Liebe Leser,

es erwartet euch hier das letzte Hölle-Kapitel.

Es ist ein langes Kapitel geworden, das euch hoffentlich noch einmal viel Spannung bescheren wird.

Doch bevor ihr zu Lesen beginnt, möchte ich die Gelegenheit nutzen, und euch für eure Treue danken!

Ich bedanke mich für die vielen Reviews, das Lob, die Kritik, das Anfeuern, eure Fragen und vieles mehr!

Ich danke für die Mails und PN's, die ich im Zusammenhang mit dieser Geschichte bekommen habe, und für die Rückmeldungen, die mich auf diese Art auch außerhalb der Reviews erreicht haben.

Aber ich danke auch den vielen Lesern, die mir und dieser Geschichte so lange treu waren - über Jahre hinweg! - und die sich bislang noch nie gemeldet haben.

Ich freue mich immer, wenn ich einen Teil der Stats-Zahlen mit dem Namen eines Lesers verbinden kann, und vielleicht meldet sich der ein oder andere dieser anonymen Leser nun zum Abschied.

Für mich ist mit Beenden dieser Geschichte tatsächlich ein Abschied der besonderen Art verbunden, denn ich werde das FF-Schreiben zugunsten meiner eigenen Geschichten und Protagonisten fast gänzlich einstellen.

Es wird Zeit für etwas Neues, und eure Rückmeldungen haben mich bestärkt, den Traum von einer eigenen Veröffentlichung durch einen Verlag in Angriff zu nehmen - aber das ist noch längst nicht spruchreif!

Zudem schrieb ich ja 'fast gänzlich' einstellen - denn ich kenne diese hartnäckigen FF-Plotbunnies inzwischen gut genug, dass ich weiß, dass sie manchmal gnadenlos über mich herfallen und ich werde daher einen Teufel tun, zukünftige One-Shots kategorisch ausschließen zu wollen - ein Projekt in dem Ausmaß wie "Malfoy Island" (Knuddelgruß an Satia), oder "Zweimal Hölle und zurück", wird es von mir jedoch mit Sicherheit nicht mehr geben - wenn man ein diverses Rollenspiel außer acht lässt, dem ich weiterhin gänzlich verfallen sein werde (Nochmal Knuddelgruß an Satia und an Chrissi)

So, nun habe ich euch genug zugetextet, und ich entlasse euch in das letzte Kapitel einer Geschichte, die mich viele Nerven gekostet hat, aber die mir gerade durch ihren kräftezehrenden Charakter natürlich auch sehr ans Herz gewachsen ist.

Alles Liebe für euch!

Kira

74. Kapitel

(Endspiel Teil 2)

Im gleichen Moment, als sie den Raum betrat, erkannte Hermine das Ausmaß, mit dem Deeping seinen Geliebten mit den unwillkommenen Geschenken überhäuft haben musste, und ihr kam der Gedanke, dass es Peter Deepings Art sein musste, sich für die Dinge zu entschuldigen, die er dem Pater immer wieder antat.

So wie ein untreuer Ehemann seiner Frau angeblich Blumen brachte, so brachte Deeping für jeden Betrug am Geliebten Bilder des Grauens, die sein kranker Geist und sein Genie, zum Kunstwerk hatte werden lassen.

Hermine erkannte Frauen die mit verdrehten Augen den Betrachter um Hilfe anflehten, während ihre Körper auf verschiedene Weisen entstellt worden waren. Sie erkannte Männer, deren Leid ihr förmlich entgegen schrie, und die durch ihre massiven Verletzungen doch längst dem Tode geweiht waren.

Eine andere Reihe von Bildern zeigte Menschen, die ihre Geschlechter präsentierten, als seien es Waren, die sie auf einem Markt feilboten. Einige von ihnen waren in einem Liebesspiel vereint, das eher einem Kampf auf Leben und Tod glich.

Sie sah mehrere Bilder, auf denen der Pater dargestellt war, mit entblößtem Unterleib und zufriedener Miene, während mehrere junge Männer vor ihm knieten, bereit, sein Geschlecht tief in ihrem Mund aufzunehmen.

Auf einem dieser Bilder geißelte Deeping selbst den Jungen, der Berenger gerade zu Willen war, wobei der Rücken des Knaben tiefe blutige Wunden aufwies, was er durch klaffende Hautschichten ekelhaft in Szene gesetzt hatte. Hermine fiel auf, dass eine Bibel im Hintergrund abgebildet war, die statt des Kreuzes eine undeutliche Prägung des dunklen Mals trug.

„Ich bin nicht gerne in diesem Raum", sagte Berenger und lockerte seinen Priesterkragen. Hermine hatte sich zu ihm umgewandt und betrachtete ihn ohne ein Anzeichen von Abscheu. Sie wusste, dass ihre wahren Empfindungen im Gegensatz zu ihren Behauptungen gestanden hätten, die Geliebte dieses sadistischen Schweins Deeping zu sein.

„Die Bilder sind phantastisch. Peter ist ein Künstler, dessen Werk nach außen getragen werden sollte, meinen Sie nicht auch, Pater?"

„Ja...vielleicht"; erwiderte Berenger unbehaglich.

Hermine blickte ihn herausfordernd an und sagte: "Wieso plötzlich so zurückhaltend, Pater? Wie ich von Peter weiß, haben Sie selbst eine Menge für diese Dinge übrig, die er auf seinen Bildern darstellt, oder hat er mich diesbezüglich belogen als er von Ihnen schwärmte?"

Abermals trat Schweiß auf die Stirn des Gottesmannes und er schien nach Worten zu suchen.

"Ich tue nur, was ich tun muss! Ich tue, was die göttliche Macht mir aufträgt!"

"Die göttliche Macht? WELCHE göttliche Macht, Pater?"

"Sie begreifen das nicht", erwiderte er kopfschüttelnd, "Sie können nicht begreifen, wenn Sie nicht das sehen, was ICH sah!"

"Und was ist es, das Sie sahen? Zeigen Sie mir, was Ihnen die Wahrheit zeigte, Pater...zeigen Sie mir die göttliche Macht, die Sie wieder und wieder ruft. Zeigen Sie mir das Bild!"

Er machte eine herrische Geste, die den ganzen Raum einnahm: "Aber DAS sind die Bilder...Sie wollten Sie sehen, hier sind sie!"

Hermine blickte sich abermals im Raum um, dann sah sie Berenger an und deutete auf eine Tür, die offensichtlich zu einer Abstellkammer führte. "Ich möchte es sehen, Pater. Öffnen Sie die Tür!"

"NEIN! Nein...dort ist kein Bild von Peter. Sie haben alle Bilder von ihm gesehen!"

"Ich möchte das eine Bild sehen, das NICHT von Peter ist...ich möchte das Bild sehen, das in der Lage ist, SIE zu sich zu rufen...das Bild, das Ihnen die 'göttliche Macht' gezeigt hat."

Hermine ging zu der Tür und drückte die Klinke nieder.

Die Tür öffnete sich leicht, doch Berengers Schrei vermittelte ihr den Eindruck, als habe sie jetzt bereits die Hölle betreten, denn der Gottesmann brüllte, als würde er bei lebendigem Leib verbrennen, und zwischen seinem verzweifelten Gurgeln nach Atem hörte sie ihn keuchen: "Sie... werden niemals...zurückkehren, wenn Sie dort...hineingehen."

Hermine betrat den Raum und betätigte den Lichtschalter, während Berenger vor der Tür zu Boden fiel und seine Glieder wie im Todeskampf zuckten.

Mit einem plötzlichen Knall fiel die Tür hinter ihr ins Schloss und Hermine war gefangen in dem kleinen Raum, in dem das Bild als Tor zur Hölle fast die gesamte Wand einnahm.

oooooooooooooooooooooooooooo

Es war bereits tiefe Nacht und Hermine war immer noch nicht zurückgekehrt.

Severus vergrub seine Hände in den Haaren, während er rastlos im Kerker auf und ab schritt.

Sein Geist war voller Selbstvorwürfe, weil er sich nicht nach ihren Plänen erkundigt hatte, sondern sie sogar gebeten hatte, ihn unwissend zu lassen.

Doch obwohl er sich stumm selbst beschimpfte, wusste er doch, dass dies der einzige Weg gewesen war.

Ihr zu helfen war ihm völlig unmöglich, denn was immer sie vorhatte, die Macht der Bilder hatte ihn nach wie vor eisern im Griff, und eine so extreme Gegenwehr, wie sie von Nöten sein würde, war von seiner Seite aus völlig ausgeschlossen, denn die Gefahr bestand, dass er sich von der dunklen Macht erneut würde überrennen lassen, und Hermine in diesem Falle sogar schaden konnte. Er war nicht derjenige, der die Bilder vernichten konnte...sie war es!

Severus wusste, dass er ihr die bestmögliche Ausbildung mitgegeben hatte, und wenn diese auch ursprünglich dazu gedient hatte, die Lektionen des Bildes zu akzeptieren und willig über sich ergehen zu lassen, so konnte sie jetzt Hermine vielleicht helfen, das Grauen der Bilder durchzustehen.

Sein Geist schrie auf bei dem Gedanken, dass sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit gerade in dieser grausamen Welt aufhielt, von der nicht einmal er wusste, wozu sie fähig war.

Doch das Schlimmste war, dass sie an einem Punkt standen, an dem er nicht wusste, ob sie überhaupt zurückkehren konnte.

Alles in ihm drängte danach, Albus aufzusuchen und durch seine Bilder ebenfalls in die Welt zu gelangen, die ihn rief...die ihn lockte...er konnte es fühlen, mit jedem Gedanken, den er den 'Übergängen zur Hölle' widmete. Sie riefen ihn, und wollten ihn für ihre Zwecke einsetzen, um Hermine zu bekämpfen. Er keuchte vor Schmerz und Anstrengung, die Bilder aus seinem Kopf zu bekommen, doch das Rufen wurde lauter...brüllend...kreischend! Severus presste die Hände an seine Schläfen, seine Finger krümmten sich und schlugen auf die schmerzenden Stellen, um das tosende Locken zum Schweigen zu bringen.

