Eine verrückte Idee, die mir letztens beim Schauen des ersten Filmes kam. Lest einfach selbst! (;


Alle Charaktere gehören Joanne K. Rowling und ich verdiene selbstverständlich kein Geld mit dieser Fanfiction.


I-Ich bin nicht Harry!"

Petunia und ihr Mann Vernon lagen in einem unbequemen Bett. Sie befanden sich in einer vermoderten Hütte auf einem verlassen Felsen weit von der Küste entfernt, der Wind pfiff durch die Ritzen und der Regen tropfte durch das löcherige Dach.

Beide starrten mit weit aufgerissenen Augen an die Decke und froren entsetzlich.

Und warum das alles? Nur weil sie den furchtbaren Briefen von Hogwarts entgehen wollten. Sie alle waren selbstverständlich an Harry gerichtet, doch wenn er auf diese Schule gehen würde, wären sie ganz alleine mit Dudley und seinen Wutausbrüchen, und das wäre für die beiden das Schlimmste.

Dudley glaubte natürlich, dass sie dies nur taten, weil sie Angst vor Zauberei hatten und Harry so viel wie möglich leiden sehen wollten. Wenn sie nicht so tun würden… nicht auszudenken, was ihnen dann blühte.

Eigentlich mochten sie Harry, doch da Dudley unter großen Komplexen litt, mussten sie Harry so schlecht behandeln, wie nur möglich, obwohl es ihnen das Herz zerriss.

Doch auf diesem Felsen würde sie nie jemand finden, und so würde Harry sie auch nicht verlassen müssen. Der Gedanke beruhigte sie ein wenig, auch wenn es ihnen unheimlich Leid tat, dass Harry an seinem Geburtstag auf dem kalten Fußboden schlafen musste, da Dudley das gesamte Sofa mit seinem massigen Hintern beanspruchte.

Vernon und Petunia warfen sich einen kurzen Blick zu, und versuchten sich ermutigend zuzulächeln.

Als die Geräusche von Dudleys Gameboy erstarben und sie einige Minuten später das laute Schnarchen ihres Sohnes hörten, fielen auch sie langsam in einen unruhigen Schlaf, in dem sie von Dudley Fratze geplagt wurden.

Er lief ihnen mit seinem Smeltingsstock hinterher und versetzte ihnen schmerzhafte Hiebe auf den Hinterkopf.

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Das Ehepaar schrak aus dem Schlaf hoch, als es laut gegen die Haustür klopfte.

Was geschah hier? Wie konnten sie gefunden werden, weit weg von der Zivilisation?

Vernon sprang aus dem Bett und griff nach seiner Schrotflinte. Dann spurtete er aus dem Zimmer und trat in den Flur, seine Frau Petunia dicht hinter ihm.

Dudley saß kerzengerade auf dem Sofa und starrte leise wimmernd zur Tür. Harry, der arme Junge, versteckte sich hinter einem Schrank in dem sicher mottenzerfressene Kleidung hing, und zitterte leicht. Vernon und Petunia standen im Türrahmen und glotzten verängstigt zur Tür.

Mit einem lauten Schlag wurde sie aus den Angeln gehoben, was den Lärm des Unwetters draußen um ein vielfaches verstärkte. Ein Mann von gewaltigen Ausmaßen betrat die Hütte, was das Ehepaar schlucken, Dudley quieken und Harry erschrocken aufspringen ließ.

Der riesige bärtige Mann schaute finster in die Runde und knurrte dann: „Tut mir unheimlich Leid." Und mit Leichtigkeit setzte er die Tür zurück in den Rahmen.

Vernon trat vor, am ganzen Leib zitternd.

„Wer sind Sie und was zum Teufel wollen Sie!?"

Seine Stimme bebte, genauso wie sein massiger Körper.

Doch anstatt auf eine Antwort zu warten, trat Petunia vor und sagte, bemüht mutiger zu klingen, als sie war: „Verschwinden Sie von hier, das ist Hausfriedensbruch!"

Der Riese starrte das Ehepaar an und winkte nur abwertend mit seiner rechten Hand.

„Ach, haltet doch den Mund. Ich bin gekommen, um Harry abzuholen."

Vernon und seine Frau liefen erst rot, dann gelb und zuletzt blaugrün an. Er würde Harry mitnehmen. Er würde ihn für immer fortbringen, und dann wären sie mit ihrem missratenen Sohn Dudley alleine.

Petunia war der Ohnmacht nahe und Vernon ließ die Schrotflinte kraftlos sinken.

Der bärtige Mann konnte Harry zum Glück nicht sehen, da sich dieser immer noch hinter dem Kleiderschrank versteckte, also wandte er sich Dudley zu.

„Als ich dich das letzte Mal gesehen hab, warst du zwar noch ein Baby, Harry… aber du bist ein bisschen Kräftiger, als ich es mir vorgestellt hab – besonders um die Mitte 'rum."

Er tätschelte sich den Bauch und zwinkerte Dudley zu.

„I-ich bin nicht Harry", stammelte Dudley verängstigt.

Der große Mann stutzte. „Nicht?"

Petunia kam ein großartiger Gedanke. Das war vermutlich die Chance, auf die sie und ihr Mann so lange gewartet hatten!

