Harry und das Elixier der Zeit

Beim Willkommensfest bemerkt Poppy, dass der elfjährige Harry einen Tarnzauber an sich hat, Severus kümmert sich um Harry, und gemeinsam entscheiden sie, eine Zeitreise zu unternehmen – werden sie es schaffen, Harrys Eltern zu retten? Diese Geschichte ist vollkommen AU, einige Charaktere sind OOC.

Keine der Charaktere in dieser Geschichte gehören mir; sie gehören alle J.K.Rowling oder sind frei erfunden, und ich verdiene nichts am Schreiben dieser Geschichte.


Kapitel 1 – Eine überraschende Auswahlzeremonie

"Die Decke ist so verzaubert, dass sie wie der Himmel aussieht" erklärte ein Erstklässler-Mädchen mit buschigem, braunen Haar ihren Mitschülern, als sie Professor McGonagall durch die grosse Halle folgten, bis ihnen kurz vor dem Lehrertisch Einhalt geboten wurde. Harry wartete geduldig darauf, dass sein Name aufgerufen wurde, sich fragend, ob der Sprechende Hut ihn wohl sortieren oder ihm erzählen würde, er sei ein Freak und solle das wunderbare Schloss sofort verlassen.

Endlich! Mit "Potter, Harry" rief Professor McGonagall seinen Namen auf. Harry stolperte nach vorne und setzte sich auf den Stuhl, so dass die Lehrerin den Sprechenden Hut auf seinen Kopf setzen konnte.

"Ah, ich kann Mut und Loyalität sehen, aber ich sehe auch andere Züge in Deinem Kopf. Deine Magie ist aussergewönlich stark, aber ich lasse mich nicht von Lügen oder Tarnzaubern täuschen. Nun, wo stecke ich Dich hin?"

"Nur nicht nach Slytherin bitte" flüsterte Harry zurück, in der Hoffnung, dass der Hut auf seine Worte hören würde.

"Oh, nicht Slytherin? Das ist allerdings genau, wohin ich Dich stecken möchte. Warum nicht?"

"Weil sie mir gesagt haben, dass alle schlechten Leute in Slytherin sind, und…"

"Nein," unterbrach ihn der Hut. "Das ist nicht wahr, wie Du sehen wirst." Der Hut war eine Minute lang ruhig, bevor er in einer lauten Stimme sprach, so dass alle es hören konnten:

"Sly…," er hielt an, nur um fortzufahren "…ffindor." Hiermit wurde die Halle mucksmäuschen still. Harry zog den Hut von seinem Kopf und warf einen fragenden Blick zu Professor McGonagall, die direkt neben ihm stand.

"Setzen Sie sich einfach erst einmal an den Gryffindor Tisch. Wir werden später mit dem Hut darüber sprechen" sagte sie und schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. Während die Auswahlzeremonie weiterging, setzte Harry sich an den Gryffindor Tisch. Er war froh, dass er sich neben Ron setzen konnte; er hoffte nur, dass die Professoren nicht darauf bestehen würden, ihn nach Slytherin zu stecken, wenn sie mit dem Hut gesprochen hatten.

"Was für eine Auswahl war das denn?" fragten die Zwillinge, die offensichtlich Rons Brüder zu sein schienen, und Harry erzählte ihnen von seinem Gespräch mit dem Hut.

"Es ist also noch nicht entschieden, ob Du in Gryffindor bleiben kannst?" fragte Ron ihn entsetzt.

Harry schüttelte seinen Kopf und antwortete sehr leise "nein, Professor McGonagall hat mich hier hin geschickt, aber sie sagte, wir würden später noch ein Wort mit dem Hut wechseln."

"Okay, Harry" wandte sich ein älteres Mädchen – die anderen nannten sie Alicia – an Harry. "Ich weiss, dass Du Angst wegen der Geschichte mit dem Sprechenden Hut hast, aber schau mal das Essen an. Das Essen in Hogwarts ist immer ausgezeichnet, aber während des Willkommenfestes ist es immer ein besonderer Schmaus, und Du solltest sowieso etwas essen." Harry lächelte sie zaghaft an, während Hermine, die auf seiner linken Seite sass, Essen auf seinen Teller häufte.

