Kapitel 29 – Prison Break

Lucius Abraxas Malfoy war kein dummer Mann, ungeachtet seiner Gefangenschaft und dem Fakt, dass er einem offensichtlich sadistischen Psychopathen treu ergeben war.

In den wenigen Sekunden, die es brauchte, um zu verstehen, wie gefährlich diese Situation werden konnte, sah Lucius sofort seine Möglichkeit. Und dass sein Sohn nun unter einem neuen Einfluss stand, festigte seinen Entschluss.

Lucius beugte sich verschwörerisch vor und flüsterte, "Potter… Ich… Ich habe versucht dich rauszuholen, aber… ich… konnte nicht."

Er senkte unsicher den Blick, darauf hoffend, dass sein Sohn diese Art von Flirtspiel mit dem Gryffindor gespielt hatte. Ein Malfoy musste wissen, welche Tricks am besten beim Feind funktionierten. Draco besaß nicht dieselbe Macht wie Lucius, der Junge war beschämend schwach, aber er hatte eine verführerische Anziehungskraft, die Lucius nie wirklich beherrscht hatte.

Harry hob den Kopf, wie ein Hund, der ein Pfeifen wahrgenommen hatte. Lucius starrte den jungen Mann an und versank förmlich in dessen feurig goldenen Augen. Dann gab Harry ein bellendes Lachen von sich, das die Härchen an Lucius' Hals zu Berge stehen ließ. Er trat zurück und betrachtete den Gryffindor argwöhnisch. Harry kam auf ihn zu, nahm Lucius' Kopf in seine Hände und legte seine Lippen auf die des älteren Mannes. Lucius' Augen weiteten sich geschockt und er keuchte, während er Harry von sich stieß.

Lucius zuckte zusammen, ob der Kälte der Lippen.

Harry zog verärgert die Augenbraue zusammen, aufgrund der harschen Zurückweisung und Lucius hätte sich für seine voreilige Reaktion ohrfeigen können. Es war nicht so, dass er noch nie einen Mann geküsst hätte, aber dies hier war mehr als verstörend. Er fühlte, wie die Luft um sie herum zu einer eisigen Wolke wurde und die Augen des Jungen funkelten bedrohlich. Lucius wechselte augenblicklich in den Überlebensmodus und sprach hastig,

"Nicht hier… später." Er lächelte Harry verlegen an, genauso wie es Draco immer bei ihm tat, wenn er versuchte aus unangenehmen Situationen heil herauszukommen.

Harry beobachtete ihn mit versteinertem Gesichtsausdruck und Lucius hasste es, wie sein Herz in seiner Brust schneller zu pochen begann. Trotz der ganzen Stimmungswechsel des Dunklen Lords; Voldemort beherrschte nicht diese Eiseskälte, wie Potter es tat.

Lucius hatte nie die Chance herauszufinden, was Harrys nächste Worte gewesen wären, denn plötzlich prasselten mehrere farbenfrohe Flüche auf die beiden ein. Glaubt es oder nicht, Lucius hatte vergessen, dass sie mitten in Askabans Innenhof standen, umgeben von Dementoren und wütenden Wärtern.

Lucius ächzte vor Schmerz, als ihn der Cruciatus Fluch traf. Er fiel auf die Knie und sein Kiefer verkrampfte sich, als er versuchte sich aufrecht zu halten. Er konnte kaum mehr die Augen offen halten, als er Potter teuflisch zischen hörte. Durch den Schmerzensschleier konnte er mehrere Schreie hören, ein lautes Aufprallen und ein Stöhnen.

Gefolgt von Schwärze.

-

Zwei Tage später spuckte Severus beinahe seinen Tee zurück in die Tasse, als eine unbekannte Eule beim Frühstück vor ihm landete. Severus erhielt so gut wie nie persönliche Briefe und sicherlich nicht per Eule zum Frühstück. Er starrte den Waldkauz an, welcher feierlich seinen Fuß ausstreckte, um sich das Schreiben abnehmen zu lassen. Severus blickte sich schnell um: Remus sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an. Severus bemühte sich, die aufkommenden Schmetterlinge in seinem Bauch wieder zu zerquetschen. Seit der erzwungenen Bindung mit diesem Tier, fand sich Severus mit ungewollten Gedanken und seltsamen Sehnsüchten den Werwolf betreffend konfrontiert. Aber er ignorierte es pflichtbewusst.

Grob riss er das Pergament vom Fuß der Eule, welche daraufhin ein lautes Protestgekrächze von sich gab. Severus scheuchte sie ungeduldig davon und stand auf, um sich auf schnellstem Wege aus der Große Halle zu begeben. Er schritt in Richtung seiner Räumlichkeiten und öffnete dabei den Brief.

Severus,

Du weißt was zu tun ist.

Er war nicht unterschrieben.

Doch Severus brauchte keine Unterschrift, um zu wissen von wem der Brief kam. Wichtiger jedoch war die Frage, wie er es geschafft hatte?

Lucius.

In seinem Zimmer angekommen, zog Severus seinen Zauberstab und richtete ihn auf sein Dunkles Mal. Er schloss die Augen, murmelte eine Zauberformel und drückte dann die Spitze seines Zauberstabs in sein Fleisch. Das Mal leuchtete grellrot auf und Severus zischte. Seine Haut zog sich zusammen, beinahe als ob unsichtbare Finger daran zögen. Dann löste sich ein Stück Fleisch von seinem Arm und Severus musste sich auf die Unterlippe beißen, um einen Schmerzaufschrei zu unterdrücken. Schnell heilte er seinen Arm mit einem Schwenk seines Zauberstabs und legte das herausgelöste Gewebe auf das Stück Pergament.

"Mosmorde", zischte er.

Das Pergament flackerte weißlich und sprang von seiner Hand. Es drehte, verzerrte und verbog sich an den Enden und verwandelte sich in einen lebendigen Umschlag mit Mund.

"Nur für meinen Lord.", sagte der Umschlag und Severus zog eine Augenbraue hoch, als Lucius' Stimme durch den Raum hallte.

Lucius hatte ein Blutschreiben geschickt.

Der Inhalt des Briefs war für den Dunklen Lord bestimmt und würde sich nur diesem offenbaren, außer ein Malfoy würde den Brief öffnen.

Wie Lucius es geschafft hatte, ein solch kompliziertes Stück Kommunikation aus Askaban herauszusenden war ein Wunder. Aber zumindest hatte Severus eine recht gute Vorstellung davon, wer ihm geholfen hatte, den Brief zu erstellen.

Potter.

Severus würde alles dafür geben, um zu wissen, was Lucius dem Dunklen Lord zu berichten hatte.

Doch alles was er geben musste, war lediglich ein wenig Blut.

Severus eilte in sein persönliches Zaubertranklabor und zauberte einen der Schränke auf. Er wühlte sich durch etliche kleine Phiolen, bis seine Hand auf der Gesuchten ruhen blieb. Sie war mit 'L. Malfoy' beschriftet. Als Severus Todesser geworden war, hatte er sich bewiesen, indem er etliche blutmagische Tränke hergestellt hatte, welche nur die Mitglieder des Inneren Zirkels benutzen konnten. Ein Haltbarkeitszauber hatte das Blut, das er dafür benötigt hatte, über all die Jahre frisch gehalten, genauso wie Dumbledore es mit Lupins Blut getan hatte. Severus legte das Schreiben auf seinen Tisch und ließ vorsichtig drei Tropfen des Blutes in den Mund des Umschlags laufen.

Der Umschlag schoss in die Luft, schwebte vor Severus' Gesicht hin und her und entfaltete sich schließlich langsam.

Lucius' tiefe, flüsternde Stimme füllte den Raum.

Und Severus' Augen weiteten sich.

-

Draco konnte fühlen, wie sich die Schutzschirme verlagerten, als ein weiterer Todesser die Festung betrat. Er sah von der Ecke seines Zimmers, in welcher er hockte und die tröstliche Stille der Schatten genoss, auf. Nicht viel spendete ihm in diesen Tagen Trost. Er fühlte sich, als hätte er seit Jahren kaum mehr geschlafen und es war so heiß in dem Manor, dass er kaum seine Kleidung ertrug.

Doch noch schlimmer war, dass er Harry nicht mehr fühlen und wahrnehmen konnte.

Die Trennung brachte ihn um.

Aber der Dunkle Lord hatte jedoch dafür gesorgt, dass niemand die Schutzschirme nach außen durchschreiten kann, ohne schwerwiegende Verletzungen zu riskieren. Draco hatte es bereits versucht und einen halben Tag lang im Koma gelegen. Als er endlich aufwachte, war Bellatrix an seiner Seite, um ihn schonungslos auszufragen, wohin er hatte gehen wollen. Draco hatte sie einfach ignoriert, wurde für seine Frechheit jedoch mit einer Ladung Cruciatus Flüchen bestraft. Es war nur das Eingreifen des Dunklen Lords, das Bellatrix gerettet hat, denn Draco war kurz davor gewesen, seine Mutter unglücklich zu machen, indem er ihre Schwester tötete. Voldemort hatte Dracos 180-Grad Wende vom vorbildlichen Schüler zum skrupellosen Killer sehr amüsiert.

Die Schutzschirme veränderten sich erneut und Draco wusste sofort, dass es Severus war, der das Gebäude betrat. Er erhob sich schnell und hastete zu dem Salon, in dem Voldemort normalerweise seine Todesser empfing. Draco kam zum exakt richtigen Zeitpunkt und schnitt Severus den Weg ab, kurz bevor dieser die Tür erreichen konnte.

"Severus."

Severus wandte sich ihm zu und rang mich sich, um sich seine Beunruhigung bei Dracos Anblick nicht anmerken zu lassen. Er war blass und dürr und sein Gesicht hatte den hageren Ausdruck eines Menschen der zu Tode hungerte. Dunkle Schatten lagen unter seinen Augen, deren Farbe zwischen einem trüben Grau und einem unheimlich funkelnden Gold hin und her wechselten.

"Draco." Severus neigte den Kopf zur Seite. "Du siehst… schrecklich aus."

Draco blinzelte und lächelte dann. Es war kein angenehmes Lächeln.

"Und du stinkst…" Draco trat einen Schritt vor und roch an Severus, "nach jemandes Spielzeug."

Severus' Lippen verzogen sich und er wich von Draco zurück und auf die Tür zu. Dracos Hand lang auf seinem Arm, bevor er diesen anheben und klopfen konnte.

"Severus… wo ist er? Er ist… weg."

Severus sah auf seinen Arm hinab und sah Draco mit einem geringschätzigen Blick an. Draco ließ ihn los. Der ältere Mann grinste,

"Potter ist in Askaban. Sie haben ihn wegen Notts Tod inhaftiert."

"Ich muss zu ihm. Irgendetwas ist nicht richtig… Ich fühl mich seltsam."

Severus seufzte und sagte, "Es liegt an dem Bruchstück, dass du in dir trägst. Es will sich mit dem Rest von sich wieder vereinen. Da Potter der Wirt ist… fühlst du die Wirkung dieser Trennung. Es stirbt… genauso wie du."

"Nun, dann schätz ich, solltest du mich zu ihm bringen."

"Und wie stellst du dir das vor, dass wir einfach nach Askaban hineingehen, damit du ihn treffen kannst? Glaubst du, dass sie dich wieder gehen lassen? Du bist auf der Flucht, Draco, oder hast du das vergessen?"

