Sanguis integer

Disclaimer: Harry Potter gehört natürlich nach wie vor Joanne K. Rowling und wir schreiben das hier nur, weil wir Harry Potter lieben und Spaß dran haben unsere Phantasie zu Papier zu bringen. Uns gehören nur die Figuren, die in den Harry-Potter-Büchern nicht vorkommen. Viel Spaß mit unserer Fanfiction!

Tut uns leid, dass wir so lange nicht mehr upgedatet haben, aber wir fanden es notwendig, die Kapitel noch einmal zu bearbeiten und auszubauen.
Zudem hatten wir in der letzten Zeit wenig Gelegenheit zum Schreiben... Das wird sich nun hoffentlich ändern.

Sanguis integer

Dienstag, 3. 11. 1998. Später Nachmittag

Es war ein sehr kalter und nebliger Tag in der schottischen Grafschaft Sutherland, und die Nebelschwaden ließen keinen Blick auf die untergehende Sonne zu. Die Kälte schien bestrebt zu sein auch durch die kleinste Ritze in die Häuser zu gelangen. Die Menschen suchten die Wärme in ihren Wohnzimmern, und der Rauch aus den Kaminen war vom Nebel nicht mehr zu unterscheiden.

Hoch über den Dächern, gut verborgen vor neugierigen Muggelaugen, glitten fast lautlos zwei pechschwarze, elegant anmutende geflügelte Pferde von der Rasse der Aethons durch den dichten Nebel, eine ebenso pechschwarze und elegant anmutende Kutsche mühelos hinter sich herziehend. Kaum hatten sie die letzten Häuser des Dorfes überflogen, tauchten schemenhaft die Umrisse von spitzen Türmen wie aus dem Nichts auf, die zu einem großen herrschaftlichen Anwesen gehörten. Ein harscher Befehl hallte durch den Nebel und die Kutsche verlor langsam an Höhe, bis sie sanft und mit lautem Hufgeklapper auf dem Boden aufkam. Lautlos öffnete sich wie von Zauberhand ein großes Eichenportal, um der Kutsche Einlass zu gewähren. Das Gespann kam vor einem weiteren großen Tor zum stehen, und ein gedämpftes Schnauben der Pferde hallte im Innenhof wieder. Der Kutscher erhob sich von seinem Kutscherbock, streckte seine von der Kälte steif gefrorenen Glieder und zog seinen langen Reiseumhang enger um seinen Körper, ehe er von der Kutsche herunterstieg. Mit einer gewandten Bewegung öffnete er die Tür. Eine elegant aussehende Dame mit aristokratischen Gesichtszügen stieg mit stolz erhobenem Kopf aus.

„Danke, Jeffrey. Die Tiere werden heute nicht mehr benötigt."

Er nickte und sagte: „Sehr wohl, Madam."

Die Dame wandte sich zum Gehen und schritt erhaben die ausladende Treppe zum Hauptportal hinauf, wobei sich ihr langes, dunkelrotes Haar in einem starken Kontrast von ihrem dunklen Gewand abhob. Noch bevor sie das Ende der Treppe erreichte, öffnete sich lautlos das mächtige Tor.

Kaum hatte sie dieses durchschritten rief sie:

„Elf!" Mit einem plopp erschien ein dürrer, mit einem grauen Leinentuch bekleideter Hauself und verbeugte sich so tief, dass seine Nase fast den Boden berührte. Er sagte mit piepsiger Stimme:

„Sie haben nach Diffy gerufen, Mistress?". Mit einer herrischen Bewegung warf sie dem Elfen ihren Reiseumhang in die Arme und befahl ihm:

„Bring mir einen Wintersonnentee in den Salon!"

„Wie sie wünschen, Mistress." Ohne weiter auf das Verschwinden des Hauselfen zu warten schritt sie eilig die Marmortreppe in den ersten Stock hoch und begab sich in den Salon, wo bereits eine Tasse mit dampfendem Inhalt auf sie wartete. Während sie abwesend an der Tasse nippte, schritt sie an das große Panoramafenster und starrte, tief in Gedanken, mit ihren moosgrünen Augen hinaus in den Nebel.

Sie wusste nicht genau wie lange sie schon dastand und ins Leere schaute, als sie bemerkte, dass draußen es schon stockfinster war. Der Nebel war inzwischen in Regen übergegangen, der kräftig gegen die Fensterscheiben trommelte und das Prasseln des Kaminfeuers übertönte. Sie stellte die halbleere Tasse mit den inzwischen längst eiskalt gewordenen Tee auf den Tisch. Plötzlich öffnete sich die Salontür mit einem lauten Knall, der sie zusammenfahren ließ.

„Magnus! Was ist das bitte für ein Auftritt! Du hast mich fast zu Tode erschreckt!", begrüßte sie den Hereinkommenden mit einem vorwurfsvollen Stirnrunzeln.

„Entschuldige, Rose, ich wusste nicht, dass du schon da bist. Im Ministerium war heute mal wieder die Hölle los. Der neue Minister ist noch unfähiger als der alte. Seit der Vernichtung des Dunklen Lords geht es mit dem Ministerium immer weiter bergab. Sie haben inzwischen schon neue Muggelschutzgesetze erlassen." sagte er mit einem verächtlichen Schnauben.

