Die Nacht des Freundes

Sie hatten eine Menge Weg hinter sich gebracht und Lucius erschien es so, als wolle Chiron den Einbruch der Nacht nach Möglichkeit im Schutze einiger Felsen verbringen, denn der Zentaur verkündete plötzlich vor einem Gesteinsmassiv, dass sie so lange Rast machen würden, bis der neue Tag heranbräche.

Malfoy befreite seinen Schlafplatz so gut es ging von Steinen und Ästen und legte sich probeweise auf den nackten Boden. Nach wenigen Minuten erhob er sich, biss die Zähne zusammen und reckte seine schmerzenden Glieder.

"Dein Bett war wohl weicher", sinnierte Chiron und fügte an: "Ihr Menschen sollt wie auf Wolken schlafen, ist das wahr?"

"Gegen DAS hier ist absolut jedes Bett eine Wolke", knirschte Lucius zwischen den Zähnen hervor.

"Eine Wolke kann ich dir nicht bieten, aber vielleicht gibst du dich ja hiermit zufrieden", sagte Chiron und deutete ein Stück weiter auf eine Fläche, die dick mit Moos überwuchert war.

Der blonde Mann folgte dem Blick des Zentauren, sah ihn dann kurz an und wandte den Blick wieder ab, als er sagte: "Das wird mir die Nacht erleichtern - danke!"

"Alles was dir die Nacht erleichtert, wird mir vermutlich den Tag mit dir erleichtern", erwiderte der Zentaur unbehaglich. Chiron hatte gehofft, dass der Mensch lernte, sich zu bedanken - doch nun, da es soweit war, bemerkte der Zentaur, dass er selbst mit Dank mehr als schlecht umgehen konnte.

Wortlos rollte sich Malfoy auf dem Moos zusammen und bettete den Kopf auf seinen ausgestreckten Arm.

Chiron betrachtete den Mann, der hier im Wald liegend wirklich völlig fehl am Platz wirkte.

Als die Dunkelheit ihre langen Finger zwischen den Bäumen ausstreckte, blickte Chiron in die Schatten, die miteinander verschmolzen und die Welt in ihre Schwärze tauchten. Die Dunkelheit machte dem Zentauren nicht das Geringste aus, doch der Geruch nach struppigem Fell und heißem Raubtieratem kroch ihm in die Nase, und weckte seine tierischen Instinkte.

Er wagte es nicht, sich niederzulegen, sondern stand mit offenen Augen und bemühte sich, auch auf diese Weise auszuruhen.

"Es ist das Fleisch, nicht wahr? Es lockt die Wölfe an", hörte der Zentaur plötzlich die leise Stimme des Menschen. Obwohl sich Lucius nicht zu ihm umgewandt hatte, musste der Mann seine Anspannung gespürt haben.

"Ja, es lockt sie an. Aber sie werden es sich nicht holen", erwiderte Chiron mit einer Stimme, von der er hoffte, dass sie fest klang.

"Warum bist du dann so nervös?", fragte der Mensch und einen Augenblick lang verfluchte Chiron ihn für seine unbarmherzige Aufmerksamkeit.

"Weil meine Sinne durch ihre Anwesenheit verrückt spielen - ob ich will oder nicht", gab der Zentaur schließlich leise zu.

"Ich hätte das Fleisch nicht mitnehmen sollen. Ich werde es den Wölfen geben, damit sie uns in Ruhe lassen."

"Nein! Tu das nicht", sagte Chiron schnell.

"Aber wenn sie es haben, werden sie nicht länger hier lauern, denn sie wissen, dass sie hier ansonsten nichts zu erwarten haben, da ich unter deinem Schutz stehe."

Chiron kam der Gedanke, dass er ein höchst seltsamer Beschützer war, da sein Fluchtinstinkt so übermächtig von ihm Besitz ergreifen wollte, dass ab und an eines seiner Beine unwillkürlich zuckte.

"Du wirst das Fleisch brauchen, und du hast hart dafür gearbeitet. Behalte es! Die Wölfe werden fortgehen...irgendwann."

"Warum hast du solche Angst vor ihnen?", fragte Lucius sanft, dann fügte er mit festerer Stimme an: "Du könntest es mit mehreren Wölfen gleichzeitig aufnehmen, wenn ich mich nicht täusche."

Chiron räusperte sich leise und versuchte die Tatsache hinzunehmen, dass ausgerechnet der eitle und zerbrechliche Mensch ihn auf seine Angst ansprach.

"Ich könnte es mit einigen von ihnen wohl aufnehmen, das ist richtig, aber bei einem ganzen Rudel würde ich früher oder später den Kürzeren ziehen. Sie sind geschickt, wenn es darum geht, auszuweichen und gleichzeitig zuzubeißen. Wenn sie nicht wüssten, dass sie die ganze Ordnung des Waldes auf den Kopf stellen würden, und sie morgen dafür Rechenschaft ablegen müssten, dann wären wir so schnell tot, wie jedes andere Beutetier. Aber sie schätzen meine Position und Funktion in diesem Wald, und daher würden sie mich niemals angreifen, selbst wenn ich verletzt wäre und mein Blutgeruch ihre Sinne vernebeln würde. Ich WEIß das, aber es ändert nichts an meinen instinktiven Reflexen."

