegen lassen würde – nicht einmal dann, wenn die Enden dieser Ketten in deinen wunderschönen Händen lägen", sagte Snape, während er Hermines Hände in die seinen nahm, und sie zärtlich streichelte.

„Wie..., wie kannst du mir nur...so etwas unterstellen...?", sagte Hermine mit erstickter Stimme.

„Ich würde mal sagen, es fühlt sich einfach verdammt unangenehm nach Kontrolle an, was du hier veranstaltest", sagte Snape bissig.

„Das tut mir leid – natürlich bist du frei, zu tun und zu lassen, was du willst", sagte Hermine tonlos. „Ich werde dich nicht mehr behelligen!"

„Hermine...!", stöhnte Snape genervt.

„Lass mich bitte los!", flüsterte Hermine. „Und lass mich allein!"

„Was soll denn das jetzt werden?", seufzte Snape, gab ihre Hände jedoch frei.

„Ich würde jetzt wirklich gerne einen Moment alleine sein", sagte Hermine, „am besten wäre es, du würdest wieder reingehen, und Tonks weiter mit Oliven füttern oder mit Claire spazieren gehen, oder sonst irgendetwas mit einer von beiden tun, oder mit irgendeiner anderen Frau – ich schwöre, ich werde dir keine unlauteren Absichten unterstellen, du bekommst jede Menge Vertrauensvorschuss, und ich werde nicht mal im Traum daran denken dich dabei zu kontrollieren, aber bitte - LASS MICH JETZT ALLEIN!"

„Hey – beruhig dich, Hermine!", sagte Snape schneidend.

„GEH!", sagte Hermine hart.

„Wäre es dir lieber, wenn ich ganz verschwinde?", sagte Snape rau.

„Nein, verdammt – das wäre mir nicht lieber! Severus – ich will nur einen Augenblick mit meinen Gedanken alleine sein", sagte Hermine erschöpft, „das müsstest doch gerade du am besten verstehen."

„Schön – wie du willst!", sagte Snape barsch, drehte sich um und ging zurück ins Haus.

Hermine sah ihm nach.

Nur wenige Sekunden, nachdem Snape verschwunden war tauchte ausgerechnet Rons Kopf in der Tür auf.

Er sah Hermine, der mittlerweile die Tränen herunterliefen, nur einen kurzen Augenblick lang an, bevor er den Zauberstab herausriss und Snape nachstürzte.

„WAS HAST DU IHR ANGETAN, DU MIESES SCHWEIN?", schrie er.

Die Worte waren noch nicht verhallt, als Hermine ihn rückwärts an der Tür vorbeifliegen, und gleich darauf Snape mit großen Schritten hinterher eilen sah.

Sie stürzte zur Tür, und kam gerade rechtzeitig, um mitzuerleben, wie Snape Ron vorne am Kragen packte, und ihn unsanft wieder auf die Füße stellte.

„Wenn du es noch ein mal wagen solltest, mich anzugreifen, du elender Wicht", knurrte Snape, „werde ich dich in eine noch jämmerlichere Kreatur verwandeln, als du jetzt schon bist!"

„Lass ihn los, Severus!", rief Hermine.

Snape nahm widerwillig die Hände von Rons Jacke, der sich mit verbiesterter Miene den Hals rieb.

„Ron - was hast du dir denn nur bei dieser Aktion gedacht?", fragte Hermine entgeistert.

„Du hast geweint...", sagte Ron verbittert.

„Rosie hat vorhin auch geweint, und trotzdem hat niemand versucht, dich anzugreifen", sagte Hermine.

„Aber...", sagte Ron.

„Geh wieder rein, zu den anderen – okay?", sagte Hermine unwirsch.

„Bist du sicher...?", sagte Ron in zweifelndem Ton.

„Sie ist sicher! Und jetzt verzieh dich, Weasley!", sagte Snape energisch.

Nach einem kurzen, angewiderten Blick auf Snape, trottete Ron mit hängenden Schultern davon.

Snape blieb bei Hermine stehen und musterte sie mit einem prüfenden Blick.

