EPILOG

Ronald Weasley mochte nicht der sensibelste Mensch sein, aber in diesem Moment tat er das Richtige: Er schwieg.
Ob das an der Magie der Koppel der Thestrale lag, oder ob es schlicht und einfach die Stille der Nacht war, war eigentlich egal. Er schwieg, und es verband die zwei Jungen, die stumm nebeneinander her gingen, Harry tief in Gedanken versunken.
Er beobachtete, wie der Mond mit Harrys Augen um die Wette funkelte, und er wollte lächeln. Aber wie immer, es gab Schwierigkeiten.
Er konnte sich nicht an eine Zeit erinnern, in der es keine gab.
Sein Freund war abwesend seit kurzer Zeit. Vielleicht hatte er es auch erst seit kurzer Zeit bemerkt.
Er seufzte. Sie hatten ihn wegtreiben lassen.
Er verschloss seine Gefühle, aber Ron hatte immer eine Ahnung von ihnen gehabt, wenn er ihm ins Gesicht schaute. Er hatte sich aus irgendeinem Grund mit ihm verbunden gefühlt.
Er könnte sagen, er tappte nun im Dunkeln. Aber dann, tat das jeder.

Er realisierte, dass er nicht mehr um die Koppel ging, sondern da stand. Harry war weitergegangen.
Er versuchte, ihn einzuholen, auf der selben Ebene zu sein, so dass sie reden konnten.
Er hatte ihre Gespräche vermisst. Die politischen Diskussionen, und all die Plänkeleien, die sie gehabt hatten. Harry würde kaum etwas sagen, aber er hatte zumindest mit einem Kopfschütteln oder einer hochgezogenen Augenbraue reagiert. Zumindest war er sich sicher gewesen, dass er zugehört hatte.
Er hatte ihn eingeholt und legte seine Hand auf seine Schulter. Harry schob sie nicht weg, und er war dankbar. Aber er schien sie auch nicht zu bemerken. Als könne er nicht mehr fühlen.
Manchmal fragte er sich, ob Harry noch fühlen konnte. Er fragte sich, ob er selbst noch fühlen konnte.
Sie sollten etwas tun. Schreien, dagegen ankämpfen, vielleicht. Er wusste, dass Harry resigniert hatte. Es ist okay., hatte er gesagt. Jeden Abend, seitdem sie erfahren hatten, dass Harry zurück zu den Dursleys musste, gingen sie um die Koppel.
Er war sich nicht sicher, warum. Vielleicht brauchte er Zeit für sich selbst. Die Stille zwischen den beiden war immer eine unausgesprochene Regel. Eine ruhige Zeit, ein Weg, um den Tag zu vergessen.
"Es wird alles gut, nicht wahr, Harry?"
"Ja, Ron."
Lügner. Sie gingen langsam weiter, durch die Dunkelheit. Er beobachtete wieder einmal, wie der Mond mit seinen Augen um die Wette funkelte. Und wieder einmal mochte er lächeln. Aber da waren immer Schwierigkeiten.
Er wünschte sich, er würde sich an eine Zeit erinnern, in der keine waren. Er wünschte sich, er würde helfen. Morgen würden die Ferien beginnen. Sie würden Harry rausholen, aber wann? Er schüttelte den Kopf. Manche Fragen sollten gar nicht erst gestellt werden müssen.
Der Himmel schien weit, weit weg.


A/N:
Als Antwort: Moony darf als Werwolf Harry nicht direkt kontaktieren. Und Sirius glaubt, dass Harry glücklich ist, und will das nicht zerstören. Dumbledore ist nicht böse, aber er ist kein Gott, der alles sieht.
Kurz, schmerzhaft, ich verabschiede mich und danke allen, die mir schrieben. Das Sequel kommt, bestimmt, aber wann ist eine Frage, die ich noch nicht beantworten kann. Im Moment arbeite ich an 'Piano Boy', eine eher ungewöhnliche Geschichte, und ich hoffe, dass ich von einigen Lesern hier wieder höre.
Es war eine wunderbare Zeit,
Claire