Disclaimer: Die Rechte an allen bekannten Personen, Orten, Zaubersprüchen usw. gehören natürlich J.K. Rowling. Der Rest ist von mir - ich schreibe nur zum Vergnügen, und ziehe keinerlei finanziellen Vorteil hieraus.

--- Dieses ist eine kleine Story über eine Sache, die mir schon ganz lange im Kopf herum geistert – wer „Verteidigung gegen Zaubertränke" gelesen hat, hat vielleicht eine leise Ahnung, wovon ich rede! g Mein Dank geht hier an Nemea, deren Mut, sich an ein ungewöhnliches Pairing heranzuwagen ich bewundere, und an Cissylein, die mich angefeuert hat, diese Idee, die schon seit einiger Zeit auf Eis lag, aufzutauen! ;) Viel Spaß beim Lesen!

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Ein gelungenes Experiment

Kapitel 1

Die schwarzen Knopfaugen der Ratte weiteten sich ängstlich, als sie die große Hand mit der Pipette auf sich zukommen sah. Doch so viel sie auch zappelte – es half nichts. Die grünlich schimmernde Flüssigkeit, die ihr Tropfen für Tropfen in das gewaltsam geöffnete Maul geträufelt wurde, rann unaufhaltsam die kleine Kehle hinunter, bis schließlich der Schluckreflex einsetzte.

Bitter! Scheußlich! Ganz und gar anders, als die halb verwesten Köstlichkeiten, die Ratten sonst zu sich zu nehmen pflegten.

Die Ratte schüttelte sich ausgiebig, als sie endlich in den Käfig zurückgesetzt wurde. Wie gern hätte sie die langen kräftigen Finger gebissen, aber der schwarzgekleidete Mann, zu dem diese Hand gehörte, war scheinbar sehr geschickt im Umgang mit Nagetieren und stets auf der Hut, vor den spitzen Zähnen seiner Gefangenen. Außerdem war sie nicht mehr die Jüngste und längst nicht mehr so wendig und schnell wie früher.

Also beschränkte sich die Ratte gezwungenermaßen darauf, den Mann wütend und bedrohlich anzustarren – und die Frau, die neben ihm stand gleich mit – sicherheitshalber!

„Es scheint ihr gut zu gehen!", sagte die Frau.

Die hatte leicht reden! Sie hatte ja nicht dieses eklige Gebräu schlucken müssen.

„Abwarten!", sagte der Mann. „Den letzten beiden ging es am Anfang auch gut, kurz bevor sie tot umfielen."

WAS? Das klang nicht gut! Gar nicht gut!

Und sie fühlte sich auch schon so seltsam – als würde ein heimtückisches Gift durch ihre Venen kriechen und ihren Körper in Brand setzten, ohne dass sie jedoch wirkliche Schmerzen empfand. Langsam machte sich Panik in ihr breit.

Die Ratte drehte sich hektisch ein paar mal im Kreis, um auszuprobieren, ob noch alles an ihr funktionierte. Einwandfrei! Sogar das Zwicken im rechten Hinterbein, dass sie seit geraumer Zeit plagte – genauer gesagt, seit diese vermaledeite Katze sie beinahe erwischt hatte – war verschwunden. Bei näherer Betrachtung waren auch die ziehenden Schmerzen im linken Hüftgelenk verschwunden und es kam ihr außerdem so vor, als ob sie schärfer sehen konnte. Sie fühlte sich fast so fit wie früher, als die Katzen dieser Welt nicht einmal den Hauch einer Chance gehabt hatten, sie zu erwischen. Genial!

Und da war noch etwas – sie fühlte sich irgendwie anders, so... ja... so... RATTIG! Wenn doch nur irgendwo ein rattenscharfes Rattenmännchen greifbar gewesen wäre! Zur Not hätte sie sogar mit dieser Hand... Nein! Lieber doch nicht. Sie drehte sich nochmals im Kreis auf der Suche nach einem probaten Ersatz und stürzte sich schließlich auf einen halb abgenagten Apfel, der in der Ecke des Käfigs lag, und begann, sich in unsittlicher Weise daran zu reiben.

