Disclaimer: Die Charaktere gehören Riyoko Ikeda und niemand sonst. Auch

diese Geschichte gehört nicht uns, sondern Nana.

Ganz recht gelesen, das hier ist eine Übersetzung aus dem Englischen

von Nanas „Memories", einer in die heutige Zeit verlegten, neuen Variante

von „Die Rosen von Versailles". Seraph86 und ich haben uns

entschlossen, anderen deutschen Lady-Oscar-Fans etwas Gutes zu tun und diese

wunderschöne Geschichte für euch zu übersetzen. Ein Feedback (in Englisch)

bei der Autorin dieser FF ist herzlich erwünscht: nana_41175@yahoo.com Viel Spaß beim lesen!

littleleaf89 & seraph86

Vorwort

Vier Menschen scheinen durch das Schicksal dazu bestimmt worden zu

sein, die tragischen Geschehnisse von vor über 200 Jahren wieder aufleben

zu lassen, doch können gewisse Erinnerungen diesmal ein anderes Ende

herbeiführen?

Memories – Kapitel 1

Ich nehme an, es begann alles mit diesem Gemälde.

An diesem besonders hellen Freitagmorgen sah ich auf meinem hastig hingekritzelten Zeitplan für den heutigen Tag, um dort als einzigen Termin zwischen neun Uhr früh und zwölf Uhr mittags „Besichtigung von M. Armands Gemälde" vorzufinden.

Es schien unüblich, einen gesamten Vormittag voll Terminen zu streichen, nur um ein Gemälde zu besichtigen, selbst wenn die Chefin einen ihrer seltenen Urlaube nähme, aber der Standort des Gemäldes ebenso wie der anzunehmende Maler waren alle Erklärung, die im Moment nötig war.

Ich hatte von diesem speziellen Ölgemälde von Mme Antoinette selbst vor einigen Monaten gehört. Sie war gekommen, um die Chefin in ihrem Büro auf einen kurzen Plausch zu treffen und sie war es gewesen, die ihr vorgeschlagen hatte, es sich doch einmal anzusehen.

Als sie die Chefin auf ihre Worte hin eine skeptische Augenbraue heben sah, hatte sie gelacht. „Sie sollten gehen und es sich selbst anschauen, wenn Sie an meinen Worten zweifeln. Vielleicht sind Sie dann überzeugt, dass ich nicht gescherzt habe als ich sagte, sie sieht genauso aus wie Sie. Wer weiß? Vielleicht ist sie eine Ahnin, nach allem was wir wissen."

So zugeneigt die Chefin der lebhaften Mme auch war, ihr Terminplan hatte keinen Ausflug aus der Stadt, der nicht Geschäftliches mit einschloss, gestattet. Bis jetzt.

Ich selbst war eben erst aus dem Pariser Büro angekommen. Als ich in die gewohnten kühlen Tiefen ihres geräumigen Apartments eintrat, fand ich sie, wie üblich, über ihren Laptop gebeugt. Sonnenlicht verwandelte ihr Haar in eine Masse aus geschmolzenem Gold. Wenn sie sich doch nur selbst in diesem Moment sehen könnte. Aber das tut sie ja doch nie.

Ohne aufzusehen sagte sie: „Ah, du bist da. Wie stehen die Dinge?"

Ich gab eine kurze Zusammenfassung der laufenden Geschäfte im Büro. Zu alledem nickte sie nur abwesend, noch immer vertieft in den Inhalt des Bildschirms vor ihr.

Schließlich sagte sie: „ Es tut mir leid dich so kurzfristig den ganzen Weg hierher zu holen, aber ich möchte, dass du dir das Gemälde ebenfalls ansiehst, nur für den Fall, dass ich mich entschließen sollte, es in die Sammlung aufzunehmen."

Ich nickte wohlwissend. Als ihr persönlicher Assistent war ich es gewohnt, gelegentlich Kunst in ihrem Namen zu kaufen. Der Großteil der Stücke in der Familiensammlung wurde allerdings von ihrem Vater und seinen Firmenteilhabern betreut.

Als ich sah, dass sie zwar bereits angezogen war (zwanglos, in eine weite, weiße Bluse, dunkle Hosen und einen leichten Pullover, der über ihren Schultern lag), aber noch nicht bereit zu gehen, versuchte ich ein Gespräch anzufangen. „Ich nehme an, dieses spezielle Ölgemälde stammt aus dem späten 18. Jahrhundert, anscheinend von Armand. Falls das wahr ist, dann ist es ein seltenes Sammlerstück."

