Wie will man eine Geschichte in wenigen Sätzen zusammenfassen, die inzwischen so viel beinhaltet? Auf jeden Fall ist es nicht mehr die reine Liebesgeschichte, die ich mir ursprünglich ausgedacht habe, sondern bezieht alles mit ein, was Alltag und Job so mit sich bringen. Alte Freunde, neue Freunde, eine Menge Mißverständnisse und natürlich – ganz so wie es sich für den Alltag von John, und später auch von Laurie gehört – Fälle, die eine Lösung suchen. Ich wünsche Euch also viel Spaß damit und hoffe, daß sie ein wenig gefallen findet.

Ach ja und wundert Euch nicht, meine Laurie sieht ein wenig anders aus, als die aus der Serie.

Diclaimer: Die Personen die ihr kennt, gehören mir nicht, sondern den Erfindern der beiden Serien (die zweite ist Csi N.Y – jeder Detective braucht ein gutes Forensiker Team um sich), deren ich mir meine Charaktere entliehen habe.

Prolog

In New York ging es auf 20.00 Uhr zu.

Der Sommer war jetzt fast vorbei und es wurde immer früher dunkel. Trotzdem wehte noch ein laues Lüftchen und trieb die Menschen noch immer zu Scharen auf die Straße. Es war ein sehr heißer Sommer gewesen. Der Jahrhundertsommer seit 1954. Temperaturen bis 38 Grad waren keine Seltenheit und es gab niemanden der sich nicht inzwischen nach Abkühlung sehnte. Doch so richtig wollte dieser Sommer nicht zu Ende gehen. Noch immer herrschten, trotz der Uhrzeit, 28 Grad, doch das war immer noch besser als die 34 die sie heute den ganzen Tag über gehabt hatten.

Laura saß weinend an ihrer Wohnungstür.

Tief aus ihrem Bauch kamen die Schluchzer in unkontrollierten Abständen, während sie sich wie ein kleines Kind vor und zurück wiegte.

Was hatte sie nur getan?

John war weg. Wirklich weg!

Sie hatte ihn vor einer halben Stunde aus der Wohnung geworfen und ihn gesagt, daß sie die Scheidung will. Er war völlig fassungslos gewesen und hatte versucht mit ihr vernünftig zu reden. Aber sie hatte ihn gar nicht gehört, denn sie war so wütend gewesen, so daß sie in ihrem Kopf nur noch ein Rauschen gehört hatte. Aber sie wußte, daß er mit ihr reden wollte, denn sie hatte gesehen wie er die Lippen bewegte. Aber wie konnte sie ihm denn antworten, wenn sie nicht einmal hörte, was er sagte?

Jetzt war er weg.

Aber das hatte sie doch eigentlich gar nicht gewollt!

Sie weinte heftiger und fühlte sich auf einmal sehr einsam und verlassen in dieser großen Wohnung.

Ein Traum geht zu Ende

Drei Stunden zuvor...

Seufzend strich sich Laura den von Schweiß verklebten Pony aus dem Gesicht, während sie weiterhin das Gemüse vor ihr auf der Arbeitsplatte mit einem haßerfüllten Blick musterte. Sie kochte einfach nicht gerne und schon gar nicht wenn es so warm war. Sie nahm das Messer wieder in die Hand und zerschnitt die Zucchini in längliche Streifen. Mehrere Teller mit bereits fertig geschnittenem Gemüse standen bereits vor ihr und warteten darauf in eine Auflaufform geschichtet zu werden. Laura konnte einfach nicht verstehen, wie ihr Mann John bei diesen Temperaturen überhaupt warm essen konnte. Andererseits konnte, und wenn sie ehrlich war, wollte sie auch nicht verstehen, warum sie überhaupt kochen sollte. Wenn er Hunger hatte, sollte er sich doch gefälligst selbst was kochen. Immerhin arbeitete sie genauso hart wie er und doch blieb die ganze Hausarbeit an ihr hängen. Na ja sie sollte nicht unfair sein, er tat ja auch was, aber Kochen gehörte nun einmal nicht dazu. Ihren unterdrückten Zorn an der Zucchini auslassend, sinnierte sie weiter vor sich hin. Das waren also die Dinge die Männer von ihrer Müttern mit in die Wiege gelegt bekamen: die Frau spielt brav die Hausfrau, kocht und putzt, während der Mann das Geld verdiente. Was für eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Sie sollte sich dankbar schätzen, daß sie überhaupt arbeiten gehen durfte!

