Die Idee entstand durch akute Übermüdung und Unterzuckerung. Wurde auch größtenteils in diesem Zustand verfasst. Vielleicht liest sich ja irgendjemand diesen Schwachfug durch. ;)

Disclaimer: Joanne K Rowling gehört alles, mir nichts, außer der Idee. Geld will ich hiermit auch keines verdienen.


Endlich wieder zu Hause

Mit einem leisen, unscheinbaren Klicken öffnete sich die Tür. Er seufzte glücklich auf. Oh, wie er dieses Klicken vermisst hatte! Schwungvoll stieß er sie weit auf und entfachte den alten Leuchter an der Decke, der ihm schon immer so treu Licht gespendet hatte.

Er betrat den staubigen Raum mit einem kleinen Gefühl der Wehmut. Die Wände waren kahl. Irgendjemand hatte die Regale entfernen lassen und auch von seinen mühselig gesammelten Zaubertrankzutaten, die er fein säuberlich in Einweckgläsern ausgestellt hatte, war nirgends etwas zu sehen.

Aber sein Schreibtisch, sein guter alter Schreibtisch stand immer noch an Ort und Stelle, bereit, das Gewicht alter, dicker Bücher zu ertragen, genau wie die vielen Stapel mieser Zaubertrankaufsätze. Selbst diese hatte er beinahe vermisst.

Zehn Jahre war er nicht mehr hier gewesen. Zehn lange Jahre, in denen er zum Nichtstun verbannt war, abgeschnitten von der Zaubererwelt. Dies war die Strafe des Ministeriums gewesen, als sie über das Urteil über ihn, Severus Snape, hatten entscheiden müssen.

Er erinnerte sich noch lebhaft daran, viel zu lebhaft für seinen Geschmack.

Er hatte in diesem harten, unbequemen Stuhl gesessen, geschwächt von einem dreimonatigen Aufenthalt in Askaban, alle unerbittlichen Gesichter auf ihn gerichtet. Severus hatte bereits mit sich abgeschlossen und gehofft, er würde seine Seele wenigstens einem netteren Dementor überlassen, als Lucius Malfoy, Bellatrix Lestrange und die anderen Todesser es getan hatten.

Doch es war etwas geschehen, womit er und niemand sonst wohl je gerechnet hatten. Potter, der unglaublich begriffsstutzige, verachtenswerte Potter war vorgetreten und hatte sich für ihn eingesetzt. Typisch Gryffindor.

Er hatte erklärt, dass Severus Albus Dumbledore nur getötet hatte, weil dieser es von ihm verlangt hatte. Um Severus' Tarnung beim Dunklen Lord aufrecht zu erhalten und den drei Gören im Geheimen bei der Vernichtung der Horkruxe zur Seite zu stehen.

Auch heute war er immer noch überrascht, dass Potter dies einfach so zugab, und ein noch größeres Rätsel war ihm, woher er von Dumbledores Anweisung gewusst hatte. Severus vermutete immer noch, dass Granger ihm irgendwie zugeredet hatte, denn sie war die Einzige des Goldenen Trios, die wenigstens ein bisschen Auffassungsgabe besaß. Oder aber Potter war, wie immer, einfach nur publicitygeil gewesen.

Severus' andere Untaten allerdings hatte niemand abstreiten können, auch er hatte es gar nicht erst versucht. Freiheitsberaubung, Nötigung, Beihilfe zum Mord, Vergewaltigung … all das war nicht ungestraft geblieben und Severus hatte die Verkündung der Richter stillschweigend akzeptiert.

Normalerweise hätten auch solche Taten zu einer Inhaftierung in Askaban geführt, doch das Ministerium hätte einfach nicht gut dagestanden, wenn sie den Entlastungen des „Goldjungen von England" nicht gehuldigt hätten.

Man hatte seinen Zauberstab konfisziert und sicher versiegelt. Dieses Siegel hätte niemand brechen können, selbst wenn er es gewollt hätte. Ferner hatte man die magische Energie, die durch seinen Körper floss, mit irgendeinem Zauber gebannt, von dem Severus schon oft gelesen hatte. Tiefschwarze Magie. Ein Zaubereiministerium durfte etwas Derartiges selbstverständlich anwenden, ohne irgendwelche Konsequenzen zu befürchten.