Und dann erhielt er einen Ruf, dem er folgen MUSSTE, ob er wollte, oder nicht.

oooooooooooooooooooooooooooo

Hermine hatte keine Ahnung, wie lange sie durch die karge Landschaft gewandert war, die sie im Inneren des Bildes vorgefunden hatte. Eine weite Ebene erstreckte sich vor ihr und so wie das Meer einem Schiffbrüchigen endlos erscheint, so würde sie, wenn sie den Horizont erreichen könnte, nur weitere wüstenähnliche Endlosigkeit vorfinden.

Sie verspürte weder Durst noch Hunger...es war die Einsamkeit, die ihr zu schaffen machte. Einsamkeit in einer Welt aus nichts.

Es gab keinen Punkt, auf den sie sich zubewegen konnte, kein Ziel und doch versuchte sie in ihrem Kopf an dem festzuhalten, weswegen sie hergekommen war. Aber es wurde schwerer, mit jedem Schritt den sie ging, vergaß sie, wogegen sie hatte kämpfen wollen.

Sie hielt inne und legte die Hände auf ihren Unterleib - sie war nicht alleine! Und sie durfte nicht aufgeben...sie durfte nicht vergessen, weswegen sie hier war!

Die Verbindung zu Nathaniel gab ihr Kraft für die nächsten Schritte...Schritte...sie ging weiter, und nichts anderes konnte sie tun...gehen, ohne zu verzweifeln.

Die Leere war überall, doch Hermine wusste, dass sie selbst nicht leer war, und das trieb sie weiter und weiter.

Als plötzlich Stimmen an ihr Ohr drangen, war es, als würde ihr Kopf wegen des überraschenden Lärms nach dieser endlosen Stille schier explodieren.

Hermine wandte den Blick nach rechts und erkannte in der Ferne Gegenstände die sie nicht identifizieren konnte und sie sah menschliche Umrisse, die sich zwischen diesen Gegenständen bewegten.

Hermine wandte sich in die Richtung, obwohl sie wusste, dass dies nur eine Falle für sie sein konnte, doch die Aussicht, sich auf ein Ziel zubewegen zu können, war zu verlockend, und die Stimmen klangen so fröhlich, dass ihr Herz einen Takt schneller schlug.

Sie näherte sich dem bunten Treiben und stellte fest, dass es Kinder waren, die auf einem Spielplatz herumtobten und mitten in dieser endlosen Weite schien dieser Ort wie eine Oase der Freude zu sein.

Hermine erreichte schließlich den weißen Zaun, der den Spielplatz umgab, öffnete ein Tor und wurde beim Betreten beinahe von zwei Kindern umgerannt, die einander im Spiel jagten.

Sie blickte den Kindern hinterher und sah, wie der Jäger dem Gejagten etwas hinterherwarf. Das voranlaufende Kind stolperte, rollte über den Boden und lachte, als der Verfolger sich mit Gebrüll auf ihn stürzte. Dann griff der Sieger nach einer kleinen Sandschaufel, die ein anderes Kind achtlos hatte liegen lassen und trieb sie seinem Gefangenen in das linke Auge.

Der am Boden liegende Junge lachte immer noch, doch Blut und die gallertartige Masse seines Auges vermischten sich mit dem Sand und kurz darauf erstarb das Lachen und das Kind lag still.

Der Junge, der ihn getötet hatte stand auf, hüpfte ein paar mal in Siegerpose auf und ab und rief: "Wer will jetzt mit mir Fangen spielen?"

Von überall her erklangen Rufe: "Ich!", "Ich!", "Ich!"

Er wählte eines der Kinder aus - ein Mädchen. Das blondgelockte Kind sah auf den toten Jungen, grinste den Mörder an und rief in einem kindlich provozierenden Singsangton: "Mich kriegst du nieeehiiie!", dann begann es zu laufen.

Hermine bemerkte jetzt erst, dass sie selbst so weit zurückgewichen war, dass ihre Beine gegen den niedrigen Zaun stießen.

Sie verfolgte, genau wie die Kinder mit Blicken die Jagd zwischen dem Jungen und dem Mädchen, doch während die Kinder vor Freude und Aufregung wie Flummibälle auf und ab hüpften, spürte Hermine wie das Grauen von ihr Besitz ergriff und sie in eisiger Hand hielt, darauf wartend, dass ihr Herz einfach zu schlagen aufhörte.

Das Mädchen war schnell, doch ein anderes Mädchen, das an einem Klettergerüst lehnte, stellte ihr ein Bein, so dass die Gejagte der Länge nach hinfiel.

In der nächsten Sekunde war der Junge über ihr, reichte ihr die Hand und half ihr auf.

"Du weißt, dass du verloren hast?", fragte er und lächelte sie beinahe entschuldigend an.

Die Gejagte nickte und warf dem Mädchen am Klettergerüst einen bösen Blick zu, dann streckte sie ihr die Zunge heraus, was diese mit einem hämischen Lachen quittierte.

Der Junge stieß das lachende Mädchen zur Seite und sagte: "DU darfst nicht mit mir Fangen spielen, weil du ungerecht bist!", dann ignorierte er das unfaire Mädchen.

Er deutete er auf das Klettergerüst und die Verliererin des 'Spiels' stieg mit ihren blutigen Knien die Sprossen hinauf.

Sie steckte ihren Kopf durch zwei der schmalen Streben und ließ dann die Beine baumeln. Als der Junge ihre Füße packte, um ihr Genick durch einen Ruck nach unten zum Brechen zu bringen, sah Hermine weg, doch das Geräusch zeigte ihr deutlich, dass das Mädchen die Gewalteinwirkung unmöglich überlebt haben konnte.

Als Hermine den Blick wieder zu den Kindern wandte, sah sie, dass das Mädchen, das nicht mehr 'mitspielen' durfte, schmollend im Sand saß, während die anderen sich abermals um das Tötungsspiel bewarben, indem sie wie überfleißige Schulkinder die Arme hochreckten, um den Jungen auf sich aufmerksam zu machen.

Durch das Gekreische drang plötzlich eine sehr ruhige Kinderstimme zu ihr.

"Das Spiel ist blöd. Es tut weh und macht, dass man sterben muss."

Hermine wandte sich um und erkannte einen Jungen, der auf einem hölzernen Pferd saß, das mit einer großen metallischen Feder im Boden verankert war, und das bei jeder Bewegung des Jungen hin und her wippte.

Der Anblick des Kindes traf sie wie ein Schlag, und während hinter ihr ein neues tödliches Spiel losbrach, ging sie zu dem Jungen, kniete nieder und flüsterte: "Nathaniel"

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Severus hielt sich aufrecht, obwohl er nicht hier sein wollte. Er war kurz davor, einen Schrei auszustoßen, doch er wusste, dass er keine Chance hatte. DIES war seine Rolle, und er hatte sie zu erfüllen, egal wie sehr sein Geist auch dagegen anschrie. Denn er hatte keine andere Wahl...keine andere Wahl...die hatte er nie gehabt.

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"Nathaniel", wiederholte Hermine und hätte das Kind am liebsten in die Arme geschlossen, doch der Junge sah sie nur fragend an.

Er hatte kurz innegehalten, nun begann er langsam wieder damit, das hölzerne Pferd in Bewegung zu setzen, indem er sich vor- und zurücklehnte.

Hermine wollte sich nicht von ihrem Sohn abwenden, doch eines der Kinder lief so dicht hinter ihr her, dass ihr Sand gegen das Bein spritzte und sie sich wie von selbst wieder dem Verfolgungsspiel zuwand.

Wiederum war es der Junge, der siegte und das unterlegene Kind ließ sich gehorsam hinrichten. Hermine sah fort, als der Sieger erneut die Schaufel nahm, um wieder und wieder damit auf den anderen Jungen einzuschlagen. Sie wusste, dass sie keine Macht hatte einzugreifen. Es ging hier nicht um die Taten selbst, sondern um das, was dahintersteckte.

Sie kniete sich nieder und sah Nathaniel in die Augen, während ein Rinnsal von Blut ihren Schuh erreichte und den sandigen Boden durchtränkte.

"Nathaniel...wer ist dieses Kind? Warum darf nur er auswählen wer mitspielt?"

Ihr Sohn schüttelte den Kopf und zuckte zugleich mit den Schultern.

"Er gewinnt, darum darf er sich aussuchen wer mitspielt", sagte er vage.

"Wer ist er?", wiederholte Hermine ihre erste Frage.

Nathaniel sah zu dem Jungen hinüber, der gerade sein neues Opfer unter den wild aufzeigenden Kindern auswählte.

"Das ist Peter", sagte er dann und schaukelte inständig weiter, "der hat zugesehen, wie seine Mama gestorben ist, und seitdem spielen wir das Spiel mit ihm, damit er nicht so traurig ist und nicht immer daran denken muss, dass sie überall Schläuche hatte, als er sie das letzte mal sah...als sie das letzte mal starb", fügte er irritierenderweise an und ergänzte dann: "Das muss schlimm sein, wenn man keine Mama mehr hat."

Erinnerungen schossen durch Hermines Kopf und sie sah wieder das Bild vor sich, das sie in Deepings Wohnung gesehen hatte...seine Mutter, die an ein Beatmungsgerät angeschlossen worden war, und die der Sohn in dieser menschenunwürdigen Pose als Zeichnung festgehalten hatte.

"Ihr spielt das mit ihm, damit er nicht traurig ist?", fragte Hermine fassungslos.

Der Junge nickte.

"Wie heißen die anderen Kinder?", fragte Hermine.

Nathaniel zuckte abermals mit den Schultern: "Weiß nicht...die haben keine Namen...nur Peter, der heißt immer gleich."

