Wenn die Maus zum Löwen wird

Autor: Loki Slytherin

Genre: General / Romance

Rating: T; später wahrscheinlich M

Pairing: NL; mehr wird noch nicht verraten

Inhalt: Das mögliche Geschehen nach Albus Dumbledores Tod, aus der Sicht von Neville Longbottom.

Alles, was euch bekannt vorkommt, gehört J.K. Rowling. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld.

Dank an meine Betas Mariacharly und Loony Moon und Ewjena fürs überlesen.

Diesmal werde ich nicht so häufig updaten können, ich hoffe Ihr bleibt der Story trotzdem treu.

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

1. Ein schwarzer Tag

Tränen standen in seinen braunen Augen, als der junge Zauberer aus dem prächtigen Steinkamin stieg. Die alte Hexe neben ihm klopfte sich den Staub von ihrem edlen Reiseumhang bevor sie das Kleidungsstück und ihren auffälligen Hut dem Hauselfen übergab, der geduldig wartete. Sein Blick wirkte trotz der Tränen starr, fast leblos, als der junge Zauberer seinen Umhang ebenfalls von den Schultern zog. Der Hauself legte sich die Kleidungsstücke über den Arm und verschwand.

Professor Dumbledore war tot, er konnte es immer noch nicht fassen. Und Snape war sein Mörder, das erste Mal in seinem Leben verspürte Neville einen solchen Hass gegen seinen ehemaligen Lehrer, dass er die Furcht vor ihm vergaß.

„Ich gehe nach oben in mein Zimmer", sagte er kurz und war, ohne eine Antwort abzuwarten, schon einige Stufen hinauf gegangen.

Oben trat er in sein Zimmer … das Zimmer eines geborenen Verlierers. Welcher andere fast Volljährige hatte solch ein langweiliges Zimmer? In der Mitte stand ein großes Himmelbett aus dunklem Edelholz, mit schweren Brokatvorhängen und Spitzenbettwäsche. Ein Sideboard aus demselben Holz stand an der Wand neben dem raumhohen Fenster, darauf stand ein großes Bassin. Der klobige Kleiderschrank beherrschte die Wand gegenüber dem Kamin, der genauso sauber und reich verziert war wie der in der Halle.

Keine Bilder von hübschen Hexen oder Quittichmannschaften hingen an den Wänden. Nein, die einzigen Bilder in seinem Zimmer abgesehen von dem Gemälde einer Ruine im Schneesturm standen auf dem Kaminsims. Von links winkten seine Eltern, von rechts unterhielt sich eine junge Hexe mit einer Freundin … der Liebe seines Lebens. Doch davon wusste sie nichts, und er würde es ihr bestimmt nicht sagen. Es wäre auch sinnlos, sie stand auf den Helden, nicht auf ihn. Welches normale Mädchen würde auch auf ihn stehen?

Mit einem lauten Plopp erschien der alte Hauself Torby neben ihm, und seine Stimme überschlug sich beinahe.

„Master Neville, schnell, die Lady … die Lady Augusta, sie liegt ihm Salon …am Boden, schnell!"

Neville Longbottom stürmte los. Das Türblatt schlug krachend gegen die Wand, doch er rannte weiter den Flur entlang. Zum Glück hatte er in den letzten Jahren etwas abgenommen, so kam er nicht mehr ganz so schnell außer Atem. Auf der großen Treppe stolperte er mehr, als dass er ging, doch das störte ihn nicht.

Im Salon angekommen blieb ihm beinahe das Herz stehen. Seine Großmutter lag auf dem Rücken, mitten auf dem dicken Perserteppich; ihre Lippen waren bläulich verfärbt und sie rang stoßweise nach Atem.

„Großmutter! Großmutter?"

Doch die alte Dame reagierte nicht.

Neville rannte zum Kamin in der Halle, warf eine Hand voll Flohpulver hinein und rief: „St. Mungos Notfallstation!"

Er steckte seinen Kopf in die Flammen und teilte dem Heiler dort mit: „Bitte kommen Sie schnell. Meiner Großmutter geht es nicht gut, ihre Lippen sind ganz blau und sie kann kaum atmen. Kommen Sie schnell zur Familie Longbottom, Empfangshalle des House of seven Ways, Wiltshire."