Das Einzige was man ihm außer seiner Kleidung gab, war ein Zettel mit dem Datum, an dem er Zauberkräfte und -Stab zurück erhalten würde, und ein Portschlüssel in der Form eines kleinen, pausbäckig lächelnden Plastikferkels mit einem Zielort seiner Wahl. Er hatte sich vermutlich zu vorschnell entschieden.

Er war in sein kleines Haus in Spinners End zurückgekehrt und hatte dort einige Monate gelebt, hatte aber feststellen müssen, dass er ohne Magie dort nicht weit kam. Die Wintermonate waren schier unerträglich und als der erste Frühling anbrach, hatte er sich auf den Weg gemacht. Wohin, das hatte er nicht gewusst.

Sechs ganze Jahre lang war er obdachlos gewesen, oft ein einfacher Landstreicher. Als die Zeiten gerade gut standen, hatte er sogar ein eigenes Zimmer in einem Obdachlosenheim bewohnt, wo er immer gesicherte Mahlzeiten hatte. Sogar einen einfachen Muggeljob hatte er gefunden, primitivste Arbeit in einer Fabrik, wo er alle zehn Minuten einen einzigen Hebel hatte betätigen müssen. Doch immerhin hatte er sich so Geld verdienen können, so wenig es auch war.

Severus wusste immer noch nicht wie, doch eines Tages hatte ein Mitbewohner desselben Heimes von Severus' Straftaten erzählt – und sie entsprachen grausamer Weise alle der Realität, auch wenn die Erwähnung Magie außen vor gelassen wurde. Woher er von ihnen wusste, oder ob er gar Verbindungen zur Zauberergemeinschaft hatte, sollte eine Frage bleiben, die Severus nie beantwortet bekommen würde.

Kurz darauf hatte man ihm Hausverbot erteilt und rigoros vor die Tür gesetzt. Auch seine Arbeitsstelle hatte er verloren, da er immer öfter betrunken dort erschienen war. So blieb ihm nichts mehr, außer dem Alkohol, den er sich tagtäglich erschnorrte, vorzugsweise am Bahnhof oder in belebten Fußgängerzonen. Irgendjemand hatte immer Mitleid gehabt.

Es war erschreckend gewesen, wie schnell er sich an dieses Dasein gewöhnt hatte, und noch erschreckender, dass beinahe alle Erinnerungen an die lange Zeit wie ausgelöscht waren. Nur noch einige einzelne Tage schwirrten Severus im Kopf herum und er war dankbar dafür, denn er erinnerte sich zumindest daran, dass diese Jahre alles andere als ein Zuckerschlecken gewesen waren.

Eines Nachts hatte ihn irgendein altes Muggelehepaar bei einem Spaziergang unterkühlt gefunden, mit einer schweren Alkoholvergiftung, mehr tot als lebendig. Sie waren es auch gewesen, die einen Krankenwagen gerufen hatten.

Nachdem er für einige Tage, oder vielleicht auch Wochen, er wusste es nicht mehr genau, im Krankenhaus geblieben war, bemuttert und versorgt von pummeligen Krankenschwestern mit roten Kringellocken und einem Lächeln, dass seinem Plastikschwein von damals alle Ehre gemacht hatte, wurde er in eine psychiatrische Anstalt gewiesen, die für „solche Fälle" spezialisiert war.

Das Problem mit dem Alkohol hatte er ziemlich schnell in den Griff bekommen, er hatte schon immer eine außergewöhnliche Selbstdisziplin gehabt. Viel schlimmer war die Tatsache, dass seine Berichte von der Zaubererwelt von den Ärzten als Hirngespinste abgetan wurden, egal wie überzeugend er auch argumentierte.

