Und nochmal besten Dank an Faithful Magewhisper, die sich dafür opfert, der Story den letzten Schliff zu geben!


Kapitel 25

Flucht

Die Posteule landete unsanft auf dem Schreibtisch in dem runden Büro, in das Minerva sich nun doch hineingetraut hatte um zu arbeiten.

Überrascht sah Minerva auf. Wer würde ihr so spät am Abend noch schreiben?

Die Eule krächzte ungeduldig und streckte ihr das Bein entgegen, damit sie ihr die Nachricht abnehmen konnte, dann erhob sie sich und verschwand so schnell, wie sie gekommen war, wieder durch das offene Fenster.

Minerva sah auf den schlichten Umschlag hinab. Es stand kein Absender darauf, nur ihr eigener Name, in einer verschnörkelten Schrift, die ihr vage vertraut erschien. Sie öffnete den Umschlag und zog einen Bogen Pergament hervor. Die Nachricht war knapp gehalten:
"Muggelstämmige sind in Gefahr. Bringen Sie Ihre Partnerin in Sicherheit."

Minerva starrte auf diese schlichte Notiz und in ihrem Kopf arbeitete es fieberhaft. Wer würde ihr eine solche Nachricht schicken? Wer wusste, dass sie und Septima mehr verband als eine einfache Freundschaft?

Albus fiel ihr ein, doch sie hatte seinen Leichnam gesehen und sie konnte ausschließen, dass diese Nachricht von ihm stammte.

Die Ordensmitglieder hätten wohl eher einen Patronus geschickt oder den Brief unterzeichnet, wenn sie ihr eine entsprechende Nachricht geschickt hätten. Wenn sie denn gewusst hätten, was sie mit Septima verband.

Severus fiel ihr ein. Er hätte es gewusst, aber sofort wies sie den Gedanken als absurd weit von sich. Snape, der Verräter, würde ihr ganz sicher keine Nachricht schicken, in der er sie aufforderte, Septima zu verstecken.

Aber war es denn wichtig, wer diese Nachricht geschickt hatte? Wichtig war nur, dass sie gewarnt worden war und Septima in Sicherheit bringen konnte.

Die Nachricht in der Hand sprang sie auf und eilte aus dem Büro und in Septimas Räume, in der Hoffnung sie dort anzutreffen.

Sie hielt sich nicht mit so unwesentlichen Dingen wie einem Anklopfen auf, sondern stürmte einfach in ihr Wohnzimmer.

Septima hob erstaunt die Augenbrauen, als Minerva atemlos hereinplatzte.

„Wer ist dir denn auf den Fersen?", fragte sie.

„Lies das!" Minerva warf ihr das Pergament in den Schoß.

Septima las die Nachricht, dann sah sie Minerva an.

„Und nun?"

"Du wirst untertauchen", erklärte Minerva.

„Kommt gar nicht in Frage!" Septima hob entschlossen das Kinn. „Ich lasse dich nicht allein."

„Du musst", erwiderte Minerva ebenso entschlossen, „oder glaubst du etwa, ich würde dich in Gefahr sehen wollen? Ich könnte es nicht ertragen, dich zu verlieren."

"Und wo willst du mich so plötzlich verstecken? Soll ich als Maus verwandelt in deinem Büro hausen?", fragte Septima spöttisch.

„Ich habe schon alles vorbereitet. Du kannst jederzeit in der Versenkung verschwinden", erklärte Minerva. „Du glaubst doch wohl nicht, dass ich eine solche Entwicklung nicht befürchtet hätte?"

„Ich? Ich kann in der Versenkung verschwinden?", fragte Septima angespannt. „Und du? Was ist mit dir? Du kommst nicht mit?"

„Nein", antwortete Minerva und bemühte sich, ruhig zu bleiben, „ich werde hier bleiben."

„Dann gehe ich auch nicht", erklärte Septima entschlossen. „Ich gehe entweder mit dir oder gar nicht!"

„Versteh doch, Septima, du bist in Gefahr", flehte Minerva. „Ich möchte doch nur, dass du in Sicherheit bist. Ich will dich nicht auch noch verlieren, du bist alles, was ich noch habe!"