"Danke schön, Hermine" flüsterte Harry und begann, das Essen auf seinem Teller herumzuschieben. Er hätte eigentlich hungrig sein müssen, da er seit ein paar Tagen schon nichts gegessen hatte, aber er war daran gewöhnt, nur ein bis zwei Mahlzeiten in der Woche zu bekommen, ausserdem war er viel zu aufgeregt und verängstigt darüber, was der Hut den Lehrern wohl erzählen würde.


Zur gleichen Zeit war Harrys Auswahl Thema Nummer Eins am Lehrertisch.

"Wie kann der Hut das machen?" fragte Pamona Sprout. "Darüber hinaus, bedeutet das, dass er in zwei Häuser sortiert worden ist?" Severus Snape, der Hauslehrer von Slytherin, lächelte höhnisch.

"Du glaubst das nicht selber, oder?" fragte er abfällig. "Ein Potter in Slytherin?"

"Bitte, Severus, benimm Dich" wies Minerva McGonagall ihren jüngeren Kollegen zurecht. "Harry ist nicht sein Vater, und Du kennst ihn ja überhaupt nicht." Sie wusste auch nicht, was sie von dieser Angelegenheit halten sollte. "Albus?" fragte sie den Schulleiter, der neben ihr saß.

"Ich glaube, dass der Hut tatsächlich Harry in zwei Häuser gewählt hat. Der Hut hat noch nie einen Fehler gemacht, deshalb nehme ich an, dass er dies absichtlich getan hat. Darum denke ich, dass Harry in beide Häuser gehören sollte. Er wird zwei Hauslehrer haben, er darf sich aussuchen, ob er in Gryffindor oder Slytherin schlafen möchte, und die Gemeinschaftsräume beider Häuser sollten ihm offen stehen. Die Punkte, die er verdient, werden zwischen beiden Häusern geteilt, und umgekehrt die Punkte, die er verdient, werden beiden Häusern gleichmässig zur Hälfte abgezogen."

Plötzlich sprach Poppy Pomfrey. "Severus, tu mir bitte einen Gefallen und schau Dir Harry Potter so gründlich, wie Du es aus der Entfernung kannst, an. Ich bin sicher, dass er einen Tarnzauber um sich hat."

"Was?" fragte Minerva entsetzt. "Meinst Du, er ist gar nicht Harry Potter?"

Sich der Tatsache bewusst, dass alle sie erwartungsvoll anschauten, antwortete Poppy "Das ist nicht was ich denke. Er ist wahrscheinlich Harry Potter, aber er scheint etwas zu verstecken. Er muss über sehr starke Magie verfügen, um solch einen Tarnzauber um sich zu haben, aber ich habe so viel Erfahrung mit Severus und seinen Tarnzaubern, dass ich mich nicht einfach täuschen lasse."

Severus runzelte die Stirn. Er hatte nur Tarnzauber verwendet, um Verletzungen zu verbergen, so dass andere sie nicht sehen konnten. Warum sollte also ein Kind – nein, ein sicherlich ausserordentlich verwöhntes Kind, verbesserte er sich selber – mit der Notwendigkeit konfrontiert werden, einen Tarnzauber auf sich zu legen? Er warf einen durchdringenden Blick auf das Subjekt der Aufmerksamkeit, das am Gryffindor Tisch saß.

"Ich bin nicht 100 Prozent sicher, aber ich denke, Du könntest recht haben, Poppy" gab Severus schliesslich zögernd zu. "Aber warum? Könnte er mishandelt worden sein? Ich kann mir eigentlich nur vorstellen, dass er ein verwöhnter Fratz ist, der sogar an besseres Essen gewöhnt ist, da er bisher noch keinen Bissen gegessen hat. Er spielt nur mit dem Essen."

Albus seufzte. Er konnte sich auch keinen Grund vorstellen. Es war jedoch unabdinglich, mit dem Kind zu sprechen. "Wir werden ihn bitten, nach dem Abendessen mit in mein Büro zu kommen, um die Situation seiner Auswahl in zwei Häuser zu diskutieren. Dabei brauche ich Minerva und Severus sowieso, und vielleicht könntest Du uns auch Gesellschaft leisten, Poppy, so dass Du einen näheren Blick auf ihn werfen kannst, und ihn – wenn nötig – nach dem Tarnzauber fragen kannst."

Seine Kollegen bezeugten ihr Einverständnis, und Minerva ging zum Gryffindor Tisch hinüber und erklärte "Mr. Potter, bitte begleiten Sie uns direkt nach dem Abendessen zum Büro des Schulleiters. Ich werde Sie dann später in Ihren Schlafsaal bringen."