"Ich verstehe", sagte Lucius und Chiron sah, wie der Mensch sich plötzlich erhob.

"Was hast du vor?", fragte der Zentaur alarmiert.

"Nichts", erwiderte Malfoy mit beruhigender Stimme und trat auf den Zentauren zu.

Langsam streckte der Mensch seine Hand nach dem Pferdekörper aus und streichelte mit einer ruhigen Bewegung über den Rücken des Zentauren.

Chiron war völlig verwirrt. Er wandte den Kopf zu dem Mann und versuchte seinen Gesichtsausdruck zu erkennen, doch die Dunkelheit hatte die Züge des Blonden in seine geheimnisvolle Welt gehüllt.

Lucius ließ sich nicht beirren, sondern streichelte weiter den Zentauren, wobei er seine Hand vom Ansatz des Pferderückens bis zum Schweif des Tierkörpers gleiten ließ.

Chiron spürte, wie die Berührung des Menschen ihm die Furcht nahm. Er entspannte sich und die instinktive Angst wurde zurückgedrängt und ließ seinem Verstand wieder Raum, um die Unsinnigkeit seiner Furcht zu begreifen.

Als Malfoy seine Hand schließlich auf dem Rücken des Zentauren ruhen ließ, fragte Chiron leise: "Warum hast du das getan?"

Die Stimme des Menschen klang für Chiron so natürlich, wie seine Hand sich inzwischen auf seinem Rücken anfühlte.

"Weil ich glaubte, dass es dir helfen könnte. Du betonst immer wieder, dass du kein Pferd bist, Chiron, aber du hast die Instinkte eines Pferdes, warum sollte dich also eine streichelnde Hand nicht beruhigen können? Geht es dir jetzt ein wenig besser?"

"Ja...", erwiderte Chiron, "ja...es geht mir besser. Danke!"

Malfoy erwiderte nichts auf den Dank und Chiron kam zu dem Schluss, dass der Mensch mit diesem Wort ebenso schlecht umgehen konnte, wie er selbst.

Und plötzlich lag da ein ganz anderes Wort in der Luft, das keiner von ihnen auszusprechen wagte - Freundschaft. Zwischen dem Zentauren und dem Menschen hatte sich etwas entsponnen, das sie beide noch vor kurzem für völlig unmöglich gehalten hatten, und von dem sie glaubten, dass schon das Wort allein es zerstören konnte, wenn einer von ihnen es auszusprechen wagte.

Und so bargen sie diese Nacht der Freundschaft tief in ihrem Gedächtnis, in dem Wissen, dass sie dieses Geheimnis besser für sich behielten, weil niemand sonst es verstehen würde.

Der Tag der Wahrheit

Der Morgen war herangebrochen und die Wanderer machten sich daran, einige der niedrigen Felsen zu überwinden, um ihre Reise schließlich in einem Kiefernwald fortzusetzen. Lucius hatte den Eindruck, dass Chiron nun regelrecht erleichtert über den Waldboden ging, der mit großen weichen Nadeln übersät war. Das Erklettern der Felsen schien ihm nicht sonderlich gelegen zu haben, doch mit keinem Wort hatte Chiron kundgetan, dass er offenbar mit dem Hinterhuf zwischen zwei Steine geraten war. Lucius sah es erst, als ihm die blutige Abschürfung ins Auge sprang, während Chiron voranging.

"Du bist verletzt", sagte er schließlich zu dem Schluss kommend, dass der Zentaur es vielleicht tatsächlich selbst nicht bemerkt hatte.

"Ja, ich weiß. Es ist nicht schlimm. Wird sich nur ein wenig entzünden, aber das macht nichts."

Malfoy versuchte einen weiteren Blick auf die Wunde zu werfen, doch Chiron schritt jetzt noch schneller aus, als wolle er genau das vermeiden.

"Vielleicht kann man irgendetwas auf die Wunde legen...Kräuter vielleicht", sagte Lucius nachdenklich.

"Kennst du dich damit aus?", fragte Chiron und blieb plötzlich stehen.

Malfoy strich sein langes Haar nach hinten und schüttelte dann leicht den Kopf.

"Nein, mein Freund Severus Snape würde sich damit auskennen...aber ich? Nein, ich nicht...tut mir leid."

"Es ist gut, wenn man jemanden kennt, der zu heilen vermag", sagte Chiron und ging weiter.

"Kann SIE dich heilen?", fragte Lucius und hoffte, dass Chiron weitergehen würde. Doch den Gefallen tat der Zentaur Malfoy nicht, sondern blieb erneut stehen, wandte sich um und sah ihn grimmig an.

"Das KANN sie...und das wird sie."

"Wann?", fragte der Blonde und wich automatisch ein Stück vor dem riesenhaften und erbosten Zentauren zurück.

"Das soll nicht deine Sorge sein, Mensch! Es ist nur ein Kratzer! Bist du um mich besorgt, oder beschäftigt dich allein der Gedanke, ob meine Verletzung ein Grund sein könnte, SIE wiederzusehen?"

"Warum darf ich sie nicht sehen? Wenn ich sie sähe, wäre ich vielleicht...von ihr geheilt."

