Kapitel 10 – I want your love, let's break the walls between us

Als Amy aufwachte, fühlte sie sich, als hätte sie drei Tage geschlafen. Aber vor allem bemerkte sie ihren leeren Magen, der laut nach Essen knurrte. Jemand neben ihr lachte leise auf und mit einem Blinzeln stellte Amy fest, dass Lenny auf einem Stuhl neben ihrem Bett saß. Sie war im Krankenflügel. Wie war sie hier hergekommen? „Cedric hat dich hochgetragen" ,meinte Lenny und Amy fragte sich, ob sie laut gedacht hatte, „Warum bist du denn aufgestanden? Madam Pomfrey hat nicht mal mitbekommen, dass du überhaupt wach warst. Du hast uns allen ne ganz schönen Schrecken eingejagt. Besonders Cedric. Willst du mir erzählen, was passiert ist? Cedric meinte nur, dass du gefallen bist. Aber das ist nicht alles oder? Ich..." „Lenny, stopp" ,fuhr Amy ihr dazwischen, „Nicht so viel Informationen und Fragen auf einmal bitte. Ich bin gerade erst aufgewacht." „Richtig, richtig" ,murmelte Lenny, „Tut mir Leid. Also... was ist passiert? Cedric ist total verwirrt, fast so wie du, als du endlich kapiert hast, dass du ihn liebst. Was hast du ihm erzählt?"

Amy stöhnte: „Du kannst dich einfach nicht zurückhalten oder? Ich sagte weniger Informationen. Nicht noch mehr... Ich, ah, ich hab ihm gesagt..., dass ähm... ich ihn liebe." „Du hast...? Aber... Und? Was hat er gesagt?" „Gar nichts. Ich mein, was hab ich denn erwartet? Er und Cho... Ach, überhaupt! Das ist alles nur deine Schuld. Du hast mich dazu überredet. Und das hab ich nun davon! Ich steh da wie der letzte Trottel." „Was? Wie? Und ich soll mich mit den Informationen zurückhalten, tz... Muss ich dir den Mund zu kleben oder würdest du einem Schwall von Informationen aus meinem Mund lauschen, ohne dazwischen zuquasseln, egal was ich sage? Was meinst du, ob's hier Klebeband gibt?" „Pf... fang an. Ich hör dir zu und bin furchtbar gespannt" ,erwiderte Amy augenrollend.

„Wehe, ich hör nur einen Mucks" ,grinste Lenny, bevor sie mit ihrer Predigt begann, „Ich frag mich ernsthaft, ob du mit Absicht so blind bist. Jeder hält euch, sprich dich und Cedric, für das absolute Traumpaar. Es wurden sogar schon Wetten abgeschlossen, wann ihr denn endlich zusammenkommt. Selbst Cho hat schon gemerkt, dass sie keine Chance gegen dich hat. Oder was meinst du warum sie dauernd Streit mit Cedric oder wahlweise auch mit dir hat? Sie ist eifersüchtig. Und das nicht ohne Grund... Halt die Klappe, Amy. Ich schwör dir, ich werde Klebeband finden. Wo war ich? Ah, richtig... Cedric ist immer bei dir und wenn nicht, dann spricht er von dir. Er kommt zu dir, wenn du ihn brauchst. Er pflegt dich, wenn du kränkelst. Er kommt gerannt, wenn du pfeifst. Er bringt dich zum Lachen, auch wenn du eigentlich todtraurig bist. Und selbst jetzt" ,seufzte Lenny und deutete auf das Bett hinter ihr, wo, wie Amy jetzt erst auffiel, Cedric schlief, „Selbst jetzt weicht er nicht von deiner Seite. Weißt du wie lange er gebraucht hat, um Madam Pomfrey dazu zu überreden, dass er hier schlafen darf? Er war die letzten Tage hier. Blass, schweigsam, verwirrt und in Gedanken. Mein Gott, Amy, wie viele Zeichen brauchst du denn noch?"

