Titel: Broken Mind, Fractured Soul

Autor: SensiblyTainted

Übersetzung: Nerventod

43. Tanzen

Silas öffnete seine Augen und schnaubte, als er sah, dass er in Severus' Räumen war. Die Sonne würde bald aufgehen und das bedeutete, dass er bald verschwinden musste, wenn er ohne Konfrontation davonkommen wollte. Es war ihm bewusst, dass Harry dem Mann erzählt hatte, dass sie einander hören konnten, und auch wenn er darüber nicht erfreut war, verstand er, warum Harry das getan hatte. Zwischen ihnen war es zu angespannt geworden, um es ertragen zu können, aber Silas hatte vor, das Problem selbst zu lösen.

Der Flur war leer, genau wie er es gehofft hatte, und der Lehrer rief nicht, dass er auf der Stelle zurückkommen sollte. Er grinste über seinen erfolgreichen Gefängnisausbruch und ging leise die feuchten Kerkergänge entlang. Er hatte eine Menge zu tun und zuerst musste er in die Bibliothek.

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„Harry? Reden wir immer noch über das Ei?"

Harry zwinkerte und lächelte Viktor an, während der Schüler aus Durmstrang ihn anfunkelte. „Ja, natürlich." Er fühlte sich ein wenig besser. Der tiefe Schlaf hatte ihm gut getan. Er machte sich kurz Sorgen um Silas, erlaubte sich aber, das vorüber gehen zu lassen. Er konnte wegen des Slytherins jetzt nichts tun.

„Das ist gut. Ich habe das Rätsel noch nicht gelöst und könnte Hilfe gebrauchen." Viktors Gesicht entspannte sich zu einem Lächeln. Er fühlte sich sicher, da er und Harry die einzigen waren, die so früh in der Bibliothek waren.

„Es ist laut, also sollten wir nicht wirklich hier daran arbeiten. Wie wäre es, wenn wir hinunter zum Quidditchfeld gehen?" Harry stand auf und schloss die Bücher, die Silas gelesen hatte. Er schaute auf die Titel, aber da waren keine und er hatte nicht die Zeit, die Bücher noch einmal zu öffnen und zu versuchen herauszufinden, von was sie handelten.

Viktor und er gingen hinunter zu den Schuhlgründen und unterhielten sich leise. Sie waren beide warm angezogen. Harry trug eine Jeans mit Turnschuhen, ein weißes T-Shirt und einen dicken roten Pullover, den Mrs. Weasley für ihn gestrickt hatte. Er hatte auch seinen weißen Winterumhang an, den Severus ihm zu seinem dreizehnten Geburtstag geschenkt hatte. Viktor sah viel beeindruckender aus. Sein schwarzes Haar war zurückgegelt und er trug dicke schwarze Hosen, schwere Stiefel und einen schwarzen Pullover unter seinem dicken, roten Umhang, mit dunkelbraunen Fell am Nacken und am Saum. Harry fühlte sich ziemlich armselig, neben dem 17-jährigen. Er war viel kleiner und dünner und sein dunkles Haar stand unordentlich ab, da er keine Zeit gehabt hatte, es zu kämmen oder sowas. Es war schließlich gerade erst aufgewacht.

Harry richtete die Brille auf seiner Nase und war dankbar, dass er zumindest nicht fror. „Was ist das für eine Art von Fell?"

„Das ist das Fell einer magischen Katze, die Roggenwolf genannt wird. Das sind bösartige wolfsähnliche Kreaturen, die so groß sind wie Kühe", grinste Victor ihn an. „Mein Vater hat diese Kreatur erlegt."

„Wow", lächelte Harry zurück. „Er klingt wirklich stark!"

„Das ist er", nickte Viktor und deutete zu den Ständen um das Feld herum. „Hier?"

„Ist gut", zuckte Harry mit den Schultern und sie stiegen hinauf. Zumindest war der Himmel klar und die Sonne schien hell, auch wenn die Dezemberluft sehr kalt war.

Sie probierten für Stunden mit den Eiern herum. Sie versuchten alles, an was sie denken konnten. Sie warfen sie so fest auf den Boden, dass sie sich öffneten, sprachen Zauber auf die Eier, um zu sehen, ob es einen Zauber gab, der die Nachricht verständlich machte, und viele andere Dinge. Sie redeten auch viel, lachten und spekulierten darüber, was die nächste Aufgabe sein würde. Schließlich trieb der Hunger sie wieder hinein. Ihre Gesichter waren rot und beide waren entspannt und glücklich.

„Harry, ich möchte dir eine Frage stellen", sagte Viktor, als sie sich den Toren des Schlosses näherten.

„Was?" Harry schaute hinüber zu ihm.

„Hermine", sagte der ältere Jugendliche vorsichtig. „Wie alt ist sie?"

„Sie hatte gerade ihren fünfzehnten Geburtstag", sagte Harry verwirrt mit zusammen gezogenen Augenbrauen. Langsam verstand er und sein Gesicht entspannte sich zu einem Grinsen. „Warum?"

„Nur so." Victor schaute schnell weg, doch Harry sah das tiefe Rot, das sich auf den Wangen seines Freundes ausbreitete.

„Magst du sie? Wirst du sie zum Ball einladen?", lachte Harry und stupste den errötenden Jungen in die Rippen.

„Vielleicht", schimpfte Viktor und beschleunigte seine Schritte.

Sie erreichen das Schloss und bevor sie getrennte Wege gehen konnten, musste Harry das letzte Wort haben. „Ich denke, es ist großartig!"