Lange Diskussionen mit John hatten ihr genau gezeigt, warum das ganze von der Natur aus so geregelt war...nach seiner Ansicht. Schon damals in der Steinzeit hatte sich das Weibchen um die Kinder und den Haushalt gekümmert, während der Mann das Abendessen jagte!

Aaahhh. Der Historiker der diese Theorie aufgestellt hatte, war garantiert ein Mann gewesen! Und dieser Beschützer Instinkt! Immer war John der Meinung auf sie aufpassen zu müssen. Als ob sie das nicht alleine konnte. Es mochte ja sein, daß er auf Grund seiner Polizeiarbeit mit einer Pistole umgehen konnte und auch ein Aß in Selbstverteidigung war, aber wer sagte denn, daß sie das nicht auch könnte, wenn Mann, bzw. John, es ihr nur erlauben würde? Sie konnte zum Beispiel hervorragend mit Messern umgehen. Sie traf auf hundert Meter immer in Schwarze! Bei den Gedanken daran fing sie an zu schmunzeln. Nicht das John das wußte und sie würde sich auch hüten es ihm zu sagen, sollte er doch glauben was er wollte!

Die Zucchini landete bei dem anderen Gemüse und die Paprikaschote mußte nun daran glauben. Was für eine Verschwendung, sein Talent mit Messern an Gemüse zu vergeuden!

Obwohl John noch nicht einmal zu Hause war, war Laura bereits stinksauer auf ihn.

Sie wußte, daß sie ein ziemlich heißes Temperament hatte. Es stimmte wohl, daß Rothaarige sehr temperamentvoll waren. Na und, sagte sie sich, es gab Situationen im Leben, wo John das durchaus zu schätzen wußte. Im Bett zum Beispiel.

Sie grinste wieder in sich rein. Und diesmal war es ein echtes, warmes Lächeln als sie an die vergangene Nacht dachte. Ja, das war eindeutig das, was sie unter guten Sex verstand und das sogar nach so vielen Jahren. Sie mochten sich ja ständig streiten, aber wenn es um Sex ging, da waren sie sich einig und das auch ohne Worte.

Einen kurzen Augenblick überlegte sie, ob Sex mit einem anderen auch so sein würde. Doch sie kam nicht dazu diesen Gedanken zu Ende zu bringen, denn sie hörte den Schlüssel in der Tür. John! Sofort war der Gedanke an Sex wie weggewischt und die unterdrückte Wut war wieder da.

Ein kurzer Blick auf die Küchenuhr sagte ihr, daß es bereits 20.45 Uhr war. Hatte sie wirklich soviel Zeit an das verdammte Gemüse verschwendet?

Sie fühlte, wie sich ihr zwei Hände um die Taille legten und John sie zu sich heran zog. Einen kurzen Augenblick vergaß sie ihren Ärger und schloß die Augen. Sie spürte seine Nähe und seine Kraft und sog begierig seinen Geruch ein. So unverwechselbar, so männlich. Jetzt nach diesem harten Arbeitstag, roch er nur noch schwach nach seinem Aftershave und ein leichter Schweißgeruch mischte sich mit in seinem Körpergeruch. Sie liebte diesen Duft. Unter Hunderten von Männern hätte sie ihn blind erkannt. Sie schmiegte sich eng an ihn und vergaß das Messer und das Gemüse. Seine Lippen streiften ihren Hals, als er ihr ein zärtliches Hallo ins Ohr flüsterte. Oh Gott, wie sie diesen Mann doch liebte. Sie drehte ihren Kopf um ihn sanft auf den Mund zu küssen. „Hey."

So war es jeden Abend...bevor sie sich spätestens nach einer Stunde das Streiten bekamen.

Warum mußten sie sich nur ständig streiten? Warum konnte er ihr nicht einfach ihr eigenes Leben zugestehen? Ihr Vertrauen? Ihr ständig sagen, daß er sie liebte?

Er warf einen Blick über ihre Schulter auf das Gemüse. „Salat oder Auflauf?"

