Luna: Danke! :)


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- Nachdem Hermine alles mit Minerva und Albus geklärt hat (Kapitel 26)


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Normalerweise vermied Minerva es, Dinge anders zu machen als erwartet, nur weil sie davor zurückschreckte. Das lag vor allem daran, dass dieses Verhalten einzureißen drohte, wenn man einmal damit begonnen hatte. So wie jetzt.

Einige derbe schottische Flüche verhallten ungehört in der Mittagshitze. Der Fuchsbau vor ihr wirkte in der flirrenden Luft noch schiefer, als er ohnehin schon war, und sie hasste es, dass sie appariert war, anstatt den Kamin zu benutzen. Nur weil sie Zeit schinden wollte.

Bevor sie zu sehr ins Schwitzen kommen konnte unter ihrem Umhang, setzte sie sich wieder in Bewegung und ging auf die Pforte im zusammengeflickten Gartenzaun zu. Auf dem Briefkasten, der dort zur Tarnung stand, war ein altes Windrad montiert, das leise quietschte, wenn sich ein verirrter Lufthauch in den Rotorblättern verfing. Minerva hielt sich so weit wie möglich davon fern; die Befürchtung, es könne allein durch ihren Blick zusammenbrechen, war nicht allzu weit hergeholt.

Mit dem Betreten des Vorgartens hatte sie anscheinend einen Zauber ausgelöst, der im Haus Alarm schlug, denn mehrere erschrockene Gesichter erschienen hinter den staubigen Fenstern der Hausfront und entspannten sich sichtlich, als sie den Besucher erkannten.

Die Schulleiterin kräuselte die Lippen und versetzte der Pforte einen Stoß, der sie zuerst quietschen und dann klappern ließ. Sie hatte den kurzen Weg zur Hälfte zurückgelegt, als die Haustür geöffnet wurde.

„Minerva! Komm herein, da ist es kühl", begrüßte Molly sie. Und weil sie von dem kurzen Schrecken eben noch etwas aufgeregt war, fügte sie hinzu: „Warum kommst du denn nicht durch den Kamin? Das ist doch viel komfortabler..."

Minerva trat in den dunklen Flur und blieb stehen, um ihren Augen Zeit zu geben, sich an die veränderten Lichtverhältnisse zu gewöhnen. Davon abgesehen wollte sie sich nicht über den Komfort des Weasley'schen Kamins unterhalten. „Ich war nicht in der Nähe einen funktionstüchtigen Kamins, als ich aufbrach", erwiderte sie knapp. Und das stimmte sogar. Sie hätte erst ins Schulleiterbüro gehen müssen.

Bevor Molly die Ausrede hinter ihrer Antwort entdecken konnte, fragte sie: „Sind Arthur und Remus da?"

„Nein, keiner von beiden." Molly sah mit großen Augen zu Minerva hinauf. „Aber komm doch erstmal mit in die Küche, da ist es angenehmer."

Minerva folgte der rundlichen Frau durch den Flur und bog dann nach links in die Küche. Die Temperaturen fielen um mehrere Grad, als sie die Schwelle überschritt, und sie atmete erleichtert auf. Diese sommerliche Hitze war einfach nicht das richtige für sie.

„Remus ist gegangen, kurz nachdem du vorhin über den Kamin mit ihm gesprochen hast. Er hat nicht gesagt, worum es ging, doch er wollte sich mit Harry und Ron im Grimmauldplatz treffen." Die Missbilligung über diese Heimlichtuerei schwang deutlich in Mollys Stimme mit. „Na und Arthur ist im Ministerium. Schon seit den frühen Morgenstunden." Sie warf einen Blick zu der Uhr, die ihr zwar nicht die Zeit, dafür jedoch den Aufenthaltsort ihrer Familie anzeigte. Nach einigen Momenten riss sie sich aus den besorgten Gedanken: „Möchtest du einen Tee?" Sie ergriff eine Kanne von der Arbeitsplatte, in der es eigentümlich klirrte. Eistee.

„Ja, gerne. Danke." Minerva lächelte kurz, dann setzte sie sich an den altersschwachen Küchentisch. Kratzer, Brandflecken, Löcher und diverse andere Zeugen der Zeit säumten die Tischplatte und schienen dem einfachen Möbelstück eine Seele einzuhauchen.

Im nächsten Moment schob sich eine Tasse mit hellbraunem, wohl riechendem Tee in ihr Sichtfeld und Minerva legte dankbar ihre erhitzen Handflächen an das kühle Porzellan.

„Was führt dich her?", stellte Molly schließlich die Frage, die sie schon die ganze Zeit beschäftigte.

Minerva wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als ihr ein roter Haarschopf an der Tür auffiel. Molly folgte ihrem Blick und lächelte kurz. „Ginny, Liebes, geh doch mal nach der Wäsche sehen. Die müsste trocken sein."

„Ist sie", erwiderte das jüngste der Weasley-Kinder. „Ich hab sie heute morgen schon von der Leine genommen."

„Oh ja, natürlich", murmelte Molly und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht.

„Ist etwas mit Hermine?", wandte Ginny sich über die offensichtliche Verwirrung ihrer Mutter hinweg an Minerva und betrat dabei die Küche. Den Fall der Temperaturen ließ sie sich nicht anmerken; vielleicht hatte sie sich schon daran gewöhnt.

„Ja, deswegen bin ich hier." Sowohl Molly als auch Ginny wurden eine Nuance blasser, weswegen Minerva sich beeilte fortzufahren: „Sie ist heute nach Hogwarts zurückgekehrt. Unversehrt und mit Professor Snape im Schlepptau."

Molly schnappte nach Luft und schlug sich eine Hand vor den Mund. „Bei Merlin...", flüsterte sie kaum vernehmlich.

Ginny hingegen blieb still. Keine Regung verzog ihr Gesicht. Erst als sie zu sprechen begann, konnte Minerva einschätzen, was sie von den Neuigkeiten hielt: „Ich wusste, dass sie es schaffen würde."