Chapter 1 – Prolog


Als Snape einen misshandelten fünfjährigen Harry findet, beschliessen er und Minerva, vier Jahre in die Vergangenheit zu reisen, um die Leben von Lily und James zu retten. Diese Geschichte ist vollkommen AU. Paarungen: Lily/James und Minerva/Albus.

Keine der Charaktere in dieser Geschichte gehören mir; alles gehört J.K.Rowling oder sind frei erfunden; ich verdiene nichts am Schreiben dieser Geschichte.


Es war ein freundlicher Sommertag Ende August 1985, als die Feuerstelle in Professor Snapes Wohnung aufflackerte. Severus war gerade dabei, sich auf die letzten Vorbereitungen für das neue Schuljahr zu konzentrieren – sein drittes Jahr als Professor für Zaubertränke in Hogwarts.

"Severus, es tut mir leid, aber Du müsstest mir heute einmal einen Gefallen tun" hörte er die Stimme seines Mentors, Albus Dumbledore, und ging hinüber zur Feuerstelle, um sich davor niederzuknien. "Könntest Du bitte für einen Augenblick in mein Büro hochkommen?" Severus stöhnte innerlich aber antwortete nichtsdestotrotz

"Ja, Albus, ich bin sofort da." Er legte die Pergamente weg, an denen er gerade gearbeitet hatte, zog seinen schwarzen Umhang glatt und verliess seine Wohnung in Richtung des Schulleiterbüros, wo er in Dumbledores üblicher Zitonenbonbon-Manier begrüsst wurde. In der Hoffnung, der alte Zauberer würde schnell zum Punkt kommen, setzte er sich hin und schaute ihn fragend an. Albus seufzte und fing an zu sprechen.

"Vielen Dank, dass Du sofort gekommen bist, mein Junge. Es tut mir sehr leid, Deine Vorbereitungen zu unterbrechen, aber ich brauche wirklich Hilfe in einer bestimmten Angelegenheit.…" er verlor sich für einen Moment, als er aber den Ausdruck von Ungeduld in Severus Gesicht sah, fuhr er eilig fort. "Ich bin sicher, dass Du Arabella Figg kennst, stimmts mein Junge?" Severus nickte und bedeutete ihm fortzufahren, daher nickte er und sagte "Ich habe gerade einen Bericht von ihr über Harry erhalten." Severus setzte sich gerade hin; Harry war sein Neffe; obwohl er seinen Cousin James immer gehasst hatte, seitdem sie gleichzeitig nach Hogwarts gekommen waren, war Harry noch ein kleines Kind – ungefähr fünf Jahre alt, wenn er richtig gerechnet hatte –, und er hatte keinen Grund ihn zu hassen. Die Stimme seines Mentors brachte seine Gedanken zurück nach Hogwarts.

"… das nicht allzu ermutigend ist in Bezug auf den kleinen Harry. Sie hat mir erzählt, dass sie ihn nun schon mehrere Wochen lang nicht gesehen hat, und als sie ihn das letzte mal sah, waren sein Gesicht und seine Arme voll von blauen Flecken und Beulen. Als sie Mrs. Dursley danach fragete, sagte sie ihr, dass Harry die Trepper hinuntergefallen sei, aber irgendwie denkt Arabella, dass das nicht stimmen kann und glaubt, dass er vielleicht dort misshandelt wird. Auf jeden Fall mache ich mir ein bischen Sorgen über den Jungen; deshalb möchte ich, dass Du einmal dort hingehst und kurz nach ihm schaust." Severus rieb seine Stirn, wie um einen beginnenden Kopfschmerz loszuwerden, seufzte und gab nach.

"In Ordnung, ich werde gehen und nach dem Jungen sehen. Sofort nach meiner Rückkehr sage ich Dir Bescheid." Er verliess das Büro des Direktors und ging in seine Wohnung zurück, wo er seine Kleidung in Muggle-Aussehen änderte, bevor er in den Feuerplatz trat und rief "Arabella Figgs Haus".

