Titel: Harry Potter und die Hoffnung auf Rettung

Autor: Japhu

Disclaimer: Nichts von Harry Potter und seiner Welt gehört mir und ich verdiene kein Geld damit.

Zusammenfassung: Harry Potter muß führen, aber Harry wird geführt; doch eine Prophezeiung – eine echte – kann nicht erzwungen werden. Sie wird einen Weg finden wahr zu werden. Was bedeutet es für die Zaubererwelt, daß Harry nicht Harry Potter ist und es seit der schicksalshaften Nacht an Halloween niemals gewesen war?

Kategorie: Drama


Prolog – Traurige Pflicht

Der alte Mann am Bahnhof von King's Cross kam aus einem kleinen Dorf, vier Stunden Fahrt mit dem Zug. Er mochte die großen Städte voll ständigem Lärm und hektischer Menschen nicht. Doch seine Enkelin, die kleine Amanda, feierte heute ihren elften Geburtstag; und es war eh lange her seit er nach London gekommen war, um seine einzige Tochter zu besuchen. Sie hatte ihn vom Bahnhof abholen wollen, aber jetzt betete er, daß sie nicht gekommen war, und hoffte, daß sein süßer Engel sich nicht ihre Party ruinieren lassen würde, wenn ihr Großvater ein bißchen später kam, um ihr die Geschenke zu bringen.

Als die erste Explosion durch die Luft hallte, die umgebenden Gebäude in ihren Grundfesten erschütterte und Paul Higgins schmerzhaft zu Boden warfen, war er noch immer einen ganzen Block vom Zentrum der Zerstörung entfernt. Jetzt stemmte er sich stöhnend auf ein Knie auf, den kupfernen, süßen Geschmack von Blut in seinem Mund. Er wußte nicht was geschah, aber er fühlte sich definitiv zu ald für solche Dinge und irgendwie losgelöst von allem, denn er konnte kaum glauben, daß es real war.

Paul Higgins kniff seine Augen zusammen. Alles was er noch hinter den zersprungenen Gläsern seiner Brille erkennen konnte, war eine fragmentierte Welt des Chaos, versteckt in einer schwebenden Wolke aus Staub. Niemals in seinem Leben hätte er gedacht solche Dinge wiederzusehen, nachdem der verdammte Krieg endlich vor über vierzig Jahren geendet hatte. Menschen rannten voller Angst links und rechts ziellos an ihm vorbei, wollten den Ort fliehen, von dem mehr Explosionen und Schreie kamen. Andere Menschen saßen weinend am Boden oder lagen tot neben den Weinenden. Erwachsene zogen kreischende Kinder hinter sich her, versuchten sich in Sicherheit zu bringen, ihre Augen weit vor Angst, die Kleidung blutig und in Fetzen an ihren Körpern. Es konnte nicht wirklich sein, nicht hier in London, mitten in der Stadt.

Das alptraumhafte Gefühl wuchs. Vielleicht war es weil seine Ohren noch immer von der Explosion widerhallten. Er mußte sich anstrengen mehr zu hören als das lauteste Flehen nach Hilfe, die verzweifeltsten Schreie der Verwundeten und Trauernden und das beunruhigende Geräusch von dem er glaubte das es Gewehrfeuer war.

Blinzelnd beobachtete Paul Higgins, als ein weiterer dieser merkwürdig gekleideten Leute in seine Sichtlinie trat. Vielleicht waren es dieser Männer die alles so unwirklich erscheinen ließen, diese Männer und ihre eigenartigen grünen Blitzlichter die hier und da aufflammten wo immer sie hingingen und einen anderen Körper vor ihren Füßen zusammensacken ließ. Sie waren die einzigen die sich bewegten, als würden sie einen Spaziergang im Park machen.

Dann trat ein Junge einigermaßen behutsam um einen dieser Fremden herum, nahm einen großen Schritt über einen gefallenen Körper hinweg und entdeckte den alten, in beobachtenden Paul Higgins.

Der Junge sollte nicht hier sein, aber gekleidet in zerrissenen, schmutzigen Jeans und T-Shirt zog er nicht mehr Aufmerksamkeit auf sich als jeder andere auch. Er bewegte sich entschlossen direkt auf den dümmlich starrenden Muggel zu, mit einem Selbstvertrauen, das verboten sein sollte. Selbst in seinen zerfetzten Sachen war er von einer Aura der Arroganz umgeben, als wären seine dunklen Locken nicht mit Ruß und Staub bedeckt. Es schien ihn nicht merkenswert zu stören, daß er blutige Fußabdrücke hinter sich zurückließ.

„Sind Sie in Ordnung, Mister?" Der Arm des Jungen stahl sich nachdrücklich aber vorsichtig um seine bebenden Schultern und führte ihn weg von den Menschenmassen. Der Junge wollte keine Zeugen haben, aber er wollte dazugehören. Er fühlte, daß die Zeit reif war zu tun wozu er geboren war.

„Was ist passiert?" Die Stimme des Muggels war heiser und er wurde beinahe taub so laut sprach er. Glücklicherweise war der Mann den er sich ausgewählt hatte der einzige, der nicht wild schrie. Der Junge lächelte und tätschelte beruhigend seine Schulter.

