So – da ist es nun – das letzte Kapitel einer Story, die so viel Eigendynamik entwickelt hat und die so lange geworden ist, wie ich es nie für möglich gehalten hätte.

Ich bedanke mich bei allen, die bis hierhin durchgehalten haben für ihr Interesse und ihre Lesetreue - vor allem natürlich bei denen, die mich mit ihren Reviews so wundervoll unterstützt und angefeuert haben.

Es war mir ein großes Vergnügen, euch zu unterhalten.

Und nun viel Spaß beim Lesen! :D

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Kapitel 66

Die fette Dame auf dem Portrait am Eingang des Gryffindorturms sah den äußerst grimmig wirkenden Zaubertränkemeister verwirrt an, schwang aber dann ohne weitere Umstände zu machen zur Seite, um ihn einzulassen.

Es war noch früh am Abend und der Gemeinschaftsraum dementsprechend gut besucht. Daher folgten sehr viele Augen – manche nur erstaunt, andere dagegen regelrecht entsetzt dreinblickend - dem düsteren Eindringling, als er ohne ein Wort der Erklärung eilig und mit wehendem Umhang den Raum durchquerte und schließlich in den kleinen Flur einbog, der zu den Einzelzimmern von Harry Potter und Hermine Granger führte.

Harry und Ginny, die zusammen in einem großen Sessel vor dem Kamin gesessen hatten, sprangen auf und liefen ihm hinterher und ihrem Beispiel folgend, noch mehrere andere Schüler, deren Neugier stärker war, als die Angst vor Snape.

So hatte dieser dann auch – ohne sich zunächst im geringsten darum zu scheren – jede Menge Zuschauer, als er energisch an die Tür von Hermine klopfte.

Erst das kollektive Gemurmel, das sich daraufhin erhob, ließ ihn den Kopf seinen Verfolgern zuwenden.

„Verschwindet!", fauchte er in einem Ton, der sich wie ein Peitschenknall über die Köpfe der Schüler zog.

Solchermaßen angesprochen, sahen sich die meisten der Gryffindors gezwungen, den Schauplatz dieses unverhofften Dramas zu verlassen – nur wenige harrten tapfer hinter Harry und Ginny aus, die die Stellung trotz des barschen Befehls eisern gehalten hatten.

Snape holte scheinbar gerade Luft, um auch diesen unverfrorenen Rest von Schaulustigen zu vertreiben, als die Türe sich öffnete.

„DU?", sagte Hermine und starrte ihn entgeistert an.

„ICH!", sagte Snape, drückte die Türe auf und trat ein, als Hermine dabei automatisch zurückwich. Er knallte die Tür hinter sich ins Schloss und ließ eine Gruppe von Gryffindors zurück, die mit weitaufgerissenen Augen diese Tür anstarrten.

Zuerst herrschte fassungsloses Schweigen, dann redeten alle durcheinander.

„Aber das kann er doch nicht tun!"

„Ins Zimmer einer SCHÜLERIN gehen – alleine!"

„Was mag die Granger wohl ausgefressen haben, dass er extra hierher kommt?"

„Habt ihr das gehört? Sie hat DU zu ihm gesagt!"

„Die hat sich in letzter Zeit eh so merkwürdig benommen!"

„Ja – denk nur mal dran, wie sie sich auf dem Fest zu ihm gesetzt hat!"

„Und seither ist sie dauernd in seiner Nähe!"

„Meint ihr, die haben was miteinander...?"

„Nee – so verrückt ist nicht mal die Granger!"

„Na ich weiß nicht – irgendwie hat er schon was, der Professor..."

„Snape? Spinnst du?"

„Würg!"

„Doch, find ich auch – er hat so was Geheimnisvolles..."

„Nö - eher was extrem Grusliges!"

„Er tut ihr bestimmt was an, so wie der gekuckt hat!"

„Dem ist alles zuzutrauen!"

„Wir müssen McGonagall alarmieren!"

„Holen wir lieber Tonks, die ist doch für Verteidigung zuständig!"

„Ne, McGonagall – vielleicht schmeißt sie ihn dafür raus, dann haben wir alle was davon!"

„RUHE! HALTET DIE KLAPPE!", donnerte Harry los.

Seine Mitschüler sahen ihn verblüfft und zum Teil auch verärgert an, während Ginny regelrecht stolz zu sein schien, dass er so laut schreien konnte.

„Wir werden NIEMANDEN holen!", sagte Harry energisch. „Was Professor Snape und Hermine miteinander zu besprechen haben, geht weder euch noch sonst irgendjemand etwas an. Ihr verkrümelt euch jetzt alle mal wieder in den Gemeinschaftsraum. Ginny und ich werde hier bleiben, und die Sache im Auge behalten."

Die meisten der Schüler kamen Harrys Aufforderung unwillig, aber trotzdem umgehend nach, denn sein Status unter den Gryffindors – ja eigentlich unter allen Schülern – war unzweifelhaft ein sehr hoher. Einige wenige schienen zu überlegen, ob sie sich widersetzen sollten, um dann aber doch zu dem Entschluss zu kommen, das es vernünftiger war, demjenigen, der du-weißt-schon-wem das Licht ausgepustet hatte, nicht die Stirn zu bieten.

So standen Harry und Ginny schon kurz darauf alleine vor Hermines Zimmertür und lauschten angestrengt, ob sie irgendwelche Geräusche hören konnten, die auf einen Streit oder gar auf einen Kampf hindeuteten – doch es blieb alles ruhig.

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Hermine und Snape standen sich schweigend gegenüber.

Sie hörten Harry vor der Türe brüllen.

Snape hob erstaunt die Augenbrauen. Potter hielt ihm den Rücken frei – was für eine Überraschung.

„Ich kann immer noch nicht glauben, dass du hergekommen bist", unterbrach Hermine schließlich die Stille.

„Du hast mir keine andere Option gelassen", sagte Snape. „Ich würde diesen Raum gerne schnellstens wieder verlassen, damit der Skandal sich in Grenzen hält – aber ich tue das nur, wenn du mir versprichst, in meine Wohnung zurückzukommen. Ich hoffe doch du weißt, wie man das Ding wieder funktionstüchtig macht?", fügte er bissig mit einem Blick auf den Kamin hinzu."

„Ich verspreche nichts, von dem ich nicht weiß, ob ich es auch halten kann", sagte Hermine bitter. „Und du kannst deinen Arsch darauf verwetten, dass ich weiß, wie man den Kamin wieder durchgängig macht."

Snapes Mundwinkel zuckten kurz, bevor er weitersprach.

„Wieso kannst du nichts versprechen, das nur die nächsten paar Minuten deines Lebens betrifft?", fragte er dann. „Dieser Zeitraum ist ja wohl einigermaßen überschaubar."