Severus hörte ungeduldig dem Geblabber der Katzenfrau zu, bevor er hinüber zur Dursley Residenz lief. Auf sein Klopfen hin öffnete ein kleiner Wal – ein Junge der aussah, als sei er etwa genauso alt wie Harry, aber sonst vom Aussehen nichts mit Harry gemeinsam zu haben schien. Severus hatte seinen Neffen nun vier Jahre lang nicht gesehen, aber wenn er davon ausging, wie ähnlich der Kleine damals seinem Vater gewesen war, konnte er sich gut vorstellen, wie er jetzt aussehen musste.

"Ich bin hier, um mit Harry Potter zu sprechen" sagte er in einer Stimme, die er normalerweise für Studenten reserviert hatte, die zum Nachsitzen kamen.

"Ah, ehm... einen Moment bitte" quiekte der Wal und schrie nach seiner Mutter, die kam und beim Anblick von Severus entsetzt aufschrie.

"Du!" kreischte sie, bis Severus entgegnete

"Ja, ich freue mich auch, Dich wiederzusehen, Petunia. Wie wäre es, wenn Du mich für einen Moment in Dein Haus lässt? Oder möchtest Du, dass die ganze Strasse unsere Unterhaltung hört?" Petunia öffnete die Tür schnell weit und liess ihn widerstrebend in die Küche. "Ich bin gekommen, um für einen Augenblick mit Harry zu sprechen" wiederholte Severus, und Petunia versuchte eilig zu erklären, warum dieser zur Zeit nicht verfügbar war.

"Oh, er ist nicht hier. Er ist für den Tag zu seiner Babysitterin, Mrs. Figg, gegangen, um dort zu spielen." Severus runzelte die Stirn und hielt innerhalb von Sekunden seinen Zauberstab in der Hand. Als Petunia laut nach Luft schnappte, zischte er ärgerlich.

"Du weisst genauso gut wie ich, dass das nicht wahr ist. Der Junge ist nicht bei Mrs. Figg; er muss also hier sein, und Du hast genau zwei Möglichkeiten: Entweder führst Du mich augenblicklich zu seinem Zimmer, oder Du erlaubst, dass ich jeden Quadratmeter in Eurem Haus durchsuche; Glaub mir, ich werde nicht mehr als zwei Minuten brauchen, um den Jungen zu finden, ganz gleich wo er ist." Er grinste süffisant, als Petunia plötzlich in Tränen ausbrach. Sie zeigte auf die Besenkammer unter der Treppe und schluchzte.

"Ich wusste, dass sie es herausfinden würden, aber Vernon, er… er… er hasst ihn so sehr. Geh einfach und guck, und bring ihn weg von hier." Sie sass da und heulte, und Severus war im Nu an der Tür zur Besenkammer. Sein 'Alohomora' brach alle Schlösser gleichzeitig, und er öffnete die Tür und wartete darauf, dass ein Kind herauskäme. Aber nein, nichts passierte. 'Was zum T…' dachte er, kletterte vorsichtig in den kleinen Raum und bekam einen Schreck.

In eine Babydecke gekuschelt, die Severus als die erkannte, die er selbst Lily und James zu Harrys Geburt geschenkt hatte, war ein sehr kleines Kind. Lebte es überhaupt noch? Er kroch zu der viel zu kleinen Baby-Matratze hinüber und nahm das Kind in seine Arme. Er hielt eine Hand an den Nacken des Kindes und seufzte erleichert – das Kind atmete noch, obwohl er in einem sehr schlechten Zustand zu sein schien. Seine Arme und Beine hingen in seltsamen Winkeln vom Körper ab, waren voll mit blauen Flecken und Beulen, und getrocknetes Blut bedeckte seine blasse Haut überall.

Abgesehen von den äusseren Wunden, schien er mit einem sehr hohen Fieber bewusstlos zu sein, sein Puls war viel zu schwach, und seine Atmung war gestört, als ob eine Rippe in die Lunge stechen würde. Er hielt den Jungen eng an sich gedrückt und apparierte sofort bis an die Schlossgrenze, von wo aus er so schnell wie möglich zum Schloss hochlief. Trotz der Eile brauchte er ein paar Minuten, weil er sich bemühte, möglichst gleichmässig zu laufen ohne grosse Erschütterungen, um den Zustand des Kindes nicht noch zu verschlimmern. Er rannte direkt in den Krankenflügel und schrie nach Madam Pomfrey, die glücklicher Weise direkt aus ihrem Büro kam, als sie ihn hörte.