„Alles wird gut werden, Sir," sagte er ein bißchen lauter. „Sie sagen das es eine Gasexplosion gewesen ist, die ein paar Häuser dort drüben zerstört hat."

Der Muggel folgte dem Weg den der freundliche Junge ihn führte und kämpfte nicht gegen die hilfreichen Hände, die ihn weiterzogen. Es war richtig, daß er ihn zur Seite nahm, damit ein alter Kerl wie er nicht im Weg der Rettungsmannschaften stand, wenn Feuerwehr und Polizei ankamen. Warme braune Augen musterten ihn besorgt, ein leichtes Lächeln zuckte an seinen Lippen.

Paul Higgins hörte nicht die geflüsterten Worte des Zaubers, aber er sah wie sich das Licht auf ihn zu bewegte. Es war nicht grün, aber im Hinterkopf wußte er, daß er einen Fehler gemacht hatte und das er, letztendlich, zu Boden gehen würde, wie die anderen Leute vor ihm.

Ein junger Polizist fand Paul Higgins Körper einige Stunden später in derselben Straße in die der Junge ihn geführt hatte. Versteckt hinter einem Müllkontainer und mit alten Zeitungen und Kartons bedeckt, lag die Leiche in einer rasch trocknenden Blutlache.

Mit zusammengekniffenen Augen sah sich der junge Wachmann um. Vielleicht hatte sich der alte Mann selbst versteckt nachdem die Hölle in London losgebrochen war. Er wäre zu Tode geblutet, wenn seine Verletzungen schwer genug waren. Ein Portemonnaie lag nur wenige Schritte entfernt von ihm. Sollte es die des alten Mannes sein, dann hatte ihn wohl jemand in seinem Versteck gefunden. Der junge Mann seufzte. Die Straßenkids waren nie weit weg wenn sie etwas fanden das ihre Zeit wert war. In einem Chaos wie diesem würde man sie niemals finden. Armer alter Kerl. Das war ein Gemetzel gewesen.

Er schluckte die Galle, die in seiner Kehle aufstieg und zog sein Funkgerät hinaus, um seinen Kollegen Bescheid zu geben ... und fand sich plötzlich in einem anderen Teil der Straße, für einen Augenblick verwirrt. Dann tat er wozu er geschickt worden war und half noch mehr Begrenzungen zu errichten, um die neugierigen Schaulustigen und verzweifelten Anwohner davon abzuhalten, sich den zerstörten Gebäuden zu nähern. Eine Gasexplosion war keine Sache, die man leichtfertig behandeln sollte.

Zur selben Zeit ging die erste Sonderausgabe des Tagespropheten in den Verkauf und ein Schrei der Verzweifelung, genauso laut wie die Explosion mehrerer Gastanks von der die Muggel ausnahmslos überzeugt waren gehört zu haben, rang durch die gesamte Zaubererwelt.

Es war später Abend als der alte Zauberer sich mit einer Tasse Tee und einem Beutel voll Limonendrops in seinem Büro zurücklehnte. Er bezahlte die rasende Posteule auf seinem Schreibtisch mit einem besorgten Blick. Dann rollte er, eine belanglose Melodie vor sich hin summend, das Pergament aus; der prachtvolle Vogel an seiner Seite putzte sich die Federn. Albus Dumbledore las den Artikel, der die Hoffnungen tausender begrub und die Zukunft unzähliger anderer unwiderruflich ändern würde.

Der Junge-Der-Überlebte – Verschwunden

Von I. Emma Bug

Es ist unsere traurige Pflicht Sie zu informieren, daß Harry Potter, der einzige Zauberer der jemals den Todesfluch überlebte, seit diesem Nachmittag spurlos verschwunden ist. Er war auf dem Weg zum Haus seiner letzten lebenden Verwandten, wo er seine Ferien schwer bewacht und beschützt von Du-Weißt-Schon-Wem verbringen sollte, als er von unbekannten Kräften aus dem Hinterhalt überfallen wurde.

Die Attacke auf Harry Potter ereignete sich innerhalb Londons, nur wenige hundert Meter vom Bahnhof King's Cross entfernt. Berichte mehrerer Augenzeugen bestätigen, daß Dutzende in schwarze Roben und weiße Masken gehüllte Zauberer und Hexen (das bekannte Erkennungsmerkmal für Du-Weißt-Schon-Wems Anhängern) plötzlich in das dicht bevölkerte Gebiet innerhalb Muggel-Londons apparierten.

Inoffiziellen Kommentaren verschiedener Mitglieder der zuständigen Behörde wird davon ausgegangen das Du-Weißt-Schon-Wer selbst den Angriff führte, um den Jungen-Der-Überlebte in seine Gewalt zu bringen.