„Weil ich nicht weiß, ob ich zu dir kommen möchte", sagte Hermine.

„Warum nicht?", fragte Snape und er konnte ein leicht nervöses Vibrieren in seiner Stimme nicht ganz unterdrücken.

„Weil ich nicht weiß, ob du mich wirklich willst", sagte Hermine, „...ich meine so, wie ich dich will", fügte sie leise hinzu.

„Aber das tue ich", sagte Snape. „Ich will dich, Hermine!"

„Dann hast du eine sehr seltsame Art, mir das zu vermitteln", sagte Hermine.

„Mag sein – ich werde daran arbeiten", sagte Snape. „Kommst du?" Seine Stimme hatte einen fast flehentlichen, verletzlichen Unterton, als er diese Frage stellte und Hermine sah ihn wie vom Donner gerührt an. Der ernste Ausdruck in seine Augen brachte etwas ganz tief in ihr zum vibrieren.

„Bitte!", sagte er im selben Tonfall, als sie nicht antwortete.

„Ich komme!", sagte Hermine mit belegter Stimme.

Er sah ihr noch einen Moment lang in die Augen, dann drehte er sich um und öffnete die Tür.

„Miss Weasley! Mister Potter!", sagte er, als wäre er erfreut, die beiden hier zu sehen. „Sie lebt noch", fügte er spöttisch hinzu, als die beiden den Kopf abwandten und Hermine anstarrten, die im Türrahmen erschienen war. „Danke, dass sie mir ihre Mitschüler vom Hals gehalten haben, Potter."

Harry sah dem Tränkemeister verstört nach, als er an ihnen vorbei ging um den Gryffindorturm wieder zu verlassen.

„Er hat sich bei mir bedankt!", sagte er tonlos, während man Snapes beißende Stimme aus dem Gemeinschaftsraum herüberdringen hörte, die sich in gewohnter Schärfe erkundigte, was es denn zu gaffen gäbe.

Ginny nickte grinsend und auch Hermine musste angesichts Harrys deutlicher Verblüffung lächeln.

„Ist bei dir alles klar, Mine?", fragte Ginny. „Geht es dir gut?"

„Es ist alles in Ordnung", sagte Hermine. „Wir hatten nur eine kleine Auseinandersetzung. Gute Nacht ihr beiden – und danke."

Sie schloss die Türe und Ginny und Harry kehrten zusammen in den Gemeinschaftsraum zurück, wo wilde Spekulationen über den Grund von Snapes Kurzbesuch die Runde machten.

Sie wurden sofort bestürmt, ob sie näheres wüssten, als die anderen ihrer ansichtig wurden.

„Nein!", sagte Harry energisch. „Und wie ich schon vorhin sagte – das geht nur die beiden etwas an."

„Hat Hermine was mit Snape?", traute sich dennoch eine Schülerin aus der Sechsten beinahe atemlos vor Spannung zu fragen, die sich zusammen mit ihren Freundinnen schon die wildesten Hintergründe ausgemalt hatte – die meisten davon hoffnungslos romantisch angehaucht.

„Sie sind – wie in den letzten Tage jeder von euch sicher mitgekriegt hat – miteinander befreundet", sagte Harry scharf, „nichts weiter!"

Sämtlichen weiteren Fragen begegnete er lediglich mit einem bösen Blick, während Ginny an seiner Seite geheimnisvoll vor sich hin lächelte.

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Hermine war bereits in Snapes Quartier zurückgekehrt, bevor er selbst wieder da war. Unentschlossen stand sie einen Moment lang vor dem Kamin herum und setzte sich dann schließlich auf das Sofa um sofort wieder aufzuspringen, als die Türe sich öffnete.

Snape kam mit großen Schritten auf sie zu. Als Hermine schon drauf und dran war, vorsichtshalber vor ihm zurückzuweichen, breitete er die Arme aus, schlang sie um ihre Taille und presste sie so fest an sich, dass sogar ihre Zehenspitzen den Boden verließen.

„Severus!", keuchte sie atemlos. „Ich..." Zu mehr kam sie nicht, denn er unterbrach sie schon im Ansatz mit einem innigen Kuss, dem sie sich nach einem kurzen überraschten Zögern, vollkommen hingab.

„Ich weiß, dass ich vorhin nicht hätte abhauen sollen", sagte Hermine, als er sie wenig später wieder auf ihre Füße stellte. „Aber ich konnte in dem Moment nicht anders. Verzeih mir!"

„Ich schätze, daran war ich nicht ganz unschuldig", sagte Snape.

„Genauer gesagt warst du daran sogar ziemlich schuldig", sagte Hermine.

„Möchtest du da weitermachen, wo wir vorhin aufgehört haben?", fragte Snape.

„Ja – auch wenn ich zugeben muss, dass ich Angst davor habe", sagte Hermine leise.

Er nickte und bugsierte sie zum Sofa, an dessen Rand sie Platz nahm, und zog sich den Sessel so nah heran, dass er ihr - auf dessen Kante - direkt gegenüber saß.

Er beugte sich nach vorne, nahm ihre Hände in die seinen und hielt sie fest, als wolle er sicher gehen, dass sie diesmal nicht ausbüchste.

„Lass mich dir zuerst versichern", begann er, „dass das Band zwischen uns auch auf meiner Seite keinesfalls ein dünnes Fädchen ist, sondern ein Tau beträchtlichen Durchmessers, dass mich glücklich macht, dich an meiner Seite zu haben und dass ich mir keinesfalls eine Option freihalten will, falls mir – wie du es so schön ausgedrückt hast – etwas besseres über den Weg läuft."

„Hört sich gut an...", sagte Hermine.

„Aber trotzdem...", sagte Snape.

„Aha – jetzt kommt der Haken", murmelte Hermine.

„...trotzdem bin ich nicht bereit", fuhr Snape fort, „mir irgendwelche Versprechen abringen zu lassen, die ich als unsinnig und lebensfremd empfinde und die meinem ganz persönlichen Bedürfnis nach Freiheit widersprechen."

„Freiheit...?", echote Hermine tonlos.

„Ja – das ist dieser Zustand, in dem man Entscheidungen selber trifft, ohne sich dabei an irgendwelche Verträge halten zu müssen", sagte Snape mit leiser Ironie.

„Und in dem man jederzeit eine Entscheidung, die man getroffen hat, wieder rückgängig machen kann", ergänzte Hermine bissig.

„Richtig!", sagte Snape. „Was wäre dir lieber – zu wissen, dass ich bei dir bin, weil ich es will, oder zu wissen, dass ich bleibe, weil mich ein Versprechen bindet?"

