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Ein Totentanz

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Disclaimer für diese Geschichte: Die Welt von Harry Potter gehört J. K. Rowling. Alle Rechte verbleiben bei ihren Inhabern.

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Anmerkungen: Heiler und Henker – ein Widerspruch? Nicht für Severus Snape. Verfolgt von den Geistern seiner Opfer, erinnert er sich an vier Morde an ehemaligen Schülern, die er tötete, um sie zu schützen ...

In Band sechs zeigt sich mehrmals, dass Severus ein äußerst talentierter Heiler ist. In Schattenprinz" habe ich ihm im Auftrag des Dunklen Lords eine diesbezügliche Ausbildung angedeihen lassen. Schon lange habe ich mich gefragt, was er wohl tun würde, wenn er als Todesser gezwungen wäre, einen (ehemaligen) Schüler zu foltern oder zu töten. Er arbeitet ja gleichzeitig als Lehrer, manchmal auch als Heiler – und als Killer. Wie geht er mit diesen Widersprüchen um? Sind es überhaupt Widersprüche für ihn? Oder genießt er diese Situationen sogar?

Im Umgang mit seinen Opfern kann er die Maske fallen lassen. Denn keines von ihnen wird mehr verraten können, wer sich in Wahrheit dahinter verbirgt ...

Warnung: Dies ist keine nette Geschichte. Sie ist wirklich „dark". Es geht um Mord, Folter und Vergewaltigung, und ganz allgemein um menschliche Abgründe.

17.10.2007: kukushka hat Ein Totentanz" ins Russische übersetzt. Bei Interesse bekommt ihr den Link von mir. Herzlichen Dank, kukushka, für deine Mühe!

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Prolog

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And his eyes have all the seeming of a demon's that is dreaming;

And the lamplight o'er him streaming throws his shadow on the floor.

And my soul from out that shadow that lies floating on the floor

Shall be lifted – Nevermore!

(Edgar Allan Poe, The Raven)

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Er hatte darum gebeten.

Er hatte um sie gebeten.

Es war seine Schuld. Und es war nur natürlich, dass sie ihn jetzt bedrängten.

Aber ich habe es für euch getan! Für euch! Warum versteht das denn keiner?!, wollte er schreien.

Er schrie nicht, aber sie hörten ihn trotzdem. Und blieben stumm. Anklagend umringten sie ihn, kalte, bleiche Schatten. Nicht bedrohlich, aber unendlich traurig.

Erinnere dich!, forderten sie lautlos. Erinnere dich!

Aber das tue ich ja. Die ganze Zeit. An jedem einzelnen Tag meines „Lebens".

Sie waren immer da. Immer.

Erinnere dich!, befahlen sie stumm.

Und er tat es. Wieder und wieder. An jedem einzelnen Tag seines „Lebens".

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Was gibt es, Severus?" Die Stimme des Dunklen Lords war kaum mehr als ein Raunen.

Verzeiht, mein Lord", flüsterte Severus und verneigte sich tief. „Es gibt gewisse Gerüchte ... Vermutungen ..."

Nun?" Unmerklich lauter, leicht gereizt. Gefährlich.

Verzeiht, mein Lord", wiederholte Severus leise.

Ruhig bleiben. Nicht einschüchtern lassen. Er spielt nur.

„Es heißt, Ihr wolltet mit gewissen Verrätern abrechnen ... Und mit ihren Familien."

Und?" Ein Hauch von Interesse.

Ich hörte Namen, mein Lord. Namen, unter denen auch die einiger ehemaliger Schüler von mir waren."

Das heißt?" Wacher jetzt, wachsamer.

Mein Lord, ist es mir gestattet, eine Bitte an Euch zu richten?"

Ein zischendes Lachen. „Gewiss, Severus, gewiss." Die Reptilienaugen aus rotem Eis bohrten sich in seine Seele. „Sprich."

Ich möchte Euch bitten ... Wenn Ihr ehemalige Schüler von mir töten lassen wollt ..."

Der Dunkle Lord lehnte sich auf seinem Thron nach vorne. Seine Stimme hatte den tändelnden Ton verloren, klang nun scharf, ungeduldig. „Zur Sache, Severus, zur Sache. Du bist doch sonst nicht um Worte verlegen."

Severus straffte sich innerlich.

Sag es. Jetzt.

„Lasst mich den Henker für sie sein, Herr."

Was?!" Ehrliche Verblüffung. „Warum?"

Severus spürte, wie sein Geist betastet wurde. Lange Spinnenfinger schoben sich bis in sein Unterbewusstsein, suchten, prüften.

Mitleid, Severus? Bei dir?" Der Dunkle Lord legte den Kopf schief und sah ihn fragend an, nicht bedrohlich diesmal, sondern schlicht neugierig.

Ich weiß, mein Lord, dass Ihr Mitleid nicht schätzt, aber ..." Severus holte tief Luft. „Aber ich habe dreizehn Jahre lang als Lehrer in Hogwarts gearbeitet. Der Unterricht hat mir nicht immer Freude bereitet, und meinen Schülern sicher auch nicht ..."

Er gestattete sich ein fast unsichtbares Lächeln. Sein Herr erspähte es dennoch, fing es auf und gab es zurück, mit seinem schmalen, lippenlosen Mund.

Du magst sie, diese Kinder, Severus?" Das Lächeln wurde eine Winzigkeit breiter. „Das hätte ich nicht von dir gedacht."

Er wird es mir nie erlauben. Nie.

Oh doch, Severus, das werde ich."

Jetzt lächelte der Dunkle Lord wirklich. Und ohne jede Spur von Boshaftigkeit.

Dass er noch so lächeln kann nach all dem, was er getan hat. Erstaunlich. Ich kann es nicht mehr.

Schau, Severus, die meisten deiner Kinder haben mir nichts getan. Wenn sie jetzt sterben müssen, dann ist das die Schuld ihrer Eltern. Und selbst diejenigen deiner Schüler, die mir Schaden zugefügt haben, taten es aus Dummheit, aus Unerfahrenheit. Ihre Schuld ist nicht zu vergleichen mit der meiner altgedienten, ungetreuen Todesser, die mich dreizehn Jahre lang im Stich gelassen haben."

Severus erschauerte unwillkürlich.

Verräter. Verräter, wir allesamt.

Ich bin nicht grausam, Severus, das weißt du."

So? Tatsächlich?

Ich quäle niemanden ohne Grund. Sie werden sterben, deine Kinder, aber sie sollen nicht leiden vorher. Sie gehören dir."

Severus war einen Moment sprachlos vor Überraschung. Doch er fasste sich rasch und verbeugte sich respektvoll.

„Ich danke Euch, mein Lord. Ich danke Euch."

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Dialog I

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Gedankt habe ich ihm dafür. Gedankt! Ich Idiot. Er wusste es besser als ich. Er wusste, dass ihr mich nie mehr loslassen würdet.

Erinnere dich, Severus ...

Geht weg! Ich will nicht!

Erinnere dich.

Nein!

Du bist es uns schuldig. Wenigstens das.

Wenigstens das! Ihr fordert mehr, als ich geben kann.

Du bist es uns schuldig, Severus!

Du bist es mir schuldig, Severus.

Bist du das, Danyel?

Ja.

Es tut mir leid, Danyel. Es tut mir so unendlich leid.

Wirst du dich jetzt erinnern?

Ja ...

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