Hermine runzelte die Stirn, drehte sich erneut zu den Kindern und sah, wie Peter einem Mädchen Sand in den Mund stopfte, bis es erbrach. Doch Peter häufte mit kindlicher Geduld erneut sandige Masse in die aufgerissene Mundhöhle des anderen Kindes, bis es zu atmen aufhörte und schließlich zog er ihren Leichnam unter die Rutsche, damit das 'Spiel' weitergehen konnte.

"Wie lange spielt ihr schon mit Peter dieses Spiel?", fragte Hermine atemlos.

Der Junge schien zu überlegen und gab dann eine Antwort, die auf den ersten Blick kindertypisch war, in diesem Falle wusste Hermine jedoch, dass er schlicht die Wahrheit sagte.

"Vierhundert Jahre oder so...weiß nicht genau", er machte eine Pause, die er dafür nutzte um einen Finger in den blutigen Sand zu bohren und damit eine kleine Kuhle zu hinterlassen, in der sich die rote Flüssigkeit träge sammelte, die immer noch aus dem Körper des toten Jungen zu ihnen herüber drang. Dann schaukelte Nathaniel weiter und sagte: "Früher ist Peters Mama nicht an Schläuchen gewesen als sie gestorben ist...sie ist verbrannt worden. Die hat noch gelebt, als sie das Feuer angemacht haben, kannst du dir das vorstellen? Und er musste zugucken wie sie verkohlt ist. Und einmal ist sie an einer Krankheit gestorben, bei der ihr die ganze Haut weggefault ist. Peter ist nicht gestorben, obwohl er die gleiche Krankheit hatte. Ich glaube, er kann nicht sterben...nicht wirklich. Er ist schon mal weg, aber dann kommt er wieder...die anderen kommen nicht wieder, aber es kommen immer neue", schloss er und legte den Kopf in den Nacken, um während des Schaukelns in den blauen Himmel zu starren.

"Was ist mit dir?", fragte Hermine und schauderte. Sie hatte Angst vor der Antwort und doch musste sie es wissen...wie viele Leben hatte Nathaniel bereits gelebt? Wie viele sie selbst, als seine Mutter?

"Ich war immer da", sagte der Junge als wäre es absolut logisch und kaum erwähnenswert.

Sie sah ihn an und versuchte zu ergründen was seine Aussage für sie bedeutete. Konnte sie wirklich daraus schließen, dass auch sie bereits mehrere Jahrhunderte immer wieder ihre Rolle spielte? Hermine entschied, dass ihre Grübelei nichts brachte, und richtete ihr Augenmerk auf die derzeitige Situation, in der sie sich befand.

"Ruft er dich nicht für sein Spiel?", fragte sie und blickte über den Spielplatz, der wie ein Schlachtfeld aussah.

"Nö", sagte Nathaniel und hörte auf zu schaukeln, "ich finde das Spiel trotzdem blöd."

Hermine nickte und sagte leise: "Ja...ich auch."

Nathaniel erhob sich von dem Pferd und schob es nun seitlich, um es dann plötzlich loszulassen und das wild federnde Spielgerät zu betrachten.

"Was passiert mit denen, die nicht mitspielen dürfen?", fragte Hermine und deutete auf das schmollende Mädchen, "was passiert mir ihr...und mit dir?"

"Wir warten einfach nur", sagte er gelangweilt.

"Aber worauf?"

Nathaniel kniff plötzlich die Augen zusammen und sah Hermine forschend an. Sie konnte förmlich sehen, wie sein Atem schneller ging und sein Herz zu klopfen begann, als sei er gerade aus einem schlimmen Albtraum erwacht. Seine Stimme war ein verheißungsvolles Flüstern: "Auf dich...wir warten auf dich, Mutter."

Eine Welle der Liebe durchströmte Hermine bei diesen Worten und sie streckte die Arme nach Nathaniel aus, der sich auf sie zubewegte, doch plötzlich blieb er stehen und seine Augen blickten hinter Hermine.

Wie in Trance wandte sie sich um. Hinter ihr stand der kleine Peter und sein Arm war erhoben. Mit ausgestrecktem Finger zeigte er auf Nathaniel: "Du bist als nächster dran - lauf!"

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Severus konnte Hermine spüren. Und blankes Entsetzten erfasste ihn, als er sah, dass Nathaniel bei ihr war.

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"Nein", rief Hermine und versuchte ihren Sohn festzuhalten, der an ihr vorbei ging, um Peters Wunsch nachzukommen.

Nathaniel machte sich von ihr los und flüsterte: "Er hat mich nur wegen dir gesehen. Du hast gemacht, dass er mich sehen kann..du hast mich geboren...nur deshalb kann ich sterben. Ich werde jetzt sterben, Mama."

"Nein...NEIN!", schrie Hermine.

Nathaniel lief los und Peter folgte ihm.

Die Jagd begann.

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Stimmen von überall, so schien es ihm, doch was zählte war nur die eine. Nur auf diese eine Stimme musste Severus hören und ihren Wunsch erfüllen - bedingungslos ergeben der Macht, der er ausgeliefert war.

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Das Gekreische schwoll zu einem kindlichen Schlachtruf heran, denn Nathaniel machte sich gut, und die Jagd schien eine Menge Überraschungen zu bieten, stolperte Peter doch über einen Leichnam, dessen Blut in der Sonne bereits zu trocknen begann.

Hermine sah ihren Sohn ausweichen und seinen Vorsprung ausbauen.

Sie hatte ihre Nägel in die eigenen Handballen gebohrt, während sie das Spiel auf Leben und Tod verfolgte – unfähig einzugreifen – unfähig, es zu beenden.

Die Kinder lachten, als Nathaniel in eine Sackgasse geriet und sich zwischen Gestrüpp und Zaun hindurchdrängen musste, um dem Gefangenwerden zu entgehen.

Peter verwarf den Plan, ihm zu folgen, schlug einen Haken und rannte im Abfangkurs in die andere Richtung.

„Du kriegst ihn!", rief ein Mädchen und schlug freudig die Hände ineinander, ihre roten Zöpfe wippten im Takt des Applauses.

Nathaniel sah die drohende Gefahr, wandte sich um und nahm den gleichen Weg zurück, sprang dann jedoch mitten durch das Gebüsch, verhedderte sich und stürzte.

Hermine schlug sich die Hand entsetzt vor den Mund, als Peter über Nathaniel stand und spielerisch einen Fuß in dessen Nacken setzte.

„Hab dich", sagte er atemlos.

„Noch nicht", erwiderte Nathaniel, wirbelte unter dem Fuß seines Verfolgers hinweg, kam auf die Beine und lief erneut.

„Das gilt nicht!", kreischte das Mädchen mit den roten Zöpfen. Ein dunkelhaariges Mädchen, das neben ihr stand, stieß sie weg und sagte patzig: „Ist doch egal! Lauf, du Verlierer, lauf!", feuerte sie Nathaniel dann lauthals an.

Hermine sah wie Peter nun ebenfalls losrannte, doch sie war unfähig, die grausame Jagd weiter zu verfolgen. Ihr Blick war auf den Ort geheftet, an dem Nathaniel zuvor noch gelegen hatte, und an dem er Peter hatte entkommen können. Dort, im sandigen Boden, schien etwas zu liegen. Und während das Gejohle zu neuer Stärke ansetzte, ging Hermine zu der Stelle, wo ein funkelnder Gegenstand im Sand eingegraben zu sein schien.

Als sie nah genug heran war, bemerkte sie, dass das, was sie für einen Gegenstand gehalten hatte, ein Punkt aus Licht war, wie ihn ein glänzender Gegenstand im Sonnenlicht als Spiegelung verursachen konnte. Hermine sah sich um, doch sie konnte nichts entdecken, was eine Reflexion an dieser Stelle verursachte.

Sie ging in die Hocke und streckte die Hand nach dem Lichtpunkt aus, als plötzlich hinter ihr eine Stimme erklang, die ihr ohnehin schon rasendes Herz beinahe zu sprengen schien.

Es war Severus, der den Kinderlärm ohne weiteres übertönte und der sie mit eindringlichem Blick ansah.

„Rette unser Kind! Stell dich Peter und spiel das Spiel mit ihm. Rette Nathaniel! Sofort!"

Hermine sah seine durchdringenden Augen und einen Moment lang stockte ihr der Atem. Dann schüttelte sie den Kopf und wandte sich erneut dem Lichtpunkt zu.

„Tu es – SOFORT!", herrschte Severus sie an, als wolle er sie aus einem Traum wecken.

Und tatsächlich konnte Hermine mit einem Blick zur Seite erkennen, wie Peter zu Nathaniel aufschloss.

Sie wandte sich abermals ihrem Fund zu und streckte einen Finger danach aus.

Mit Erstaunen sah sie, wie ihre Fingerkuppe in das Licht eindrang und den Punkt etwas weitete, doch sofort tat es schrecklich weh und ein Gefühl des Grauens durchströmte sie.

Severus trat auf sie zu.

„Hermine...du musst Nathaniel retten. Opfere dich selbst! Sei eine gute Mutter und gib dein Leben für deinen Sohn hin! Wenn Peter DICH hat, wird er die anderen in Ruhe lassen. Du kannst sie alle retten!"

Der Schmerz war immens, und doch wusste Hermine, dass er nur ein Vorgeschmack auf das war, was noch auf sie wartete. Sie brachte einen zweiten Finger in den Lichtpunkt und schob ihre Hand schließlich ganz hinein, den sinnenraubenden Schmerz so gut wie möglich ignorierend.

Sie hatte die schwächste Stelle in diesem Bild gefunden – die Stelle, die es Nathaniel ermöglicht hatte, seinem Feind zu entkommen, und Severus wollte sie von dieser Stelle offensichtlich fernhalten...sie durfte ihm nicht trauen...sie durfte niemandem trauen! Es war die Lektion, die er selbst ihr beigebracht hatte, und die sie ihm nun mit Worten ins Gesicht spie, von Schmerz und eisernem Willen getrieben.