Da war wieder ihre Wut. Mußte er denn ständig ans Essen denken? Oder an dessen Zubereitung? „Brauchst du Hilfe?" Ohne ihre Zustimmung abzuwarten, ließ er sie los und schnitt Tomaten in kleine viertel. „Auflauf", ergab sich Laura in ihr Schicksal. Eine Weile arbeiteten sie schweigend nebeneinander. Lauras Wut verrauchte langsam und sie genoß es so dicht bei ihm zu stehen. Ihn zu riechen war schon was so etwas wie Meditation bei ihr, obwohl sie keine Ahnung hatte was Meditation eigentlich war, doch er beruhigte sie und sie fühlte sich so voller Frieden wenn er in ihrer Nähe war. Während sie an ihm vorbei nach der Auflaufform griff, fiel ihr Blick auf seine Hand, auf seinen Ehering. Sie schaute auf ihren eigenen. Es waren wunderschöne Ringe. Weißgold, nicht wie die üblichen Eheringe in Gold und sehr fein in Rotgold graviert: ‚da mi basia mille...', ‚gib der Küsse mir tausend...' Es war der Anfang eines Gedichtes von Catull und es war die erste Liebeserklärung gewesen, die John ihr gemacht hatte. Damals als sie 16 Jahre alt waren. Jetzt waren sie einunddreißig und seit sechs Jahren verheiratet. Sie lächelte und strich mit ihren Fingern liebevoll über den Ring. Johns Finger schoben sich leicht über die ihren und streichelten ebenfalls sanft ihren Ring. Dann nahm er ihre Hand und küßte leicht sein Versprechen an sie. Er sah, daß ihre Augen feucht wurden und zog sie dicht an sich heran. Keiner von beiden sprach ein Wort, sondern hielten sich nur fest umarmt, als ob sie wüßten, was der weitere Abend noch bringen würde. Ein Versprechen, das nicht ausgesprochen werden mußte...

Es dauerte genau eine Stunde bis sie wieder anfingen zu streiten.

Und wie immer ging es aus der ganz normalen Unterhaltung hervor: und wie war dein Tag?

Während sie darauf warteten, daß der Auflauf im Ofen garte, ging John ins Bad um zu duschen und Laura räumte die Küche auf.

Es war eine schöne Küche: groß, geräumig und sehr hell. Wenn man zur Tür rein kam, befand sich links gleich ein altmodisches Küchenbuffet. So wie man es noch in Omas Küche fand. Oben hatte er zwei Glastüren, dann kam eine kleine Arbeitsfläche und unten noch mal Stellraum, welcher hinter zwei Holztüren verborgen war. Den gleichen Schrank hatten sie dann noch mal auf dem Flohmarkt gefunden und ihn auf der längs Seite der Küche rechts von der Tür gestellt. Zusammen hatten sie die beiden Schränke in mühevoller Arbeit abgeschliffen und mit einer dunklen Lasur versehen. Das Ergebnis war umwerfend und sie waren mit Recht sehr Stolz auf ihr Werk. Gegenüber der Tür zog sich der lange Arbeitsbereich zum kochen, spülen und so weiter. Sehr viel moderner als die beiden Schränke, aber noch immer zum Gesamteindruck passend. An die Arbeitsfläche schloß sich der große Kühlschrank an und die danebenliegende Tür führte in eine kleine Speisekammer. Die Fensterfront wurde durch nichts verstellt, außer in der äußersten Ecke von einem großen runden Ecktisch mit zwei Stühlen. Auch diesen Tisch hatten sie abgeschliffen und lasiert, so daß er farblich zu dem danebenliegenden Schrank paßte. Fast in der Mitte der Küche, allerdings mehr zur Küchenzeile hin, zog sich ein langer Tresen, welcher zusätzlichen Arbeitsplatz zum Kochen schuf. Allerdings wurde er mehr von Laura als zusätzliche Sitzgelegenheit verwendet.

Dort saß sie auch und studierte die Post als John aus dem Badezimmer kam. Sie schaute kurz hoch und lächelte ihn an. „Na, besser?" Er kam auf sie zu und küßte sie flüchtig. „Viel besser." Er rubbelte sich die Haare trocken und schaute dabei in den Ofen, um zu schauen wie weit der Auflauf war. Ohne aufzuschauen beantwortete Laura seine unausgesprochene Frage. „Ich denke noch ungefähr zehn Minuten." Ihre Stimme klang schon leicht genervt. „Fein", war alles was John darauf hin sagte. Er kannte diesen Tonfall nur zu gut und brachte lieber das Handtuch zurück ins Bad um nicht gleich wieder einen Streit hervor zu rufen.

