Prolog.

„Lauf so lange du noch kannst", sagte Fynn scharf und deutete auf die offene Eingangstür. „Wir wissen beide, du bist zu schwach für diese Aufgabe."

Zoey, seit sechzehn Jahren in der Gewalt von ihren Eltern und Voldemort, hatte nie den Willen zu kämpfen, zu dienen. Ihr ganzes Leben lang hatte sie schon ihren eigenen Kopf und versuchte sich immer weiter von der Familie zu entfernen. Sie wollte nie so werden wie ihre Eltern es waren, sie wollte nie eine Marionette des Bösen sein. Bereits in jungen Jahren lernte sie, anderen Menschen weh zu tun, sie zu foltern und schlussendlich zu töten. Wehrte sie sich dagegen, musste sie leiden. Sie war nicht schwach, aber sie war nicht stark genug. Sie hätte es nie geschafft, in einem Krieg gegen die Guten zu kämpfen.

Fynn lächelte matt. Er ging auf seine kleine Schwester zu und nahm sie in den Arm.

„Auf Wiedersehen, Zoey", flüsterte er kaum hörbar in ihr Ohr und wies erneut auf die Tür. Seine Augen funkelten bestimmend.

Zoey zögerte keinen Moment, sah ihm ein letztes Mal in die Augen und durchquerte schliesslich den schmalen Raum. Wohin sollte sie gehen? Sie kannte niemanden ausser ihrem Bruder, ihren Eltern, dem dunklen Lord und den anderen Todessern.

Ihre Vergangenheit wurde ihr genommen. Ihre Freunde musste sie verlassen, als ihre Familie in das Haus ihres Herren zog. Ihr Lachen hatte Zoe verloren, als sie sich von ihrem besten Freund trennen musste. Sirius Black. Als die Beiden zwei Monaten alt waren, lagen sie nebeneinander in einer Wiege. Als sie elf Monate alt waren, gingen sie gemeinsam ihre ersten Schritte. Hand in Hand. Als sie sechs Jahre alt waren, hatten sie zusammen ihr erstes Eichhörnchen verhext. Als sie acht Jahre alt waren, wollten sie heiraten. Sie wollten schon damals zu Zweit von Zuhause ausreissen und die grosse, weite Welt erkunden. Später wurde Sirius zu ihrem grossen Vorbild, denn er hatte den Mut, gegen seine Eltern und deren Einstellung zu der dunkeln Seite zu kämpfen.

Als Zoes Eltern, Jonathan und Melany McMourne, nach ein Paar Wochen die enge Freundschaft zu Sirius und die Pläne und die Veränderung dieses Jungen bemerkten, durfte sich Zoey nicht mehr mit ihm treffen. Tagelang wurde sie in dem hauseigenen Kerker eingesperrt und verharrte ohne Essen und ohne Wasser in diesem dunklen Loch. Wenn Besuch vor der Tür stand, taten die McMourne's so, als wäre ihre Tochter schwerkrank und müsste im Bett bleiben. Sie lebten weiterhin im Luxus, während das Mädchen in der Dunkelheit litt. Zoey erblickte das Tageslicht erst wieder, als sie das Ritual Voldemorts überstanden hatte und das dunkle Mal ihren linken Unterarm schmückte.

Ihr einziger Halt in dieser Zeit war ihr Bruder Fynn, welcher jedoch selbst ein paar Jahre zuvor in die Reihen des dunkeln Lords aufgenommen wurde. Er wusste, wie sie sich fühlte und tat alles dafür, dass sie wenigstens ein Mal im Tag lächeln konnte. Er war sich ebenfalls bewusst, dass dies nicht Zoeys Welt war. Er wusste, sobald sie konnte, würde sie gehen. Zoey gehörte einfach nicht auf diese Seite in diesem Krieg. Fynn beschützte sie vor den Ausbrüchen seines Vaters, vor den Anfällen seiner Mutter und vor den Trieben der älteren Todessern. Er hasste es, wenn die Männer seine kleine Schwester mit hungrigen Augen beobachteten und sie anfassten. Oftmals folterte er die Todesser, die ihr zu Nahe kamen.

Fynn war ganz anders als seine Schwester. Er war stark und gehörte zu den höchsten Anhängern Voldemorts. Niemand der anderen Todessern traute sich, ihm zu widersprechen oder ihm in die Quere zu kommen. Er genoss hohes Ansehen und hatte vor nichts Angst. Im Gegensatz zu Zoey ging er nach Hogwarts, auf die Schule für Zauberei und Hexerei. Seine Schwester wurde zuhause von ihren Eltern und privaten Lehrern unterrichtet.

Zoey blickte ein letztes Mal zurück, lief dann los und eilte in den naheliegenden Wald. Verzweiflung machte sich in ihr breit. Was würde mit Fynn passieren? Würde er auch entkommen können? Würde sie ihn wiedersehen? Und verdammt nochmal, wo sollte sie jetzt hin?

Ganz ausser Atem fand sie sich in Mitten des angsteinflössendes Waldes wieder. Sie rang nach Luft, sie konnte nicht mehr. Ihre Beine fühlten sich taub an, ihre Hände waren eiskalt. Erschöpft stützte sie sich an einem Baum und schloss ihre Augen.

Sie konnte nie wieder zurück und sie wusste nicht, wo sie hinkonnte. Zoey überlegte fieberhaft, wo sie diese Nacht schlafen könnte, ohne dass sie gefunden wurde. Da erinnerte sie sich an die Worte von Sirius, als er in den Sommerferien nach seinem ersten Jahr in Hogwarts vor ihrem Fenster stand und sie besuchen wollte. „Der Schulleiter, Albus Dumbledore, ein alter, verrückter Typ, kümmert sich um jeden einzelnen Schüler und gibt ihm ein neues Zuhause. Es ist jetzt auch mein Zuhause, ich habe da Freunde gefunden und niemand quält und foltert mich mehr."

Und da fiel es ihr ein. Nun wusste sie, zu wem sie gehen konnte. Sie musste nach Hogwarts. Sirius und dieser alte Mann würden ihr helfen, hoffte sie.

Mit neuem Mut und neuer Energie hastete sie los und überquerte Hügel, watete durch Schlamm und lief durch hohes Gras. Kein Berg und kein See würde sie aufhalten. Auch der Gedanke an ihren Bruder liess sie nicht aufhalten und an die Probleme und Strafen, die auf ihn zu kommen würden, da er ihr geholfen hatte. Er würde nicht leben können, sagte er, wenn seine kleine Schwester weiterhin so leiden würde.

Zoe dachte auf ihrem Weg kein einziges Mal an eine kurze Pause, sie war sich so sicher, dass es ihre richtige Entscheidung war, nach Hogwarts zu gehen. Sie verliess sich auf die Worte von ihrem besten Freund aus ihrer Kindheit.

Als es bereits wieder hell wurde, erkannte Zoe schon von Weitem das gigantische Schloss. Majestätisch ragten die Mauern in den sternenklaren Himmel. Sie lächelte.

Die letzten Meter kam sie nur taumelnd voran. Ihre Hände zitterten, ihre Beinen waren kurz davor, nachzugeben und auch ihr Kopf schmerzte fürchterlich.

„Endlich sehe ich dich wieder", wisperte sie fast lautlos und liess sich kraftlos und totmüde an dem Ufer des Sees fallen. „Endlich sehe ich dich wieder", flüsterte sie erneut und schloss dann ihre Augen.

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