Der Zentaur lachte plötzlich laut auf, und es klang in keinster Weise amüsiert.

"Du meinst, wenn dir ihr Äußeres nicht gefällt, bist du ihr nicht mehr verfallen. Sehr menschlich gedacht - sehr typisch lucius gedacht", höhnte Chiron.

Der Blonde blickte seinen Begleiter an und schwieg.

Schließlich setzte er sich auf den Boden, den Rücken an einen Kiefernstamm gelehnt, stütze er den Kopf in die Hände und verbarg sein Gesicht.

Seine Stimme war durch seine Haltung gedämpft, doch der Zentaur verstand ihn dennoch sehr genau.

"Ich habe es mir nicht ausgesucht, mich in diese Frau...in dieses weibliche Wesen zu verlieben. Es ist eigentlich nicht möglich, dass ich so für jemanden empfinde, den ich nie sah. Und es gibt noch einen anderen Grund, warum es völlig unmöglich ist, denn ich liebe meine Frau, Chiron. Ich liebe MEINE FRAU!"

Lucius hatte jetzt den Kopf gehoben und seine Augen funkelten vor Schmerz, als er leise anfügte: "Aber sie ist tot. Narcissa ist tot. Und trotzdem liebe ich sie mit jeder Faser meines Körpers und mit meiner ganzen Seele...falls du mir zugestehst, dass ich so etwas besitze." Wiederum verbarg der Blonde sein Gesicht in den Händen und Chiron konnte die Verzweiflung Malfoys wie eine Welle spüren, die ihn selbst fast von allen vier Hufen riss.

"Ja, du hast eine Seele, Lucius...und du hast ein Herz, das derzeit in Stücken liegt. Es tut mir leid, Lucius...es tut mir so leid."

"Es ist nicht deine Schuld, Chiron...es ist allein meine eigene Schuld. Ich werde lernen damit zu leben...mit der Schuld, mit dem Schmerz und mit dem Gefühl, meine Familie verraten zu haben. Du wolltest, dass ich den Schmerz spüre...das tue ich. Voldemort mag dafür gesorgt haben, dass sie starben, aber ich ließ es zu...ich ließ es zu!"

Lucius atmete tief durch und sagte dann viel gefasster: "Mir bleibt immer noch die Erinnerung und vor allem bleibt mir die Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass das, was mir passierte, nicht noch mehr Menschen widerfährt. Mir bleibt der Kampf! Ich glaube, das ist es, was ich tun werde, wenn ich aus diesem Wald gelange...falls ich jemals hinaus gelange. Wirst du mich hinaus führen, Chiron?"

Der Zentaur lächelte kurz, dann wurde er sehr ernst und sagte: "Nein, das werde ich nicht. Ich werde dich führen, Lucius, aber den Weg hinaus wirst du selbst finden müssen."

"Wie soll ich ihn finden, wenn ich dir folge, aber du mich nicht hinaus führen wirst?"

"Es ist nicht der Weg aus diesem Wald hinaus, den du finden musst...vertrau mir, Lucius. Vertraust du mir?"

Es war das erste mal, dass Chiron ihm diese Frage stellte und dass er Malfoys Vertrauen nicht einfach voraussetzte, sondern darum bat.

Der Blonde hob den Blick und in seinen Augen stand Stolz; doch es war kein überheblicher Stolz sondern das gute Gefühl, das man empfand, wenn ein Freund einen um etwas bat, das man erfüllen konnte.

"Ja, ich vertraue dir", erwiderte er jedoch nur knapp, jedes Anzeichen von Überheblichkeit vermeidend, von dem er wusste, dass er es manchmal auch unabsichtlich ausstrahlte - zu wichtig waren diese paar Worte, um sie durch ein falsches Zeichen zu vergiften.

"Dann folge mir ein letztes mal", erwiderte Chiron ebenso knapp, wandte sich um und ging erneut voran.

Lucius erhob sich und folgte dem Zentauren, dessen Hufe ein dumpfes Geräusch auf dem Waldboden erzeugten.

Der Tag verging und eine weitere Nacht brach herein, die sie zu gleichen Teilen redend und ausruhend verbrachten.

Als der Morgennebel über dem Wald lag, brachen sie erneut auf. Ihr Atem bildete kleine Wölkchen in der noch kalten Luft und schon nach kurzer Zeit schien Chirons Körper regelrecht zu dampfen.

Nun war es Malfoy, der voranging und sich darauf verließ, dass Chiron ihn korrigierte, wenn er den falschen Weg einschlug.

Der begehbarste Pfad führte zwischen zwei engstehenden Bäumen hindurch, doch plötzlich blieb Lucius stehen. Auch Chiron hielt inne und betrachtete schweigend, wie der Mensch die Arbeit einer Spinne beobachtete, die ihr Netz zwischen den beiden Bäumen spann.

Ein ums andere mal verknüpfte sie die Fäden in der wundervollen Vollkommenheit, wie nur die Natur sie selbst erschaffen kann. Immer wieder produzierte die Spinne neues Baumaterial aus ihrem eigenen Körper, um das Werk zu vollenden.