„Und du? Glaubst du, du wärst nicht in Gefahr? Du führst den Orden des Phönix, du bist bekannt dafür, Dumbledores Ideale zu teilen. Glaubst du, auf dich hätten sie es nicht abgesehen?", schrie Septima und sprang auf.

„Ich bin nicht so gefährdet wie du, Septima. Ich mag eine Blutverräterin sein, aber ich bin kein Schlammblut. Außerdem leite ich den Orden, wie du gesagt hast, und die Schule, und die Kinder brauchen mich", versuchte Minerva zu erklären.

„Denkst du, ich würde dich nicht brauchen?"

"Ich kann hier nicht weg", sagte Minerva störrisch. „Wer weiß, was als nächstes kommt? Ich muss hier bleiben und auf die Schüler Acht geben."

"Dann gehe ich auch nicht."

„Sei doch vernünftig!", flehte Minerva. „Ich bin reinblütiger Abstammung, mir wird nichts passieren."

"Du bist ein Blutsverräter, Minerva. Das kommt in deren Wertschätzung gleich hinter einem Schlammblut", beharrte Septima. „ Ich gehe nicht ohne dich, Minerva."

„Du wirstgehen", sagte Minerva mit Entschiedenheit.

„Ich kann nicht von dir weggehen, ich kann es einfach nicht! Schon die Vorstellung, dich nicht zu sehen, nicht bei dir zu sein, bricht mir das Herz! Ich liebe dich zu sehr, um ohne dich fortzugehen!"

„Und ich liebe dich zu sehr, um dich hierzubehalten. Septima, Liebste, es geht mir nur darum, dich zu beschützen!"

„Wenn du mich so sehr liebst, dann komm mit mir!", flehte Septima.

„Ich kann nicht!"

„Warum kannst du für die Schüler und den Orden hierbleiben, aber nicht mit mir weggehen? Immer denkst du an alle andren, aber nie an mich!Minerva,ich begreife es nicht! Wie kannst du nur so ruhig bleiben und einfach beschließen, mich fortzuschicken!?"

„Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht, aber ich glaube, dass es so am besten ist", erwiderte Minerva scharf. „Ich versuche nur, vernünftig zu sein."

„Ach! Bin ich etwa unvernünftig, nur weil ich dich auch in Sicherheit sehen will? Weil ich nicht einsehe, dass du immer noch mehr geben, immer noch mehr opfern muss, aus irgendeinem blöden Pflichtgefühl heraus?"

„Im Moment bist du extrem unvernünftig. Du trotzt herum wie ein Kleinkind und bist stur wie ein verdammter Esel!"

„Das muss sich erst noch herausstellen, wer hier der sture Esel ist!", schrie Septima sie an. „Ich mag ja nur ein dreckiges Schlammblut sein, aber ich bin durchaus in der Lage, auf mich selbst aufzupassen, was verdammt viel mehr ist, als du von dir behaupten kannst, Miss Ich-weiß-immer-alles-am-Besten! Du bist nicht so perfekt, wie du gerne glauben würdest und auch du hast nicht auf alles eine Antwort, also tu hier nicht so verdammt überlegen!"

Septima stand schwer atmend vor Minerva, die Hände zu Fäusten geballt und zitterte am ganzen Körper.

„Du bist genau wie Dumbledore", warf sie ihr schließlich vor, „er hat auch immer geglaubt, ohne ihn ginge es nicht, er hat auch immer gedacht, er hätte auf alles eine Antwort und wüsste alles! Und was hat es ihm eingebracht? Sag es mir, Minerva! Einen gottverdammten Todesfluch hat es ihm eingebracht, mehr nicht! Und mit dir wird es auch nicht anders enden!"

„Pass auf, was du sagst!", schrie Minerva nun zurück, „pass verdammt nochmal auf, was du von dir gibst!"

Ihr Gesicht war kreidebleich und wutverzerrt, und in ihren Augen stand ein so gefährliches Funkeln, dass Septima erschrocken zurückwich. Plötzlich fiel ihre Wut in sich zusammen und sie begriff, dass sie zu weit gegangen war.