"Was…" Was auch immer sie sagen wollte, wurde unterbrochen durch ihren Schreckensschrei. Sie rannte hinüber zu dem Kind, das Severus auf das ihrem Büro am nächsten gelegene Bett gebettet hatte, erfasste seinen schlechten Zustand und warf Severus einen verwirrten Blick zu.

"Wer ist dieses Kind?" fragte sie vorsichtig, und Severus zog eine Augenbraue hoch, als er antwortete.

"Dieses Kind, liebe Poppy, ist Harry Potter, der anscheinend von seinem eigenen Onkel misshandelt wurde." Poppy eilte zurück in ihr Büro, holte verschiedene Heiltränke und wandte sich dem Kind zu.

"Severus, bitte hol eine Schüssel mit lauwarmem Wasser und einen sauberen Lappen und beginne ihn zu waschen. Ich glaube nicht, dass wir viel Zeit zu verschwenden haben." Sie bewegte ihren Zauberstab mehrfach über Harry, bis sie drei Blätter mit Notizen in der Hand hielt, um die genauen Probleme des Kindes festzustellen.

"Mein Gott…" murmelte sie zu sich selbst und begann, zunächst die gebrochenen Rippen zu heilen, da sie tatsächlich in eine Lunge stachen. Beide arbeiteten etwa drei Stunden lang intensiv an dem kleinen Jungen, bis sie alles erledigt hatten, das zur Zeit für ihn getan werden konnte. Dann sezten sie sich auf zwei Stühle, die Severus neben das Bett gezogen hatte, und Severus beauftragte einen Hauself, den Schulleiter zu holen und für ihn und Madam Pomfrey, die offensichtlich erledigt war, Tee zu bringen. Beide schauten traurig auf das Kind, bis Dumbledore den Krankenflügel betrat. Poppy seufzte und begann, ihm eine Zusammenfassung davon zu geben, was sie beide während der letzten drei Stunden für das Kind getan hatten.

Schliesslich seufzte sie und fuhr fort "Es tut mir leid, Albus, aber sein Zustand ist immer noch sehr schlecht. Er hat Asthma, das er durch die Lungenentzündung bekommen hat, unter der er leidet; seine Temperatur ist gefährlich hoch, seine Augen sind wahrscheinlich irreparabel geschädigt, und eine der Verletzungen an seinem Fuss ist so entzündet, dass ich nicht weiss, ob wir den Fuss retten können. Abgesehen davon ist er noch immer bewusstlos. Vielleicht wird er ein wenig sehen können, aber auf jeden Fall nicht sehr gut. Er wird wahrscheinlich überleben, aber ganz sicher bin ich noch nicht; jetzt können wir nur warten." Ihre Augen füllten sich mit Tränen, und der Direktor sank in einen Stuhl und murmelte zu sich selbst.

"Mein Gott…, was habe ich getan? Ich habe ihn dort hingegeben, weil ich dachte, er wäre dort sicher." Severus legte eine Hand auf die Schulter seines Mentors und sagte beruhigend,

"Du konntest es nicht wissen, Albus. Meinst Du, ich hätte ihn da gelassen, wenn ich es gewusst hätte? Wenn er überlebt, werde ich ihn zu mir nehmen, Albus, nur dass Du es weisst. Soviel ich auch immer meinen Cousin gehasst habe, ist das nicht Harrys Schuld, und er ist immerhin mein Neffe." Dumbledore nickte ihm kurz zu, seine blauen Augen voll mit Tränen.


Eine Woche später hatte sich Harrys Gesundheitszustand noch nicht geändert. Bei der Willkommensfeier beobachtete Minerva McGonagall besorgt ihren jungen Kollegen; er sah aus, als hätte er Nächte lang nicht geschlafen, obwohl er es gut verstecken konnte. Sie jedoch kannte ihn zu gut, um sich davon in die Irre führen zu lassen. War er krank?

