A/N: Danke an planet p, der mich auf die ViB Kategorie hingewiesen hat.

Disclaimer: Mir gehört weder Verliebt in Berlin, noch die Darsteller. Ich habe mir die Charaktere nur ausgeliehen und verdiene kein Geld mit meiner Geschichte.

Úmmei – (Amicus certus in re incerta cernitur)

Kapitel I

Lisa Plenske saß in der S-Bahn Richtung Berlin und blickte aus dem Fenster. Doch ihre Augen sahen nichts von der Landschaft, die draußen an ihn vorbei rauschte. Ihre Gedanken waren nach innen gekehrt, wie so oft in ihrem Leben. Nach drei Wochen Urlaub war heute ihr erster Arbeitstag und mit einem selbstironischen Lächeln wunderte sie sich, ob die Firma die drei Wochen ohne sie überlebt hatte.

Lisa wusste, das sie nicht viele körperliche Vorteile hatte. Wenn sie ganz ehrlich mit sich selbst war, fiel ihr kein einziger Grund ein, warum sich ein Mann körperlich zu ihr angezogen fühlen sollte. Ihr Leben lang war ihr das einerlei gewesen. Sie hatte sich in der Schule auf ihre Ausbildung konzentriert, denn anders als die meisten Teenager wusste sie, was sie wollte. Einen guten Abschluss, dann ein Studium und danach einen guten Arbeitsplatz. Jungs hatten in ihrer Planung keinen Platz, selbst, wenn es welche gegeben hätte, die sie näher kennen lernen wollten. Der einzige Junge und später Mann in ihrem Leben war Jürgen und er war ihr bester und auch einziger Freund.

Als sie bei Kerima Moda angefangen hatte, waren ihre Überzeugungen immer noch felsenfest. Sie wollte Karriere machen, oder wenigsten einen interessanten, gut bezahlten Job um einmal etwas aus sich zu machen und aus Göberitz raus zu kommen. Dann kam David Seidel. Als sie ihn das erste mal sah, wusste sie sofort, das sie sich unsterblich in ihn verliebt hatte, allerdings war sie ein Realist und so wusste sie auch dass Männer wie David kein Interesse an Frauen wie Lisa hatten.

Als sie dann den Job als seine persönliche Assistentin bekommen hatte, war sie überglücklich, nun konnte sie eng mit ihm zusammenarbeiten und ihn nebenbei noch anhimmeln, unauffällig natürlich. Und obwohl sie oft in Tag- und Nachtträume mit ihm verfiel war ihr dennoch immer bewusst, das sie nie eine Chance bei ihm haben würde. Nicht nur, weil sie so ein hässliches Entlein war, sonder auch, weil er mit der wunderschönen, netten Mariella verlobt war und obwohl sie von mehreren seiner Affären gewusst hatte und auch einige gedeckt hatte konnte sie ihn einfach nicht als etwas anderes als einen Traummann sehen.

Als Lisa aus dem Fahrstuhl trat und zu ihrem Schreibtisch vor Davids Büro ging, konnte sie ihren Augen kaum trauen. Auf ihrem Tisch stapelten sich nur so die Ordner und Mappen. Wenn sie es nicht besser gewusst hätte, hätte sie gesagt, David hätte alles einfach für sie liegen lassen, um ihr einen netten Empfang zu bereiten. Lisa seufzte leicht und ging erst einmal zu Agnes ins Catering, um sich einen Muntermacher zu besorgen.

Diese begrüßte sie mit einem Lächeln und stellte ihr ohne Kommentar ihren wundervoll starken Kaffee vor die Nase. Agnes wusste einfach immer das richtige zu tun oder sagen.

„Guten Morgen, Agnes. Danke." Bedankte sich Lisa mit einem großen, Zahnspangen freien Lächeln.

„Guten Morgen, Kleines. Hey, wo ist denn deine Zahnspange geblieben?" Wenn möglich wurde Lisas Lächeln noch größer.

„Ich wurde endlich von dem scheußlichen Ding befreit. So ich muss dann auch gleich loslegen. Etwas Ordnung in das Chaos bringen."