„Du hast geweint...?", sagte er leise.

„Nicht der Rede wert...", murmelte Hermine, und wandte den Kopf ab.

„Habe ich dich mit dem, was ich dir vorhin gesagte habe, wirklich so kalt erwischt?", fragte er besorgt.

„Das stellt einfach alles in Frage, woran ich geglaubt habe", flüsterte Hermine.

„Meinst du nicht, dass es möglich ist, einem Menschen nahe zu sein, ohne ihm die Freiheit zu nehmen", fragte Snape.

„Ich weiß nicht genau, wie du das meinst", sagte Hermine verzweifelt, „ich bin so müde – mein Kopf tut weh von all diesen widersprüchlichen Gedanken – und trotzdem fühle ich mich so leer! Ich kann einfach nicht mehr!"

„Komm her!", sagte Snape mit Nachdruck, und nahm sie in den Arm. „Es tut mir sehr leid, dass ich dich so durcheinander gebracht habe. Ich bringe dich nach oben, in unser Zimmer. Das ist nämlich der Vorteil, den man hat, wenn man sich mit der Hausherrin herumtreibt – ich weiß, wo wir schlafen."

Er führte sie die Treppen hinauf, in ein Zimmer im zweiten Stock.

Dankbar und erschöpft sank Hermine auf das Bett. Snape legte sich neben sie, zog sie in seine Arme und streichelte sanft ihren Rücken.

„Severus..., darf ich dich etwas fragen?", sagte Hermine nach einiger Zeit zaghaft.

Frag' mich was!", sagte Snape.

„Wenn du alleine hier wärst, und es mich nicht gäbe, und Claire nicht mit Harry zusammen wäre – würdest du dann versuchen, ...sie richtig anzugraben?", fragte Hermine.

„Schon möglich...", sagte Snape.

„Nur möglich...?", fragte Hermine.

„Wahrscheinlich!", sagte Snape.

„Oder doch eher Tonks?", fragte Hermine.

„Auch möglich...", sagte Snape.

„Oder vielleicht beide...?", fragte Hermine.

„Auch nicht übel – aber eher unwahrscheinlich...", sagte Snape stirnrunzelnd.

„Und warum tust du es dann nicht, wenn du dich doch sowieso nicht von mir einschränken lässt, und dich frei und ungebunden fühlst?", fragte Hermine leise.

„Ich habe nicht behauptet, dass ich mich ungebunden fühle", sagte Snape und strich ihr zärtlich über die Haare, „ich möchte nur das Gefühl haben, dass ich meine Entscheidungen selber treffe, und mich nicht nach irgendwelchen Vorgaben richten muss. Aber warum zum Teufel sollte ich mich denn ernsthaft für eine andere Frau interessieren, wenn ich ein so wundevolles Geschöpf wie dich an meiner Seite habe?"

Hermine sah ihn zu Tränen gerührt und trotzdem ungläubig an.

„Warum streiten wir denn dann die ganze Zeit, wenn du das so siehst?", fragte sie fassungslos.

"Weil du ein misstrauisches, eifersüchtiges Huhn bist, Mäuschen", sagte Snape spöttisch.

„Das ist ja wohl das Letzte!", schnaubte Hermine entrüstet.

„Jetzt habe ich mal eine Frage", sagte Snape.

„Nämlich?", sagte Hermine finster.

„Wolltest du nicht deinem Kumpel Ron klar machen, dass du nicht daran interessiert bist, den Posten der Traumfrau in seinem armseligen Leben zu besetzen?", fragte Snape mit hochgezogenen Augenbrauen. „Ich hatte vorher nicht so ganz den Eindruck, dass er sich dessen bewusst wäre."

„Ich hab's ihm gesagt, und den anderen auch", sagte Hermine, „und ich denke, sie haben es kapiert, alle, sogar Ron."

„Welche anderen?", fragte Snape misstrauisch.

„Harry, Ginny, Luna und Neville", sagte Hermine. „Das hat sich einfach so ergeben – sie standen gerade so rum, um Ron."