Draco senkte den Blick und als er Severus wieder ansah, hatte seine Augen einen flehenden Ausdruck angenommen. "Das ist mir egal. Bitte. Ich muss zu ihm. Ich kann ihn nicht fühlen, Severus. Ich fühl nur noch Schmerz."

Severus unterdrückte den Drang Draco zu umarmen. Er hasste es, sich so hilflos zu fühlen und nichts für sein Patenkind tun zu können. Er hatte genug am Hals, schon allein deswegen, da er nun diesen abscheulichen Brief von Lucius übergeben musste. Es hatte ihn machtvolle Magie gekostet, um den Dunklen Lord zu informieren, dass er eine Audienz wünschte. Voldemort hatte nicht die Gewohnheit Besucher zu empfangen, wenn er diese nicht selbst hergeordert hatte, und da Severus nicht in der Festung lebte, musste er oft warten, bis der Dunkle Lord etwas von ihm wollte.

Die Tür zum Salon öffnete sich und Severus wandte sich blitzschnell um. Wurmschwanz stand auf der Türschwelle und blickte Severus mit seinen wässrigen Augen argwöhnisch an.

"Mein Lord, Snape ist hier.", sagte Wurmschwanz, seine Augen zeigten deutlich seine Abneigung gegenüber Severus. Dessen Augen verengten sich und Wurmschwanz schrumpfte unter dem Blick zusammen. Er sah kurz zu Draco hinüber, beeilte sich aber schnell wieder wegzuschauen. Der junge Malfoy sah in letzter Zeit sehr gestört aus.

"Herein, Severus.", zischte Voldemort befehlend und Angesprochener betrat den Raum, gefolgt von Draco und Wurmschwanz. Severus sah Bellatrix, welche ihn mit gerunzelter Stirn beobachtete. Offensichtlich war sie nicht begeistert, dass ihm eine Audienz gewährt wurde.

Severus kam sofort zur Sache. "Mein Lord, ich bringe Nachricht von Lucius." Er griff in seine Robe und zog das Blutschreiben heraus.

Voldemort nickte und Severus näherte sich dem Stuhl mit der hohen Lehne. Er übergab Voldemort den Brief und trat zurück. Der Umschlag erwachte sofort zum Leben und Lucius Stimme hallte durch den Saal.

"Ich bringe Neuigkeiten, Mein Lord, die jedoch nur für Ihre Ohren bestimmt sind."

Severus sah angespannt auf. Der Brief hatte dies nicht erwähnt, als er ihn selbst geöffnet hatte.

Voldemort machte eine ungeduldige Handbewegung, hinweisend, dass sie den Raum verlassen sollten. Wurmschwanz eilte sofort hinaus, doch Draco und Bellatrix warteten ab, während sie Severus anschuldigend ansahen. Severus währenddessen blickte den Dunklen Lord gefasst an, doch innerlich war er besorgt. Wer wusste, welche Zauber Lucius in das Ding eingebettet hatte? Severus war es nicht möglich gewesen, etwas zu finden.

Er wandte sich um und verließ den Raum. Nur um im Flur von Draco und Bellatrix angesprochen zu werden.

"Du hattest eine Nachricht von meinem Vater und hast es mir nicht gesagt?", blaffte Draco ihn an. "Was hat er gesagt?"

Bellatrix knurrte ihn an. "Es ist nur für den Dunklen Lord bestimmt, Draco! Severus konnte den Inhalt nicht wissen! Er ist nicht unser Lord!"

Draco sah nicht überzeugt aus und starrte Severus an. "Warum hast du mir nicht gesagt, dass Vater geschrieben hat? Wie konnte er den Brief verschicken?"

"Ich werde das nicht mit euch besprechen. Fragt den Dunklen Lord, was Lucius zu sagen hatte.", erwiderte Severus süffisant.

Bellatrix' Gesicht verzog sich zu einer Grimasse und Draco verdrehte die Augen. Severus zuckte mit den Schultern und lehnte sich an die gegenüberliegende Wand, während seine Augen angespannt auf der Tür ruhten. Etliche Minuten vergingen. Dann öffnete sich die Tür und Voldemorts Stimme erklang, "Severus!"

Severus wusste, was nun kam und er schritt äußerlich entspannt in das gefährliche Feld. Voldemorts Augen glühten rötlich.

"Du wusstest davon?"

"Mein Lord, ich weiß nicht was Sie meinen…"

"Tu nicht so, Severus! Du wusstest, dass Potter die Dementoren kontrollieren kann!"

"Nein, mein Lord. Ich habe keine Informationen mehr erhalten, nachdem der Junge aus dem Hospital genommen wurde."

"Ich beginne zu glauben, dass es ein Fehler war, dich in meiner Nähe zu behalten. Du bringst mir nicht länger nützliche Informationen!"

"Es tut mir Leid, mein Lord." Severus senkte den Kopf.

Voldemorts Augen blitzten wütend und er stand mit wehender Robe abrupt auf.

"Du hättest dich mehr bemühen sollen! Ich verlange bessere Arbeit von dir."

"Ja, mein Lord. Bitte vergebt mir. Ich werde Sie nicht mehr enttäuschen."

Voldemort blickte Severus für einen weiteren Moment wütend an und nickte dann. "Siehe zu, dass dies nicht noch einmal geschieht. Versammle alle hier."

Als sich alle im Saal eingefunden hatten, sagte Voldemort, "Wir werden Lucius aus Askaban befreien, zusammen mit unseren anderen Gefolgsleuten. Die Dinge haben sich deutlich zu unseren Gunsten gewendet."

Ein Murmeln entflammte zwischen den Todessern. Draco starrte zu Severus hinüber, doch der Mann beachtete ihn nicht. Seine Augen waren auf den Dunklen Lord gerichtet.

"Mein Lord, wie werden wir das anstellen? Wir können nicht einfach in Askaban eindringen." Dies waren Bellatrix' Worte.

"Zweifelst du an meinen Fähigkeiten, Bella?", fragte Voldemort sanft.

Bellatrix blickte ob der Andeutung entsetzt drein. Augenblicklich kniete sie nieder, sodass ihr Kopf den Teppich berührte.

"Nein, natürlich nicht! Alles ist unter Eurem Befehl möglich. Sagt mir, was wir tun sollen!"

"Ruf Narzissa. Sie muss die gute Nachricht erfahren."

Bellatrix erhob sich und Severus sah ihren enttäuschten Blick, dessen Ursache Voldemorts Befehl war.

"Ich werde sie sofort herbringen." Bellatrix verließ eilig den Raum und der Rest der Gruppe flüsterte gespannt miteinander. Draco nutzte die Gelegenheit, um an seinen Hauslehrer heranzutreten.

"Was hat mein Vater gesagt, Severus? Werden wir ihn wirklich ausbrechen?"

Severus blickte Draco genervt an. "Woher soll ich das wissen? Lucius hat ein Blutschreiben verwendet. Das letzte Mal, als ich es überprüft habe, war ich kein Malfoy. Merlin sei Dank."

Draco schnaubte und Severus' Augenbrauen zogen sich zusammen. "Als ob dich das aufhalten würde, Severus. Du bist Zaubertrankmeister, ich bin sicher, du bewahrst eine Menge unseres Blutes in deinen Räumen auf. Ich weiß, dass du den Brief geöffnet hast und exakt weißt, was Vater gesagt hat."

Severus lächelte unwillkürlich. Er war stolz, dass er Draco beeinflusst hatte, sodass dieser zu einem extrem scharfsinnigen Zauberer herangewachsen war, auch wenn es nun zu seinem eigenen Nachteil war. "Draco, übe dich in Geduld. Alles zu seiner Zeit."

Draco schien über diese Antwort nicht erfreut zu sein und wollte Severus dies gerade mitteilen, als Bellatrix, gefolgt von seiner Mutter, wieder den Raum betrat. Narzissas Lippen waren zu einer dünnen Linie verengt und sie blickte sich einmal kurz im Raum um. Ihre Augen weiteten sich, als sie Draco sah und sie machte einen Schritt auf ihn zu. Nur um von Bellatrix am Ellbogen zurückgezogen zu werden.

Voldemort blickte Narzissa für einen Moment kalt an, dann lächelte er. "Narzissa, meine Liebe. Hat Bella dir die Nachricht überbracht? Lucius wird in weniger als zwei Wochen aus Askaban befreit sein."

Narzissas Augen weiteten sich überrascht. "Mein Lord, wie ist das möglich? Ich habe nichts davon erfahren."

"Sehr ärgerlich, nicht wahr, liebste Cissy? Im Wissen zu sein, aber diese Informationen nicht zu teilen?"

Narzissa blickte Voldemort an und Severus war erstaunt über ihre ruhige Haltung. Das wird nicht gut für sie ausgehen, stellte er fest.

Voldemort stand auf und glitt auf sie zu, während er das Pergament aus seiner Robe zog und es ihr vor das Gesicht hielt.

"Dein Ehemann hat Nachricht von den Vorkommnissen in Askaban geschickt. Diese werden es uns ermöglichen Lucius und unsere anderen Gefolgsleute zu befreien."

"Das sind wunderbare Neuigkeiten, mein Lord.", brachte Narzissa hervor, auch wenn ihre Stimme ein wenig zitterte. "Wann wird die Befreiung stattfinden?"

Voldemort lächelte sie an. "Nachdem du den Befehl ausgeführt hast, den ich dir auftragen werde."

Narzissa nickte ergeben.

Severus erfuhr nicht, wobei es nicht bei diesem Auftrag handelte, denn Voldemort schickte jeden aus dem Raum. Frustriert schritt er den Flur auf und ab. Draco wich ihm, wie ein Magnet, nicht von der Seite.

"Severus! Sag mir was los ist! Was macht meine Mutter hier und was für einen Befehl soll sie ausführen?"

Severus verlangsamte seine Schritte und blickte sich vorsichtig um. Keiner der anderen Todesser beachtete sie, daher zog Severus Draco in einen angrenzenden Salon. Er schloss die Tür und wandte einen Stillezauber darüber an. Dann wandte er sich zu Draco um und rieb sich den Nasenrücken.

"Ja, ich habe den Brief gelesen. Aber es stand mehr drin, als das, was ich abrufen konnte. Ich bin sicher, dass Potter deinem Vater geholfen hat, den Brief überhaupt zu erschaffen."

"Warum sollte er meinem Vater helfen? Er hasst meinen Vater und umgekehrt!"

"Potter denkt, dass Lucius du bist. Und Lucius… nutzt dies zu seinem Vorteil."

Dracos Augen verengten sich zu Schlitzen und seine Lippen verzogen sich vor Wut. "Wenn er Harry etwas antut…"

Severus machte eine abweisende Handbewegung. "Lucius ist in keinster Weise dumm. Potter kann die Dementoren kontrollieren, und Lucius wird diesen Umstand sicher nicht gefährden. Die Wärter haben beinahe jegliche Kontrolle über ihn verloren, ausgenommen er steht unter dem Einfluss seiner Medizin, welche er alle drei Tage verabreicht bekommt."

"Und was wird nun aus Harry? Brechen wir dort ein, um Vater zu retten und lassen ihn einfach dort?"

Severus seufzte. "Draco, was erwartest du, was wir sonst tun? Wo sollen wir ihn hinbringen? Ihn hier bei Bella und dem Dunklen Lord leben lassen? Das würde kein gutes Ende nehmen."

"Wir würden verschwinden. Ich werde mich um ihn kümmern. Ich bin eh auf der Flucht. Wir würden eines unser anderen Grundstücke aufsuchen… vielleicht in Frankreich."