"Severus," sprach sie den Professor hinter Albus Rücken an. "Was ist los mit Dir? Bist du krank?" Severus schüttelte fast unmerklich den Kopf und flüsterte zurück

"Können wir uns heute abend direkt bei Beginn der Schlafenszeit in Albus Büro treffen? Ich möchte gerne etwas mit Euch beiden besprechen." Minerva stimmte sofort zu, und Albus sagte

"Das werden wir tun mein Junge." Severus versuchte nun, seine Gedanken in Hogwarts zu behalten und daran zu denken, was er den Erstklässern beim anschliessenden Haustreffen im Slytherin Gemeinschaftsraum erzählen wollte. Er bemerkte nicht, dass Minerva ihn die ganze Zeit über besorgt beobachtete.


Später am Abend strich er durch die leeren Gänge von Hogwarts, sein schwarzer Umhang hinter him herflatternd, zum Büro des Direktors, wo Minerva und Albus bereits auf ihn warteten. Er lehnte das angebotene Zitronenbonbon mit einem stechenden Blick in Richtung Dumbledore ab und begann sehr ernst zu sprechen.

"Ich habe etwas mit Euch zu diskutieren. Es ist ein sehr ernstes Gespräch, also hört mir bitte erst einmal zu, bis ich fertig bin mit dem, was ich zu sagen habe. Ich habe einen Plan entwickelt, der beinhaltet, vier Jahre in die Vergangenheit zurückzukehren, um die Leben von Lily und James Potter zu retten und Harry eine zweite Chance für eine Kindheit zu geben." Minervas Schnaufen ignorierend fuhr er fort

"Zunächst habe ich angefangen, Floo-Pulver zu erforschen. Ich möchte ein Floo-Pulver erfinden, das mich in die Vergangenheit und später wieder zurück in die Zukunft bringen kann. Sobabld ich geschafft habe, dies zu erfinden, möchte ich in die Vergangenheit reisen." So kurz aber präzise wie möglich erklärte er den beiden verblüfften Professoren, was er plante zu tun.

"Allerdings," sprach er weiter, "brauche ich Hilfe. Ich brauche jemanden, der mit mir kommt; jemand, den sowohl die Potters als auch mein jüngeres Selbst gut kennen. Ich habe eigentich nicht vor, in der Vergangenheit mit den Potters zu reden, aber man kann ja nicht genau wissen, wie es sich entwickelt. Deshalb hatte ich schon überlegt, vielleicht Remus Lupin zu bitten mich zu begleiten; allerdings könnte sein Zustand zu einem Problem werden. Das ist alles, worüber ich mir bisher Gedanken gemacht habe. Was denkt ihr?" Der Raum war für ein paar Minuten still, bis Minerva als erste sprach.

"Würde es helfen, wenn ich mitkäme?" Severus Kopf schoss in die Höhe, und er wart Minerva einen erstaunten Blick zu.

"Du?" fragte Albus, und das Funkeln in seinen Augen hatte für den Moment aufgehört.

"Gesprächig wie immer, Albus; Ehrlich gesagt, hatte ich überhaupt nicht an Dich gedacht bei dieser Sache, aber, JA, Minerva, es würde mir sehr helfen, und ich weiss Dein Angebot sehr zu schätzen." Er wandte sich an Dumbledore.

"Albus, wäre es Dir möglich, uns einen Brief für Dein jüngeres Selbst mitzugeben und ihn zu bitten, dass er uns für die Zeit unseres Aufenthalts in der Vergangenheit in Hogwarts wohnen lässt? Er muss auch wissen, dass er Minervas jüngeres Selbst informieren muss, dass ihr älteres Selbst im Schloss herumläuft, sowie dass er Remus Lupin einladen muss für den Fall, dass wir seine Hilfe brauchen. Wir werden natürlich auch mein jüngeres Selbst brauchen."