Viktor schaute auf und lächelte dankbar, ehe er steif zu der Großen Halle ging, um noch etwas vom Frühstück zu bekommen. Harry wäre ihm gefolgt, aber er musste seine Freunde finden. Er zauberte eine Nachricht zu ihnen und bat sie, ihn in der Küche zu treffen. Er rannte hinauf zu seinem Gemeinschaftsraum und traf Neville unterwegs. Sein Bruder sah erschöpft aus, doch er folgte Harry, ohne dass dieser ihn großartig drängen musste. Harry legte sein Ei weg und rannte dann, gefolgt von Neville, hinunter zur Küche. Fred, George, Hermine und Ron warteten bereits auf ihn.

„Helft mir, etwas essen zu tragen, ja?", fragte Harry sie. „Wir können das zu der Weide mitnehmen. Niemand wird dort sein und es wird da kein Haufen Schnee geben, da der Baum das meiste davon wegschubst."

„Sicher, Kumpel", zuckte Ron mit den Schultern, und begann sich Essen einzustecken.

„Was ist überhaupt los?", fragte Fred.

„Nun, ich möchte euch über die Stunde mit Dumbledore erzählen und ich dachte, danach könnten wir an der Animagus-Verwandlung arbeiten. Ich habe das irgendwie in letzter Zeit vernachlässigt und muss das nachholen."

„Hast du deine Hausaufgaben gemacht?", fragte Hermine und strich sich ihr Haar aus dem Gesicht. „Das kommt zuerst, wie du weißt."

„Das kann ich morgen machen", wehrte Harry ab. „Wir fünf hatten nicht wirklich die Chance, zusammen zu lernen."

Sie gab grummelnd nach und Harry grinste sie an. Die fünf Jugendlichen machten sich auf den Weg hinaus zur Peitschenden Weide. Sie aßen und hörten zu, als Harry die Stunde mit dem Denkarium beschrieb, und was das vielleicht für Harry und den Krieg bedeuten könnte. Fred und George hatten eine Menge darüber zu sagen. Hermine und Neville drückten ihr Bedauern für Voldemort aus und für das, was ihm und seiner Familie passiert war, doch Fred und George bestanden darauf, dass es egal war, was man ihm angetan hatte, und dass das kein Grund war für seine derzeitige Bösartigkeit. Harry und Ron fanden, dass sie Recht hatten und saßen zwischen den beiden Stühlen.

„Dumbledore konnte ihn definitiv nicht anstellen…", begann George hitzig.

„...ganz gleich, dass er noch nicht der Dunkle Lord war!", fuhr Fred fort. „Er war schon..."

„...ein Mörder und hat die Dunkeln Künste angewendet."

„Das wissen wir nicht", widersprach Hermine. „Es war nicht so, dass er begonnen hat, seine Klassenkameraden zusammenzurufen und ein Dunkler Lord zu werden, nachdem ihn die Position in Hogwarts verwehrt worden war."

„Das ist nicht wahr", schüttelte Ron seinen Kopf. „Er hat sich bereits bei seinem dunklen Namen genannt, als er immer noch hier zur Schule gegangen war, und nachdem er sie abgeschlossen hatte, hat er angefangen, seine Freunde als Todesser anzuheuern."

„Das kann nicht wahr sein", schimpfte Hermine. „Er ist herumgereist und hat nach einem Lehrer für die Dunkeln Künste gesucht, nachdem er seinen Abschluss hatte. Er wird nicht angefangen haben, Todesser zu sich zu rufen, bis er gelernt hatte, was er wissen musste."

„Er hat immer versucht, sich eine Machtposition zu sichern…"Fred schlug auf sein Bein, um dem Nachdruck zu geben.

„...deshalb hat er seine Freunde zu sich gerufen, bevor er gelernt hat, und sogar schon, wo er noch immer in Hogwarts war. Er brauchte..."

„...Leute, die ihn unterstützten. Er hat sie nicht Todesser genannt..."

„...bis er von seinen Lehrern zurückgekehrt war", beendete George.

„Ich denke nicht, dass es wichtig ist, wann er böse geworden ist, oder wann er hätte gestoppt werden können. Der Punkt ist, dass er böse ist und dass er gestoppt werden muss", seufzte Harry und fuhr sich mit seiner Hand durch sein Haar. „Dumbledore muss denken, dass da etwas ist, was mir helfen kann, ihn zu besiegen, aber ich weiß bei meinem Leben nicht, was es ist. Nichts davon scheint wichtig zu sein. Ich kann keine Schwäche oder sonst was erkennen."

„Vielleicht ist es die Tatsache, dass er Dinge sammelt", schlug Neville vor. Er hatte dunkle Ringe unter seinen Augen, aber die frische Luft und die muntere Unterhaltung taten ihm gut. „Du hast gesagt, dass Dumbledore das wirklich sehr betont hat."

„Vielleicht, aber warum sagt Dumbledore mir nicht einfach das, von dem er will, dass ich es weiß? Warum lässt er mich raten? Das ist wichtig. Wenn Voldemort eine Schwäche hat und ich sie einfach nicht sehe, muss ich es wissen!", knurrte Harry.

„Er möchte, dass du es selbst herausfindest", sagte Hermine nachdenklich. „Vielleicht würde er es dir sagen, wenn du es am Ende dieser Stunden immer noch nicht herausgefunden hast."

„Das hoffe ich", stand Harry auf und streckte sich. „Mir wird kalt. Lasst uns hoch in die Bibliothek gehen und dort lernen."

„Aber es ist Samstag!", stöhnte Ron. „Fred, George, helft mir, ihn zum Quidditch zu überreden!"

„Tut uns leid, kleiner Bruder..."

„...normalerweise sind wir ganz dafür zu spielen statt zu arbeiten, aber wir möchten das wirklich..."

„...hinkriegen!"