„Tu das, David hatte wirklich keinen Kopf, sich um viel zu kümmern." Lisa wunderte sich über Agnes' komischen Kommentar, beschloss aber, nicht nachzufragen, sondern ihre Arbeit aufzunehmen.

Einige Stunden später war Lisa vollkommen in ihrer Arbeit vertieft. David war kurz nach ihr gekommen und hatte sie nur kurz begrüßt. Danach hatte er sich in sein Büro verzogen und war bis jetzt nicht wieder zum Vorschein gekommen. Es ging bereits auf Mittag zu, als Mariella mit einer finsteren Mine angelaufen kam und ohne ein Wort zu Lisa zu sagen in Davids Büro verschwand. Lisa hatte sich schon lange daran gewöhnt, das keiner sie beachtete und arbeitete einfach weiter, doch nach kurzer Zeit hörte man laute Stimmen aus dem Büro. Lisa konnte zwar nicht verstehen, was gesagt wurde, doch dem Tonfall nach stritten sich die beiden heftig. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Mariella stürmte heraus.

Lisa nahm sich vor, ihre Nase nicht in Sachen zu stecken, die sie nichts angingen und vergrub sich wieder in der Arbeit.

Es war Freitag. Lisa war nun schon wieder ihre erste Woche bei Kerima und täglich hatte es Streit zwischen David und Mariella gegeben. Manchmal sogar mehrmals am Tag. Wie Lisa von Agnes herausgefunden hatte, hatten diese Streitereien begonnen, kurz nachdem sie in Urlaub gegangen war, weswegen David ihr auch so viel Arbeit liegen gelassen hatte. Sie war ihrem Entschluss, sich nicht einzumischen, bis jetzt treu geblieben, doch als Mariella wieder einmal aus Davids Büro stürmte, konnte sie nicht mehr anders. Sie musste sehen, wie es David ging.

Sie stand auf, klopfte kurz an Davids Bürotür und öffnete sie ohne eine Antwort abzuwarten. Sie lehnte sich an den Türrahmen und musterte David. Dieser hatte seine Arme auf den Tisch aufgestützt und sein Gesicht in seinen Händen vergraben. Lisa haderte noch kurz, bevor sie einen vorsichtigen Schritt ins Zimmer machte, doch ihr Chef regte sich nicht.

„David?" Fragte sie zögernd. Sein Kopf fuhr herum und er hatte einen wilden Blick in seinen Augen, als ob er gar nicht gewusst hatte, dass sie hier war.

„Was?" Herrschte er sie an. Als er jedoch ihre vor den Kopf gestoßene Mine sah, seufzte er leicht.

„Tut mir leid, Lisa. Ist schon in Ordnung. Könntest du mich alleine lassen und niemanden herein lassen?" Er sah aus wie ein geprügelter Hund und Lisa wollte ihn am liebsten in die Arme nehmen und ihm zuflüstern, das alles wieder gut werden würde.

Sie neigte ihren Kopf leicht zur Seite, um ihm zu zeigen, das sie verstanden hatte und ging wieder aus dem Büro und schloss die Türe leise hinter sich. Sie setzte sich wieder an ihren Platz, begann aber nicht sofort wieder mit ihrer Arbeit. Erst musste sie ein bisschen nachdenken. Sie hatte sich in David verliebt, als sie ihn das erste Mal gesehen hatte. Dieses Gefühl war auch nicht verflogen, sondern nur noch stärker geworden je besser sie ihn kennen gelernt hatte. Deshalb schmerzte es sie besonders, ihn so zu sehen. Doch sie erkannte, dass er in dieser schwierigen Zeit einen wahren Freund brauchte und wenn Lisa dieser Freund sein wollte, musste sie ihre Gefühle für ihn in den Hintergrund stellen um sich auf ihn konzentrieren zu können.

Lisa seufzte leise. Leicht würde das sicher nicht werden, doch für David würde sie es versuchen und es auch schaffen. Nun, da sie ihren Entschluss gefasst hatte, fühlte sie sich etwas besser. Mit neuem Elan stürzte sie sich in ihre Arbeit.