Im Badezimmer hängte er das Handtuch wieder ordentlich über die Stange und begann sich dann vor dem Spiegel die Haare zu kämmen. Durch den Spiegel hindurch ließ er seinen Blick durch das Badezimmer gleiten. Alles war ordentlich und stand an seinem Platz. Immer wieder fragte er sich wie Laurie es schaffte, trotz ihres aufreibenden Jobs die Wohnung in Schuß zu halten. Er ging zu dem Farn, welcher in der Ecke über der Badewanne hing, um zu überprüfen, ob er vielleicht Wasser benötigte. Doch die Erde war feucht. Wie ertappt zog er seinen Finger zurück, als er Lauries Stimme hörte. „Ja, den habe ich auch gegossen." Ihre Stimme klang schon wesentlich gereizter als vorhin in der Küche. Einen kurzen Augenblick lang überlegte John, ob er sich entschuldigen sollte, ließ es dann aber sein, denn er war sich keiner Schuld bewußt. Er hatte es doch nur gut gemeint. Eine Weile starrten sich die beiden nur an, dann senkten sich Lauras Schultern. „Tut mir leid. Ich bin ein wenig genervt. Es lief heute alles irgendwie schief." Sie kam die zwei Schritte auf ihn zu und schmiegte sich in seine Arme. „Willst du darüber reden?" Er strich ihr zärtlich übers Haar und löste dabei den Haarknoten in ihrem Nacken. Endlich aus der Enge befreit, fielen sie ihr in langen Wellen über den Rücken. Sie schüttelte den Kopf. „Noch nicht. Vielleicht habe ich auch nur Hunger. Ich habe den ganzen Tag noch nicht viel gegessen und habe fürchterliche Kopfschmerzen. Nach dem Essen wird es bestimmt besser." Sie rieb kurz ihre Stirn an seiner Brust und kuschelte sich dann wieder an ihn. Er übte mit seiner Hand, die über ihr Haar strich, leichten Druck aus und massierte ihr die Kopfhaut. „Oh Gott, du weißt wirklich wie man eine Frau verwöhnt." Sie hob ein wenig den Kopf und suchte seine Lippen mit den ihren. Was als sanfter Kuß anfing, wurde schnell intensiver. Heftig atmend lösten sie sich voneinander, als die Eieruhr in der Küche verkündete, daß der Auflauf fertig sei. Noch eine flüchtiger Kuß auf die Nase, dann schob sich John an ihr vorbei und ging in die Küche.

Laura blieb wo sie war. Sie hörte wie er Teller aus dem Schrank nahm und anfing den Tisch zu decken. Entnervt schloß sie die Augen. Was war ihm eigentlich wichtiger? Sie oder das verdammte Essen? Sie merkte wie die Wut wieder hochkam. Schnell ging sie zum Waschbecken um sich kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen. Die Hände auf das Waschbecken gestützt betrachtete sie sich selbst im Spiegel. Sie sah müde aus. Dunkle Ringe lagen unter ihren Augen und ihre Wangen wirkten eingefallen. Müde strich sie sich über die Augen und fuhr dann fort ihr Gesicht im Badezimmerspiegel zu mustern. Wie 16 sah sie nun wirklich nicht mehr aus. Kleine Fältchen hatten sich bereits um ihre Augen und ihre Mundwinkel eingegraben und sie fand, daß sie verbittert aussah. Wo war die strahlende junge Frau die sie einmal gewesen war? Ihre Augen waren noch immer so strahlend bau wie sie es immer gewesen waren und auch ihr Mund zeigte ihr noch die gleiche Fülle wie immer. Doch er wirkte jetzt schmaler. Das konnte durchaus an den zusammengekniffenen Lippen liegen, die sie im Spiegel sah.

„Laurie? Essen ist fertig."

„Ich komme." Laura löste sich von ihrem Spiegelbild und folgte ihrem Mann in die Küche. Sie lächelte ihn flüchtig an, während sie zusah, wie er den Auflauf auf beide Teller verteilte.

Das Essen verlief nahezu schweigend.

Mit Widerwillen beobachtete Laura John wie er den Auflauf in sich hineinschaufelte. Wahrscheinlich stand er in zwei Stunden wieder in der Küche und schaute was er noch essen könnte. Nicht das er irgend etwas in dieser Richtung sagen würde, daß tat er nie, aber einfach nur die Tatsache das er nach weiterem Essen suchte, vermittelte ihr das Gefühl nicht ihr Bestes gegeben zu haben. Und sie haßte das Gefühl.