Harry lächelte die beiden grinsenden Zwillinge an. „Ihr seid wirklich aufgeregt, oder?"

„Darauf kannst du wetten!", antworteten sie zusammen.

„Ich bin auch aufgeregt", warf Hermine ein. „Ich kann es nicht abwarten, den Zaubertrank zu brauen und herauszufinden, was mein Tier ist!"

„Ich denke auch, dass es großartig ist, aber es ist Samstag!"

„Wie geht es mit der Eiche voran, Neville?", fragte Hermine und ignorierte Rons genervten Aufschrei.

„Gut", sagte Neville, errötete und schaut auf seine Füße.

Harry schubste ihn spielerisch an der Schulter. Neville lächelte ihn an und Ron murmelte verärgert vor sich hin, als er ihnen folgte. Die Zwillinge gingen voran, lachten und warfen sich Vermutungen wegen der Tiere zu.

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Sonntagmorgen wachte Harry wieder in der Bibliothek auf. Er rief innerlich nach Silas. Komm schon, Sy! Ich muss mich bald mit Draco treffen und wenn du nicht willst, dass ich gehe, musst du es mir sagen. Aber es gab keine Antwort. Nicht einmal, als er es laut versuchte.

Besorgt seufzte Harry und tat sein Bestes, seine Kleidung zu richten und seine Haare zu zähmen, bevor er zu dem ungenutzten Raum neben dem Zaubertränkeklassenzimmer ging, von dem Draco gesagt hatte, dass er da war. Er braucht ein paar Minuten, um den Raum zu finden, von dem Draco geredet hatte. Der Blonde wartete ungeduldig, und tippte mit seinem Fuß auf dem Boden. Er hatte ein etwa fünf Meter großes Feld leergeräumt, und die alten Tische und Stühle zur Seite geschoben. Sie waren voller Staub und Schmutz, aber der Boden war dort sauber, wo Draco Platz geschaffen hat. Offensichtlich hatte der Blonde den Schmutz entfernt. Harry dachte daran, ihn zu necken, da er einen Aufräumzauber kannte, doch der Blonde sprach zuerst.

„Es wird Zeit, Potter", knurrte Draco, als er herein kam.

Harry lächelte ihn an. „Entschuldige."

Der Blonde schnaufte und presste seinen Mund zu einer schmalen Linie zusammen. Er verschränkte die Arme vor seiner Brust und schaute Harry von oben bis unten an. „Du musst in einem Festumhang üben, da du denn tragen wirst. Ich denke nicht, dass du auf die Nase fallen willst, wenn alle zugucken, nur weil du es nicht gewohnt bist, mit langem Umhang zu tanzen."

„Nein, das ist nicht wirklich mein Ziel", stimmte Harry schüchtern zu. „Aber ich habe keinen langen Umhang."

„Nun, dann musst du dir einen besorgen." Draco rollte angewidert mit seinen Augen. Er stand von dem Tisch auf, an den er sich gelehnt hatte, und nahm einen Stapel Umhänge von einem Stuhl hinter sich. „Ich habe dir die hier mitgebracht. Sie sind gut genug zum üben."

Harry nahm die Umhänge und zog sich einen an. Sie waren nett. Der dicke, dunkelblaue aus Samt, war erstaunlich schwer und hing ein paar Zentimeter auf den Boden. Er bewegte sich vorsichtig und runzelte die Stirn. In so etwas zu kämpfen, wäre ein Albtraum. Er hoffte nur, dass er das nicht tun musste. Hoffentlich würde der Ball katastrophenfrei sein und das Schlimmste was er zu tun hatte, war zu tanzen.

„Ich hoffe, du hast nicht vor, so zu tanzen", schnappte Draco. Er trat vor und schubste Harry an den Schultern, bis er korrekt stand. „Entspann dich. Du kannst dich nicht bewegen, wenn du steif wie ein Brett bist." Sein Mund verzog sich zu einem Grinsen. „Ich werde dich nicht verfluchen oder sowas."

„Ich weiß", verengte Harry seine Augen und versuchte bewusst, sich zu entspannen.

„Und hör auf so zu gucken, Potter!" Seufzend nahm Draco die Position vor dem Gryffindor ein und begann sich zu bewegen. „Mach es mir nach."

Harry tat, was ihm gesagt wurde, doch nach ein paar Minuten entschied er, dass das viel schwieriger war, als er erwartet hatte. „Können wir Musik machen? Das könnte helfen."

Draco nickte und schwang seinen Zauberstab. Musik erfüllte den Raum und sie fuhren fort, zu tanzen. Nachdem er die Schrittfolge zweimal vorgemacht hatte, hörte Draco auf und befahl Harry weiterzumachen. Er drehte sich um und sah zu, wie der Dunkelhaarige es allein machte. Es war merkwürdig, allein zu tanzen und die grauen Augen, die jede seiner Bewegungen beobachteten, halfen nicht. Er stolperte ein paar Mal, worauf Draco schnaubte und ihn beschimpfte.

„Du bist keine Hilfe, weißt du?", funkelte Harry ihn an.

„Potter, ich denke, nicht mal ein Tanzzauber würde dir helfen!" Mit einem müden Seufzen, setzte sich Draco auf einen alten Stuhl. „Es ist noch eine Stunde bis zum Mittagessen. Meinst du, du könntest versuchen, bis dahin Fortschritte zu machen?"

„Es sind zu viele Schritte und ich kann mich nicht daran erinnern, meinen Partner zu drehen, wenn ich nicht wirklich einen habe", schnappte Harry, genauso frustriert.

„Frag nicht mal, Potter!", funkelte Draco ihn nachdenklich an. „Ich weiß nicht einmal die Schritte des Mädchens!"