Severus sah sie entsetzt an, als er begriff, dass sie sich von ihrem Plan nicht abbringen lasse würde. Er griff sich ins dunkle Haar und flüsterte: „Du weißt nicht, was du tust...es wird zu spät sein, Hermine...es wird zu spät sein. Hör auf mich...oder wir sind alle des Todes."

Es kostete Hermine fast den Verstand, als sie ihren Arm bis zum Ellenbogen in den immer größer werdenden Lichtpunkt schob. Ihre Hand stand in Flammen und ihr Blut schien zu kochen, dennoch spürte sie eine andere Art von Schmerz, der noch tiefer ging, als sie sah, wie Peter Nathaniel an der Schaukel einholte, ihn stellte und Nathaniel dazu aufforderte, sich in den Sand zu knien.

Hermine sah, wie Peter ihrem Sohn die Kette der Schaukel um den Hals legte und seinen Fuß auf das Schaukelbrett stellte, um sein Opfer zu erdrosseln.

Nathaniel sah zu ihr, als die Kette sich zuzog und sein Mund öffnete sich weit, um vergeblich nach Atem zu ringen. Nathaniels Gesicht färbte sich blau und Peter stieg nun mit beiden Füßen auf die Schaukel, weil ihm die Tötung schon viel zu lange dauerte.

„Nathaniel lebt noch", beschwor Severus sie, doch sein Augenmerk galt dem Lichtpunkt, der während Hermines Unaufmerksamkeit sichtlich zusammengeschrumpft war.

„Du kannst ihn immer noch retten...aber du musst es JETZT tun!", sagte Severus eindringlich.

Hermine schüttelte den Kopf und atmete tief durch, um nicht die Besinnung zu verlieren.

Sie sah zu Nathaniel und sein Blick wurde leer, während er unter der massiven Gewalteinwirkung Peters starb.

„Was hast du getan? Was hast du nur getan!", schrie Severus sie an.

Hermine ignorierte ihn und erhob ihre zweite Hand, um sie in den Lichtpunkt zu bringen. Während sie den hellen Fleck unter Todesqualen zu einem Lichtkegel weitete, nahm sie wahr, wie die Kinder ihr Spiel unterbrochen hatten, um sich um Severus zu sammeln.

Er versuchte zurückzuweichen, doch er hatte keine Chance, als sie wie wilde Tiere über ihn herfielen.

Hermine hörte ihn schreien – wieder und wieder rief er ihren Namen, während die Kinder ihn für das bestraften, was er nicht geschafft hatte – dafür, dass er sie nicht von dem geheimnisvollen Lichtpunkt hatte fortbringen können.

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Severus konnte spüren, wie unzufrieden die Stimme mit ihm war. Er konnte sich selbst schreien hören, aber das war nicht er...er stand hier und war nicht länger das Ass im Ärmel. Hermine hatte ihn freigegeben...er war frei! Und vielleicht würde er diesen Zustand sogar überleben können.

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Es war soweit - Hermine passte durch die Öffnung hindurch, die sie in eine Welt aus gleißendem Schmerz bringen würde. Sie betrat nun SEINE Welt - und ER war der Wahre, dessen Namen nicht genannt werden konnte - weil er keinen besaß...und doch tausende von Namen hatte.

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"Wo ist sie jetzt?", fragte Voldemort.

Severus schüttelte die Trance von sich ab, die er nach der Verbindung zu Hermines Geist empfand.

"Ich weiß es nicht", sagte er matt.

"Das Blut...du hättest mir ihr Blut bringen müssen, damit ich sie zu meiner Dienerin machen kann, bevor sie sich gegen uns auflehnt!", schrie Voldemort ihn an, und brachte mit einem Fluch seinen Diener dazu, auf die Knie zu fallen.

Der Lord beugte sich über Severus und seine Augen glänzten kalt, als er sagte: "Sie konnte sich deines Einflusses entziehen, doch egal wo sie nun ist, du wirst sie niemals wiedersehen!", sein Gesicht verzog sich zu einer zufriedenen Grimasse.

"Wenn SIE stirbt, ist die Menschheit verloren", sagte Severus und empfing daraufhin einen Schlag seines Herrn, der seine Lippe aufplatzen ließ.

"Die Menschheit? Wen interessiert die Menschheit? Es sind Sklaven, die uns zu Diensten sind. Und nun, da du dich gegen mich gewandt hast, wirst du zu diesen wertlosen Dienern gehören. Du hast hiermit deine Position verspielt, Severus! Ich hätte es ahnen müssen, als du dich mit diesem Schlammblut eingelassen hast. Du hattest nie vor, sie mir zu übergeben, sonst hätte sie niemals dorthin gelangen können, wo sie nun ist!"

Severus widerstand der Versuchung, irgendetwas zu erwidern, das seinen Herrn zweifellos nur noch mehr erzürnen würde.

In seinem Bauch breitete sich ein Gefühl der Wärme aus, in dem Wissen, dass seine Maskerade nun endlich gefallen war.

Er hatte bis vor wenigen Augenblicken nicht wirklich damit gerechnet, dass dies der Tag sein würde, an dem Voldemort Kenntnis darüber erhalten würde, dass er ihm schon seit langer Zeit nicht mehr loyal ergeben war.

Als Voldemort ihn gerufen hatte, war es jedoch zu einem höchst ungünstigen Zeitpunkt geschehen, denn seine Sorge um Hermine hatte seinen Verstand beinahe gesprengt, und war auch Voldemort nicht verborgen geblieben.

Der Lord hatte ihn gezwungen, die geistige Verbindung zu Hermine aufzunehmen, und Severus hatte dem Befehl und der Versuchung nachgeben müssen, ihr hinterherzuspüren.

Als er gesehen hatte, was sie tat, war er wie paralysiert gewesen, doch sein Befehl, sie von dem Durchgang abzuhalten war so eindeutig, wie unumgänglich gewesen.

Aber Hermine hatte getrotzt - dem Grauen, in das sie hineingeraten war - den Bildern von Nathaniels drohendem Tod, die sie handlungsunfähig machen sollten - und ebenfalls Severus' Tod, der ein letzter Versuch gewesen war, sie aufzuhalten.

Hermine war gegangen, und Severus wusste, dass sie nun an einem Ort war, an dem nicht einmal seine Gedanken sie erreichen konnten.

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Sie sah ihn, und doch hatte er keine körperliche Präsenz.

Sie hörte ihn, und doch sprach er mit keiner Stimme.

Sie fühlte ihn, und doch schien da rein gar nichts zu sein...gar nichts, das doch alles in sich vereinte.

"Verwirre ich dich?", fragte er beinahe freundlich.

Hermine schwieg.

"Ich bemühe mich, die menschliche Sprache zu sprechen, damit du mich verstehen kannst, wäre es da zu viel verlangt, wenn du antworten würdest?"

Hermine trat einen Schritt in seine Richtung, als das Feuer hinter ihr - das sie beim Betreten seines Reiches hatte durchqueren müssen - plötzlich wieder dichter an ihrem Rücken loderte.

"So ist es besser", sagte er lachend, "tritt näher! Nun, da du schon einmal hier bist, möchte ich dich genau sehen!"

Im nächsten Moment stand Hermine nackt vor dem Wesen, ohne dass sie bemerkt hatte, dass es einen Zauber gesprochen hätte.

"Oh, ich benötige keinen Zauber", sagte es, offensichtlich ihre Gedanken lesend. Es lachte rau: "Du siehst aus, als seist du schon durch die Hölle gegangen", das Lachen wurde lauter, "das war Berengers Auto, das dich so zugerichtet hat...der gute Balthasar...einer meiner treuesten Gefolgsleute. Ein Mann mit den richtigen Verbindungen...ein wertvoller Mann. Er hatte immer die wundervolle Gabe, meinen ärgsten Widersacher auszuspionieren - als ein Mann Gottes bot er mir immer eine Menge interessanten Unterhaltungsstoff. Und dabei hat er diese herrlichen menschlichen Schwächen. Er hat mir vom dem Moment an, als ich ihn zum ersten mal sah so sehr gefallen, dass ich beschloss, ihn in meine ewigen Dienste zu nehmen - zusammen mit Peter, denn er war mir schon lange bekannt. Ich habe den Beiden einen Wunsch erfüllt - eine fast göttliche Tat habe ich an ihnen vollbracht", es lachte amüsiert über die eigene Bemerkung.

"Ich habe sie vereint, wie sie es sich ersehnten", sagte das Wesen dann sehr viel ernster und fügte lauernd an: "Ist es für eine solche Tat etwa zu viel verlangt, ihre Seelen zu fordern?"

Hermine wusste, dass 'es' keine Antwort erwartete - 'es' erwartete, dass sie schwieg, damit 'es' sein Spiel mit ihr treiben konnte. Und obwohl es ihr bewusst war, fand sie nicht die Kraft, etwas zu erwidern, oder seinen Monolog zu beenden.

"Geschichten...ihr Menschen mögt Geschichten, nicht wahr? Nun gut, da du mein Gast bist, werde ich sehen, ob ich nicht eine Geschichte für dich habe."

Hermine konnte kaum glauben, dass 'es' es schaffte, wie ein Großvater zu klingen...sich so ANZUFÜHLEN wie ein Großvater, der seiner Enkelin ein Märchen zur Guten Nacht erzählt. Sie kämpfte dagegen an, versuchte das trügerische Bild abzuschütteln, doch unweigerlich wurde 'es' in ihren Gedanken zu 'er' und sie erntete ein ganz und gar nicht großväterliches Lachen.

Das Gefühl der Geborgenheit verschwand, und von einer Sekunde zur anderen schien er mit seinen Augen in sie einzudrigen - ihren nackten Körper auf eine Art zu besitzen, die sie völlig auslieferte.