„Es geht ihr eindeutig gut!", sagte Minerva McGonagall amüsiert.

„Da wäre ich mir nicht so sicher!", sagte Severus Snape trocken. „In der Regel treiben es Ratten nicht mit Äpfeln. Sie könnte an geistiger Verwirrung leiden."

„Sie sind ein alter Pessimist!", sagte McGonagall missbilligend.

„Wir müssen abwarten!", sagte Snape ungehalten. „Es sind noch einige weitere Versuchsreihen nötig."

„Wir haben keine Zeit mehr Severus!", sagte McGonagall eindringlich. „Albus Zustand verschlechtert sich von Tag zu Tag. Wenn wir den rasanten Zerfall seiner Zellen nicht aufhalten und wenigsten teilweise ins Gegenteil umkehren zu können, wir er sterben."

„Noch ist nur der Arm davon betroffen", sagte Snape stur. „Man kann auch mit nur einem Arm leben!"

„Sie wissen genau, dass er das niemals zulassen würde", sagte McGonagall. „Außerdem wissen wir nicht, wie die Auswirkungen des Fluchs sich verändern würden, wenn er sich wirklich zu einer Amputation entschließen würde – das Risiko ist viel zu hoch! Die einzige Hoffnung die er hat ist dieser Heiltrank."

„Die Chance, das dieser Trank ihn umbringt ist fast genauso hoch", schnaubte Snape. „ich habe Ihnen doch gesagt, dass sein Organismus schon viel zu geschwächt ist, um die möglichen Nebenwirkungen zu verkraften und Poppy hat ihnen das doch auch bestätigt. Warum sind Sie so stur, Minerva?"

„Ich bin nicht stur!", sagte McGonagall kühl. „Ich habe mir Ihre und Poppys Einwände durchaus durch den Kopf gehen lassen, und ich habe die einzig richtige Lösung für dieses Problem bereits gefunden."

„Ach! Haben Sie?", sagte Snape sarkastisch und zog seinen Augenbrauen in schwindelerregende Höhen.

„Wir werden den Trank an einer geeigneten Person testen, dann werden wir mehr über die Nebenwirkungen erfahren, und können abschätzen, ob sie für Albus zumutbar sind", sagte McGonagall.

„WIR?", sagte Snape indigniert. „Ich war bisher der Meinung, ICH würde dieses Forschungsprojekt leiten."

„Das tun Sie, Severus! Aber ich bin Ihre Vorgesetzte, während Albus ausfällt", sagte McGonagall beinahe sanft, „und daher werde ich bei dieser Entscheidung das letzte Wort haben. Wir wissen doch beide, dass Ihnen der entscheidende Durchbruch bereits gelungen ist", fügte sie hinzu, „jetzt läuft es doch nur noch daraus hinauf ein paar kleine Feinabstimmungen vorzunehmen."

Snape kniff die Augen zusammen und schnaubte feindselig. Er konnte es nicht ausstehen, wenn McGonagall ihren Vorgesetztenstatus betonte.

„Und wem haben sie die Ehre zugedacht, UNS als Versuchskaninchen zu dienen?", fragte er gereizt.

„Mir selbst!", sagte McGonagall knapp.

„Wie bitte?" Snape sah sie entgeistert an. „Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst?"

„Würde ich es wagen, mit ihnen Scherze zu treiben?", fragte McGonagall süffisant.

„Das ist viel zu gefährlich", sagte Snape. „Wie zum Teufel kommen sie auf die Idee, dass Sie dafür geeignet wären und vor allem, wie kommen Sie darauf, dass ich dem zustimmen könnte?"

„Ganz einfach, Severus", seufzte McGonagall ungeduldig. „Ich bin alt und habe diverse Wehwehchen, bin aber trotzdem robust genug, eventuelle Nebenwirkungen aushalten zu können – kurz gesagt – ich bin eine perfekte Versuchsperson. Wenn sie den Trank an einer jüngeren Person testen, wie wollen Sie dann feststellen, ob der Vorgang der Zellregeneration wirklich so extrem angekurbelt und beschleunigt wird, wie es für eine Heilung von Albus notwendig sein wird. Bei meinen Falten werden sie eine solche Veränderung sofort mit bloßem Auge feststellen können."

