Hier also endlich das letzte Kapitel von Versklavt. Vielen Dank an alle die bisher reviewt haben und danke für die Verbesserungsvorschläge. Ich werde es bei Gelegenheit ändern, wenn mir jemand bestätigen kann, dass Reviews nicht verloren gehen, sobald man ein Kapitel ersetzt.

---

Kapitel 9

Dreißig Jahre. Fast genau auf den Tag.

Vor dreißig Jahren war Voldemort gestorben – und dieser Tag wurde seitdem als Feiertag zelebriert, technisch gesehen eigentlich der Tag danach. Immerhin war der ehemalige dunkle Lord wenige Minuten vor Mitternacht gestorben.

Es hatte nicht viel von einem Feiertag für Severus. Für ihn war es die Erinnerung an das, was noch an diesem Tag geschah. Den Tag, wo er seine Freiheit verlor, der Tag seiner Versklavung. Wenigstens strich es ein weiteres Jahr von seiner Liste, brachte ihn ein Jahr seiner endgültigen Freiheit näher.

Und nun war dieses Jahr, dieser Tag gekommen. Dreißig Jahre später. Neunundzwanzig Jahre eine Illusion von Freiheit, für zehn ein halb Monate im Jahr, unterbrochen von ein ein halb Monaten Rückkehr zur Realität. Natürlich hatte er nicht immer die ganzen zehn erreicht. Immerhin konnte er nicht hoffen Harry Potter während der gesamten Zeit komplett aus dem Weg gehen zu können.

Er fühlte sich beinahe nervös als er durch Hogwarts ging zum Raum der Wünsche, wo er seinen Herrn treffen sollte. Er hatte diesen Tag für so lange angestrebt und nun da er endlich da war, war er beinahe ängstlich. War er wirklich jemals frei in seinem Leben gewesen? Er war von einem Kind unter dem Einfluss seines Vaters zu einem Todesser unter Voldemorts Kontrolle geworden… und hatte dann Dumbledore und dem Orden gedient, bevor er schließlich an seinen Herrn gebunden wurde.

Frei zu sein erschreckte ihn. Aber er würde es für nichts in der Welt aufgeben.

Seine Frau lief neben ihm. Narcissa Snape, ehemalige Malfoy. Es hatte sie lange Zeit gekostet die alte Freundschaft zu erneuern, für ihn zu akzeptieren, dass sie nicht wie ihr verstorbener Ehemann war, dass sie dem dunklen Lord nicht freiwillig gefolgt war. Sogar als er es schließlich akzeptiert hatte lehnte er es ab ihr näher zu kommen, im Glauben, dass es sich für sie nicht gehörte mit einem Sklaven zu sozialisieren.

Einer Meinung, der sie standhaft widersprach.

Ihr den Hof zu machen war nicht leicht gewesen. Für den Anfang war er gezwungen die Billigung seines Herrn zu bekommen, und obwohl er wusste, dass Harry niemals nein sagen würde, war es trotzdem eines der nervenaufreibensten Dinge, die er jemals tun musste. Sie nur dazu zu bringen, zu glauben, dass Harrys Erlaubnis nötig war hatte Tage gedauert, und war qualvoll demütigend.

Aber er hatte es getan und Harry war mehr als willig ja zu sagen. Und in Wahrheit war es nicht das einzige Mal, dass um seine Erlaubnis ersucht werden musste. Tatsächlich war es über die Jahre zu einer regulären Sache geworden. Nichts war demütigender gewesen als dazu gezwungen zu sein um die Erlaubnis zu bitten mit seiner Freundin schlafen zu dürfen.

Es war genauso beschämend für Harry.

Er hatte nicht um Erlaubnis gefragt sie heiraten zu dürfen. Nein, sie hatte das getan, hatte vor dem Antrag mit seinem Herrn gesprochen um Severus jede Ausrede für ein nein zu nehmen. Und die Hochzeit war leicht gewesen – auch wenn es Sklaven in der Vergangenheit verboten war frei Frauen zu heiraten, war Severus niemals legal ein Sklave, weshalb das Problem nicht bestand.