„Es tut mir leid", sagte sie unbeholfen und streckte die Hand nach Minerva aus. „Es tut mir so leid! Ich hätte das nicht sagen dürfen."

Minerva wich vor ihr zurück. „Fass mich nicht an", presste sie hervor. „Gut, dass ich jetzt weiß, wie du denkst."

Sie drehte sich herum und verließ das Zimmer. Die Tür schlug donnernd hinter ihr zu und sie war fort.

Septima ließ sich wie erschlagen auf ihr Sofa sinken und schüttelte benommen den Kopf. Was war nur in sie gefahren? Sie wusste, sie war zu weit gegangen. Wie hatte sie Minerva nur so verletzen können?

„Du bist ein Esel, Septima Vektor, ein vollkommen blöder, sturer, hirnloser Esel", sagte sie leise in die Stille hinein. „Das wird sie dir nie verzeihen, niemals."

Und sie legte den Kopf an die Sofalehne und weinte.

Minerva preschte mit langen wütenden Schritten durch die Korridore.

„Wie kann sie es wagen?", flüsterte sie heiser, „Wie kann sie wagen!"

Selbst die Menschen in den Porträts duckten sich, als sie vorbei marschierte, als ob ihr Zorn sie umwaberte wie ein elektrisches Feld.

Atemlos erreichte sie ihre Räume und stürmte wie ein fleischgewordenes Unwetter durch die Tür. Dann stand sie in ihrem Wohnzimmer, noch immer atemlos, mit hängenden Schultern und wusste nicht, was sie tun sollte.

Eine kleine ehrliche Stimme in ihrem Kopf sagte ihr, dass Septima mit ihren Anschuldigungen nicht ganz Unrecht hatte. Sie glaubte tatsächlich, immer alles am Besten zu wissen und unverzichtbar zu sein.
Sie ließ sich schwer auf einen Sessel fallen und barg das Gesicht in den Händen.
'Septima hat Recht', dachte sie, 'ich bin genau wie Albus. Ich schmiede Pläne, ohne jemanden mit einzubeziehen, ich denke immer, dass ich die einzig richtige Lösung auf ein Problem habe. Ich bestimme über ihr Leben, ich fasse Entschlüsse, ohne sie überhaupt nach ihrer Meinung zu fragen.'

Plötzlich war ihr sehr kalt.

Es klopfte zaghaft an der Tür. Minerva warf sich ihren Morgenmantel über das Nachthemd und öffnete.

„Septima!"

„Minerva, es tut mir so leid!"

„Mir tut es auch leid!"

Sie fielen einander in die Arme und hielten sich fest, als hätten sie Angst, in der nächsten Sekunde wieder auseinandergerissen zu werden.

„Ich weiß nicht, was da eben in mich gefahren ist", schniefte Septima. „Ich wollte das alles gar nicht sagen."

„Ich auch nicht, Liebstes, ich auch nicht."

Minerva nahm Septima an der Hand führte sie zum Sofa.

„Das muss der ständige Stress sein", sagte sie bekümmert. „uns allen liegen die Nerven blank. Und wenn ich daran denke, dass ich dich eine ganze Weile nicht sehen und bei mir haben kann, zerreißt es mir das Herz."

Septima umklammerte Minervas Hand.

„Es muss doch eine andere Möglichkeit geben", sagte sie verzweifelt. „Ich will nicht einfach gehen und dich hier allein lassen. Kann ich mich nicht i meiner Animagusform auf dem Schulgelände verstecken? In der Heulenden Hütte vielleicht oder im Verbotenen Wald? Außer dir weiß doch keiner, dass ich ein Animagus bin."

„Es ist zu gefährlich, Septima. Die Heulende Hütte ist als Versteck zu offensichtlich, immerhin hat Sirius sich dort damals versteckt und Snape weißdas, und der Verbotene Wald viel zu gefährlich. Und dabei denke ich nicht nur an die Todesser, sondern auch an die Acromantula. Und die Zentauren werden auch nicht besonders begeistert sein, plötzlich eine neue Nachbarin zu bekommen. Und du weißt, wie eigen die sein können."

Sie legte den Arm um Septima und zog sie eng an sich.

