Titel: The Wolf and his Boy
Autorin: Lenila
Beschreibung: Der Auftrag, den der Dunkle Lord Fenrir Greyback gegeben hatte, war eindeutig: Töte sie alle. Doch der Werwolf zögert einen Moment zu lange und die Folgen werden unaufhaltsam sein. (in Arbeit)

Disclaimer: Ein Teil der handelnden Figuren stammt ursprünglich aus der Feder von J.K. Rowling. Ich habe an ihnen keinerlei Rechte welcher Art auch immer. Diese FF ist frei erfunden und zudem vollkommen unkommerziell. Danke.

Hinweis: Diese Geschichte besteht zu einem Großteil aus Stücken, die im Foren-Rollenspiel "Hogwarts - Das Finale" von mir als Fenrir Greyback gepostet wurden. Da ich sie eigentlich für zu schaden dafür halte, in einem Foren-Archiv vergessen zu werden, fasse ich sie hier zu einer eigenen Geschichte neu zusammen, schreibe ein paar Teile um und ergänze Zusammenhänge und Handlungsstränge. Der Titel hat Anleihen bei C.S. Lewis' "The Horse and his Boy" gemacht. Die Geschichte hat allerdings mit diesem Narnia-Band überhaupt nichts zu tun. Mir gefiel nur der Wortlaut...

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Die Uhr auf dem Kaminsims tickte ruhig und gleichmäßig vor sich hin. In einem Portrait an der Wand schnarchte eine alte Frau in einer langen grünen Robe. Weitere Bilder zeigten eine Reihe Kinder, zwei Jungen und ein Mädchen, die miteinander in einem gemalten britischen Kleingarten fangen spielten.

Die Uhr auf dem Kaminsims tickte ruhig und gleichmäßig vor sich hin. Eines der Kinder, die auf dem Bild an der Wand zu sehen waren, das kleinee Mädchen mit den schwarzen langen Zöpfen, saß auf dem Sofa und las in einem Buch über Heilkräuter. Sie trug ihren Zauberstab hinter das linke Ohr geklemmt und wippte mit den Füßen. Es war später abend und draußen begann es zu dämmern.

Die Uhr auf dem Kaminsims tickte ruhig und gleichmäßig vor sich hin. Das kleine Mädchen sah neugierig auf, als ein wenig grünliches Flohpuder im Kamin tanzte. Plötzlich stob eine ganze Wolke des Pulvers in den Raum.

Ein Mann war im Kamin erschienen. Er schüttelte kurz seine schwarze Robe, die seinen kräftigen und muskulösen Körper eng umspannte und schüttelte den Kopf, so dass Reste des grünen Flohpuders aus seinen silbergrauen Haaren rieselte, welche in einen höchst viktorianisch wirkenden Backenbart übergingen.

Der Mann sah auf und blickte das Mädchen an. Er hatte stechend blaue Augen mit einem merkwürdigen Blick, der irgendwo zwischen heimlicher Belustigung und böser Vorfreude lag. Es war kein netter Blick. Der Mann verzog seine Mundwinkel zu einem wölfischen Schmunzeln, so dass gelbliche spitze Zähne hervorblitzten wie Dolche. Er hob seine Hand und legte seinen Zeigefinger gegen die Lippen. Seine Finger waren schlank und endeten in schmutzigen langen Fingernägeln.

Das Mädchen starrte den Mann einen Moment in stummen Entsetzen an. Dann schrie es auf und wollte aufspringen. "Imperio", deutete Fenrir Greyback mit seinem Zauberstab auf das Kind.

"Setz Dich wieder und halt die Klappe", befahl seine heiser Stimme. Der Blick des Werwolfs glitt zum Fenster. Er konnte förmlich spüren, wie der Mond sich über den Horizont schob. Es stand außer Frage, warum Voldemort heute Abend ihm diesen Auftrag gegeben hatte.

Fenrir ließ das Kind auf dem Sofa sitzen und durchstöberte das Haus nach den restlichen Bewohnern. Es war eine nette kleine Familie wie Voldemort es gesagt hatte. Das Mädchen hatte zwei jüngere Brüder und Vater und Mutter waren auch anwesend. Keiner von ihnen war auf ihn vorbereitet und wenig später saßen sie alle mit ausdruckslosen Gesichtern im Wohnzimmer, lasen Zeitung, strickten oder spielten Zauberschach - so als wäre Fenrir überhaupt nicht anwesend. Imperio war eine seiner leichtesten Übungen.

