Eine Ultra-Kurzgeschichte:

Worte brauchen Zeit

So lange nun waren sie schon Freunde.

Bis zu diesem Tage, an dem sich alles ändern würde - denn einer von ihnen musste heute sterben.

Severus blickte dem Blonden unverwandt ins Auge.

Er war immer einer gewesen, der mehr hinter Lucius' eiskaltem Blick gesehen hatte, doch heute traf er auf eine undurchdringliche Wand.

Er hätte wohl genauso reagiert, und vielleicht wirkten seine eignen Augen heute auf seinen blonden Freund ebenso, wie seine auf ihn.

Voldemort würde nicht eher ruhen, bis der Versager Malfoy getötet wäre, oder sich durch einen Mord rehabilitiert hatte. Unmenschliche Regeln - dem Geist eines Ungeheuers entsprungen und dennoch Gesetz unter den Todessern.

Severus gegen Lucius, und des Tränkemeisters Seele schrie gequält, doch sein Mund schwieg.

Gerne hätte er ihm etwas gesagt - gesagt, dass es ihm leid tat. Die Zeit war knapp - und doch wollte er ihm ein einziges Wort zukommen lassen, bevor der Kampf begann. Und ehe Severus sich versah, war es zu spät, denn ein Fluch, von Lucius ausgesprochen, wirbelte bereits auf ihn zu. Es galt zu handeln.

Als Severus den tödlichen Fluch aussandte, in dem festen Wissen, dass es bereits zu spät war, traf ihn im gleichen Moment Lucius' Fluch - und der Blonde fiel, während Severus selbst von einer warmen Welle durchströmt wurde.

Lucius hatte ihm einen Protecto-Zauber gesandt, der Severus, verstärkt durch Lucius' Tod, nun machtvoll schützen würde, solange das Leben des Tränkemeisters währte.

Als Voldemort und seine Todesser zufrieden die Lichtung verlassen hatten, kniete Severus neben seinem Freund nieder und sprach die Worte, für die nun endlich Zeit war. Er wollte um Verzeihung bitten, seinen Dank ausdrücken - doch vergeben hatte Lucius ihm schon vorher und Dank hatte er stets mit einem spöttischen Lächeln abgetan. Und plötzlich wusste Severus, was der Blonde von ihm hätte hören wollen.

"Du bist heute Voldemort entkommen, Luc. Und durch deinen Schutz und deine Hilfe wird es mir vielleicht ebenfalls gelingen. Ich werde alles daran setzen, mein Freund."

Er griff nach den Händen des Blonden und ein Schauer durchfuhr ihn, weil sie noch so lebendig warm waren. Bald würden sie unwiederbringlich erkalten, und Severus wollte sie halten bis es soweit war, damit er lernte zu begreifen, dass Lucius niemals wiederkehren würde.