„Standen so rum..., aha! Und was genau hast du ihnen erzählt?", fragte Snape.

„Ach – nur dass du ein perverser, machtbesessener Tyrann bist, und ich dir sexuell hörig bin!", sagte Hermine beiläufig.

Snape lachte leise.

„Wusste ich es doch, dass ich mich auf dich verlassen kann!", sagte er anerkennend.

„Sollen wir... eigentlich wieder nach unten gehen...?", fragte Hermine zögernd.

„Ich dachte du bist müde?", sagte Snape.

„Okay – wenn du nicht willst...", sagte Hermine.

„Ich glaube, wir haben ein ernsthaftes Kommunikationsproblem", sagte Snape vorwurfsvoll, „ich habe nicht gesagt, dass ich nicht will – ich sagte nur, dass ich dachte, du wärst müde."

„Mir geht's gut, ich bin nicht mehr müde", sagte Hermine, „du musst aber trotzdem nicht mit mir hinunter gehen, wenn du nicht möchtest."

„Das weiß ich, Hermine!", sagte Snape langsam und deutlich, als ob sie schwer von Begriff wäre.

„Ich will nur nicht, dass der Eindruck entsteht, ich würde dir irgendwelche Vorschriften machen, oder dich kontrollieren wollen", sagte Hermine harmlos.

„So etwas würde ich dir noch nie unterstellen", sagte Snape seidig.

„Also – ich geh' dann jetzt mal", sagte Hermine lieblich, „und ob nun mitkommst oder nicht, liegt wirklich ganz und gar – und damit meine ich tatsächlich völlig ausschließlich und unwiderruflich - in deiner eigenen Hand, und ich würde ganz ehrlich nicht mal im Traum daran denken, dich dahingehend in irgendeiner Weise beeinflussen zu wollen."

„Ich bin wirklich froh, das du nicht zu den Frauen gehörst, die immer so schrecklich nachtragend sind", sagte Snape schmunzelnd.

„Meinst du etwa die Sorte Frauen, die einem Mann, das was er völlig ohne böse Absicht manchmal so von sich gibt, immer wieder aufs Brot schmieren?", sagte Hermine angewidert.

„Ja – genau diese Sorte", bestätigte Snape. „Manche von denen gehen sogar so weit, sich zu verstellen, und so tun als wären sie nett und verständnisvoll, aber in Wirklichkeit sind sie nur rachsüchtige kleine Bestien."

„Es ist wirklich erschreckend, was es für Frauen gibt!", sagte Hermine kopfschüttelnd. „Kommst du nun mit, oder nicht?"

„Ja, ich werde dich begleiten", sagte Snape, „vielleicht treibe ich ja irgendwo noch ein Pfund Oliven auf."

„Na wunderbar! Und nachdem sich Claire unterdessen bestimmt auch nicht..., äh, ...wärmer angezogen hat, ist der Abend ja gerettet!", sagte Hermine begeistert.

„Manchmal bist du ein richtig bissiges Luder", sagte Snape und nahm sie lachend in die Arme, „und das ist einer der Gründe, warum ich so verrückt nach dir bin."

Eng umschlungen gingen sie die Treppe hinunter, und auch als sie den Raum mit der Bar betraten, nahm Snape zu Hermines Erstaunen, nicht den Arm von ihrer Schulter.

„Ah – da seid ihr ja wieder!", sagte Harry, der ihnen entgegenkam. „Wir haben uns schon Sorgen gemacht - Ron hat angedeutet, dass er es nicht für ausgeschlossen hält, dass du Hermine umgebracht und im Wald verscharrt hast", fügte er grinsend hinzu, warf Hermine jedoch dabei einen prüfenden Blick zu."

„Und ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass Weasley ein vollkommen hirnloser Kretin ist", sagte Snape gelangweilt.

„Mir geht es gut!", sagte Hermine zu Harry.

„Soll sie es dir schriftlich geben?", fauchte Snape gereizt, als Harry Hermine weiterhin fragend ansah.

„Je später der Abend, desto lieblicher die Gäste!", sagte Harry anerkennend.