Schweigend aß John. Er kannte Laurie schon lange genug um zu wissen, daß sie noch immer sauer auf ihn war. Nur wußte er nicht so Recht warum. Es konnte doch nicht vorhin an dem Farn gelegen haben. Er wünschte sich, daß sie endlich einmal sagen würde was sie hatte, was sie fühlte, aber sie war immer so verdammt kontrolliert. Am Anfang war alles ganz anders gewesen. Sie hatten so viel miteinander gelacht, sich gegenseitig von ihren Erlebnissen auf Arbeit erzählt, hatten so viel gemeinsam unternommen...Aber jetzt? Sie lachten kaum noch miteinander und wenn sie von ihrer Arbeit erzählten, so waren es nicht mehr die lustigen Dinge, sondern den Frust, den sie dort nicht bewältigen konnten und dann mit nach Hause brachten. Sie unternahmen immer noch viel, doch irgendwie war es nicht mehr das Gleiche. Er erinnerte sich noch daran, wie sie im Central Park gepicknickt hatten und sich stundenlang unterhalten hatten. Über ihre geheimsten Wünsche und Träume, Dinge die sie in ihrer Kindheit erlebt hatten, bevor sie miteinander gegangen waren.

Traurig schob er sich eine weitere Gabel von dem Gemüse in dem Mund.

Laurie erzählte schon sehr lange nichts mehr von sich. Und wenn, dann waren es solche Sachen die ihn vor Eifersucht beinahe platzen ließen. Wie zum Beispiel die Tatsache das sie mit dem Tanzen angefangen hatte. Das war ok und er liebte ihr Lächeln, wenn sie dann nach Hause kam und ihm freudestrahlend davon erzählte. Er hätte ihr stundenlang zu hören können. Einfach nur um dieses Lächeln zu sehen. Bis zu dem Augenblick wo sie erzählte, daß sie so gut geworden war, daß sie in einer gemischten Gruppe Auftritte hatte. Mit Männern! Ja, wie er hätte er denn anders reagieren können? Bei dem Gedanken, daß sie von anderen angefaßt wurde, trieb ihn schier in den Wahnsinn. Er wollte nicht daß irgend jemand seine Frau anfaßte. Und dann gingen sie hinterher noch etwas trinken!!!!!!!

Danach hatte sie nie wieder etwas von sich oder ihrer Tanzgruppe erzählt. Aber sie hatte auch nicht damit aufgehört, wie er sie darum gebeten hatte. Sie hatten viel Streit um dieses Thema gehabt. Doch in diesem Punkt hatte sie nicht nachgegeben. Laurie gab sowieso nicht nach. Sie war so verdammt dickköpfig und stur.

Er tat sich weiteren Auflauf auf den Teller und hing weiterhin seinen Gedanken nach. Er merkte nicht einmal, daß er aß, so weit war er mit seinen Gedanken weg.

Es war ja nicht so, daß er nicht stur war, aber er war sich ganz sicher, daß sie dickköpfiger war als er. Und so verdammt stolz. Und um noch einmal auf die Sache mit dem Tanzen zurück zu kommen, vielleicht hätte er ihr einfach sagen sollen, wie eifersüchtig er war, daß sie mit anderen Männern tanzte und lachte. Vielleicht war sie bei ihnen genauso, wie sie damals bei ihm war. Was hieß damals, fragte er sich. Am Anfang ihrer Ehe war es auch noch nicht so gewesen. Und sie hatten ja nicht aus dem Blauen heraus geheiratet. Lange waren sie zusammengewesen, bevor sie sich dazu entschlossen.

Aber das ging doch aus seinen Vorwürfen hervor, daß er Eifersüchtig war, daß er sie noch immer liebte, selbst nach dieser langen Zeit. Warum sollte er ihr das auch noch aufs Brot schmieren? Nein, sie war eindeutig die sturere von ihnen beiden.

Er strich sich seine Haare aus der Stirn und lächelte sie an. Bloß nichts sagen. Sie sieht noch genauso wütend aus wie vorhin. Es lag wohl doch nicht nur am Essen, denn sie war schon seit geraumer Zeit fertig. Seufzend aß John weiter.

Laurie musterte ihren Mann und seufzte ihrerseits in sich hinein.

Wenn er doch nicht so verdammt gut aussehen würden. Andererseits paßten sie vom Aussehen doch perfekt zusammen. Seine hellroten Haare mit ihren dunkelroten. Ihrer beiden blauen Augen, seine so hell wie der Himmel wenn die Sonne scheint und ihre so dunkelblau wie eine stürmische See. Beide schlank und auch die Größe paßte perfekt.

