Es war ein stürmischer Abend. Der Regen prasselte unaufhörlich gegen die Fenster. Ein sehr ungemütliches Wetter, wenn man bedachte, dass es Anfang August war. Dieser Meinung war auch James Potter. James und sein bester Freund Sirius Black lagen auf seinem Bett und lasen gelangweilt ein paar Quidditch-Magazine. Vier Wochen hatten sie jetzt schon ihre „wohlverdienten" Sommerferien, wie Sirius es immer wieder betonte. Doch zeigte das Wetter kein Erbarmen mit den beiden unternehmungslustigen Jugendlichen. Allzu gerne wären die beiden Schwarzhaarigen raus gegangen um eine Runde auf ihren Besen zu drehen. Aber das konnte man bei solchen Wetterbedingungen echt vergessen.

Ein lautes Gähnen ließ James aus seinen Gedanken hochschrecken. Sirius hatte seine Zeitschrift weggelegt um sich genüsslich zu strecken. „Na, wie wäre es Prongs, wenn wir deiner Mum einen kleinen Besuch in der Küche abstatten würden?" Wegen dem schlechten Wetter waren faulenzen und essen zu ihren Lieblingsbeschäftigungen geworden. Rose Potter, James Mutter freute sich immer darüber, wenn sie ihre zwei „kleinen" Lieblinge verwöhnen durfte. „Ja, keine schlechte Idee Padfoot", sagte James während er sich ebenfalls ausgiebig streckte. Sie verließen das Zimmer und gingen in Richtung Küche. Das Haus der Potters war sehr groß und geräumig. Normalerweise war es wegen der vielen Fenster sehr hell und freundlich. Aber, aufgrund des Unwetters, hatten sich die Kerzen auf den Fluren heute schon sehr früh entzündet. In anderen Häusern, so war sich James sicher, wäre es unheimlich gewesen. Doch hier, in dem Haus in dem er groß geworden war, trugen die Kerzen nur noch mehr zu der heimeligen Stimmung bei. Er war nun 16 Jahre alt. Zwei Jahre Hogwards lagen noch vor ihm. Aber was dann? Er wusste noch nicht, was er nach der Schule machen wollte. Sicher, es war langsam Zeit sich mal darüber Gedanken zu machen, doch durch das Erstarken der dunklen Mächte durch Lord Voldemord, wünschte sich James, er könnte für immer im sicheren Hogwards bleiben. Denn es war überall bekannt, dass Albus Dumbledore, der Schulleiter von Hogwards, der einzige war vor dem der dunkle Lord sich fürchtete. James war wirklich kein Feigling, schließlich war er ein Griffindor. Doch selbst die mutigsten fürchteten sich vor Lord Voldemord und seinen grausamen Anhängern, die sich Todesser nannten.

Die beiden waren in der Küche angekommen. Dort fiel ihr Blick auf eine jugendlich wirkende Frau . Sie hatte langes blondes Haar, was ihr in zarten Locken über den Rücken fiel. Ihre braunen Augen, die sie auch James vererbt hatte, blitzten vor Vergnügen, als sie ihre zwei „Jungs" erblickte. „ Na, meine Lieben. Schon wieder hungrig?", fragte sie die beiden mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen. Sirius und James nickten einstimmig. „Da habt ihr aber Glück, dass ich gerade einen Haufen Kekse gebacken habe. Haut rein!" Das ließen sich die beiden nicht zweimal sagen und griffen sich jeweils einen Keks. Plötzlich stieg ein Mann aus dem Kamin. Er musste ungefähr Mitte 40 sein. Er war relativ groß und hatte einen durchtrainierten Körper, was sehr vorteilhaft für einen Auroren war, denn dieser Mann war James Vater Samuel Potter. „Hallo Schatz. Mit dir habe ich heute aber nicht so früh gerechnet." Rose ging zu ihrem Ehemann und gab ihm einen liebevollen Kuss. Sie merkte, dass irgendwas nicht stimmte. „Was ist los Sam? Hattest du Stress im Ministerium?" Samuel seufzte und strich sich durch sein verwuscheltes pechschwarzes Haar. Rose, die sofort den Ernst der Lage erkannte, bugsierte ihren Ehemann sanft zu einem Stuhl und schenkte ihm Kaffee ein. James und Sirius wollten sich gerade aus der Küche verdrücken, denn wenn es um Ministeriums- Angelegenheiten ging wurden sie meistens vom Gespräch ausgeschlossen, als Samuel sie davon abhielt den Raum zu verlassen. „Nein, bleibt! Euch, beziehungsweise dich betrifft es auch." Dabei zeigte er auf Sirius. Verwundert, aber auch neugierig setzten sich die zwei wieder an den Küchentisch. James schaute verunsichert zu Sirius, der ihm mit einem Schulterzucken zu verstehen gab, dass er selbst keine Ahnung hatte, worum es sich handelte. Gespannt blickten die beiden zu Samuel, der nach einem letzten, tiefen Atemzug anfing zu erzählen.

Samuel apparierte in die Winkelgasse. Die Aurorenabteilung hatte einen Notruf erhalten, dass hier vor wenigen Minuten mehrere Todesser ihr Unwesen trieben. Sehr ungewöhnlich, musste er zugeben. Sicher waren die Anhänger Voldemords nie sehr vorsichtig gewesen, aber am helllichten Tage auf offener Straße für Unruhe zu sorgen, war selbst für Todesser sehr gewagt. Es schien fast so, als ob sie gar nicht darüber nachgedacht hätten, was diese Unüberlegtheit für Folgen für sie haben könnte, Auf jeden Fall war Samuel sich sicher, dass nicht Voldemord den Angriff geplant hatte. Eher einer seiner Günstlinge. Neben Samuel waren weitere Auroren appariert. Das Team bestand zum größten Teil aus frisch ausgebildeten Zauberern und Hexen. Aber auch ein paar ältere und erfahrene Auroren waren mit von der Partie. Sie ließen ihre Blicke schweifen, um nach den Übeltätern, der soeben erblickten Verwüstung zu suchen.