Kaum hatte er seinen Kopf zurückgezogen, flammte das Feuer erneut grün auf und zwei Heiler traten heraus. Der kleine Dicke hatte einen kleinen Holzkoffer dabei und der große, kräftige eine Trage. Beide trugen die typischen cremefarbenen Krankenhausroben.

„Folgen Sie mir bitte." Neville eilte gefolgt von den beiden Zauberern in den Salon.

Sofort begannen die Heiler sich um die alte Frau zu kümmern. In dem Köfferchen des Kleineren waren allerhand Tränke, doch er fuhr zunächst mit dem Zauberstab über die Brust der alten Dame und murmelte Zaubersprüche. Torby der Hauself stand fassungslos in der Ecke und kämpfte wimmernd gegen seine Tränen. Torbys Sohn Moory und dessen Frau Wicky stützten den alten Elfen.

Neville stand nur bewegungslos da und starrte auf seine Großmutter, bis einer der Heiler auf ihn zutrat und ihn vorsichtig am Arm berührte.

„Es tut mir sehr Leid, Mister Longbottom, aber wir können nichts mehr für ihre Großmutter tun." Nevilles Atmung drohte endgültig auszusetzen. „Hatte sie besonderen Stress oder Kummer?"

Neville nickte, denn er wusste, wie nahe ihr der Tod Dumbledores gegangen war. Seine Großmutter und der Schulleiter waren eng befreundet gewesen.

„Ihr Herz hat der Belastung nicht standgehalten. Es tut mir wirklich sehr leid. Wir geben im Ministerium Bescheid; Sie sind nicht volljährig, oder?"

„Nein", antwortete Neville leise.

„Können Sie sich um die Beerdigung kümmern?", fragte der Heiler freundlich, während er gemeinsam mit seinem Kollegen den Leichnam der alte Hexe in ein seltsam funkelndes Laken gewickelt auf das Sofa gelegt hatte.

„Ich … ich … weiß nicht …", stammelte Neville.

„Wir schicken ihnen jemanden vom Ministerium vorbei. Derjenige wird auch gleich das Testament ihrer Großmutter eröffnen, das ist so Brauch. Herzliches Beileid, Mister Longbottom", sagte der kleine Heiler und die beiden Zauberer verschwanden.

Fassungslos stand Neville nun im Salon, neben seiner toten Großmutter und den drei heulenden Hauselfen, unfähig sich zu bewegen. In seinem Hirn donnerte eine grausame Stimme welche die Worte ‚sie ist tot und du bist allein, sie ist tot und du bist allein…' ständig wiederholte. Doch das konnte nicht sein, seine Gran war immer da gewesen, sie konnte nicht einfach weg sein.

Genauso standen die Vier eine halbe Stunde später immer noch da, als eine krächzende Stimme in der Halle ertönte. „Mr. Longbottom? Neville Longbottom?"

Neville erwachte aus seiner Starre „Ja, hier im Salon", reif er und ging zur Tür um zu sehen, wer gekommen war. Ein kleiner, dünner Zauberer war im Kamin erschien und schritt dann energisch durch die Eingangshalle.

Der grauhaarige Zauberer schüttelte Neville die Hand und sagte: „Mein Name ist Donald Dobkin, ich bin Advokat im Ministerium. Ihre Großmutter hat ein Testament gemacht", er wedelte mit einem Pergament in der Luft umher, „und wir müssen nur noch warten, bis die Andere in diesem letzten Willen benannte anwesend ist."

Grüne Flammen im Kamin kündigten, wie angesprochen, erneut einen Besucher an. Eine kleine, rundliche Hexe mit kohlrabenschwarzem Haar und blaugrünen Augen stieg aus dem Kamin. Sie warf ihre Tasche auf den Boden, rannte durch die Halle und umarmte Neville, der die Umarmung schluchzend erwiderte.

„Ah, Miss McDonough, schön, dass Sie so schnell kommen konnten. Wo können wir das Testament besprechen?", fragte Mister Dobkin geschäftig.