"Euch kann man es nie recht machen. Eben noch fühltest du dich gut, aber du ziehst es offenbar vor, zu leiden", höhnte er.

Hermine schüttelte den Kopf - nicht panisch, da sie sich jede Form von Panik selbst untersagte, sondern leicht und doch entschieden.

Der Blick wurde von ihr genommen, und der 'Großvater' kehrte zurück.

"Ich wollte dir eine Geschichte erzählen", sagte er, als hätte es nie einen grausigen Angriff von seiner Seite aus gegeben, sondern als vergebe er ihr großzügig eine kindliche Unverschämtheit.

Er nahm nun sogar die Gestalt eines alten Mannes an, was die Illusion eindeutig unterstützte.

Mit scheinbar gichtgekrümmten Fingern zeigte er auf einen Stuhl, der neben Hermine erschien. "Nimm Platz", forderte er sie freundlich auf, doch schon im nächsten Augenblick brannte das Möbel lichterloh.

Er spitzte die Lippen, und aus seinem 'Mund' drang ein gewaltiger Luftstrahl, der die Flammen zum Erlöschen brachte. Der rußgeschwärzte Stuhl qualmte vor sich hin.

"Setz dich auf den Boden", sagte er und kratzte sich wie ein nachdenklicher alter Mann am Kinn, während er auf den verbrannten Stuhl sah, der eindeutig eine Demonstration seiner Macht hatte darstellen sollen.

Hermine kam der Aufforderung nicht nach. Sie blieb stehen und suchte in ihrem Geist nach Worten - doch ihr Hirn war wie leergefegt. Er wollte, dass sie zuhörte, und nichts anderes blieb ihr übrig.

Hermine wusste, dass es kein alter Mann war, der ihr gegenübersaß. Sie wusste, dass er das personifizierte Grauen war.

"Es ist schon lange her - wenn man die menschlichen Maßstäbe benutzt - dass mir Berenger das erste mal auffiel." Er machte eine Pause, als schwelge er tatsächlich in Erinnerungen.

"Er war damals schon Pater und somit für mich eine verlorene Seele", er lachte hintergründig.

"Aber dann traf er auf Peter, und plötzlich war Balthasar mein vielversprechendster Diener auf Erden. Und wer wertvoll ist, wird gut behandelt...ich habe ihm das ewige Leben geschenkt - nicht so abgedrehtes Zeug, wie mein Konkurrent es im Angebot hat, sondern ein ganz bodenständiges ewiges Leben unter den Menschen und auf Erden - und das ist zweifellos ein Privileg, wenn man meine Aufmerksamkeit erst einmal erregt hat, offeriere ich normalerweise ein anderes Standartprogramm." Er lachte abermals und Hermine wurde übel, als eine Welle von fauligem Atem sie traf.

Er ließ eine Flamme in seiner Hand entstehen und schob sie sich in den Mund, um sie zu kauen und dann hinunterzuschlucken. "Man soll mir nicht nachsagen, ich würde schlecht aus dem Mund riechen", sagte er und sah Hermine lauernd an. Sie öffnete den Mund, doch kein Laut drang hervor.

Dann lachte er erneut, als sie endlich begriff, dass er ihr die Fähigkeit zu sprechen genommen hatte.

"Ich mag es nicht, wenn man mich unterbricht", sagte er mit kaltem Glanz in den Augen, dann ließ er erneut eine Flamme entstehen und führte sie langsam an seinem Gesicht entlang, bis die Haut Blasen warf. Zuletzt warf er die Flamme wie einen Ball gegen Hermines Bauch. Sie wollte aufschreien, aber ihr Mund blieb stumm, während die Augen vor Entsetzen geweitet waren.

Er begann wieder zu erzählen, als hätte es keinen Zwischenfall gegeben, jedoch erschien es Hermine so, als genieße er es, seine menschliche Gestalt entstellt zu haben.

"Pater Berenger führte damals eine kleine Gemeinde in...ach, weiß der Teufel wo...so sagt ihr Menschen doch, nicht wahr? Ich WEIß noch wo es war, aber das tut nichts weiter zur Sache. Er führte seine Gemeinde und war das, was man einen guten Gottesmann nennt. Das muss er wohl gewesen sein, denn er war mir noch nie aufgefallen. Peter hingegen hatte ich schon seit seiner Geburt im Auge, denn er kam nicht nur unerwünscht zur Welt, sondern hinterließ auch schon bei dieser Gelegenheit eine Leiche - seine Mutter. Ich gab ihm später die Möglichkeit, seine Mutter länger für sich zu haben, aber irgendwie kann man das Schicksal nicht austricksen...nicht einmal ich kann das, und so starb die dämliche Kuh immer wieder andere vorzeitige Tode, die Peter schwer zu schaffen machten. Damals jedoch, starb sie, kaum, dass er geboren worden war. Er lag in dieser blutigen, schleimigen Pfütze zwischen ihren Beinen und eigentlich hätte er ihr nachfolgen sollen, aber man fand ihn rechtzeitig und rettete das Leben dieses Kindes, um es von da an so zu behandeln, als wäre es besser gestorben. Ich habe viele Seelen in dieser Zeit einsammeln können und Peter wuchs unter der einzigen Obhut heran, die ihm weiterhin das Leben retten konnte - unter MEINER! Ich hatte ein Auge auf ihn, und ich führte seine Hand, wenn er eine Kehle aufschlitzen musste, oder wenn er jemandem den Schädel einschlug. Ich war seine Hand, als er seine erste Frau erkundete, und ich war seine Hand, als er sie hinterher schlug. Er konnte schon immer schlecht einschätzen, was die Grenze zwischen Lust und Schmerz ist - anders als du!"

Hermine spürte seinen lauernden Blick, der sich zwischen ihre Beine zu bohren schien.

"Du spielst mit diesen Grenzen, aber du magst es nicht, wenn wahres Leid daraus entsteht. Das ist bei Peter anders und er kennt so wundervoll viele Arten, Leid zuzufügen - es ist immer wieder ein Quell der Freude für mich."

Hermines Übelkeit nahm wieder zu.

"Nun, eines Tages ertappte man Peter dabei, wie er die Frau eines einflussreichen Bürgers schändete. Man griff ihn auf und zerrte ihn auf den Kirchhof, wo man den Ungläubigen behelfsmäßig an einen der Eichenstämme nagelte. Man hatte ihn zuvor entkleidet, und auch durch seinen Penis hatte man einen Nagel getrieben. Der Sünder sollte sterben und möglichst lange und ausgiebig leiden, bevor er mir gegenüber treten würde. Doch plötzlich trat Berenger auf den Plan. Er löste Peter von dem Baum und ich muss gestehen, dass ich über diese Einmischung zuerst erzürnt war. Ich begann mich sofort zu fragen, ob ich mir Peters Seele doch nicht so sicher sein konnte, wie ich all die Jahre lang geglaubt hatte. Es war geradezu rührend, wie der Pater sich um die Verletzungen seines neuen Schäfchens kümmerte. Sorgsam verband er Hände und Füße, nachdem er die Wunden gereinigt hatte. Und auch um den durchstochenen Penis kümmerte er sich mit keucher Hingabe. Tatsächlich schwebte Peter eine Zeit lang zwischen Leben und Tod, doch schließlich gewann er an Kraft und er beobachtete lauernd den Pater dabei, wie er seine Wunden neu verband. Berenger hatte längst bemerkt, dass der Penis seines Patienten sich versteifte, jedesmal, sobald er ihn berührte und ich kann mich gut daran erinnern, wie viele Gebete er zum Himmel schickte, um der Versuchung zu widerstehen...sie landeten jedoch alle bei mir, denn er war längst verloren."

Er seufzte bei der Erinnerung melancholisch.

Eines Tages küsste Peter seinen Retter - und Berenger vergaß sein Gelübde...erwiderte den Kuss...berührte den Körper des anderen Mannes, als hätte er nicht tagelang zuvor genau das ohne ein Anzeichen von Begierde getan.

Dieser Kuss jedoch hatte in Balthasar den Teil entfesselt, den sein Gott ihm verbot. Noch auf Peters Krankenlager vereinten sie sich zum ersten mal. Ich selbst habe keinerlei Interesse an Sex. Mir fehlt vielleicht der animalische Instinkt, der euch antreibt.

Aber Tatsache ist, dass mir euer Trieb viel Freude bereitet, weil er dafür sorgt, dass mir eure Seelen regelrecht zufliegen - was ihr alles tut, um euer Verlangen zu stillen, ist für mich das wahre Paradies." Er lachte über den Ausdruck.

"Aber Balthasars Seele war noch nicht ganz greifbar für mich, nachdem er sein Gelübde auf so genießerische Art gebrochen hatte, denn er bereute, und ich glaubte schon: Wie gewonnen, so zerronnen.

Aber es kam anders, denn der Pater schwor seinem Geliebten ewige Treue, so wie er es zuvor seinem Gott gegenüber getan hatte, und verhöhnte sein Versprechen an Gott damit.

Die Männer hielten sich eng umschlungen und ich wusste, dass die Seele eines Gottesmannes auf meiner Speisekarte stand. Ich kostete davon, während die Männer ihre erhitzen Körper streichelten. Ich hatte Peter noch nie zuvor auf diese Art gesehen, und ich beschloss, die Beiden weiter im Auge zu behalten.

Es dauerte nicht lange, bis im Dorf bekannt wurde, dass der Pater und der gerettete Frauenschänder ein Verhältnis miteinander hatten.

Man richtete sie Beide hin - Seite an Seite, und ich schickte sie umgehend in ihre Welt zurück, denn dieses Verhältnis schien mir ein netter Zeitvertreib für die nächsten Jahrhunderte.

