"There is no one on this earth who has not harmed another in some way

„Es gibt niemanden auf dieser Welt, der noch niemanden auf irgendeine Weise verletzt hat. Aber es gibt wenige, die so betrübt an ihre vergangenen Fehler zurückdenken wie du."

„Das ändert aber nichts."

„Du hast die Vergangenheit nicht ändern, aber du kannst deine Wege ändern, und die Zukunft umwandeln."

„Ich weiß nicht, Pater. Ich glaube, es ist schon zu spät dafür."

Der Priester hielt ihm seinen Arm hin und sagte, „Komm, Severus. Lass uns einen kleinen Spaziergang machen. Das wird dir gut tun."

Severus erhob sich langsam und stützte sich zur Hilfe an Pater Nikolskis. Eigentlich war Körperkontakt noch nie etwas für ihn gewesen, aber es schien ihm nur selbstverständlich, sich jetzt auf die freundliche Hilfe des Priesters einzulassen.

„Geht es?" fragte Pater Nikolski.

"Ja. Danke."

Sie liefen still den riesigen Flur entlang. Nach einer Weile legte der Priester einen Arm um Severus' Schulter und sagte, „Du hast irgendetwas auf dem Herzen."

„Ich habe bloß gedacht, dass es hier wirklich schön ist", gab Severus zu. Er betrachtete die riesigen Symbole, die die Wand zierten. „Diese Bilder sind… faszinierend. All die Leute die dort gezeigt werden sehen so… friedlich aus."

"Ich höre Sehnsucht aus der Stimme heraus."

"Es ist… es ist einfach keine Verfassung, die ich jemals erreichen könnte."

Pater Nikolski sagte nichts, also fuhr Severus fort. „Ich habe unaussprechliche Verbrechen begangen. Ich habe versucht, sie wieder gutzumachen, aber es hat niemals gereicht, es war niemals genug. Leiden war nicht genug. Tod ist die einzige Vollkommenheit, zu der ich fähig bin."

„Du wirst müde. Komm, lass uns ein bisschen in der Kapelle sitzen. Sie ist gleich um die Ecke."

Bald befand sich Severus an einem Ort, den er sich noch nicht einmal in seinen Träumen hätte vorstellen können. Etwas vergleichbares hatte er noch nie zuvor gesehen. Er fühlte sich, als würde er in eine andere Welt treten.

Überall wo er hinsah, brannten große, dünne Kerzen, Lichtinseln im Halbdunkel des Raumes.
Stühle standen an den Wänden und abgesehen von dem kunstvoll verzierten Teppich auf dem Boden war das Zentrum der Kapelle leer. Doch was ihm am meisten den Atem raubte, war die Wand mit den Symbolen und Bildern vor ihm. In der Mitte dieser Wand befanden sich zwei goldene Türen, zwischen denen der Altar stand.

„Was ist das für ein Ort?" fragte Severus, den Raum noch halb musternd. Die Dunkelheit hätte ihn beinahe an seine Kerkerräume erinnert, wären nicht die Kerzenständer aus Messing und ihr unzählbares, schimmerndes Licht gewesen….

Pater Nikolski half ihm, sich hinzusetzen und erklärte dann, „Hier beten wir Gott an."

„Aha", brachte Severus hervor und ließ seinen Blick erneut durch den Raum wandern. Auf der linken Seite, vor den Wandzeichnungen war ein riesiges Kreuz aufgestellt worden. Darauf befand sich die gezeichnete Figur dieses Mannes, dieses gekreuzigten Mannes, den Severus schon einmal gesehen hatte.

Plötzlich sprang ihm der Name ins Gedächtnis.

Jesus Christus.

Severus' Wissen über die Muggle-Welt war auf ein Minimum beschränkt. Noch weniger wusste er über Muggle-Religionen. Was für einen Nutzen konnte solch eine Information dann wohl für ihn haben? Abgesehen davon gehörte er zu seiner alten Zaubererfamilie. Alles was etwas mit Mugglen zu tun hatte war entweder misstrauisch, oder absurd, oder einfach nur seltsam.

St.Mungos war selbstverständlich ein Christ gewesen. Ein ziemlich ausgefallener Zauberer damals, der immer noch weitestgehend als ein Spinner von der Magiergesellschaft betrachtet wurde. Das erklärte zweifelsohne die große Anzahl an Wahnsinnigen, die die meiste Zeit ihres Lebens in dem Krankenhaus verbrachten, das besagten Zauberers Namen trug.

Aber jetzt wollte Severus mehr über diesen Muggle Gott wissen.

Wieso hatte er solch einen schrecklichen Tod durchgemacht?

Blut floss an der Seite Christus' hinab und seine Handflächen waren gehoben, als würde er ein Gebet anbieten… als würde er sich selbst anbieten. Irgendetwas an seinem Anblick war so tugendhaft, so erhöht, und so schmerzhaft, mit seinem gesenkten Kopf und seinem durchbohrten Körper, dass Severus fühlte, wie sich seine Kehle verengte. „Ich…ich sollte wirklich nicht hier sein."