Sie sah vom Bildschirm auf und lächelte. „Das hat Fersen auch gesagt. Ich sagte ihm, dass ich es zuerst von Vater begutachten lassen muss, bevor ich irgendetwas unternehme."

„Oh."

Fersen. Dieser besondere Name fand dieser Tage immer öfter Einzug in die Gespräche der Chefin.

Ich fühlte, wie sich die Haare in meinem Nacken aufstellten, als die Chefin mich mit einem neugierigen Blick, eine Augenbraue hochgezogen, fixierte und merkte, dass sie aus meiner einsilbigen Antwort etwas herausgespürt hatte.

Sie ist wirklich zu scharfsinnig, dachte ich, innerlich seufzend. Ich erwiderte ihren Blick so nichts sagend wie ich konnte, in der Hoffnung, sie würde davon absehen, Fragen zu stellen.

Erleichtert sah ich sie sich zu ihrem Computer umwenden, um die Maschine auszuschalten.

„Dann lass uns gehen.", sagte sie und erhob sich mit einer fließenden Bewegung.

Draußen warf sie mir beiläufig die Autoschlüssel zu – eine weitere Überraschung. Normalerweise weigerte sie sich, von irgendjemandem herumgefahren zu werden. Ich fragte mich kurz, ob es ihr gut ging.

Die Fahrt zum Flugplatz, wo der private Firmenjet stand, verlief äußerst still. Ich war es gewohnt, dass die Chefin in kurze Perioden stummen Nachdenkens verfiel, aber nicht so lange.

Was nur eins bedeuten konnte.

„Ich nehme an, du hast wieder nicht geschlafen.", sagte ich, bevor ich mich zurückhalten konnte.

Für einen Moment sagte sie kein Wort; sie neigte lediglich ihren Kopf ein wenig und sah mich aus dem Augenwinkel heraus an. Dann: „Diesen Ton in deiner Stimme habe ich schon einige Zeit nicht mehr vernommen."

Fast lächelte ich über ihren trockenen Tonfall. Stattdessen entschied ich mich, mit den Schultern zu zucken. „Ich bin nur besorgt", erwiderte ich lässig.

Sie nickte. „Ja, das sagst du immer.", antwortete sie.

Zum tausendsten Mal wunderte ich mich, wie sie je meine Sorge um sie in Frage stellen konnte. Wenn du nur wüsstest wie sehr… hätte ich gern gesagt, doch bisher hatte ich es nicht gewagt.

„Und ich sage dir, was ich dir immer gesagt habe, Andre Grandier.", sagte sie, wobei sich ihre Stimme zu jenem bekannten stählernen Ton verhärtete, der einen Vorwurf ankündigte, „Du kümmerst dich um meine Angelegenheiten und ich kann mich um mich selbst kümmern."

Nun, es war recht offensichtlich, dass sie von etwas genervt war. Ich lies es für den Augenblick auf sich beruhen und konzentrierte mich auf die Straße.

Vom Flugplatz aus ging es mit dem Jet nach Arras, wo die Familie der Chefin ein Schloss hatte, welches sie in ihren raren Ferien bewohnte, heute jedoch hatten wir keine Zeit, dort vorbeizuschauen. Auf dem Landeplatz wartete ein Auto, um uns zur Villa des Kunsthändlers, M. Lasonne, zu bringen.

M. Lasonne war ein großer, leicht rundlicher Mann mit Schnurrbart und einer Ausstrahlung von Autorität, die ihm wahrscheinlich dabei half, ein Vermögen mit dem Verkauf von Kunstgegenständen zu machen. Sich jedoch dessen bewusst, dass sein gegenwärtiger Kunde nicht von Ausstrahlung einzunehmen war, entschied er sich, natürlich und freundlich zu sein.

„Ah, ja.", sagte er zu mir, nachdem die Chefin mich ihm als ihren persönlichen Assistenten vorgestellt hatte. Ob er es seltsam fand, dass ich einer Frau zu Diensten war, war seinem Gesichtsausdruck nicht zu entnehmen und ich war inzwischen genug daran gewöhnt, mich nicht um die Spekulationen der Leute zu kümmern.

Nach einer freundlichen Runde mit Drinks und Small Talk, ebenso wie einer kurzen Führung durch die alten Teile der Villa, gingen wir schließlich in den Zeichensaal, wo das Werk, auf einer Staffelei aufgestellt, wartete.