Albus kicherte und sagte "Aber natürlich, mein lieber Junge; ich werde alles mit meinem jüngeren Ich arrangieren, und ich bin sicher, dass er Euch soviel er kann helfen wird. Unter diesen Umständen ist es vielleicht eine gute Idee, wenn Du Minerva dabei hast, weil sie die einzige Person ist, in die ich immer das meiste Vertrauen hatte und auch haben werde. Mein jüngeres Ich wird jede Geschichte glauben, die sie erzählt." Er dachte einen Augenblick nach, bevor er hinzufügte

"Severus, das weiss niemand; deshalb muss ich darauf bestehen, dass Du niemandem erzählst, was ich Dir jetzt anvertraue. Minerva ist meine Frau. Wir sind seit zwanzig Jahren verheiratet." Seine Augen hatten ihr normales Funklen wieder angenommen. Minerva konnte ihr Erröten nicht verstecken, und Severus grinste.

"Sehr gut" sagte Severus und erhob sich. "Vielen Dank fürs Zuhören, Euer Verständnis und für Eure Unterstützung; ich weiss es wirklich zu schätzen. Ich werde mich jetzt auf die Entwicklung des Floo-Pulvers konzentrieren und schätze, dass es ein paar Wochen dauern wird, bis wir aufbrechen können. Wir sollten uns in ein paar Tagen für eine weitere Diskussion treffen, und vielleicht könnt Ihr auch mal ein bischen über alles nachdenken, z.B. auch darüber, wie lange wir in der Vergangenheit bleiben sollten und so weiter." Als die beiden älteren Professoren zur Zustimmung nickten, wünschte er ihnen eine gute Nacht und verliess den Raum. Auf dem Weg zurück in die Kerker machte er einen kleinen Umweg über den Krankenflügel, um ein paar Stunden mit Harry zu verbringen und über seinen Plan nachzudenken, wie er es in der vergangenen Woche jede Nacht getan hatte.


Harry schwebte aus einem tiefen Koma hinüber zu einem schwachen Unbewusstsein und war schon fast dabei, in einen einfachen, tiefen Schlaf zu driften, als er die Gegenwart einer anderen Person sowie den waagen Geruch von Kräutern registrierte, welcher etwas tangierte, das tief in seinem Unterbewusstsein ruhte. Severus sass auf dem Stuhl neben dem Bett des Kindes, tief in Gedanken versunken. Plötzlich jedoch merkte er, dass sich etwas geändert hatte. Er warf einen Blick auf Harry und sah, dass der Junge sich ein ganz wenig bewegte. War er bei Bewusstsein? Severus beschloss, zu ihm zu sprechen, aber was sollte er dem Kind sagen? Er würde sicher nicht einmal wissen, wer er war.

Harry hörte eine ruhige, seidene Stimme, die mit ihm sprach. Sie war nett und beruhigend und erzählte von Lily und James. Wer waren Lily und James? Oh, er erinnerte sich, das waren seine Eltern, aber sie waren gestorben, als er ein Baby war. Stop; warum redete jemand von seinen Eltern? Hiess das, dass er jetzt auch tot war? Hatte Onkel Vernon ihn so viel geschlagen, dass er letztendich mit seinen Eltern zusammen sein konnte? Allein der Gedanke an seinen Onkel versetzte ihn in einen Panik-Anfall. Er wachte auf und stellte fest, dass er nicht atmen konnte. Aber da war wieder die ruhige, seidene Stimme, und jemand hielt eine kühle Hand auf seine brennende Stirn.

"Beruhige Dich, Harry; alles ist in Ordnung; Du bist sicher hier" hörte er die Stimme sagen, während die kühle Hand auf seiner Stirn blieb,und ihn der leichte Geruch nach Kräutern umgab. Er versuchte langsam, seine Augen zu öffnen, aber er konnte kaum etwas erkennen; alles, das er sehen konnte, war schwarz, bis er endlich ein Gesicht direkt vor ihm ausmachen konnte. "Harry" sagte die Stimme wieder und fuhr fort "Du wirst Dich nicht an mich erinnern können, aber ich bin Dein Onkel Severus; ich bin der Cousin Deines Vaters. Du bist sicher hier, und Dein Onkel Vernon ist nicht hier; alles ist in Ordnung."