„Oh, das hatte ich ja fast vergessen – ich bin ja dein Gast – also es ist so: Hermine geht's wirklich gut!", sagte Snape überfreundlich.

„Genaugenommen seid ihr nicht meine Gäste, sondern die von Claire – es ist offiziell ihr Haus", sagte Harry.

„Na wenn das so ist...", sagte Snape erfreut, „...geh' mir aus dem Weg, Potter!", fügte er mit seiner typischen, einschüchternden Zaubertrank-Unterrichts-Stimme hinzu.

„Schön, das sich manche Dinge nicht ändern", sagte Harry, „das hat so was beruhigend Beständiges."

Sie gingen weiter an die Bar, wo unter anderem Claire, Tonks und auch Lupin herumlungerten.

„Hi, Sev, Hermine – gab's Stress?", fragte Tonks neugierig.

„War krass!", bestätigte Hermine.

„Und – habt ihr euch wieder geeinigt?", fragte Claire vorsichtig.

„Absolut!", sagte Snape, „wir sind beide meiner Meinung!"

„Ist das eigentlich normal, dass Männer in eurem Alter noch so ausgeprägte Illusionen haben?", fragte Hermine Lupin.

„Nein – aber ich halte das ohnehin eher für erste Anzeichen von Altersstarrsinn", sagte Lupin stirnrunzelnd.

„Hättest du eigentlich nicht mal Lust, die Bäume draußen zu beschnüffeln, und dein Revier zu markieren, Lupin?", fragte Snape freundlich.

„Hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt, dass es nicht korrekt ist, Minderheiten zu beleidigen?", sagte Lupin anklagend.

„Ach – das gilt auch für felltragende Minderheiten...?", sagte Snape irritiert.

„Ich muss Longbottom recht geben", sagte Lupin ernst, „du hast wirklich Mut, Hermine."

„Du hast keine Oliven mehr – soll ich dir noch ein paar besorgen?", fragte Snape Tonks.

„Nö, du – hab aufgehört – sonst muss ich kotzen!", sagte Tonks fröhlich.

„Welch ein Jammer", flüsterte Hermine Snape ins Ohr, „jetzt fehlt nur noch, das Claire sich was anzieht."

„Hermine...", erklang eine fröhliche Stimme von hinten, „...es gibt Prosecco!"

Lächelnd, und eine Flasche schwenkend kam Gina auf sie zu.

„Gina – wir hatten noch gar nicht richtig Zeit, miteinander zu reden", sagte Hermine erfreut.

„Du warst ja auch zuviel mit krassem Stress beschäftigt", murmelte Claire.

„Claire, Schätzchen – was ist dir denn über die Leber gelaufen?", sagte Gina kichernd.

„Gina, Schätzchen – wie viele Fläschchen von dem Zeug hast du denn schon getrunken?", sagte Claire pampig.

„Hermine, Schätzchen – warum ist Claire so böse zu mir?", gluckste Gina.

„Keine Ahnung Gina, Schätzchen...", sagte Hermine grinsend, mit Blick auf Claires aufregenden Ausschnitt, „...vielleicht ist ihr nur ein wenig... kalt? Vielleicht sollte sie ein... Jäckchen überziehen?"

„Alle Achtung – ihr passt wirklich vorzüglich zusammen!", sagte Claire mit finsterem Blick zu Snape.

„Stimmt!", sagte Snape. „Du wirst diese Jäckchen-Sache doch nicht ernsthaft in Erwägung ziehen?", fügte er besorgt hinzu.

„Nein!", sagte Claire mit einem hinreißenden Lächeln. „Natürlich nicht!"

„Schenk ein, Gina!", sagte Hermine knapp, und klopfte mit einem leeren Glas gegen die Prosecco-Flasche.

Gina wurde von Schluck zu Schluck ausgelassener - sogar Hermine und Claire ließen sich von ihrer Fröhlichkeit anstecken, und hörten bald auf, sich gegenseitig mit verbalen Pfeilen zu beschießen.

