Und dann stand die Welt still...

Großartige Geschichten beginnen nicht um Mitternacht, oder um irgendeine besondere, für die Handlung wichtige Uhrzeit an einem gruseligen oder historisch wichtigen Ort. Sie beginnen nicht mit einem markerschütternden Schrei, oder einem gedämpften Schuss. Sie beginnen irgendwann, so zwischendurch, wenn keiner es richtig realisiert. Diese Geschichte hier beginnt irgendwann im Jahre 1991, an einem 1. September. Aber diese Geschichte wäre nicht so unglaublich, und spannend, wenn man sie vorhersagen könnte. An jenem Morgen passiert noch nichts. Zumindest nichts Unerwartetes...

Was denkt ein dreijähriger Junge, wenn er erkennt, dass manche Kinder geliebt werden und andere nicht?

Was fühlt ein vierjähriges Mädchen, wenn ihm gesagt wird, dass sich Mama einen Jungen gewünscht hatte?

Was empfindet ein fünfjähriger Junge, wenn alle seine Brüder gelobt werden, und er ein Nichts ist?

Was fragt ein sechsjähriger Junge, wenn er lernt, dass manche guten Noten nicht so gut sind wie andere?

Was denkt ein siebenjähriges Mädchen, wenn man sie nicht malen lässt, weil es nichts für die Zukunft bringt?

Was fragt sich ein achtjähriger Junge, der nie etwas hatte, wenn der Bruder einen neuen Mantel bekommt?

Sie wünschten sich Anerkennung. Vielleicht auch Rache. Aber am meisten wünschten sie sich Gerechtigkeit. Und die Chance, sie selbst zu sein.
Nein. Es war keine kindische Reaktion. Sie waren sich bewusst, was sie taten. Sie steckten die Hiebe der Gesellschaft ohne Zweifel ein. Vielleicht waren ihre Vorstellungen, von einer Welt, in der sie nach ihren Taten beurteilt wurden, zu romantisch. Aber als man sie zu Boden prügelte, hoben sie stolz ihre Köpfe gen Himmel.

Hermione Jane Granger, muggelgeboren, Belastung der Berufslaufbahn ihrer Eltern, in der Zukunft Ehefrau und Mutter mindestens eines Jungens. Sie lernte, um ihnen zu beweisen, dass auch ein Mädchen etwas wert ist. Sie lernte. Und sie wartete auf ihren Tag.

Ronald Billius Weasley, reinblütig, letztes Glied einer Second-Hand-Kette, in der Zukunft Kämpfer für das Licht und Familienvater. Er spielte Schach, weil es das einzige war, für das sie ihn lobten. Und er hörte hin. Für den Tag, an dem es ihm nützen würde.

Harry James Potter, halbblütig, Sklave während der ersten Jahre seines Lebens, in der Zukunft Held und Opfer für das Licht. Er las die Bücher, die sein Onkel kaufte, weil ihre Umschläge farblich gut ins Wohnzimmer passten, weil es das einzige war, dass ihm die Zeit verkürzte. Und er träumte. Von dem Tag, an dem er geliebt werden würde.

Ihre Zeit würde kommen. Wie sehr kann man sich gegen das Vorbestimmte auflehnen? Kann man die Zukunft ändern? Ist Gerechtigkeit immer das Beste? Braucht die Gesellschaft einen Spiegel, den man ihr vorhält? Warum lernen die Menschen nicht aus der Geschichte? Was haben sich die Direktoren von Hogwarts dabei gedacht, als sie die magische Anreise sechs Stunden dauern ließen? Sechs Stunden, drei verzweifelte Kinder, und eine Revolution.
...

..."Fünf", sagte Ron. "Ich bin der sechste in unserer Familie, der nach Hogwarts geht. Und das heißt, in mich setzt man hohe Erwartungen. Bill und Charlie sind schon nicht mehr dort – Bill was Schulsprecher und Charlie was Kapitän der Quidditch- Hausmannschaft. Und Percy ist jetzt Vertrauensschüler. Fred und George machen zwar eine Menge Unsinn, aber sie haben trotzdem ganz gute Noten und sind beliebt. Ich meine, jeder erwartet, dass ich etwas besonders gut kann. Was, wenn ich eine Niete bin?"
"Oh ja. Alle glauben, ich bin so gut, wegen der Sache vor zehn Jahren, aber ich bin doch nur Harry. Ich wünschte, ich könnte ihnen so richtig mal zeigen, dass sie falsch liegen, dass ihre Urteile nicht richtig sind."
Die Tür des Abteils wurde aufgerissen
"Wir träumen den selben Traum. Eines Tages, Harry, eines Tages, werden wir nicht nach meiner Haarfarbe oder deiner Narbe beurteilt werden, sondern nach unseren Taten."
"Ihren Urteilen entgehen? Werden wir nie, sobald sie ein gefestigtes Bild haben. Wir gehen hinein, und sie glauben zu wissen, wie wir sind, weil sie unsere Eltern, Verwandten, und unseren Ruf kennen."
"Hallo, hat jemand von euch eine Kröte – hey, was diskutiert ihr da? Martin Luther-King?"
"Eigentlich nicht", antwortete Harry. "Bist du auch eine Erstklasslerin?"
"Ja. Ich bin Hermione. Hermione Granger."
"Ronald Weasley."
"Harry Potter."
"Der Harry Potter? Ich habe von dir geles-"
"- und glaubst mich zu kennen. Siehst du, Ron, die wissen mehr, als es zu wissen gibt. Wir werden nie eigenständig unseren Eindruck machen können."
"Wovon redet ihr?", fragte Hermione interessiert.
"Vorurteile. Erwartungen. Ron wird als Weasley nie als eigenständiges Individuum beurteilt, weil die halbe Welt einen Teil seiner Familie kennt. Bei mir ist es mindestens genauso schlimm. Sie werden uns verurteilen, in dem Moment, wo wir Hogwarts betreten, und sortiert werden."
"Verstehe. Auch von mir als Muggelgeborene gibt es ein gewisses stereotypisches Bild.", meinte Hermione Granger altklug.
"Und wir können dieses Bild, dass sie von uns haben, nie abschütteln.", fügte Ron hinzu.
"Es sei denn.. Nein." Hermione wirkte nachdenklich.
"Was?", fragte Ron interessiert.
"Es ist.. eine lächerliche Idee. Ihr – nein, wir, dürften dieses Bild gar nicht fest werden lassen. Man müsste sie so richtig durchrütteln, schocken. Von Anfang an."
"Ich verstehe nicht."
Hermione setzte sich hin.
"Was wäre, wenn ... wenn eine Muggelgeborene, ein Weasley, und der Junge, der lebt, in Slytherin landen?"


A/N: Neugierig? Ich suche noch einen Co-Autor, mit viel, viel Zeit... siehe meine Nickpage, unten...
Love,
Claire