Sie trat vor, was die Aufmerksamkeit des gefährlich aussehenden Riesen erregte, und sagte, mit kräftigerer Stimme als zuvor: „Was redest du denn da? Natürlich bist du Harry!"

Ihr fetter Sohn drehte seinen Kopf seiner Mutter zu und funkelte sie wütend an.

„Nein, bin ich nicht!", schrie er panisch.

Der große bärtige Mann setzte ein beschwichtigendes Lächeln auf.

„Aber, aber, du musst doch keine Angst vor mir haben, Harry. Ich bin Hagrid und möchte dich gerne nach Hogwarts bringen!"

Dudley schaute abwechselnd seine Eltern und Hagrid an. Er schien zu verängstigt, auch nur ein weiteres Wort zu sagen.

Auch Vernon hatte jetzt neuen Mut gefasst und ging auf Hagrid zu.

„Harry hatte solche Angst vor den Briefen, er war regelrecht panisch. Aber nun sind Sie ja da, um ihn vom Gegenteil zu überzeugen! Es gibt keinen Grund zur Sorge, nicht wahr Harry?"

Vernon grinste ihn auf eine irre Art an.

„Deshalb sind sie also in einer kleinen Hütte mitten auf dem Meer, wie?", fragte Hagrid skeptisch.

Petunia nickte, was ihre Haare fliegen ließ. „Ganz genau so ist es!"

Hagrid hob einen dicken Zeigefinger.

„Oh! Da fällt mir noch was ein …"

Er griff in seinen Mantel und zog eine Schachtel heraus in der sich ein großer, klebriger Schokoladenkuchen befand.

„Hier für dich, Harry und alles Gute zum Geburtstag!"

Dudleys Augen weiteten sich.

„WOW! Der sieht ja lecker aus!"

Er stürzte sich auf den Kuchen und begann, ihn gierig abzuschlabbern, wobei sein fetter Hintern unaufhörlich wabbelte. Petunia warf Vernon einen angewiderten Blick zu.

Hinter dem Schrank machte der echte Harry Anstalten, sich zu bewegen, doch Vernon gab ihm mit einem Wink seiner Hand zu verstehen, dass er sich nicht rühren sollte. Harry gehorchte, was er zu genüge in den elf Jahren bei den Dursleys gelernt hatte.

Hagrid grinste Dudley fröhlich an.

„Wie ich sehe, schmeckt er dir! Das freut mich!"

Dudley tauchte aus seinem Kuchen auf, sein Gesicht mit Schokolade beschmiert.

„Gibt es in Hochwarz auch so leckere Kuchen?"

Sein Blick war sehnsüchtig. Hagrid gluckste.

„Aber natürlich, in Hogwarts gibt es das beste Essen auf der ganzen Welt!"

Dudley sprang auf seine mopsigen Beine und strahlte über das ganze Gesicht. In Vernon und Petunia keimte Hoffnung auf, so warm und wohlig, wie sie es sich immer erhofft hatten.

„Lass uns gleich losgehen, Hagrid!", schrie er begeistert.

„Was, jetzt gleich?", fragte Hagrid verdattert. „Aber du weißt doch noch gar nichts über Hogwarts und Zauberer –"

Dudley unterbrach ihn. „Na und! Das kannst du mir auch unterwegs erzählen, los, lass uns gehen!"

Hagrid drehte sich langsam zu den Dursleys um.

„Ist es für Sie in Ordnung, wenn ich ihn jetzt schon mitnehme?"

Vernon und Petunia nickten mit einem breiten Grinsen auf den Gesichtern.

„Und… ich meine, braucht er nicht noch ein wenig Schlaf? Sollten wir nicht morgen früh –"

Vernon und Petunia schüttelten heftig die Köpfe. Hagrid schien überrascht und rieb sich den Bart.

„Na gut", sagte er schließlich. „Er wird Ihnen schreiben, wie es ihm in Hogwarts ergeht."

Dudley hatte sich bereits in seine Schuhe und seine Jacke gezwängt, während dessen mampfte er schmatzend an „seinem" Kuchen weiter.

„Ja ja, können wir dann endlich los, Hagrid!?"

Der Angesprochene grinste und sagte: „Voller Elan, wie damals deine Eltern, das lob ich mir. Alles klar, da Onkel und Tante nichts dagegen haben, werden wir sogleich losziehen."

Dudley reckte seine dicken Fäuste in die Luft und stürmte, die Kapuze über seinen fetten Kopf gezogen, aus der Hütte hinaus in den Regen. Hagrid drehte sich an der Tür noch einmal um.

„Machen Sie sich keine Sorgen. Auf Wiedersehen!"

Petunia und Vernon winkten kraftlos. Sie konnten es nicht fassen. Dudley würde mit diesem fetten Riesen davon gehen.

Als die Tür leise ins Schloss fiel standen sie eine Weile reglos da. Dann ließ Vernon die Schrotflinte auf den Boden fallen und schluchzte leise auf. Petunia fiel ihm erleichtert um den Hals. Endlich waren sie den Tyrann losgeworden!

Sie liefen zu Harry, der unheimlich verwirrt aussah, und knuddelten ihn.

„Jetzt wird alles gut!", seufzte Petunia leise.

tbc