„Wieso nicht?"

„Ich weiß nicht… hier sind… zu viele Lichter."

„Du hast über das Kreuz nachgedacht?"

"Naja… er sieht nicht so aus, als habe er etwas falsch gemacht. Mit Sicherheit nichts, das so ein grausames Ende rechtfertigen würde." Severus sank seinen Blick. „Ich hätte das verdient."

„Du hörst dich fast so an wie derjenige, der neben Ihm gekreuzigt wurde."

„Wirklich."

„Und er sagte auch ‚Denk an mich, wenn du in dein Königreich kommst'".

"Was hat der Christ geantworte?"

Pater Nikolskis Augenbrauen schossen in die Höhe. „Du kennst seinen Namen. Fabelhaft, Severus."

„Ich weiß fast gar nichts über eure Welt, Pater. Aber ich habe seinen Namen gehört. Er kam vor ein paar Augenblicken in mein Gedächtnis.

„Ah."

„Also, Pater? Was hatte er diesem Mann geantwortet?"

"Er sagte: ‚Heute wirst du mit mir zusammen im Paradies sein'".

Severus Sichtfeld verschwamm. Das ist lächerlich… Warum höre ich mir diesen Schwachsinn an? Paradies…klar doch…

Aber sein Herz klopfte gewaltig gegen seine Brust. Hoffnung, hinterlistige, nutzlose Hoffnung erfüllte ihn, trotz seiner besten Versuche, sie zu unterdrücken. Nein nein nein, ich muss sofort hier weg.

„Severus, ich sage die Wahrheit."

"Dem Verbrecher wurde als vergeben. Einfach so. Das ist ein Märchen!" sagte Severus mit einer rauen Stimme. „Ich glaube das nicht." Er blickte zu dem Kreuz, schloss dann fest seine Augen. Das war doch alles nur sentimentaler Blödsinn. Er war in einer verletzlichen Verfassung, geschwächt von der Behandlung, die der in den Händen der Todesser erfahren hatte.

Du wirst mit mir zusammen im Paradies sein.

Severus sog einen zitternden Atemzug ein. Es war nichts als eine Enttäuschung. Wie sonst auch immer.

„Ich denke du glaubst mir, Severus", sagte Pater Nikolski. „du hast bloß Angst".

"Pater, das reicht jetzt. Ich bin dankbar für alles, was Sie getan haben, aber ich kann diese Diskussion mit Ihnen nicht fortsetzen.

Der Priester zog ein kleines mit Lederbuch aus seiner Robentasche. „Severus, ich bitte dich darum, etwas für mich zu tun, bevor wir zu seinem Zimmer zurückkehren."

Nach einem Moment Stille sagte Severus, „Nagut."

„Ließ diesen Abschnitt hier, bitte."

In Berücksichtigung der Freundlichkeit, die er bei dem Priester erfahren hatte, gehorchte Severus. „Du willst kein Opfer, sonst hätte ich es dir gebracht. Dir gefällt nicht, dass man Tiere schlachtet und für dich verbrennt, um von der Sünde freizukommen."

"Weiter, mein Sohn."

„Ich bin verzweifelt über meine schwere Schuld. Solch ein Opfer gefällt dir, du wirst es nicht ablehnen."

Du wirst mit mir zusammen im Paradies sein.

"Noch eine Zeile, Severus" sagte der Priester.

"Ich kann nicht, bitte Pater... Ich weiß, Sie wollen bloß helfen, aber..."

"Nur noch eine Zeile."

"A Ein zerschlagenes Herz wirst du, Gott… nicht verachten." Severus würgte die letzten Worte hervor und fand sich nun nicht länger fähig, die Tränen, die sich bereits bei Beginn des Verses angedroht hatten, zu unterdrücken.

„Ist ja gut", sagte Pater Nikolski sanft und umarmte den kummervollen Mann. „Du verstehst jetzt, dass du genau das hast, was Gott begehrt. Ein gebrochenes Herz. Das ist alles, was Gott will.

"Das macht keinen Sinn", murmelte Severus gegen die Schulter des anderen. „Warum starb dieser Christus, wenn alles was Gott will ein gebrochenes Herz ist? Denken Christen nicht, dass er der… der Sohn Gottes ist?"

"Es gibt so viele Dinge, von denen ich dir erzählen möchte, Severus, aber du bist erschöpft, deshalb werde ich fürs Erste nur soviel sagen: Nur das Leben selbst kann den Tod zerstören. Unser Herr Jesus Christus starb auf diese Weise, um uns genau zu zeigen, wie weit vollkommene Liebe gehen kann. Aber ich überflute dich mit meinen Worten…"

"Nein, Pater. Ich möchte mehr hören, doch ich brauche etwas Ruhe… nur ein wenig..."

"Ja, natürlich. Komm, ich werde dir zu Bett helfen."

Bevor sie die Kapelle verließen, blickte Severus noch einmal auf das Kreuz.

Wenn es dich gibt… dann komm zu mir.

--