"Draco! Vergiss Potter! Er ist gefährlich und nicht mehr bei Sinnen! Er muss in St Mungo's eingesperrt werden und nicht mit dir durch Frankreich reisen! Dieser Dämon wird euch letztendlich beide töten und jeden anderen auch, der sich in seinen Weg stellt! Er hat bereits Lestrange in Askaban ermordet!"

Draco verschränkte stur die Arme. "Ist mir egal. Er wird mich nicht verletzen. Wenn er sich mit Vater anfreundet, dann sollte dir klar sein, dass er mir nichts antun würde! Es ist mir egal, wenn du mir nicht hilfst. Ich schaffe das auch alleine."

Er drehte sich um, öffnete die Tür und verschwand. Severus versuchte nicht, ihn aufzuhalten, folgte jedoch hinaus auf den Korridor. Narzissa verließ in diesem Moment mit blassem Gesicht den Salon. Severus ging sofort auf sie zu, doch sie hatte nur Augen für Draco, welcher sie kalt beobachtete.

"Draco", wisperte sie, als sie auf ihren Sohn zuging, "was ist mit dir passiert? Du siehst krank aus."

"Mir geht es gut, Mutter.", antwortete er knapp. Seine schattigen Augen sahen sie geringschätzig an und sie zuckte zusammen.

"Ich wollte nie, dass du das tust! Ich habe dir von Potter erzählen wollen, aber Bella war da! Ich wusste, sie würde es gegen dich verwenden! Erzähl mir, was los ist!"

Aber Draco zuckte nur lässig mit den Schultern und lies sie stehen. Narzissa keuchte leise auf und versuchte ihm zu folgen, doch Severus griff nach ihrem Arm, um sie aufzuhalten.

"Lass ihn, Narzissa. Draco hat sich auf einen Pfad begeben, über den er keine Kontrolle mehr hat."

Narzissa blickte ihrem einzigen Kind hinterher, als dieses in den Schatten verschwand. Sie flüsterte traurig, "Haben wir das nicht alle?"

-

Arthur saß nervös im Wartebereich von Askaban und ließ seinen Hut immer wieder auf sein Knie prallen. Er war noch nie zuvor in Askaban gewesen und allein der Gedanke daran, dass seine jüngste und einzige Tochter hier gefangen war, machte ihn kränker, als er es für möglich gehalten hätte. Molly hatte natürlich mitkommen wollen, doch Arthur hatte es ihr verboten, ihn bei seinem ersten Besuch zu begleiten. Zum ersten Mal seit ihrer Hochzeit, hatte er sich gegen seine Frau behauptet. Er hat seinen Entschluss damit begründet, sichergehen zu wollen, dass es Ginny gut genug ging, damit Molly nicht zusammenbrechen würde, wenn sie ihre Tochter sah.

Dies war der offizielle Grund. Der eigentliche Grund, warum er Molly nicht dabei haben wollte, war seine eigene Verstörtheit. Er hatte als Vater versagt, da er nicht früher Hilfe für ihre Besessenheit von Harry gesucht hat. Er hatte demgegenüber die Augen verschlossen, hatte gedacht, dass sie nur etwas Zeit bräuchte, um über den Jungen hinwegzukommen.

Ein Wärter winkte ihm zu und Arthur stand auf, um ihm durch den Torweg zu folgen, welcher in die dunklen, schaurigen Gänge des Gefängnisses führte.

Arthur sprach ihn nervös an, "Wie sieht es aus? Geht es meiner Tochter gut?"

Der Wärter warf einen Blick zurück. "Ja, schätze es ist alles okay. Sagt nicht viel zu irgendjemand. Außer, um nach Harry Potter zu fragen."

Arthur schloss gequält die Augen und fragte dann, "Und Harry? Wie geht es ihm?"

Der Wärter erschauderte. "Keine Ahnung, was mit dem los ist. Hat komplett den Verstand verloren, das ist sicher. Ich wette, Du-weißt-schon-wer hat ihn gefoltert, oder so. Ihn verrückt gemacht! Niemand sagt uns, was ihm wirklich fehlt. Alles Top Secret und so. Aber die Dementoren gehorchen uns nicht mehr, nicht, ohne sie verdammt hart zu zwingen ihren Job zu machen. Wir mussten Potter aber versprechen diesen Bastard Lucius Malfoy sehen zu dürfen, wann immer er es will, damit er die Dementoren ihre Arbeit machen lässt."

Arthur stolperte und musste an der Wand halt suchen, nachdem er dies hörte. "Lucius Malfoy? Warum sollte Harry ihn treffen wollen?"

Der Wärter blieb stehen und drehte sich zu Arthur um. Dann bedeutet er ihm näher zu kommen, sah sich vorsichtig um und flüsterte dann,

"Potter ist der Retter… der Junge, Der Lebt! Ich würde ihm in den Tod folgen, nur damit Sie wissen, dass ich kein Verräter bin, nur weil ich das sage. Aber ich denke, dass Potter auf diesen Malfoy Bastard steht! Ich kapier das nicht! Er ist ein Todesser! Aber dieser Malfoy hat ihn irgendwie am Haken. Ich weiß, dass Potter total verrückt ist und alles…, aber es ist trotzdem höllisch gruselig, zu sehen, wie er diesen Mann anstarrt. Auch wenn Malfoy recht hübsch ist." Der Wärter errötete ein wenig, nickte jedoch.

Arthur war entsetzt über diese Neuigkeit. Er war von Harrys Verwirrung nicht überrascht, wenn er dessen Beziehung mit Draco bedachte. Aber das Lucius das mitmachte? Dieser Mann musste etwas planen.

"Aber sicherlich wird Lucius sich dagegen wehren. Ich meine… Potter ist… ein Junge…ähm… Mann. Und Lucius ist verheiratet. Und Du-weißt-schon-wers rechte Hand. Er wird doch nicht mit ihm verkehren."

Der Wärter schnaubte und setzte seinen Weg fort. "Malfoy würde alles zu seinem Vorteil nutzen. Und da Potter diesen Ort hier praktisch kontrolliert, gibt es nicht viel, das wir tun können. Es soll alles streng geheim bleiben. Ich sag Ihnen, Potter gehört hier nicht hin. Er muss in ein Hospital. Hat schon Rabastan Lestrange umgebracht. Nicht, dass das schlecht wär. Er kann all diesen Todesserabschaum ermorden, wenn er will."

Arthur keuchte auf und beeilte sich, um mit dem Wärter Schritt zu halten.

Sein Besuch bei Ginny war deprimierend, aber wenigstens schien sie bereit, über etwas anderes zu reden, als über Harry. Sie hatte nicht besser ausgesehen, als wie zu dem Zeitpunkt ihrer Inhaftierung, aber zumindest auch nicht schlechter.

Doch Arthur war durch einen Blick auf blondes Haar abgelenkt worden.

Lucius.

Dieser hatte Arthur angestarrt und gegrinst.

Eine schlechte Vorahnung befiel den Weasley Oberhaupt und er umarmte seine Tochter fest, sich selbst verfluchend, dass er nicht früher eingeschritten war, um sie vor alldem hier zu bewahren. Sie gingen zurück durch den Gang in den Besucherbereich, denn soweit war es Ginny erlaubt zu gehen. Sie hatte viel mehr Bewegungsfreiheit, als die anderen, gefährlicheren Gefangenen.

Arthur beugte sich zu Ginny hinab und küsste sie zum Abschied auf die Stirn.

"Wir zählen die Tage, Gin. Mum wird beim nächsten Besuch mitkommen, okay?"

Ginny nickte und blickte dann finster drein, als sie jemanden hinter Arthur anstarrte. "Ich hasse die Malfoys."

Arthur richtete sich auf und wandte sich um. Narzissa Malfoy hatte den Besucherbereich betreten und zog sich gerade die Handschuhe aus. Sie sah kurz zu ihnen hinüber und verzog die Mundwinkel.

"Ginny, nicht.", warnte Arthur sie. Trotz seiner persönlichen Abneigung den Malfoys gegenüber, hatte Ginny doch versucht den Sohn dieser Frau zu töten. Narzissa hatte das Recht sich Ginny gegenüber aufzuführen.

Ginny seufzte schwer und Arthur legte eine Hand auf ihre Schulter. "Alles wird wieder gut, Ginny. Wir stehen das durch."

Ein anderer Wärter näherte sich Narzissa. "Was tun Sie hier, Mrs Malfoy? Sie wissen doch, dass Ihr Ehemann bis zum nächsten Monat keinen Besuch empfangen darf."

"Ich bin nicht hier, um ihn zu sehen.", antwortete sie überheblich und Arthur horchte auf. "Ich bin hier wegen Pansy Parkinson."

"Oh. Nun, es gelten die gleichen Regeln. Keine Zauberstäbe und –tränke dürfen mit hinein genommen werden."

"Natürlich." Sie griff in ihren Ärmel, um den Zauberstab aus dem Umhang zu ziehen, doch er verfing sich in dem Stoff. Narzissa zog heftig daran und der Stab löste sich und fiel klappernd zu Boden.

"Ohhh…", zirpte Narzissa.

"Bleiben Sie stehen, Mrs Malfoy. Keine plötzlichen Bewegungen.", warnte der Wärter und Narzissa hob in gespielter Ergebenheit beide Hände.

"Was haben Sie von mir erwartet? Ich würde nicht einmal im Traum daran denken, mich dem Ministerium zu widersetzen. Auch wenn die Brut der Angestellten sogar bei Mord ungeschoren davon kommen.", zischte sie, während ihr kalter Blick auf Ginny lag. "Glaube ja nicht, dass dir vergeben wird. Das Ministerium mag denken, dass du deine Strafe abgesessen hast, aber ich nicht."

"Malfoy ist ein Arschloch! Er hat Harrys Leben ruiniert und er verdient, was auf ihn zukommt!", schrie Ginny und schritt auf Narzissa zu. Arthur griff augenblicklich nach Ginnys Arm, gerade als zwei Wärter durch den Torweg erschienen und die Szenerie beobachteten.

"Was ist hier los? Weasley!" Die Wärter kamen auf sie zu, während Arthur versuchte Ginny zu beruhigen.

Narzissa lächelte und zog entspannt einen zweiten Zauberstab aus ihrem Umhang. Niemand bemerkte den unauffälligen Schlenker ihres Handgelenkes in Ginnys Richtung.

-

Remus nickte Molly grüßend zu, als er Grimmauld Platz Nummer Zwölf betrat. Sie ging einen Schritt zur Seite, um den Mann hereinzulassen und schloss dann schnell wieder die Tür.

"Lass mich deinen Umhang abnehmen, Remus. Die anderen sind bereits alle da, außer Severus."

Remus übergab Molly schweigend seinen Umhang und diese huschte damit eilig den Korridor hinunter. Remus folgte ihr, hielt jedoch inne, als er hörte, dass sich die Eingangstür erneut öffnete. Er musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, wer es war.

"Du kommst spät.", sagte Remus sanft.

Severus verspannte sich beim Anblick von Remus' Rücken. Er unterdrückte rasch das aufsteigende, warme Gefühl in seinem Bauch und ging weiter in das Haus.

"Wie süß von dir, auf mich zu warten, Lupin. Hast du mein Abendessen gekocht und meine Pantoffeln neben den Tisch gestellt?"

Remus drehte sich um und blickte Severus mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Severus fühlte die Hitze, die von dem anderen Mann ausging und roch den moschusartigen Geruch seiner Männlichkeit. Er schluckte schwer und verdammte Albus Dumbledore zum millionsten Male seit der erzwungenen Bindung.