Immer wieder wurden sie geboren, lernten sich kennen, verliebten sich, und starben schließlich. Und während all dieser Leben halfen sie mir, so viele Seelen wie möglich einzufangen. Peter tötete in jedem seiner Leben mit hemmungsloser Freude - und Balthasar verfiel Peter in jedem Leben mit der gleichen bedingungslosen Hingabe. Er verzieh ihm die Morde, die Betrügereien, und selbst die Qualen, die Peter ihm zufügte. Balthasar lernte, wie man die Schuld scheinbar in den Griff bekommt - indem er sich selbst Gewalt antat. Geißelung war schon immer ein wichtiges Thema für ihn. Und mit jedem Tropfen Blut, den er verlor, nährte er mich und meinen hungrigen Geist nur umso mehr."

Er hielt inne und seine Augen schienen mit einem mal blutrot.

"Ich habe immer Hunger, verstehst du? Ich kann gar nicht genug bekommen von euch kleinen Seelen, die sich mir so willig anbieten. Sex, Eifersucht, Liebe, Hass, Neid...welch wundervolle Dinge...welch wundervolle Erfindungen...welch wundervolles FUTTER!"

Er riss den Mund auf und seine Zunge schnellte heraus, wurde länger und länger, bis sie Hermine mit ihrer Spitze berührte und sich in ihren Bauchnabel schob.

Genauso schnell, wie seine Zunge hervorgeschnellt war, verschwand sie wieder im Mund des 'alten Mannes'.

"Ich kann dein Kind schon schmecken", raunte er wie trunken. "Nathaniel...er ist so rein...noch! Aber er wird morden! Und dann gehört er mir...MIR, verstehst du, tapfere kleine Dienerin des Guten?"

"Er wird dir niemals gehören!", schrie Hermine plötzlich so laut, dass sie sich selbst erschreckte. Und doch fügte sie in unvermindeter Lautstärke an: "Er wird nicht morden! Die Prophezeiung ist bereits jetzt durchbrochen! Grant kann mir nichts mehr anhaben - und du auch nicht!"

"Du brichst meinen Schweigebann? Selbst HIER wagst du es, mir zu trotzen!", schrie er nicht minder laut, und überflutete den Boden mit Feuer, das direkt aus seinen Fingerspitzen zu strömen schien.

Hermine kletterte auf den rußgeschwärzten Stuhl, um ihre nackten Füße vor dem kriechenden Flammenmeer in Sicherheit zu bringen.

Er betrachtete die nackte junge Frau, deren Körper mit Narben bedeckt war, und lachte.

Hermine versuchte nicht, ihren Körper vor seinen Blicken zu schützen...er war in dieser Welt allmächtig - in SEINER Welt...und sie war ihm ausgeliefert.

"Du bist stark", sagte er schließlich anerkennend, und fügte nachdenklich an: "Das habe ich von Anfang an gespürt, gleich als Severus Snape sein Herz an dich verlor. Du hast ihn vor mir in Sicherheit gebracht, wieder und wieder...Liebe ist immer wieder sehr faszinierend für mich - vor allem, wenn sie so unterschiedliche Gesichter zeigt, wie bei dir und ihm."

Er wurde noch nachdenklicher, während die Flammen langsam erloschen und den Boden wieder freigaben.

"So wie Balthasar und Peter meine Gnade empfingen, so biete ich sie auch dir und Severus an. Nimm mein großzügiges Angebot an, und lebe so lange die Welt existiert - liebe ihn in jedem deiner kommenden Leben neu, und leide die lustvolle Qual, die er dir beschert. Nimm all das von mir zum Geschenk!"

"Geschenk", höhnte Hermine sprang von dem Stuhl und stieß das Möbelstück fort, "welche Gegenleistung verlangst du für das Geschenk des ewigen Lebens?"

Er legte nachdenklich den Kopf schief.

"Keine", erwiderte er leise, dann wisperte er: "bereite mir Freude durch deinen Schmerz und durch deine Hingabe - mehr verlange ich nicht."

"Und Severus soll wieder und wieder das durchmachen, was du ihm in diesem Leben angetan hast? Wieder und wieder das Gefühl haben, sich selbst zu verlieren? Dein Preis ist zu hoch! Und ich bin nicht an einem ewigen Leben interessiert! Ich möchte nur dieses...nur DIESES EINE, hörst du! Ohne dich! Verschwinde aus unserem Leben!"

"Das ist also dein Wunsch? Du könntest mir Bedingungen stellen...du könntest ein Leben führen, so wie es dir gefällt..."

"Ich FÜHRE ein Leben, wie es mir gefällt! Ich möchte nichts von dir...NICHTS...außer, dass du uns endlich in Ruhe lässt!"

Hermines Atem ging schnell, doch sie wich keinen Schritt zurück, als er auf sie zukam.

Während er ging, hob er einen Arm und schnippte mit den Fingern.

Bilder schossen durch Hermines Kopf. Bilder von gequälten Menschen, die von lodernden Flammen oder zerfressenden Krankheiten entstellt waren. Bilder von Leid und Elend auf der ganzen Welt, das sich gnadenlos in ihren Kopf drängte und durch dieses Grauen drang seine Stimme.

"Glaubst du, du kannst mir irgendetwas vorschreiben? Glaubst du wirklich, dass du mich bekämpfen kannst? Mich...besiegen?" Er machte eine Pause, ließ die Bilder jedoch noch schneller durch Hermines Geist toben, dann fuhr er fort: "Du kannst mich nicht besiegen. Ich werde immer da sein. Solange wie die Menschheit existiert - solange wie sie schwach und fehlerhaft ist...so lange, wie die Menschheit MENSCHLICH ist, werde ich da sein, und diejenigen einsammeln, die die Grenze nur allzu willig überschreiten.

Schlag es dir aus dem Kopf, die Welt vor mir retten zu wollen...die, die ich bekomme, WOLLEN gar nicht gerettet werden!"

Erneut schnippte er mit den Fingern und die Bilder verschwanden augenblicklich.

Seine Stimme klang entspannt, als er sagte: "Und jetzt ist es an der Zeit, zu testen, ob Severus tatsächlich gerettet werden möchte. Er ist nicht weit von hier, ich kann ihn spüren...und er ist nicht allein."

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Voldemort betrachtete voller Abscheu seinen Diener.

Snape hatte die Verbindung nicht halten können, doch dass er sich offensichtlich darüber freute, ließ den Jähzorn seines Herrn gefährlich auflodern.

Voldemort presste eine Hand auf Severus' Kopf und durchdrang seine Gedanken, während er schrie: "Dring in ihren Geist ein. Stell die Verbindung wieder zu ihr her! Stell sie her, oder du stirbst hier und auf der Stelle!"

Severus spürte das Tosen, das durch seine Gedanken rauschte.

Er befand sich nun wieder auf dem Spielplatz. Doch das Erstaunlichste war, dass der helle Lichtfleck plötzlich direkt vor seinen Augen auftauchte. Es war wie eine Einladung, und diesmal blieb ihm nichts anderes übrig, als ihr Folge zu leisten, während Voldemort ihm dicht auf den Fersen folgte.

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"Sieh an...noch mehr Besuch", sagte der 'alte Mann' und versiegelte mit einem Fingerschnippen

den lichtdurchfluteten Eingang, der wie das berühmte Licht am Ende des Tunnels anmutete...eines Tunnels, der zweifellos in die Richtung führte, in die man nie zu gehen beabsichtigt hatte.

Er fixierte Severus mit glühenden Augen. Der Zaubertrankmeister schien wie gelähmt.

"Du hast Angst davor, dass du sie durch deine Anwesenheit nur noch mehr in Gefahr bringst", las er mühelos Severus' Gedanken, "und...", er machte eine Pause, dann lachte das Wesen mit den tausend Namen und fügte an: "Du bist böse auf mich, weil sie nackt ist. Du machst dir Sorgen, dass ich sie...berührt haben könnte. Ach, Severus...sei doch nicht so...gönne einem alten ewig Lebenden doch ruhig etwas Spaß!"

"Gib sie frei", sagte Severus sofort, und sah das Erscheinungsbild seines Gegenübers mit Abscheu an.

"Mein Gesicht hat ein wenig Feuer gefangen", entschuldigte das Wesen mit den tausend Namen sich, als gelte es einem Gast zu erklären, dass es noch etwas dauern würde, bis das Buffet eröffnet werden könnte.

Hinter Severus regte sich Voldemort, und zum ersten mal ging er vor einem anderen Wesen auf die Knie.

"Mein Gebieter, Ihr müsst sie töten, alle drei", raunte der Lord dunkel.

"Aahh...Tom!", sagte das Wesen mit den tausend Namen und betrachtete das maskenhafte Gesicht seines sadistischen Dieners eingehend, dann schüttelte er leicht den Kopf.

"Du hast so vieles nicht begriffen. Dir fehlt etwas, das ich für unerlässlich halte - der Spaß! Es begann so vielversprechend mit dir, aber du warst unartig...du hast es vorgezogen, deine Menschlichkeit aufzugeben, und - was noch schwerer wiegt - du hast deine Seele in Stücke aufgeteilt. Was soll ich davon halten, Tom? Du hast mit meinen ewig Zeitreisenden zusammen gearbeitet, und schaffst es nicht einmal, diese Frau zu besiegen? Du hast Severus in deine Dienste genommen, und bemerkst nicht, dass er hinter deinem Rücken gegen dich agiert? Er war sogar nahe dran, Lucius zu bekehren - nur der maßlose Stolz Malfoys konnte dafür sorgen, dass er bei mir blieb. Severus hat ihn so unwillig getötet, wie nie einen Menschen zuvor, und selbst Hermine verzeiht Malfoy auf eine Art und Weise, die mir seine Treue ehrlichgesagt ein wenig madig macht.