„Du sprichst, als wäre das eine reine entweder/oder-Sache", sagte Hermine. „Vielleicht kommt ja im Idealfall beides zusammen."

„Und woran würdest du erkennen, wann der Wille endet und nur noch das Versprechen mich an dich bindet?", fragte Snape.

„An deinem Verhalten mir gegenüber", sagte Hermine entrüstet. „Natürlich würde ich das merken."

„Und dann? Was wäre die Konsequenz daraus, wenn du merken würdest, dass ich nur noch aus Pflichtgefühl bei dir bin?", fragte Snape.

„Dann würde ich natürlich versuchen, den Grund herauszufinden und... kämpfen", sagte sie aufgebracht.

„Und wenn das nicht hilft?", fragte Snape. „Würdest du auf der Einhaltung dieses Vertrags, Schwurs oder was auch immer bestehen?"

Hermine sah ihn mit großen Augen an und schüttelte dann den Kopf.

„Ich würde dich gehen lassen", sagte sie gequält.

„Du würdest nicht darauf bestehen, dass eingehalten wird, was versprochen wurde?", fragte Snape.

„Nein", hauchte Hermine.

„Warum nicht?", fragte Snape.

„Weil ich nur mit dir glücklich sein könnte, wenn du auch selber bei mir bleiben möchtest", sagte Hermine und senkte geschlagen das Haupt.

„Und wo liegt dann der Vorteil, gegenüber einer Verbindung die allein auf dem freien Willen basiert?", fragte Snape sanft.

„Es gibt keinen", flüsterte Hermine.

„Genau! Es ist nur eine tröstliche Illusion, an die man sich klammert, wenn einem ewige Liebe und Treue versprochen wird", sagte Snape, „eine, die dem Leben in den meisten Fällen nicht standhält."

Hermine schwieg.

Snape hob ihre Hände an und küsste sie.

„Hast du... nie Angst...", fragte Hermine mit leiser brüchiger Stimme. „Angst, dass... du mich verlieren könntest?"

„Doch, Hermine – ich habe Angst", sagte Snape ruhig. „Aber ich lasse nicht zu, dass sie mich beherrscht."

„Und bist du manchmal... eifersüchtig?", fragte Hermine.

„Eifersucht ist sicher eines der dümmsten Gefühle die man haben kann", sagte Snape. „Ja...", seufzte er dann, „ich bin auch manchmal eifersüchtig. Als du bei dem Abschlussfest so eng mit Potter getanzt hast, hätte ich ihm am liebsten eine Ganzkörperklammer auf den Hals gehetzt – aber solche Gefühle vergehen, wenn sie keine wirkliche Ursache haben."

„Denkst du das deine Weigerung mir treu zu bleiben, eine solche Ursache sein könnten?", fragte Hermine anklagend.

„Dir treu zu bleiben ist nicht das, was ich verweigert habe", sagte Snape, „sondern lediglich, dir selbiges zu schwören."

„Und was genau heißt das?", fragte Hermine mit schmalen Augen.

„Ich habe dir vorhin schon versucht zu erklären, dass ich keine andere Frau will", sagte Snape, „und solange das so bleibt, stellt sich das Problem mit der Treue gar nicht."

„Und wenn du eines Tages feststellst, dass du mehr, oder etwas anderes willst, als mich?", fragte Hermine.

Snape schwieg - er zog lediglich die Augenbrauen hoch.

„Dann würde auch ein vorher abgelegter Treueschwur nichts an diesem Zustand ändern", sagte Hermine resigniert.

„So ist es", pflichtete Snape ihr bei.

Hermine sah ihn nachdenklich an.

„Und diese Freiheit – die du brauchst...", fragte sie schließlich, „...gestehst du die mir im gleichen Umfang zu?"

„Zähneknirschend, aber selbstverständlich, ja", sagte Snape mit einem kleinen Lächeln.

„Und du hast keine Bedenken, dass ich eines Tages diese Freiheit ausnützen könnte?", fragte sie stirnrunzelnd.

„Doch – manchmal schon - aber nicht übermäßig", sagte Snape.

„Vielleicht liegt das daran, dass es dich nicht wirklich verletzen würde, wenn ich es täte", sagte Hermine dumpf. „Wahrscheinlich bin ich gar nicht in der Lage, dir weh zu tun, Severus – das muss ein beruhigendes Gefühl für dich sein."

Snape schluckte.

„Doch, das bist du, Hermine", sagte er leise, „...mehr als jeder andere Mensch auf der Welt."

Hermine sah ihn an und wartete darauf, dass er weitersprechen würde, aber Snape erwiderte nur schweigend ihren Blick bis sie schließlich den Kopf senkte.

„Damit sollte ich eigentlich zufrieden sein, nicht wahr", flüsterte sie. „Aber es fühlt sich eher so an, als würde ich mit dem Kopf gegen eine Mauer rennen. Es fühlt sich so an, als hätte ich eine Grenze bei dir erreicht, die du auf keinen Fall öffnen wirst."

„Das tut mir leid", sagte Snape leise.

Hermine sah ihn einen Moment lang an, als wolle sie darauf etwas antworten, um die Augen dann jedoch ohne Worte wieder abzuwenden.

Snape streichelte ihre Hände.

„Ich weiß, dass es wahrscheinlich vermessen klingt, nachdem ich nicht bereit war, dir all diese Zugeständnisse zu machen, die dir so wichtig erschienen", sagte er nach einer Weile, „aber dennoch möchte ich dich um etwas bitten..."

Hermine war nicht anzumerken, ob sie ihn gehört hatte – sie blieb einfach still sitzen.

„Ich bitte dich um Vertrauen", sagte Snape. „Kannst du das, Hermine – mir vertrauen?"

„Habe ich eine andere Wahl?", fragte sie leise.

„Man hat immer eine andere Wahl", sagte Snape.

„Nein, Severus – nicht immer...", sagte Hermine.

Sie stand auf und Snapes Hände schlossen sich automatisch fester um die ihren. Erst als er sicher war, das sie nicht flüchten wollte, sondern auf ihn zutrat, um sich an ihn zu lehnen, ließ er sie los und schlang stattdessen seine Arme um ihre Taille, während Hermine seinen Kopf an ihre Brust zog.

„Manchmal, gibt es nur einen einzigen Weg, den man wirklich gehen kann...", murmelte sie, während ihre Finger durch sein Haar fuhren, „weil alle anderen Wege einen innerlich zerreißen würden."

Erstaunlicherweise kann man auch in diesem zerrissenen Zustand weiterleben', dachte Snape, enthielt Hermine diese Erkenntnis jedoch vor.