Remus starrte ihn an und Severus bemerkte, wie seine Entschlossenheit dahinwelkte, wie so viele tote Blumen. Er kämpfte mit sich, seinen Blick aufrecht zu halten, doch das überwältigende Gefühl, dass er seinen Partner verärgerte… Argh! Bei Merlin, er würde Albus dafür umbringen!

Severus fühlte, wie Remus in dem engen Flur auf ihn zukam. Er blieb vor Severus' gesenktem Kopf stehen und wartete. Severus schäumte vor Wut auf sich selbst, als sein Blut in Wallung geriet und das Verlangen, Remus zufrieden zu stellen ihm übermannte, wie eine meterhohe Welle.

Nein! Er musste dagegen ankämpfen.

Aber Remus streckte eine Hand aus, um sein Kinn anzuheben und Severus hob endlich den Blick, um ihn anzusehen. Remus untersuchte sein Gesicht und Severus' Atem beschleunigte sich. Das Rauschen des Blutes in seinen Ohren betäubte jegliche Verzweiflung in ihm, als er spürte, wie er sich vorbeugte, um den anderen Mann zu küssen.

Ein lautes Husten durchbrach die Stille des Moments und Remus trat langsam einen Schritt zurück und wandte den Kopf, um den Eindringling anzusehen.

Tonks stand in der Tür, ihr Gesicht flammend rot, ihre Augen geweitet und die Haare schwarz wie Kohle.

"Molly sagt, dass die Besprechung gleich beginnt und hat mich geschickt, um euch zu finden…" Sie verstummte und wirbelte herum, um zurück in die Küche zu rennen. Jedoch rannte sie direkt gegen eine Wand.

"Tonks…", begann Remus, doch die junge Aurorin hielt abwehrend eine Hand hoch und eilte zurück in den Raum.

Severus grinste.

-

"Wir müssen Harry dort rausholen, Dumbledore.", sagte Arthur. "Er wird dort nicht länger durchhalten."

Albus strich sich über seinen langen Bart. "Ich weiß das, Arthur. Aber… es ist riskant."

Severus wollte sich die Haare ausreißen. Zwanzig Minuten in denen sich die Ordensmitglieder über Severus' Bericht gezankt hatten, hatten zu keiner Lösung geführt. Seine Augen wanderten über die Gruppe und verengten sich, als er den jungen Mister Weasley erwischte, welcher ihn anstarrte. Der Junge wandte schnell den Blick ab. Miss Granger beobachtete die Verhandlungen mit gespannter Aufmerksamkeit. Severus fragte sich wage, wie lange diese beiden hatten betteln müssen, um bei der Diskussion dabei sein zu dürfen. Seine Aufmerksamkeit wurde zurück auf das Gespräch gelenkt, als er Remus' Stimme vernahm.

Verdammt.

Remus nickte. "Was ist mit Severus' Bericht? Dieser Brief von Lucius bestätigt, dass Harry die Dementoren kontrollieren kann. Vielleicht können wir das zu unserem Vorteil nutzen. Vielleicht ist er genug bei Sinnen, um eine Nachricht zu verstehen."

Molly schüttelte den Kopf. "Die Dementoren benutzen? Diese schrecklichen Kreaturen!? Ich denke nicht, dass wir das tun sollten!"

"Wir müssen aber etwas tun! Harry stirbt dort drin und Severus sagte, dass Lucius Harrys Verstand noch mehr verdreht, da dieser glaubt Lucius wäre Draco! Wir müssen ihn da raus holen!", blaffte Remus.

Molly sah ihn finster an und Dumbledore seufzte, "Beruhige dich, Remus. Wir wissen, dass wir etwas tun müssen, aber Harry aus Askaban zu holen, könnte alles schlimmer machen. Wo sollten wir ihn hinbringen? Wie sollten wir ihn vor sich selbst schützen?"

Remus sah zu Severus, welcher lässig am Türrahmen lehnte. "Severus kann ihm seine Tränke brauen, oder vielleicht können wir ihm den Trank der Lebenden Toten verabreichen, wie zuvor."

Molly stand abrupt auf. "Wir können ihn nicht weiter mit Tränken voll pumpen! Warum ist das jedermanns Antwort auf alles? Keine Drogen mehr, Remus! Hörst du? Er braucht Liebe… und jemanden, der ihn versteht."

Severus schnaubte daraufhin laut und Molly wirbelte zu ihm herum. "Hast du eine bessere Idee? Sollen wir ihn einfach in Lucius' Fängen lassen?"

Severus gab ein leises 'tz' von sich und sagte, "Hast du das gesamte Meeting lang nicht zugehört? Lucius wird nicht viel länger in Askaban sitzen. Der Dunkle Lord plant ihn dort auszubrechen. Potter wird frei von seinen… Fängen sein."

"Und was dann? Ihn in Askaban verrotten lassen, bis das Ministerium auf unsere Anfechtung eingeht?", fragte Arthur.

Dann meldete Ron sich zu Wort. "Bloody Hell, Dad! Nein, wir sollten einfach reinmarschieren und ihn befreien, während des Aufruhrs, der herrschen wird, wenn die Todesser kommen, um Malfoy rauszuholen! Niemand wüsste, was wer dort getan hat."

Stille legte sich über den Raum.

Hermine wandte sich im zu, um ihn zu schelten. "Sei nicht dumm, Ron! Wie sollten wir das machen?", flüsterte sie.

Arthur blickte Ron an. "Du hast da etwas Interessantes gesagt, mein Sohn."

Er wandte seinen Blick zu Remus, welcher gedankenverloren nickte. "Ja, das könnte klappen." Remus sah zu Severus.

"Wann werden sie zuschlagen?"

"In zwei Tagen. Derselbe Tag, an dem Potter seine Medizin vom Ministerium bekommt. Es gibt einen Plan, der das mit berücksichtigt. Unglücklicherweise bin ich nicht eingeweiht. Ich glaube jedoch, dass Narzissa etwas damit zu tun hat."

Auf diese Bemerkung hin blickte Arthur schnell zu Severus. "Narzissa? Ich habe sie gesehen, als ich Ginny besucht habe. Sie sagte, sie wäre dort, um Pansy Parkinson zu besuchen, und nicht Lucius. Ist das Mädchen irgendwie darin verwickelt, was glaubst du?"

"Wie ich gerade deutlich gesagt habe, bin ich nicht in die Pläne zwischen dem Dunklen Lord und Narzissa eingeweiht. Sie schien aufgewühlt nach dem Gespräch. Sie hat nicht viel gesagt, außer dass sie ins Ministerium gehen würde, um dort etwas zu überprüfen. Das ist alles, was sie mir gesagt hat."

"Sie muss Information über den Plan an Pansy weitergegeben haben. Gibt es eine Möglichkeit an sie heranzukommen?", fragte Arthur.

"Ich wäre der Einzige, mit dem sie reden würde, aber da ich nicht in Askaban auftauchen kann, ohne Verdacht zu erregen, fällt das weg. Narzissa spricht nicht darüber, was der Dunkle Lord ihr befohlen hat. Wir müssen mit dem arbeiten, was wir haben.", antwortete der Zaubertrankmeister.

"Severus, wirst du in der Gruppe sein, die Lucius herausholen wird?", fragte Dumbledore.

"Ja, ebenso wie Draco. Es sind zehn Todesser, die wir ausbrechen werden. Potter hat Rabastan Lestrange ermordet, somit ist dieser nicht länger auf der Liste.", sagte Severus trocken.

Hermine keuchte laut auf und Ron blinzelte geschockt. "Harry hat noch jemanden getötet?", würgte er hervor.

Severus sah beide genervt an. "Ja, es scheint, als würde er sich seinen Aufenthalt dort wirklich verdienen."

Ron zog die Stirn kraus und öffnete seinen Mund, um etwas zu erwidern, doch Dumbledore räusperte sich.

"Wir werden Mister Weasleys Plan in die Tat umsetzen." Er lächelte Ron freundlich zu und fuhr dann fort, "Wir müssen in zwei Tagen alles vorbereitet haben. Wir alle wissen, was auf dem Spiel steht, wenn wir erwischt werden. Wir wissen ebenso, dass Harry nicht klar bei Verstand ist, also müssen wir eine Lösung dafür finden, was wir mit ihm tun." Er sah zu Molly hinüber.

"Wir werden kaum eine andere Wahl haben, als ihn ruhig zustellen, bis wir ein Heilmittel gefunden haben. Aber bis dahin können wir ihn nicht in Askaban lassen. Auch wenn er Kontrolle über die Dementoren hat, ist deren Präsenz dennoch dunkel und gefährlich. Sie schadet Harry nur noch mehr, möglicherweise beschleunigt sie die Verschlechterung seiner Krankheit sogar."

Er blickte jeden im Raum an.

"Sollte jemand nicht mit dem Plan einverstanden sein und aussteigen wollen… dann tue er dies bitte nun."

Niemand bewegte sich oder sagte ein Wort. Dumbledore sah nochmals zu Molly hinüber, doch diese nickte zustimmend.

"Wir werden noch mehr Ordensmitglieder brauchen, um das Vorhaben umzusetzen. Kingsley und Bill und jeden, dem wir vertrauen können. Nicht nur müssen wir Harry lokalisieren und ihn überzeugen mit uns zu kommen, es ist ebenso ein Wettlauf gegen die Todesser, und die Auroren, wenn diese von Lucius' Ausbruchsversuch erfahren. Wir müssen den richtigen Zeitpunkt abpassen."

Er blickte wieder in die Runde und seine Augen blieben auf Severus ruhen.

"Nun, Severus, erläutere nochmals die Details von Lord Voldemorts Plan…"

-

Hermine blickte zu dem silbernen Mond, der über dem Nachthimmel aufstieg, während sie neben Ron auf dem harten, kalten Boden kauerte. Niemandem war es erlaubt unnötige Magie zu nutzen, solange sie an den steilen Klippen warteten, die Askaban umgaben.

Ron rieb seine Hände aneinander, um sie warm zu halten. Er konnte es immer noch nicht glauben, dass seine Eltern es zugelassen hatten, dass er an dem Rettungsversuch teilnahm. Er war noch überraschter gewesen, als sein Vater zu ihm gesagt hatte,

"Mach uns stolz, mein Sohn."

Seine Mutter hatte nur genickt, aber Ron könnte schwören, dass sie etwas hatte sagen wollen. Aber er vermutete, dass sie nun endlich akzeptierte, dass er erwachsen geworden ist.

Ron ging im Kopf noch einmal durch, wo sich die anderen Ordensmitglieder befanden. Die letzten zwei Tage waren hektisch verlaufen: Tränke mussten gebraut, illegale Portschlüssel hergestellt und unbrechbare Schwüre ausgesprochen werden.

Bill war früh am morgen angekommen und Moody war abends zu ihnen gestoßen. Es war entschieden worden, dass Kingsley und Tonks im Aurorenteam des Ministeriums bleiben sollten, um den Einsatz der Auroren durcheinander zu bringen, sobald diese nach Askaban gerufen werden. Die Todesser festzunehmen hatte dabei oberste Priorität, aber niemand vom Orden wollte dabei erwischt werden, wie er Harry befreite. Falls es doch dazu kommen sollte, dass ein Ordensmitglied von einem Auroren gesehen wurde, würden es die Schwüre verhindern, den wirklichen Grund auszuplaudern. Jeder sollte behaupten, er hätte von einem Spion von den Todessern "gehört" und hatte gehofft einen zu erwischen. Selbstjustiz war besser, als Gefangene auszubrechen, auch wenn es sich in diesem Fall um Harry Potter handelte.

