Epilog

Ein Junge im Alter von ungefähr 6 Jahren saß in einem Stuhl gegenüber von seinem Vater und wand sich unangenehm hin und her. Das Sonnenlicht fiel durch die Fenster des Arbeitszimmers, auf das Gesicht des Jungen, woraufhin er sehnsüchtig nach draußen auf das grüne Gras blickte.

„Also, William", begann sein Vater, „sag mir, warum du mit einem Buch nach deiner Schwester geworfen hast."

„Weil sie eine schreckliche Schwester ist, und ich kann sie nicht ausstehen – und Edmund und Godfrey auch nicht. Ich hasse sie alle!"

Sein Vater antwortete nicht und wartete geduldig, bis er weiter redete.

Der Junge holte tief Luft. „Ella hat gesagt, sie würde meinen kleinen Hund nehmen und ihn in einen Frosch verwandeln – nur weil ich an ihren Haaren gezogen habe. Sie ist gemein zu mir und zwingt mich immer dazu, Sachen für sie zu holen, nur weil ich nicht zaubern kann und sie alle können es! Sogar Godfrey kann zaubern und er ist der Jüngste von allen!" Er brach ab und schniefte, damit die Tränen nicht seine Wangen hinunter liefen. „Und ich wüsste nicht, wie ich Troy wieder zurück verwandeln könnte, wenn sie ihn zu einem Frosch machen würde. Er würde dann für immer so bleiben müssen!"

„Ella würde niemals Troy oder irgendetwas anderes in einen Frosch verwandeln", antwortete sein Vater und runzelte die Stirn. „Und du weißt, dass deine Mutter oder ich so einen unbedeutenden Zauber sofort rückgängig machen könnten. Das ist kein Grund für dich, Zauberspruchbücher auf andere Menschen zu werfen."

William schniefte abermals und blickte finster drein.

„Es wäre besser", fuhr sein Vater fort, „wenn du mir sagen würdest, was wirklich in dir vorgeht, anstatt um den heißen Brei herum zu reden."

„Es ist alles so ungerecht!", platze William nach einer kurzen Stille heraus. „Sie können alles und ich kann nichts!"

„Du kannst Dinge entzaubern", sagte sein Vater ernst. „Und das ist eine viel größere Gabe als all die anderen."

„Das ist nicht wahr!", widersprach William und seine Stimme zitterte.

„Deine Mutter ist eine Entzauberin."

„Aber Mama kann auch zaubern, das weiß ich! Alles außer mir können es – sogar Großvater und Großmutter Bennet können es und sie sind schon uralt!"

Die Mundwinkel seines Vaters zuckten etwas bei dieser Aussage. „Deine Mutter kann nur zaubern, weil ich es auch kann."

„Dann kannst du machen, dass ich es auch kann?", fragte William begierig, vergaß ganz, dass sein Vater verärgert über ihn war und stand auf, um sich neben ihn zu stellen.

„Du weißt, dass ich es nicht kann", antwortete er. „Wir haben das schon mehrfach besprochen."

William ließ seinen Kopf hängen und eine einsame Träne floß seine Nase hinunter. „Dann denke ich, bin ich dazu verdammt, niemals etwas Wichtiges zu tun. Ella sagt, nur Zauberer können andere Zauberer bekämpfen."

„Und du möchtest andere Zauberer bekämpfen?"

„Nur die Bösen."

„Entzauberer sind sehr gut im Kampf gegen böse Zauberer", sagte sein Vater beruhigend, als er den Jungen auf seinen Schoß setzte, „vielleicht sogar besser als alle anderen. Ich habe dir schon gesagt, diese Fähigkeit ist sehr stark."

William sah ihn kritisch an.

„Aber das Mächtigste ist eine Verknüpfung der beiden – Zauberei und Entzauberei."

William dachte einige Momente darüber nach, bevor er seinen Vater besorgt anblickte. „Werde ich bestraft werden?"

Er meinte seinen Vater darüber kurz glucksen hören zu können, war sich aber nicht sicher. „Du und Ella, ihr werdet beide bestraft werden. Die ganze nächste Woche werdet ihr gemeinsam Unterricht haben–" (der Junge öffnete seinen Mund, um zu protestieren, überlegte es ich dann aber anders), „–und ich werde den Unterricht persönlich übernehmen."

William lehnte sich etwas getröstet gegen die Weste seines Vaters. Wenn ihr Vater anwesend war, würde Ella nicht insgeheim Zaubersprüche unter der Nase ihrer Gouvernante ausführen können.

„Weißt du eigentlich, William", sagte sein Vater schließlich, „dass ich einst einen furchterregenden Zauberer besiegt habe, lange Zeit bevor du geboren wurdest?"

Die Augen des Jungen wurden groß. „Natürlich wusste ich das! Edmund hat es mir vor einer langen Zeit erzählt."

„Hat er dir erzählt, dass ich es nicht ohne deine Mutter geschafft hätte? Oder ohne die Hilfe von Entzauberung?"

„Ich weiß nicht", sagte William unsicher.

„Also", antwortete sein Vater, „dann ist es wohl an der Zeit, dass du die Geschichte hörst, wie deine Mutter und ich uns zum ersten Mal begegnet sind. Aber es ist eine lange Geschichte", sagte er zögernd. „möchtest du lieber wieder nach draußen gehen?"

„Nein", sagte William schnell, „ich möchte die Geschichte gerne hören."

Sein Vater lachte. „Also", begann er, „damals war ich bekannt unter dem Namen Pendragon (obwohl dein hinterhältiger Onkel Fitzwilliam mir schon eher den Namen ‚Der Poet' gegeben hatte)–"

„Aber ich dachte, Mama nennt dich jetzt anders?"

„Das tut sie."

„Wie denn?"

„Das ist ein großes Geheimnis."

„Ein Geheimnis?"

„Eines Tages, wenn du alt genug bist, wirst du es erfahren."

„Ich mag Geheimnisse."

„Dann wirst du diese Geschichte mögen."

William lehnte sich an die Schulter seines Vaters. „Fängst du noch einmal von vorne an?", fragte er. „Ich habe den Anfang schon wieder vergessen."

Dieses Mal war er sicher, dass er seinen Vater sanft lachen hören konnte. „Damals, als ich noch unter dem Namen Pendragon bekannt war, war die Wahrheit über die Fähigkeit deiner Mutter noch ein Geheimnis – nein, nein. Eigentlich geht es weiter zurück. Vor einer sehr, sehr langen Zeit waren dein Großvater Darcy und dein Großvater Bennet gemeinsam in der Schule..."

FINIS