Dieses Mal ein bisschen schneller und zur Abwechslung aus Harrys Sicht. Keine Angst, Harrys POV werden Ausnahmen bleiben, doch das ist höchstwahrscheinlich nicht die letzte Szene mit ihm. ;)

Poetica: Ich habe nicht vor, die Missing Scenes abzubrechen. Dafür gibt es zu viel in den späteren Kapiteln, das ich noch loswerden möchte. ;) Nur die Updates werden sehr sporadisch und unregelmäßig sein. Eben je nachdem wie ich vorwärts komme.
Kathi: Ja, der Anfang… Ich habe lange überlegt, was bei Severus den Ausschlag gegeben haben könnte. Und irgendwie hielt ich es für passend, dass es etwas war, von dem Hermine nichts mehr weiß. Es hat definitiv seine Meinung von ihr geändert. :)
Eule: Albus und Severus haben bei mir immer eine ganz besondere Freundschaft. Was vor allem daran liegt, dass Severus ihn in demselben Maße hasst wie schätzt. Albus hat ihm das Schlimmste und Beste in seinem Leben angetan. Irgendwie mag ich es, diese Freundschaft näher zu beschreiben.


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zu dieser Szene: Ich habe mir beim Schreiben von ISEM keine Gedanken darüber gemacht, warum Harry Hermine warnen könnte. Es schien einfach richtig. Nachdem einige Leser mich gefragt haben, warum er es getan hat, hab ich mir dann Gedanken gemacht. Und festgestellt, dass es richtig war.


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- am Abend nachdem Hermine den Jungs ihre Sicht auf Severus Snape dargelegt hat (Kapitel 7)


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Harry stand gedankenverloren am einem der riesigen Flügelfenster im Gemeinschaftsraum der Gryffindors und starrte hinaus in die Dunkelheit. Allein die Tatsache, dass er kaum mehr die Peitschende Weide sehen konnte, sprach dafür, dass es schon sehr spät war. Und das wiederum war Grund genug für ihn, nervös mit den Fingern auf dem Fensterbrett zu tippen.

Es lag in seiner Hand. Er könnte sich umdrehen, in den Schlafsaal gehen und so tun, als hätte er niemals etwas bemerkt. Bis vor drei Monaten hätte er das definitiv getan. Sollte die Fledermaus doch dort unten…

Er seufzte. Was hatte Hermine noch gesagt? Er hat gesagt, ich solle dich um jeden Preis im Schloss halten.

Sein Gesicht verzog sich zu einer sehr schmerzlichen Maske. Er hätte nur auf Hermine hören müssen und Sirius könnte noch leben. Es war seine Schuld, dass sein Pate gestorben war. Nicht die von Snape und auch nicht die von irgendwem sonst. Er konnte es auf den Gesichtern der anderen lesen, dass sie diese Meinung teilten. Gesagt hatte ihm dies bisher niemand.

Zugegeben, Hermine war kurz davor gewesen. Das allerdings auch nur, weil sie Snape verteidigen wollte. Das Eine ging Hand in Hand mit dem Anderen. Harry wusste wirklich nicht, was da zwischen den beiden ablief. Er hoffte nur, dass Hermine dem Richtigen vertraute.

Er muss Professor Dumbledore genug Beweise liefern, damit er ihm glaubt, dass er auf der guten Seite steht. Und er muss Voldemort genug Beweise liefern, dass er eben das nicht glaubt.

Harry schnaubte. Diese Aufgabe meisterte die Fledermaus wirklich exzellent. Es gab keine Person in diesem Schloss, der er sein Leben weniger gerne anvertrauen würde. Und dennoch schien es in Snapes Händen mehr oder weniger sicher zu sein. Wenn er Dumbledore trauen durfte, war es der Fledermaus zu verdanken, dass Lupin ihn aus der Mysteriumsabteilung hatte schaffen können.

Er schloss die Augen, als der Schmerz in seiner Narbe ein weiteres Mal an Intensität zulegte. Das ging schon den ganzen Tag so. Er wusste, was das bedeutete. Hermine hatte es offenbar nicht bemerkt. Nur Snape hatte ihm beim Abendessen diesen merkwürdigen Blick zugeworfen. Was zum Henker sollte das bedeuten? Sag es ihr? Oder doch eher, sag es ihr nicht, oder du wirst ein weiteres Mal zu spüren bekommen, wie sehr ich dich verabscheue? Er tendierte eindeutig zur zweiten Variante.

Und allein deswegen nickte er mit einem entschlossen Gesichtsausdruck, als Ginny zu ihm trat und ihn besorgt musterte. „Ist alles okay mit dir?"

„Ja, es geht mir gut." Was gab es Besseres, als Snape so richtig den Abend zu vermiesen? „Ginny, wie ist das Passwort für die Treppe zu den Mädchenschlafsälen?"

Sie zog die Augenbrauen hoch. „Was haben Fred und George ausgeheckt?"

Harry blinzelte irritiert. „Nichts, von dem ich wüsste."

„Was willst du dann mit dem Passwort? Geistern kommen?" Sie wirkte nicht, als ob sie der Gedanke störte.

„Eher nicht", erwiderte Harry dennoch gedehnt. „Ich muss kurz zu Hermine und hatte nicht vor, Ron vor dem Schlafengehen eine Show zu bieten."

„Verständlich. Habe ich eine Chance, dass du mich irgendwann aufklärst, was hier eigentlich vor sich geht?"

Nachdem sie mit ihm ins Ministerium gegangen war, hatte sie durchaus ein Recht auf Antworten. Dennoch sträubte sich etwas in ihm dagegen. Mitwisserschaft bedeutete Gefahr und zwar für Ginny. Er mochte den Gedanken nicht, dass sie ins Kreuzfeuer geraten könnte. „Ginny, ich weiß nicht, ob…"

„Dann finde jemand anderen, der dir hilft", unterbrach sie ihn und klang dabei so überzeugt von ihrer Methode, dass Harry eine Spur blasser wurde.

Jemand anderen. Ein anderes Mädchen. Eine andere von diesen ewig kichernden Wesen, die ihn alle auf diese bestimmte Art musterten. Diese Art, von der er gar nicht wissen wollte, was sie zu bedeuten hatte. „Okay, ich erkläre es dir. Aber nicht jetzt."

Ginny grinste zufrieden. „Morgen in der Mittagspause reicht mir auch vollkommen. Das Passwort ist ‚Frohlockende Furien' und sprich es ein bisschen höher aus, die Treppe reagiert auch auf die Stimmlage." Sie machte ein paar wirre Bewegungen vor ihrem Hals.

Harry sah sie unschlüssig an. „Will ich wissen, wie du das rausgefunden hast?"

„Nein", sagte sie kurz und wirkte auch nicht so, als ob sie ihre Meinung noch ändern würde.

Harry gab sich allerdings auch sehr gerne damit zufrieden und ließ das Lächeln zu, das auf sein Gesicht drängte. „Danke, Ginny", murmelte er und fasste sie kurz an der Schulter, bevor er sich umdrehte und versuchte, möglichst unauffällig bei den Treppen anzukommen.

„Harry will zu den Mädchenschlafsälen!", verkündeten Fred und George prompt und alle Augen richteten sich auf ihn.

„Hey Harry! Ich will dich fallen sehen!", gröhlte Ron in den aufbrausenden Tumult, woraufhin Harry sich gegen die Stirn tippte. Er war bestens vorbereitet. Niemals würde er sich die Blöße geben, die Treppen anders als aufrecht stehend zu benutzen.