"Ja, Professor," antwortete Harry so ruhig wie möglich, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder seinen Klassenkameraden zuwandte, die gerade begonnen hatten, sich untereinander vorzustellen. Viel zu bald war das Essen vorüber, und Harry wanderte zögernd zum Lehrertisch, wo Professor McGonagall und Professor Snape bereits auf ihn warteten.


"Keine Angst, Harry. Alles wird okay sein" ermutigte Minerva Harry, während sie die Treppen zum Büro des Schulleiters erklommen. Professor Dumbledore begrüsste sie und bot Harry ein Zitronenbonbon an, das er der Höflichkeit halber annahm. Er schaute sich um und betrachtete fasziniert einen bunten Vogel, der auf einem Vogelbaum saß und ihn mit einer kurzen Melodie begrüsste. Dumbledore gab Harry ein Zeichen sich hinzusetzen, und er gehorchte, indem er sich zwischen Minerva und Severus niederliess.

"Nun, Harry, zunächst einmal möchte ich Dir Deine Lehrer vorstellen" fing Albus an zu reden. Als er bemerkte, dass Harry Severus mit einem unsicheren Blick bedachte, fuhr er fort "Auf Deiner rechten Seite ist Professor Snape; er ist der Hauslehrer von Slytherin. Auf Deiner linken Seite ist Professor McGonagall; sie ist die Hausvorsteherin von Gryffindor. Die Dame neben mir heisst Poppy Pomfrey; sie ist unsere Heilerin. Wie Du vermutlich weisst, bin ich Albus Dumbledore, der Leiter dieser Schule."

Harry lächelte den Lehrern schüchtern zu und sagte leise "Ich freue mich, Sie kennenzulernen."

"Also, ich glaube, dass sich der Sprechende Hut heute ein wenig seltsam benommen hat. Er hat Dich in der Tat in zwei verschiedene Häuser einsortiert, Gryffindor und Slytherin. Stimmt das, Harry?" fragte Dumbledore den scheinbar verängstigen Jungen sanft.

"Ja, Professor," sagte Harry zögernd und betrachtete seine Hände intensiv. "Wir hatten eine kleine Diskussion, und dann hat der Hut letztendlich... um… gesagt, was jeder hören konnte. Ich weiss nicht …" Er verlor sich langsam. Harry bemerkte nicht die durchdringenden Blicke, mit denen Poppy und Severus ihn bedachten, während Albus zu dem Regal hinüberging, auf dem der Sprechende Hut saß, und sich leise mit ihm unterhielt.

Nachdem er Harry nun eine Weile lang beobachtet und jede Bewegung wahrgenommen hatte, war Severus fast sicher, dass der Junge nicht nur einen Tarnzauber trug, sondern auch misshandelt sein musste. Erinnerungen an einen anderen Elfjährigen, der vorsichtig seine Verletzungen verstecken musste, bevor er nach den Ferien nach Hogwarts zurückging, begannen sich in seinem Kopf bemerkbar zu machen.

"Es ist alles in Ordnung, Mr. Potter" hörte Severus sich selbst sagen. "Sie haben nichts falsch gemacht, und es ist kein Problem." Harry schielte vorsichtig zu dem augenscheinlich unfreundlichen Professor, der in einer sehr sanften, seidigen Stimme gesprochen hatte. In der Zwischenzeit war Albus zu seinem Platz zurückgekehrt und begann zu reden.

"Ich habe den Hut gefragt, und er hat Dich tatsächlich in beide Häuser einsortiert, Gryffindor und Slytherin. Das ist bisher noch nie passiert, deshalb können wir mit der Situation so umgehen, wie wir es für angemessen halten. Für Dich, Harry, bedeutet das, dass Du zu beiden Häusern gehörst. Du kannst Dir aussuchen, in welchem Schlafsaal Du die Nächte verbringen willst. Du darfst beide Gmeinschaftsräume benutzen, und Du wirst zwei Hauslehrer haben, Professor McGonagall und Professor Snape. Wenn Du Punkte für Dein Haus erlangst, werden sie gleichmässig zwischen beiden Häusern aufgeteilt, solltest Du Punkte verlieren, werden sie gleichmässig je zur Hälfte abgezogen. Hast Du mich soweit verstanden?"