Ihre Umarmung tat ihm gut. Eigentlich hatte er zwar das Gefühl, dass er sie in den Arm nehmen und trösten sollte, aber er genoss ihre Zärtlichkeit im Moment so sehr, dass er sich nicht aufraffen konnte, sich überhaupt zu bewegen.

„Ich vertraue dir", sagte Hermine. „Es tut mir leid, dass ich dir mit meinen ausufernden Gedankengängen so auf die Nerven gegangen bin."

„Es ist gut, dass du mit mir geredet hast", sagte Snape, „und nicht nur still vor dich hingelitten und darauf gewartet, dass ich den Grund herausfinde. Ich weiß es wirklich zu schätzen, dass du mich an deinen Gedanken teilhaben lässt."

„Könntest du dir eventuell vorstellen, das auch zu tun...", fragte Hermine etwas spitz, „mich an deinen Gedanken teilhaben lassen?"

„Ich werde es versuchen", schnaubte Snape und rückte ein wenig von ihr ab.

„Gut!", sagte Hermine.

Sie trat einen Schritt zurück und Snape erhob sich.

Er legte seinen Umhang ab und warf ihn hinter sich über die Stuhllehne.

Als er sich wieder zu Hermine umdrehte und sie gerade fragen wollte, wie ihr Tag denn so gewesen sei, abgesehen von ihren ausufernden Gedankengängen, hielt er erstaunt inne, denn sie begann ohne weitere Umstände seine Jacke aufzuknöpfen.

Zunächst ließ er sie gewähren und verfolgte lächelnd, mit welch konzentrierter Miene sie Knopf um Knopf öffnete, doch als sie ihm die Jacke schließlich abgestreift hatte und nahtlos dazu überging, nun sein Hemd aufzuknöpfen, war er leicht irritiert, zumal sie ihm dabei weder in die Augen sah, noch ein Wort zu ihm sagte.

„Was wird das?", fragte er und runzelte skeptisch die Stirn, als sie den Zauberstab zog. Ein paar Sekunden später standen er und auch Hermine selbst ohne Schuhe und Strümpfe da.

„Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel, aber so ging es schneller", sagte sie, zog sich gleich darauf ihr Shirt über den Kopf und legte ihren BH ab. Es folgte ihre Jeans, die sie gleichzeitig mit ihrem Slip los wurde.

„Hermine...?", sagte Snape und legte seine Hände auf ihre Oberarme, als sie sich wieder aufrichtete und anfing seine Hose zu öffnen.

„Ich will dich...", sagte Hermine.

Sie ging in die Hocke, um ihm die Hose und die Unterhose abzustreifen.

„Okay...", sagte Snape zweifelnd und stieg aus den Hosenbeinen.

Als sie wieder aufstand vermied sie es immer noch, ihn direkt anzusehen, sondern starrte auf seine Brust.

„Ich brauche dich", sagte sie tonlos. „Jetzt! Sofort!"

Sie legte eine Hand auf seine Brust – dort, wo ihr Blick sich festgesaugt hatte – und versuchte ihn solchermaßen rückwärts auf das Sofa zuzuschieben.

„Hermine...?!", sagte Snape leise.

„WAS?", fauchte sie und funkelte ihn kurz an, bevor sie den Kopf wieder senkte. „Ist das nun etwa auch schon zuviel verlangt?", fügte sie leise hinzu.

„Nein, natürlich nicht", sagte Snape und wollte sie an sich ziehen, doch sie gab ihm einen Schubs und nachdem er die Sofakante bereits in den Kniekehlen hatte, kippte er nach hinten und Hermine landete auf ihm.

Sie stützte sich mit den Händen links und rechts neben ihm auf und begann, sich auf seiner Brust nach unten zu küssen.

„Warte!", sagte Snape.

Hermine ignorierte ihn und gelangte über seinen Bauch bis zu seinem halbaufgerichteten Penis, der innerhalb kürzester Zeit zur vollen Größe anwuchs, als sie ihre Zunge dort zum Einsatz brachte, was Snape leise stöhnend geschehen ließ. Danach nahmen ihre Lippen den selben Weg wieder zurück, bis sie an seinem Hals angekommen waren.

Sie presste ihren Schoß so auf ihn, dass Snape nur noch seine Hüften ein wenig hätte anheben müssen, um in sie einzudringen, aber er tat es nicht. Stattdessen nahm er ihr Gesicht in beide Hände und zwang sie, ihn anzusehen.

„Es geht dir nicht gut", sagte er. „Rede mit mir."

„Es ist nichts weiter", sagte Hermine und versuchte, seinem durchdringenden Blick auszuweichen. „Ich hab nur noch ein bisschen Schwierigkeiten, mit all dem klar zu kommen, was ich heute Abend von dir gehört habe. Das legt sich – ignorier es einfach."

Und mit dem, was ich NICHT gehört habe,' ergänzte sie in Gedanken, ‚...und mit der Vorstellung, dass du irgendwann vielleicht Lust bekommst‚ wieder mit Natalie ins Bett zu gehen...'

„Hermine...", sagte Snape beschwörend.

„Es ist alles okay", sagte Hermine. Sie merkte nicht einmal, dass ihr die Tränen herunterliefen.

...oder mit der wunderschönen, eleganten Narzissa Malfoy, wenn du sie besuchst...', dachte sie.

„Ich liebe dich, Hermine!", sagte Snape und wischte die Tränen fort.

...oder mit irgendeiner anderen Frau, die schöner, reifer und interessanter ist, als ich...', dachte Hermine.

Sie lauschte dem Nachhall seiner Worte in ihrem Kopf und sah ihn verwirrt an.

„Ich liebe dich!", sagte Snape noch einmal.

Sie konnte nicht sprechen.

So lange hatte sie auf diesen Moment gewartet und nun konnte sie nicht einmal antworten. Ihre Kehle war wie zugeschnürt und die Tränen liefen nun unaufhaltsam.

Snape küsste zärtlich ihre feuchten Wangen.

„Genaugenommen liebe ich dich schon seit einer ganzen Weile", sagte er, „Ich will, dass du das weißt und dass du es mit einbeziehst, wenn du dir weiter unsinnige Gedanken machst – vielleicht hilft es ja."

Hermine gab ein befreiendes Aufschluchzen von sich und barg ihr Gesicht in seiner Halsbeuge.

Snape küsste ihr Haar und streichelte ihren Rücken während sie sich langsam, unter immer wieder auftretenden kleinen Schluchzern etwas beruhigte. Dann legte er die Hände auf ihre Hüften und drang langsam, mit einer fließenden Bewegung in sie ein. Er füllte sie vollkommen aus und blieb eine Weile einfach still liegen um sie zu spüren.

„Ich liebe dich so sehr", flüsterte Hermine.