„Ich habe seit dem Verschwinden von Charity damit gerechnet, dass es so kommen könnte und ich habe lange hin und her überlegt, aber ich sehe wirklich keine andere Möglichkeit, dich in Sicherheit zu wissen als dich fortzubringen, solange ich noch die Möglichkeit dazu habe. Ich werde dich furchtbar vermissen, aber ich weiß wirklich keine andere Möglichkeit."
Sie küsste Septima sanft aufs Haar.

„Wann denn?", fragte Septima, da sie langsam einsah, das Minerva einerseits Recht hatte, andererseits aber auch Gewalt anwenden würde, um sie aus der Schusszone zu bekommen.

„Sobald wie nur möglich. Ich würde sagen, dass du morgen Abend im Schutze der Dunkelheit verschwinden solltest. Du kündigst und verschwindest."

"Und was ist mit dir?"

"Was soll mit mir sein? Es geht um dich, um deine Sicherheit!"

"Minerva, Snape weiß, dass du und ich zusammengehören. Wenn ich mich jetzt alleine verstecke, werden sie dich benutzen um meinen Aufenthaltsort herauszufinden. Und wenn ich mich einfach bei Nacht und Nebel aus dem Staub mache, dann gehen sie doch davon aus, dass du etwas weißt, dass du deine Hände im Spiel hast."

"Dann dürfen sie das nicht vermuten", gab Minerva entschlossen zurück.

„Und wie willst du das anstellen?"

"Indem wir einen fürchterlichen Krach haben, in dessen Verlauf du mir deine Kündigung an den Kopf wirfst und gehst", erklärte Minerva. „Wir müssen nur sicherstellen, dass es genügend Zeugen dafür gibt, vorzugsweise ein Klatschmaul wie Horace."

„Das könnte vielleicht – Vielleicht! – funktionieren", gab Septima nach kurzem Zögern zu. „Trotzdem wäre mir wohler, wenn du mit mir kommen würdest."

"Ich weiß. Aber es geht nicht", beharrte Minerva entschieden auf ihrem Standpunkt.

"Ich würde sagen, die beste Zeit, um einen solchen Streit zu lancieren, wäre morgen früh", überlegte Minerva und klammerte sich an Septimas warmen Körper. „Wir müssen nur laut genug brüllen, damit unser Geschrei gehört wird, und du verlässt wütend die Schule."

"Ist das nicht ein wenig ungewöhnlich für dich?", fragte Septima zweifelnd. „Ich meine, ich habe ja gesehen, wie böse du werden kannst, aber es ist nicht deine Art, Leute öffentlich derart herunterzuputzen und dann gleich deine ehemalige Geliebte, damit es auch jeder mitkriegt?"

"Wer weiß denn schon, wie ich mich in einer solchen Situation verhalten würde?", konterte Minerva. „Es hat noch nie jemand mitbekommen, dass ich Streit mit einem Liebhaber gehabt hätte, das wird der Klatsch des Monats werden."

"Vermutlich", sagte Septima trocken. „Aber was mich ja doch mal interessieren würde: Wo willst du mich überhaupt hinschicken?"

„In mein Haus", erklärte Minerva, als sei es die natürlichste Sache der Welt.

„In dein Haus?", wiederholte Septima zweifelnd. „Meinst du nicht, das ist ein wenig offensichtlich?"

"Nein", erwiderte Minerva geheimnisvoll. „Ich habe alles vorbereitet."

„Klärst du mich auf?"

"Kennst du den Fidelius-Zauber? Den habe ich vor Jahren über das Haus verhängt und ich allein bin der Geheimniswahrer. Solange niemand weiß, wo mein Haus ist – und außer dir weiß es niemand, was dich ebenfalls zu einem Geheimniswahrer macht – wird dich keiner dort vermuten und dort auch nicht finden. Außerdem habe ich ein spezielles Extra-Versteck angelegt, das ich dir dann noch zeigen muss. Ich werde dann so bald als möglich kommen und es dir zeigen. Ich würde sagen, du packst jetzt ein paar Sachen ein, die du mitnehmen willst und ich komme in – sagen wir einer Stunde zu dir."