Harry nickte. "Ja, Professor, das verstehe ich. Vielleicht könnte ich die Nächte in Gryffindor verbringen, weil ich mich bereits mit Ron Weasley angefreundet habe und gerne einen Schlafsaal mit ihm teilen würde."

"In Ordnung, Harry. Sie werden dann im Gryffindor Erstklässer-Schlafsaal schlafen" bestätigte Professor McGonagall in ihrer strengen Stimme, obwohl sie den aufgeregten Jungen anlächelte. "Sie können dies jederzeit ändern. Allerdings müssen Professor Snape und ich, sowie Ihre Zimmergenossen jederzeit wissen, wo Sie die Nacht verbringen. Sie müssen dafür sorgen, dass wir immer wissen, wo Sie sind" fügte sie hinzu.

"Allerdings" warf Professor Snape ein, "da Sie zu beiden Häusern gehören, wird von Ihnen verlangt, dass Sie zu beiden Häusern Kontakt halten und sich mindestens einmal am Tag in beiden Gemeinschaftsräumen sehen lassen. Ich erwarte ebenfalls, dass Sie an jedem der beiden Tische in der Grossen Halle mindestens eine Mahlzeit am Tag zu sich nehmen."

"Ich werde es nicht vergessen, sir" sagte Harry ernsthaft und schielte furchtvoll zu dem strengen Lehrer neben ihm. Er bemerkte nicht, dass Albus und Severus einen Blick mit Poppy tauschten, die ihnen bestätigend zunickte.

"Nun, Harry, ich glaube, dass Poppy etwas mit Dir zu besprechen hat" kündigte der Schulleiter an, und Harry schaute neugierig zu der freundlichen Dame ihm gegenüber hin.

"Harry," sprach Poppy ihn sanft an, "ich würde gerne wissen, warum Sie Tarnzauber um sich haben."

Harry blickte sie fragend an. "Ich habe was?" fragte er, völlig im unklaren darüber, was die Frage zu bedeuten hatte.

Poppy und Severus tauschten einen kurzen Blick aus. "Tarnzauber" wiederholte Poppy freundlich. "Sie ändern Ihr äusseres Aussehen."

Harry war völlig geschockt. Er hatte nichts um sich. Was meinte sie? Unsicher, wie er reagieren oder antworten sollte, wurde er sehr ängstlich und merkte, dass er auf einmal Schwierigkeiten hatte zu atmen. Er bemerkte kaum, dass Minerva seine Hand nahm, aber er nahm eine freundliche Stimme wahr, die zu ihm sprach.

"Atmen Sie, Harry, alles ist in Ordnung. Versuchen Sie, ruhig zu atmen; Sie können das" sagte Minerva. "Braucht er einen Beruhigungstrank?" fragte sie Poppy, die ihren Kopf schüttelte.

"Nein, ich möchte nicht, dass er irgendwelche Tränke zu sich nimmt, bevor ich ihn untersucht habe."

Severus räusperte sich und sprach abermals sehr sanft, um das ohnehin vor Angst zitternde Kind nicht noch mehr zu ängstigen. "In wenigen Minuten habe ich in Slytherin ein Haustreffen zu halten. Ich schlage vor, dass Mr. Potter mich dorthin begleitet, so dass er am Haustreffen mit seinen Slytherin Hausmitgliedern teilnehmen kann, um diese ein wenig kennenzulernen. Nach dem Treffen werde ich ihn zu Poppys Büro bringen, weil ich denke, dass es vielleicht besser wäre, diese besondere Unterhaltung unter weniger Augen zu führen. Sobald Poppy mit ihm fertig ist, werde ich Minerva rufen, so dass sie ihn zu seinem Schlafsaal in Gryffindor begleiten kann" schlug Severus vor, und alle nickten zustimmend.

"Ja, Severus, das ist eine gute Idee" äusserte Poppy ihr Einverständnis.


"Also gut, Mr. Potter. Lassen Sie uns hinunter zum Slytherin Gemeinschaftsraum, gehen" wandte Severus sich an den Schüler neben ihm und stand von seinem Stuhl auf. Seine dunklen Augen schauten Harry suchend an, aber er schien nichts mehr sagen zu wollen. Harry beeilte sich, ebenfalls aufzustehen und folgte dem Professor aus dem Büro. Er musste fast laufen, um mit dem schnellen Schritt des Professors mithalten zu können. Dieser steuerte zielstrebig die Kerker an, seine Robe drohend hinter ihm her wehend.