Aber Aussehen war halt nicht alles und Sex auch nicht!

Sie nahm einen Schluck von ihrem Wein. Sie wollte auch gar nicht ständig mit ihm streiten, aber er provozierte das auch regelmäßig bei ihr. Wenn sie nur daran dachte, wie er vorhin kontrolliert hatte ob der Farn auch gegossen war! Oder wenn sie auch nur an die Sache mit ihrem Tanzen dachte! Sie war damals so froh endlich ein Hobby gefunden zu haben, was ihr Spaß machte. Er traf sich ja zweimal in der Woche mit seinen Jungs um Basketball zu spielen, dann konnte er ja wohl auch nichts dagegen haben, daß sie zweimal in der Woche zum Tanzen ging. Aber nein, er war vollkommen ausgeflippt als er das gehört hatte. Am Anfang war alles noch ok gewesen und er hatte ihr aufmerksam zugehört, als sie davon erzählte. Aber dann eines Tages, als sie erzählte das sie etwas später kommt, weil sie mit den Jungs und Mädels noch was trinken gehen wollte, ist er vollkommen ausgerastet. Er hatte wohl Angst, dass er sich einmal was alleine zu Essen machen mußte. Der Arme. Als ob er ihretwegen nicht mit seinen Jungs was Trinken gehen würde. Ha! Wie oft hatte sie dann abends dann alleine zu Hause gesessen und sich gefragt was er wohl gerade macht.

Früher waren sie noch zusammen Basketball spielen gegangen. Waren einfach in den Park gelaufen und hatten eine paar Körbe geworfen und danach hatten sie noch stundenlang unter einem Baum gesessen und hatten geredet. Über Gott und die Welt, was sie sich wünschten, was für Hoffnungen sie hatten. Und dann war es auf einmal vorbei gewesen und er ging mit seinen Jungs spielen. Und sie saß zu Hause und langweilte sich.

Er hatte kein Recht gehabt, ihr das Tanzen zu verbieten!

Laura nahm einen weiteren Schluck von ihrem Wein und starrte aus dem Fenster. Wie oft hatte sie sich gewünscht, daß er nur einmal sie dabei sehen würde. Nur einmal.

Es war John der das Schweigen durchbrach. „Und wie war dein Tag?" Und obwohl er wußte, daß dies das einleitende Thema für einen ausgewachsenen Streit war, fragte er trotzdem. Er wollte es wirklich wissen und deswegen fragte er sie das jeden Tag. So erzählte sie wenigstens etwas über sich und er fühlte sich nicht so verdammt ausgeschlossen von ihr. Bei dem Bewußtwerdens seines Gedankenganges den er gerade gehabt hatte, mußte er hart schlucken und er fühlte wie ihm die Tränen in die Augen stiegen. Schnell schaute er nach unten und strich sich mit der Hand über die Stirn, um seine Tränen zu verbergen. Sie sollte nicht sehen wie verletzlich er sich gerade fühlte, wie sehr er sich danach sehnte sie einfach nur in den Arm zu nehmen und sie festzuhalten.

Es war klar, daß Laura diese Geste in den falschen Hals bekam. „Warum fragst du mich wie mein Tag war, wenn es dich doch gar nicht interessiert? Wir müssen hier nicht nur aus Langeweile Konversation betreiben." Ihre Stimme klang scharf und John merkte sofort, daß er einen Fehler begangen hatte. „Laurie das ist nicht wahr. Es interessiert mich wirklich wie dein Tag war. Du hattest vorhin schon angedeutet, daß er nicht gerade gut gelaufen war. Ich möchte wirklich gerne wissen, was bei dir los war. Habt ihr den Zuschlag für das Haus jetzt doch nicht bekommen?" Aufmerksam schaute er seine Frau an. Laura war Anwältin in einer Immobilienfirma und sie kämpften gerade um den Ausbau eines großen Gebäudes. Doch Laura ging auf seine Frage überhaupt nicht ein. „Wirklich? Es interessiert dich? Und warum habe ich dann das Gefühl, daß du müde bist und eigentlich lieber ins Bett möchtest?"

„Laurie das ist nicht wahr! Ja ich hatte auch einen anstrengenden Tag und ja, ich bin ziemlich fertig, aber es interessiert mich wirklich und ich habe nicht nur aus Höflichkeit gefragt." Er konnte ihr wohl kaum sagen, wie einsam er sich in ihrer Gegenwart fühlte und das sie ihm so unendlich fehlte.