Plötzlich bewegte sich etwas links von ihnen.

Ron und Hermine wandten sich dem Geräusch zu und Hermine musste sich auf die Lippe beißen, um ein erschrockenes Keuchen zu unterdrücken.

Snape war plötzlich aufgetaucht. Gefolgt von Draco. Beide trugen schwarze Umhänge und ihre Todesser Masken.

Eine weitere Bewegung und noch zwei Todesser erschienen, diesmal einige Meter rechts von Hermine entfernt. Einer von ihnen war eindeutig eine Frau.

Snapes Augen huschten über das Gelände, wissend, dass sich ganz in ihrer Nähe die Ordensmitglieder aufhielten. Sie hatten gute Arbeit geleistet, sich gänzlich ohne Magie versteckt zu halten.

"Überprüf das Gebiet, Snape!", zischte eine Frauenstimme.

Hermine verzog das Gesicht. Bellatrix.

Snapes Lippe kräuselte sich und er wandte einen Magieaufspürzauber an. Dies war der Grund, warum der Orden keine Magie genutzt hatte, um sich versteckt zu halten. Snape hatte sie gewarnt, dass die Todesser einen solchen Zauber anwenden würden.

Nachdem sie überzeugt waren, dass niemand in den Büschen hockte, schlich die Gruppe an der Außenmauer von Askaban entlang. Ron sah, dass auf der anderen Seite der Ebene noch mehr Todesser auftauchten und stellte beruhigt fest, dass diese weder seinen Bruder, noch Remus oder seinen Vater entdeckt hatten.

Als die Todessergruppierung die Böschung hinunter ging, atmete Ron die Luft aus, die er angehalten hatte. Hermine blickte ihn mit Erleichterung in den Augen an. Sie drückte zärtlich Rons Hand, um ihn zu ermutigen. So als würde sie sagen,

Für Harry.

-

Lucius stöhnte auf, als es in seinem Magen rumorte. Er setzte sich auf und die Übelkeit wurde dadurch nur stärker. Er musste den Drang, sich zu übergeben unterdrücken, als er sich von seiner Pritsche erhob. Langsam taumelte er auf die Gitterstangen seiner Zelle zu, um nach jemandem zu rufen.

"Wärter! Ich verlange, dass du sofort herkommst!", bellte Lucius, sich bewusst, wie ordinär er klang. Aber in diesem Moment, war es ihm reichlich egal. Narzissa hatte ihn nicht davor gewarnt, dass er sich so schlecht fühlen würde. Er schloss die Augen und atmete tief ein und aus, um sich zu beruhigen. Nur noch ein bisschen länger, dachte er sich.

Endlich, ein langsames Schlurfen war im Gang zu hören und Lucius seufzte hörbar. Er öffnete die Augen genau in dem Moment, in dem ein schlechtgelaunter Wärter in sein Blickfeld trat.

"Was wollen Sie, Malfoy?", fragte der Wärter entnervt. "Wieder ein Abstecher zu Potter, eh?"

Lucius grinste ihn spöttisch an. "Bringen Sie mich in den Krankentrakt. Ich fühl mich nicht gut."

Der Wärter sah ihn ungläubig an. "Ihre Hoheit fühlt sich nicht gut? Nun, dass tut mir aber Leid für Sie."

Er wandte sich zum gehen, Lucius griff durch die Gitterstäbe und packte den Mann am Ärmel. Der Stoff fühlte sich rau unter seinen Fingern an.

"Wollen Sie, dass Potter wütend auf Sie wird?", zischte Lucius. Er kam sich lächerlich vor, den Namen des Jungen als Drohung zu verwenden, aber die Wärter hatten Angst vor ihm. Lucius wusste, wie er etwas zu seinem Vorteil nutzen konnte.

Potters offensichtliche Verliebtheit in ihn, hatte dazu geführt, dass er von den Wärtern besser behandelt wurde, denn diese versuchten sich weitestgehend von ihm und Potter fernzuhalten. Ihn jedoch in Ruhe zu lassen, brachte Lucius im Moment recht wenig, und je länger er diese Diskussion noch führen musste, desto komplizierter würde es werden.

Zornesröte stieg dem Wärter ins Gesicht und dann erwiderte er wütend, "Eines Tages werden Sie bekommen, was Sie verdienen, Malfoy. Merken Sie sich das."

Lucius machte eine abweisende Handbewegung und die plötzliche Bewegung verschlimmerte seine Übelkeit. Der Raum begann gefährlich zu wanken und dann übergab sich Lucius heftig.

Der Wärter sprang fluchend zurück, "Verdammt! Was ist los mit Ihnen?"

Er schob hastig den Schlüssel in das Schloss, zog die vergitterte Tür auf und Lucius aus der Zelle. "Komm! Kommen Sie!"

Lucius wischte sich mit einem Ärmel den Mund ab und verfluchte Narzissa. Die unscheinbare kleine Pille, die sie in das Gefängnis geschmuggelt und Pansy gegeben hatte, hatte es wirklich in sich. Pansy hatte die stark codierte Nachricht von Narzissa wiederholt, welche für jeden Außenstehenden unsinnig klingen würde, während Lucius die Pille mit Interesse beäugt hatte.

Narzissas Anweisung hatte lediglich beinhaltet, dass er die Pille um fünf Uhr abends schlucken sollte und er wüsste, was er zu tun hatte.

In weniger als zehn Minuten hatte die Pille ihre Wirkung entfalten.

Nun stolperte Lucius vor dem Wärter durch die Gänge Askabans und Schweiß bildete sich auf seiner Stirn. Wieder begann sich alles zu drehen und Lucius musste sich an eine Wand lehnen, um nicht umzufallen. Der Wärter stieß ihm in den Rücken.

"Werden Sie bloß nicht ohnmächtig, Malfoy! Ich lasse Sie sonst auf dem Boden liegen."

Lucius schluckte die aufkommende Galle mühsam hinunter und wankte weiter. Der Wärter folgte ihm grummelnd. Der Trip dauerte keine zehn Minuten, doch es fühlte sich wie zehn Jahre an. Als sie endlich den Krankentrakt erreicht hatten, kroch Lucius praktisch auf allen Vieren.

Eine recht junge, hübsche Heilerin sah ob ihrer plötzlichen Ankunft auf. Als sie Lucius am Boden sah, stand sie abrupt auf.

"Was ist passiert?", fragte sie hastig, während sie zu ihm hinüber lief. "Sie haben ihn doch nicht geschlagen?", fragte sie den Wärter misstrauisch, welcher sie beleidigt anblickte.

"Hab ihn nicht mal berührt! Er heult bloß rum, dass er krank wär! Hat gekotzt und alles. Heilen Sie ihn einfach, damit ich ihn zurückbringen kann."

Das Mädchen runzelte verärgert die Stirn. "Sie sind besser nicht die Ursache dafür. Wissen Sie, welche Zeit gerade ist? Ich werde in Kürze alle Hände voll zu tun haben. Wo bleibt die Eskorte überhaupt? Und die Gruppe aus St. Mungo's? Es ist eine Schande, wie die Gefangenen hier behandelt werden. Das sind auch Menschen! Sie sollten sich schämen!"

Der Wärter schnaubte. "Dieser Malfoy ist ein Schwein! Ihr sentimentalen Heiler… immer wollt ihr euch um alle kümmern. Und die Eskorte müsste gleich hier sein."

Sie schnalzte mit der Zunge und half Lucius auf den Behandlungstisch. "Ich werde nur mal sehen. Was fehlt Ihnen denn?", fragte sie nicht unfreundlich.

Lucius wollte gerade antworten, als ein weiterer Wärter den Krankentrakt betrat. Lucius erhaschte einen Blick auf rotes Haar.

Das Weasley Mädchen.

Lucius hatte sie nur wenige Male gesehen, seit sie hergebracht worden ist. Er hatte kaum einen Gedanken an sie verschwendet, was überraschte, da sie versucht hatte seinen Sohn umzubringen. Als sie und ihr Wärter näher an den Tisch und damit in sein direktes Sichtfeld traten, konnte er ihr Gesicht sehen. Auch wenn sie ihn ansah und wieder erkannte, änderte sich ihr Gesichtsausdruck kein bisschen.

Die Medi-Hexe wandte sich von Lucius ab. "Was ist passiert? Geht es ihr gut?"

Der neue Wärter zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung, was mit ihr ist, Ava. Sie hat ein paar Tage nichts gegessen und beschwert sich jetzt über Magenschmerzen. Hatte sie noch nie vorher gehabt."

Die Medi-Hexe Ava runzelte die Stirn. "Ginny, setz dich bitte auf das Bett dort drüben."

Lucius beobachtete Ginny, als diese einmal blinzelte, zur anderen Seite des Raumes ging und sich hinsetzte. Sie sprach nicht ein Wort.

Die beiden Wärter unterhielten sich in lautem Flüsterton. "Ja, sie hat versucht Malfoys Kind zu töten. Und jetzt sitzen beide im gleichen Gefängnis… nichts passiert bisher. Außer, dass Malfoy sich an ihren Exfreund ranmacht." Beide Wärter kicherten boshaft und warfen mitfühlende Blicke in Ginnys Richtung.

Die Medi-Hexe Ava wandte sich wieder Lucius zu und zog ihren Zauberstab, während Pergament und ein Federkiel erschienen. "Nun werden wir erstmal herausfinden, was Ihnen fehlt." Sie schwang den Stab und blaues Licht hüllte Lucius ein.

Laute Schritte hallten im Korridor und ein kleines Bataillon, bestehend aus Askabanwärtern und Unterstützern aus dem Ministerium, erschien im Korridor. Inmitten der geschlossenen Front schwebte ein Körper. Keine Frage, um wen es sich handelte.

"Bin gleich wieder zurück.", sagte Ava zu Lucius und eilte zu der Gruppe hinüber. "Legt ihn dort ab. Das übliche Bett. Sind die Heiler schon angekommen?"

Lucius beobachtete, wie Harrys Körper zu einem Bett weit hinten im Krankentrakt schwebte. Er war natürlich gelähmt worden, anders war es gar nicht möglich, mit ihm fertig zu werden. Lucius wusste immer noch nicht genau, was mit Potter geschehen war, aber er wusste, dass der Junge unter dem Einfluss einer dämonischen Präsenz stand. Alle drei Tage würde St Mungo's eine Hand voll Heiler nach Askaban schicken, um Potter mit einer Reihe von Tränken, Zaubern und Magiehemmern ruhig zu stellen.

Lucius fühlte sich plötzlich besser. Wortwörtlich.

Als wäre er nie krank gewesen.

Was immer Narzissa geplant hatte, der Moment rückte näher.

Die Wärter traten von Potter zurück, blieben in der Mitte des Raumes stehen und unterhielten sich miteinander. Dann betraten zwei Heiler in blauen Roben und mit kleinen Taschen unter den Armen den Raum.

Der Chefheiler sagte barsch, "Ist er betäubt? Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit! Macht euch bereit ihn aufzuwecken. Und ich brauche Hilfe mit der Verabreichung. Es fehlen drei Heiler heute! Alle an einem Magen-Darm-Virus erkrankt!"

Ava hastete hinüber zu den Heilern und half ihnen die Taschen zu öffnen und farbige Phiolen herauszuholen.