Es dauerte nicht lange, da hatten die Auroren die Todesser am Ende der Straße entdeckt. „Sie scheinen irgendwas einzukreisen, aber was?", fragte ein junger Zauberer mit scharfem Blick. „Die Frage heißt wohl eher aber wen?", knurrte Alastor Moody. „Okay, wir haben jetzt keine Zeit zum diskutieren. Ihr wisst alle was ihr zu tun habt. Ich werde mich um den Schutz der Person kümmern", schloss Samuel und ließ so keinen Platz für weitere Diskussionen. Auf sein Zeichen apparierte die Gruppe, um nur wenige Sekunde später inmitten der Todesser wieder aufzutauchen. Es dauerte ungefähr drei Sekunden bis die überraschten Todesser reagierten und die Auroren mit Flüchen beschossen. Samuel fiel es relativ leicht den Flüchen auszuweichen, da durch das jahrelange Training sein Körper für solche Einsätze bestens gerüstet war. Er zog seinen eigenen Zauberstab aus seinem Umhang und rief: „Stupor!" So kämpfte er sich durch die Menge, bis er schließlich bei der am Boden liegenden Gestalt angekommen war. Die Person lag flach auf dem Bauch und hatte die Hände schützend über den Kopf ausgebreitet. Samuel kniete neben der Gestalt nieder und drehte sie vorsichtig um. Er erblickte ein junges Mädchen, das ihn mit vor Angst geweiteten Augen anschaute. „Ganz ruhig Miss", sprach er beruhigend auf sie ein. „Ich bringe sie in Sicherheit". Er blickte an ihrem dunklen Umhang hinab und entdeckte große Blutspuren. Sie war schwer verletzt. Er stand auf und zog das Mädchen vorsichtig mit hoch. Stehen konnte sie gerade noch. In dem Moment, als Samuel gerade mit ihr apparieren wollte, hörte er eine schnarrende Stimme hinter sich. „Das lässt du schön bleiben Potter. Das Mädchen kommt mit uns mit." Samuel drehte sich langsam um und stellte sich schützend vor das zierliche Mädchen. Er kannte diese Stimme und den dazugehörigen Mann zur Genüge. Caleb Malfoy. Er war die rechte Hand Voldemords. Nun stand er vor Samuel und seine kalten, grauen Augen leuchteten aus dem Inneren seiner Maske hervor. „Gib mir das Mädchen." Hinter Samuels Rücken ertönte ein Wimmern. Das junge Mädchen hielt sich an Samuels Umhang fest und flehte ihn an. „Bitte, lassen sie mich nicht mit ihm gehen." Natürlich stand es für Samuel außer Frage, dass er das Mädchen, wenn es sein musste mit seinem Leben beschützen würde. Schließlich war es als Auror seine Pflicht dies zu tun. Allerdings wusste er im Moment noch nicht wirklich wie, da Caleb seinen Zauberstab auf ihn richtete, und sein eigener wieder sicher in seiner Umhangtasche war. Als Samuel immer noch keine Anstalten machte Caleb das Mädchen übergeben, fing dieser leise an von zehn abwärts zu zählen. „5,4,3…ah!" Malfoy flog durch die Luft und wurde schmerzhaft gegen eine Wand geschleudert. Es war Moody. Er hatte sich bis zu Samuel durchgekämpft. Schwerfällig erhob sich Caleb und gab den anderen Todessern ein Zeichen, woraufhin diese apparierten. Malfoy schaute mit hasserfülltem Blick das junge Mädchen an. „Mit dir bin ich noch nicht fertig, Blutsverräterin." Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, war er auch schon disappariert. Samuel atmete auf. Das hätte böse enden können. Er bedankte sich mit einem kurzen Nicken bei seinem Freund und Kollegen Moody.

Auch bei den anderen Auroren schien es keinerlei Verluste zu geben. Nur ein paar Aufschürfungen und Blutergüsse. Plötzlich wurde Samuel bewusst, dass das junge Mädchen nicht mehr hinter ihm stand. Er schaute sich um und sah sie nur ein paar Meter weiter sich über die Straße schleppen. Schnell lief Samuel ihr hinterher. „Warten sie, Miss. Sie brauchen einen Arzt." Sie ignorierte seine Worte und humpelte weiter. „Ich will zu meinem Bruder". Samuel hielt sie am Arm fest und zwang sie ihn anzuschauen. „Bitte Miss. Sie müssen sich verarzten lassen. Dann erst können wir ihre Verwandten informieren." Das Mädchen brach in Tränen aus. „Bitte nicht meine Verwandten. Nur meinen Bruder." Sie konnte sich jetzt kaum noch auf den Beinen halten. Samuel wurde langsam immer besorgter um den Zustand des Mädchens. „Wenn sie mir sagen, wie ihr Bruder heißt, verspreche ich ihnen, dass ich ihn informieren werde." Das Mädchen konnte sich nicht mehr länger auf den Beinen halten und brach zusammen. Kurz bevor sie das Bewusstsein verlor konnte sie Samuel noch den Namen ihres Bruders mitteilen. Sirius Black.