„Ich habe dich nicht gefragt, mit mir zu tanzen, Draco! Oh, das ist lächerlich!" Harry warf seine Hände in die Luft. „Ich hätte wissen müssen, dass es unmöglich ist, einen Waffenstillstand mit dir zu haben! Silas muss verrückt sein, dein Freund zu sein!"

„Po-Harry, warte."

Wütend und peinlich berührt, drehte Harry sich um, darauf vorbereitet, dem Blonden die Hölle heiß zu machen. Aber die Anspannung war aus den Schultern des Blonden gewichen und sein Lächeln war offener, als Harry es je gesehen hatte; auch wenn es immer noch klein war. Harry runzelte die Stirn und fragte sich, was die Veränderung bewirkt hatte, aber er wusste es besser, als zu fragen. Draco war die abwehrenste Person, die er kannte, abgesehen von Silas.

„Lass uns einfach noch für ein paar Minuten üben", stand Draco auf und drehte sich um. „Mach's mir noch ein paar Mal nach."

Harry bewegte sich nicht, doch der Slytherin-Prinz tanzte bereits. Seine Bewegungen waren anmutig und flüssig, so als würde er sich spontan entscheiden, wie er sich bewegen würde, anstatt so zu tanzen, wie er es gelernt hatte. Er war wirklich gut. Harry seufzte und machte es ihm nach. Sicher könnte er tanzen lernen, wenn Draco Malfoy es konnte!

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Harry, Hermine, Neville und Ron arbeiteten nach dem Mittagessen im Gemeinschaftsraum der Gryffindors an ihren Hausaufgaben. Harry hatte eine Menge nachzuholen und jedes Mal, wenn er etwas fertig hatte, musste er stöhnen, als er den Stapel sah, der noch übrig war. Hermine versuchte nicht zu selbstgefällig darüber zu sein, dass sie wusste, dass sie Recht hatte und er gestern zuerst Hausaufgaben hätte machen sollen, aber er wusste was sie dachte und funkelte sie an. Es half seiner Stimmung nicht, dass Ron sich jede halbe Stunde oder so laut beschwerte. Das war alles vergessen, als er einen kleinen Knall hörte und Omi dastand und zu dem Porträtloch deutete.

„Scheiße!" Harry sprang auf, wodurch seine Freunde ihn erstaunt anstarrten. „Das habe ich komplett vergessen! Neville, haben wir heute nicht einen Termin mit Professor Lupin?"

„Wa-", zwinkerte Neville verwirrt.

„Ja, das Treffen, von dem er gesagt hat, dass wir es nicht verpassen sollen. Er hat gesagt, dass er über irgendetwas mit uns reden muss, erinnerst du dich?", sagte Harry so vorsichtig wie er konnte, aber immer noch in dem Versuch, Neville dazu zu bringen, zu verstehen, dass er wollte, dass er mitkam und ihre Freunde ihnen nicht folgten.

„Oh... Ja..." Neville stand auf und Harry lächelte ihn an. Der pummelige Gryffindor lächelte zurück, erleichtert, dass er richtig verstanden hatte.

„Ihr zwei seid noch nicht einmal annähernd fertig!", protestierte Hermine. „Besonders du, Harry!"

„Wir sind bald wieder da. Warum macht ihr zwei nicht eine Pause, während wir weg sind? Holt etwas zu essen oder was zu trinken oder sowas", lächelte Harry und ging aus dem Porträtloch.

„Das klingt wie eine brillante Idee", seufzte Ron und wollte bereits aufstehen.

„Nicht so schnell!" Hermine schnappte Ron am Arm und zog ihn fest wieder auf seinen Platz. „Schreib erst diesen Aufsatz zu Ende, du bist fast fertig!"

Harry hörte nicht, was sein wütender Freund auf diese Aufforderung antwortete, da die Fette Dame zuschwang. Er grinste und war stolz darauf, sich erfolgreich davon gemacht zu haben und er platzte vor Aufregung. Nevilles neuer Lehrer war da! Zumindest dachte er, dass es das war, was es bedeutete, dass Omi zurück war. Neville öffnete seinen Mund, um zu fragen was los war, aber Omi erschien vor ihnen und er keuchte.

„Ich habe den perfekten Lehrer gefunden, Sirs!", schrie Omi glücklich. „Es tut mir leid, dass ich so lange gebraucht habe, junger Harry und Neville Sir. Ich musste sie überreden, zu kommen."

„Das ist absolut in Ordnung, Omi", versicherte ihm Harry mit einem breiten Grinsen. „Wissen es Severus und Remus?"

„Ja, Sir. Sie warten auf dem Hof, wo der junge Neville normalerweise seinen Unterricht hat."

„In Ordnung, danke, Omi! Sag ihnen, wir sind auf dem Weg."

Der Elf nickte und disapparierte mit einem leisen Knall. Neville hielt mit Harry Schritt und fragte vorsichtig, was los war. Harry drehte sich zu ihm und strahlte ihn mit einem breiten Lächeln an.

„Wir wissen, dass du eine Menge Schwierigkeiten mit der Erdmagie hast, Nev, deshalb haben wir versucht, einen besseren Lehrer als Rowena zu finden, der dir helfen kann. Wir wollten dir nichts sagen, um dir keine Hoffnung zu machen, ohne dass wir sicher waren, dass Omi für dich einen neuen Lehrer finden konnte."

„Wer ist wir?", biss sich Neville auf seine Lippe. „Ich habe gedacht, ich habe dir gesagt, du sollst es nicht erzählen."