„Ich schwöre Ihnen, Madame", sagte Lasonne, während er das weiße Leinen, mit welchem das Gemälde bedeckt war, entfernte, „als ich Sie zum ersten Mal an der Tür sah, hatte ich das Gefühl, sie selbst wäre plötzlich zum Leben erwacht und aus der Leinwand gesprungen. Die Ähnlichkeit ist so verblüffend…"

An der Neigung ihrer Mundwinkel sah ich, dass die Chefin leicht amüsiert war. Zuerst Mme Antoinette, jetzt diese Person. Was konnte das für ein Mysterium sein?

Dann sah ich die Chefin auf die Leinwand blicken und das Lächeln verschwand aus ihrem Gesicht. Ich blickte über ihre Schulter und sah die Leinwand zum ersten Mal… und fühlte mich, als ob mir die Luft wegbliebe.

Da war sie, auf dem Rücken eines sich aufbäumenden Pferdes, gekleidet in eine Rüstung mit einem erhobenen Schwert in der rechten Hand. Die goldenen, sich kringelnden Locken ihres Haares fielen anmutig auf ihre Schultern - dieselben wie ein paar Zentimeter entfernt von mir.

Aber es war dieses Gesicht, mit diesen saphirblauen Augen… so unglaublich gleich…

Auf einmal fühlte ich mich, als ob der Raum sich von mir entfernte, als wenn ein Tunnel plötzlich zwischen mich und die anderen im Zimmer getreten wäre, der sie von mir entfernte. Ich hörte Lasonnes Stimme wie aus weiter Ferne: „Natürlich war der Künstler Armand ein bekannter Porträtmaler in den späteren Jahren von Louis XVI., aber die Revolution zerstörte die meisten seiner Werke. Ich habe mehrere Experten konsultiert und sie sind äußerst begeistert über die Echtheit dieses Werkes…"

„Wer ist sie?", hörte ich die Chefin mit schwacher Stimme fragen.

„Das ist nicht bekannt. Hier ist sie als Mars, Gott des Krieges, bezeichnet, aber wer sie im wirklichen Leben war, bleibt höchstwahrscheinlich unbekannt…"

Ich fühlte wie sich plötzlich Kopfschmerzen ankündigten und bemerkte, dass ich zu schwitzen begann. Auf einmal schien der Raum sehr heiß.

„…ein großer Glücksfall, wirklich… erst kürzlich gefunden… Spuren von häufigem Ortswechsel, aber trotzdem noch bemerkenswert gut erhalten…"

Die Worte vermischten sich mehr und mehr zu einem Durcheinander von sinnlosen Geräuschen und für einen Augenblick hatte ich Angst. Angst, dass ich mich an etwas erinnern könnte… an viele Dinge… Dinge, die nur darauf warteten, mein Gedächtnis zu durchbrechen wie einen Damm—

Schnell kam ich wieder zu mir, als mich die Chefin leicht an der Schulter schüttelte. „Andre, bist du in Ordnung?", fragte sie mit besorgter Stimme.

Ich schluckte hart und nickte. Das Zimmer und jeder darin waren wieder wie sie vorher gewesen waren. Wie sie immer gewesen waren.

„Du hast dein Handy fallen lassen.", wies die Chefin mich hin und ich bückte mich hastig, um es von dem mit dicken Teppichen belegten Boden aufzuheben.

Sie drehte sich zurück zu Lasonne. „Ich kaufe es", sagte sie einfach.

Die Rückfahrt nach Paris am späten Nachmittag war wieder ungewöhnlich still, doch dieses Mal tat ich wenig, um die Stille zu durchbrechen.

Dieses Gemälde… es war einfach zu seltsam! Aber die Ähnlichkeit war zu verblüffend, um ein Zufall zu sein. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hätte ich es eher für ein kürzlich entstandenes Bild von der Chefin gehalten, denn für ein über zweihundert Jahre altes Gemälde.

Im Flugzeug saß mir die Chefin gegenüber, eingehüllt in ihre eigenen Gedanken, mit überschatteten Augen, das Gesicht verschlossen gegen jegliche Musterung. Es war offensichtlich, dass sie nicht über das Gemälde oder irgendetwas bezüglich unserem Ausflug nach Arras reden wollte und ich konnte sehen, dass ich nicht gebraucht werden würde sobald wir Paris erreicht hätten. Und tatsächlich, sie wünschte mir eine gute Nacht sobald das Auto das Gebäude, in dem sich ihre Wohnung befand, erreicht hatte.

„Ich sehe dich morgen.", warf sie mir über die Schulter hinweg zu, als sie hinein ging.

Und das lies mich mit einigen freien Stunden für diesen Abend zurück. Toten Stunden.

Ich war daran gewöhnt, bis weit nach Mitternacht beschäftigt zu sein, manchmal sogar bis zu Morgengrauen, nur um all die Angelegenheiten der Chefin zu regeln, die in meinen Händen lagen, doch ein freier Abend war so etwas wie eine Neuheit.