„Ich tendiere ja immer noch dazu, dass ich das eigentlich gar nicht verdient habe", raunte Snape, während er begann, sich langsam in ihr zu bewegen, „aber ich kann dir auch versichern, dass es mich sehr glücklich macht."

Hermine hob den Kopf und beugte sich über ihn, um seine Lippen mit einem innigen Kuss zu verschließen. Snape erwiderte ihre leidenschaftliche Annäherung und steigerte seinen Rhythmus noch etwas, wobei sein stetiges Eindringen sanft und behutsam blieb. Instinktiv spürte er, dass Hermine im Moment mehr Zärtlichkeit als sonst brauchte.

Auch er selbst fand entgegen seiner ansonsten eher gegenteiligen Veranlagung großen Gefallen an dieser sanften Vereinigung. Noch mehr als sonst wurde ihm dabei der Duft von Hermines Haar bewusst und das wundervolle Gefühl ihrer warmen, weichen Haut auf der seinen – er genoss ihre Nähe und lauschte hingerissen den leisen Tönen, die sich von sich gab und die davon zeugten, dass sie ebenso erregt war, wie er.

Als sie ihre Lippen nach einer kleinen Ewigkeit wieder von ihm löste, schob er ihre Locken zur Seite und zog ihren Kopf heran um die sensiblen Stellen um ihr Ohr herum zu küssen.

„Deine Liebe ist das Wundervollste, was mir je passiert ist, mein Engel", flüsterte er, bereute es jedoch fast, als Hermine erneut vor Rührung zu schluchzen begann. Gleichzeitig schien es sie jedoch zu beflügeln, denn sie stieg nun in seinen Bewegungsrhythmus mit ein und presste ihren Schoß verlangend gegen ihn, während sie sich unter seinen Händen wand.

Irgend etwas war anders als sonst – mit Hermine zu schlafen war jedes mal ein atemberaubend erotisches Erlebnis gewesen, aber diesmal war es nicht nur eine immens starke körperliche Erregung die er verspürte, sondern eine emotional tiefgreifendere Art der Verschmelzung. Es war, als wäre sie näher bei ihm, als es je zuvor ein Mensch gewesen war – als stände die körperliche Vereinigung nicht im Vordergrund, sondern wäre lediglich Ausdruck einer Intimität, die auf anderer Ebene stattfand. Die Intensität des Gefühls ließ ihn fast das Atmen vergessen und als Hermine den Kopf hob um ihn anzusehen, meinte er zu spüren, dass es ihr ähnlich ging.

Er suchte nach Worten, um seine Gefühle zu beschreiben, weil er Hermine daran teilhaben lassen wollte, fand aber keine, die seinen Empfindungen gerecht geworden wären. Also konzentrierte er sich darauf, eine geistige Verbindung mit ihr aufzunehmen um ihr auf diesem Weg direkten Zugang zu seinen Empfindungen zu ermöglichen.

Für einen Moment trat ein überraschter Ausdruck in ihre Augen, dann wurden ihre Gesichtszüge weich und ein strahlendes Lächeln erschien, während ihr immer noch vereinzelte Tränen die Wangen herunterliefen.

„Ja, Severus", flüsterte sie. „Ich spüre es auch."

Die Zeit schien still zu stehen und die Welt um sie herum zu versinken, als ihre Körper den überwältigenden Emotionen Rechnung trugen und sie sich im Rausch der Ekstase fallen ließen.

Danach blieben sie lange bewegungslos liegen – als wäre es gefährlich, sich zu rühren oder etwas zu sagen – als könnte der Zauber des Erlebten sich verflüchtigen, wenn sie das Falsche taten oder sagten.

Schließlich war es Hermine, die sich aufstützte und ihren Oberkörper etwas anhob, um ihrem Geliebten in die Augen zu sehen. Ihr Gesichtsausdruck wirkte verletzlich, obwohl sie lächelte - als wäre ihre letzte schützende Hülle gefallen.

„Hab ich dir eigentlich schon einmal gesagt, wie schön du bist?", sagte Snape leise und streichelte ihre Wange.

Sie sah ihn gerührt an und küsste die Innenfläche seiner Hand.

„Was war das?", fragte sie dann und es war klar, dass sie nicht seinen letzten Satz damit meinte.

„Ich glaube, es ist nicht wichtig, wie du es nennst", sagte Snape, „sondern nur, dass du es glaubst und dich daran erinnerst, wenn dich mal wieder irgendwelche Zweifel plagen."

Hermine nickte.

„Meinst du, es wird wieder passieren?", fragte sie dann.

„Ich weiß es nicht", sagte Snape. „Ich habe so etwas bisher noch nie erlebt."

Etwas wie Triumph blitzte in Hermines Augen auf und entlockte Snape ein Lächeln.

„Weiß du eigentlich, wie glücklich du mich gemacht hast?", fragte Hermine.

„Ich glaube, ich habe es gespürt", sagte Snape.

„Allein, dass du zu mir in den Turm gekommen bist, war eine Sensation", sagte Hermine.

„Oh ja – eine Sensation, die vermutlich für erheblichen Wirbel sorgen wird", seufzte Snape.

„Bereust du es?", fragte Hermine stirnrunzelnd.

„Keine Sekunde lang", sagte Snape und zog sie fester an sich. „Lassen wir uns einfach überraschen, was morgen los sein wird."

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Am nächsten Morgen – Snape stand gerade im Begriff, seine Wohnung zu verlassen, um zum Frühstück zu gehen – klopfte es an seiner Tür.

Hermine konnte das nicht sein – sie war gerade über den Kamin in ihr Zimmer zurückgekehrt, nachdem sie sich widerstrebend voneinander verabschiedet hatten. Er hatte ihr gesagt, sie solle zu ihm zurückkommen, wenn die dummen Sprüche, die sie vermutlich zu hören bekommen würde, zu sehr ausuferten, dann würde er persönlich dafür sorgen, dass den jeweiligen Leuten das Sprüchemachen verging. Aber erstens glaubte er nicht, das sie von diesem Angebot Gebrauch machen würde und zweitens waren kaum ein paar Minuten vergangen, seit sie weg war. So schnell konnte selbst eine ganze Horde Gryffindors Hermine nicht den Wind aus den Segeln nehmen.

Als er die Tür öffnete, sah er sich McGonagall gegenüber.

„Guten Morgen, Severus", sagte diese. „Kennst du schon die neuesten Gerüchte, die derzeit im Schloss die Runde machen?", fragte sie, während sie unaufgefordert an ihm vorbei in die Wohnung spazierte.

„Nein, aber das wirst du sicher gleich ändern", sagte Snape und schloss die Tür.

„Hermine ist schwanger und zwar von dir", sagte McGonagall.