Chiron ahnte, dass Lucius jedoch etwas ganz anderes in dem Tier sah, denn ein sehr viel größeres Exemplar der Spinnenfamilie hatte seinen Sohn und seine Frau in einen Kokon gesponnen und – wie Lucius gesagt hatte – sie wie Fleisch am Haken bis zum nächsten Verzehr aufgehangen. Der Gedanke, diejenigen die man liebt, bei lebendigem Leib von Innen heraus zersetzt zu wissen, rechtfertigte jenen verzweifelten Wunsch von Malfoy, selbst sterben zu wollen, als Chiron ihn fand – ein Wunsch, den er inzwischen scheinbar abgelegt hatte, doch dieses kleine Tier konnte alles wieder ins Wanken bringen und Chiron wusste um die Brisanz dieser Situation, in der Lucius sich gerade befand.

„Du brauchst nur deine Hand auszustrecken und du kannst ihr Werk vernichten, es in Stücke reißen und sie gleich mit. Ihre acht Augen werden ihr so wenig nutzen wie ihre acht Beine...sie ist dir ausgeliefert, Lucius."

Chiron glaubte zuerst, Lucius hätte ihn nicht gehört, denn der blonde Mann reagierte nicht. Schließlich jedoch begriff der Zentaur, dass der Mensch gewartet hatte, bis auch die letzten Fäden gespannt waren und die Spinne in die Mitte gekrabbelt war, um ihre tödliche Falle zum Einsatz zu bringen.

Die Stimme des Menschen klang seltsam hohl, doch seine Worte waren ruhig und wohlgewählt.

„Die Spinne tut nur, was die Natur ihr vorgibt. Ich glaube nicht, dass ich etwas ändern kann, indem ich ihr Netz zerstöre...oder sie selbst. Es wäre eine billige Rache, die zudem völlig unsinnig ist. Selbst wenn ich die Möglichkeit hätte, die Spinne zu töten, die meine Familie eingesponnen hat, so wäre auch eine Rache an ihr wohl der falsche Weg. Sie hat nur aus dem Instinkt gehandelt, den die Natur ihr vorgibt. Es war Voldemort, der Kalkül benutzt hat und meine Familie ihr auslieferte, um mich damit zu strafen. Wenn ich IHN zu fassen kriegen würde, so würde ich nicht zögern, ihn umzubringen... doch diese Spinne? Nein...ich verspüre nicht den Wunsch, sie zu vernichten...oder ihr Werk." Lucius sah sich um und deutete auf einen Weg, der durch das Dickicht führte und später wieder auf den ursprünglichen stieß. „Lass uns dort lang gehen", sagte er entschieden.

Chiron folgte dem Menschen auf dem von ihm vorgeschlagenen Weg, übernahm jedoch schon nach kurzer Zeit wieder selbst die Führung.

Die Sonne stieg schließlich höher und wärmte Lucius auf wohlige Weise, dessen Kleider inzwischen einen Geruch angenommen hatten, der den Blonden daran zweifeln ließ, je wieder einen gepflegten Eindruck zu machen. Auch der langsam aber deutlich sprießende Bart fühlte sich ungewohnt und schmutzig an, doch der Kampf gegen die Stoppel war hier von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen und Lucius fragte sich, ob er sich selbst noch wiedererkennen würde, wenn er nun die Möglichkeit hätte, sein Spiegelbild zu betrachten.

Beim nächsten Gewässer würde er es wagen, und zugleich ein Bad nehmen, das ihm zumindest den Gestank vom Körper waschen würde, ehe er sich von dem Freund wieder leiten ließ...wohin auch immer.

Trotz der ereignislosen und scheinbar unnützen Reise, fragte Lucius nicht mehr nach dem Ziel. Er hatte Chiron sein Vertrauen ausgesprochen und er würde sein Wort nicht brechen - diese eine Malfoyregel hatte er sich bewahrt, und er glaubte zu wissen, dass Chiron ihm diese weiterhin zugestand.

Als der Zentaur schließlich stehenblieb, sah Lucius sich um und runzelte die Stirn.

"Wir sind fast am Ziel", sagte Chiron bedeutsam.

Nun schlug Lucius' Verwunderung in Ärger um.

"Aber das ist die Stelle, an der wir aufeinandertrafen. Du hast mich im Kreis geführt! Hier habe ich geglaubt, du würdest mich töten!"

"Ja, hier hast du um deinen Tod gebeten. Wenn du es erneut tust, so werde ich dir deinen Wunsch jetzt erfüllen...doch diesmal als dein Freund. Es liegt an dir, Lucius - denk gut nach, denn ich stehe zu meinem Wort!"

Malfoys Ärger verflog in dem Moment, als Chiron den Mut aufbrachte, ihn Freund zu nennen. Der Blonde sah die Entschlossenheit in den Augen des Zentauren und begriff, dass der Moment gekommen war, in dem sein Begleiter die Führungsrolle wieder abgab...er gab ihn frei, mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben würden. Es dauerte lange, bis Lucius sprach.

"Ich möchte nicht sterben...mein Verlust hat zwar einen Teil von mir getötet, aber dass der Rest noch in der Lage ist zu empfinden, hast du mir in den vergangenen Tagen mehr als deutlich gezeigt. Ich danke dir für diese Lektion, Chiron...und für deine...für UNSERE Freundschaft."