Sie machte eine kurze Pause und sah ihm mit strengem Blick in die Augen.

„Und zu der Frage, wie ich darauf komme, dass Sie dem zustimmen...", fuhr sie herablassend fort, „...muss ich wirklich NOCHMALS darauf hinweisen, wer diese Schule momentan leitet?"

„Und wer soll bitte die Schule leiten, wenn Sie dabei drauf gehen?", fragte Snape pampig.

„Sie natürlich, Severus! Oh mein Gott – was sag' ich da...? Jetzt werden sie mich sicher vergiften!", sagte McGonagall sarkastisch.

„Das klingt in der Tat verlockend!", sagte Snape säuerlich.

„Nun? Stimmen sie zu?", fragte McGonagall spitz. Der Zusatz: ‚...oder muss ich es tatsächlich ANORDNEN?' stand ihr dabei deutlich ins Gesicht geschrieben.

„Meinetwegen!", knurrte Snape. „Aber ich bestehe darauf, die Ratte noch vierundzwanzig Stunden lang zu beobachten."

„Zeit ist kostbar, Severus, und Albus hat nicht mehr all zu viel davon!", sagte McGonagall ernst. „Wenn die Ratte heute Abend noch lebt, werden wir den Versuch durchführen."

Sie warf einen Blick in den Käfig, wo sich die Ratte immer noch munter mit den Resten des Apfels vergnügte, von dem sie allerdings mittlerweile einen weiteren Teil aufgefressen hatte.

„Ich werde um acht da sein", sagte McGonagall, „und halten sie besser ein paar Äpfel bereit", fügte sie mit einem amüsierten Lächeln hinzu.

„Sehr witzig, Frau Kollegin!", knurrte Snape ungehalten, dem das baldige abendliche Arrangement sichtlich gegen den Strich ging.

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Pünktlich um acht ertönte ein leises Klopfen an Snapes Wohnungstüre.

Die Ratte hatte ihm natürlich nicht den Gefallen getan, über den Jordan zu gehen – einerseits war er sehr erleichtert darüber, weil es seine Forschung, und damit Albus Genesungschancen ein gewaltiges Stück voran brachte, andererseits graute es ihm davor, den Trank nun bereits in diesem Stadium an einem Menschen ausprobieren zu müssen.

Es war ihm also nichts anderes übrig geblieben, als McGonagall beim Abendessen von dem zufriedenstellenden Zustand der Ratte zu berichten, die sich zwar nicht mehr so aufgedreht und verrückt gebärdete, wie am Nachmittag, aber immer noch topfit und bei allerbester Gesundheit zu sein schien.

Mit mürrischem Gesicht ging Snape zur Türe und öffnete diese, um verwirrt festzustellen, das niemand draußen stand.

Ein leises, aber vorwurfsvolles ‚Miau' ließ ihn den Blick senken.

Vor der Türschwelle saß eine getigerte Katze - die Vorderpfoten in exakt gerader Linie nebeneinander aufgestellt und den Schwanz ordentlich darum geringelt – und starrte ihn aus gelben Katzenaugen hochnäsig an.

Snape hielt die Türe weit auf und verdrehte die Augen mit einem äußerst gereizten Blick zur Zimmerdecke, während eine seiner Fußspitzen ungeduldig auf und ab wippte.

Als er wieder nach unten sah, saß die Katze immer noch am selben Fleck, und ihr kleines pelziges Gesicht, trug doch tatsächlich einen verächtlichen Ausdruck.

Snape seufzte verdrießlich.

„Treten Sie doch bitte ein, meine Teuerste!", sagte er ölig und machte eine lächerlich übertriebene, einladende Geste.

Endlich geruhte die Katze sich zu erheben und stolzierte mit hoch erhobenem Schwanz an ihm vorbei in den Raum hinein.