"Vertauschen Sie die bloß nicht. Sie kennen die Routine. Alles muss in der richtigen Reihenfolge verabreicht werden." Er sah zu einem der Wärter. "Wecken Sie ihn auf, aber lösen Sie nicht den Ganzkörperfluch. Es reicht, wenn er schlucken kann."

Der Wärter nickte und wandte sich mit erhobenem Zauberstab Harrys Bett zu. Doch als er gerade den Mund öffnen wollte, brach plötzlich die Hölle aus.

Lucius hatte die Heiler so konzentriert beobachtet, dass er Weasley komplett vergessen hatte. Er sah ein kurzes, rotes Flackern und das Mädchen bewegte sich in solch einer Geschwindigkeit, dass Lucius überrascht der Kiefer runterklappte.

Ginny hatte sich an den Heilern vorbeigedrängt und griff nach dem Zauberstab, den der Wärter hielt. Dieser war von ihrer unverfrorenen Tat so überrascht, dass er den Stab, entgegen seinem Training, losließ.

Sie richtete den Zauberstab auf Harry und schrie, "FINITE INCANTATUM!"

Harrys Augen öffneten sich schlagartig und er setzte sich auf, als hätte man bei einer Marionette an den Strängen gezogen.

Ginny wandte sich den Heilern zu und brüllte, "INCENDIO!" Die Phiolen gingen in Flammen auf und die Heiler schrieen vor Entsetzen auf.

Lucius wusste, dass nun sein Zeitpunkt gekommen war. Er sprang vom Behandlungstisch, gerade als die Wärter wieder in Bewegung kamen, denn sie hatten in den letzten Sekunden nur die explodierenden Phiolen angegafft. Er rannte auf Harry zu und stieß dabei die beiden Heiler und die Medi-Hexe Ava grob aus dem Weg. Er erreichte Weasley und Harry gerade, als ein Fluch an seinem Kopf vorbei flog und das rothaarige Mädchen traf. Sie ging mit einem Klatschen zu Boden.

Lucius griff den Zauberstab aus ihrer schlaffen Hand und packte Harry an den Schultern, ihn heftig schüttelnd.

"Potter!! Du willst mich vor dem Dunklen Lord retten? Hier ist deine Chance uns beide hier raus zu holen! Rette uns beide!!"

Harry blickte in Lucius' Gesicht und seine Augen verengten sich zu Schlitzen. Er stand auf und schob Lucius aus dem Weg.

Die Heiler wichen verängstigt vor ihm zurück, jetzt wo er wach war und nicht durch Medikamente ruhig gestellt war. Auch die Wärter traten zurück. Nur drei von ihnen stellten sich ihm entgegen, unter ihnen derjenige ohne Zauberstab.

Harry blickte nicht einmal in ihre Richtung. Er sagte nur,

"Kommt."

Ein leiser Pfeifton kam aus dem Korridor und Lucius wusste, dass es nun wirklich ungemütlich wurde.

Im Raum begann sich eisige Kälte auszubreiten.

Die Wärter begannen zu schreien und Zauber auf die offene Tür abzufeuern.

Dementoren strömten in den Raum und die schwachen Patroni konnten sie kaum davon abhalten.

Lucius griff nach Harrys Arm und zog ihn durch den überfüllten Raum. Als sie auf den Korridor gelangt waren, schob er Harry weiter.

"Ich muss zurück zu meiner Zelle, Potter! Ich muss… etwas Wichtiges holen. Halte mir den Weg frei! Wir treffen uns in zehn Minuten auf dem Hof! Lass nicht zu, dass sie mich kriegen! Stell sicher, dass unser Fluchtweg frei ist."

Harrys Augen brannten golden und er nickte steif. Lucius grinste und rannte den Korridor hinunter, weg vom Krankentrakt und den Schreien der Wärter.

Er hatte Potter angelogen. Zwar musste er zurück zu seinem Zelltrakt, aber nur, um die anderen Todesser zu befreien. Er konnte nicht glauben, dass der Todessertrupp außerhalb des Gefängnisses das zustande gebracht hat. Selbst seine Frau war daran beteiligt gewesen. Es muss unglaublich schwierig gewesen sein, dass Weasley Mädchen von solch einer Entfernung aus zu manipulieren. Er würde sie gebührend belohnen. Wie lange das Mädchen wohl schon unter dem Imperius stand?

-

Severus schlich verstohlen durch die langen, verlassenen Korridor des Untergeschosses von Askaban. Nur sehr wenige Leute wussten von diesem Bereich, hauptsächlich, weil er schon seit langem nicht mehr genutzt wurde. Aus unbekanntem Grund war dieser Teil des Gefängnisses gegen jegliche Magie abgeschirmt und niemand wusste, warum er aufgegeben wurde. Doch mit der Ankunft von Potter bestand ein erneutes Interesse für diesen Bereich, um dort seine unkontrollierbare Magie zu neutralisieren. Lucius' Brief an den Dunklen Lord hatte diese Information enthalten.

Draco ging mit entspanntem Gesichtsausdruck neben ihm her. Severus war aus zahlreichen Gründen dagegen, dass Draco an der Mission teilnahm. Der Hauptgrund war der sterbende Dämon in ihm, welcher darauf pochte sich mit dem Rest von ihm wieder zu vereinigen. Severus wollte gar nicht erst über seine Chancen gegen Potter nachdenken, wenn der gesamte Dämon wieder ihn ihm steckte, Lupins Bund hin oder her. Aber es wäre sinnlos und zugleich gefährlich gewesen, hätte Severus seine Bedenken dem Dunklen Lord gegenüber geäußert. Es hätte zu viele Fragen aufgeworfen und soweit Severus wusste, hatte der Dunkle Lord Dracos seltsames Benehmen und ausgemergelte Erscheinung nicht kommentiert.

Severus fand die Stelle in der Wand, an der der Schutzschirm stark abgeschwächt war. Er nickte Draco zu und beide trafen die Wand gleichzeitig mit Flüchen, um den Schutz aufzulösen. Die Magie kräuselte sich und dann erlosch der Schutzschirm, wie ein Feuerwerkskörper im Regen. Severus blinzelte verwundert. Er hatte nicht damit gerechnet, dass es so einfach werden würde. Er blinzelte in die Dunkelheit und vergrößerte das entstandene Loch in der Wand, das sie in den benutzten Teil von Askaban führen würde.

Draco blickte Severus abwartend an und der ältere Mann nickte. Draco wandte sich um und gab ein Handzeichen, während Severus das Gebäude betrat. Die übrigen Todesser kamen auf Dracos Signal und folgten Severus.

"Bleib bei mir, Draco.", befahl der Zaubertrankmeister, als er den Arm ausstreckte, um den jungen Mann davon abzuhalten, an ihm vorbei zu gehen. Bellatrix schnaubte, doch Severus ignorierte sie.

"Der Dunkle Lord will Lucius befreit haben, Snape! Jetzt ist keine Zeit für Babysitting!", zischte die Hexe.

Severus sah sie aus kalten Augen an. "Dann beweg dich! Warum stehst du hier immer noch rum?"

Bellatrix verengte die Augen, sagte jedoch nichts mehr. Sie drückte sich an den anderen Todessern vorbei und schwand mit ihnen zusammen in der Dunkelheit des Korridors.

Severus sah ihnen nach, dann wandte er sich zu Draco. "Versuch nicht, dich wie ein Gryffindor zu benehmen, Draco. Du bleibst an meiner Seite."

Draco grinste. "Dann solltest du dich besser beeilen." Er rannte los durch den steinigen Gang und Snape zischte missbilligend.

-

Hermine und Ron drückten sich in die Schatten, um die Wärter zu meiden, welche durcheinander durch das Gefängnis rannten.

Ron griff nach Hermines Hand. "Sind wir in der Nähe von Harrys Zelle?"

Hermine biss sich auf die Unterlippe. Sie musste zugeben, dass sie keine Ahnung hatte, wo sie waren. Die Korridore wandten sich in verschlungenen Labyrinthen und sie hatten die meiste Zeit hier drinnen damit verbracht vor Dementoren, Auroren, Wärtern und Insassen zu flüchten. Sie wussten nicht wo sie waren, oder wo sich, was das betrifft, die anderen Ordensmitglieder aufhielten.

"Versuch den Zauber noch mal.", bat Ron. "Wir müssen Harry finden."

"Ich glaube nicht, dass er ordentlich funktioniert. Dieser Ort stört die Magie, irgendetwas läuft hier verkehrt.", flüsterte Hermine.

Ron verdrehte die Augen. "Das kannst du laut sagen! Dieser Ort ist verrückt. Und meine Schwester sitzt hier fest!" Seine Augen blitzen auf. "Vielleicht können wir sie ausbrechen!"

"Nein, Ron! Sie würde nur noch mehr Ärger bekommen und man wüsste, dass wir es waren! Nein, wir müssen Harry finden."

Rons Schultern sackten zusammen. "Ich will nur irgendetwas anderes tun, als hier verirrt in der Dunkelheit rumzurennen! Wo sind denn alle?"

-

Remus duckte sich nach rechts und wich somit einer Faust aus, die auf ihn zukam.

"Ich werde dich tööööööööööteeeeeeen!"

Remus knurrte, als der fremde Insasse, den er noch nie zuvor gesehen hatte, auf seinen Rücken sprang. Remus rammte seine Fracht so stark er konnte gegen die Wand.

Ein Fluch schoss an seinem Kopf vorbei und beide Männer erstarrten.

"Zeit zu verschwinden.", keuchte Remus und stieß dem Mann seinen Ellbogen in die Magengegend. Dieser glitt röchelnd zu Boden und Remus rannte den Gang hinab, weg von dem ankommenden Wärter.

Remus schlich geduckt einen weiteren Korridor entlang und hockte sich in eine Mauernische. Der Wärter hatte den entkommenen Gefangenen erreicht und Kampfgeräusche hallten durch die Gänge. Remus sah nach links und stellte fest, dass er einen Zelltrakt betreten hatte. Die meisten der Türen standen weit offen.

"Die Todesser müssen jeden raus gelassen haben.", vermutete Remus laut und hielt dann inne, als er schlurfende Bewegungen in der Dunkelheit hörte.

Remus roch an der Luft, aber alles war so vermischt und die Luft so modrig, dass er nichts ihm bekanntes ausmachen konnte. Er blickte vorsichtig in den Korridor und sah zwei Männer, beides Gefangene, auf sich zukommen.

"Ist es ein Dementor?", fragte einer der Männer verängstigt. "Was ist hier los? Warum sind wir befreit?"

"Halt die Fresse!", keifte der andere Mann. "Es ist ein Massenausbruch. Ich werde hier verdammt noch mal verschwinden."

Remus hob ruckartig den Kopf. Irgendetwas kam ihm… bekannt vor.

Die Männer gingen unter einer der wenigen Laterne vorbei und Remus erhaschte einen Blick auf ihre Gesichter.

Mit einem Knurren sprang er aus seiner Nische und beide Männer erschraken. Remus packte den größeren Mann am Genick und drückte ihn gegen eine Wand, dessen Füße baumelten gute dreißig Zentimeter über dem Boden.

"Bulstrode. Genau der Richtige, um meine Probleme zu lösen. Wo ist dein Werwolf-Kumpane?"

Fadien Bulstrodes Kiefer klappte geschockt nach unten.

-

Severus japste keuchend nach Luft, nachdem er durch den gefühlt hundertsten Korridor gerannt war. Und Draco verlangsamte sein Tempo noch immer nicht. Sein Körper zuckte und wand sich, seine Nase folgte einer Spur, wie ein Jagdhund im Moor.