Ich denke ich könnte versuchen Rosalie, die Sekretärin der Chefin, anzurufen, um sie zu fragen, ob wir essen gehen wollen (natürlich nur als Freunde) und das Neueste, was im Büro getan werden musste, zu besprechen, aber das war zu belanglos. Als ob wir nicht jeden Tag hier und da etwas Zeit aus unserem geschäftigen Terminplan herausholen könnten, um das zu tun. Außerdem könnte Rosalie diesen Abend mit Freundinnen weg sein. Gott weiß, dass sie mehr Freunde hat als ich.

Ah, aber ich fürchte ich zeichne hier ein sehr armseliges Bild von mir! Hier, lassen Sie mich mich erneut vorstellen: Ich bin Andre Grandier, 33 Jahre alt, Single, männlich, groß mit dunkelbraunem Haar und grünen Augen, der persönliche Assistent von Francoise de la Saigne (Fräulein, könnte ich anfügen, da sie nicht verheiratet war, aber niemand wagte es, sie mit Fräulein anzusprechen), die wiederum Geschäftsführerin von La Saigne Industries war. Die Chefin war ein Jahr jünger als ich, aber darauf wäre natürlich niemand gekommen, so wie sie ihr Personal führte.

Jedenfalls war die Lady der ich diente beeindruckend, doch sie war nicht immer so. Ich weiß das, da ich praktisch mit ihr in der Villa ihres Vaters aufgewachsen bin.

Als Enkel der Haushälterin wurde ich meiner Großmutter anvertraut, nachdem meine Eltern in einem Autounfall gestorben waren als ich gerade acht Jahre alt war. Natürlich hatte Omi versucht, mich so gut wie möglich aufzuziehen, allerdings war ich nur eine von ihren vielen Sorgen im täglichen Kampf mit der Arbeit. Das war auch der Zeitpunkt gewesen, als sich Monsieur de la Saigne einschaltete.

Nach der Regelung des Schulgeldes und der Genehmigungen, wurde ich gebeten, der Familie einen einfachen Gefallen zu tun; mich mit der frühreifen, jüngsten Tochter anzufreunden und sie bei ihren täglichen Aktivitäten zu begleiten. Natürlich nahmen sie mich nur Omi zuliebe auf, da sie fast alle ihre reifen Jahre dort verbracht hatte, aber ich war trotzdem dankbar.

Die Familie hatte nur Töchter, und als die letzte geboren war, hatte sich Monsieur damit abgefunden, dass er diese Kleine dazu erziehen würde, die Firma zu führen, als ob sie der Sohn wäre, den er nie hatte.

Das war auch einer der Gründe gewesen, weshalb Monsieur mich gebraucht hatte, um für Francoise da zu sein. „Sie hat keine Brüder.", hatte ihr Vater gesagt, „Und sie wird jede Hilfe, die sie im Umgang mit Männern kriegen kann, brauchen. Sie muss sich an sie gewöhnen, da ihre Zukunft wahrscheinlich viel damit zu tun haben wird, mit Leuten umzugehen. Verstehst du mich, Andre?"

Ich sagte, ich verstünde. Wie es sich zeigte, verbrachte ich fast mein gesamtes Leben mit der Chefin und ich würde es nicht anders gewollt haben. Ich absolvierte die Universität mit einer Auszeichnung in Betriebswirtschaft, aber am Ende entschied ich mich freiwillig dafür, an ihrer Seite zu bleiben. Als ihr Vater von meiner Entscheidung erfuhr, war er sehr erfreut; niemand kannte Francoise so gut wie ich. Ich würde ihr als ihr persönlicher Assistent eine große Hilfe sein, ein zuverlässiger Berater, der ihre Launen kannte und in der Lage war, mit ihren strikten Zeitplänen in der Firma zurechtzukommen.

Die Chefin selbst schien erfreut über meine Entscheidung, obwohl sie kein Wort sagte, als sie es herausfand.

Ich für meinen Teil kann nur sagen: Ich hätte alles gegeben, um bei ihr zu sein, denn sobald ich die Universität abgeschlossen hatte, hatte ich mich verliebt.

Nur, dass es niemand wusste.

Es brauchte auch keiner zu wissen. Zumindest jetzt noch nicht.

Mein Telefon klingelte und ich konnte sehen, dass die Chefin und ich M. de la Saigne aufgrund des plötzlichen und vollkommen unerwarteten Kaufs eines sehr teuren Ölgemäldes an diesem Nachmittag eine ganze Menge zu erklären hatten.