Harry musste natürlich während der Zeremonie anwesend sein. Snape konnte kein legales Dokument ohne die Anwesenheit und Unterschrift seines Herrn unterschreiben. Er war überrascht als Harry als Hochzeitsgeschenk ein weiteres Dokument brachte – dieses Mal gab es Narcissa allen Besitz, den Severus gezwungen war seinem Herrn zu überschreiben.

Snape arbeitete nicht länger in Hogwarts; er war kurz nachdem seine Frau schwanger wurde gegangen. Stattdessen hatte Harry ihn an Narcissa ‚ausgeliehen', dem Sklavenbund erlaubend zu arbeiten. Sein Herr hatte einmal angeboten den Bund zu übertragen, ihn anständig zu seiner Frau zu geben, aber Narcissa hatte abgelehnt. Sie wollte einen Ehemann, keinen Sklaven. Hermine, die den Übertragungsspruch gefunden hatte, zuckte nur die Achseln und sagte, dass sie persönlich nichts gegen das vorherige dagegen hätte.

Kurz danach hatte sie den Mann getroffen, den sie später heiratete.

---

Sie betraten den Raum der Wünsche als ein Paar, Arm in Arm. Als sie die zwei Besitzer des Raumes sahen, löste Severus sich von seiner Frau und verbeugte sich tief.

„Wie fühlst du dich, Severus", fragte Harry nun in seinen späten Fünfzigern und stolzer Vater von dreien.

„Ich bin es müde ein Sklave zu sein, Herr."

„Gut ich bin es müde ein Herr zu sein." Harry lächelte kurz und nickte zum Gruß zu Narcissa. „Amy hat sich entschieden nicht zu kommen?"

Amy war ihre Tochter, die vor kurzem erst erwachsen geworden war. „Nein, sie ist im Moment bei Draco."

Es war nicht wirklich überraschend. Amy war damit aufgewachsen, dass ihr Vater jeden Sommer für sechs Wochen verschwand und hatte schnell Harry als den Schuldigen identifiziert. Natürlicherweise hatte sie ihn dafür gehasst. Und sobald sie den Grund für die Abwesenheit herausgefunden hatte verzehnfachte sich der Hass, auch wenn beide Eltern sie versuchten zu überzeugen, dass es nicht Harrys Schuld war. Sie hatte ihn in der Tat bei mehreren Gelegenheiten beschuldigt, die Sklaverei ihres Vaters zu genießen.

Severus war nicht glücklich mit ihr gewesen.

Ginevra Potter betrat den Raum und er verbeugte sich noch einmal. „Herrin."

Sie lächelte ihn an, hielt die Dokumente in ihrer Hand hoch und übergab sie ihm. „Sie sind schon unterzeichnet, Severus."

Er sah fast ungläubig auf die Worte vor ihm. Zwei Unterschriften unterzeichneten seine sofortige Emanzipation, die Vormundschaft zurücknehmend, die seit fast dreißig Jahren legale Realität war. „Danke Herrin."

„Gern geschehen."

Mit allen anwesend, übernahm nun Hermine. Die Verwandlungslehrerin – kürzlich zur stellvertretenden Direktorin beförderte – war der Grund, weshalb sie die Schule für diesen Spruch nutzten durften. „Okay, lasst uns anfangen. Severus – es tut mir Leid, aber du musst wieder auf die Knie.

Harry lächelte sanft und fügte ermutigend hinzu, „Das ist das letzte Mal, Severus. Das allerletzte Mal."

Er fiel anmutig in eine kniende Position, den Kopf fast bis zum Boden gebeugt. Die Position fühlte sich normal an nach Jahrzehnten der Übung, aber er behielt den Gedanken im Gedächtnis. Das letzte Mal. Das allerletzte Mal.

Harry nahm zuerst den zweiten Spruch, der auf ihm lag, von ihm, der ihm begrenzte Freiheit gab. Er fühlte wie sich die Gedankenverbindung für eine Sekunde öffnete bevor sie komplett verschwand. Die Verbindung bekam ihren Nutzen bei eine Gelegenheit als ein ehemaliger Todesser ihn kidnappte um seine eigene Rache zu üben. Harry hatte den Link benutzt um seinen Aufenthaltsort herauszufinden und weitergehend ihn zu retten und den Verbrecher in einem Abwasch festzunehmen.