"Ich kann ihn wieder fühlen. Er ist nah. So nah.", flüsterte Draco. Er berührte eine der Wände. "Jaaaa… ich komme." Draco verschwand um eine Ecke und Severus schnaufte wütend.

"Draco! Warte!" Doch der Blonde rannte weiter, angetrieben von Liebe und einem Verlangen, das direkt aus der Unterwelt kam.

Severus versuchte aufzuholen, fest entschlossen den durchgedrehten Blondschopf nicht in diesem Labyrinth aus Korridoren zu verlieren. Er schlidderte um die nächste Ecke, erhaschte kurz einen Blick auf Draco und sprintete weiter, um die Distanz zwischen ihnen zu verringern. In einiger Entfernung hörte er Schreie und seine Augenbrauen zogen sich zusammen.

Er erreichte den nächsten Gang und sah dort Draco bewegungslos an einer Wand lehnen. Doch dann realisierte er…

"Severus", sagte Lucius geschmeidig. "Ich sehe, du hast meinen Brief bekommen."

Severus nickte, seine Lippen waren nur noch eine dünne Linie. "Offensichtlich."

"Wo ist mein Sohn?"

Severus zog die Stirn kraus. "Hast du ihn nicht gesehen? Er lief in diese Richtung."

"Zweifelsfrei auf der Suche nach seinem Lover."

Severus verzog den Mund. "Dummerweise ist er unbeirrbar, was dies angeht."

Lucius lächelte boshaft. "Potter hat sich als sehr… hilfreich erwiesen. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal glücklich darüber sein würde, dass mein Sohn sich mir widersetzt."

Severus seufzte erschöpft. "Ich würde ja nur zu gern deinen Vatergeschichten lauschen, aber ich denke wir sollten hier verschwinden."

"Ich habe die anderen befreit, alle Insassen. Das wird uns etwas Rückendeckung geben."

Severus nickte. "Ich habe schon Auroren gehört. Du musst hier verschwinden."

Lucius schüttelte den Kopf. "Ich gehe nicht ohne Draco. Er wird mit uns zurückkehren und Potter seinem Schicksal überlassen."

"Ich werde Draco finden, alter Freund. Du musst so schnell wie möglich zum Treffpunkt-"

"Gibt es einen Grund, warum du nicht möchtest, dass ich meinen Sohn finde? Oder liegt es daran, dass du selbst mit Potter allein sein willst?", fragte Lucius höhnisch.

Severus' Augen verengten sich und er keifte, "Dieser ganze Abstecher war dazu da, um dich zu befreien! Wäre es nicht eine einzige Verschwendung, wenn du es nicht schaffst hier herauszukommen?"

"Draco hat ebenso Ärger mit den Auroren, nicht wahr? Wenn er gefasst wird, dann wird es eine Verschwendung gewesen sein." Lucius schritt in die Richtung, die Draco eingeschlagen hatte. Severus fluchte, folgte dem älteren Blonden jedoch.

-

Ron stolperte über etliche am Boden liegende Körper. Hermine kreischte leise auf, hielt sich jedoch weiter an Rons Schulter fest.

"Ich glaube wir nähern uns wieder dem Eingang. Dieser Körper da drüben kommt mir bekannt vor.", sagte Ron.

"Alles sieht hier gleich aus.", flüsterte Hermine, ihre Stimme war einer Panikattacke nahe. Sie hasste es, nicht zu wissen wo sie hinlief.

Am Ende des Ganges schien Licht und Ron blieb angespannt stehen. Hermine hielt ebenso an.

"Was siehst du?"

"Ich glaube, das ist der Innenhof. Dad hat mir davon erzählt. Vielleicht finden wir dort, was wir suchen." Er lief weiter und Hermine folgte ihm hastig. Als sie die Tür erreichten, seufzte Ron erleichtert.

"Es ist wirklich der Hof. Komm."

Ron schob die Tür auf und ging auf den Hof hinaus, Hermine direkt hinter ihm. Doch Ron blieb erstarrt stehen, sodass Hermine beinahe in ihn hinein lief.

"Harry?", krächzte Ron und Hermine blickte über seine Schulter.

Harry hockte in der Tat mitten im Hof, seine goldenen Augen auf die Tür am anderen Ende gerichtet.

"Harry!", rief Hermine und rannte an Ron vorbei auf ihren Freund zu.

"Warte, Hermine!", zischte Ron und griff sie am Ärmel. "Was ist, wenn… er nicht er selbst ist?"

Hermine blickte ihn unsicher an und blieb stehen. "Du hast Recht." Ganz langsam gingen beide nun auf ihn zu. Harry beachtete sie nicht mit einem Blick, sondern hielt seine Augen weiterhin auf die Tür gerichtet.

Hermine schob sich in sein Blickfeld. "Harry… geht es dir gut? Wir sind gekommen, um dich hier raus zu bringen."

Harry hob den Kopf. "Er ist hier… gleich bin ich komplett."

Hermine runzelte die Stirn und Ron sah verwirrt drein. "Wer ist hier, Kumpel?"

Harry wandte sich wieder der Tür zu. Ron warf Hermine einen verwirrten Blick zu und sagte dann, "Wir haben keine Zeit dafür Hermine. Wir müssen ihn hier rausholen."

"Harry.", sagte Hermine sanft und kniete sich vor ihn hin. "Wirst du mit uns kommen? Hier ist nicht der richtige Platz für dich. Wir haben etwas viel besseres für dich."

Harry antwortete nicht. Ein Schrei erhallte aus der Ferne und beide Gryffindors erschraken. Die Zeit lief ihnen davon.

"Wir müssen ihn hier raus bringen, Hermine!", zischte Ron erneut. "Das klang nach… etwas Schlimmem. Nimm ihn und lass uns verschwinden!"

Hermine griff nach Harrys Arm. In der Sekunde, in der ihre Hand ihn berührte, knurrte er gefährlich und stand abrupt auf. Seine Hand schloss sich um Hermines Hals und drückte zu.

"Lass sie los, Harry!", schrie Ron erschrocken, während er seinen Zauberstab auf seinen besten Freund gerichtet hielt. Hermine krallte sich an Harrys Hand fest, als dieser sie vom Boden abheben ließ.

"Fass mich nie wieder an."

Ron schoss einen Brennzauber auf Harry ab, den dieser jedoch mit einer Handbewegung von sich abprallen und auf Ron zurückschießen ließ. Dieser fiel nach hinten und sein Zauberstab rollte über den Steinboden. Ron ließ sich zur Seite rollen, griff seinen Stab und feuerte einen weiteren Fluch auf Harry ab. Harry wich mühelos aus und schwang Hermine mit sich, als wäre sie nichts weiter, als eine Stoffpuppe.

"H-h-harry…", japste Hermine. "bi-bitte...du...tust...mir...weh!" Tränen sammelten sich in ihren Augenwinkeln, während sie gegen seinen festen Griff ankämpfte. "Wir…wollen…dir…nur…helfen… Wir…lieben…dich…"

Ron kam strauchelnd auf die Füße und humpelte auf Hermine zu. "Harry", flüsterte er, "tu ihr nicht mehr weh. Es ist Hermine…"

Harry knurrte erneut und blieb dann wie vom Blitz getroffen stehen. Er zitterte heftig und ließ Hermine fallen, als hätte er sich an ihr verbrannt. Ron eilte zu ihrer Seite, während sie nach Luft japste. Er rieb ihr über den Rücken und zog sie in eine feste Umarmung. "Oh… Hermine… wir können ihn so nicht mitnehmen…"

Ron drehte seinen Kopf zu Harry und gab einen leisen Schrei von sich. Hermine blickte über seinen Arm und keuchte überrascht auf. "Harry?"

Harry sah sie eindringlich an, doch seine Augen waren nicht länger golden. Die leuchteten in intensivem Grün.

"Hermine? Ron?"

Hermine löste sich aus Rons Armen und trat einen Schritt auf Harry zu. "Harry, du erkennst uns? Bist du es wirklich?"

Harry sah sie einen Moment verwirrt an, dann nickte er langsam. "Ich kenne euch… Ich…kann…fast…denken…" Er sah sich hektisch um, und ging dann verzweifelt mit vor sich ausgestreckten Armen auf sie zu. "Lasst nicht zu, dass ich noch jemanden verletze! Lasst nicht zu..., dass Draco mich findet. Draco… er ist…" Harry sah plötzlich erschöpft aus, aber er sprach weiter, jedes Wort mühsam hervorbringend. "Er ist nicht komplett… nicht ohne… Draco. Tötet mich… lasst Draco nicht…"

Harry zuckte und kauerte sich zusammen. Hermine hielt ihn fest, damit er nicht umfiel. "Komm, Harry… wir müssen jetzt gehen. Wir werden Draco nicht in deine Nähe lassen."

-

Draco konnte ihn fühlen. Er schrie nach seiner Seele, wie ein Leuchtturm nach einem verirrten Schiff. Draco bewegte sich durch die labyrinthartigen Gänge von Askaban, als wäre er hier in diesen bröckelnden, alten Wänden geboren worden.

"Ich komme, Harry."

Sein Körper zitterte vor freudiger Erwartung. Die Wochen ohne Essen und Schlaf schienen wie vergessen und seine Kräfte lebten wieder auf. Er hatte alles andere vergessen. Seinen Vater, Severus… jeden.

Außer Harry.

Er bog um eine Ecke und fühlte eine nie gekannte Wärme. Sie umschloss ihn, wog ihn in Sicherheit. Er rannte auf sie zu, durch den Gang, der in den Innenhof führte.

Harry.

Draco konnte nicht sprechen. Er konnte nur noch vorwärts gehen. Harry stand in der Mitte des Hofes, ein schiefes Lächeln auf den Lippen.

Und dann stellten sich Granger und das Wiesel vor Harry auf und richteten ihre Zauberstäbe auf Draco. "Tritt zurück, Malfoy!"

Draco riss seinem Zauberstab hoch und feuerte einen Versteinerungszauber auf das Paar ab. Beide sprangen aus dem Weg und das Wiesel zog Harry mit sich. Harry schrie schmerzerfüllt auf.

Draco knurrte frustriert und schoss einen weiters Fluch ab. Hermine wehrte diesen mit einem Protego ab und konterte mit einem Incarcerous. Draco zischte wütend, als er aus der Flugbahn des Zaubers rollte und auf dem Boden hocken blieb, um von dort aus einen weiteren Fluch auf das Gryffindor Paar abzufeuern.

"Er gehört mir! Ich werde ihn mit mir nehmen!"

"Nur über unsere Leichen, Malfoy!", schrie Ron, einen Fluch auf den Blonden abschießend. Draco sprang über den Zauber hinweg und Ron klappte für einen Moment der Kiefer runter. Hermine erholte sich schneller und feuerte in schneller Folge mehrere Flüche ab.

Harry schrie erneut auf, und Hermine wirbelte herum. Der Schwarzhaarige lag zusammengekrümmt auf dem Boden und zitterte vor Schmerz. "Lass ihn nicht übernehmen…!"

"Lasst mich ihm helfen!", schrie Draco. "Ihr bringt ihn um!"

"Nein! Du… du besitzt den anderen Teil von diesem Dämon! Wenn er sich wieder mit Harry vereint… dann… wird er… unaufhaltbar sein, Draco! Wir müssen ihn töten!"

"Ich werde mich um ihn kümmern. Ihr könnt es nicht! Nur ich kann ihm helfen! Ihr Idioten bringt ihn nur wieder ins St Mungo's, wo sie ihn einsperren werden! Ich werde das nicht zulassen!"