„Na schön", seufzte Septima. „Da ich dir das anscheinend sowieso nicht ausreden kann, bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als mich in mein Schicksal zu fügen. Aber ich werde dich furchtbar vermissen. Und ich werde dir regelmäßig schreiben."

„Das wäre eine ziemlich dumme Idee", erwiderte Minerva. „Dann können wir uns diese hysterische Abschiedsszene genauso gut ersparen. Sollte jemand die Eulen abfangen – und das halte ich nicht für unmöglich – wird jeder aus den Briefen schließen können, dass ich dich irgendwo versteckt habe und wir wären wieder da, wo wir angefangen haben."

„Du wirst langsam genauso paranoid wie Moody", bemerkte Septima. Dann sah sie Minervas Gesicht.

„Es tut mir Leid, Minerva, das war taktlos von mir. Und sicher hast du Recht mit deiner Vorsicht. Es ist nur… Allein der Gedanke, dich auf unbestimmte Zeit nicht zu sehen und nicht mit dir in Kontakt treten zu können, das macht mich mehr als nur ein bisschen irre."

Minerva nickte langsam, schenkte ihr ein gezwungen wirkendes Lächeln und schob sie aus der Tür.

In ihren Räumen stand Septima einen Moment unschlüssig herum, dann begann sie rasch ein paar persönliche Gegenstände in ihren Koffer zu packen. Zu guter Letzt sah sie sich um, ob sie auch nichts vergessen hatte, dann beschlich sie plötzlich eine Idee. Sie sah nach, ob sie noch genügend Zeit übrig hatte, ehe Minerva zu ihr kam, dann huschte sie in den Kerker.

Kurz darauf kehrte sie zurück und packte einige Glasgefäße in ihren noch recht leeren Koffer und polsterte sie sorgfältig mit ihren Roben.

Gerade als sie vor dem Koffer kniete und den Deckel zuschnappen ließ, öffnete sich die Tür und Minerva kam herein.

„Hast du gepackt?"

"Bin gerade fertig geworden", erwiderte Septima und erhob sich.

„Das trifft sich gut. Da wir nur noch so wenig Zeit miteinander haben, dachte ich, wir könnten diese letzte Nacht nutzen."

Minerva lächelte verhalten.

„Das würde mir gefallen. Ich werde dich so lange lieben, dass sich morgen alle fragen werden, warum deine Augen so rot sind", lächelte Septima und zog Minerva in eine stürmische Umarmung.

Minerva hielt Septima in den Armen. Die wenige kostbare Zeit, die sie noch miteinander hatten, verging viel zu schnell. Sie glaubte zu spüren, wie ihr die Minuten wie Sand durch die Finger rannen, schloss die Augen und lehnte ihre Wange gegen die Septimas.

Sie fragte sich wann sie Septima das nächste Mal in den Armen halten würde, hoffte, dass es ein nächstes Mal für sie geben würde.

Eine einzelne Träne stahl sich unter ihrem Lid hervor und benetzte Septimas Wange.

Septima schlug die Augen auf.
"Ich schlafe nicht", flüsterte sie und streichelte durch Minervas wirres Haar, dann suchten ihre Lippen nach Minervas.

„Wenn ich schon ins Exil verbannt werde, möchte ich ein paar wunderschöne Erinnerungen an dich mitnehmen", flüsterte sie dann.

„Dann sollten wir schleunigst dafür sorgen, dass du noch ein paar schöne Erinnerungen für dein Handgepäck bekommst", schlug Minerva vor und ließ ihre Hand über Septimas Rücken gleiten.

„Diese Idee klingt sehr vielversprechend", raunte Septima und machte es ihr nach. Ihre Hand folgte dem sanften Schwung von Minervas Hüfte und glitt dann genüsslich über Minervas Hinterteil.

„Das ist der süßeste Hintern, den ich je gesehen habe", murmelte sie und schauderte, weil Minerva liebevoll an ihrem Ohrläppchen knabberte.

„Ich wusste gar nicht, dass du mit den Händen sehen kannst", klang Minervas Stimme nah an ihrem Ohr.

