A/N: Nein, ich hab Euch alle nicht vergessen - und nein, ich hab auch nicht aufgehört zu schreiben. Allerdings habe ich ein sehr erfolgreiches Vorstellungsgespräch hinter mich gebracht strahl und muss daher schon wieder einen Umzug und 1000 andere Dinge planen. Da bleibt leider nicht viel Zeit. Das erklärt dann vermutlich auch, warum dieses Kapitel so unverschämt kurz geraten ist - aber ich wollte Euch nicht noch länger warten lassen.

Ein liebes Dankschön geht an alle die ihre Meinung hinterlassen haben - interessant zu sehen, dass es mehr werden, wenn man sich Zeit mit den Updates lässt g Der späten Stunde wegen verzichte ich darauf, alle persönlich anzusprechen und kläre nur ein paar offene Fragen.

teddy172: Ähem, ja richtig, die Nudeln. Vielleicht sollte ich zur Verteidigung meiner Kochkünste (die wirklich gar nicht mal schlecht sind) anführen, dass ich sie nicht gekocht, sondern gebraten habe... da ist es dann gar nicht schwer, sie anbrennen zu lassen ;)

Valentina: Ja, das war vielleicht etwas verwirrend. Es war aber nicht so gemeint, dass er sich erst einmal gemütlich hinsetzt und sie Zentimeterweise beguckt. Ich dachte mehr daran, dass man in einem Moment des Schocks manchmal ganz komische Sachen wahrnimmt. Zum Beispiel bin ich, als ich noch ein Stückchen jünger war, mal im hohen Bogen von einer Schaukel gesegelt. Und obwohl der Hauptgedanke vor dem Aufprall wohl so etwas wie "Oh Scheiße, nein!" war, weiß ich noch ganz genau, dass in dem Moment eine Wolke in Form eines Schafes über mir langgezogen ist. Bei einem plötzlichen Adrenalinschub sind die Sinne einfach viel aufnahmefähiger als sonst und wenn das Gehirn etwas überfordert von der Situation an sich ist, dann kann es passieren, dass eine "Wegwerf-Information" kurzzeitig einen sehr hohen Stellenwert einnimmt. (Ha, und ich wollte es kurz machen...) - Oh, und an Mitleid dachte ich, weil sie bestimmt denkt, dass er denkt (sowas lieb ich ja), dass das arme Würmchen (Hermione) dolle verletzt ist und ganz sicher (wie jede Schülerin Hogwarts) auf den mega-männlichen Slytherin-Sex-Gott (wie hieß er noch gleich?) steht und daher einen netten kleinen Kuss verdient hat, um ihr tristes, graues und unwürdiges Leben zu versüßen... (ist schon was her, dass ich 17 war, aber ich kann mich dunkel dran erinnern, dass man dazu neigt, absolut alles tot zu analysieren...). War das jetzt noch verwirrender, als der Mitleids-Teil im letzten Kapitel?

Celina-HP: Hatte kurzzeitig befürchtet meine Mailbox explodiert von so viel ungewohnter Arbeit - das nenne ich Fleiß ;) Danke.

dracy17: Da musste ich tatsächlich meine eigene Geschichte nachlesen, weil ich mir plötzlich nicht mehr sicher war, aber ich hatte es doch richtig in Erinnerung ;) Den ersten (nicht statt gefundenen) Kuss versaut nicht Hermione, sondern Draco. Insofern darf sie beim zweiten Mal dann den Rückzieher machen. (Wo ich beim dritten Mal dann eine dritte Person auftreibe, weiß ich noch nicht g)

Und jetzt hab ich genug geschwafelt, sonst wird die A/N länger als das Kapitel...