Als Snape die Türe geschlossen hatte, und sich wieder zu seiner Besucherin umdrehte, stand anstatt der Katze McGonagall vor ihm, die ihn aber nicht weniger von oben herab musterte, als gerade eben noch der arrogante Minitiger.

„Wozu war denn diese Show gut?", fragte Snape genervt.

„Ich will nicht, dass mein guter Ruf leidet!", sagte McGonagall ungerührt. „Was sollen die Leute denken, wenn sie mich am Abend in Ihren Privaträumen verschwinden sehen, und ich dann stundenlang nicht mehr herauskomme?"

Snape sah sie verärgert an, bevor er sich wegdrehte, um zu seinem Schreibtisch zu gehen, wo er die nötigen Utensilien für das Experiment vorbereitet hatte. Darum bekam er auch von dem kleinen boshaften Lächeln nichts mit, das McGonagalls Zügen kurzfristig einen Besuch abstattete.

McGonagall warf einen Blick auf die Ratte, deren Käfig Snape aus dem Labor hierher geschafft hatte, wohl um sie rund um die Uhr beobachten zu können.

Die Ratte sprang angriffslustig nach vorne, als McGonagall sich näherte, und versuchte die Schnauze durch die Gitterstäbe zu zwängen, um sie zu beißen – was für ein Unterschied zu dem Zustand vor Verabreichung des Zaubertrankes, als das Tier nur lethargisch in seinem Gefängnis gesessen war.

„Ihr Trank scheint tatsächlich zu wirken!", sagte McGonagall erfreut. „Der kleinen Probandin hier geht es offensichtlich blendend."

„Das sagt noch gar nichts!", sagte Snape gereizt, ohne sich umzuwenden.

„Wäre es im Bereich des Möglichen, dass sie mir eine Sitzgelegenheit anbieten, während ich darauf warte, dass sie dann endlich soweit sind?", fragte McGonagall spitz, als er weiter auf seinem Schreibtisch herum hantierte, und sie nicht weiter beachtete.

„Setzen sie sich!", grunzte Snape ohne sie eines Blickes zu würdigen.

McGonagall sah sich unschlüssig um. Sie war nur wenige Male in Snapes Privaträumen gewesen, in den ganzen Jahren, und wenn, dann nicht so lange, dass sich das Hinsetzten gelohnt hätte.

Snape hatte ihr Zögern bemerkt. Er zeigte ungeduldig mit dem Finger auf einen wuchtigen Ohrensessel, der vor dem Kamin stand.

„Dorthin!", sagte er barsch.

„Herzlichen Dank!", sagte McGonagall schnippisch, und stolzierte dorthin, um sich in königlicher Haltung, mit kerzengeradem Rücken, auf dem Sessel niederzulassen.

Kurz darauf kam Snape zu ihr und hielt ihr ein Reagenzglas, gefüllt mit grünschillernder Flüssigkeit vor die Nase.

„Austrinken!", kommandierte Snape.

„Wissen Sie, was mir gerade in den Sinn kommt...?", fragte McGonagall nachdenklich.

„Was?", fragte Snape lauernd. „Haben Sie es sich anders überlegt?"

„Aber nein!", sagte McGonagall. „Ich habe mir nur gerade überlegt, ob man wohl einen Trank brauen könnte, der einen Menschen freundlicher macht – ich wüsste da nämlich eine geeignete Testperson..."

„Reden sie keinen solchen Unsinn!", fauchte Snape. „Sie sind wegen eines wissenschaftlichen Experiments hier, und nicht um blöde Witze zu reißen!"

„Und Sie sind heute mal wieder ausgesprochen charmant!", seufzte McGonagall und lächelte ihn ironisch an. „Ich freue mich wirklich über alle Maßen, die nächsten Stunden mit ihnen verbringen zu dürfen."

„Können wir nun mit dem Smalltalk aufhören und mit der Arbeit beginnen?", sagte Snape eisig.

„Aber sicher!", sagte McGonagall. „Auf ihr Wohl, Severus!"

Sie hob das Reagenzglas an und kippte den Inhalt mit einem Schluck hinunter.

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Fortsetzung folgt...?

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