„Ich werde dir zeigen, wie vielseitig talentiert meine Hände sind", murmelte Septima und glitt mit ihrer Hand weiter südlich.

„Unbedingt", wisperte Minerva heiser, „ich bestehe darauf."

Sie reckte sich Septimas Händen entgegen, um sie noch ein letztes Mal zu spüren, bevor ihnen diese Trennung aufgezwungen wurde. Verzweifelt klammerte sie sich an Septima, um ihr noch ein letztes Mal nahe zu sein, ein letztes Mal ihre Nähe zu spüren. Sie wollte Septima nicht hergeben müssen, doch gerade ihre Liebe zu ihr trieb sie dazu, sie fortzuschicken, um sie nicht verlieren zu müssen.

Septima küsste sie mit der gleichen Verzweiflung und sah ihr mit einem brennenden Blick in die Augen. Sie wollte sich jede Einzelheit von Minervas Gesicht, Minervas Körper einprägen, jedes kleine Detail unauslöschlich in ihrem Gedächtnis einbrennen.

„Ich werde in jeder Minute an dich denken", wisperte sie heiser und drängte sich an Minerva in dem schmerzhaften Wunsch, Eins mit ihr zu sein, ein letzte Mal.

Minerva und Septima standen sich schweigend gegenüber und hielten sich an den Händen.

„Du musst gehen", mahnte Minerva schließlich sanft.

„Ich weiß. Aber ich wollte dich noch einmal in Ruhe anschauen." Septima hob die Hand und berührte sanft Minervas Wange, bevor sie sich küssten und sich ein letztes Mal fest umarmten.

„Ich liebe dich."

„Ich liebe dich auch", sagte Minerva heiser. „Und glaub mir ab jetzt bitte kein Wort mehr. Ich werde gleich ziemlich gemein zu dir sein."

"Ich weiß", murmelte Septima und griff nach ihrem Koffer.

Sie sahen sich ein letztes Mal still in die Augen, dann ging Septima auf die Tür zu, holte tief Luft und öffnete sie.

Minerva nickte ihr zu und Septima brüllte:
"Ich hab die Schnauze voll, Minerva! Ich bin nicht dein Schoßhündchen, das kommt, wenn du nach ihm pfeifst!"

"Wenn du jetzt gehst, dann brauchst du dich hier nie wieder blicken lassen!", schrie Minerva. „Du bist gekündigt!"

"Du kannst mich nicht kündigen, ICH kündige! Es tut mir nur leid um die Zeit, die ich mit dir verschwendet habe!" Septima schwang ihren Koffer und eilte den Flur hinunter.

Minerva schrie ihr nach: „Nicht so leid, wie es mir tut, dass ich meine Zeit mit dir vergeudet habe!"

Slughorn erschien im Flur, offensichtlich von ihrem Geschrei angelockt.

„Meine Damen!", flehte er, „Liebe Kolleginnen, so hören Sie doch auf! Ich bin sicher, Sie können Ihre Differenzen anderweitig klären."

Septima drehte sich um und traf ihn wie versehentlich mit ihrem schweren Koffer.

„Sie halten sich da heraus, Slughorn", knurrte sie. „Ich werde einen Teufel tun und mich mit dieser Person unterhalten. Sie ist den Atem nicht wert, den ich dabei verschwenden werde."

"Und das sagt die größte Schlampe, die mir je unter die Augen getreten ist", höhnte Minerva ätzend. „Ich hoffe nur, dass du mir nie wieder unter die Augen kommst!"

„Gleichfalls", gab Septima kalt zurück, „Ich schlage vor, du suchst dir ein passenderes Spielzeug als mich. Vielleicht wäre der Imperius-Fluch dafür hilfreich."

„Verschwinde, du Schlammblut, bevor ich mich vergesse!", zischte Minerva zurück und schubste Slughorn aus dem Weg, der sie beschwichtigen wollte.

„Ha, jetzt zeigt sie ihr wahres Gesicht!", fauchte Septima und schleppte ihren Koffer weiter den Gang hinab. „Unsere liebe Direktorin, die arrogante Ziege! Lassen Sie mich los, Sie Einfaltspinsel", knurrte sie Slughorn an, der sie aufhalten wollte.