„Da kann ich dich beruhigen", sagte Snape ironisch. „Mein Bedürfnis, mich selbst zu vermehren, hält sich in perfekt überschaubaren Grenzen."

„Ein weiteres Gerücht sagt, dass du Hermine einen Liebestrank untergejubelt hast, damit sie dir hörig wird", sagte McGonagall.

„Tja...", sagte Snape schulterzuckend, „das scheint wohl naheliegend bei meinem Beruf."

„Dann gibt es noch vereinzelte Stimmen, die behaupten, dass ihr schon das ganze Jahr über ein Verhältnis miteinander hattet", sagte McGonagall.

„Aha...", brummte Snape.

„Viele Schüler reiben sich schon die Hände, weil sie meinen dass du nun rausfliegst", fuhr McGonagall fort, „und die versnobteren unter deinen Slytherins können es kaum fassen, dass du ausgerechnet mit Hermine etwas angefangen hast.

„Das kann ich mir lebhaft vorstellen", schnaubte Snape.

„Einige der Schüler ziehen allerdings auch in Betracht, dass du eventuell gar kein Verhältnis mit ihr hast, sondern ihr nur befreundet seid, so wie Harry Potter das scheinbar im Gryffindorgemeinschaftsraum verkündet hat, als die ersten Verdächtigungen geäußert wurden", sagte McGonagall, „aber diese nicht sensationsgeile Minderheit ist so verschwindend gering, das man sie getrost ignorieren kann."

„Das sind eine Menge Gerüchte – so früh am Morgen", sagte Snape ironisch.

„Verdammt, Severus", fauchte McGonagall, „musstest du unbedingt in ihr Schlafzimmer marschieren?"

„Es ließ sich nicht vermeiden, Minerva", sagte Snape. „Wir hatten eine Auseinandersetzung und sie ist davongelaufen und hat den Kamin deaktiviert. Ich musste diesen Streit beenden – das war wichtiger, als sämtliches Schülergetratsche. Aber es tut mir natürlich leid, dass du jetzt deswegen Ärger hast."

McGonagall musterte ihn eindringlich und seufzte dann einmal tief und resignierend.

„Warum bist du hier?", fragte Snape. „Um mich zu suspendieren? Wenn nicht, würde ich jetzt nämlich gerne in die Halle gehen... ich möchte vor Hermine da sein, verstehst du?"

„Ich bin hier, um dich in die Halle zu begleiten, Severus", sagte McGonagall. „Damit allen, die davon träumen, dass ich jetzt den Scheiterhaufen für dich anzünde, die Vorfreude schon mal vergeht. Wir werden zusammen gehen - damit demonstriere ich, dass ich hinter dir stehe, Gerüchte hin oder her."

„Danke!", sagte Snape leise.

„Und was die Gerüchte betrifft...", sagte Minerva, „wo kein Kläger, da kein Richter – ich werde zu diesen Anschuldigungen keine Stellung nehmen, bevor sie nicht jemand offiziell an mich heranträgt. Selbst wenn dies der Fall sein sollte – die speziellen Regeln für die Zeit nach der Abschlussprüfung und die Tatsache, das du nur eine Minute lang in Hermines Zimmer warst, dürften vollauf genügen, um auch eine offizielle Anschuldigung abzuschmettern. Mit dem Getratsche und mit den schrägen Blicken müsst ihr allerdings selbst klar kommen."

„Damit habe ich kein Problem", sagte Snape kühl, „und Hermine ist nicht mehr lange genug hier, um extrem darunter leiden zu können."

„Na dann – gehen wir!", meinte McGonagall.

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Das Gemurmel in der großen Halle erstarb sofort, als die beiden Professoren hereinkamen. Alle beobachteten, wie Snape und McGonagall Seite an Seite – die Direktorin wie immer mit ihrem Blick die anwesenden Schüler begrüßend und Snape wie immer ohne diese freundliche Geste - zum Lehrertisch gingen und sich dort am Frühstück bedienten, als wäre es ein Tag wie jeder andere.

Als sie auch noch eine leise Unterhaltung begannen, ohne den starrenden Schülern weitere Aufmerksamkeit zu schenken, setzte das Gemurmel wieder ein – allerdings mit gedämpfter Lautstärke, da alle wussten, dass Snape über ein scharfes Gehör verfügte.

Minerva fiel auf, dass Snape immer wieder einen kurzen Blick zur Tür warf.

„Mach dir keine Sorgen", sagte sie leise. „Ich habe Tonks zum Gryffindorturm geschickt. Sie wird Hermine ‚zufällig' treffen, sobald sie den Gemeinschaftsraum verlässt. Außerdem werden Harry und Ginny ihr bestimmt beistehen."

Snape nickte, behielt aber die Tür im Auge.

Wenig später traf Hermine ein – wie von McGonagall angekündigt, in Begleitung ihrer Freunde. Sie wirkte ein wenig angespannt, aber keinesfalls fürchterlich aufgeregt.

Bevor sie sich hinsetzte, sah sie zum Lehrertisch hoch und nickte Snape lächelnd zu. Die Augen sämtlichen Anwesenden folgten ihr.

Snape erwiderte Hermines Gruß mit einem amüsierten Gesichtsausdruck, bevor er den üblichen, mörderischen Blick aufsetzte und damit die restlichen Schüler – bis auf ein paar Unverfrorene – dazu brachte, ihre Augen abzuwenden.

Tonks kam an den Lehrertisch und nahm auf der anderen Seite von Snape Platz.

„Ich habe gehört, du wirst Vater, Severus", flüsterte sie grinsend. „Gratuliere!"

„Wer Kinder so liebt wie ich, kann einfach nicht anders, als sich fortpflanzen, wenn sich irgend eine Gelegenheit dazu ergibt", gab Snape eisig zurück.

„Du wärst sicher ein ganz außergewöhnlicher Papa", kicherte Tonks amüsiert.

„Ja – ein außergewöhnlich schlechter", knurrte Snape. „Und nun hör auf mit dem Unsinn und sag mir lieber, wie sich die verflixten Gryffindors gegenüber Hermine verhalten haben."

„Es war – ihrer eigenen Aussage nach – gar nicht so schlimm", berichtete Tonks. „Harry und Ginny sind nicht von ihrer Seite gewichen und haben ihr geholfen, die Meute in Schach zu halten. Vor allem Harry hat sich mächtig ins Zeug gelegt und seine Stimme hat doch ein wenig Gewicht, bei den anderen Schülern."

„Was hat Hermine gesagt? Hat sie überhaupt irgend etwas zu ihren Mitschülern gesagt?", fragte Snape.