So hatte er elend lange Jahre in einem nur spärlich eingerichteten Raum verbracht, sein Stolz war mehr als gekränkt. Doch immerhin hatte es dort Pflege, warmes Wasser und genügend Nahrung gegeben. Wenn man mal von seinen Mitpatienten absah, war die Behausung alles andere als unvorteilhaft gewesen. Er hatte genug Zeit gehabt, um sein Wissen stets aufzufrischen, indem er in alten Erinnerungen kramte und leise murmelnd irgendwelche Zauberformeln wiederholt hatte. So kam es, dass ihm auch irgendwann wieder der Zettel mit dem Datum eingefallen war. Das Datum, an dem er seinen Zauberstab und somit auch seine magischen Fähigkeiten wieder ausgehändigt bekommen würde. Wäre diese Erleuchtung nicht gewesen, hätte er vermutlich den Rest seines Lebens in dem kleinen Zimmer vor sich hin gegammelt.

Er hatte den Pflegern und Ärzten die Lüge aufgetischt, er sei ein gescheiterter Geschäftsmann aus der Muggelwelt, von Mutter und Vater ungeliebt – Letzteres entsprach immerhin der Wahrheit – und maßlos enttäuscht von seinem Leben. Nachdem er dies in jeder Sitzung hartnäckig wiederholt hatte und darauf bestanden hatte, dass die Zaubererwelt seine persönliche Traumwelt war, in die er nie wieder zurückkehren würde, hatte man ihm schließlich geglaubt und nach einem kurzen Aufenthalt in der normalen Station, in der lediglich Personen mit leichten Depressionen, Ess- und Angststörungen therapiert wurden, entlassen.

Gerade noch rechtzeitig, denn noch am selben Tag hatte er den Termin beim Zaubereiministerium gehabt. Ironischer Weise war der Weg nicht viel mehr als ein Katzensprung, denn die Anstalt war nur wenige Straßen entfernt. Vorteilhaft war, dass Severus an diesem Tag seit langem richtig gepflegt aussah. Sorgfältig rasiert, mit einem frischen, minzigen Geschmack im Mund und Haare, die ihm locker um die Schultern fielen.

Die Zurückgabe seines Zauberstabes und der Umkehrzauber des schwarzmagischen Fluchs, der seine magische Energie blockiert hatte, war mit wenig Brimborium verlaufen. Für wenige Minuten hatte er einfach nur dagestanden, seinen Zauberstab angestarrt und stumme Tränen der Erleichterung geweint, bis er schließlich zurück nach Spinners End appariert war, nachdem er aus seinem Verließ in Gringotts ein wenig Geld abgehoben hatte.

Dort hatte er sich häuslich eingerichtet und begonnen, die Annehmlichkeiten eines Zaubererlebens richtig auszukosten. Irgendwann hatte er seine ersten Bewerbungen nach Hogwarts geschrieben, direkt an Minerva McGonagall, die gegenwärtige Direktorin, adressiert. Vorläufig hatte sie abgelehnt, doch da einige Monate später Horace Slughorn überraschend verstarb – Herzinfarkt, kein Wunder bei seiner Lebensweise – empfing sie ihn mit offenen Armen, wo er doch immer noch der fähigste Zaubertrankmeister war, den sie kannte. Lebend zumindest. Zudem benötigte Slytherin einen neuen, alten Hauslehrer.

Dies war vor drei Tagen geschehen, gerade noch rechtzeitig, denn morgen würde bereits das nächste Schuljahr beginnen. Severus streckte sich und ließ sich in den äußerst gemütlichen Ledersessel hinter seinem Schreibtisch fallen. Das erste Mal seit Jahren war er richtig glücklich. Einfach nur das Gefühl, hier zu sein, zurück in Hogwarts, ließ ihn frohlocken und seine Brust vor Glück anschwellen. Ja, er war wie ausgewechselt. Kein brummeliger, unangenehmer Geselle mehr, dafür war er viel zu dankbar, dass er wieder hier sein durfte. Zudem gab es auch andere Dinge, die sein Leben fortan sehr erträglich machen würden.

Potter würde ihn nie wieder belästigen.

Niemals mehr würde er seinen Geist vor einem Feind verschließen müssen, dem er gleichzeitig die Stiefel leckte.

Und das Allerwichtigste: Lord Voldemort war tot, endgültig besiegt. Severus lächelte breit.

„Lord Voldemort", sagte er laut und deutlich. „Voldemort, Voldemort, Voldemort!"