Der Werwolf lächelte diabolisch und ging hinauf ins Obergeschoss. Er zog seine Robe aus und band sie sorgfältig zusammen, wie er es schon viele Vollmondnächte getan hatte. Dann schob er seinen Zauberstab in das Bündel. Er öffnete des Fenster und warf das Kleiderpäckchen in die nächsten Büsche, wo es verschwand.

Fenrir lächelte zufrieden und ballte seine Hände kurz zu Fäusten, so dass seine gelblichen langen Fingernägel sich in die Handballen bohrten. Er mochte solche Aufträge. Es gab nichts besseres als eine Vollmondnacht mit viel Blut zu begrüßen und noch besser war es, wenn er dabei ein paar von Voldemorts Feinden beseitigte. Der Dunkle Lord hatte ihn nicht zum Spaß hierher geschickt.

Der Mond schob sich über den Horizont, unbeachtet von den meisten Menschen. Fenrir schloss seine Augen. Während sich sein Körper in einen Wolf verwandelte, ließ er alle Fessel abfallen, die ihn an sein menschliches Dasein noch gebunden hatten. Vernunft, klare Gedanken, alles wurde davongespült, als das Tier in Fenrir die Oberhand gewann.

Ein silbergrauer Werwolf streckte sich und sprang dann behände die Treppe hinunter. Keiner der Familie wehrte sich, als Fenrir zuerst die Elternzerfleischte und sich dann den Kindern zuwandte. Er tötete das Mädchen und einen der Jungen. Dann hielt der Werwolf inne. Als Mensch hatte Fenrir einen anderen Befehl bekommen, doch der Werwolf entschied sich anders. Er biss den kleineren der beiden Jungen lediglich in den Nacken.

Dann sprang Fenrir mit einem Satz durch das Fenster im Erdgeschoss und rollte sich geschickt im Garten ab. Der Werwolf rannte die Straße entlang. Die meisten Zauberer wussten, dass man bei Vollmond lieber in den Häusern bleiben sollte, doch Muggel waren nicht so vorsichtig. Zwar würde Fenrir nie einen Muggel oder ein Schlammblut zu einem Werwolf machen, aber er hatte an Vollmond gerne Spaß und das bedeutete in seinem Fall Blut. Dabei war ihm dann egal, von wem es stammte.

Fenrir schloss zu ein paar Mitglieder seines Rudels auf, die im Saint James Park die Nacht erwartet hatten und nun zum Trafalgar Square hetzten wie eine Meute Bluthunde. In seiner Werwolfform nahm Fenrir die Straßen, Häuser, Plätze, die Autos der Muggel und die Menschen selbst als graue Bilder mit deutlichen Gerüchen und Geräuschen wahr.

In seiner Menschenform hätte er den Straßen und Plätzen Namen, den Häusern Nummern, den Automobilen Farben und den Menschen vielleicht Berufe zuordnen können. Doch im Augenblick sah er vor sich nur ein einziges Gelände mit Wegen durch Straßen, über Plätze, entlang an Häusern, über parkende Automobile und direkt zu Menschen.

Der Werwolf machte sich nicht die Mühe, sich im Zaum zu halten. Er tat, was in seiner Natur lag und was seine Art war - Fenrirs Art ein Werwolf zu sein. Er tötete, was ihm vor die Schnauze kam. Ein paar Muggelpolizisten versuchten, die Werwölfe niederzuschießen, doch Fenrir hatte ein Gespür für die Gefahr. Keiner von ihnen war eine Herausforderung für ihn. Er zog sich erst zurück, als er Magie um sich herum spürte.

Er biss einen Auror, zerfleischte einem anderen die Schulter und befahl seinem Rudel sich aufzuteilen. Sie konnten nicht allen folgen. Fenrir schaffte es, einen jungen Mann in einen Hinterhof zu locken, wo er ihn mit einem banalen Genickbiss tötete. Er genoss den Blutrausch und streifte bis in die Morgenstunden noch durch inzwischen ausgestorben wirkende Wohngebiete, bis die Nacht sich dem Tag zuwandte. Mit dem Instikt eines Werwolfs suchte sich Fenrir einen Ort, an dem er sich zurückverwandeln und sich ausruhen konnte.