Die Hexe löste sich zögernd aus der Umarmung. „Wir könnten in die Bibliothek gehen, bevor der Herr Advokat noch ungeduldiger wird", antwortete sie im besten Aurorenton.

Der Zauberer räusperte sich beleidigt und folgte dann Neville, der sich wie in Trance bewegte, in den Raum, in dem die Bücherregale bis unter die Decke reichten. Der Anwalt setzte sich an einen mit Intarsien verzierten Tisch und holte seine Unterlagen heraus. Neville setzte sich auf einen der alten Ledersessel und die Hexe zog sich einen weiteren Sessel hinzu.

„So, dann beginnen wir mit der Testamentseröffnung. Sie sind noch nicht volljährig, nehme ich an, Mister Longbottom?" Neville schüttelte den Kopf. „Gut, dann tritt dieses Testament in Kraft. Sie sind wie mir gesagt wurde mit dem Inhalt vertraut, Miss Donough?" Dorothy nickte und der Mann breitete eines der Pergamente aus. „Bis zum siebzehnten Geburtstag des Mister Neville Longbottom verwaltet dessen Cousine Miss Dorothy McDonough, geboren am sechsten November des Jahres Neunzehnhundertsiebzig, der Verstorbenen persönlich bekannt und vertraut, das Vermögen und das Anwesen. Danach werden die Ländereien und das Vermögen an Mister Longbottom übergehen, allerdings wird Miss McDonough bis zum einundzwanzigsten Geburtstag von Herrn Longbottom hier im Hause wohnen und einen monatlichen Obolus erhalten. Sind alle Beteiligten einverstanden?"

Neville nickte erneut mechanisch und auch die Hexe nickte zustimmend. Der grauhaarige Zauberer schob die Pergamente über den Tisch und legte eine Feder dazu.

„Dann unterzeichenen sie bitte hier." Neville und Dorothy unterschrieben und der Ministeriumszauberer zeichnete gegen. Dann duplizierte er das Pergament, packte seine Papiere wieder ein und verabschiedete sich.

„Mein herzliches Beileid nochmals, Mister Longbottom, Miss McDonough." Mit diesen Worten ging der kleine gauhaarige Mann mit dem nachtblauen Umhang in die Halle und die beiden hörten, wie er 'Zaubereiministerium' rief, als er den Kamin betrat.

„Der hatte es ja eilig … Advokatenpack", zischte die Hexe und sah dem Zauberer von der Tür zur Bibliothek aus missbilligend nach.

Doch Neville saß immer noch verloren auf seinem Sessel und war weder im Stande etwas zu tun noch etwas zu denken. Dorothy ging neben dem Sessel in die Hocke und legte ihre Arme um Neville. Dieser lehnte sich schluchzend an sie.

„Ich kann es nicht fassen, dass Gran tot ist." Seine Stimme drohte zu versagen. „Wir waren eben noch auf Dumbledores Beerdigung und sie war in Ordnung und jetzt … jetzt ist sie tot. Sie kann doch nicht einfach so gehen."

Die Hexe hielt den jungen Zauberer eine Weile fest, dann sagte sie sanft: „Ist schon gut Neville, manchmal ist das Leben so unfair. Da kann man nichts machen. - Wo kann ich denn eigentlich meine Sachen hinbringen? Ich habe schnell das Wichtigste gepackt. Den Rest kann ich später holen."

Sanft streichelte sie ihm durch die Haare und küsste ihn auf die Stirn. Neville sah sie an und ein zögerliches Lächeln zeigte sich auf seinen Lippen. Dorothy sah seiner Mutter Alice ähnlicher als ihrer eigenen. Nur die Haarfarbe hatte sie von ihrer Mutter Meggie und die stechend hellen Augen von ihrem Vater Connor McDonough.

„Nimm' die beiden Turmzimmer, Doro, sie sind besonders schön." Die Hexe lächelte und küsste Neville erneut auf die Stirn.

„Du bist lieb, ich bin gleich wieder da. Was hältst du davon, wenn wir, sobald ich herunter komme, eine Tasse Tee miteinander trinken?"

Neville sah sie dankbar an und ging dann, mit hängenden Schultern, in die Küche. Die ganze Welt schien über ihm zusammen zu brechen. Er wollte, nein, er konnte es noch immer nicht fassen.