Als sie mit ihrem Koffer die Eingangshalle erreichte, standen dort ihre Kollegen, die anscheinend hastig ihr Frühstück verlassen hatten, um zu sehen, warum die beiden Frauen sich mit einer solchen Lautstärke stritten.

„Aber Septima, wo wollen Sie denn hin?", rief Sprout ehrlich besorgt.

„Irgendwohin, wo ich die nicht mehr sehen muss", zischte Septima und deutete geringschätzig auf Minerva, die wie ein Rohrspatz schimpfend hinter ihr die Halle betreten hatte.

„Das wird sich doch sicher irgendwie klären lassen", warf Flitwick ein und duckte sich, als Septima ihren Koffer gefährlich in seine Richtung schwenkte.

„Geben Sie sich keine Mühe, Filius, ich werde gehen."

Septima hielt sich mit reiner Willenskraft aufrecht. Der Wunsch, sich in Minervas Arme zu flüchten und sie nie wieder loszulassen, wurde mit jeder Minute größer. Die Freundlichkeit ihrer Kollegen, die zwischen ihnen zu vermitteln suchten, machten es Septima nur noch schwerer, ihre Maskerade aufrechtzuerhalten. Sie mochte sie alle – na ja, fast alle – und es fiel ihr schwer, sie dermaßen anzulügen, denn irgendwie waren sie zu ihrer Familie geworden. Wäre es ihr nicht genauso um Minervas Sicherheit gegangen, wie es Minerva um ihre Sicherheit ging, sie hätte kehrtgemacht und wäre geblieben, wo sie war.

"Je eher, desto besser!", schrie Minerva. „Pass auf, dass die Tür dir beim Rausgehen nicht in die Hacken schlägt!"

Septima warf ihr einen giftigen Blick zu, drehte sich brüsk um und marschierte aus dem Schloss, bevor sie ihre Maskerade nicht weiter durchstand.

Es tat ihr Leid, dass sie sich nicht anständig von ihren Kollegen verabschieden konnte und sie konnte es nicht länger ertragen, Minerva weiter Gemeinheiten entgegenzuschleudern.

Die anderen Lehrer starrten ihr entsetzt nach und fragten sich zweifellos, warum Minerva und sie in einen solchen Streit geraten konnten.

Im Schutz der Bäume drehte sie sich noch einmal um, um einen letzten Blick auf das Schloss zu werfen und sah Minerva im Portal stehen.

Der Anblick dieser einsamen, hochaufgerichteten Gestalt bewirkte, dass sie einen merkwürdigen Kloß in ihrer Kehle verspürte und sie eilte weiter, um die Grenzen der Ländereien zu erreichen und zu disapparieren.

Als Septima aus ihrer Sichtweite verschwunden war, schloss Minerva das Tor und drehte sich herum.

„Was stehen Sie alle hier herum und starren mich an?", fragte sie kühl. „Haben Sie nichts Besseres zu tun?"

Ihre Kollegen blickten betreten zu Boden und niemand wagte es, ihr eine Frage zu stellen oder sie anzusprechen, als sie hochaufgerichtet aus der Halle rauschte und in Richtung Gryffindorturm verschwand.

„Ich wüsste zu gerne, was da passiert ist", sagte Sprout immer noch schockiert. „Das sieht den beiden so gar nicht ähnlich."

Poppy schüttelte besorgt den Kopf. „Ich dachte immer, die beiden würden sich mögen. Das kann doch nicht so schnell in Hass umgeschlagen sein."

"Minerva muss ihr irgendetwas getan haben", mutmaßte Sprout so leise, dass nur Poppy es hören konnte.

Diese schüttelte den Kopf und flüsterte zurück:

„Warum Minerva? Es kann genauso gut anders herum gewesen sein. Aber ich kann mir wirklich nicht vorstellen, was die beiden so in Rage gebracht haben könnte."

„Vermutlich werden wir es nie erfahren", sagte Sprout resigniert. „Verdammt, ich mochte Septima! Sie war immer so offen und freundlich."