Entnervt sprang Laura auf und tigerte durch die Küche. „Ach komm John. Mach mir doch nichts vor! Seit wann interessiert dich das denn?" „Laurie, es interessiert mich immer!" Er merkte wie auch seine Stimme schärfer wurde. Da war er also, der Streit.

„Ach ja? Und wie kommt es dann, daß du mich immer nur die gleichen banalen Dinge fragst? Wie war dein Tag? Habt ihr den Zuschlag bekommen? Bist du gut durch den Verkehr gekommen? Was gibt es zum Abendessen?" Laura merkte wie ihr Temperament anfing mit ihr durchzugehen. Ein leichtes Summen erklang in ihrem Ohr. Ein sicheres Zeichen dafür, daß sie kurz davor war die Beherrschung über sich zu verlieren. „Und wie geht es mir, John? Wann hast du das letzte Mal gefragt wie es mir geht? Wie ich mich fühle?" Das Summen in ihren Ohren wurde lauter. John stand nun ebenfalls auf und starrte Laura an. „Was soll das Laurie? Ich frage dich jeden Tag wie es dir geht. Was soll das hier werden? Wenn du schlechte Laune hast, dann lasse sie bitte nicht an mir aus." John bemerkte wie auch er sauer wurde. „Hörst du Laurie, ich bin nicht dein Fußabtreter. Wenn du Frust hast, dann lauf eine Runde um den Block und rede dann mit mir, wenn du wieder ruhiger bist. Ich höre dir dann gerne zu." Laura blieb stehen und starrte ihren Mann an. Es waren nur noch Teile von dem was er sagte bei ihr angekommen, der Rest ging in dem Summen unter, welches langsam zu einem Rauschen wurde. So als ab ein Orkan direkt durch ihr Ohr fegte. „Sicher fragst du mich wie es mir geht, im gleichen Atemzug von ‚Was gibt es zu essen?', sag mal John, bin ich soviel wert wie dein tägliches Abendessen? Oder habe ich auch noch eine eigene Funktion für dich?" John war zu perplex, um irgend etwas darauf zu erwidern. Mit zusammengekniffenen Augen starrte er sie an und versuchte ihren Gedankengang zu folgen. Laura starrte zurück, das Rauschen in ihren Ohren war ohrenbetäubend und sie merkte wie sie endgültig die Beherrschung über sich verlor. Einen totalen Black out nannte man so etwas. Wie aus weiter Ferne hörte jemand sagen: „Ach John, was soll das? Das hat doch gar keinen Sinn mehr mit uns. Wir streiten nur noch und ich kann einfach nicht mehr. Ich will das nicht mehr." Laura sah wie John seine Lippen bewegte, doch sie hörte ihn nicht. Doch sie hörte sich selbst sagen: „John, ich will die Scheidung und ich will, daß du endlich gehst."

Sie sah wie John sämtliche Gesichtzüge entglitten und er sie fassungslos anstarrte. Dann fing er an zu reden. Er kam auf sie zu, nahm ihre Hände in die seinen und schaute ihr eindringlich ins Gesicht.

Er sah in ihren Augen, daß sie ihn gar nicht hören konnte. Zweimal hatte er bereits erlebt, daß sie so die Beherrschung verloren hatte. Und niemals hatte er diesen Ausdruck in ihren Augen vergessen, den sie da gehabt hatte. Und jetzt war er wieder da.

Ehrlich gesagt hatte auch er keine Ahnung was er da eigentlich sagte. Er hatte einfach nur Angst sie endgültig zu verlieren. Also sagte er alles was ihm auf dem Herzen lag und wußte dabei doch ganz genau, daß sie ihn nicht hörte. „Geh.", sagte sie zu ihm. Ihre Augen waren so dunkel, daß sie mehr wie schwarz als blau aussahen. „Gott verdammt, geh jetzt endlich!", schrie sie ihn an.

John fühlte wie sich seine Augen mit Tränen füllten. Er blinzelte ein paar mal um sie nicht aus den Augen zu verlieren, ließ aber ihre Hände los, als sie ihn ein drittes mal aufforderte zu gehen. Verstört ließ er sie in der Küche allein und ging ins Schlafzimmer ein paar Sachen zu packen. Er hoffte, daß sie ihm nachkommen würde und sagen würde, daß es ihr Leid tat, daß sie einfach nur einen schlechten Tag hatte. Aber tief in seinem Herzen wußte er, daß sie nicht kommen würde. Diesmal nicht.