Und nun, da sie beide es geschafft haben, bis hierher zu kommen - was zweifellos eine beachtliche Leistung ist - fällt dir nichts anderes ein, als sie zu töten? Dir fehlt der Elan - die Raffinesse - der Humor bei der Sache...und der fehlt dir schon seit du das Menschliche abgelegt hast. Dein Pech, dass ICH dem Menschlichen so viel abgewinnen kann! Du glaubtest wohl, du kannst mir auf diese Art entkommen, Tom. Sag es! Dachtest du, du bräuchtest nur das Menschliche abzulegen, und deine Seele aufzuteilen, um dich mir zu entziehen?"

Voldemort wagte nun nicht, den Blick zu erheben, statt dessen starrte er zu Boden und sagte beschwörend: "Ich habe Euch stets gedient! Ich habe nur Eure Befehle befolgt."

"Ich habe dir nicht befohlen, einen Fluchtplan für dich selbst zu entwerfen! Und deine Vorgehensweise, was meine Pläne betraf, ermüdet und langweilt mich schon seit langem. Weißt du, Tom, wer wertvoll ist, wird gut von mir behandelt. Ich hätte dir gerne ein Leben geschenkt, das ewig währt, damit ich dein Tun so lange wie möglich genießen kann...aber das ist Vergangenheit, denn du hast deine Seele auf eine Art verstreut, die mir - gemessen an deinem Nutzen - zu mühsam ist, um sie wieder zusammen zu setzen. Du wirst kein neues Leben erhalten - du wirst hier bleiben...an einem Ort, an dem ich dich nicht allzu oft zu Gesicht bekommen werde."

Er lachte rau und für einen Moment standen dem 'alten Mann' all die Tode ins entstellte Gesicht geschrieben, die Voldemort als dunkler Lord zu verantworten hatte.

Der Herr über die Todesser schüttelte panisch den Kopf, als er das sah: "Ich kann Euch dienen!", schrie er verzweifelt, "ich werde Euch treu ergeben sein!"

"Langweilig!", blaffte das Wesen mit den tausend Namen, führte die Hand an sein Gesicht, und entnahm all die Schmerzen und Ängste, die die Toten im Kampf um ihr Leben als Energie hinterlassen hatten. Er streckte die Hand aus und im nächsten Augenblick traf Voldemort diese verzweifelte Energie seiner Opfer und streckte ihn nieder. Wie zerschmettert lag er am Boden und rang nach Atem.

"Hör auf zu atmen, du bist tot! Willkommen in der Hölle, Tom. Du wirst nun an einen Ort gebracht, den ich selbst als Dunkelhölle bezeichne. Warum ich das tue, wirst du sicher schnell herausfinden. Und ebenso wirst du feststellen, dass die Ewigkeit verdammt lang ist."

Voldemort riss die Arme in einer verzweifelten Geste empor, doch augenblicklich verschwand er vor ihren Augen, und der 'alte Mann' wandte sich wieder an Hermine und Severus, als sei diese Demonstration seiner Macht nur ein kleines Zwischenspiel gewesen. .

"Kommen wir zu dir, Severus", sagte er entspannt.

Hermine ergriff Severus' Hand, und er ließ es zu, obwohl ein Teil von ihm immer noch glaubte, dass es besser wäre, nicht offen zu zeigen, was er für Hermine und das Kind empfand.

Der 'alte Mann' sah sie lächelnd an und offenbarte damit ein Stück Kiefer, das normalerweise nicht sichtbar gewesen wäre, doch die verbrannte Haut riss an der Stelle und gab den Blick in das Innere der Mundhöhle frei.

"Ich biete dir an, dein Leben wiederholen zu dürfen. Es ist ein interessantes Spiel für mich, euch zuzusehen, und wer wertvoll ist, soll belohnt werden."

"Ich habe kein Interesse mehr an deinem Spiel", antwortete Severus.

"Ja, so etwas in der Art ahnte ich schon", seufzte der 'alte Mann' bekümmert.

Er atmete tief durch und sagte: "Dann wirst du sicher verstehen, dass ich daraus die Konsequenzen ziehen muss."

Severus wandte sein Gesicht zu Hermine. Er hob ihre Hand an seine Lippen, um ihre Finger zu küssen und sie dann noch fester mit den seinen zu verflechten.

"Ich liebe dich", sagte er deutlich, während er ihr in die Augen sah. Dann wandte er sich wieder dem Wesen mit den tausend Namen zu, um entschieden zu sagen: "Ich bin bereit."

"Sie ist wirklich stark - die Frau an deiner Seite", sagte der 'alte Mann' und sah Hermine mit flammenden Augen an. "Sie soll sehen, was ich mit dir tun werde. Sie hat dich mir entrissen - denn du gehörtest MIR, Severus...das kannst du nicht leugnen! Aber sie hat den Bann gebrochen und die Bilder wurden durch ihr Eindringen hier zerstört - wie so viele meiner Einflüsse auf eure Welt durch sie zerstört wurden. Sie soll zusehen und an deiner Seite sein...bis zuletzt!"

Der 'alte Mann' löste sich auf, und statt seiner Gestalt standen sie plötzlich einer Kreatur aus reinem Feuer und züngelndem Rauch gegenüber, die sie mit fluoreszierenden Augen ansah.

'Das ist seine wahre Gestalt', schoss es Hermine durch den Kopf, und sie war erstaunt, dass sie keine Angst hatte, obwohl es klar war, dass er sie nun in einen Teil seiner Hölle schicken würde, dem sie nie wieder entkämen.

Seine Stimme klang nun völlig anders, und Hermine hörte sie tief in ihrem Kopf, als er sie 'ansprach'.

"Ich kann euch nicht gegen euren Willen zu ewig Zeitreisenden machen. Ihr Beide lehnt mein Angebot jedoch entschieden ab - das ist schade! Ich hatte viel Spaß mit euch, aber ich sehe ein, wenn ich verloren habe. Was wäre ein Spiel, wenn der Verlierer seine Niederlage nicht akzeptiert? Es wäre schal und witzlos."

Hermine hörte seine Worte und erneut sprach er von Spiel und Spaß, was durch das Grauen, das er verbreitete wie der blanke Hohn klang.

Und doch war es genau das, was sich durch die ganze Geschichte zog. Er nutzte die menschlichen Schwächen zu seinem Vergnügen. Er manipulierte, um zu sehen, wie weit er gehen konnte. Er hatte Bilder durch die Zeit geschickt, die die Betrachter in eine Welt aus Schein führten. Grausam und unmenschlich - aber letztendlich doch nur Schein und Phantasie.

Er spielte Spiele mit den Menschen, und sah zu, wie gut oder schlecht sie sich dabei schlugen, um abzuschätzen, ob sie zu seiner Beute taugten.

Und schließlich erinnerte sich Hermine überdeutlich an den Spielplatz, den sie auf dem Weg hierher hatte ertragen müssen.

Die Kinder hatten ein Spiel auf Leben und Tod gespielt. Das Wesen mit den tausend Namen war wie ein großes, grausames Kind, das die Macht dazu hatte, alle zu seinem Spiel zu zwingen, die sich zu nah an die Grenze seines Reiches bewegten.

Und nun waren auch sie zu seinem Spielball geworden.

Hermine versuchte sich wieder auf seine Worte zu konzentrieren, und er sprach langsam, als wüsste er genau, dass sie Schwierigkeiten hatte, ihm gedanklich zu folgen. Er genoss es offensichtlich, sie durch seine nächsten Worte zu erstaunen.

"Das Verlieren ist ungewohnt für mich, das gebe ich zu, aber ihr habt euren Sieg verdient, und unsere Wege werden sich an dieser Stelle trennen. Du bleibst bei Severus, Hermine, so wie du es dir im Moment wünschst - und vielleicht wirst du bis zuletzt an seiner Seite bleiben, bis euer Leben verronnen ist - die Entscheidung liegt bei dir."

Er machte eine bedeutsame Pause, dann fuhr er fort: "Entschuldigt mich bitte, ich habe noch zu tun. Ich muss Balthasar einsammeln, der Hermines Einfluss ebenfalls zum Opfer fiel, und ich hoffe, dass ich zumindest ihn zurückerobern kann. Mit Peters Hilfe sollte mir das wohl gelingen, und ich muss neue Wege finden, in eure Welt zu dringen, nun, da die alten zerstört sind. Die Bilder taugen nur noch dazu, euch zurückzuschicken, und ich werde die kleinen Köstlichkeiten vermissen, die mir immer dann sicher waren, wenn ein Betrachter diese Wunderwerke betrat.

Aber es gibt so unendlich viele Möglichkeiten für mich, erneut meine Hände nach eurer Welt auszustrecken - unendlich viele Voldemorts, Grants und Deepings, sowohl in der Zaubererwelt, als auch in der der Muggel. Und solange es die Menschheit gibt, werde ich immer Nahrung finden, die sich mir willig präsentiert - daran werdet ihr auch in Zukunft nichts ändern können. Nutzt die Zeit eures einzigen Lebens. Werdet glücklich - wie man bei euch Menschen sagt, denn ihr seid frei! Das ist mein Geschenk an euch. Wer wertvoll ist, wird gut behandelt," wiederholte er zum letzten mal.

Der Lichtpunkt schnellte so rasend auf sie zu, dass Hermine und Severus nur übrig blieb, ihre Hände noch fester ineinander zu verschränken, um sich nicht zu verlieren.

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Der Direktor saß an seinem Schreibtisch, als die Bilder ihm gegenüber plötzlich völlige Schwärze zeigten.

Die grausigen Motive waren verschwunden, und auf jedem der beiden Bild bildete sich in der Mitte ein kleiner heller Punkt, der rasend schnell größer wurde. Und dann spie die Hölle regelrecht zwei Menschen aus - spuckte sie in die Welt zurück, die so unvollkommen und doch so lebenswert war.

Dumbledore saß einen Moment wie versteinert da, als die beiden Gestalten wie viel zu groß geratene Neugeborene auf seinem Teppich lagen.