"Bin ich tot?" krächzte Harry, aber Severus hob seine Hand, um ihn zu stoppen und sagte

"Rede jetzt noch nicht. Lass mich erst einmal gehen und Dir ein Glass Wasser holen, okay? Warte mal einen Augenblick." Harry konnte nicht klar sehen, aber er konnte eine grosse schwarze Gestalt erkennen, die sich von ihm wegbewegte, und bevor er in der Lgae war, all die Informationen zu speichern, kam die Gestalt wieder zurück und hielt ihm etwas hin. "Trink das, Harry; es ist Wasser, und Du wirst Dich nachher besser fühlen" sagte Severus und hielt das Glas für Harry, um zu vermeiden, dass er zu gierig trank.

"Bin ich tot?" wiederholte er seine Frage und merkte, dass das Wasser tatsächlich geholfen hatte und es nun einfacher war zu sprechen. Die seidene Stimme kicherte, und der Mann– was hatte er gesagt war sein Name, Onkel Sevus– erklärte,

"Nein, Harry, Du bist nicht tot. Allerdings hat Dir Dein Onkel sehr wehgetan, und nur durch Zufall habe ich Dich gefunden und Dich hier nach Hogwarts gebracht, an die Schule, an der ich unterrichte, und unsere Heilerin, Madam Pomfrey, hat Dich, soweit sie konnte, geheilt." Als er Harrys verwirrten Blick bemerkte, fügte er hinzu "Du musst nie wieder zu den Dursleys zurückkehren, und wenn Du möchtest, kannst Du in Zukunft bei mir bleiben." Harry schaute auf seine Hände, die er kaum ausmachen konnte, und versuchte zu verbergen, wie sehr sie zitterten, als er flüsterte

"Aber… aber… ich bin nur ein freak und eine Last, und niemand will mich." Zum Glück konnte Harry nicht den ärgerlichen Ausruck in Severus Gesicht sehen, als dieser in einer sanften aber bestimmten Stimme sagte

"Harry, Du bist weder ein freak noch eine Last, und ich möchte, dass Du mit mir lebst. Allerdings bist Du noch sehr krank und wirst noch ein paar Tage oder möglicherweise Wochen hier im Krankenflügel verbringen müssen." Harry schenkte Severus ein schwaches Lächeln, das aber nicht seine Augen erreichte; alles tat einfach so weh. Severus erkannte den Schmerz, der deutlich in seinen Augen stand und fragte "Harry, Du hast Schmerzen, nicht wahr? Kannst Du mir sagen, wo es wehtut?" Harry was dies sehr unangenehm, und er errötete. Niemand hatte ihn bisher so etwas gefragt. Was sollte er antworten? Er räusperte sich und sagte

"Mir geht es gut, Professor."

Severus grunzte und erklärte ihm streng "Harry, ich weiss, dass es Dir überhaupt nicht gut geht, und ich kann Dir nur helfen, wenn Du mir genau sagst, wo es wehtut. Wenn Du darüber nicht sprechen möchtest, werde ich Madam Pomfrey für Dich holen. Sie wird Dich untersuchen und in der Lage sein, Dir zu helfen; okay?" Harry warf ihm einen unsicheren Blick zu, und Severus sagte beruhigend "Alles ist in Ordnung; Pomfrey ist nett, sie ist diejenige, die Dich geheilt und Dein Leben gerettet hat. Damit sie Dir allerdings wirklich helfen kann, musst Du alle ihre Fragen brav beantworten." Harry nickte ihm leicht zu und fragte kleinlaut

"Bleibst Du bei mir, Onkel Sevus?" Severus grinste und verbesserte Harry sanft, bevor er ihm eine positive Antwort gab und ging, um Poppy zu holen. Auf dem Weg machte er sich kurz Sorgen, was Harrys Reaktion sein würde, wenn er sie ihren Zauberstab benutzen sehen würde, aber dann fiel ihm ein, wie schlecht Harrys Augen waren und schob den Gedanken beiseite. Harry merkte schnell, dass Madam Pomfrey sehr nett war und ihm wirklich helfen wollte. Deshalb spielte er gut mit und wurde mit mehreren Heitränken und einem Schlaftrunk als Nachtisch belohnt. Sobald Harry eingeschlafen war, eilte Severus in die Kerker, um selbst auch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, seine Forschungen zum Floo-Pulver fortzusetzen und einen anderen Trank vorzubereiten, den er vor ein paar Wochen erfunden hatte und auch für seine Reise benötigen würde.