„Sie hat weder etwas abgestritten, noch etwas zugegeben", sagte Tonks. „Scheinbar hat sie ihnen nur mitgeteilt, dass sie gar nichts fragen bräuchten, weil sie ihnen sowieso keine Antwort geben würde", sagte Tonks. „Und wenn man Ginnys bewundernden Worten glauben schenkt, hat Hermine das mit einem so selbstbewussten, glücklichen Lächeln getan, dass sie die Gerüchteküche damit weiter kräftig anheizte", fügte sie grinsend hinzu. „Nachdem sie nun bald die Schule verlässt, wirst du wohl das abkriegen, was sich an Gerüchten hartnäckig über die Ferien hinweg hält."

„Damit kann ich leben", sagte Snape und warf einen eindeutig stolzen Blick zu Hermine hinüber.

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Während Snape den restlichen Tag damit verbrachte, seine Schüler so scharf anzusehen, als könne er ihnen die ausufernden Gedanken bezüglich seiner eventuellen Affäre mit einer Schülerin damit aus dem Kopf brennen, hatte Hermine ständig Harry und Ginny an ihrer Seite, die sie wie Bodyguards abschirmten, wann immer es nötig wurde. Sie war den Beiden unendlich dankbar für diesen Freundschaftsdienst und fühlte sich ihnen so nahe, wie schon lange nicht mehr.

Der letzte Abend in Hogwarts hatte etwas Feierliches für Hermine – sowohl der offizielle Teil in der großen Halle, bei dem sie daran denken musste, wie sie vor acht Jahren hier angekommen war, als auch die kleine Abschiedstour mit Harry und Ginny, wobei sie durch das Schloss streiften und sich gegenseitig an die Dinge erinnerten, die sie hier erlebt hatten. Den Rest des Abends verbrachte sie mit Severus.

Sie redeten über den Aufruhr, den sie verursacht hatten - der wohl in die Annalen von Hogwarts eingehen würde – und welche Ausmaße er wohl annehmen würde, wenn ihre Beziehung in nicht all zu langer Zeit öffentlich bekannt würde.

Hermine hörte augenverdrehend und kopfschüttelnd Snapes Berichten zu, wie er seine Schüler am heutigen Tag gebändigt hatte und Hermine erzählte ihm ausführlich von den Reaktionen, die sie erlebt hatte und von Harrys und Ginnys Begleitschutz.

Die Stimmung zwischen ihnen war harmonisch wie selten zuvor und als sie einige Details betreffend ihrer, für die Ferien geplanten, gemeinsamen Aktionen besprachen, stellte Hermine fest, dass sie sich zum ersten mal keine Sorgen machte, ob es tatsächlich dazu kommen würde.

Am nächsten Morgen benützte sie zum letzten mal den Kamin, um in ihr Zimmer zurückzukehren und ihre Sachen zu packen.

Gemeinsam mit Harry und Ginny machte sie sich einige Zeit später auf den Weg, um sich vor dem Schloss von den Lehrern zu verabschieden und dann schließlich in die Wagen zu steigen, die sie zum Bahnhof von Hogsmeade bringen würden.

Sie hatte es sich verkniffen, Severus zu fragen, ob er auch da sein würde, und sich in seiner Wohnung so verabschiedet, als würden sie sich erst – wie vereinbart – in drei Tagen in Edinburgh treffen. Im Stillen hoffte sie aber natürlich, dass er mit den anderen Lehrern draußen warten würde.

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Dieser Morgen bescherte Hogwarts eine weitere Sensation.

Es begann damit, dass Professor Snape zur Verabschiedung der Schüler vor dem Eingang erschien und sich in die Reihe der Lehrer stellte, was er in all den Jahren seiner Tätigkeit an der Schule nie für nötig befunden hatte.

Die Mehrheit brachte dies sofort mit Hermine Granger und Snapes skandalösen Besuch im Gryffindorturm in Verbindung, wenn auch einige es der Tatsache zuschrieben, dass der berühmte Harry Potter die Schule verlassen würde und Snape von der Direktorin vermutlich gezwungen worden war, ihm zu Ehren bei der Verabschiedung anwesend zu sein. Dass McGonagall, als sie schließlich auftauchte, Snapes Anwesenheit jedoch ebenfalls erstaunt, wenn auch sehr erfreut aufnahm, setzte diesem Gerücht allerdings bald ein Ende.

Die Schüler reagierten – anders als ihre Direktorin - auf Snapes Anwesenheit nicht erfreut, sondern eher mit Verunsicherung. Die meisten aus dem Abschlussjahrgang verabschiedeten sich jedoch tapfer von ihm, als sie, die Reihe der Lehrer abschreitend, vor ihm standen, was er mit ruhigen, knappen Worten erwiderte. Im Gegensatz zu seinen Kollegen machte er jedoch keine Anstalten, einem von ihnen die Hand zu schütteln.

Dann betrat Hermine Granger in Begleitung von Harry Potter und Ginny Weasley den Vorplatz. Sie stellten sich in die Reihe der sich verabschiedenden Abschlussschüler und alle Anwesenden warteten gespannt darauf, was passieren würde, wenn sie auf Snape trafen.

Harry stand ihm als erstes gegenüber und der zweite Teil der Sensation passierte – Snape reichte dem Schüler die Hand, an dem er all die Jahre - trotz der Rolle, die dieser im Kampf gegen Voldemort zu spielen hatte - bekanntermaßen nie ein gutes Haar gelassen hatte.

Harry starrte Snapes Hand wie vom Donner gerührt an, bevor er sie ergriff.

„Auf Wiedersehen, Mister Potter", sagte Snape. „Viel Erfolg auf Ihrem weiteren Weg... und falls Sie an der Universität keinen Professor auftreiben sollten, der Ihnen ab und zu ein paar Alpträume beschert, so wie Sie es gewohnt sind", fügte er ironisch hinzu, „wenden Sie sich vertrauensvoll an mich."

„Vielen Dank für das Angebot, Professor Snape", sagte Harry grinsend. „Aber ich denke, in der Beziehung kann ich auf eine reiche Auswahl an Erinnerungen zurückgreifen."

Ginny war die nächste und sie lächelte erfreut, als Snape auch ihr die Hand gab.

„Ich wünsche Ihnen viel Glück, Miss Weasley", sagte Snape. „Bewahren Sie sich Ihren Mut und Ihr Durchsetzungsvermögen...", er warf einen kurzen Seitenblick zu Harry, der sich gerade von McGonagall verabschiedete, „...sie werden beides brauchen können."

„Danke Professor Snape", sagte Ginny. „Auch für Sie alles Gute."

Dann kam Hermine an die Reihe.