„Severus, Remus und ich", gab Harry zu. Er hielt an und zog Neville vor sich. „Nev, ich habe mir solche Sorgen gemacht. Ich liebe dich so sehr und ich wusste… ich wusste, dass ich dich verliere. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Du hast Hilfe gebraucht und ich konnte nichts tun. Ich konnte nicht Schweigen." Er schaute in Nevilles Gesicht. „Bist du böse auf mich? Ich wollte helfen. Wir wollen, dass es dir besser geht."

„Ich verstehe." Neville schaute auf und sein Gesicht war blass und angespannt, aber es war kein Ärger zu sehen. „Das tue ich wirklich. Ich hätte wahrscheinlich dasselbe für dich getan."

„Danke, Bruder", sagte Harry leise und drehte sich dann schnell um, um weiter zu dem Hof zu gehen. „Komm schon! Vielleicht wird dieser Lehrer alles besser machen!"

„Das bezweifle ich", murmelte Neville, doch Harry hörte ihn nicht. Seufzend folgte er seinem Bruder und versuchte die wachsende Angst zu kontrollieren. Er hatte gedacht, dass er bis Donnerstag hatte, bevor er der Erde wieder gegenübertreten musste. Er erschauderte und wünschte sich von ganzem Herzen, dass Harry das nicht getan hätte.

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Der Hof war mit einer dicken Decke aus Schnee bedeckt. Nur die Wege waren frei und das durch Zauberei. Er war sehr kahl, aber Severus fand, das es ein eher friedlicher Platz war. Er mochte die Stille und die Art, wie der Schnee die Geräusche dämpfte. Tatsächlich hätte er gerne in der Wintersonne gestanden, wenn es nicht aus dem Grund gewesen wäre, weshalb sie überhaupt hier waren.

Omi war schließlich mit einem Lehrer zurückgekehrt und der Elf war keine Sekunde zu früh gekommen. Neville driftete mit jedem Tag der verging weiter fort. Jeden Donnerstag war es ein schwererer und schwererer Kampf für Neville, zurück in seine menschliche Hülle zu kommen. Rowena hatte ihm gesagt, dass er es nicht bis zur Wintersonnenwende schaffen würde. Deshalb war er berechtigtermaßen enttäuscht über die Lehrerin, die Omi mitgebracht hatte.

Madigan Flitwick war Professor Flitwicks jüngere Schwester. Sie hatte silberweißes Haar, das bis auf den Boden ging und war nur 75 Zentimeter groß. Ihr Gesicht war faltig und ihre großen blauen Augen ließen Severus an einen Hauselfen denken. Ihre Nase war lang und spitz, mit zwei Beulen, und ihre Finger waren wie Äste. Sie trug eine lila Robe, doch es war offensichtlich, dass sie es nicht gewohnt war, sie zu tragen, da sie immer daran herum zupfte. Wie Professor Flitwick lächelte sie und sprach mit schneller hoher Stimme. Es klang sanft und schön, aber was konnte diese Kreatur wirklich tun, um zu helfen?

Remus hatte keine solchen Zweifel, aber nur, weil er sie sich nicht leisten konnte. Er machte sich selbst krank mit seiner Sorge um den Jungen, den er begonnen hatte, zu lieben. Nevilles Leben bedeutete ihm mehr, als er sagen konnte. Der Wolf in ihm hatte diesen merkwürdigen Jungen in sein Rudel aufgenommen und er dachte nicht, dass er den Tod des Welpen verkraften würde. Deshalb musste er daran glauben, dass Madigan ihnen helfen konnte und helfen würde.

Die Jungen betraten den Hof. Harry musste Neville buchstäblich mit sich ziehen. Er schaute zu der kleinen alten Frau und hielt an. Neville schaute um ihn herum und seufzte erleichtert. Er hatte ein schreckliches Monster erwartet, das ihn tiefer und tiefer in den Abgrund stieß und ihm sagte, dass das okay wäre, während er ertrank und starb.

Rowena erschien hinter Neville und legte eine Hand auf seine Schulter. „Ich spüre große Kraft und auch große Freundlichkeit in ihr. Ich glaube, dass ihr gut zusammenarbeiten werdet."

Neville zuckte vor dem Phantom weg und nickte steif.

„Ich grüße euch, Neville Longbottom, Harry Potter", lächelte die alte Dame freundlich. „Ich bin Madigan Flitwick, die kleine Schwester eures Professors. Bitte nennt mich Maddie."

„Maddie, denken Sie, dass Sie Neville helfen können?", fragte Harry hoffnungsvoll, mit glänzenden Augen.

„Das hoffe ich." Ihre blauen Augen richteten sich auf den betreffenden Jugendlichen. „Möchtest du meine Hilfe, junger Mann?"

Neville sagte nichts.

„Hab keine Angst, Nev, Madigan ist sehr nett", ermunterte Remus ihn.

„Ich möchte das nicht!", schrie der Junge plötzlich. „Ich möchte nicht mehr in die Erde gehen! Warum könnt ihr mich nicht alle in Ruhe lassen?"

„Oh, Kind", schüttelte Madigan ihrem Kopf und schaute hinunter zu dem Boden zu ihren Füßen. „Ich kann sehen, dass du Schmerzen hast. Ich kann sehen, dass das Gewicht der Erde dich erdrückt. So muss es nicht sein."

„Nev", flehte Harry und drückte die Hand seines Bruders. „Bitte, versuche es noch ein Mal."

„Warum?", fragte Neville mit festen Blick und Augen, aus denen Tränen traten.

„Weil du die Verbindung jetzt nicht schließen kannst", antwortete Rowena sorgenvoll. „Wenn du sie jetzt verdrängst, wird sie sich schließlich erheben und dich unter sich begraben."