Nach einer Weile begann Snape Gina über ihre Zeit an der Uni auszufragen, woraufhin diese so richtig in Fahrt kam.

„Am Anfang war Hermine noch so richtig brav – hat sich immer an alle Regeln gehalten und so weiter – aber als sie dann gemerkt hat, dass sie alles gut im Griff hat – oh la la...!", kicherte Gina.

„Du hast dich an die Regeln gehalten, Hermine?", sagte Snape erstaunt, „Ach ja – Potter war ja nicht dabei!"

„Witzig, Snape!", sagte Harry gelangweilt.

„Außerdem war es an der Uni nicht verboten, selber zu denken, und seinen Lehrern Fragen zu stellen", sagte Hermine spitz.

„Du meinst, die haben sich gefreut über deine ständige Melderei...?", fragte Snape ungläubig.

„Du weißt schon, Hermine", sagte Harry hilfsbereit, „er meint dieses extreme Handheben, bei dem du dir fast das Schultergelenk auskegelst, inklusive dem dazugehörigen, nervtötenden Zappeln."

„Vielen Dank, Harry – ich weiß, was er meint!", fauchte Hermine. „Oh ja, Severus - sie haben sich gefreut!"

„Erstaunlich!", sagte Snape, „Und was genau war dann oh la la, Gina?"

„Dann hat unser Minchen so richtig die Sau rausgelassen!", sagte Gina mit Nachdruck.

„Gina!", sagte Hermine warnend.

„Mir sind da Gerüchte zu Ohren gekommen, sie hätte an wilden Studentenpartys teilgenommen", sagte Snape beiläufig.

„Oh ja – das waren vielleicht Partys!", seufzte Gina.

„Tatsächlich?", sagte Snape interessiert, und schenkte ihr Prosecco nach.

„Die haben immer als ganz normale Feten angefangen", sagte Gina schwärmerisch, „aber dann – je später der Abend – wurden das so richtig wilde..."

„GINA!", sagte Hermine.

„Orgien...?", bot Snape an.

„Jaaa!", sagte Gina mit leuchtenden Augen. „Das waren Zeiten - nicht war, Hermine?"

„Ich wette, die Jungs sind euch zu Füßen gelegen", sagte Lupin charmant.

„Nein – die lagen alle bei Claire rum", sagte Hermine trocken, „wir haben nur die gekriegt, die es nicht geschafft hatten einen guten Platz bei ihr zu ergattern und dann aus lauter Verzweiflung zu uns rübergekrochen sind."

„Du hast studiert, Claire?", fragte Tonks ungläubig. „Was denn, zum Henker – Shopping?"

„Nicht komplett – nur Ausschnitte!", prustete Hermine, und bedachte abermals Claires Dekolleté mit einem boshaften Blick.

„Ich fände die Idee, sie im Wald zu verscharren mittlerweile gar nicht mehr so abwegig", sagte Claire nachdenklich zu Snape.

„Jetzt kannst du dir mal vorstellen, was ich alles aushalten muss", sagte Snape verständnisvoll nickend, „und dabei heißt es immer nur, Hermine hätte Mut."

„Bist echt ´ne arme Sau, Sev!", sagte Tonks in tragischem Tonfall.

„Ich könnte heulen, vor Mitgefühl!", sagte Lupin mit traurigem Blick.

„Irgendwie kann ich mich des leisen Verdachts nicht erwehren, dass niemand so richtig Verständnis für meine Situation hat", murmelte Snape grimmig.

„Woher mag das bloß kommen...?", sagte Harry kopfschüttelnd.

„Vielleicht kommt das daher, dass niemand sich traut, was zu sagen, sogar wenn einer sich was denkt - oder jeder denkt, das Professor Snape, mit gar nichts Probleme hat, und es einem furchtbar übel nehmen würde, wenn man so was denkt und es auch noch sagen würde, was man sich aber wahrscheinlich eh nicht traut...", ertönte eine zaghafte Stimme hinter Harry.

Neville Longbottom hatte sich zu ihnen gesellt, ohne das es irgendjemand aufgefallen wäre, und er schien etwas angeheitert zu sein, was auch den Umstand erklärte, das er sich in Snapes Gegenwart zu einer solchen Äußerung hinreißen ließ.