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Kapitel 19 – Lucius Malfoy

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Die ersten Tage des neuen Jahres vergingen ereignislos. Hermione begegnete Draco höflich, doch distanziert und er tat nichts, um das zu ändern. Harry und Ron verbrachten einige Stunden damit, zwischen Angst um Hermiones Gesundheit und Entrüstung, dass man sie nach dem Unfall nicht gerufen hatte, zu schwanken. Danach behandelten sie sie, als hätte sie einen schweren Hirnschaden davon getragen, wurden von Ginny aber nach zwei Tagen resolut zur Ordnung gerufen.

Die Weihnachtsferien gingen zu Ende und die Unmengen von Hausaufgaben, die sie Schüler des letzten Jahres zu meistern hatten, machten jeden Versuch, ein Privatleben zu führen zunichte. Besonders Professor Slughorn schien vollkommen vergessen zu haben, dass es neben „Zaubertränke" auch noch andere Fächer gab.

Selbst Hermione war mehr als erleichtert, als sie den nicht enden wollenden Aufsatz über die Auswirkungen des Veritaserums abgeschlossen hatte und sich auf der Couch vor dem Kamin ausstreckte.

Offensichtlich war sie kurz eingenickt, denn sie hatte nicht bemerkt, wie Draco den Gemeinschaftsraum betreten hatte. Sie zuckte zusammen als seine Stimme hinter ihr ertönte.

„Du hast in deinem Aufsatz Übelkeit bei den Nebenwirkungen vergessen."

Hermione wandte sich um und betrachtete ihn, wie er kritisch ihre Hausaufgabe beäugte.

„Nein, habe ich nicht.", erwiderte sie ruhig. „Ich habe mich streng an das Buch gehalten und Übelkeit ist schlicht und ergreifend nicht aufgeführt. Oder willst du jetzt behaupten, dass der Autor es auch vergessen hat?", schloss sie leicht belustigt.

„Oh,das hat er dann wohl. Veritaserum versucht Übelkeit. Ich verfüge da über sehr… nun ja, persönliche Erfahrungen."

Hermione sah schockiert zu ihm auf.

„Was, du hast schon mal jemandem Veritaserum verabreicht?"

Draco warf ihr einen leicht amüsierten Blick zu.

„Hm, ganz knapp vorbei. Ich bin derjenige dem der Trank verabreicht wurde."

„Von wem? Wer, bei Merlin, würde denn so etwas tun? Seine Anwendung wird streng vom Zaubereiministerium kontrolliert."

Draco lachte freudlos auf.

„Hermione, du weißt gar nicht, wozu mein Vater sonst noch in der Lage war."

Mit diesen Worten trat Draco von ihrer Hausaufgabe zurück und verschwand in seinem Zimmer.

Hermione war sprachlos. Welcher Vater würde seinem eigenen Kind einen alles andere als harmlosen Wahrheitstrank verabreichen? Andererseits, bei allem, was sie über Lucius Malfoy bereits wusste, was das nun wirklich nur eine weitere Kleinigkeit. Es war ein Wunder, dass Draco scheinbar zu einem ganz normalen, nun ja, verhältnismäßig normalen jungen Mann heran gewachsen war.

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Hermione war sich nicht sicher, ob es Mitleid oder etwas anderes war, dass sie dazu bewegte ihre Haltung noch einmal zu überdenken. Trotzdem gab sie ihrem Gefühl nach und bemühte sich seit diesem Gespräch ihre gekappte Verbindung wieder aufzunehmen. Sie wusste, dass es gefährlich für sie war – es war so leicht für ihn, sie mit einem gezielten Wort zu verletzen. Aber es schien das Risiko wert zu sein, wenn sie bedachte, was ein wenig Freundlichkeit nach so einer Kindheit für Draco bedeuten mochte.

Draco wirkte zunächst angespannt, als sie für ihre Hausaufgaben wieder den Gemeinschaftsraum als bevorzugten Ort wählte. Jeden Abend setzte sie sich zu ihm vor das Kaminfeuer und hielt ein freundliches, aber bedeutungsloses Gespräch in Gang. Und nach und nach kehrte ihre Freundschaft zurück – sofern man das vorsichtige gegenseitige Vertrauen so bezeichnen konnte.