„Du denkst, ich habe die Kontrolle darüber, wann ich weggehe?", lachte Neville bitter. Es war ein dunkles, hässliches Geräusch.

„Longbottom, ich verstehe, dass du leidest, aber du stößt das einzige Heilmittel weg, was du hast. Möchtest du sterben?", schnappte der Zaubertränkemeister.

„Severus!", keuchte Remus.

„Möchtest du das, Mr. Longbottom?", drängte Severus.

„Nein", hauchte Neville. „Obwohl... Manchmal... Manchmal möchte ich sterben."

„Nev...", seufzte Harry mit Tränen in den Augen.

Neville zog sich von allen zurück und schlang seine Arme fest um seine Brust. Sein braunes Haar war nun länger und fiel ihm in die Augen. Er schüttelte sie ungeduldig weg und schaute flehend zu seinem Bruder und seinem Mentor. Ihnen musste er es erklären. Harry und Remus versuchten mit ihren Augen und ihren Gesten zu zeigen, wie viel Neville ihnen bedeutete und der Jugendliche wimmerte, zwang sich aber dazu zu sprechen.

„Ich... Ich möchte nur… Ich möchte, dass es vorbei ist… Ich möchte wirklich, dass es vorbei ist."

Er fiel zitternd und keuchend auf seine Knie, aber er war zu verzweifelt, zu weinen. Harry und Remus ließen sich neben ihm sinken und schlangen ihre Arme um ihn. Neville lehnte sich an sie und schloss fest seine Augen, in der Hoffnung, alles andere würde einfach weggehen, wenn er es sich nur fest genug wünschte. Madigan sah all dem mit traurigen Augen zu. Sie wartete geduldig darauf, dass sich der Jugendliche beruhigte. Es dauerte beinahe eine halbe Stunde, aber bald stand Neville wieder. Remus stellte sich hinter ihn und seine Augen blitzen golden auf und zeigten so seinen Schutz. Harry hielt seine Hand und stand Schulter an Schulter mit ihm.

„Es ist vorbei, Kind", lächelte sie traurig. „Und du wirst Freude in dem erkennen, was du bist. Komm. Lass mich dich von den Ketten befreien, die du heraufbeschworen hast."

Neville zögerte, trat dann aber einen Schritt vor. Seine Körpersprache schrie, dass er nicht für eine Sekunde glaubte, dass die Erde jemals etwas anderes sein könnte, als sein Tod. Er hatte aufgegeben und war ohne Hoffnung. Remus kam ihm ein Schritt nach, aber Madigan erhob ihre langfingrige Hand. „Nein", sagte sie. „Ich muss das allein mit ihm machen. Ich bitte, dass ihr alle geht. Er wird am Morgen zu euch zurückkehren. Ich möchte ihn jede Nacht sehen."

„Darf ich zusehen, wenn meine Präsenz nicht erkennbar ist?", fragte Rowena. „Ich kann die anderen holen, wenn etwas schief geht."

Madigan sah so aus, als wolle sie ablehnen, doch dann sah sie die unglücklichen Gesichtsausdrücke von Remus und Harry. Sie erkannte, dass sie es nicht mögen würden, dass Neville so isoliert war, wenn er so schwach war. Sie verstand das. Sie waren seine Familie und Familien kümmerten sich um einander. Sie nickte mit ihrem Kopf und gab damit ihr Einverständnis und das Phantom verschwand. Severus schnappte sich Harrys Arm und führte ihn zurück in die Schule. Es bedurfte einen seiner schärfsten Blicke, damit Remus sich bewegte.

„Ist das klug?", ärgerte sich der Werwolf.

„Wenn du möchtest, dass es Longbottom wieder gut geht, musst du deine eigenen Ängste und Sorgen beiseite tun", schnarrte Severus. Er richtete seine Aufmerksamkeit auf den Jugendlichen an seiner Seite, der nervös seine Hände wrang. „Denk nicht mal daran, deine Empathie zu benutzen. Neville muss das alleine machen. In jedem Fall, musst du im Moment etwas anderes tun. Ich glaube, wir haben viel zu bereden."

„Jetzt?", fragte Harry. „Was ist mit Neville?"

„Ihm wird es gut gehen. Wir können nichts tun, außer zu warten. Aber es kann etwas für dich getan werden. Komm." Severus drehte sich um und ging den Gang hinunter, sicher, dass Harry ihm folgen würde.

„Geh", lächelte Remus den Jugendlichen an. „Neville würde wollen, dass du es tust."

Harry nickte und rannte seinem Lehrer nach.

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Severus setzte Harry auf die Couch in seinen Räumen. Der Jugendliche war nervös aber voller Hoffnung. Severus entschied, klein anzufangen. „Hast du von Silas gehört, seit du mit mir am Freitag gesprochen hast?"

„Nein, Sir", schüttelte Harry seinen Kopf. „Er hat nichts gesagt."

„Fühlst du dich besser?", fragte Severus vorsichtig, während seine schwarzen Augen Harry aufmerksam beobachteten und sein Körper still blieb.

„Ein wenig", gab Harry zu, doch sein Gesicht verdunkelte sich, wie abzusehen. „Aber ich möchte mit ihm reden!"

„Harry du kannst bereits die Erleichterung spüren. Du weißt, dass sein Schweigen wichtig ist. Es lässt dich vergessen, dass er ein separater Teil von dir da ist. Wenn du mit ihm redest, siehst du ihn als eine andere Person und Silas ist keine andere Person. Er ist du."

„Das weiß ich!", schnappte Harry.

„Ich glaube, seine Stille bedeutet, dass auch er das Problem erkannt hat. Ich glaube, er wird nicht mit dir reden, es sei denn, es ist ein Notfall", sagte Severus einfach.