„Das war ja geradezu ein philosophischer Satz gemessen an ihrem schlichten Verstand, Longbottom", sagte Snape seidig.

„Äh – danke, Professor", sagte Neville verunsichert. „Ich selber denke aber eher, dass Hermine..., äh..."

„Was?", sagte Snape noch seidiger.

„...die Arschkarte gezogen hat?", schlug Tonks vor.

„Ja, genau..., die Arschkarte – das ist gut!", kicherte Neville, bis ihm schlagartig wieder einfiel, dass Snape in seiner unmittelbaren Nähe stand.

Er zog den Kopf zwischen die Schultern und drehte beide Körperteile langsam und vorsichtig in Snapes Richtung, bis er geradewegs in zwei schwarze Augen sah, die für seinen Geschmack inzwischen einen viel zu bedrohlichen Ausdruck angenommen hatten.

„Er meint's nicht so!", sagte Hermine und schob sich zwischen die beiden, woraufhin Neville erleichtert ausatmete.

„So, Leute – ich hau' mich auf's Ohr!", sagte Tonks, und sprang von ihrem Barhocker, nachdem sie schon ein paar mal herzhaft gegähnt hatte.

Lupin und Neville schlossen sich ihr an.

„Angenehme Träume, Longbottom!", raunte Snape.

„Lass das!", zischte Hermine. „Beachte ihn einfach nicht, Neville!"

„Du gönnst mir heute aber auch gar nichts", sagte Snape beleidigt.

„Ach jetzt geht dieses Gemotzte schon wieder los?", fragte Hermine aufmüpfig.

„Nicht frech werden, Granger!", sagte Snape warnend. „Was hältst du davon, wenn wir beide uns jetzt verabschieden, und du erzählst mir in aller Ruhe ausführlich von deinen wilden Studentenorgien?"

„Geh'n wir – aber ob ich dir davon erzähle, muss ich mir noch genau überlegen", sagte Hermine lächelnd.

Sie wünschten den anderen eine gute Nacht, was Snape bei Claire, zu Hermines Missfallen, mit einem Handkuss untermahlte.

„Einfach alles leugnen, Hermine...", rief ihnen Gina hinterher, „...du kannst zur Not auch behaupten, du warst so betrunken, dass du dich nicht mehr erinnern kannst."

Als sie in ihrem Zimmer angekommen waren, hielt sich Snape jedoch nicht damit auf, Fragen nach der Vergangenheit zu stellen, und Hermine hatte nach kurzer Zeit vergessen, warum sie eigentlich eifersüchtig gewesen war.

Am frühen Morgen wachte Hermine auf.

Ihr war kalt, und sie drehte sich um, in der Absicht, sich anzukuscheln – aber die andere Seite des Bettes war leer.

Ruckartig setzte sie sich auf.

Snape, der gerade im Begriff gestanden hatte, die Türklinke langsam herunterzudrücken, drehte sich zu ihr um.

Er war bereits angezogen und sein Gesicht trug den für ihn morgens typischen sprich-mich-bloß-nicht-an-Ausdruck.

„Wo willst du denn hin?", fragte Hermine verschlafen.

„Zum Pinkeln!", knurrte Snape. „Willst du mitgehen, und auf mich aufpassen?"

„Ich hab' doch nur gefragt...?", sagte Hermine beleidigt.

„Grmpf!", murmelte Snape und trat auf den Flur hinaus – und Hermine war erleichtert, dass er die Tür nicht hinter sich zuschlug.

Sie lehnte sich wieder zurück in die Kissen, musste aber gleich darauf feststellen, dass ihre Müdigkeit nun völlig verflogen war.

Seufzend stieg sie schließlich aus dem Bett und zog sich ebenfalls an. Sie öffnete die Türe, die auf den kleinen Balkon führte, und trat hinaus.

Bis auf ein paar Vögel die zaghaft ihre ersten Töne zwitscherten war es völlig still. Die Berge im Hintergrund waren noch kaum zu sehen – das Morgenlicht begann eben erst die Dunkelheit zu verdrängen.