Sobald das Ritual vorbei war begann Harry das zweite, die Beschwörung, die Severus seine Freiheit gewähren würde. Es war viel schneller als das vorherige, nur zwei Worte. Es fühlte sich ziemlich bedeutungslos für so einen wirklich machtvollen Spruch an, so wie der Originalfluch. Aber auf der anderen Seite hatte auch der Todesfluch nur zwei Worte. Harry und Hermine hatten beide Wochen damit verbracht diese Sprüche zu erforschen um sicherzustellen, dass sie den richtigen gewählt hatten.

Als der Spruch gesprochen wurde war es als wäre ein riesiges Gewicht von seinen Schultern genommen worden und er schnappte nach Luft. Das Gefühl war unglaublich, unbeschreiblich und er fühlte sich einfach geschockt. Er hob seinen Kopf und wollte gerade ‚Danke Herr' sagen, nur um zu erkennen, dass diese Ehrung nicht länger verlangt wurde. „Danke, Sir", sagte er stattdessen, sich bewusst, dass der Bund nicht ganz verschwunden war aber sich doch verändert hatte, die Treue zu seinem früheren Herrn trotz Freiheit noch behaltend.

„Severus", sagte sein neuer Lehnsherr, „bitte nenn mich Harry."

„Danke Harry", sagte er noch immer überwältigt. Er erlaubte sich selbst aufzustehen und nahm dann seine Freu in eine verzweifelte Umarmung. Sich zurückdrehend fügte er dankbar hinzu: „Danke Hermine… meine Dame."

„Es heißt Ginny. Nur Ginny."

„Danke Ginny."

„Severus", sagte Harry sanft, „Du musst uns nicht danken. Du bist jetzt frei. Häng hier nicht rum. Geh nach Hause. Sieh deine Tochter, lade Draco und seine Kinder ein. Verbring Zeit mit deiner Frau. Geh und kauf etwas Wertvolles oder etwas anderes, dass du dir in den letzten Jahren nicht kaufen konntest. Sei frei."

Er sah zu dem Mann, der in den letzten drei Jahrzehnten sein Bestes gegeben hatte um sein Leben erträglich zu machen und nickte dann, seinen Respekt in den Augen. Dann drehte er sich um und ging ohne zu sprechen. Keine Verbeugungen, keine Ehrungen. Einfach Harrys Gegenwart verlassend, seine Frau ihm folgend.

Die drei Zurückgebliebenen sahen sich an.

„Es ist endlich vorbei."

„Dreißig Jahre, manchmal dachte ich, es würde niemals enden."

Ginny nickte. „Alle unsere Kinder sind mit ihm als Sklaven ausgewachsen, der sie bediente. Sie kannten ihn nie anders. Ich bin ziemlich überrascht, dass sie so wohl geraten sind."

Hermine schnaubte. „So wie du sie bestraft hast, als sie ihn knien ließen, bin ich das nicht." Sie sah auf die beiden, zwei ihrer ältesten Freunde und lächelte dann, zur Tür weisend. „Komm schon Harry, folge deinem eigenen Rat. Gehen wir nach Hause."

Sie gingen, der Spur des Mannes folgend der nicht länger ein Sklave war.

---

ENDE

---

So... hier ist erstmal Schluss. Es gibt für diese Story noch ein Sequel, das beschreibt wie Severus und Narcissa zusammenkamen. Ich habe es bisher nicht übersetzt aber sagt mir doch bitte ob ich das noch tun soll.

Und bitte verzeiht mir die Sache mit dem Lehnsherrn. Das ist nur die deutsche Übersetzung für "liege" oder "liege lord"... hört sich im Original irgendwie besser an...

Wikipedia:

Ein Lehnsherr hatte im Lehnswesen die Aufsicht über einen oder mehrere Vasallen (Lehnsmänner). Er hatte die Verpflichtung, diesen ein Lehen (Land oder ein Amt) zu überlassen und ihnen Unterhalt und Schutz (z. B. vor Gericht oder im Angriffsfall) zu gewähren. Diese waren ihm dafür zu absoluter Treue, Gehorsam und Dienst (z. B. Waffendienst oder Übergabe eines Ehrenschatzes) verpflichtet.

LG Kardia