Nach vier Wochen war das Pulver fertig, das Severus für die Reise in die Vergangenheit und zurück brauchte. Der andere Trank war auch fast fertig; er würde nur noch drei Tage benötigen. Eines Abends bat er nach dem Abendessen Albus und Minerva um eine Unterredung nach der Schlafenszeit, und wenn sich die Professoren im Büro des Schulleiters tragen, erzählte er den anderen

"Bitte beobachtet mal die Feuerstelle; ungefähr um 10:30 sollte dort eine Ratte ankommen, obwohl es sehr schwierig ist, den genauen Zeitpunkt vorherzusagen." Die Ratte war eine Minute spät, und Severus grinste schlemisch. "Na prima; eine weitere Ratte sollte in ein paar Minuten ankommen." Alle starrten in die Feuerstelle, die in der Tat nach ein paar Minuten wieder grün aufleuchtete, als eine zweite Ratte ankam. Albus Augen funkelten fröhlich.

"Habe ich recht, wenn ich annehme, dass Du die Methode für Eure Reise gefunden hast, mein Junge?" fragte er freundlich, und Severus gab ihm ein erleichertes Nicken. Die drei redeten und planten mehrere Stunden lang, und Minerva und Severus beschlossen, am Samstag morgen zu reisen, so dass sie bei ihrer Rückkehr Spielraum über das ganze Wochenende hatten.


Während der nächsten Tage verbrachte Severus jeden Abend mit Harry in der Krankenstation. Da er nicht 100-prozentig sicher sein konnte, dass er während des Wochenendes sicher zurückkommen würde, hatte er sich entschieden, verschiedene Vorsichtsmassnahmen in Bezug auf Harry zu ergreifen. Eine davon war, Harry über Magie zu erzählen. Es dauerte ein paar Stunden, bis Harry begriff, dass Magie real war, und dass sie in der Tat Zauberer waren. Am nächsten Tag machte er Harry mit Albus Dumbledore bekannt und erzählte ihm, dass er auch ein guter Freund seiner Eltern und zudem der Schulleiter dieser Schule sei, und dass Harry in seiner Gegenwart sicher sei.

Am Freitag abend erklärte er ihm, dass er nun die Vormundschaft über Harry habe und Harry bei ihm in Hogwarts bleiben und hier aufwachsen könne; sollte ihm allerdings etwas zustossen, könne sich Harry immer daruaf verlassen, dass Albus sich um ihn kümmern würde. Und schliesslich erzählte er ihm, dass Minerva, die nette ältere Leherin, die er vor ein paar Tagen kennengelernt hatte und die ihm den Stofftier-Drachen gezaubert hatte, den Harry eifrig knuddelte, mit Severus zusammen am nächsten Morgen in die Vergangenheit reisen würde, um zu versuchen, seine Eltern zu retten.

"Wir werden versuchen, morgen oder spätestens am Tag danach zurück zu sein, und bis dahin wirst Du schon wissen, ob wir Erfolg hatten. Bitte Harry", sprach er weiter, "sprich mit niemandem ausser Professor Dumbledore oder Madam Pomfrey darüber, da sie die einzigen sind, die darüber Bescheid wissen, und das sollte auch so bleiben. Darüber hinaus, mache Dir keine Sorgen, falls wir morgen abend noch nicht zurück sind; vielleicht komme ich erst am Tag danach; aber Albus wird Dich jeden Abend besuchen kommen, und mit ihm darfst Du über alles reden, über das Du sprechen möchtest. Nun versuch mal zu schlafen, mein Junge."

Sobald Harry eingschlafen war, hastete er in Richtung Kerker, um noch einmal zu überprüfen, dass alle Dinge, die er in der Vergangenheit brauchen würde, ordentlich in seinem Koffer verstaut waren. Diverse Heiltränke, ein paar Fläschchen mit seinem neuen Vielsafttrank, eine Packung von Albus neuestem Typ von Zitronenbonbons für Albus jüngeres Selbst, ein Foto vom kranken und misshandelten Harry sowie Kopien von etlichen Zeitungsausschnitten von vor vier Jahren. Remus hatte ihm diese zukommen lassen, nachdem Albus ihn über die bevorstehende Reise informiert hatte, und Remus hatte ihm sogar einen Brief für sein jüngeres Selbst mitgegeben, in dem er dem vier Jahre jüngeren Remus alles erklärte und um seine Unterstützung bat.