Eine Wärme breitete sich nun in den Augen des Zentauren aus, die Lucius' Kehle trocken werden ließ und so räusperte er sich unbeholfen, als er schließlich hervorbrachte: "Du sagtest, wir seien FAST am Ziel."

"Bist du bereit, mir noch einmal zu folgen, und dabei an meiner Seite zu gehen?", fragte Chiron lächelnd, doch sein Herz klopfte so heftig, dass man es am Vibrieren seiner Stimme hören konnte.

Lucius, der die Unsicherheit Chirons bemerkt hatte, nickte leicht und trat an die Seite seines Freundes.

Das Wunder des Lebens

Dichtes Blätterwerk versperrte die Sicht, und Lucius spürte, wie dünne Äste auf seine nackte Haut peitschten, doch Chiron erging es nicht anders und der Mensch war entschlossen, mit seinem Freund Schritt zu halten.

Ein letzter Ast traf den Blonden unangenehm über dem Auge und er blinzelte noch, als er plötzlich auf einem Stück Wiese stand, auf dem er mehrere Gestalten ausmachte.

Der Anblick schnürte ihm die Kehle zu, und das einzige was er herausbrachte, war: "Oh Gott...oh mein Gott!"

Er war nicht mehr in der Lage zu sprechen, zu gehen, zu stehen.

Seine Beine schienen ihm den Dienst versagen zu wollen und sein Körper wollte vor Freude zerspringen.

Narcissa löste sich von der großen Gestalt, in deren Schatten sie eben noch gestanden hatte, und zog Draco mit sich, der die Ankunft seines Vaters jetzt erst bemerkte und sich nicht länger ziehen lassen musste, sondern auf ihn zu eilte.

Narcissa schlang Lucius die Arme um den Hals, küsste sein Gesicht und ließ ihre Hände über seinen Körper streichen, als müsse sie sichergehen, dass er es tatsächlich war, den sie in den Armen hielt.
"Lucius...endlich...Lucius", sie küsste ihn abermals und ihre Hände vergruben sich in seinem Haar, während sie ihren Körper an den seinen drängte.

Draco wartete, bis seine Mutter den Vater widerwillig freigab und auch er umarmte den sprachlosen Mann und begrüßte ihn mit rauer Stimme: "Vater...wir haben so lange auf deine Ankunft gewartet. Geht es dir gut, Vater?"

Lucius wusste nicht, wie er die Frage beantworten sollte. Er war völlig zwischen Unglauben und Freude gefangen und bemerkte nicht einmal, dass er selbst zum ersten mal derjenige war, der von seiner Familie gestützt werden musste.

Er wandte sich zu Chiron um, denn tausend Fragen hämmerten in seinem Geist und doch fand er nicht den Weg, sie zu formulieren.

Der Zentaur blickte ihn an und seine Augen schienen zu sagen: "Später, Lucius...später."

Draco gab den Vater wieder in Narcissas Hände und nun brachte Lucius endlich die Kraft auf, sie zu umarmen und er weinte vor Glück, sie lebend zu wissen.

Die Gestalt, die zuvor neben Narcissa und Draco gestanden hatte, bewegte sich auf sie zu und Lucius erkannte einen weiblichen Zentauren.

Ihr Haar wehte tatsächlich wie eine blonde Mähne um ihren menschlichen Kopf. Das Gesicht war ebenmäßig und grüne Augen funkelten voller Freude. Der Körper des weiblichen Zentauren war schlanker als der von Chiron, aber ebenfalls überaus kraftvoll.

Drei Kinder folgten ihr, ein weiblicher und zwei männliche junge Zentauren. Sie hielten sich im Hintergrund, während sie den neu angekommenen Menschen ängstlich beäugten.

Der weibliche Zentaur streifte Lucius nur mit einem Blick, und wandte sich dann entschieden ab.

"Chiron, mein Herz...endlich bist du zurück", sie schmiegte sich an Lucius' Begleiter und sofort erkannte der blonde Mann ihre Stimme...die Stimme, die ihn gerettet hatte...das weibliche Wesen, in das er sich verliebt hatte...sie war Chirons Frau!

Das alles traf Malfoy so unvorbereitet, dass er wie in Trance war. Chiron bemerkte den Zustand des Menschen, doch gerade als er sich an ihn wenden wollte, fasste eines seiner Kinder den Mut, auf ihn zuzustürmen und rief: "Vater, Vater!"

Der Zentaur begrüßte seinen Sohn und ging nun auch zu seinen beiden anderen Kindern, um kurz mit ihnen in Körperkontakt zu treten.

Die Stimme seines kleineren Sohnes klang hoffnungsvoll, als er fragte: "Vater, werden unsere Freunde endlich bereit sein, wieder mit uns zu spielen, wenn die Menschen endlich weg sind?"

Auch die beiden anderen Kinder blickten ihren Vater erwartungsvoll an; es war offensichtlich, dass auch sie auf eine Antwort drängten.

Chiron räusperte sich und sagte dann: "Ja, eure Freunde werden zurückkehren, wenn die Menschen fort sind. Aber es war sehr wichtig, dass ihr die Menschen beschützt habt. Ich bin sehr stolz auf euch. Lasst mich nun noch einen Moment mit dem Menschen sprechen, danach werde ich mir anhören, wie es euch während meiner Abwesenheit ergangen ist."