"Und ich fürchte, dass Minerva in den nächsten Tagen furchtbar gereizt sein wird", prophezeite Poppy. „Trotz allem, was sie gesagt hat, wird sie sie sicher vermissen. Und ich auch."

Die beiden Hexen sahen sich düster an.

Minerva erreichte die sichere Zuflucht ihrer Räume, ließ sich auf ihr Sofa fallen und schloss die Augen. Nun erst konnte sie dem Zittern nachgeben, das sie vorhin beherrschen musste, um ihre Rolle zu spielen, nun erst durfte sie es sich erlauben, ihre Tränen zu zeigen.

Sie schlang die Arme um den Oberkörper und drückte sich in die weichen Kissen. Tränen rollten ihre Wangen hinunter und es war ihr nur ein schwacher Trost, dass sie selber Septima fortgeschickt hatte, um sie in Sicherheit zu wissen.

Im Geist verfolgte sie Septimas Weg durch die Schlossgründe, sah wie sie disapparierte und kilometerweit weg wieder erschien um ihre einsame Existenz in ihrem stillen Versteck aufzunehmen.

Minerva vermisste sie jetzt schon, ihre Gegenwart, ihre Fürsorge, ihr liebevolles Lächeln und fühlte sich so allein wie noch nie in ihrem Leben.

Zur gleichen Zeit tauchte Septima vor ihrem neuen Zuhause auf.

Nachdenklich stand sie am Gartenzaun und starrte auf das kleine Haus, das ihr in den kommenden Monaten Zuflucht und Gefängnis zugleich sein würde. Langsam schleppte sie ihren Koffer den Gartenweg hinunter und schloss die schwere Haustür auf.

Das Haus selbst war unverändert, doch ohne Minervas ruhige Gegenwart wirkte es abweisend und leer.

Lustlos trug sie ihren Koffer in Minervas Schlafzimmer hinauf, um ihre wenigen Habseligkeiten auszupacken und sich so gut einzurichten, wie sie es vermochte.

Sie wusste, dass der Fideliuszauber sie schützen würde, dass niemand sie hier finden konnte, dennoch scheute sie sich davor, die Fensterläden aufzustoßen und zündete stattdessen eine der kleinen Öllampen an.

Als sie ihren Koffer ausgepackt hatte, setzte sie sich in Minervas Schaukelstuhl. Leise schaukelte sie in dem halbdunklen Raum vor sich hin und dachte darüber nach, was sie als nächstes tun würde.

Minerva hätte sicher als erstes für Ordnung gesorgt, doch Septima konnte sich nicht dazu aufraffen, den Schaukelstuhl zu verlassen und durch das zu stille Haus zu geistern.

Sie hatte das unbestimmte Gefühl, dass das alte Haus sie als einen unerwünschten Eindringling betrachtete und sich vor ihr zurückzog. Weihnachten hatte es so gemütlich und anheimelnd gewirkt, doch da war Minerva bei ihr gewesen. Wenn Minerva bei ihr war, fühlte sie sich immer geborgen. Sie vermisste sie, ihren trockenen Humor, ihre Beständigkeit, das liebevolle Aufleuchten in ihren Augen, wann immer sie Septima ansah und Septima fragte sich, wann sie sie wohl wieder sehen würde.

Poppy sollte mit ihrer düsteren Prophezeiung Recht behalten.

Zwar war Minerva nicht so gereizt, wie Poppy es vorhergesagt hatte, dennoch lief sie mit einem Gesicht herum, das ihre Kollegen davor warnten, sie unnötigerweise anzusprechen oder mit Belanglosigkeiten zu langweilen.

Sie war nun häufig im Schulleiterbüro, wo sie sich häufig mit Dumbledore unterhielt. Doch dieser Albus war ihr nur ein schwacher Trost. Sein Bildnis war nur ein schwacher Abklatsch dessen, was er zu seinen Lebzeiten gewesen war und Minerva vermisste ihren Freund.

Sie vermisste Septima und zerbrach sich den Kopf, wie sie einen Nachrichtenaustausch arrangieren konnte, ohne sie beide in Gefahr zu bringen

Zwar war sie nicht bereit, es vor sich selber zuzugeben, dennoch vermisste sie auch Severus.