Die Anzahl der Toten übersteigt die hundert, jede Minute werden weitere entdeckt. Die meisten der Opfer sind Muggel. Unter den identifizierten Toten ist auch Vernon Dursley, Harry Potters Onkel. Harry Potters Tante und sein Cousin, beide ebenfalls Muggel, sind zu ihrer eigenen Sicherheit in Gewahrsam genommen worden. Um ihr Leben zu schützen wissen nur einige wenige ausgewählte Auroren wo sie sich versteckt halten, denn es besteht kein Zweifel, daß die Anhänger von Du-Weißt-Schon-Wem oder Du-Weißt-Schon-Wer selbst einmal mehr versuchen werden die einzig lebende Familie von Harry Potter zu töten.

Eine extra abgestellte Sondereinheit von Auroren hat die Aufgabe zukünftiger Nachforschungen übernommen, um das Verbleiben des fünfzehnjährigen Harry Potter, dem Jungen-Der-Überlebte und dessen Schicksal noch immer ungeklärt ist, aufzudecken.

Der Minister, Cornelius Fudge, ist zur Zeit unerreichbar für die Öffentlichkeit. Auf unsere Frage was getan wird, um die Sicherheit der Zaubererwelt zu garantieren, jetzt wo der Junge-Der-Überlebte sehr wohl für immer von uns gegangen sein kann, war kein Mitglied des Ministeriums für Zauberei willens oder fähig zu einer Stellungnahme.

In seiner gewaltigen Badewanne im Westflügel des Jahrhunderte alten Wunders der Zaubererarchitektur lehnte sich der einzige Sohn des Hausherren, und Erbe des Malfoy-Landgutes, genüßlich zurück, ein bösartiges Lächeln auf seinem normalerweise unbewegten, aristokratischen Gesichts. Die ungewöhnliche Farbe in seinen Wangen kam nicht nur vom heißen Wasser, in dem er aufweichte bis Ruß und Schmutz von seiner weichen, weißen Haut abperlten. Er glühte vor Zufriedenheit und er versuchte nicht, es zu verstecken. Niemand war hier um den kalten Glanz in seinen Augen zu beobachten, der sich verzehnfachte als er die letzte Ausgabe des Tagespropheten in den Händen hielt. Sein Blick war gefangen von den Bilder voller Zerstörung und Blut und wieder genoß er was heute vollbracht worden war. Es war ein großartiger Tag gewesen und falls es noch besser wurde, war Harry Potter hoffentlich endlich tot. Mit einem breiten Grinsen auf seinem Gesicht tauchte Draco Malfoy unter, glücklich mit dem Schicksal und der Welt an sich. Sein Gelächter war leise, aber außnahmsweise war es ehrlich, als er sich versuchte vorzustellen wie sich der verdammte Narr von einem Gryffindor gerade fühlen mußte – falls er überhaupt noch etwas fühlte.

Der Junge der überall als der Junge-Der-Überlebte bekannt war, hatte einen starken Willen, aber einen Verstand der anfällig für Attacken war. Er war nicht tot, noch nicht jedenfalls, obwohl er zu wünschen begann, daß er es wäre. Das nächste große Abenteuer zu beginnen (wie sein Direktor vorzog das Unausweichliche zu nennen) konnte nicht schlimmer sein als das was er gerade durchmachte.

Er hatte nicht viele Todesser gesehen, aber die wenigen die er durch seinen fast zugeschwollenen Augen erkennen konnte, waren schlimm genug. Harry wußte nicht, welche Finger er noch bewegen konnte, nachdem mehr als ein Stiefel auf sie gestampft war. Es fühlte sich an, als hielte er seine Hände in offenes Feuer. Er würde sich zusammengerollt haben, um etwas Wärme zu bekommen, hätte das nicht den stechenden Schmerz in seiner Brust zurückgebracht. Jeder Atemzug tat höllisch weh und seine Narbe hatte seit King's Cross nicht zu bluten aufgehört, nicht einmal spürte er auch nur das kleinste Anzeichen von Erleichterung. Er fühlte sich, als stünde Voldemort die ganze Zeit direkt neben ihm, ihn berührend, ein quälender Schmerz, der mit unnatürlicher Macht durch seinen ganzen Körper pulsierte.

Viel schlimmer als die physische Tortur sein konnte, war das Spiel das Voldemort spielte. Harry zitterte wenn er darüber nachdachte. Die Ewigkeit in seinem eigenen Verstand eingesperrt zu sein, ohne irgendetwas zu sehen, ohne die Fähigkeit zu hören, zu riechen oder schmecken. Nichts würde ihm bleiben bis auf das Wissen das es, irgendwo, gerade außerhalb seiner Reichweite, ein Leben gab, in dem Leute Emotionen fühlten und die Welt durch ihre eigenen Augen sahen. Bis in alle Ewigkeit würde Harry im Nichts kriechen, sich ständig bewußt, daß er einmal dazu fähig gewesen war zu weinen und zu lachen.

Es schien als wäre ihm sein Glück letztlich davongelaufen. Harry seufzte erleichtert, als sich die Schwärze auf ihn niedersenkte. Hoffentlich würde sie ihn zum nächsten großen Abenteuer begleiten, bevor seine Peiniger zurückkamen, oder schlimmer – bevor Voldemort seines Spiels überdrüssig wurde und beendete was er so viele Jahre zuvor begonnen hatte.