Die Zentaurenkinder nickten gehorsam und traten zurück; das Mädchen jedoch wandte sich noch einmal um und sagte leise: "Ich habe dich vermisst, Vater...geh nicht mehr weg...bitte!"

Chiron nickte und erwiderte: "Ich werde jetzt hierbleiben. Geh mit deinen Brüdern, ich werde euch bald folgten."

Chirons Frau bedeutete Narcissa und Draco ebenfalls, sie zu begleiten und Narcissa küsste Lucius abermals, bevor sie der Aufforderung folgte.

Lucius blickte ihr nach und erst als sie und Draco zwischen ein paar Bäumen verschwunden waren, wandte er seinen Blick Chiron zu. Ein einziges Wort drang über die Lippen des blonden Mannes: "Warum?"

Der Zentaur sah ihn mit festem Blick an und seine Stimme klang gefasst.

"Du möchtest wissen, warum ich dir vorenthielt, dass deine Frau und dein Sohn noch leben?"

Nun, da es ausgesprochen war, schien Lucius' Lähmung plötzlich wie verflogen und er schrie seinen Begleiter an.

"Ja, du verdammter Scheißkerl! Genau DAS möchte ich wissen! Du hast mir die Seele rausgerissen! Du hast gewusst, dass ich sterben wollte, weil ich glaubte, sie wären tot! Du hast es mich glauben lassen, obwohl du tausend Gelegenheiten hattest, es mir zu sagen. Warum? Warum hast du es mir nicht gesagt? WARUM?"

Chiron trat einen Schritt zurück, doch sein Blick blieb standhaft.

"Weil du dich ändern musstest, damit sie auch weiterhin überleben können...damit DU überleben kannst, Lucius. Du hast mir mehr als einmal gesagt, dass es nur so weit kommen konnte, weil du falsch gehandelt hast in deinem Leben. Du hast mir von der Vergangenheit erzählt und sie bereut. Jetzt hast du die Chance, die Fehler nicht nur zu sehen, sondern sie in Zukunft zu vermeiden."

Chiron schwieg einen Moment und betrachtete den zornigen Malfoy. Er betrachtete die Hände des Menschen, die zu Fäusten geballt waren und die pulsierende Ader auf seiner Stirn.

"Ich kann verstehen, dass du wütend bist. Ich kann verstehen, wenn du dir wünschst, mich für mein Schweigen zu bestrafen. Willst du mich schlagen, Lucius? Wird es dir helfen, wenn du mich schlägst?"

Die Stimme des Menschen klang wie ein wütendes Fauchen, als er sagte: "Ich habe doch ohnehin keine Chance gegen dich...die hatte ich nie!"

Chiron senkte den Kopf und sagte leise: "Es tut mir leid, dass du das so siehst. Denn du, Lucius, bist MEINE Chance...", er blickte den Menschen nun schweigend an und nach schier endlos langer Zeit fügte er an: "...du bist vielleicht unser aller Chance."

Lucius öffnete die Faust und presste die Hände gegen seine Schläfen.

"Ich verstehe nicht...ich verstehe dich nicht, Chiron. Bitte keine Spielchen mehr...keine Rätsel...ich möchte zu meiner Familie, und du sicher zu deiner...erklär es mir...bitte!"

Der Zentaur schloss kurz die Augen, als er begriff, dass Lucius' Wut verflogen war, dann öffnete er sie wieder und begann zu erzählen.

"Die Tiere dieses Waldes haben in dem Moment Rache geschworen, als Lord Voldemort das Einhorn tötete und diesen Wald als Unterschlupf missbrauchte. Ehe er zur Rechenschaft für seinen Frevel gezogen werden konnte, verschwand er jedoch wieder aus dem Wald. Doch auch wenn wir Zentauren die Menschen verachten und mit ihrer Welt nichts zu tun haben wollen, so gab es doch genug Wesen dieses Waldes, die Kundschaft über die Vorgänge in eurer Welt und das Vorgehen von Voldemort erhalten haben.

Der Wille, diesen tollwütigen Lord zur Strecke zu bringen wuchs und verbreitete sich so schnell, dass schließlich beschlossen wurde, einen Anführer zu wählen, der die Ordnung wiederherstellt und der die Kampfwilligen organisiert. Man wählte mich dafür aus.

Als Voldemort deine Familie hierher brachte, ging diese Nachricht wie ein Lauffeuer durch den Wald.

Doch Voldemort ist ein Feigling. Er offerierte euch als Opfer, während er sich selbst in Sicherheit brachte, und er verschwand wieder so schnell, dass ein Angriff auf ihn unmöglich war.

Aralie, die Riesenspinne spann deine Frau und deinen Sohn in einen Kokon, um Voldemort dazu zu verführen, sich so lange wie möglich hier aufzuhalten, bis ich eingetroffen wäre und zum Kampf rufen konnte. Doch sobald ich kam, verließ er den Wald sofort wieder, so dass wir seiner nicht habhaft werden konnte.