Dieser Name hatte jetzt keine Bedeutung mehr, er konnte ihn aussprechen, ohne Angst zu haben, der alte Trottel namens Tom Riddle bekäme Wind davon. Er konnte nicht anders, als laut zu lachen.

Fröhlich grinsend erhob er sich, um seine alten Privatgemächer zu betreten. Sein altes Passwort funktionierte noch immer, musste er zu seiner Freude feststellen, also betrat er sein Reich mit beschwingten Schritten durch die Tür hinter seinem Schreibtisch und entfachte ein Licht mit seinem Zauberstab. Er musste grinsen. Sein Zauberstab.

„Lumos. Nox. Lumos. Nox. Lumos, Nox, Lumos, Nox! Lumos!" Er kicherte leise, beendete diese Kindereien jedoch schnell wieder, denn der Anblick, der sich ihm bot, verschlug ihm glatt den Atem.

Alles sah noch genauso aus wie damals, an jenem Tag, als er diese Räumlichkeiten verlassen hatte um Dumbledores letzten Wunsch zu erfüllen und er daraufhin zusammen mit Draco auf der Flucht war. Alles, wirklich alles war, im Gegensatz zu seinem Büro, an seinem alten Platz. Die Bücherregale mit all seinen wertvollen Schätzen, das große dunkelrote Wildledersofa vor dem Kamin. Mit einer lässigen Bewegung seines Zauberstabes entzündete er darin ein prasselndes Feuer.

Auch die Läufer am Boden waren alle noch da, wo sie sein sollten. Wunderbar weich und warm, selbst wenn man hier barfuss unterwegs war. Der antike Beistelltisch war immer noch an Ort und stelle, genau wie die beiden schwarzen Ledersessel vor den magischen Fenstern mit den dunkelgrünen Vorhängen.

Mit zitternden Beinen ging er langsam im Raum umher. Er war tatsächlich wieder hier. Nach all den Eskapaden. Ob sein Schlafzimmer und Bad wohl auch in genauso einem tadellosem Zustand waren? Sein Magen kribbelte vor Freude, am liebsten wollte er die ganze Welt umarmen. Da dies nicht ging, weinte er stattdessen eine kleine Träne des Glücks.

Selbst als es an seiner zweiten Tür, die nicht in sein Büro sondern direkt in einen Kerkergang führte, klopfte, verschwand seine gute Laune nicht. Beherzt schritt er auf sie zu und riss sie mit einem freundlichen Lächeln auf. Wie früher Dumbledore, stand jetzt seine Vorgesetzte, die Direktorin Minerva McGonagall, vor ihm, sein Lächeln verwirrt erwidernd.

„Minerva, was für eine Überraschung. Kommen Sie herein!"

Sie wirkte immer noch leicht konfus, folgte dieser überaus netten Einladung aber.

„Setzen Sie sich doch. Möchten Sie etwas trinken? Tee, Kaffe, Wein oder etwas Stärkeres?", bot Severus freundlich an, die Tür leise schließend.

„Äh, nein danke, Severus. Geht es Ihnen gut?" Sie beäugte ihn besorgt und machte keine Anstalten, sich zu setzen.

„Oh, danke der Nachfrage, Minerva. Mir geht es so gut wie schon lange nicht mehr. Außer der Tatsache, dass die meisten Utensilien in meinem Büro scheinbar gepfändet wurden, habe ich nichts zu beklagen."

Minerva besah den Mann vor sich skeptisch. War er verrückt geworden oder war dies einfach nur eine gesteigerte Form seines krankhaften Sarkasmus?

„Horace hatte die Zutaten benötigt und war so frei, sie in seinem Büro aufzustellen. Sie werden sie sich also wieder holen können, wann immer Sie möchten."

Severus lachte fröhlich auf und klatschte in die Hände.

„Das ist ja fantastisch, Minerva. Und mein allerherzlichstes Beileid, auch wenn ich nicht verhehlen kann, dass mir Professor Slughorns Tod von Gunsten war …"

Er zwinkerte ihr zu. Minerva sah ihn tadelnd an, lächelte dann aber.