Dann fragt er sie sanft:

„Ist deine Reise erfolgreich verlaufen und hast du Ergebnisse bezüglich deiner Nachforschungen bekommen?", und begrüßte sie mit einem Kuss auf die Wange.

„Ja, ich habe sie gefunden, aber es ist zu spät.", sagte sie mit trauriger Stimme.

Eine Weile betrachtete sie ihren Ehemann. Trotz seines Stresses im Ministerium schaffte er es, eine aristokratisch stolze Haltung zu behalten. Sein langes, braunes Haar war mit einer edlen silbernen Spange im Nacken zusammen gehalten und seine dunkelblauen Augen verrieten, dass er trotz der Nachricht seiner Frau nicht aufgeben wollte. Seine große, schlanke Gestalt lehnte sich gegen den Kaminsims. Roses Blick fiel auf das große Familienwappen, welches über dem Kamin prangte. Es zeigte einen prachtvollen, schwarzen Hebriden auf silbernem Grund, der ein kunstvoll geschmiedetes Schwert in seinen Klauen hielt. Es war das Familienwappen der Moores. Rose war eine geborene Moore, einer alten und hoch angesehen reinblütigen Zaubererfamilie, die seit langem eine enge Freundschaft mit den O'Dwyers pflegte. Daher war es nahezu selbstverständlich, dass Rose den jungen Erben der O'Dwyers, Magnus, geheiratet hatte.

Die O'Dwyers waren ganz und gar stolz darauf, ebenso zu den ältesten und reinblütigsten Zaubererfamilien in ganz Europa zu gehören. Ihre größte Sorge war, dass jemand die größte Schande ihrer Familie herausfinden würde. Alle Bemühungen Roses und ihrer Eltern Aaron und Linda Moore, jene Schande, welche über ihre Familie vor 38 Jahren hereinbrach, zu bereinigen, waren fehlgeschlagen, und nun war auch noch die letzte Hoffnung verloren.

Damals wurden ihre vier Jahre jüngeren Zwillingsschwestern Iris und Petunia kaum drei Wochen nach ihrer Geburt einer prophylaktischen Untersuchung im St. Mungo Hospital unterzogen, wobei festgestellt wurde, dass Petunia eine Squib war. Als wäre dass noch nicht genug, löste sich der Kinderwagen, in dem sie lagen und friedlich schlummerten, buchstäblich in Luft auf, als Linda mit einer anderen Mutter in ein Gespräch vertieft war. Ihre Mutter Linda hatte diesen Vorfall bis heute nicht verkraftet und litt seitdem unter heftigen Albträumen. Jahrelang hatte man vergeblich nach ihnen gesucht, aber keiner der unzähligen magischen und ministeriellen Bemühungen, Iris und Petunia wieder zu finden, waren auch nur im Mindesten erfolgreich gewesen.

Einzig allein der Familienstammbaum der Moores verriet, dass Iris noch am Leben war, bis vor etwa 17 Jahren der Stammbaum plötzlich ihren Tod anzeigte, sie starb, wie es schien, unverheiratet und kinderlos.

Petunia wurde, da sie eine Squib war, vom Stammbaum nicht aufgeführt, da dieser nur magische Personen anzeigte.

16 Jahre lang versuchte die Familie, den Vorfall zu vergessen. Doch dann, vor etwa zwei Monaten, brach buchstäblich das Chaos aus. Zuerst erschütterte die durchschlagende Nachricht die Zaubererwelt, dass es Harry Potter, der Junge der lebte, gelungen war, den Dunklen Lord zu vernichten, und selbst dabei sein Leben verlor. Auch wenn die Familie Moore die Ansichten des Dunklen Lords durchaus teilte, so konnten sie ihn wegen seiner Halbblütigkeit nicht als höherrangig akzeptieren, so dass sie ihm nicht sonderlich nachtrauerten. Der Bericht im Tagespropheten jedoch warf Rose buchstäblich aus der Bahn. Es war weniger der Text als vielmehr die Bilder, welche die gesamte Titelseite einnahmen, bei deren Anblick Rose erbleichte. Sie zeigten die Portraits von Harry Potter und seinen Eltern Lily und James...doch wie konnte das sein? Lily Potter war beinahe das exakte Ebenbild von Rose! Wie in Trance zeigte sie ihrem Mann und ihrer Mutter was sie entdeckt hatte. Auch Magnus war sehr irritiert und Linda bekam einen Nervenzusammenbruch, der so schlimm war, dass sie ins St. Mungo Hospital eingeliefert werden musste. Rose und Magnus wohnten, wie beinahe fast alle Mitglieder der Zaubererwelt der Beerdigung Harry Potters bei, um zu sehen, wo sich das Familiengrab der Potters befand. In einem unbeobachteten Moment gelang es ihnen ein wenig Knochensubstanz von Lily und Blut von Harry zu entnehmen, und damit einen magischen Verwandschaftstest durchzuführen. Das Ergebnis war eindeutig: Lily war ihr eigen Fleisch und Blut und Harry demnach ihr Neffe. Weil nicht nur die Moores die Idee hatten mittels eines Zeitumkehrers Harrys Tod zu verhindern, beschloss das Ministerium, diese äußerst scharf zu überwachen, da die Gesetze zur Benutzung eines Zeitumkehrers diesen Eingriff in die Zeitlinie nicht zuließen. Nach zwei Monaten mussten sie ihr Vorhaben aufgeben, da die höchste Reichweite eines Zeitumkehrers sich auf zwei Monate beschränkte.