„Das ist nicht fair!", sprang Harry wütend auf seine Füße. „Ich bin genauso sehr da, um ihm zu helfen, wie er da ist, um mir zu helfen! Wie kann ich das machen, wenn ich ihn nie sehe, fühle oder höre?"

„Deine bloße Existenz hilft ihm", antwortete Severus, unbeeindruckt von Harrys heftiger Reaktion. „Das ist all die Hilfe, die du geben kannst. Er ist nicht dein Freund oder dein Vertrauter; du kannst ihm nicht helfen, seine mentalen Wunden zu heilen. Das ist meine Aufgabe oder die, von irgendeinem anderen, dem er vertrauen kann."

„Silas vertraut niemanden! Nicht mit der ganzen Wahrheit!", widersprach Harry. „Er braucht mich!"

„Du bist er!", schrie Severus schließlich. Es schockte Harry so sehr, dass sich der Jugendliche mit großen Augen setzte. „Du hilfst ihm, indem du ihm Zeit gibst, bevor er der Welt gegenübertreten kann und Tag für Tag in ihr leben muss. Das ist deine Hilfe. Er ist du. Er lebt durch deine Augen. Das ist, was du ihm gibst. Er muss lernen, andere zu bitten, ihm zu helfen und gesund zu werden. Du zählst nicht. Du hilfst nicht, indem du auf eine Freundschaft mit ihm bestehst."

„Du weißt nicht alles", funkelte Harry ihn an. Seine Wut stieg wieder. „Das tust du nicht! Und du kennst Silas nicht so gut, wie du denkst. Er braucht Gabriel mehr, als du weißt."

„Dann sag mir, was ich nicht weiß", lud Severus ihn ein.

Wage es nicht, ihm von den Visionen zu erzählen, die ich von Dämon bekomme, sagte Silas kalt und das war das erste Mal, dass der Slytherin seit Freitag mit ihm gesprochen hatte.

Harry wurde rot. Das würde ich nicht! Ich habe geschworen, es nicht zu erzählen! Vertraust du mir nicht?

Es kam keine Antwort.

Severus musste sein Grinsen verbergen, als seine Einladung Harry zurückrudern ließ. Er war sich sehr bewusst, dass der Junge mehr vor ihm verbarg, dass Silas Dinge vor ihm verbarg, aber das könnte warten. Was immer es war, konnte nicht wichtiger sein, als den Wirt und den Kern zu vereinen. „Nun, Harry? Sag es mir."

„Ich kann nicht." Harry verschränkte fest seine Arme über seiner Brust und starrte stur ins Feuer. „Du würdest es offensichtlich sowieso nicht verstehen."

„Zweifel nicht an mir, Harry", sagte Severus leise und gewann so erneut die Aufmerksamkeit und die Blicke des Jungen. „Ich kenne die Konsequenzen des Weges, auf dem du dich im Moment befindest. Sie sind nicht schön. Es könnte ein kompletter Zusammenbruch sein oder so, dass Silas unter zu viel Druck eine neue Persönlichkeit schafft und sich so noch mehr teilt. Das ist der Weg, den du gehst. Möchtest du das?"

„Natürlich nicht", schimpfte Harry.

„Das Beste, was du für Silas tun kannst, ist sein Wirt zu sein, nicht sein Freund."

Harry sprang auf seine Füße, rot im Gesicht vor Frustration und Hilflosigkeit. „Du bittest mich so zu tun, als ob er nicht einmal da ist! Wie kannst du das tun? Sag mir das. Ich weiß, dass er da ist und ich weiß, dass er Hilfe braucht! Ich kann ihn nicht einfach vergessen oder so tun, als ob er nicht da ist! Warum kann ich nicht mit ihm reden, wenn ich verspreche, mich daran zu erinnern, dass er ich ist?"

„Das würde nicht fuktionieren", antwortete Severus mit einem Schnauben. „Du weißt, warum. Du machst das schwerer, als es sein muss. Ich habe dir gesagt, dass du dich nicht mit deinen anderen Persönlichkeiten unterhalten sollst. Ich habe dir erklärt, warum du solch eine Kommunikation vermeiden solltest, und du hast nicht gehört. Jetzt leidest du die Schmerzen der Trennung, die du verursacht hast und du schreist mich an, als ob ich daran schuld bin. Du bestehst darauf, dass du es nicht richten willst, dass du tatsächlich weitermachen willst, das Problem größer zu machen. Ehrlich gesagt, verhältst du dich wie ein verwöhntes Kind."

„Ich..." Harry ließ sich zurück auf die Couch fallen und legte seinen Kopf in seine Hände. „Ich... möchte ihm nicht weh tun… ich möchte nur..."

„Ich bin mir deiner Gefühle bewusst, aber jetzt müssen wir das Problem beseitigen, bevor ihr zwei euch mehr Schaden verursacht", sagte Severus streng, während er auf den traurigen Jungen vor sich hinabschaute. „Wirst du helfen, oder nicht?"

„Helfen", sagte Harry schwach und traurig.

„Gut." Severus lehnte sich zurück und presste seine Hände zusammen. „Also wirst du nicht versuchen, mit Silas in Kontakt zu treten oder mit ihm reden?"

Harry schüttelte seinen Kopf, aber er war offensichtlich unglücklich, dies zu tun.

„Ich möchte mit ihm reden", sagte Severus mit neutralem Gesicht, ohne einen Hinweis darauf, was er dem Kern sagen wollte.

„Wie?", zuckte Harry mit den Schultern.

„Schlaf einfach. Ich werde dich nachher wecken und wir werden trainieren, dann wirst du Klavier spielen. Du musst etwas von dem Druck loswerden, bevor du dir selbst Schaden zufügt."