Diesen Brief, allerdings – so wie Albus Brief an den jüngeren Schulleiter – packte Severus in eine der vielen Taschen seines Umhangs, den er am nächsten Tag tragen würde. Dort verstaute er auch einen Beruhigungstrank, zwei Magenberuhigungstränke und zwei Kopfschmerztränke in einer anderen Tasche, da er nicht wusste, wie lange die Floo-Reise dauern würde und wie sie sich anschliessend fühlen würden. Schliesslich holte er das Floo-Pulver, das er für die Rückkehr in die Zukunft benötigte und tat ein Fläschchen in seinen Umhang und für alle Fälle, obwohl er grundsätzlich unbrechbare Fläschchen benutzte, ein weiteres Fläschchen in seinen Koffer. Er musste in der Vergangenheit nur noch Elfenhaar hinzufügen, 1 mm pro Tag, und es unter das Pulver mischen. Das Pulver, das sie am nächsten Tag brauchten, stand bereits auf dem Tisch. Nachdem er ein paar Umhänge und Unterwäsche in seinen Koffer gepackt hatte, verkleinerte er ihn und packte ihn in eine weitere Tasche in seinem Umhang. Dann entschied er sich, ein paar Stunden zu schlafen, und ging zu Bett.


Vor dem Frühstück am Samstag morgen statte er nochmals Harry einen kurzen Besuch ab und erinnerte ihn daran, ruhig zu bleiben, was auch immer passieren würde, denn er würde auf jeden Fall zu ihm zurückkommen. Harry gab ihm ein trauriges, aber vertrauensvolles Lächeln und gab vorsichtig der Umarmung nach, in die Severus ihn gezogen hatte, vorsichtig, so dass der Junge nicht spürte, wie unwohl er, Severus, sich dabei fühlte, jemanden zu umarmen.

Nach dem Frühstück versammelten sich Minerva und Severus in Albus Büro, um seine Feuerstelle zu benutzen, um genau an die selbe Stelle, nur in einer anderen Zeit, zu reisen. Nach einem kurzen Blick in Minervas Gesicht reichte Severus ihr den Beruhigungstrank und fragte "Möchstest Du es lieber jetzt oder später, Minerva?" Sie errötete ein wenig, nahm das Fläschchen und sagte

"Danke schön, Severus", bevor she den Trank austrank und das leere Fläschen an ihren Mann gab. Albus reichte beiden eine silberne Halskette mit einem Phoenix-Anhänger und erklärte, dass es sich hierbei um einen Portkey handele, der sie jederzeit zurück in sein Büro bringen würde. Der Schulleiter umarmte beide und gab seiner Frau einen Kuss auf die Backe, bevor er sagte

"Nun, bitte geht zusammen in die Feuerstelle. Ihr müsst zusammenbleiben, und ich werde das Pulver für Euch hineinwerfen. Ich habe Dein übriges Floo-Pulver hier an einem sicheren Platz versteckt, und solltest Ihr nicht bis Weihnachten zurück sein, komme ich hinter Euch her, um Euch zurückzuholen." Severus trat in die Feuerstelle und nahm Minerva, die direkt hinter ihm herkam, in seine Arme, so dass sie gemeinsam reisen konnten. Albus warf das Floo-Pulver ein und rief

"Schulleiter-Büro, Hogwarts," und die Welt begann sich zu drehen… und drehen… und alles drehte herum und nochmal herum – es war schrecklich und wollte einfach nicht enden. Severus sagte beruhigend

"Schliess Deine Augen, Minerva, und versuche nicht den Beruhigungstrank zu erbrechen; ich habe keinen anderen bei mir."

Fortsetzung folgt...


Diese Geschichte ist relativ freie Übersetzung meiner Geschichte 'Harry and the different childhood', die ich zunächst auf englisch veröffentlicht hatte.

Vielen Dank fürs Lesen - bitte gebt mir doch ein kurzes Review und sagt mir was Ihr von der Geschichte haltet :-)