Amy wollte sie unterbrechen, da sie dachte Lenny sei vielleicht endlich fertig, doch im Gegenteil. „Klappe. Ich bin noch lange nicht fertig" ,fuhr Lenny fort, „Du hast es nie mitbekommen, natürlich. Aber immer wenn du nicht in der Nähe warst, war er nicht gerade das, was man freundlich nennt zu Cho. Meistens hat er sie fast gänzlich ignoriert. Cho war nur ein Mittel zum Zweck. Er wollte dich eifersüchtig machen. Vielleicht war das nicht von Anfang an so, aber er hat wohl ziemlich schnell geschnallt, dass Cho ne Zicke ist. Nun, weiter im Text... Ihr flirtet ständig mit einander! Ich mein, dass ist schon nicht normal. Und nein, Amy, dass ist kein freundschaftliches Flirten. Warum verstehst du denn nicht, dass er dich genauso liebt, wie du ihn liebst? Klar, ich hätte auch Angst, um die Freundschaft und so. Aber Amy, so macht ihr euch doch beide nur unglücklich. Ihr seit so sehr ineinander verliebt, dass ihr platzt, wenn ihr euren Gefühlen nicht bald Luft macht. Probiert es doch einfach miteinander. Wenn ihr es nicht schafft, dann schafft es keiner. Ihr wärt ein tolles Paar... Nun, ja ich werd dann mal zum Abendessen."

„Warte Lenny" ,rief Amy, als die Freundin schon fast an der Tür war, „Ich komm mit. Zieh mich nur schnell an." In Windeseile hatte Amy ihre Klamotten gewechselt, sie hatten einen Riesenhunger. Doch als sie erneut einen Blick auf das Bett mit Cedric warf, hielt sie inne. Er sah immer noch so verdammt süß aus, wenn er schlief. Lennys Worte hallten noch in ihrem Kopf nach, um ihre Wirkung zu verschärfen und Amy war sich nicht sicher, ob sie ihnen Glauben schenken konnte. Natürlich stimmte es, dass Cedric immer für sie da war und das alles... aber war das wirklich ein Anzeichen für Liebe? Hatte Cedric Cho nur ausgenutzt, um sie eifersüchtig zu machen? Würde er so etwas tun? „Amy, komm. Lass ihn schlafen" ,meinte Lenny von der Tür leise, „Er hat in den letzten Tagen aus Sorge kaum ein Auge zu gemacht. Du wirst schon noch mit ihm reden können. Es wird alles gut." Nach einem letzten Blick auf Cedric, folgte Amy der Freundin nach unten.

Amy wollte gerade hinter Lenny durch die Flügeltür in die Große Halle schlüpfen, als eine vertraute Hand ihr Schauer über den Rücken schickte. Cedric drehte sie vorsichtig zu sich herum und lächelte sie schwach an. „Eve, ich... ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht" ,flüsterte er, während er mit seinen blau-grauen Augen in ihrer starrte, als wolle er darin versinken, „Du kannst doch nicht einfach... Gott, ich bin fast gestorben, als du nicht mehr im Bett lagst, dabei bin ich doch nur ganz kurz einge..." „Ced?" ,wollte Amy ihn unterbrechen, doch er ließ ihr keine Chance. „Eingenickt und dann warst du weg" ,fuhr er fort, „Mach so was nie wieder! Hörst du? So einen Schock vertrag ich nicht noch mal." „Cedric?" „Ich wollte doch gar nicht schlafen. Aber ich war auf einmal so müde, weißt du? Ich war die ganzen letzten Tage wach, um neben dir zusitzen, wenn du aufwachst. Dann sind mir einfach die Augen zugefallen und als ich aufgewacht bin, warst du einfach weg. Du weißt ja gar nicht, was für einen Schock..." „Cedric?" ,wiederholte Amy kopfschüttelnd. „Huh?" ,fragte dieser und blinzelte kurz, als ob er sie erst jetzt wieder voll wahrnehmen würde. „Ich wollte doch nur was essen" ,seufzte Amy, „Ich hab seit Tagen keinen Bissen mehr zu mir genommen." „Oh... oh, natürlich. Gehen wir essen" ,nuschelte Cedric und ließ ihren Arm los.

Geknickt öffnete Amy erneut die Tür zur Großen Halle. Was hatte sie denn erwartete, das große Liebesgeständnis? Eine Szene wie frisch aus dem neusten Hollywood- Liebesdrama? Sie hatte sich viel zu viel Hoffnung von Lenny einreden lassen. Lenny... ,der würde sie was erzählen! Ihr so einen Mist einzureden. Cedric liebte sie... ja, natürlich. Und wie er das tat... ganz klar. Wie hatte sie das nur eine Sekunde lang glauben können? Er war immer noch nur ihr bester Freund, der sich Sorgen um sie machte und sich zeitweise aufführte, als wäre er ebenfalls ihr großer Bruder. Aber Liebe? Nein. Warum sollte er auch gerade sie wählen, wo er doch jedes Mädchen haben könnte? Wirklich jedes Mädchen! Und dann gerade sie? Sie hatte doch nichts besonderes an sich, sie war auch nicht hübsch, sie war nicht beliebt, sie war nicht sonderlich lustig, sie...