Als du Narcissa und Draco fandest, musstest du natürlich davon ausgehen, dass sie tot sind. In Wahrheit jedoch hat Aralie sie beschützt und am Leben gehalten, während Voldemort dachte, sie wären tot. Und als ich dich dann vorfand...als ich sah, wie sehr du liebtest...als ich sah, dass du verzweifelt den Tod fordertest, und dich von mir willig hast verletzen lassen, um deinen übermächtigen Schmerz zu vergessen, da wusste ich, dass du dich ändern kannst. Aber das ging nur, wenn du nicht sofort in deine alten Verhaltensmuster zurückfällst...es ging nur, wenn du dein bisheriges Leben hinter dir lässt und erneut lerntest, zu leben.

Aus diesem Grunde trennten Freyja und ich uns für eine Zeit, und während sie deine Frau und deinen Sohn aus ihrem totenähnlichen Schlaf erweckte und auf sie acht gab, machte ich es mir zur Aufgabe, meine Reise mit dir anzutreten.

Ich hatte nie vor, dich zu töten, Lucius, denn ich wusste von Anfang an, in welch perfides Spiel deines Herrn du geraten warst.

Ich musste jedoch herausfinden, ob er dich so sehr verändert hat...ob er dich bereits so sehr mit seiner Krankheit infiziert hatte, dass du ihm selbst dann noch im Geiste folgst, wenn er dir alles genommen hat, was du liebtest.

Hasse mich dafür, wenn du nicht anders kannst, aber verstehe, dass ICH nicht anders handeln konnte, wenn ich sichergehen wollte, dass du wirklich geheilt werden kannst."

"Nein Chiron...ich hasse dich nicht dafür. Ich werde dir nie verzeihen, dass du mich in dem Glauben gelassen hast, meine Familie wäre tot, aber ich verstehe, dass du nicht anders handeln konntest, um sicher sein zu können, dass von mir keine Gefahr für euch alle ausgeht. Du hast deine eigene Familie verlassen, um mir zu helfen. Bei Merlin, du hast sie sogar vor mir verleugnet...ich dachte all die Zeit über, dass du dich paarst und danach wieder deiner Wege gehst. Außerdem habe ich dich oft für selbstherrlich und grausam gehalten, aber schon seit einiger Zeit ist mir klar, dass du meine Wut oftmals absichtlich angestachelt und dazu eingesetzt hast, um ich ins Leben zurückzureißen."

Lucius hielt inne und plötzlich änderte sich sein Gesichtsausdruck und zeigte Besorgnis.

"Ich frage mich, ob du deine Position nicht zu sehr aufs Spiel gesetzt hast, indem du mich zu deinem Begleiter machtest. Deine Kinder wurden von ihren Freunden geschnitten, weil ihr Menschen beherbergt habt. Und deine Frau scheint ebenfalls nicht begeistert von meiner Anwesenheit. Ich kann jetzt verstehen, warum du sagtest, dass sie Angst hat, dass sie zuviel Zeit mit mir verbringt, und in Wahrheit war es wohl so, dass sie Angst hatte, dass DU zuviel Zeit mit mir verbringst. Sie muss mich dafür hassen, dass ich dich ihr entrissen habe...sie muss mich dafür hassen, dass ich ihren Kindern die Freunde nahm...sie muss mich dafür hassen, dass du deine Position in diesem Wald aufs Spiel gesetzt hast, indem du ausgerechnet einen Menschen zu deinem Begleiter gewählt hast...aber das Schlimmste ist...das Schlimmste...", Lucius verstummte und schloss gequält die Augen.

Es war Chirons bittere Stimme, die ihn dazu brachte, den Kopf beschämt zu senken.

"Das Schlimmste ist, dass du sie immer noch liebst, nicht wahr? Obwohl du weißt, dass sie meine Frau ist...obwohl Freyja dich hasst, und obwohl du weißt, dass deine Frau lebt, liebst du Freyja immer noch."

Die Antwort des Blonden war nur ein Keuchen: "Ja", stieß er hervor.

"Bei Merlin...Lucius...was machen wir jetzt nur mit dir?", fragte Chiron und fügte an: "Sie hat diese Wirkung immer auf Männchen, wenn sie heilt. Ihre Gabe ist Fluch und Segen zugleich, das sagte ich dir."

Der Zentaur seufzte laut und kummervoll, dann räusperte er sich und sagte: "Aber es gibt noch Hoffnung für dich, denn sie kann die Heilung rückgängig machen und damit auch den Zauber, der dich schier um den Verstand bringt. Bist du bereit, deine Vergiftung durchzustehen, nun, da deine Familie sich um dich kümmern kann?"

"Ja, dazu bin ich bereit", sagte Lucius ohne zu zögern, dann fügte er an: "Das muss furchtbar für dich sein, zu wissen, wie sehr ein anderer deine Frau liebt."

"SIE liebt dich NICHT, sondern mich - das ist alles, was ich wissen muss", erwiderte Chiron und betrachtete mit Genugtuung, wie weh dem Menschen diese Worte taten. Schließlich seufzte der Zentaur, als ihm klar wurde, dass ihn Lucius' Schmerz selbst nicht kalt ließ.

"Du wirst dich besser fühlen, wenn du den Zauber los bist", sagte er aufmunternd.

"Und wenn ich die Vergiftung überstanden habe", erinnerte Lucius.