"Das werden wir nicht! Wir haben einen Plan, Draco… Lass ihn einfach in Ruhe!"

Draco hatte das Paar umrundet, welches versuchte Harry abzuschirmen. Dieser lag immer noch am Boden und wand sich vor Schmerzen. Ron stupste Hermine an und deutete auf Draco. Dracos Augen hatten dieselbe goldene Farbe angenommen, wie Harrys, wenn dieser von dem Dämon kontrolliert wurde. Hermine nickte und dann schossen beide gleichzeitig einen Stupor auf Draco.

Dieser sprang in die Luft und die Zauber flogen, ohne ihn zu treffen, unter ihm vorbei. Er landete elegant auf den Füßen und dann hörte er,

"Stupor!!"

Er wirbelte herum und sah zu, wie sein Vater Granger versteinerte und diese, wie ein nasser Sack, zu Boden ging. Das Wiesel grunzte wütend und erhob seinen Zauberstab. Severus trat vor und mit einem Schwenk seines Zauberstabs flog Rons Stab aus dessen Händen und Severus fing ihm auf.

Ron gaffte wie ein Fisch und Lucius lächelte gelassen.

"Wenn Sie netterweise von meinem Sohn zurücktreten würden… Weasley, nicht war? Vielleicht sollten Sie sich um das kleine Schlammblut kümmern."

Ron schien einen Moment mit sich zu hadern und sein Blick wanderte zu Severus. Severus erwiderte den Blick und ließ den gestohlenen Zauberstab emotionslos durch seine Finger wandern.

"Wenn Sie sie verletzt haben…", knurrte Ron zornig, kniete sich jedoch neben Hermine, um sie genauer zu betrachten.

Draco beachtete seinen Vater kaum, sondern starrte auf Harrys zusammen gekrümmte Gestalt. Ohne ein Wort ging er zu Harry hinüber, kniete sich hin und schlang seine Arme um den Jungen.

Lucius' Kiefer klappte hinunter, als er seinen Sohn beobachtete. "Du enttäuschst mich, Draco! Wir verschwinden hier. Sofort! Komm, Junge."

Draco zog Harry besitzergreifend näher, wie ein kleines Kind, dass sein Lieblingsspielzeug im Arm hält. Harry erbebte und stöhnte, "Nein… neeein… Draco… nicht…"

Draco fuhr ihm beruhigend durch die Haare. "Schhh… es wird alles gut, Harry. Ich werde dich hier wegbringen. Irgendwohin, wo es sicher ist…"

"Und was für ein Ort soll das sein, Draco?", zischte Lucius. "Ich weiß von deiner… Affäre… mit ihm. Es ist Zeit, dass dieses törichte Benehmen ein Ende hat. Ich werde dir diesen einen Fehler verzeihen, aber keinen weiteren."

Draco zog Harry noch näher an sich und starrte seinen Vater wütend an. "Vater, ich werde nicht zulassen, dass er Harry tötet. Wenn du ihn zum Dunklen Lord bringst, wird er das tun! Ich kann das nicht zulassen!"

Lucius war außer sich. "Du wirst gar nichts tun. Du bist ein Malfoy! Was glaubst du eigentlich, was du da machst??"

Draco stand auf und zog Harry mit sich. Harrys Kopf rollte hin und her, als wäre er betrunken. Dracos Augen glühten wie goldene Kohle und Lucius' Augenbrauen zogen sich zusammen, während er langsam auf seinen Sohn zuging. Draco begann wütend zu knurren, Lucius blinzelte. In diesem Moment griff Severus nach Lucius, um ihn zurückzuhalten.

"Lass ihn, Lucius. Wir werden ihn nicht aufhalten können. Draco wird… den Rest des Dämons an Potter zurückgeben."

Lucius wandte den Kopf, um Severus anzustarren. "Dämon? Das… das ist es, was mit Potter los ist?"

Severus nickte, den Blick unentwegt auf Draco und Harry gerichtet. "Ja, der Dämon aus deinem Familienfluch. Ich bin überrascht, dass du das nicht gewusst hast."

Lucius war völlig fassungslos. "Wie kann das sein?", fragte er. "Mein Sohn ist von demselben Dämon wie Potter besessen? Erkläre das!"

Severus verdrehte die Augen. "Lucius, wir haben dafür jetzt keine Zeit. Wir müssen gehen, sofort!"

Lucius nickte und wandte sich wieder zu Draco. "Draco, ich verlange, dass du jetzt mitkommst. Wir klären das später. Überlass Potter den Auroren!"

Draco atmete schwer und schenkte seinem Vater ein irres Lächeln. Harry begann sich zu regen und blickte direkt in Dracos Augen.

"Ich wusste, dass du mich finden würdest." Seine Augen wurden wieder golden.

Harry griff Dracos Schultern und sah ihm weiterhin tief in die Augen.

Draco klammerte sich an ihn und fühlte, wie die pure Freude durch seine Venen strömte.

Und dann fühlte er nur noch heißen Schmerz, als ob seine Knochen schmelzen würden.

Er schrie qualvoll auf.

Harrys Augen leuchteten feurig und er legte eine Hand auf Dracos Brust.

"Was tut er da?", fragte Lucius und seine Augen huschten zwischen seinem Sohn und Severus hin und her. "Er bringt Draco um!"

"Das ist nicht zu schlimm.", schnaubte Ron. "Wir sollten es nicht unterbrechen."

"Jaaaaaa…", zischte Harry. "Wir werden wieder eins sein." Draco zitterte und Blut lief seine Mundwinkel hinab.

"Ich werde nicht zusehen, wie dieses Ding Draco umbringt! Hilf mir, Severus!"

Severus hielt Lucius zurück. "Nein… lass ihn den Dämon nehmen. Wenigstens wird Draco dann befreit sein. Und danach ist es allein Potters Problem."

"Aber es wird ihn töten. Dann mach ich es halt alleine." Lucius marschierte vor, den Zauberstab hoch erhoben.

"Avada Ke-"

Es gab ein lautes Krachen und Lucius' Fluch erstarb auf seinen Lippen.

Der Dunkle Lord stand mitten im Hof.

Severus, Lucius und Ron starrten ihn mit weit offenen Mündern an.

Severus verbeugte sich hastig. "Mein Lord, ich wusste nicht, dass Sie-"

"Ruhe, Severus! Das missfällt mir hier alles sehr." Voldemort wandte sich zu Draco und Harry. "Genug damit!" Er schwank seinen Zauberstab und ein seltsam gelber Fluch traf Draco. Draco flog durch die Luft und weg von Harry, die Verbindung zwischen ihnen unterbrechend. Harrys hasserfüllte, goldene Augen richteten sich auf Voldemort, als Draco gegen eine Wand krachte und bewegungslos zu Boden glitt.

Lucius eilte vor und verbeugte sich. "Mein Lord, wir wusste nicht, dass Sie kommen würde. Wenn ich das gewusst hätte-"

"Dann was, Lucius? Hättest du dann geleugnet, dass du von der Liebe zwischen dem jungen Malfoy und Potter wusstest?"

Lucius senkte die Augen gen Boden. Er hatte dem Dunklen Lord zwar von Potters augenscheinlicher Faszination für ihn selbst berichtet, jedoch hatte er den wahren Grund dafür nicht offenbart. Er hatte es lediglich so klingen lassen, als ob Potter sich einfach so in ihn verliebt hätte.

Voldemort blickte auf Lucius hinab, als wäre dieser eine Made. Dann sah er zu Severus. "Severus, du hast mich am meisten enttäuscht. Crucio!"

Severus ging vor Schmerzen stöhnend zu Boden. Voldemort blickte zu Lucius. "Crucio!!" Der Blonde sank zu Boden, als hätte man ihm, wie bei einem Ballon, die Luft raus gelassen. Ein mitleidsvolles Wimmern entkam ihm.

Er sandte Ron einen herablassenden Blick. "Blutsverräter. Crucio!"

Ron schrie auf und ging auf die Knie. Hermine neben ihm blieb bewegungslos liegen. Doch auch sie wurde von Voldemorts Zorn nicht verschont. Sie schrie, als der Fluch sie traf und sie aus ihrer Bewusstlosigkeit weckte.

Nun wandte sich Voldemort Harry zu, welcher sich über Dracos Körper gebeugt hatte. Voldemort beobachtete die Szene für einen Moment teilnahmslos, ein schiefes Lächeln auf den Lippen. Dann beendete er mit einem Schlenker aus dem Handgelenk die Cruciatus-Flüche. Ein kollektives Stöhnen erklang, doch Voldemort kümmerte sich nicht darum. Er sprach zu Harry,

"Ahhh… Harry. Wenn man mir nur dieses kleine Geheimnis schon vorher verraten hätte. Dass du und Draco zusammen seid. Das hätte alles viel einfacher gemacht."

Er hob den Zauberstab, als die drei Zauberer und die Hexe wieder auf die Füße kamen.

Rons Augen weiteten sich und er brüllte, "NEEEEIN!"

Panik und der überwältigende Drang den Dunklen Lord aufzuhalten, breiteten sich in Severus' Brust aus, als besagter Lord mit erhobenem Stab und dem Todesfluch auf den Lippen vor Harry stand.

Voldemort schwank den Zauberstab, ein Lichtblitz und dann…

Nichts.

Ron blinzelte und er starrte auf die Stelle, auf der Voldemort gestanden hatte. Dann sah er zu der Stelle auf der Harry Körper liegen müsste, leblos.

Nur…

Harrys Körper war nicht dort.

Draco lag immer noch auf dem Boden, regte sich nun ein wenig.

Lucius rannte zu ihm und griff Dracos Arm. Er zog ihn unsanft hoch. "Wir müssen gehen." Er zog Draco mit sich aus dem Hof und warf noch einen Blick auf Severus zurück. Severus wollte ihnen folgen, besann sich jedoch und drehte sich noch mal um. Er eilte zurück und übergab Ron seinen Zauberstab.

Anschließend griff er in seine Robe und drückte Ron einen Schnürsenkel in die Hand. "Benutzt ihn nur, wenn ihr bereit seid.", zischte er, seine schwarzen Augen blitzten. "Wir sind alle dem Untergang geweiht, solltet ihr versagen. Granger wird wissen, was es ist."

Er wirbelte herum und folgte den Malfoys. Ron schloss seine Hand um den Schnürsenkel, als Hermine auf ihn zukam. Sie nahm ihm die Schnur aus der Hand und inspizierte sie.

"Es ist ein Portschlüssel. Zu Voldemort."

"Warum hat er Harry mitgenommen? Warum hat er ihn nicht einfach hier getötet?", fragte Ron.

Hermine starrte den Portschlüssel in ihrer Hand an. "Ich glaube, er ist nicht mehr daran interessiert Harry zu töten. Er ist lebendig viel… wertvoller… jetzt, wo er eine Tötungsmaschine ist. Wer könnte ihn jetzt noch aufhalten?"

Ron seufzte schwer.

Sie würden ihren besten Freund umbringen müssen.

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Ü/N: Das war's für dieses Kapitel. Recht lang mal wieder, ich hoffe ihr habt es euch gut eingeteilt, denn nun gibt es erstmal kein weiteres Kapitel bis Scorpio das nächste hochgeladen hat. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, findet auf meinem Profil einen Link zu meinem Twitter-Acount. Dort werde ich bekannt geben, wann ein neues englisches Kapitel erscheint und den Status der Übersetzung dokumentieren.

Bis zum nächsten Mal.