„Eve?" ,fragte Cedric leise und Amy hielt inne. Noch bevor sie die Tür wieder schließen konnte, hatte Cedric sie zu sich herum gedreht und blickte ihr erneut in die Augen. „Was du da gesagt hast damals, bevor du..." ,fuhr er genauso leise fort, „Du weißt doch..." „Nein. Was habe ich wann gesagt?" ,fragte Amy perplex. „Na, du weißt schon..., dass du... du... du weißt schon. Ich wollte nur... ich habe keine Ahnung, wie ich... Eve, ich... ich dich auch." „Was?" ,fragte Amy verstört, „Ced, von was sprichst du eigentlich?" In ihr Unterbewusstsein war die Antwort auf diese Frage schon längst durch gesickert, aber Amy konnte es einfach nicht glauben. Er konnte nicht das meinen, was sie glaubte. Das war unmöglich.

Cedric schwieg einen Moment, starrte sie an. Amy war sich sicher, dass sein Blick etwas sagte, wie ‚Mach es mir doch nicht so schwer' und sie konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Das war ihr Cedric. „Amy Hannah Even" ,meinte er dann auf einmal mit fester und lauter Stimme, als wolle er sicher gehen, dass sie ihn auch wirklich verstand, „Ich... liebe dich." Amy konnte nichts weiter, als Cedric mit großen Augen anzustarren, während in der Halle Gemurmel losbrach. Alle hatten es gehört und Amy war sich sicher mehrer ‚Endlich's aus den verschiedensten Ecke hören zu können, während sie Cedric noch immer ungläubig anstarrte. Dieser war jedoch nicht ganz so bewegungsunfähig wie Amy und war so geistreich die Tür zur Großen Halle zu verschließen.

Unterdessen war Amy wieder zu sich gekommen. „Ced...?" ,flüsterte sie, „Versprich mir, dass das kein Traum ist." Cedric musste lächeln: „Nein. Nein, Eve, das ist kein Traum." Amy kam die wenigen Schritte, die sie trennten auf ihn zu. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, um die Arme hinter seinem Nacken verschränken zu können. „Ich liebe dich auch, Ced" ,flüsterte sie dann leise in sein Ohr. Cedric legte die Hände an ihre Hüften und zog sie fester an sich. Noch einmal schauten sie einander in die Augen, bevor sie sie schlossen. Langsam, so als wollten sie jede Sekunde auskosten, näherten sich ihre Lippen und als Amy Cedrics heißen Atem auf ihre Haut fühlen konnte, hielt sie inne. Sie wollte, dass dieser Moment niemals aufhörte. Dann berührten sich ihre Lippen und blieben sanft aufeinander ruhen.

Zum ersten Mal genoss Amy die Schmetterlinge in ihrem Bauch und gewährte ihnen freien Flug. Ihre Knie wurden weich wie Pudding und ihre Hände begannen zu zittern. Doch ihr fiel nichts anderes ein, als sich noch enger an Cedric zu drücken, was das Ganze nicht unbedingt besser machte. Das war er also, ihr erster richtiger Kuss und er war genauso, wie sie ihn sich gewünscht hatte. Auch die anderen zwei Küsse waren schön gewesen, aber dieser war besonders. Endlich musste sie sich keine Gedanken mehr darum machen, dass sie ihren besten Freund küsste. Keine widerspenstigen Gedanken wollten ihr mehr Glaube machen, dass das nicht richtig war. Dieser Kuss sollte niemals aufhören.

Doch nach einer kleinen Ewigkeit musste auch Amy einsehen, dass eine Sauerstoffzufuhr unumgänglich war und so ließ sie schwer atmend von Cedrics Lippen ab. Lächelnd blickte sie Cedric an, der ihr eine Locke aus dem Gesicht strich und ihr einen Kuss auf die Stirn drückte. „Ich liebe dich" ,wiederholte er und Amys Lächeln wurde noch breiter: „Ich dich auch." Dann drängte sich plötzlich ein lautes Knurren aus ihrer Magengegend in ihr Bewusstsein und Cedric lachte. „Gehen wir essen" ,grinste und griff nach ihrer Hand. Amy verschlang ihre Finger mit seinen und gemeinsam gingen sie in die Höhle des Löwen.

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