Hermione war sich nicht sicher, ob sie sonst die subtile Änderung in Dracos Verhalten wahrgenommen hätte, die ihn kälter und entschlossener wirken ließ. Es begann nachdem eine Eule spät am Abend bei dem Versuch Draco einen Brief zu bringen beinahe das Fenster ihres Gemeinschaftsraumes eingeschlagen hätte. Er nahm dem indigniert aufgeplusterten Tier ein Stück schweres Pergament ab und überflog die Nachricht, bevor er ohne ein einziges Wort zu verlieren die Eule an den Flügelansätzen packte und unzeremoniell in die frostige Nachtluft beförderte. Das Tier war so überrascht, dass es nicht einmal die Gelegenheit bekam, nach ihm zu hacken. Hermione hatte ihn mit großen Augen beobachtet und gerade den Mund geöffnet, um zu fragen ob etwas passiert sei, als er auch schon ohne den kleinsten gute Nacht Gruß in seinem Zimmer verschwand.

Seit diesem Tag war er noch verschlossener als sonst. Hermione hatte das Gefühl, dass er ihr auswich – er wusste, dass sie ihn nach dem Inhalt des Briefes fragen würde. Wenn sie doch wenigstens die Eule erkannt hätte...

Der Januar neigte sich seinem Ende zu und Hermione fand sich damit ab, dass sie dieses eine Geheimnis wohl nicht lösen würde.

Eine Woche später saß sie in eine Wolldecke gewickelt in einem der großen Sessel vor dem Kamin und war in ein ausgesprochen spannendes Kapitel in ihrem Schulbuch für Verwandlung vertieft. Als sie das Portrait, dass für den Gemeinschaftsraum als Eingang diente, aufschwingen hörte, hob sie unwillig den Kopf. Sie hätte es vorgezogen, den Nachmittag ohne Störungen zu verbringen. Sie und Draco sprachen ohnehin nur noch selten miteinander, so dass sie froh war, wenn sie ihre Unterkunft für sich allein hatte.

Draco stieg gerade die letzten Stufen zu seinem Zimmer hinauf, als Hermione einen Zettel aus einem seiner Bücher auf den Boden fallen sah. Sie wollte gerade seinen Namen rufen, um ihn darauf aufmerksam zu machen, als sie das Pergament wieder erkannte: der geheimnisvolle Brief.

Ihr Herz raste, als sie ihn die letzte Stufe erklimmen sah. Es wäre richtig gewesen, im Beschied zu sagen. Wenn er nicht mit ihr darüber reden wollte, dann hatte sie kein Recht, in seinen persönlichen Angelegenheiten zu wühlen.

Seine Tür fiel hinter ihm ins Schloss.

Andererseits konnte sie ja nicht sicher sein, dass es sich um DEN Brief handelte. Vielleicht war es ja nur irgendein Stück Papier. Und es lag offen in ihrem Gemeinschaftsraum. Woher sollte sie wissen, ob es ihm gehörte, ohne wenigstens einen kleinen Blick darauf zu werfen?

Sie brauchte nur einen Sekundenbruchteil, um sich davon zu überzeugen, dass es sich hierbei keineswegs um Spionage handelte. Schon kniete sie am Boden und hob mit zitternden Fingern das Pergament auf.

Du hast mich verraten und die Ehre der Familie in den Schmutz gezogen. Du bist es nicht wert, noch länger den Namen Malfoy zu tragen. Und nun ist es an der Zeit, dass Du für all die Jahre zahlst, die Du von meinem Wohlwollen gelebt hast. Nimm Abschied von Deinem Leben."

Voller Entsetzen starrte sie auf das Blatt. Dieser Brief benötigte keine Unterschrift. Der Hass, der aus jedem einzelnen der Worte sprach, war deutlich genug.

Lucius.