Wicky hatte gerade den Tee und etwas Gebäck serviert, als Doro, nun in eine dunkelviolette Robe gekleidet, eintrat und sich zu Neville an den Tisch setzte.

„Hier bist du, Neville, ich habe dich schon gesucht."

„Ich weiß, unter normalen Umständen nimmt man den Tee im Salon, doch dort … dort …" Neville schluckte hart.

„Ich dachte auch eher an die Bibliothek." Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen.

„Oh, da … daran habe ich nicht … gedacht …", stotterte Neville.

„Es ist doch nicht schlimm, ich habe die ganze Zeit in einer EIn-Zimmer-Wohnung in London gewohnt. Da gab es keinen Salon und keine Bibliothek. Es macht mir also nichts aus in der Küche zu sitzen."

„Gran hätte nie zugelassen, dass ein Gast in der Küche sitzt. Selbst sie ist … ähm war nur hier, wenn es etwas mit den Hauselfen zu besprechen gab."

„Ja, sie war sehr traditionell in solchen Sachen", stimmte Doro zu.

„Ich will dir noch die Hauselfen vorstellen. Torby, Moory, Wicky kommt bitte kurz einmal her."

Die drei Hauselfen erschienen. Der alte Torby schien sich immer noch nicht beruhigt zu haben. Lautstark schniefte er und schnäuzte sich in ein altes Taschentuch, als Neville ihn ansprach: „Dies hier ist Miss Dorothy, sie wird jetzt hier wohnen und bis zu meinem Geburtstag ist sie die Herrin hier. Ich hoffe, ihr wisst was ihr zu tun habt."

„Natürlich, Master Neville, wir werden Miss Dorothy gerne dienen", antwortete Moory und verbeugte sich. Ploppend verschwanden die drei Elfen wieder.

„Weißt du, wo sie die Adressen der Familie und der Freunde aufbewahrt? Meinen Teil der Familie kenne ich ja, doch den Rest - ich werde Eulen losschicken müssen und alles vorbereiten."

„Am Besten, du schaust in dem Schreibpult in ihrem Zimmer nach. Doch ich … ich will da nicht hin. Ich kann ihr Zimmer nicht betreten, es geht einfach nicht." Dicke Tränen rannen seine Wangen hinab.

„Warum gehst du nicht hoch in dein Zimmer? Entspanne dich und versuche zu schlafen. Wir sehen uns morgen früh wieder. Du musst dich um nichts kümmern, ich mache das schon. Der Tod meiner Eltern ist ja noch nicht so lange her, da habe ich ja noch Übung drin." Ihre Zähne knirschten aufeinander. Neville wusste, dass Doro über die Umstände, die zum Tode ihrer Eltern führte, nicht redete. Seine Gran hatte ihm nur erzählt, dass es einen Streit gab bei dem beide zu Tode kamen. Und Doro hatte alles mit angesehen.

Neville stand auf und umarmte noch einmal die auf dem Stuhl sitzende Hexe. „Schön, dass du da bist, Doro."

„Warte, Neville, falls du gar nicht einschlafen kannst, nimm etwas von dem hier." Sie drückte ihm eine Phiole mit einer violetten Flüssigkeit in die Hand. „Das ist nur ein starker Schlaftrank."

„Danke", sagte Neville leise, ging nach oben und stellte das Fläschchen auf das Nachtkästchen, zog seinen Pyjama an und machte sich bettfertig. Eine kleine Ewigkeit nachdem er das Licht gelöscht hatte lag er immer noch auf dem Rücken in seinem Bett und starrte in die Dunkelheit. Schließlich tastete er nach seinem Zauberstab.

„Lumos", seufze er und griff mit der freien Hand nach der Phiole. Die süße, zähe Flüssigkeit rann seinen Hals hinunter. Er stellte das leere Gefäß wieder zurück und murmelte: „Nox"

Nach kurzer Zeit breitete sich ein wohliges, müdes Gefühl in ihm aus und er dämmerte sanft in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

- tbc -

Übrigens bin ich immer noch Reviewsüchtig! 'gg'