Der Lehrer stoppte vor einem Portrait und erklärte: "Dies ist Salazar Slytherin, der Gründer dieses Hauses. Das Passwort, um in den Gemeinschaftsraum zu kommen, lautet 'Schlangenhöhle'. Merken Sie sich das Passwort gut; anderenfalls wird Salazar Sie nicht hineinlassen."

In der Zwischenzeit hatte sich das Portrait geöffnet, und Lehrer und Schüler betraten den Gemeinschaftsraum, wo viele Studenten versammelt waren. Einige von ihnen lasen; andere sprachen ruhig miteinander. Sobald der Hauslehrer und sein Schüler allerdings gesehen wurden, wurde es still im Raum. Einer der älteren Studenten kam zu ihnen hinüber.

"Guten Abend, Severus," begrüsste er den Professor. "Soll ich die anderen rufen?"

"Dies, Mr. Potter, ist Fabian Zabini, unser Vertrauensschüler im siebten Jahr. Ja, bitte, Fabian." Harry beobachtete fasziniert, wie aus allen Ecken und Winkeln Studenten kamen, die sich in einem Kreis auf den Boden setzten. Severus bedeutete Harry, mit ihm zu kommen und stellte sich vor die Studenten, wo Harry sich sehr unwohl fühlte. Dies bemerkend sprach Severus schnell sein Haus an.

"Willkommen im Haus Slytherin zu einem neuen Schuljahr. Zuallerest möchte ich Euch Harry Potter vorstellen. Er ist im ersten Jahr, und Ihr habt wahrscheinlich alle bei der Auswahlzeremonie mitbekommen, dass der Sprechende Hut ihn in zwei Häuser sortiert hat – Slytherin und Gryffindor. In der Geschichte von Hogwarts ist dies bisher nie vorgekommen, daher weiss niemand ganz genau, was es bedeutet, zu zwei Häusern zu gehören. Ich denke allerdings, dass es eine hervorragende Gelegenheit für Slytherin ist, den anderen Häusern zu demonstrieren, dass wir einzigartig, zuverlässig und loyal gegenüber unseren Mitgliedern sind.

"Harry ist ein volles Mitglied unseres Hauses, so wie Ihr alle, und ich möchte, dass er hier dementsprechend behandelt wird. Zunächst wird er in Gryffindor schlafen – allerdings möchte ich Euch animieren, ihn zu überzeugen, dass es angenehmer wäre, in Slytherin zu wohnen. Er wird jeden Abend in unseren Gemeinschaftsraum kommen, und er wird mindestens einmal am Tag am Slytherin Tisch essen. Seine Hauspunkte werden zwischen uns und Gryffindor geteilt."

Er wandte sich an Harry und zeigte auf eine Gruppe jüngerer Studenten. "Setzen Sie sich da drüben zu Ihren Klassenkameraden" wies er Harry an, der sich beeilte zu gehorchen und neben Draco Malfoy Platz nahm. Severus wandte sich wieder an die Runde.

"Mein Büro ist direkt neben dem Zaubertränke-Klassenraum, den Sie morgen früh kennenlernen werden. Wenn Sie mit mir sprechen wollen, dürfen Sie jederzeit in mein Büro kommen. Zusätzlich werde ich täglich um die Schlafenszeit herum einige Zeit hier in Ihrem Gemeinschaftsraum verbringen. Sie müssen zu diesen Zeiten nicht hier sein, sie können sich auch in Ihrem Schlafsaal aufhalten. Allerdings werden wir jeden Freitag abend ein Haustreffen abhalten, und zwar eine halbe Stunde vor der Schlafenszeit. Hier erwarte ich, dass jeder von Ihnen teilnimmt. Harry, Sie brauchen sich keine Sorgen um die Schlafenszeit zu machen, ich werde dafür sorgen, dass Sie die Gelegenheit bekommen, an unseren Treffen teilzunehmen."

Er schaute in die Runde, bevor er fortfuhr "Hier im Gemeinschaftsraum dürfen Sie mich Severus nennen, so wie ich Sie bei Ihren Vornamen nennen werde. Ausserhalb unseres Hauses müssen Sie mich allerdings mit Professor oder Sir ansprechen, anderenfalls werde ich Hauspunkte abzuziehen haben. Nun möchte ich, dass die Erstklässler sich vorstellen."