Allein, wie sie ihn ansah, gab der Gerüchteküche schon neue Nahrung, aber als sie ihm beide Hände entgegenstreckte und er sie auch noch ergriff, als wäre es das Natürlichste auf der Welt, hielten Schüler wie Lehrerschaft den Atem an.

Hermine lächelte und Snape lächelte zurück, während sie so leise miteinander sprachen, dass niemand der Umstehenden mithören konnte und, als wäre das nicht schon Sensation genug, kam nun der Höhepunkt dieser Sondervorstellung:

Hermine stellte sich auf die Zehenspitzen, und reckte Snape in unglaublich eindeutiger Absicht ihr Gesicht entgegen und er beugte sich tatsächlich herunter und küsste sie auf beide Wangen.

Der Umstand, dass er gleich danach ein paar allzu gebannt zuschauende Schüler anblaffte, sie sollen darauf achten, dass ihre Augen nicht herausfielen, beeinträchtigte die phänomenale Außenwirkung dieser Tat nur geringfügig.

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Immer noch ein Lächeln auf den Lippen ging Hermine zu der Kutsche. Dass ihre Mitschüler sie anstarrten, als wäre sie eine soeben gelandete Außerirdische, störte sie nicht im geringsten.

Sie hatte immer noch Severus Stimme im Ohr.

„Ich vermisse dich jetzt schon", hatte er gesagt und dass diese drei Tage ohne sie ihm schrecklich lange vorkommen würden.

Hermine verstaute ihr Gepäck und ließ sich gegenüber von Ginny auf den Sitz des Wagens fallen.

Sie freute sich, ihre Eltern wiederzusehen, aber noch mehr freute sie sich auf nächsten Montag, wenn Severus sie dort abholen würde und sie zusammen in Edinburgh auf Wohnungssuche gehen würden.

Dies würde der erste Schritt in eine gemeinsame Zukunft sein, in der sie ihre Liebe vor niemandem mehr würden verbergen müssen.

Als die Kutsche losfuhr, verweilten Hermines Augen so lange auf Severus dunkler Gestalt, bis er aus ihrem Blickfeld verschwand.

--- E N D E ---

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Epilog

Drei Monate später...

„Nun mach doch nicht so ein Gesicht, Severus", sagte Hermine und verkniff sich gekonnt das Grinsen. „Kann es sein, dass Barker dich heute mehr als sonst genervt hat?", schob sie Verständnis heuchelnd hinterher.

„Barker ist eine Plage, aber für meine momentane Stimmung kann er rein gar nichts", knurrte Snape. „Du weißt, wer daran Schuld ist!"

„Jetzt, wo du es erwähnst...", sagte Hermine ironisch. „Und ich wundere mich schon die ganze Zeit, was da so tonnenschwer auf meinen Schultern lastet."

Sie erntete damit nur einen vorwurfsvollen Blick von Snape, der - die Stirn tief in Furchen gelegt und die Hände noch tiefer in den Taschen seiner Jacke vergraben - neben ihr durch die Straßen des Edinburgher Universitäts-Viertels lief.

Nachdem sie sich nicht in einem reinen Zauberergebiet befanden, trugen sie beide Muggel-Kleidung – allein dieses Zugeständnis an den nichtmagischen Teil der Bevölkerung schien den Zaubertränkemeister heute schon aufzuregen, obwohl er sich ansonsten ziemlich ungezwungen in solchen Klamotten bewegte, wenn er mit Hermine unterwegs war.

„Kannst du mal versuchsweise lächeln?", fragte Hermine. „Nur um sicherzugehen, dass dir dieser Gesichtsausdruck nicht bleibt."

„Übertreib es nicht!", knurrte Snape. „Ich habe allen Grund, SO zu schauen."

„Na komm!", sagte Hermine. „Jetzt bist aber du derjenige, der übertreibt. Sei doch bitte keine Spaßbremse."

„Grmpf!", machte Snape und bemühte sich, noch finsterer auszusehen. „Du hättest viel mehr Spaß, wenn du ohne mich da hin gehen würdest."

„Oh nein!", sagte Hermine energisch. „Du hast es mir versprochen!"

„Du hast es mir versprochen!", äffte Snape ihren entrüsteten Tonfall nach und verdrehte die Augen. „Ich muss nicht ganz bei Trost gewesen sein, als ich dir dieses Zugeständnis gemacht habe."

„Das war kurz nachdem ich dir vorgeführt habe, was ich in dem verrückten neuen Dessous-Laden gleich hier ums Eck erstanden hatte", erinnerte ihn Hermine lächelnd.

„Sag ich doch...", brummte Snape, „...nicht bei Trost."

„Ach Severus...", sagte Hermine einschmeichelnd.

„Red nicht in diesem Ton mit mir", sagte Snape und sah sie strafend an. „Das wird nicht helfen – nicht in diesem Fall."

„Na schön", seufzte Hermine. „Trotzdem musst du da jetzt durch – so oder so."

Snape schwieg und legte deutlich Wert darauf, weiterhin mächtig angepisst auszusehen

Hermine lenkte ihre Schritte näher an ihn heran und stieß ihn mit dem Ellenbogen leicht in die Seite.

„Du hartherziges Biest!", knurrte Snape, nahm sie aber dann nach einem letzten anklagenden Blick in den Arm.

„Vielleicht fällt dir ja später etwas ein, womit du dich für meine Gemeinheit revanchieren kannst", schlug Hermine vor.

„Worauf du dich verlassen kannst", schnaubte Snape. „Jedes mal, wenn ich mich heute Nachmittag langweile, werde ich darüber nachdenken – und ich schätze, das wird verdammt oft sein."

Nun verdrehte Hermine die Augen.

„Wir sind da", sagte sie kurz darauf und blieb vor einem Häuschen mit einem kleinen verwilderten Vorgarten stehen, das unmittelbar an etwas gepflegtere Exemplare der selben Bauart anschloss.

„Hübsch!", sagte Snape zynisch und warf einen vernichtenden Blick auf das idyllisch wuchernde Unkraut, während sie auf die Tür zugingen.

Fast unmittelbar nach Hermines Klopfen wurde diese aufgerissen und die ziemlich aufgeregt wirkende Bewohnerin lächelte ihre Besucher strahlend an.

„Hermine! Professor Snape! Herzlich Willkommen!", sagte sie, bevor sie die Türe weit öffnend zurück trat, um die beiden einzulassen und sich dann noch mal dem Inneren des Hauses zuwandte.

„HARRY!", rief Ginny laut. "Sie sind da!"

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Und wie das gemütliche Beisammensein verlaufen ist, überlasse ich eurer Fantasie! :D

Ich würde mich riesig freuen, wenn ihr mich wissen lasst, wie euch das Ende der Story gefallen hat.

Viele liebe Grüße,

Eure Chrissi