Neville, ich…" Doch Neville ließ sie nicht ausreden: „Lass es Hermine, ich hab schon verstanden. Du liebst ihn. Ich wünschte nur, dass wäre dir eingefallen, bevor ich angefangen hab dich zu lieben!"


21. So oder So

Harry ahnte nichts Gutes, als er Hermine sah, die verheult in ihrem Wohnzimmer stand und verzweifelt schluchzte. Er hatte Ron gebeten endlich Klartext zu reden, was diesen dazu ermutigt hatte sofort ins Ministerium zu seinem Vater zu gehen – er hatte Harry nicht verraten, was er dort wollte. Und so war Harry nun ganz alleine mit der heulenden Hermine und dieser verkorksten Situation.
„Was ist passiert?" Langsam ging er auf Hermine zu und führte seine noch immer stark schluchzende Freundin zur Couch, wo sie sich setzte.
„Er hat mich rausgeschmissen. Er…Er war so böse…Ich…ich hab ihn noch nie so gesehen, er…Gott, Harry, was habe ich ihm nur angetan?" Weinend warf sie sich Harry in die Arme, der ihr sanft über den Rücken strich, um sie zu beruhigen. Er wusste nicht, was er antworten sollte. Er konnte Neville verstehen. Das neuerliche Annähern von Hermine und Ron war selbst für den sonst immer so ruhigen Neville zu viel gewesen. Er hatte viel mit ihm gesprochen in der Zeit, in der Ron verschwunden war und da hatte er bemerkt, dass Neville Hermine wirklich liebte.
„Ich liebe ihn wirklich, Harry, das musst du mir glauben! Er war nicht nur ein Trostpflaster…aber…" Wieder begann sie zu weinen und genau in diesem Moment betrat Ron stürmisch die Wohnung: „Es hat geklappt Harry! Vor dir steht der neue Trainer der rumänischen Nationalmannschaft!" Kaum hatte er die Worte ausgesprochen wurde Ron gewahr, dass Hermine auf seiner Couch saß und ihn schockiert anstarrte.
„Der was?" fragte sie mit zittriger Stimme. Harry ließ sie los und verschwand still und leise aus der Wohnung, er ahnte, dass die beiden einiges zu besprechen hatten.

„Du hast was?" Hermine hatte ihre Sprache wieder gefunden und schrie Ron förmlich an.
„Würdest du dich bitte beruhigen!"
„Ich will mich aber nicht beruhigen! Neville hat mich rausgeschmissen und kaum komme ich zu dir, erzählst du mir, dass du für zwei gottverdammte Jahre nach Rumänien gehst, um eine Sportart auszuüben, die du hasst! Das kann doch nicht dein Ernst sein!"
„Doch, es ist mein Ernst. Harry hat gesagt wir müssen uns endlich klar darüber werden, was wir sind, und er hat Recht. All die Jahre des Hasses auf dich, Qudditch und Neville, das war wirklich zu viel. Alles, was ich gemacht habe, war in dieser Wohnung sitzen, einen Job beim Ministerium machen, den ich hasse und zu hoffen, dass du durch ein Wunder, wieder zu mir zurückkommst…"
Hermine unterbrach ihn: „Ich bin wieder da, Ron. Ich bin wieder da!"
„Aber warum Hermine? Doch nur, weil Neville dich rausgeschmissen hat, doch nur, weil wir beide die alten Zeiten habe aufleben lassen. Aber früher ist vorbei, da hat Harry recht. Und ich kann dich nicht lieben, ohne mit mir selbst klar zu kommen, verstehst du?" Hermine antwortete nicht, sie stand nur völlig bewegungslos vor Ron und starrte ihn an. „Geht es dir gut?"
„Nein, Ron, es geht mir nicht gut. Du bist ein gottverdammter Idiot! Wieso entdeckst du denn jetzt plötzlich deine vernünftige Art?"
„Ich denke, dass ist Harrys schlechter Einfluss." Hermine konnte nicht anders, als zu lächeln und als Ron auf sie zukam, um sie zu umarmen, wehrte sie sich nicht. „Ich komme wieder, das verspreche ich dir. Und dann werden wir sehen, ob ich immer noch nicht ohne dich leben kann, OK?" Hermine nickte nur und umarmte Ron etwas stärker. Auch wenn sie ihn in diesem Moment für seine Vernunft hasste, wusste sie doch, dass es das einzig richtige war. Sie brauchten Abstand, um wieder das zu werden, was sie einmal waren.

„Wo ist Hermine?", fragte Harry, als er die Wohnung Stunden später wieder betrat.
„Sie ist gegangen. Zu ihren Eltern."
„Sie hätte hier bleiben können!"
„Sag das nicht mir, ich hab es ihr angeboten, aber sie wollte nicht dabei sein, wenn ich mich verabschiede." Harry horchte auf.
„Es war kein Scherz? Du gehst nach Rumänien?"
„Ich hatte in dieser Hütte definitiv viel zu viel Zeit zum nachdenken, und als ich da halbtot lag wurde mir klar, dass es nur zwei Dinge auf der Welt gibt, die ich liebe: Hermine und Quidditch. Ich muss wieder ich selbst werden, Harry. Nur dann habe ich eine zweite Chance mit ihr." Harry war gerührt von Rons kleiner Rede, es war schön zu sehen, dass er endlich wieder ein Ziel vor Augen hatte. Harry ging auf ihn zu und umarmte ihn.
„Ich werde dich vermissen!"
Ron schlug Harry freundschaftlich auf den Rücken: „Ich dich auch, aber wenn du willst, kannst du mal zu einem Spiel kommen."
„Da sage ich nicht nein!"

Zwei Tage später machte sich Ron auf den Weg nach Rumänien. Hermine hatte sich nicht mehr gemeldet, doch Harry wusste, dass Ron ihr eine Eule geschickt hatte. Harry hatte von Lucinda eine neue Stelle angeboten bekommen, zu der er sofort ja sagte. Er verstand sich gut mit ihr und war froh, dass trotz des Desasters, welches Draco angerichtet hatte, seine Ministeriumskarriere nicht vorbei war. Ganz im Gegenteil, als er sein nagelneues Büro betrat kam es ihm so vor, als würde sie gerade erst beginnen. Lächeln nahm er an seinem Schreibtisch Platz und entdeckte einen kleinen Brief, auf dem mit einer ihm sehr bekannten Handschrift „Für Harry" stand. Lächeln nahm er den Umschlag zur Hand und holte eine kleine Karte heraus: „Ich wünsche dir alles Gute für deinen neuen Job! Ginny" Wer weiß, vielleicht brauchten er und Ginny, genau wie Ron und Hermine, einfach Abstand um alles wieder so werden zu lassen, wie es einmal war.
„Mr. Potter, ich sehe, sie scheinen gefallen an ihrem Büro gefunden zu haben?" Es war Lucinda. „Aber für jetzt muss das reichen, es wartet Arbeit auf uns!" Harry erhob sich von seinem Schreibtisch, warf noch einen kurzen Blick auf Ginnys Brief und folgte dann Lucinda. Er hatte das Gefühl, dass sich alles zum Guten wenden würde. So oder so.