Die elf Erstklässler, inklusive Harry, stellten sich vor, und anschliessend schickte Severus alle ins Bett. Harry sagte seinen Klassenkameraden 'Gute Nacht' – sehr erleichtert, weil alle extrem freundlich zu ihm gewesen waren – vielleicht war Slytherin doch gar nicht so schlimm!

"Lassen Sie uns gehen, Harry." Severus seidige Stimme zog ihn aus seinen Gedanken, und Harry folgte seinem Lehrer brav aus dem Gemeinschaftsraum heraus, obwohl er es vorgezogen hätte, einfach jetzt mit den anderen zusammen ins Bett zu gehen, da er sehr müde war. Anscheinend war er zu erschöpft, um mit der Geschwindigkeit des Professors Schritt halten zu können. Plötzlich merkte Severus, dass Harry ein ganzes Stück hinter ihm war und wartete auf ihn.

"Ist alles in Ordnung, Harry?" fragte er mit einer erstaunlich freundlichen Stimme. Harry warf ihm einen unsicheren Blick zu.

"Ja, Professor, es tut mir leid. Wo gehen wir hin?" fragte er zögernd.

"Wir müssen zu Madam Pomfreys Büro im Krankenflügel gehen" erklärte Severus geduldig, während er seinen Studenten langsam durch die leeren Flure geleitete. Harry räusperte sich nervös, während er fieberhaft darüber nachdachte, wie er das fragen könnte, was er fragen wollte.

"Um… Professor?" fing er vorsichtig an und fuhr fort, als er sah, dass der Lehrer ihn erwartungsvoll ansah, "Sie wissen doch, sie hat mich etwas gefragt, als wir im Schulleiterbüro waren." Severus nickte ihm aufmunternd zu. "Es tut mir leid, aber ich weiss nicht, was sie meint. Habe ich etwas falsch gemacht?"

Severus schüttelte seinen Kopf und antwortete, "Nein, Harry, Sie haben nichts falsch gemacht. Wir werden Ihnen Madam Pomfreys Frage gleich erklären, wenn wir in ihrem Büro sind. Sie brauchen sich nicht zu fürchten. Madam Pomfrey ist eine sehr freundliche Dame, und sie meint es wirklich gut mit Ihnen. Darüberhinaus können Sie ihr Dinge anvertrauen, ohne fürchten zu müssen, dass sie es anderen Studenten weiter erzählt. Sie war bereits hier, als ich hier Schüler war, und sie hat mir viele Male geholfen."

Zu bald für Harry erreichten sie den Krankenflügel und gingen direkt in Poppys Büro.


"Da sind Sie ja, Harry" begrüsste Poppy sie, aber Severus unterbrach sie direkt.

"Poppy, ich glaube nicht, dass Mr. Potter Deine Frage auch nur im geringsten verstanden hat. Könntest Du ihm bitte erklären, worum es überhaupt geht?"

Poppy warf einen Blick auf Harry und erklärte geduldig "Ich habe bemerkt, dass Sie einen Tarnzauber um sich haben, und ich würde gern wissen warum. Verstehen Sie meine Frage?"

Harry blickte Severus flehend an und schüttelte leicht den Kopf.

"Alles klar, mein Lieber" meldete sich Poppy wieder zu Wort und erklärte "Ein Tarnzauber ist ein Zauber, der auf magische Weise bestimmte Eigenschaften der äusseren Erscheinung eines Menschen versteckt. Hat jemand einen solchen Zauber auf Sie gelegt, oder haben Sie selbst etwas derartiges getan?"

Harry schüttelte verwirrt den Kopf und sagte "Nein, Madam, es tut mir leid. Ich habe keine Ahnung."

"Okay, Harry. Dann wird es Ihnen nichts ausmachen, wenn ich versuche, den Zauber zu brechen, stimmts?" Harry nickte, und Poppy richtete ihren Zauberstab auf Harry. "Finite Incantatem." Nichts passierte. Poppy runzelte die Stirn und tauschte einen frustrierten Blick mit Severus.

"Anscheinend ist der Zauber sehr stark. Lass es uns gemeinsam versuchen" schlug er vor, und beide richteten ihre Zauberstäbe auf Harry, um den Zauber gleichzeitig zu sprechen.

"Finite Incantatem." Dieses Mal klappte es, und alle drei hielten erschrocken die Luft an.

Fortsetzung folgt...