„Es hätte mich auch stark gewundert, wenn nicht wenigstens ein kleines bisschen Slytherin in Ihnen zurück geblieben wäre, Severus. Ich hoffe, Sie werden uns morgen beim gemeinsamen Frühstück des Kollegiums und der Auswahlzeremonie am Abend die Ehre erweisen."

„Aber natürlich. Ich bin schon sehr gespannt, die neuen Lehrkräfte kennen zu lernen. Sofern sich bei einer von ihnen nicht um Potter handelt."

Minerva winkte beschwichtigend mit der linken Hand, sah allerdings etwas traurig aus.

„Nein, von Harry haben wir schon seit Jahren nichts mehr gehört. Die für Sie bekannten Gesichter werden Remus Lupin, Nymphadora Lupin, Neville Longbottom und Hermine Granger sein. Und natürlich Ihre alten Kollegen, die allesamt sehr gespannt sind, Sie wieder zu sehen."

Severus war ein wenig überrascht. Der Werwolf hatte geheiratet. Nun gut, aber er stellte fest, dass die Namensliste weitaus schlimmer hätte sein können.

„Lassen Sie mich raten. Neville Longbottom unterrichtet Kräuterkunde und Nymphadora … Lupin Verwandlung."

„Goldrichtig. Remus unterrichtet wieder Verteidigung gegen die Dunklen Künste und Hermines Posten ist Alte Runen. Sie alle sind äußerst kompetente Mitarbeiter."

Er war erleichtert, dass Remus seinen alten Posten wieder aufgenommen hatte, denn er selbst wollte mit den Dunklen Künsten nichts mehr zu tun haben. Den Gedanken allerdings, dass er Longbottom und Tonks nicht gerade für kompetent genug hielt, um Hauslehrer zu sein, behielt er für sich.

„Sehr schön", seufzte er. „Ich freue mich auf einen Neuanfang mit den Vieren. Gute Nacht, Minerva!"

Er schob sie mit sanfter Gewalt Richtung Tür, schließlich wollte er nicht unhöflich erscheinen. Jedoch wollte er jetzt am liebsten etwas Zeit mit sich alleine Verbringen, denn eines hatte sich nicht geändert, er schätzte noch immer die Einsamkeit, solange sie vorübergehend war.

„Willkommen zurück, Severus. Vielleicht erzählen Sie mir ja eines Tages von Ihren letzten zehn Jahren. Ich bin mir sicher, auch Albus würde gerne davon hören", sagte sie noch, ehe Severus die Tür schloss und sie lächelnd verabschiedete.

Also hatte Dumbledore seinen Platz im Gemälde angenommen. Das war gut zu hören. Er würde ihm sicher mal einen Besuch abstatten. Doch jetzt war es an der Zeit, seine anderen Zimmer zu betreten, um zu sehen, ob dort auch alles so war, wie es sein sollte.

Als er sein Bad betrat, und darin Licht machte, seufzte er ein weiteres Mal selig auf. Genau wie früher. Alte, unerfreuliche Erinnerungen an Abende, die er in der Badewanne verbracht hatte, in dem sich Schmerz stillende Zusätze befunden hatten, kamen in ihm hoch. Er war glücklich, dass er jene Badezusätze vermutlich nie wieder brauchen würde. Er löschte das Licht und schloss zufrieden die Tür.

Nur wenige Schritte vom Bad entfernt lag sein Schlafzimmer. Sein allergrößtes Heiligtum, wo er schon lange keinen mehr hinein gelassen hatte. Andererseits war ja auch er selbst lange nicht mehr darin gewesen.

Er ging auf Zehenspitzen, als er eintrat und vermied es zunächst auch, ein Licht zu entfachen. Er fand den Weg zu seinem Bett auch so, sooft wie er damals hier hineingestolpert war, meist noch in voller Todessermontur.

Vorsichtig setzte er sich auf die Matratze. Merlin, wie unglaublich weich dieses Bett doch war! Kein Vergleich zu allem, worauf er in den langen Jahren gelegen hatte. Er ließ sich nach hinten fallen.

Wenig später fielen ihm auch schon die Augen zu und er sank in einen tiefen Schlaf.