Sie wollte gerade wieder hineingehen, als sie ein Stück vom Haus entfernt, eine Bewegung wahrzunehmen glaubte.

Bei näherem Hinsehen erkannte sie Snape, der an eine Bank gelehnt, neben einer knorrigen alten Kiefer stand, und den Blick in die Ferne gerichtet hatte.

Hermine beschloss, es trotz seiner üblen Morgenlaune zu riskieren, sich ihm anzuschließen.

Beim Hinuntergehen kam sie an der Küche vorbei, und zauberte einer Eingebung folgend noch frischen, heißen Kaffee in zwei große Tassen, die sie mit in den Garten hinausnahm.

Snape drehte sich um, bevor sie auch nur nahe genug herangekommen war, um ihn deutlich zu erkennen.

„Ich habe dir Kaffee mitgebracht!", sagte Hermine, und hoffte, sich damit jeden weiteren, bissigen Kommentar von seiner Seite zu sparen.

„Du bist ein Engel!", sagte Snape prompt, und nahm ihr mit einem nahezu freundlichen Gesicht die Tasse aus der Hand.

Eine Weile standen sie schweigend nebeneinander und sahen zu, wie das Licht des neuen Tages langsam über die Gipfel der Berge in die Niederungen kroch. Die vereinzelten Bodennebel waberten geheimnisvoll umher. Das kleine Tal wirkte dadurch irgendwie unwirklich – wie in Watte gepackt.

„Mehr Kaffee?" fragte Hermine, als sie sah, dass er ausgetrunken hatte.

„Nein!", sagte Snape knapp, und stellte die leere Tasse, neben die von Hermine auf der Bank ab.

„Kann ich sonst irgendetwas für dich tun?", sagte Hermine seufzend.

„Ja!", sagte Snape.

„Nämlich was?", sagte Hermine überrascht.

Snape nahm sie in die Arme und drückte sie an sich.

„Bleib bei mir!", sagte er.

„Ich hatte gar nicht vor, wegzugehen", sagte Hermine gerührt, und schmiegte sich an ihn.

„Ich meine nicht nur jetzt, oder heute, oder morgen", sagte Snape ruhig, „sondern einfach – bleib bei mir!"

Hermine hob ihren Kopf und sah in mit einem glücklichen Lächeln an.

„Ich brauche dich!", sagte er ernst.

„Warum?", sagte Hermine leise.

Snape schwieg und strich mit seinen Fingern wie geistesabwesend über ihre Haare.

„Verzeih mir...", flüsterte Hermine, „ich wollte dich nicht..."

Er brachte sie mit einem kurzen, zärtlichen Kuss zum Schweigen, bevor er antwortete.

„Du nimmst einen Platz in meiner Seele ein, an dem noch nie vorher irgendjemand war – und wenn du fort gehen würdest, wäre da eine Leere, die ich nicht ertragen könnte", sagte er.

In Hermine breitete sich ein überwältigendes, warmes Gefühl aus - von ihrer Mitte ausgehend durchströmte es ihren gesamten Körper.

„Du liebst mich also...?", fragte sie hingerissen.

„Ich glaube, so kann man es auch nennen", sagte Snape lächelnd.

„Ich will es nur ein mal hören", flüsterte Hermine.

„Ich schätze, du wirst nicht locker lassen...?", seufzte Snape.

„Nie im Leben!", sagte Hermine.

„Na schön – du unerträgliche Besserwisserin", sagte Snape zärtlich. „Ich liebe dich!"

- E N D E -

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So – das war's! Ich hoffe, das Ende hat Euch gefallen!

Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich für Eure vielen wunderbaren Reviews bedanken – Ihr habt mich damit sehr glücklich gemacht! °knuddel°

Nächste Woche fange ich an, meine neue Story hochzuladen, an der ich zur Zeit noch am Schreiben bin – also, wenn Ihr Lust habt... ich würde mich freuen!

Liebe Grüße,

Chrissi