Er blickte zu den Bildern und die Schwärze wandelte sich in Weiß. Doch es war keine Farbe, sondern die Leinwand selbst, die zum Vorschein kam, und er fühlte, dass der Einfluss der Bilder wie eine Tonnenlast von ihm fiel, als die Verbindung zu ihnen erlosch.

Dumbledore stand auf und zog seinen Umhang aus, den er Hermine um die nackten Schultern legte.

Severus erhob sich, ließ sich jedoch neben Hermine wieder auf die Knie sinken und umarmte die junge Frau, als wolle er sie nie wieder loslassen.

"Du hast es geschafft...du hast es geschafft...", raunte er immer wieder und seine Hände strichen über ihren Körper, als müsse er spüren, dass sie wirklich bei ihm war.

"WIR haben es geschafft", korrigierte sie ihn, lächelte Dumbledore kurz an und küsste dann Severus, als hätte sie tausend Jahre nach ihm gedürstet.

Epilog

Hermine genoss den Samstagmorgen, wenn Severus und Nathaniel nicht zum Unterricht mussten, und man ihnen zugestand, nicht in der Großen Halle zu erscheinen, sondern als Familie im Kerker gemeinsam zu Frühstücken.

Heute morgen jedoch war das gemeinsame Essen durch eine Geburtsanzeige in einer Muggelzeitung überschattet worden.

Und das, was normalerweise ein Grund zur Freude war - ein neues Leben - ließ Hermine und Severus erschauern.

Die Familie Berenger verkündete die Geburt ihres Sohnes Balthasar. Fast zwölf Jahre waren vergangen, und insgeheim hatten Hermine und Severus gehofft, dass Berenger die Kraft aufgebracht hatte, sich gegen seine Rolle als ewig Zeitreisender zu entscheiden.

Doch das Wesen mit den tausend Namen hatte seine Spielfigur erneut aufs Feld geschickt, und im Laufe der Zeit würde Balthasar Berenger den Eid vor Gott ablegen, um erneut Peter zu verfallen und Seelen für seinen wahren Herren einzusammeln - ein Kreislauf, der so unabwendbar schien, wie die Grausamkeiten auf der Welt.

Severus warf die Zeitung in das Kaminfeuer, ging zu Nathaniel und umarmte seinen erstaunten Sohn.

"Dad...alles in Ordnung?", fragte Nathaniel verwirrt.

"Ja, alles in Ordnung", erwiderte Severus und fragte dann geschäftig, "hast du die Hausaufgaben für Zaubertränke schon erledigt?"

Nathaniel verdrehte genervt die Augen, was er seinen Vater jedoch nicht sehen ließ.

"Nein, Dad. Es ist gerade mal neun Uhr am Samstagmorgen...ich habe das ganze Wochenende noch Zeit dazu."

"Du wirst sie gleich nach dem Frühstück erledigen", entschied Severus und goss sich Kaffee ein.

Nathaniel zuckte kurz mit den Schultern, und sagte: "Wenn du meinst, dann erledige ist sie halt nach dem Essen."

Hermine beobachtete ihren Sohn, der manchmal unter der Strenge des Vaters zu leiden hatte, sich jedoch auch stets seiner Liebe sicher sein konnte.

Nathaniel führte ein Leben, das frei von jeder Prophezeiung war - er durfte Kind sein und seine Zukunft war ein unbeschriebenes Blatt...das war alles was zählte!

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"Wollte Nathaniel nicht mitkommen?", erkundigte sich Ginny, während sie ihrem Sohn Schaufel und Eimer im Sand zurechtstellte.

Hermine betrachtete den kleinen Sam, der seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten war. Ginny hatte ihn kennengelernt, als sie die Finanzierung für ihr Geschäft mit zahmen Drachen bei einer Konkurrenzbank von Gringotts hatte durchrechnen lassen.

Der smarte Banker war ihr gleich ins Auge gefallen, und Ron hatte sich den Mund fusselig geredet, weil er Ginny unterstellte, sie würde das Angebot nicht neutral prüfen können, wenn sie ständig von dem Typ schwärmte, der letztendlich nur von ihrem Geschäft so gut wie möglich profitieren wollte.

Das Geschäft lief gut, und der 'Typ' war inzwischen ein Teil der Familie, und hatte dafür gesorgt, dass die Finanzen der Weasleyfamilie sich stetig verbessert hatten.

Da der Orden des Phönix schon seit Jahren nicht mehr existierte, traf man sich bei Arthur und Molly von Zeit zu Zeit in entspannter Atmosphäre und genoss das Beisammensein und das Schwelgen über alte Zeiten.

Das letzte Treffen lag erst zwei Tage zurück, und Hermine hatte die Gelegenheit genutzt, sich mit der vielbeschäftigten Ginny zu verabreden.

Als die Freundin den Spielplatz vorgeschlagen hatte, damit man sich in Ruhe unterhalten könne, während die Kinder spielten, hatte Hermine ihr ungutes Gefühl beiseite geschoben und schließlich zugestimmt.

"Nathaniel wollte lieber mit Severus in den Wald gehen", antwortete sie auf Ginnys Frage, "sie werden den ganzen Tag unterwegs sein, und ich hoffe, dass Severus das Ganze nicht zu sehr in 'Unterricht' ausarten lässt", sagte Hermine, während sie beobachtete, wie der kleine Sam die Schaufel mit Sand füllte, um diesen in dem Eimer zu geben.

Dieses harmlose Kinderspiel bescherte ihr eine Gänsehaut, und der beklemmende Eindruck der Szene wurde verstärkt, als zwei ältere Kinder sich spielerisch zwischen Rutsche und Schaukel hin- und herjagten.

Hermine versuchte die schrecklichen Erinnerungen abzuschütteln und sie spürte einen Stich, weil sie mit Nathaniel einen Besuch auf dem Spielplatz immer rigoros vermieden hatte.

Sie hoffte, dass die Ausflüge in den Wald ihn zumindest ansatzweise für das fehlende Spiel mit Sand und Schaufel entschädigt hatten.

Ginny ahnte nichts von Hermines Unbehagen und sagte in ihre Gedanken hinein: "Severus ist ein guter Vater - und wie ich hörte, auch nach all den Ehejahren immer noch ein einfallsreicher Liebhaber."

Hermine verdrehte die Augen und stöhnte: "Na toll...ist die Geschichte also auch schon bis zu dir vorgedrungen."

Ginny lachte und machte eine abwehrende Geste. "Ihr Beide solltet euch nicht wundern, wenn alle Welt darüber spricht, wenn ihr nachts zum See geht, um dort wilden Sex zu haben."

"Und die Schüler sollten sich nicht wundern, wenn Severus ihnen bis zum Schulende Strafarbeiten aufbrummt, weil sie nachts das Schloss verlassen, um zum See zu schleichen", konterte Hermine.

Ginny lachte erneut, dann fragte sie: "Hat Severus Ärger wegen der Geschichte am See bekommen?"

Hermine schüttelte den Kopf. "Nein, aber ich werde dafür sorgen, dass so etwas nicht noch einmal passiert."

"Also keine Sexspielchen unter freiem Himmel mehr?", fragte Ginny herausfordernd.

Hermine schwieg eine Weile, dann sagte sie trocken: "Keine mehr, ohne vorherige Schutzzauber."

Beide Freundinnen prusteten lachend, was Sams Aufmerksamkeit auf sie zog.

Er brabbelte ein paar Worte, die nur seine Mutter verstehen konnte.

Ginny erhob sich und fragte: "Kannst du kurz darauf acht geben, dass er nicht anfängt, den Sand zu essen? Ich muss mal sehen, ob ich ihm ein paar Kekse besorgen kann."

"Ja, natürlich", sagte Hermine und unterdrückte die Panik, die in ihr aufkam, weil Ginny sie auf dem Spielplatz mit den Kindern allein lassen wollte.

"Bin gleich zurück", versprach die Freundin und ging Richtung Ausgang.

Hermine beugte sich ein wenig nach vorne und griff mit zitternder Hand nach der Schaufel, die Sam fallengelassen hatte.

'Es ist nur ein Spielplatz', ermahnte sie sich selbst und lächelte Sam an.

Der Junge schien ihre Geste und das Verschwinden der Mutter erst einschätzen zu müssen, dann lächelte er zurück und begann freudig erneut zu brabbeln.

Hermine bohrte die Schaufel in den Sand und schüttete ihn dann vorsichtig in den Eimer - prüfend, ob dem jungen Mann das recht war, oder ob er wegen ihrer Hilfe zu weinen beginnen würde.

Sam sah sie jedoch immer noch lächelnd an, und sein Brabbeln wurde lauter.

Hermine war glücklich, dass sie ihn von Ginnys Verschwinden hatte ablenken können, doch mit einem mal wurde ihr Herz von einer eiskalten Hand erfasst, denn Sams Brabbeln ging in Worte über, die zwar aus seinem Mund, aber eindeutig nicht von ihm selbst stammten, sondern ein Gruß an sie waren - ein Gruß, direkt aus der Hölle.

"Wer wertvoll ist, wird belohnt werden - ich hoffe, du genießt deinen Sieg über mich, Hermine Snape - du hast ihn verdient, und auch, wenn dein Leben längst Vergangenheit sein wird, so ist dir meine ewige Anerkennung gewiss."

Sam senkte jetzt den Kopf und spielte im Sand, vor sich hinbrabbelnd, wie kurz zuvor.

Hermine jedoch zog ihren Umhang fester um sich und versuchte das eisige Gefühl abzuschütteln, das sie ergriffen hatte.

Sie blickte zum Himmel und sie wusste, dass sich nichts geändert hatte - und zugleich doch alles! Denn auch wenn das Böse unvermindert in der Welt tobte, so hatte sie soeben das Versprechen bekommen, dass es nie wieder die Hände nach ihr, und damit auch nicht nach ihrem unmittelbarem Umfeld ausstrecken würde.