Harry lächelte schwach. „In Ordnung."

Severus lächelte zurück. Es war nur eine kleine Bewegung seiner Lippen, aber Harry wusste, dass das von diesem Mann dasselbe wie eine Umarmung bedeutete. Beruhigt legte sich Harry auf die Couch und schloss seine Augen. Er hoffte, dass Silas herauskommen und kooperativ sein würde. Er wollte wirklich, dass es seinem Slytherin-Kern gut ging. Harry spürte es nicht einmal, als seine Gedanken sich in seine Träume wandelten.

Silas setzte sich auf und zog spöttisch eine Augenbraue nach oben. „Sie haben geläutet?"

„Ich habe was?", zwinkerte Severus verwirrt.

„Was möchtest du?", übersetzte Silas mit einem Seufzen.

„Wie fühlst du dich?", fragte Severus im Gegenzug mit dunklem und festem Blick.

„Mir geht es besser", antwortete Silas lässig. „Ich sehe, dass ich mich überanstrengt habe und dass das Probleme verursacht hat. Das wird nicht wieder passieren."

„Im Gegenteil, ich denke, dass diese Entwicklung auf eine Art ein gutes Zeichen ist", widersprach Severus. „Ich denke, das bedeutet, dass du fast bereit bist dich wieder zu vereinen und deine Pflichten als Kern und Wirt zu akzeptieren."

„Nein", antwortete Silas kalt und blickte in die Augen seines Mentors. „Ich werde mich nicht vereinen."

„Warum?" Severus schlug seine Beine übereinander.

Silas rollte mit den Augen. „Zuerst einmal muss jemand da sein und die Übergänge der Persönlichkeiten überwachen."

„Du wurdest in dieser Position nicht gebraucht, seit sich Gabriel vereinigt hat", widersprach Severus einfach.

Silas funkelte ihn an. „Zweitens kommt Dämon immer weiter an die Oberfläche, je weniger Persönlichkeiten da sind. Ich muss hierbleiben, um ihn im Inneren zu halten, sollte er versuchen, herauszukommen. Wir haben immer noch keine Lösung dafür. Aber am wichtigsten ist, dass ich nicht will."

„Warum willst du nicht?", grinste Severus.

Silas antwortete nicht. „Wenn du mich entschuldigst, ich habe Dinge zu erledigen." Er stand auf und ging zur Tür.

„Ich wundere mich über deine Vermutung, dass du nicht in der Lage bist mit derselben Autorität zu handeln, wenn du erst einmal mit deinem Wirt vereinigt bist", dachte Severus laut nach. „Ich hätte gedacht, dass du die gleiche Kraft hast, wenn ihr erst einmal zusammen seid. Du verlierst nichts, wenn du dich vereinigt. Du wirst größer und mehr, nicht weniger. Was das ‚nicht wollen' angeht, ist das etwas, über das wir reden müssen."

„Nein, das müssen wir nicht", widersprach Silas und funkelte Severus mit seinen Zauberstab in der Hand an. Die Tür war verschlossen. Er hasste es, gefangen zu sein.

„Wir müssen, aber nicht, bevor du dazu bereit bist", räumte Severus ein. „Komm und spiel eine Partie Schach mit mir. Dann kann Harry seinen Unterricht haben." Er stand auf und ging zu dem Schachbrett, ohne auf eine Antwort zu warten.

Silas zog es in Erwähnung abzulehnen, entschied sich dann aber, dass nachzugeben ihm auf lange Sicht mehr bringen würde, als Abwehr. Er nahm seinen Platz ein und sie begannen. Es dauerte jedoch nicht lange, bis Severus sprach. Silas wusste, dass der hinterhältige Bastard gewartet hatte, seine Frage zu stellen, bis er das Spiel gegen seinen Schüler verlor.

„Von was handeln deine Albträume?"

Silas versteifte sich und ignorierte den nervigen Mann, entschlossen, seinen Vorteil zu nutzen und den Turm des Mannes in die Ecke zu treiben.

„Lockhart?"

Silas hob seinen Blick vom Schachbrett und starrte in das Gesicht seines Mentors, womit er ihm erlaubte, die kalte Wut in seinem Gesicht zu sehen. „Sprich nicht von etwas, von was du nicht weißt. Hast du mir das nicht am Ende des dritten Schuljahres gesagt?"

„Deshalb frage ich. Damit ich es wissen kann." Severus bewegte seinen Läufer.

Silas schnaubte angewidert über seinen Lehrer. Severus wusste, dass er ihn zu sehr drängte. Wie untypisch für einen Slytherin, diese Linie zu überqueren. Er ließ sich zurückfallen und Harry kam zwinkern heraus. Mit einem großen Gähnen schaute er zu seinem Mentor und fragte besorgt: „Ist Sy in Ordnung?"

„Es wird ihm gut gehen. Er ist stark", antwortete Severus leicht. „Auf die Füße."

Harry sprang auf und folgte Severus begierig in dass Duellierzimmer. Sein Lehrer hatte recht, wenn er sagte, dass er etwas Stress abbauen musste, und Harry genoss seine Kampfübungen. Als sie rein physisch kämpften, mit Händen, Füßen und Dolchen, verließ der Stress langsam seine Muskeln. Seine Sorge um Neville, Silas und die Hausaufgaben, die er vernachlässigt hatte, fielen von ihm ab und er existierte ausschließlich in dem Moment, ausschließlich in der Bewegung. Seltsamerweise musste er an die Tanzstunden mit Draco denken und verstand, was der Blonde ihm zu sagen versucht hatte. Er hatte zu viel nachgedacht. Er musste sich einfach bewegen. Grinsend tanzte Harry.