Rose seufzte. Die letzte Chance war vertan. Schlimm genug, dass Iris als Lily in dem Glauben aufgewachsen war, ein Schlammblut zu sein und von Muggeln aufgezogen wurde. Harry wäre die letzte Chance gewesen, diese Lüge zu bereinigen. Jetzt war es zu spät.

Die nächsten Tage verzog sich Magnus in die schwarzmagische Abteilung der Familienbibliothek zurück. Als Rose sich schon mit der Situation abgefunden hatte, kam Magnus reingestürmt und warf ihr ein uraltes und völlig abgegriffenes, in dunkles Leder gebundenes Buch auf ihren Schreibtisch, an welchem sie gerade die Zucht ihrer Aethons plante, um sich abzulenken. Er warf versehentlich ihr Tintenfass um, so dass sich nun ein schwarzer Fleck auf ihren Unterlagen und Pergamenten ausbreitete.

„Es ist vielleicht doch noch nicht zu spät! Ich habe hier etwas gefunden und zwar ein uraltes Ritual, welches aus einem Runenzauber besteht, der mit einem Zaubertrank gezeichnet werden muss. Hiermit kann man zu seinem früheren selbst Gegenstände senden, wenn auch keine Lebewesen. Du könntest einen Brief an dein früheres Ich schreiben, in dem du ihr sagst, dass Harry dein Neffe ist und sie ihn vor den Muggeln bewahren soll, wenn James und Iris Potter sterben. Vor der Entführung können wir allerdings nicht warnen, da der Gegenstand nur 33 Jahre zurückgesendet werden kann. Was meinst du, sollen wir es versuchen?", sagte er völlig außer Atem.

Rose antwortete ihm völlig perplex:

„Moment, nicht so hastig! Ratzeputz! Pass das nächste Mal doch bitte ein bisschen besser auf!" Sie räumte ihre nun wieder sauberen Unterlagen vom Schreibtisch und las sich aufmerksam den Zauber durch. Anschließend sagte sie:

"Du hast recht, einen Versuch wäre es wert. Ich werde den Brief schreiben und dann können wir umgehend den Zauber ausführen. Weiß Mutter schon davon?"

„Nein, ich werde gehen und es ihr sagen."

Einige Minuten später kam Linda herein und sagte Rose, dass sie Magnus ins Ministerium geschickt habe, um die Adresse von diesen Muggeln herauszufinden, die Harry aufgezogen hatten.

Somit machte sich Rose daran, einen sorgfältig formulierten Brief zu schreiben. Währendessen flohte Magnus ins Ministerium, um Nachforschungen über die Muggel anzustellen, bei denen Harry aufgewachsen war. Durch seine nützlichen Kontakte als Unsäglicher im Ministerium war es ein leichtes für ihn, Namen und Adresse herauszufinden.

Nach einiger Zeit kam Magnus mit der Adresse auf einem Stück Pergament in der Hand und einem ernsten Gesichtsausdruck zurück.

Er reichte Rose das Pergament und sagte:

„Offensichtlich hatte Petunia einen Muggel geheiratet und mit ihm einen Muggelsohn, und sie hat Harry aufgezogen."

„Du meine Güte...kein Wunder, dass dem Jungen keine angemessenes Benehmen beigebracht wurde. Und die arme Petunia...hatte keine Ahnung, was für ein armseliges Leben sie führte. Sie hätte es bei uns viel besser gehabt, selbst als Squib." sagte Linda.

Rose übertrug diese Neuigkeiten und die Adresse in den Brief. Anschließend versiegelte sie das Pergament und versah ihn mit dem Familienwappen der Moores. Magnus, Rose und Linda gingen hinunter in ihr Zaubertranklabor um den für den Zauber benötigten Trank zu brauen. Sie würden den Brief im Zaubertranklabor losschicken, da Rose in jeder Nacht, in der die Potters starben und der Dunkle Lord zum ersten Mal fiel, sich dort befand um einen Heiltrank zu brauen. Denn der Brief würde genau am selben Ort erscheinen an welchem er losgeschickt wurde.

Mit dem fertigen Trank zeichnete Magnus die nötigen Runen kreisförmig auf den Steinboden. In diesen legten sie den Brief, danach stellten sie sich um den Kreis herum auf. Dann begannen sie in einer alten keltischen Sprache eine sehr lange und komplizierte Formel aufzusagen. Nach einiger Zeit begann sich in dem Kreis ein bläulich leuchtender Wirbel zu bilden, der immer stärker wurde, bis der Brief zeitgleich mit der letzten Silbe der Formel mitsamt dem Wirbel verschwand.