"Ja, das auch", stimmte Chiron zu und setzte leise hinterher: "Ich hoffe nur, dass du dann nicht auch vergisst, dass wir einmal Freunde waren."

Lucius betrachtete das sorgenvolle Gesicht des Zentauren und seine eigene Stimme klang rau, als er fragte: "Warum sprichst du in der Vergangenheit? Werden wir in Zukunft keine Freunde mehr sein?"

Chiron seufzte abermals und sah nun wirklich bekümmert aus: "Ich weiß es nicht...wenn du aus diesem Wald hinaus bist...vielleicht wirst du all das hinter dir lassen wollen...auch die Erinnerung an unsere Reise."

Lucius dachte über Chirons Worte nach, dann schüttelte er den Kopf: "Nein, das glaube ich nicht. Du hast mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Ich habe Pläne, die ich umsetzen möchte, und ich glaube, du bist noch nicht ganz fertig mit mir, oder täusche ich mich da, Chiron?"

Nun lachte der Zentaur und erwiderte: "Du hast mich inzwischen sehr gut kennen gelernt, Lucius. Nein, ich bin noch nicht ganz mit dir fertig, wie du schon richtig vermutest.

Wenn du wirklich bereit bist, gegen Voldemort zu kämpfen, so sollst du es nicht alleine tun. Dieser ganze Wald ist voller Kreaturen, die nur auf das Zeichen für den Angriff warten.

Ich glaube, mit einer solchen Übermacht können die Todesser regelrecht überrannt werden. Aber wir brauchen jemanden, der in der Lage ist, Voldemort hierher zu bringen. Und wer wäre dafür besser geeignet, als ein Geist aus seiner Vergangenheit? Wenn du es schaffst, ihn und seine Anhänger hierher zu locken, dann ist ihre Vernichtung besiegelt. Wärst du dazu bereit, Lucius...wärst du bereit, Schicksal für deinen einstigen Herrn zu spielen?"

Malfoy konnte die Aufregung Chirons spüren. Von seiner Bereitschaft, den Lord in den Wald zu führen, hing alles ab - entschied er sich dafür, so konnte Chiron seine Position als Anführer dazu nutzen, den geballten Zorn der kampfbereiten Waldwesen zur Vernichtung Voldemorts und seiner Anhänger einzusetzen - entschied Lucius sich dagegen, so würde er kein Risiko eingehen, dem Lord erneut gegenübertreten zu müssen, was allerdings auch bedeuten würde, dass er und seine Familie dazu verdammt wären, sich Zeit ihres Lebens versteckt zu halten.

"Ich bin dazu bereit, Chiron. Ich werde ihn euch bringen, und wenn es das Letzte ist, was ich tue...ich hoffe allerdings, dass es nicht das Letzte sein wird, denn auch wenn deine Frau eine verwirrende Wirkung auf mich hat, so habe ich doch nicht vergessen, dass Narcissa auf mich wartet...ich kann es kaum erwarten, sie und Draco nach Hause zu führen...aus diesem Wald heraus."

Chiron nickte bedächtig: "Aus diesem Wald heraus...ja, Lucius, es ist an der Zeit."

Gemeinsam gingen sie zu den Familien, die sich um die jeweiligen Männer scharten.

Und während Chiron von seinen Kindern umringt wurde, trat Freyja auf Lucius, Narcissa und Draco zu. Ihre Stimme klang betörend in den Ohren des Blonden und sie lächelte ihn zum ersten mal an.

"Ich werde euch jetzt zum Waldrand geleiten." Sie wandte sich nun an Narcissa: "Ihr solltet so schnell wie möglich nach Hause gehen, denn dein Mann wird sehr krank werden. Doch mit deiner Pflege sollte er schon bald in der Lage sein, sein Versprechen einzulösen, welches er meinem Mann gab."

Lucius warf einen letzten Blick zu Chiron, doch der Zentaur schien ihn nicht zu bemerken, denn er sang seinen Kindern ein neues Lied in dieser seltsam fremden Sprache vor, mit der er seine Frau zum kranken Lucius gerufen hatte.

Epilog

Die Abenddämmerung brach herein und der Zentaur sah zu, wie sein junger Sohn sich auf das Moos niederlegte, bereit, seinem Lied zu lauschen.

Es war ein Ritual, das jeden Abend stattfand, und das sie doch nie langweilte oder ermüdete.

Chirons Enkel sang seinem Kind das Lied über einen mutigen Menschen vor, der einst alles verloren hatte, um sich selbst zu finden. Ein Lied über die unglaubliche Freundschaft zwischen einem weisen Zentauren und einem Mann, die dafür gesorgt hatte, dass der dunkle Zauberer Voldemort getötet werden konnte, damit das Gute siegte.

Die Wesen des Waldes hatten den bösartigen Magier unter der Anleitung des Zentauren vernichtet, nachdem der Mensch ihn in den Wald gelockt hatte.

Der Mensch aber, dessen Name Lucius Malfoy lautete, war bis heute mit dem alten Chiron in Freundschaft verbunden, und es ging die Sage, dass sie sich immer noch trafen, wenn der Mond günstig stand; und unter den leuchtenden Sternen erneuten sie ihre Freundschaft, die auf ewig währen würde.