Als er zurückkam, stand Laura noch genauso da wie er sie verlassen hatte. Er versuchte noch einmal mit ihr zu reden. Dann drehte er sich um und ging.

Laura saß weinend an ihrer Wohnungstür.

Tief aus ihrem Bauch kamen die Schluchzer in unkontrollierten Abständen, während sie sich wie ein kleines Kind vor und zurück wiegte.

Was hatte sie nur getan?

John war weg. Wirklich weg!

Sie hatte ihn vor einer halben Stunde aus der Wohnung geworfen und ihn gesagt, daß sie die Scheidung will. Er war völlig fassungslos gewesen und hatte versucht mit ihr vernünftig zu reden. Aber sie hatte ihn gar nicht gehört, denn sie war so wütend gewesen, so daß sie in ihrem Kopf nur noch ein Rauschen gehört hatte. Aber sie wußte, daß er mit ihr reden wollte, denn sie hatte gesehen wie er die Lippen bewegte. Aber wie konnte sie ihm denn antworten, wenn sie nicht einmal hörte, was er sagte?

Jetzt war er weg.

Aber das hatte sie doch eigentlich gar nicht gewollt!

Sie weinte heftiger und fühlte sich auf einmal sehr einsam und verlassen in dieser großen Wohnung.

Wie betäubt verließ John die gemeinsame Wohnung.

Was war da gerade passiert? Lief er jetzt wirklich gerade mit seiner Tasche in der Hand durch die Strassen von New York und suchte sich ein Hotelzimmer für die Nacht?

Sein analytischer Verstand übernahm die Führung, führte John zu einem Hotel und buchte ein Zimmer.

Es war auch dieser Teil seines Verstandes, der ihn erst einmal das Zimmer inspizieren ließ und schaute, was es zu bieten hatte. Der gefühlsmäßige Teil in ihm sehnte sich einfach nur nach der Mini Bar und nach Schlaf. Morgen würde bestimmt dieser Albtraum vorbei sein. Er mußte nur einfach schlafen, morgen war dann alles wieder gut.

Er ließ sich auf das Bett fallen und starrte an die Decke. Tränen liefen ihn aus dem Augenwinkel und bildeten kleine Pfützen auf dem Kopfkissen. War das wirklich ihr Ernst gewesen? War das jetzt wirklich das Ende?

Er rollte sich auf die Seite und löschte das Licht. Im dunkeln starrte er die Tür an und versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Doch es funktionierte einfach nicht. Schlaf, er mußte schlafen...morgen war bestimmt wieder alles gut.

In einer großen drei Zimmer Wohnung in Queens lag Laura ebenfalls im Bett und versuchte endlich mit dem weinen aufzuhören. Doch so sehr sie es auch versuchte, so funktionierte es doch nicht. Immer wieder schossen ihr die Tränen in die Augen und sie schluchzte vor sich hin. Sie versuchte nicht zu seiner Seite des Bettes zu schauen, um nicht daran erinnert zu werden, daß er nicht neben ihr lag. Aber auch das funktionierte nicht, denn John schlief auf der Fensterseite und ihre Einschlafposition war nun mal zum Fenster hin. Sie weinte heftiger als sie daran dachte, wie John sie immer in den Arm genommen hatte um sie vor der Nacht zu schützen. Sein verdammter Beschützer Instinkt! Doch diesmal war es kein wütender Gedanke, sondern einer der voller Sehnsucht nach ihm war.

Nein, hier konnte sie nicht eine Nacht mehr verbringen. Hier war niemand mehr der auf sie aufpaßte.

Entschlossen nahm sie ihre Bettdecke und tigerte ein Raum weiter ins Wohnzimmer und richtete sich auf der Couch ein Lager für die Nacht her. Aber das war eigentlich auch nicht besser, denn jetzt konnte sie den Mond ja gar nicht mehr sehen. Kurzer Hand stand sie auf und drehte die Couch um hundertachtzig Grad. Ja, so war es besser, jetzt konnte sie den Mond wieder sehen. Sie wischte sich mit dem Handrücken über ihr Gesicht und merkte, daß sie immer noch weinte. Schlaf, sie brauchte ganz dringend Schlaf. Morgen würde die Sonne bestimmt wieder auf sie hinab lächeln und alles wäre wieder gut.